mitSprache 2012 Dokumentation | Margit Schreiner: Was fehlt? – 11 Strategien einer satten Welt

 

 

||| ÜBER REDEN | 11 STRATEGIEN | 1) DAS LOTTO-SYNDROM | 2) DAS TELLERWÄSCHER-SYNDROM | 3) DAS HILFLOSIGTKEITSSYNDROM | 4) DAS EMPATHIEVERLUST-SYNDROM | 5) DAS MILCHMÄDCHENRECHNUNGSSYNDROM | 6) DAS KOHLHAAS-SYNDROM | 7) DAS POMMES-FRITES-SYNDROM | 8) DAS FREIHEITSSYNDROM | 9) DAS ALZHEIMER-SYNDROM | 10) DAS ALL-INCLUSIVE-SYNDROM | 11) DAS ALL-EXCLUSIVE-SYNDROM | INFO, DETAILS, SOCIAL MEDIA, KONTAKT

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mitSprache 2012 Dokumentation | Margit Schreiner:

Was fehlt? 10 & 1  Strategien einer satten Welt.

Rede, gehalten am 23. 10. 2012 im Rahmen von mitSprache 2012 auf Einladung des StifterHauses Linz .

>>> Video- Dokumentation

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ÜBER REDEN

MS 2012 thumbnail frameNormalerweise dient die Rede heute dazu, mit möglichst vielen Worten das zu verschweigen, worüber geredet werden sollte. Siehe Politikerreden, Begrüßungsreden, Lobreden, Abschiedsreden.
Eine Rede sollte aber (naturgemäß) gehalten werden, um zu sagen, worüber nicht geredet wird. Das erste also, was fehlt, ist eine ordentliche Rede. Ich werde mich bemühen.
Im antiken Griechenland ist die Rhetorik als Kunst der öffentlichen Rede im Zusammenhang mit der Entwicklung der Demokratie entstanden. Freie Erwachsene, allerdings nur Männer, debattierten und bestimmten in Volksversammlungen über Politik, Geschicke und auch Gerichtsurteile, klagten an und verteidigten sich selbst, stellten Anträge, die sie begründeten oder widerlegten. Reden zu können, war die entscheidende Vorbedingung für eine aktive Teilnahme am politischen Leben.
Das ist heute eindeutig nicht mehr so. Mit Ausnahme von Politikern wagen es wenige, überhaupt etwas zu sagen. Für alles gibt es Experten. Und wer kein Experte ist, wird sowieso nicht ernst genommen. Experten sind aber einerseits aufgrund des heutigen Wissenstandes auf ihrem Gebiet hoch spezialisiert, auf allen anderen Gebieten meist unwissend, da Expertentum die lebenslange Ausrichtung auf ein einziges Gebiet zu verlangen scheint, d.h. sie verlieren oft den Gesamtzusammenhang, andrerseits werden sie im Laufe ihres Expertenlebens meist zwangsläufig zu Lobbyisten, da ihre Ausbildung, Forschung, etc. (immer mehr) privat bezahlt wird.

Das macht das Reden für den Nichtexperten so heikel. Ich hatte ständig, als ich an dieser Rede gearbeitet habe, das Gefühl, eigentlich nichts sagen zu dürfen, weil ich ja kein Experte bin. Das Nicht-Expertensein hat mich andrerseits kühn gemacht. Weil: Ist eh schon wurscht! Also: Was fehlt?

Ein weites Feld. Es gilt, Grundthesen herauszuarbeiten:

Wir gehören zu den zehn reichsten Ländern der Welt. An der Einwohnerzahl gemessen, hat Österreich Rang drei bei den Superreichen (über 100 Millionen Dollar) hinter der Schweiz und Singapur. Wo auch immer sie sein mögen (bei mir um die Ecke wohnen sie nicht). Diese Zahl ist gewachsen, da wir eine Endbesteuerung bei der KEST haben (in Deutschland etwa gibt es eine progressive Besteuerung) und keine Erbschaftssteuer mehr. In Österreich gibt es 230 Milliarden Dollar Privatvermögen.
Als ich diese Recherche ausführte, am 2.6. 2012 um 16:50, Uhr betrug die Staatsverschuldung, nachzulesen unter www.staatsverschuldung.at (da ist eine Uhr eingeblendet, wusste ich vorher auch nicht), 223.243.122.588 Euro. In Dollar umgerechnet etwa 290 Milliarden Dollar.
Leiden wir am Glück?

Noch einmal: Was fehlt?

