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Salon Littéraire | Robert Prosser :
Origami
das einzige, dass da noch bleibt, ist: ein
Geheimnis daraus zu machen, und ein Lachen
ist es dann, dass sich in den Tag entfalten wird, wo
in leeren Räumen Süchte Winden Sturm erlauben, wo in
leeren Räumen Winde Sturm erzeugend Süchte sind berühr
ich dieses andren Körpers Wollen fast ein Tal viel zu lang betrachtet,
drauf gewartet, endlich seine tatsächliche Existenz zu begreifen, zu spüren,
das Augengaukel ins Reine mir den Kopf in Finstere jagt, vor den Augen: Atem
Rauschen ihr Geruch, Stein und Lippen brechen auf soweit stehen wir
bereits im Wald das dieser uns Bilder gibt für ein Gefühl und
was ist das andres als: Sprache legt Arterien Venen bis in
unsre Köpfe, spricht Pochen, Puls. Ich bin mir sicher
es lebt unter meinen Füssen wächst es bis in Eiszapfen,
ihre Kälte setzt ins Wasserrauschen einen Trommelschlag
Endakkord doch ohne Scheu greift mir diese Hand gerade eben
durch die Haut, wühlt unsichtbar fühl ich mich in festem Griff durchgraben
von einer Hand aus Wald, Baum und Fels entstanden, daraus hervor: fasst sie mich
an den Rippen, dringt da ein, unerhört wie es rumort und werkt, etwas aus mir holen möchte,
Trieb verlangt, hin und her gespiegelt aufgeladen, aufgewiegelt, rumgestossen eingezwängt
das alles nur wegen einer Hand, die unsichtbar unverschämt in mich drängt zwischen
Stimme und Text dieser eine Moment: gerate ins Fallen, Kippen raus aus:
Geschichten und Leben werden kopfvoran vergessen mit Stirn und
Haar und allem Rest dem ganzen Fleisch und Blut und Geist eignet sich
eine Verneinung an, lass ab und runter gehts rein ins Vergnügen ein Haufen Adern,
Knochen, Zellen klatscht auf im Takt voll und lebendig geht Lust tatsächlich als Speichel
bis in Augen über, wie aus Rubensweibern Äolsharfen zu bauen! ein Fleischdurchgraben, um
Musik zu geben, zu substanzivieren, gib mir: Masse, Körper, eine Aussage wie Irre und Licht
was denn sonst füllt Wörter, damit spürbar wird, wie dieser Schatten Erinnerung speichert
auf dem Blatt wie Echo im Mund weiter springt, dahin glossolaliert, tief dringend
Augen verdrehend und Speichel süßlich färbenden Grund zeigt, nicht
länger verbirgt, was diese Spielart der Liebe dem Leben beibringt
und lauthals hinter Lippen haust. Leck es aus, das Sammelsurium von
Gegenwart, Luft und Publikum vor mir, gib mich dazu, bin Vorlaut, schreiend,
bin nur diese Aktion: sprechen plappern Maul halten im Chaos, im Fühlen
und Austesten der Stimmlagen, denn dieses Jetzt kennt keine Grenzen,
weißumkeinenAbstand, bedient sich ungeniert offener Ausblicke, die wie
Härchen wachsen, sich nach jedem Wind und Himmel richten, wie die eigne Haut
nur in Gefühl denken, denken soweit es Welt einlässt in sich selbst spricht die Haut in
Sinn, Ekstase, und der Moment als Körper ist dort, wo dem Vernehmen nach ein Therapeut
sein sollte: im Hirnriss, wo in leeren Räumen Süchten Winden Sturm erlauben, wie
in leeren Räumen Winde Sturm erzeugend Süchte sind fühl ich mich
in festem Griff durchgraben von einer Hand aus Wald, Baum und Fels entstanden, daraus
hervor: fasst sie mich an den Rippen, dringt da ein, unerhört wie es rumort und werkt,
etwas aus mir holen möcht, den Kopf in Finstere jagt, vor den Augen: Atem
Rauschen ihr Geruch, Stein und Lippen brechen auf soweit stehen wir
bereits im Wald das dieser uns Bilder gibt, und was ist das andres
als: ein Geheimnis daraus zu machen, und ein Lachen
ist es dann, dass sich in den Tag entfalten wird da sich
