Elfriede Gerstl-Steg im Stadtpark

LIEU DE MÉMOIRE

Man mag hinsichtlich der Benennung von öffentlichen “Verkehrsflächen” zum Zweck der Würdigung und Erinnerung an Personen stehen wie man will : immerhin wird auf diese Weise ein offiziöser “lieu de mémoire” gestiftet , welcher in Wechselwirkung mit dessen topographischer Lage eintritt . So bleibt die Beibehaltung der Chiffre “Dr. Karl Lueger- Ring” vor der Universität trotz mannigfaltigen Bemühungen , den Namen des antisemitischen Christlich- Sozialen durch den Sigmund Freuds zu ersetzen , schändlich .

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BENENNUNG

Anderseits freut es uns – bei aller Skepsis gegenüber einer oft absurden Benennungspolitik – wenn geschätzte Verstorbene “ihren” Platz in der Stadtlandschaft erhalten : die “Verkehrsfläche” als Denkmal kann die solcherart Geehrten in gefährliche oder lächerliche Nachbarschaften zwingen oder zum Gemeinplatz degradieren . Beides ist bei der Benennung eines “Elfriede Gerstl- Stegs” glücklicherweise nicht der Fall .

Der Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft hat in seiner Sitzung am 8. Juni 2010, A.Z.: 02301-2010, beschlossen:
Die Brücke (Code Nr. 10740) in 1010 Wien, im Stadtpark, wird nach Elfriede Gerstl (16. Juni 1932 bis 9. April 2009; Schriftstellerin) in “Elfriede-Gerstl-Steg” benannt.

Wo die vom Gemeinderat 2010 beschlossenen Um- und Neubenennungen von Verkehrsflächen manche biographische- topographische Absonderlichkeit dokumentiert , lässt sich der Fussgeher- Steg im Stadtpark in vielerlei Hinsicht mit der Person Elfriede Gerstl vereinbaren . Einerseits “passt” diese Fussgeher- Zone auf den rastlosen Parcours , den die Dichterin zwischen Lokalen und Veranstaltungen meist zu Fuss absolvierte . Anderseits hatte sie als Kleinkind

so bis zu ihrem 2. 3. lebensjahr, vor der scheidung ihrer eltern, am stubenring (ich glaube nr. 10) gewohnt, und sie wurde eben schon als kleines kind im kinderwagen durch den stadtpark geschoben. die meierei im stadtpark haben auch wir noch besucht (schnittlauchbrot und ein glas saure milch), solange diese noch in betrieb war. ( herbert j. wimmer )

Schliesslich erinnert die nahegelegene Station “Stadtpark” der U- Bahn- Linie 4 natürlich an die berühmte Kettenbrückengasse , wo Elfriede Gerstl Jahre lang samstags ihre Offizin öffnete , um Freunden ihre Kleider- und Schmucksammlungen zu geringem Preis anzubieten .

Übrigens böte der schmale Steg wenig Raum für Gemeinplätze : eine weitere Motivverwandtschaft zwischen “Steg” und “Leben” .

( Dank an herbert j. wimmer )

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