Alles, wenn man an die allgemeine Unzufriedenheit denkt, an die Zunahme von Depressionen, Burn-out, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, psychischen Erkrankungen. Und die Betroffenen werden immer jünger. Laut “Standard” vom Juni 2011 begeht in Österreich pro Woche ein Jugendlicher unter 18 Jahren Suizid. “Welt online” berichtete bereits 2007, dass 18% der Kinder im Vorschulalter psychisch krank seien. 1990 wurden noch 1500 Kinder mit ADHS-Syndrom medikamentös behandelt, 2002 bereits 50.000, 2007 350.000. Aktuellere Zahlen habe ich nicht gefunden. Die deutsche Ärztezeitung von 2010 gibt an, dass die Zahl der unter 15jährigen, die sich mit psychischen Störungen in stationärer Behandlung befanden, in den Jahren von 2000 bis 2008 um 43% gestiegen ist. “Profil” schreibt 2011, dass die verschriebenen Antidepressiva für 10-Jährige in den letzten drei Jahren um 50% angestiegen sind. Innerhalb von zehn Jahren stieg in der Kinderklinik in Linz die Zahl der psychosomatischen Erkrankungen bei Volksschulkindern in stationärer Behandlung um 30%. 20% aller Kinder haben Essstörungen.

Was fehlt?

Nichts, wenn man an das Konsumverhalten denkt, an (noch bestehende) Sozialeinrichtungen, Gesundheitsversorgung, Bildungssystem, Pensionsversicherung. Am Abbau dieser Komponenten wird gearbeitet!

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11 STRATEGIEN

11 Strategien, wie man erreicht, dass alles da zu sein scheint und nichts fehlt, oder: Die Schnittstellen von Realität und Träumen.

Ich möchte von (zum Teil widersprüchlichen) Erscheinungsbildern in der Gesellschaft ausgehen, die da sind, ohne dass man zunächst weiß, warum und wie sie eigentlich entstanden sind.
Das heißt, wir wissen ungefähr, wie es funktioniert, wie Dinge zusammenhängen, aber nicht, wie sie entstehen und wie sie sich entwickeln, d.h. wir haben es mit Syndromen zu tun.
Ich habe elf Syndrome herausgegriffen, die einen ungefähren Überblick geben könnten, woran wir kranken, was uns fehlt. Die Auswahl ist willkürlich und die Bezeichnung der meisten Syndrome habe ich erfunden.
Ich nenne sie:

1) Das Lotto-Syndrom: Geld zu haben ist Glück, Arbeit ist Pech.
2) Im Gegensatz dazu: Das Tellerwäscher-Syndrom: Der Tüchtige schafft alles.
3) Das Hilflosigkeitssyndrom: Nationale und internationale Korruptionsaffären, Krisen und Kriege überrollen uns. Die Politik greift nicht ein. Niemand ist verantwortlich (zu machen).
4) Empathieverlust-Syndrom: Rundum den Reichtum verhungern ganze Völker. Der Einzelne schottet sich entweder ab (Empathieverlust) oder er fühlt sich mitschuldig (siehe Hilflosigkeits-Syndrom).
5) Das Milchmädchenrechnungssyndrom: Zahlen und Statistiken sind wie Computer seelenlos. Es kommt drauf an, wie sie interpretiert werden.
6) Das Kohlhaas-Syndrom: Gerechtigkeit ist nicht nachvollziehbar. Einzelne erschöpfen sich in (sinnlosen) Gerichtsverfahren, andere laufen Amok.
7) Das Alzheimer-Syndrom: Das historische, soziale, politische und künstlerische Gedächtnis schwindet.
8) Das Pommes-frites-Syndrom: Die Kinder glauben, Pommes frites wachsen auf dem Feld, Jugendliche glauben, ein Superstar zu sein oder zu werden, Erwachsene werden Esoteriker.
9) All-inclusive-Syndrom: Die Wünsche sind maßlos. Alles soll benutzerfertig und fast umsonst geliefert werden.
10) All-exclusive-Syndrom: Die Wünsche sind zu gering. Es wird kein menschenwürdiges Leben eingefordert.
11) Das Freiheitssyndrom: Das alles nehmen wir im Namen einer so genannten Freiheit in Kauf.

Ich möchte nun versuchen, die Hintergründe, Bewegungen, Strategien hinter und den Zusammenhang zwischen den einzelnen Syndrome zu untersuchen.