Zweifel regt ob die jetzige Person tatsächlich dreigefaltet nur
auf Vergangenheit Gegenwart Zukunft basiert, betracht ich mir
im Spiegel die Origamiqualität des Abbildes und einerlei, ob Rabe oder
Blüte sind Augen, Hände, Mund bestimmt kunstvoll aus Erfahrungen geformt,
womit ihnen die Eigenschaft zu sprechen gegeben ist, um aus- und zurückzublicken, Zeit
innerhalb eines Körpers zu bündeln, wie dieser wächst und altert, sich erwärmt, ein Teil von
dir wird. Niemals könnt ich dich derart berühren, gäbe es nicht den Weg hierher, bis ich
dir gegenüber sitze, mir Erzählungen aus den Sinnen hole, damit diese zwischen uns
beiden lebendig werden und gegenwärtig siehst du, wie meine Zunge
Zeittrennungen scharflippig auflöst zu einem Bericht, alles liegt
offenkundig vor dir, und zugleich: nichts als den Inhalt von Silvesterraketen
ausgesprochen, die aus meinem Mund ihr buntes Irrlichtern starten, verrauchen
und dennoch präsent bleiben, sprechen, jagen, was du nicht erlegen kannst: Kälte setzt
ins Wasserrauschen einen Trommelschlag unsichtbar doch ohne Scheu greift dir diese Hand
gerade eben durch die Haut, wühlt unsichtbar fühlst du dich in festem Griff durchgraben
von einer Hand aus Wald, Baum und Fels entstanden, daraus hervor: fasst sie dich an
den Rippen, dringt da ein, unerhört wie es rumort und werkt berührt dich dieses
andren Körpers Wollen als Geheimnis, dass sich in den Tag enfalten wird
und ein Lachen ist es dann, zu spüren, wie sie schneller atmet, gerade
noch kauernd sich jetzt aneinander gedrückt, geklammert, in einer
Umarmung, die vielleicht der Kälte geschuldet gewesen sein
könnte, aber alles ändern die rauen, trockenen Lippen, unbeholfen
aufeinander drückend erledigt die verbliebene Zungenfeuchte den Rest,
Atem von Zigaretten, Brot mischt sich neu, berührt, da sie dich heran zieht,
betastet, fordert, streichelt, dich um die Zigarettenglut bringt, mit Füssen,
die unterm Felsvorsprung ins Unwetter ragen, Regen prallt wider als
Rauch von Wurzeln, dunkler Erde, und das Moos vollgesogen mit Wasser,
schwarzgrünes Kraut verfärbt Bäumen die Rinde, es tropft, trieft von Zweig Stein
Farn hinweg geduckt, fliehend Rauschen von Bächen euch bringend, über euch
hängendes Blattwerk, geneigt eingeknickt im Regen bricht
das Lautschwallen, schwillt durchs Holz drängt es hin aus jeder
Richtung Tosen Kälte tragen, rindenrau Spüren Tasten überlagernd,
vereinnehmendes Gewitter herbei, während der Verstand einsickernd Moos
schwärzer färbt, oder es kommt dir nur so vor, das Augengaukel ins Reine dir
den Kopf ins Finstere jagt, vor den Augen: Atem Rauschen ihr Geruch, Stein und
Lippen brechen auf, reissen Gewitter mit sich fort, mit alten, abgearbeiteten Händen ihre
und deine unterm Fels hervorgewälzte Umnachtung, endlich fällt Regen auf halbentkleidetes
Erwachen, gieriges Aufsaugen, ein Taumel und du liegst auf dem Rücken, es tropft von
Ästen dazwischen hindurch spähst du, nein glotzt vielmehr, mit Sinnen, denen
plötzlich das Schwarz, das Moos weggerissen wird, trägst im Mund bitter
die Erde, lässt sie dir vom Regen wegspülen, starrst hoch und ihre Lippen an deinem
Ohr flüstern in Lauten wie sonst deine Ahnung pulst und krallt sich an dir fest, während
dir die Augen übergehen, fort laufen um dir das Blattweiß dieses Tales zu holen raubst du dir
lächelnd ein Stück Leben, zurück geholt von: Rauschen Kälte Wald
( Aus : Strom , Klever 2009 | Feuerwerk , Klever, März 2011
sowie aus einem noch unveröffentlichtesn Manuskript )
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