ZWEITE RUNDE , 8. 7. 2011
in|ad|ae|qu|ats Einschätzung der Gewinnchancen einzelner Texte ( Sternchen : minimal * , maximal **** – gilt für sämtliche Preise )
War der erste Lesungstag ein wenig mau , liefen Autoren und Jury am 2. Tag des Wettlesens zu voller Grösse auf .
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Linus Reichlin ( D ) – “Weltgegend”
Video – Autor am Wasser , Autor im Boot
Einen ungewöhnlichen Dreh erhält die Fallgeschichte eines Arztes , der im Kriegsbiet nicht nur wohltätig wirkt , sondern zur Waffe greift und einen Menschen erschiesst . Das Dilemma ergibt sich aus dem hippokratischen Eid , wonach ein Arzt zum Wohle seiner Mitmenschen zu handeln habe . Selbstredend verurteilt auch die medizinische Ethik das aktive Töten von Menschen …
Text und Thema werden von der Jury als einleuchtend empfunden . Einerseits wird die Aktualität des Plots begrüsst , anderseits der Hang zur Kolportage attestiert , Paul Jandll reklamiert die “Dürftigkeit” der ästhetischen Mittel ; andere drücken ihr Unbehagen hinsichtlich der “Glätte” der Textes aus . Als “Männer unter Männern”- Text kommt selbiger an Ernest Hemmingway nicht vorbei .
Chancen : **
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Maja Haderlap (, A ) – “Im Kessel” >>> Ingeborg Bachmannpreis 1011
Video - Autorin im Wald ( Grenzwald zu Slowenien ? )
Das Kind begleitet seinen Vater in den “Schlag” , Holzfällerschnurren , Werkzeug. . Ob , so das Kind , er früher schon einmal hier gewesen sei : Vater entrollt die Geschichte der slowenischen Partisanen gegen die Deutschen . Isotopie . Ort im Jetzt . in dunkler Vergangenheit und ungewisser Zukunft .
Hildegard E. Keller konstatiert einen ruhigen , dem Gehen geschuldeten Rhythmus ; Alain Claude Sulzer freut sich über einen “makellosen Text” . Paul Jandl erinnert an die drei Zeitebenen des Textes . Grosses Nicken .
Chancen ****
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Julya Rabinowich ( A ) – “Erdfresserin”
Video : Malerin und Text
Eine Frau in einer Wüstenlandschaft, eine osteuropäische Prostituierte , die die Nähe zu Sohn und Mutter ebenso wenig erträgt wie jene des ans Bett gefesselten Leos, den sie jedoch nicht verlassen kann, bevor sie nicht seine Sparbücher an sich gebracht hat.
Frau ins Wüstenlandschaft , osteuropäische Prostituierte , mythenüberwuchert . Jury distanziert , nennt den Text mehrmals “schwierig” ( ohne Begründung ), distanziert sich letztlich von der Mythomanie . Strigl : Sehnsucht
Chancen **
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Nina Bußmann ( D ) – “Grosse Ferien” >>> 3sat-Preis ( € 7.500 )
Video – Frau am Fluss , über Biber , der unermüdlich sammelt und baut
Text erzählt von der intellektuellen Intimität zwischen zwei “abgesonderten Existenzen” : Lehrer “Schramm” und seinem hochbegabten Schüler “Waidschmidt” – vermutlich erotischer Hintergrund , obwohl Vieles offenbleibt ; “genau gearbeitet” ( Hildegard E. Keller ) , ähnlich . Jandl : Text exemplarisch hinsichtlich der Genauigkeit bis in die kleinsten Details .
Das Ordnungsprinzip im Leben des Lehrers ( Unkrautjäten als Zeichen für Zwangscharakter ? ) gerät aus den Fugen . Unklar bleibt , ob das Geschehen tatsächlich in einer fiktiven Realität stattfindet oder überhaupt “nur” in der Innensicht und Phantasie im Kopf des Lehrers ,
Chancen ****
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Steffen Popp ( D ) – Spur einer Dorfgeschichte >>> Kelag-Preis ( € 10.000 )
Video
Inventur eines Dorfes “um etwas zu sehen , durchzudringen ( Ideal “Dorf aus Glas” ) ; in litanei- artigem Ton rekonstruiert der Erzähler , dass es sich um ein Dorf im ehemaligen Osten handelt , Spurensuche, wo kaum etwas geblieben ist , er weist u. a. darauf , dass Popp eher “von der Lyrik” lommt , womit auch wieder die Möglichkeit einer “Erhabenheit” ins Spiel kommen könnte , einer Erhabenheit im Text , so Spinnen , “ein Glücksfall” , dessen Motivgewebe so dicht gewebt sei, an Henry James’ “the Figure in the Carpet ” zu denken sei .
Chancen : ****
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