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1) DAS LOTTO-SYNDROM

MS 2012 thumbnail frameWir erinnern uns: Geld ist Glück, Arbeit ist Pech. Einige, hauptsächlich sieht man sie in diversen Zeitschriften oder im Fernsehen, haben Yachten (mit wöchentlichen Liegegebühren von 90.000 Euro), mehrere Häuser, Privatjets usw. Jeder könnte gewinnen. Im Lotto, bei Wettbewerben, Preisausschreiben. In Wirklichkeit ist die Chance, in der Klasse 1 zu gewinnen (6 Richtige und Superzahl), also wenn’s um Millionen geht, 0,000 000 715%, aber auch bei einem Gewinn von 166,47 Euro 0,00451% und sogar bei einer Summe von 40, 60 Euro nur 0,0924%. Hingegen liegt die Chance, gar nichts oder gerade so viel zu gewinnen, dass ein neuer Lottoschein drin ist, bei fast 100%. Am Spielfreudigsten sind 15- bis 29-Jährige, sowie Personen mit geringer Kaufkraft. In Krisenzeiten steigt die Zahl der Spieler.
Wenn jeder gewinnen kann, egal wie niedrig die Chancen sind, ist aber der, der nicht gewinnt, ein Loser. Der Loser, also der, der für’s Leben und nicht für den Luxus arbeiten muss, spielt weiter, um zu gewinnen. Egal ob Deutschlands Superstar oder Österreichs Supertalent oder Schnäppchenjagd oder Modelcastings oder gleich Millionen in der Lotterie.
Die Realität weicht von der Illusion sehr weit ab. Dass Arbeit, sofern man nicht Fonds- oder ein anderer -Manager oder Fernsehdirektor usw. ist, nichts zählt, weicht ebenso weit von der Realität ab. Weil nur Arbeit Werte schaffen kann.
Woran liegt’s?

Ich glaube, wir müssen langsam wieder einmal darüber nachdenken, wie Werte finanzieller Art eigentlich entstehen. Entsteht Geld aus Geld? Oder vielleicht doch durch Arbeit? Ich lege hiermit einen Euro vor mich hin und warte einmal bis zum Ende der Rede ab, was damit geschieht. Die Wörter ‘Kapital’ und ‘Arbeit’ werden heute kaum noch in den Mund genommen. Und wenn, dann bedeutet auch ‘Kapital’‚ ‘Glück’ und ‘Arbeit’, ‘Pech’.
Dadurch entsteht kein Selbstbewusstsein, weder hier noch dort. Die “Schurken-Mentalität” ist die Folge: abzocken, reinlegen, ausnützen.
Es ist von Staatsverschuldungen, Finanzmärkten, Immobilienblasen etc. die Rede, aber nirgends ist mehr, Krise hin, Krise her, von einer Analyse von Arbeit und Kapital die Rede.

