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“WAND BLEIBT”
Von der Negerlegasse kommend , war seit Jahren bereits der klagend nackt ragende Dachstuhl des frontal an der Lilienbrunngasse liegenden Hauses zu erkennen gewesen . Dabei sah das ohne Fassadeschmuck und Stukkaturen versehene Zinshaus aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht einmal verkommen oder sonst in seiner Substanz beschädigt aus .
Bis plötzlich die Tatze der Investoren ihre Krallen ausfuhr , und dem Haus die Hälfte des strassenseitigen Baukörpers in wenigen Tagen herunterriss .
Interessanterweise sind je zwei Zimmer des linken Hausflügels unberührt geblieben . Betritt man die Ruine , sieht man auf der Innenseite der Vordermauer den blau hingesprayten Schriftzug “Mauer bleibt” . Was , angesichts der über fünf Stockwerke hin ins Leere mündenden Türen freilich wenig Trost verheisst .
Das “Bleibt !” findet sich auch auf der Aussenmauer des zweistöckigen quadratischen Restes dessen , was einmal ein Wintergarten oder ein im Hof freistehendes “Salettl” gewesen muss . Auch hier klettert man über Haufen von den mit “k.k.”- Stempel und ärarischem Adler versehenen “Wienerberger”- Ziegel , um sich Einblick zu verschaffen .
Die sorglich gehegten Reste werfen mehr Fragen auf als die gleichzeitig in mehreren Nebengassen des auf dem Immobilienmarkt immer begehrteren Karmeliterviertels zu beobachtende Abbruchstellen zu beantworten vermögen . Die Tendenz zum Abbruch der aus der Biedermeierzeit stammenden niedergeschossigen Fuhrwerkerhäuser zeigt sich hier im 2. Bezirk nun in genau der gleichen Weise , wie dies vor einem halben Jahrzehnt in Wiens 7. Bezirk geschah .
Frisch entleert harren die Abraumcontainer in der Lilienbrunngasse auf Kommendes . Ein Betonsilo steht zur Applanierung des Grundes bereit . Doch aus welchem Grund liess man die Reste der Haus- Karkasse schräg gegenüber der koscheren Bäckerei bestehen ?
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KLANGAPPARAT
War die Sommerpause mit einem feinen Liveset von Clapan alias Dennis Korsunski eingeleitet ,
nimmt das Herbstprogramm des Netlabels broque mit Clapans bereits schon einmal vorgestellten Projekt “Information Ghetto” seinen Lauf . Die ep “applause phenomena” besticht mit ihrer Reduktion auf das Wesentliche , zarten Akkorden und einer zauberhaften Deepness , die ihresgleichen sucht und keineswegs selbstverständlich findet .
CLICK LINKS TO LISTEN : 01. about chords | 02. applause phenomena ( feat. modul ) | 03. applause phenomena ( less remix ) | 03. old school support | 04. snow report | zip- file
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Auch wenn in Hamburg jetzt zu beobachten ist, daß die Verwaltung langsam wieder die Daumenschrauben anzieht, ist das Gängeviertel doch immer noch ein echter Funken der Hoffnung. Gibt es in Wien ähnliche Bewegungen wie das Hamburger ‘Komm in die Gänge’?
In Hamburg waren wir sehr entsetzt über die Investorenarchitektur am Hafen – dort düfte viel Altsubstanz verloren gegangen sein .
Anderseits gibt es in Wien nichts dergleichen wie “Komm in die Gänge” , mitunter Kunstaktionen und konzertierte temporäre Künstlernutzung leerstehender Ladenflächen in strukturschwachen Gegenden . Ärgerlicherweise drücken auch die Grünen beim Thema “Stadterhaltung” so lange die Augen zu , bis sich hinreichend Bürgerprotest formiert hat , auf dessen Trittbrett die grünen Bezirksräte dann aufspringen .
