Christian Ide Hintze 1953 – 2012

DIE MELDUNG

czz-pikto trauer todDer Dichter und Mitinitiator der Wiener “schule für dichtung” ist am vergangenen Wochenende im Alter von 58 Jahren verstorben . In den Medien kursiert – egal ob bei ORFOn ( 13. 2. 2012 ) oder in der Tageszeitung “Der Standard” – derselbe Agentur-Text :

Dichter Christian Ide Hintze verstorben

Der Dichter und Aktionslyriker Christian Ide Hintze ist im Alter von 58 Jahren überraschend verstorben. Der Wiener hatte 1992 die Schule für Dichtung initiiert, an der Autoren wie H. C. Artmann, Nick Cave und Gerhard Rühm unterrichteten.

Die genaue Todesursache und das exakte Todesdatum sind derzeit noch unbekannt, hieß es aus der Schule für Dichtung. Hintze war an der von ihm gegründeten Schule als Direktor tätig. Der überzeugte Verfechter der Kleinschreibung betrieb “Sprachpolitik“ und war als Autor von Aktionen, Installationen und Songs, von Audio-, Video- und Performancegedichten, von Zettel-, Plakat- und Buchtexten tätig.

Straßensänger und Teilnehmer der Arena-Besetzung

Geboren wurde Hintze am 26. Dezember 1953 in Wien, wuchs allerdings in Salzburg und bei Graz auf, bevor er in Wien seine Matura absolvierte. Es folgten Jahre als Straßensänger in ganz Europa, darauf ein Studium der Theaterwissenschaft. Er beteiligte sich an der Arena-Besetzung ebenso wie an anderen Aktionsformen im öffentlichen Raum. 1979 realisierte er den Kinofilm “Zetteldämmerung“ und erlangte sukzessive mit seinen Werken der “expanded poetry“ Aufmerksamkeit.

Seinen Poesiebegriff sah er „geprägt von den Spannungsfeldern analog / digital und eigene Sprache / fremde Sprache“ – seine Gedichte siedelte er in sieben Kategorien an – von “akustisch“ über “performativ“ bis zu “instruktiv“. Mit einem Gedichtband wie “Die goldene Flut“ oder dem interaktiven “E1. Kartenspiel für ein verstreutes Publikum“ sicherte er sich einen exquisiten, exotischen Ruf im deutschsprachigen Feuilleton.

Auf die Idee für seine Dichtkunstschule kam Hintze 1990, als er auf Einladung von Allen Ginsberg die “Jack Kerouac School of Disembodied Poetics“ besuchte. Nachdem er 1992 in Wien sein eigenes Institut begründet hatte, gewann er Dichter wie H. C. Artmann, Wolfgang Bauer und Gerhard Rühm, aber auch Popliteraten wie Blixa Bargeld, Nick Cave und Falco als Lehrkräfte. Oft äußerte sich Hintze in sprachpolitischen Fragen – und propagierte neben der Kleinschreibung etwa eine österreichische Rechtschreibung. ( … )

Auf seiner Homepage versammelte Christian Ide Hintze auch Zitate über sich selbst. “Die Texte des Delinquenten sind Obszönitäten und Wortspiele. Es besteht kein Bedarf nach derartigen Texten in der DDR“, wird da ein Polizeioffizier zitiert. Ein anderes stammt von Erich Fried: “Hintze wird in Österreich, wenn überhaupt, nur als Ärgernis bemerkt.“ Und ein drittes – von Peter Henisch: “Entweder ist das ein besonders sturer oder ein besonders konsequenter Mensch. Entweder ein Besessener oder ein Idiot, aber womöglich einer von der Sorte des reinen Toren Myschkin.“ ( … ) ( APA )

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AUDIO , SONG- CONTEST , 7- DIMENSIONALE POETIK

czz-pikto trauer todBemerkenswert bleiben Hintzes jüngere Audio- Arbeiten , seine Teilnahme an der österreichischen Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest 2004 und nicht zuletzt eine siebenfältige Poetik , welche Ihresgleichen sucht ( Wiki ) :

2000 erschien die CD ” [ampf]“, eine Sammlung von zum Teil sehr kurzen, mit Hilfe der Programme SampleCell und ProTools produzierten asemantischen Audiopoemen. 2004 nahm Hintze an der österreichischen Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest teil und erreichte den dritten Platz. Sein Beitrag, der Song “Link Love!“ ist ein Statement gegen Rassismus und für gegenseitiges kulturelles Verständnis. Der Text besteht aus vielsprachigen Versionen von I love you. Im selben Jahr produzierte er anlässlich “75 Jahre Radio“ gemeinsam mit dem Komponisten Wolfgang Mitterer für den ORF das Auftragswerk “Langsam Mahlen“. ( … )

2008 entwickelte er die auf Videoclips basierende Online-Plattform “ide7fold“, die erstmals eine integrale Darstellung seines Werks in den Kategorien “akustisch, visuell, literarisch, performativ, interaktiv, infrastrukturell“ und “instruktiv“ erlaubte. Die damit zusammenhängende “7-dimensionale Poetik“ (7fold poetics) präsentierte Hintze im November 2008 am finnischen Orivesi College of Art, im Februar 2009 an der Universität von Barcelona und im Oktober 2009 im Rahmen des internationalen Poesiefestivals von Oslo. 2010 erschien die DVD “nantzn“, die 72 Stücke seiner asemantischen, performativen Poesie enthält.

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LEHR- UND LERNBARKEIT VON LITERATUR

Übrczz-pikto trauer todigens hat Chrtistian Ide Hintze gemeinsam mit Dagmar Travner das erste österreichische Kompendium “Über die Lehr- und Lernbarkeit von Literatur” ( Buch. edition Schule für Dichtung , Passagen Verlag ) herausgegeben . Das war im Jahr 1993 .

Nachdem sich das an der Universität für angewandte Kunst neu eingerichtete “Institut für Sprachkunst” mit dem Wintersemester 2009 | 10 vorgestellt hatte , schien es weiteren Klärungsbedarf zu geben : Das Symposium “Die Praxis des Schreibens” sollte im Jänner 2011 einmal mehr Aufschlüsse zur Lehr- und Lernbarkeit , zu handwerklichen und poetologischen Aspekten liefern .

Herausgekommen ist eine als Spezialausgabe der Zeitschrift “kolik” erschienene Dokumentation mannigfaltiger Redundanzen – was natürlich der notwendigen Selbstverständigung des Instituts , seiner Lehrenden und Studierenden hinsichtlich des Programms für einen sechssemestrigen Bachelor- Studiengang dient .

Mit keinem geringen Problembewusstsein das Thema anbelangend , war Christiane Ide Hintze doch eher der Pragmatiker , der in allen Medien die “Lust am Text” inszenierte und den “Dichtungsschülern” attraktive Lehrmeister:innen online wie offline gewann : schliesslich bietet die “schule für dichtungdezidiertermassen “keine ausbildung” an , sondern sie “organisiert lehrhafte begegnungen mit renommierten autorinnen und autoren” . “im zentrum” , heisst es weiter , “steht die praktische übung” .

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