Bei sämtlichen unserer Wirtschaftsexperten, Finanzmarktexperten, Volks- und Betriebswirtschaftsexperten der Gegenwart finde ich keine Analyse von Arbeit und Kapital. Aber da war doch einmal einer vor langer Zeit, liegt vielleicht 30, 40 Jahre zurück, der hieß Karl Marx, der hat mir damals eine nachvollziehbare Analyse geliefert. Das alte linke Herz zittert: Karl Marx, der Kommunismus, alles längst vorbei, zusammengebrochen, als Unterdrückungsapparat bewiesen, mein Gott, ich darf doch nicht … Es setzt mich sofort dem Verdacht aus, unbelehrbar zu sein, Stalinist zu sein, underdog zu sein, uncool zu sein: Das Leben ist, wie es ist. Und doch: In seiner Arbeitswertlehre liegt mir eine klare Analyse vor, wie ich sie eben nicht bei so genannten Wirtschaftsexperten finde. Und das Seltsame: Genau diese Analyse schimmert als Hintergrund sämtlicher, diffus erscheinender, scheinbar unerklärlicher Syndrome durch. Es hängt, Marx hin oder her, im Leben eben fast alles zusammen. Und der Kern sämtlicher Erscheinungen sind eben doch immer noch die gesellschaftlichen Verhältnisse.
Nach Marx ist Kapital ein Geldbetrag, der investiert wird, um eine höhere Summe zurückzuerhalten. Kapital wird nicht zum Konsum oder zur Schatzbildung verwendet, sondern investiert, um vergrößert zurückzukehren. Somit macht das Kapital einen Kreislauf durch, der sich aus einem Zirkulationsprozess und einem Produktionsprozess zusammensetzt. Die Kapitalvermehrung ist möglich durch den Kauf von Arbeitskraft. Im Produktionsprozess entsteht ein Wert, der umso größer ist, je länger die Arbeiter arbeiten. Dem Arbeiter wird nur ein Teil des so entstehenden Werts als Lohn erstattet. Was darüber hinaus an Wert entsteht, verbleibt beim Kapitalisten als Mehrwert (Arbeitswertlehre).
Die Produktion ist im Kapitalismus gemeinschaftlich, wird aber privat angeeignet. Die Lohnarbeit ist die Grundlage von Kapital. Die Lohnarbeit schafft Mehrwert, dieser kann vom Kapitalisten für seinen individuellen Konsum oder als Investition zur Akkumulation des Kapitals verwendet werden. Obwohl das Kapital von den Menschen gemacht, das Produkt menschlicher Arbeit ist, scheint es doch gegenüber den Menschen durch den Reichtum und die Macht, die es seinen Besitzern verleiht, eigene Kräfte zu haben, ähnlich wie ein Fetisch gegenüber den Menschen, die an ihn glauben, besondere Kräfte aufweist. Marx spricht deshalb vom Kapitalfetisch, neben dem Geld- und Warenfetisch.
Industrielles und kaufmännische Kapital, das Marx im Gegensatz zum Zins tragenden Kapital zum “fungierenden Kapital” zusammenfasst, sind selbst Teil der Kapitalzirkulation, Teil des Reproduktionsprozesses des Kapitals. Das Zins tragende Kapital dagegen unterscheidet sich von diesen Kapitalformen, da hier Kapital als Kapital zur Ware wird, die gekauft und verkauft wird. Der Preis dieser Ware ist der Zins. Der Gebrauchswert des Zins tragenden Kapitals besteht im Profit, den es seinem Käufer verschaffen kann. Der Zins ist Teil des im Produktionsprozess geschaffenen Mehrwerts.
Der Wert z.B. von Aktien oder Unternehmensanleihen steht nur in einem lockeren Verhältnis zum wirklichen Kapital der Unternehmen Dieses Kapital wird von Marx als “fiktives Kapital” bezeichnet, das neben dem wirklichen Kapital existiert.
Wie sehr sich das “fiktive Kapital” verselbständigen kann, haben wir besonders in der letzten Wirtschaftskrise an der Rolle der Hedgefonds beobachten können. Hier sind wir wieder beim Lottosyndrom, bei den Wettbüros. Hedgefonds sind Wettbüros.

Wir sind im Laufe der Wirtschaftskrise mit Begriffen überhäuft worden, die uns (fast nirgends) verständlich erklärt wurden: Hedgefonds, Rating-Agenturen, gedeckte und ungedeckte Leerverkäufe, Shorties usw. Also was machen die alle, was bedeuten die Begriffe?

Bei Leerverkäufen wetten “Investoren” auf fallende Kurse von Wertpapieren. Sie verkaufen zum Beispiel Aktien, die sie sich etwa bei Fonds ausgeliehen haben. Das Kalkül dahinter: Sinkt der Kurs, können sie die Titel später zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen und dem eigentlichen Besitzer zurückgeben. Den Differenzbetrag zwischen Verkaufs- und späterem Rückkaufkurs streichen sie als Gewinn ein. Die Fonds (unter anderem unsere Versicherungen und unsere Pensionen) machen dieses Spiel mit, weil sie die Aktie langfristig im Bestand halten wollen. Als Entschädigung für die Ausleihe erhalten sie vom Leerverkäufer eine Gebühr.
Bei “gedeckten” Leerverkäufen leihen sich Marktteilnehmer die zu verkaufenden Papiere für eine gewisse Frist beim Besitzer aus, um sie am Markt zu verkaufen.
Bei “ungedeckten” bzw. “nackten” Leerverkäufen haben sich die Investoren noch nicht einmal die Papiere geliehen. Im Extremfall könnte jemand eine große Menge Aktien eines Unternehmens auf den Markt werfen, das es gar nicht gibt. Durch das große Angebot erzeugt er massiven Druck auf die Kurse, weil der Markt die Aktien nicht sofort “verdauen” kann. Diese Geschäfte können die Kursausschläge bei dem Basiswert drastisch beschleunigen – auch nach oben. Denn sobald der Anleger die Aktien wieder zurückkaufen möchte, um den Leerverkauf zu beenden, treibt er den Kurs in die Höhe. Solche Deals sind möglich, weil eine Lieferpflicht für die Papiere meist erst nach Tagen besteht. Dann wird urgiert und es gibt weitere drei Tage Aufschub. Bei uns sind ungedeckte Leerverkäufe jedoch verboten.
Bei Leerverkäufen denken die meisten Privatanleger wahrscheinlich zuerst an Aktien. Doch auch Währungen und Staatsanleihen können leer verkauft werden.
Leerverkäufer im großen Stil sind in aller Regel Hedgefonds. Diese Art von Investoren verdient ihr Geld, indem sie auf Kursbewegungen wettet. In welcher Art oder in welcher Richtung ist Hedgefonds dabei völlig egal.