Diese ärgerliche Eigenschaft ist bei den Grünen in HH auch zu beobachten. Ein befreundeter Comic-Zeichner, der früher auf unseren Musik-Veranstaltungen gearbeitet hat, besetzte mit Kumpanen einfach ein Atelier. Andere kamen hinzu. Und schnell bildete sich ein Kreis aus Künstlern und Anwälten, die der Sache den richtigen Schmiss und gute PR verschafften. Erstaunlich war, daß dann Bürgerliche und sogar Springer-Presse Geschmack am Rettungsplan fanden. Von Grünen keine Spur. Aber scheinen in ihren Entscheidungen ja durchaus eine sehr eigene Interpretation von grüner Politik zu vertreten.
Die Hafen-City ist wirklich sehr glattgeleckt, und viel ist verlorengegangen. Jetzt tummeln sich dort Touristen, und manch einer freut sich sogar auf die Philharmonie …
Schöner Eintrag übrigens, gute Fotos.
Trotzdem waren wir fasziniert von der rechhaltigen Alternativkultur im Schanzenviertel , in der Hafenstrasse und einigen Hintergassen von St. Pauli : All diese Labels , Alterativwerkstätten und -Lokalen ( im unmittelbarem Kontrast zu den Superreichen an der Alster ) haben natürlich eine viel grössere und reichhaltigere Gestalt als die wenigen vergleichbaren “Spots” im viel kleineren Wien . Anders als im extrem statischen Wien vermittelten uns diese “Szenen” den Eindruck : “Hier verändert sich was , hier kann man was machen” .
Obwohl wir theoretisch grosse Fan von Herzog & De Meuron sind , waren wir ob der Monstruosität der Elbphilharmonie ziemlich entsetzt . Was auch in Erinnerung rief , wie sehr sich “photographierte” Architektur unterscheidet von der realen .
Noch ein Wort zur Elbphilharmonie: Im Kaispeicher A fanden über Jahre große elektronische und andere Partys statt. Dass nun aufgehübschte Perlenträger den Ort übernehmen ist aus der Sicht des Nachtlebens sicher ein Verlust. Erinnert mich an einen Termin in der Hamburger Wirtschaftsbehörde. Wir fragten, ob man uns Hamburger Veranstalter über Locations informieren könne. Z.B. Häuser wie den Kaispeicher, die man als Off-Location nützen könne. Für eine Zeitraum oder für einen Tag. Wir wollten kein Geld, keine Unterstützung. Nur gelegentliche Information, bei welchem Bauträger man anfragen könnte. Nachdem wir den Raum verließen, haben wir nie wieder etwas gehört. Das stößt schon sauer auf, wenn man bedenkt, daß wir in der Subkultur immer mit eigenem Risiko und ohne Förderung arbeiten mussten, während der Senat den Claqueuren den warmen Theaterstuhl bezahlt. Altes Thema, ich weiß. Aber Herrgott, wenigstens ein Telefonanruf …
Erinnert mich an Wien , wo es einen eigenen Beamten gibt , der auf die ungenutzten Hohlräume unter der Stadt spezialisiert ist . In diesem Zusammenhang war auch einmal von der Erschliessung solcher Hohlräume für Partyzwecke die Rede …
Toll war auch , als die alten Gasometer für Theater , Raves , Fotoshootings , Ausstellungen frei waren . Dann wurden die effektvollen Riesenzylinder von Stararchitekten in Wohnsilos plus Shoppig Mall umgebaut – allerdings hat die dadurch versuchte Aufwertung des Stadtviertels nicht funktioniert , die Yuppies haben die teuren Wohnungen verlassen , die Mall siecht dahin . Allein das Wiener Stadtarchiv hat sich dort bewährt .
Grundthema bleibt uns immer wieder : Privatisierung des “öffentlichen Raums” , Enthistorisierung , Neukontextualisierung im Sinne von Spektakel und Städtekonkurrenz …
Sehr wahr. Die Hamburger träumen immer noch davon, eines Tages die Olympiade zu ergattern und es allen zu zeigen, weil die Oper ja noch schicker als in Sydney sei.
Allerdings nicht so skurril, der Norden. Der ‘Hohlraumbeamte’ wird mir in Erinnerung bleiben.
Gruß