Hedgefonds, Focus, Money Online, 18.5. 2010:
Ursprünglich wurden Hedge-Fonds gegründet, um Investoren gegen bestimmte Risiken abzusichern. Daher der Name, der sich vom englischen Wort für Absichern – “hedging” – ableitet. Mittlerweile haben diese speziellen Investmentfonds mit Absicherung nicht mehr viel zu tun – im Gegenteil: Meist zeichnen sich Hedge-Fonds durch eine besonders riskante Anlagestrategie aus. Sie spekulieren mit Optionsscheinen und Termingeschäften auf bestimmte Kursbewegungen oder verkaufen Positionen, die sie gar nicht besitzen.

Typisch für Hedge-Fonds ist der geringe Kapitaleinsatz. Hedge-Fonds-Manager halten den Eigenkapitalanteil möglichst niedrig und spekulieren überwiegend auf Kredit, was den eigenen Gewinn im Erfolgsfall vervielfacht (Hebelwirkung).
Apropos “Hebeln”. Das geht einer Sendung im ARTE-TV zufolge so: Um einen Kredit zu bekommen, braucht man ca. 10% Eigenkapital. In einer “Laborsituation” wäre das so: 10 Euro Eigenkapital, 90 Euro Kredit, beides zusammen sind 100 Euro, die man wieder als Eigenkapital ausgibt. Der Kredit beträgt 900 Euro, zusammen sind das 1000 Euro, der Kredit darauf nun 9000 Euro usw. Das wird Ihnen persönlich wahrscheinlich nicht gelingen!
Geht die Spekulation schief, droht dem Hedge-Fonds aufgrund seiner dünnen Eigenkapitalbasis meist unmittelbar das Aus.

Welche Anlagestrategie ein Hedge-Fonds verfolgt, ist Geschäftsgeheimnis. Denn der Erfolg würde gefährdet, wenn andere Marktteilnehmer die Strategie erkennen und sich gegen ihn positionieren.
Basierten die ersten Hedge-Fonds-Strategien vor allem auf dem gezielten Hebeln der Kurse über Terminkontrakte, Leerverkäufe oder Derivate, so verfolgen die Fonds mittlerweile zunehmend die Strategie, winzige Kursunterschiede für ein und dasselbe Wertpapier an verschiedenen Börsenplätzen auszunutzen. Damit sich mit solchen Kursdifferenzen ein annehmbarer Gewinn erzielen lässt, muss der Hedge-Fonds seinen Einsatz vervielfachen. Solche Geschäfte werden in Millisekunden über Computer abgewickelt.
Aufgrund ihrer hohen Risikoneigung waren Hedge-Fonds ein gern gesehener Geschäftspartner bei der Verbriefung von Krediten. Oft waren sie als Einzige bereit, die Tranchen mit der höchsten Ausfallwahrscheinlichkeit zu zeichnen – im Gegenzug dafür versprachen ihnen die Emittenten eine zweistellige Verzinsung. Auch am Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) stehen Hedge-Fonds als Gegenpartei bereit, wenn Investmentbanken ihre eigene CDS absichern wollen. Einige Fonds haben dabei gezielt auf den Ausfall einzelner Kreditportfolien und Staatsanleihen gesetzt.

Die aktuellen Regulierungsvorschläge der EU-Finanzminister würden die Hedge-Fonds in ihrer Geschäftstätigkeit erheblich einschränken. Vorschriften zu einem höheren Eigenkapital bremsen ihre Möglichkeiten, auf Kredit zu spekulieren. Die Forderungen, ihre Anlagestrategien offenzulegen, könnten ihren Gewinn schmälern. Beide Vorstöße werden von der Branche abgelehnt.
Um einer strengeren Aufsicht zu entgehen, sind viele Hedge-Fonds in Finanzoasen angesiedelt. Auf den Kaiman-Inseln oder den Bermudas locken neben lockeren Kapitalmarktregeln auch niedrigere Steuern und Transaktionsgebühren. Unabhängig vom Sitz ihres Fonds sitzen die Hedge-Fonds-Manager aber meistens an den Finanzplätzen New York und London. Dort würden sie zumindest von der geplanten Transaktionssteuer voll getroffen.

Unter den Investoren in Hedge-Fonds finden sich vor allem Institutionen wie Pensionsfonds, Lebensversicherungen oder Stiftungen, aber auch wohlhabende Privatleute. Sie zahlen für die Dienste des Fondsmanagers eine Verwaltungsgebühr. Dafür haben sie Gewinnbeteiligungen von 20%. Macht der Fonds Verlust, wird er geschlossen. Meist legt der Fondsmanager kurz darauf einen neuen Fonds auf, sofern seine Kapitalgeber noch an seine Strategie glauben.

Sind das nicht alles “Schurkenmethoden”? Die dann auch eine “Schurkenmoral” erzeugen? Schlag raus, was du kannst, wette auf den Bankrott ganzer Staaten, wette, ob du überlebst oder nicht.
Auch die Stadt Linz ist betroffen mit dem so genannten SWAP 4175, einer (sehr riskanten) Wette auf die Kursentwicklung des Schweizer Franken. Im Streit der Stadt Linz mit der Bawag geht es um etwa 418 Millionen Euro.
Die “Schurkenmentalität” schlägt sich letztendlich bis in die Plakate der Wettbüros anlässlich der EM nieder: “Das Leben ist ein Spiel”. Dazu folgendes Bild: Ein Strohmännchen mit deutschem Fußballleiberl wird in Voodoo Manier mit Stecknadeln gespickt. Das ist offenbar gesellschaftsfähig, genauso wie “Geiz ist geil” gesellschaftsfähig ist.
Wie gesellschaftsfähig die “Schurkenmentalität” ist, zeigt u.a. der Name “Piratenpartei”. “Bei Piraterie oder Seeräuberei handelt es sich um Gewalttaten, Eigentumsdelikte oder Freiheitsberaubung zu eigennützigen Zwecken.” Das stört heute niemanden. Im Gegenteil!
Eine kleine Bemerkung am Rande: In Russland wurde die Gründung einer “Piratenpartei” verweigert, da die Justiz eine solche Bezeichnung als gesetzeswidrig einstufte.

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2) DAS TELLERWÄSCHER-SYNDROM

MS 2012 thumbnail frameAndererseits gilt parallel zum Lotto- und Wettsyndrom gleichzeitig weiter: Der Tüchtige schafft alles. Das Bildungsniveau ist gesamtgesellschaftlich gestiegen, es ist eine höhere Bereitschaft zur Flexibilität am und zwischen den Arbeitsplätzen gegeben, auch zum Lohndumping, trotzdem steigt die Arbeitslosigkeit. Die Ratschläge der Ratschlägeliteratur: Wenn er/sie nur lebt und sich nicht sorgt, wenn er/sie nur die richtige energetische Ausstrahlung hat, wenn er/sie nur an sich, die anderen, die Welt, das Glück, Gott oder an den Lottogewinn glaubt, wird’s schon klappen. Der Umkehrschluss: Wer die falsche energetische Ausstrahlung hat, ist selber schuld: Er/Sie ist ein Loser! In der Realität klafft die Schere zwischen reich und arm, erfolgreich und erfolglos aber immer weiter auseinander. Die Folge ist ebenfalls mangelndes Selbstbewusstsein der Erfolglosen, Armen und Schurken-Mentalität der Erfolgreichen, Reichen. Beide Phänomene vermischen sich.
Wie kommt man, außer durch Wetten auf den Bankrott anderer, noch zu Geld?

Zum Beispiel durch “Land Grabbing”. Da werden riesige Flächen Land zu Spottpreisen in hungergeplagten Ländern gekauft. Statt dort Lebensmittel zu produzieren, werden dort z. B. Ölpflanzen angebaut, um sie zu exportieren und daraus Biosprit zu machen. Ohnehin wertvolles Wasser wird verbraucht.
Nach dem weltweiten Lebensmittelpreisanstieg 2007 ist die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Flächen in Entwicklungsländern stark gestiegen. Eine Online-Datenbank erfasst 1200 Käufe seit 2000. Insgesamt machen sie 83 Millionen Hektar weitweit aus, 1,7% der weltweiten Agrarfläche – eine Fläche doppelt so groß wie Deutschland.
Außerdem verkaufen Regierungen etwa oft Flächen, die gar nicht brach liegen, sondern bereits von Kleinbauern genutzt werden, was unweigerlich zu Konflikten führt. Gleichzeitig wird nur ein Bruchteil des gekauften Landes auch tatsächlich von den Investoren genutzt: 27% der erworbenen Fläche wurden nach dem Deal auch bearbeitet.
Betroffene werden kaum oder gar nicht entschädigt.

Das beliebteste Ziel ist Afrika: Hier wurden laut Untersuchung insgesamt 56,2 Millionen Hektar Land verkauft, was etwa der Fläche Kenias entspricht. Die meisten Investoren, von denen man sicher weiß, kommen aus China, den USA, Malaysia und Großbritannien, die größten einzelnen Käufer sind der indische Staat (4,8 Millionen Hektar) und die chinesische Telekommunikationsfirma ZTE International (2,8 Millionen Hektar).
Angebaut werden auf den Flächen etwa zu einem Drittel Lebensmittel, der Rest entfällt auf Nutzpflanzen, etwa Gummiplantagen, oder Pflanzen, die sowohl gegessen als auch etwa zu Sprit verarbeitet werden können. Die Erträge des Anbaus werden fast immer exportiert, meist in jene Länder, aus denen die Investoren kommen.
Besonders betroffen sind sehr arme Länder wie Äthiopien oder der Sudan. 66% der Deals betrafen Staaten, die anfällig sind für Lebensmittelknappheit. Einen Höhepunkt erreichten die Verkäufe 2009, seither sind sie zurückgegangen. Dass das Phänomen verschwinden wird, glauben die Wissenschafter nicht: Weil in vielen Gegenden Wasser oder Energie immer knapper werden, wird es für die betroffenen Länder auch langfristig attraktiv sein, ihre Landwirtschaft auszulagern.
Auch Österreich ist in der Datenbank vertreten: Das Unternehmen Petropalm Corp kaufte laut “Land Matrix” in Äthiopien 50.000 Hektar (eine Fläche, etwas größer als Wien), um Ölpflanzen anzubauen. Und MCB Agricole erstand in der Ukraine mehr als 91.000 Hektar für den Anbau von Mais, Raps und Weizen. (Tobias Müller, DER STANDARD, 11.5.2012)
Okay, soviel Geld um 50.000 Hektar Land in Äthiopien zu kaufen, haben die meisten Menschen nicht. Aber es muss ja schließlich bei steigendem Bildungsniveau auch in Österreich möglich sein – siehe Tellerwäscher-Syndrom – durch Bildung und Streben auch ohne Geld zu Geld, Macht und Ehre zu kommen. Oder?

In seiner empirischen Studie “Der Mythos von den Leistungseliten” hat der Soziologe Michael Hartmann die Biografien von 6500 Doktoren der Promotionsjahre 1955, 1965, 1975 und 1985 in Deutschland anhand deren Lebensläufe untersucht. Dabei konzentrierte er sich in den gesellschaftlichen Schlüsselbereichen Wissenschaft, Justiz und Politik auf Juristen, Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure. Schon die Promotion ist sozial hoch selektiv. Es zeigt sich bei Betrachtung des weiteren Karriereverlaufs der Promovierten, dass Spitzenpositionen in den untersuchten Bereichen in überrepräsentativem Ausmaß von Kindern des Großbürgertums und des gehobenen Bürgertums besetzt werden. Dabei unterliege der Wirtschaftsbereich einer stärkeren sozialen Selektion als die Bereiche Justiz und Politik. Hartmann begründet dies mit der Wahlmöglichkeit der aus ‚Großbürgertum’ und ‚gehobenem Bürgertum’ stammenden Kinder, die vorwiegend in Positionen der Wirtschaft drängen und sich erst dann für Justiz und Politik entscheiden, wenn die gesamtwirtschaftliche Situation die Aussichten auf eine Wirtschaftskarriere schmälert.
Die in der strukturfunktionalistischen Schule der Eliteforschung vertretene Position, die Rekrutierung der Eliten erfolge vorrangig anhand der individuellen Leistung, hätte sich insoweit nicht bestätigt. Auch die Hoffnungen Ralf Dahrendorfs und der meisten anderen Eliteforscher, die Bildungsexpansion mit ihrer sozialen Öffnung der Hochschulen werde an der Bedeutung der sozialen Herkunft bei der Rekrutierung der Eliten Wesentliches ändern, hätten sich dementsprechend nur unzureichend erfüllt. Zwar sei es zunächst durchaus zu einer Öffnung der Promotion für breitere Teile der Gesellschaft gekommen, doch habe bei den untersuchten Jahrgängen inzwischen eine weitere soziale Selektion bei der Verteilung von Spitzenpositionen eingesetzt.
Man sollte nämlich eine intime Kenntnis der Dress- und Benimmcodes aufweisen, weil dies aus Sicht der Entscheidungsträger anzeigt, ob der Kandidat die geschriebenen und vor allem die ungeschriebenen Regeln und Gesetze in den Chefetagen der Wirtschaft kenne und auch zu beherzigen gewillt sei.
Eine breite Allgemeinbildung sei erwünscht, weil sie als ein klares Indiz für den berühmten und als unbedingt notwendig erachteten “Blick über den Tellerrand” angesehen werde.
Notwendig sei auch eine breite unternehmerische Einstellung und die damit als notwendig erachtete optimistische Lebenseinstellung.
Persönliche Souveränität in Auftreten und Verhalten als wichtigstes Element schließlich zeichne in den Augen der Verantwortlichen all diejenigen aus, die für Führungsaufgaben dieser Größenordnung geeignet seien.
Solche habituellen Persönlichkeitsmerkmale werden in erster Linie von dem Milieu vermittelt, in dem man aufgewachsen ist, und sind nicht durch fachliche persönliche Leistung zu erwerben.
Zusammenfassend habe also die Bildungsexpansion zwar den Zugang zu den Bildungsinstitutionen für breite Gesellschaftsteile erleichtert, nicht aber den zu den Elitepositionen.

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3) DAS HILFLOSIGTKEITSSYNDROM

MS 2012 thumbnail frameIn der Psychologie bezeichnet “Erlernte Hilflosigkeit” das Phänomen, dass Menschen und Tiere infolge von Erfahrungen der Hilf- oder Machtlosigkeit ihr Verhaltensrepertoire dahingehend einengen, dass sie die als unangenehm erlebten Zustände nicht mehr abstellen, obwohl sie es (von außen betrachtet) könnten. Der Begriff wurde 1967 von den amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman und Steven F. Maier geprägt, die auch Versuche mit Hunden durchführten. Die Versuche waren simpel: Sie zeigten, dass Tiere, die unangenehme Erfahrungen nicht vermeiden konnten, apathisch und lethargisch wurden und letztendlich, auch wenn man ihnen die Möglichkeit zur Vermeidung der unangenehmen Erfahrungen bot, sie nicht mehr ergriffen.
Ein ganz ähnliches Experiment aus neuerer Zeit: Erfahrenen Kreuzworträtsellösern, die bis jetzt alle Kreuzworträtsel gelöst haben, wird ein unlösbares Kreuzworträtsel vorgelegt. Danach sind sie so verunsichert, dass sie auch ein leichtes Kreuzworträtsel nicht mehr lösen können.

Ich glaube, auch wir reagieren so: Bei Nicht-Einflussnahme-Möglichkeiten, politisch, wirtschaftlich, etc., werden wir apathisch und depressiv. Zum Beispiel unser Wahlverhalten: Zwischen ÖVP und SPÖ ist im Endergebnis kein großer Unterschied: Der amerikanische Psychologe Bruce Levine über das Ergebnis, ob man nun Republikaner wählt oder Demokraten: mächtigere Konzerne und unnötige Kriege (Bruce Levine), kleine Parteien haben keinen Einfluss. Rebellion ist aber individuell nur möglich für Menschen, die nicht apathisch sind, für Menschen, die Respekt sich selbst gegenüber haben und kollektives Vertrauen.
Globalisierung entfremdet. Der Einzelne, aber auch Lobbys und Staaten verlieren den Überblick. Was tun, wenn sich Einzelne oder einzelne Lobbys oder Staaten verspekulieren? Helfen heißt: Spekulanten unterstützen, nicht helfen heißt: Empathieverlust mit der Mehrzahl der Betroffenen (dem so genannten Volk), die in der Regel nicht die Verursacher sind.
Die ARD veröffentlichte in der Tagesschau am 25.2.2012 (allerdings nur um 11:46 Uhr vormittags und um 2:46 Uhr nachts), dass Bankenexperten in Athen Steuerhinterziehungen von 200 Milliarden Euro ausmachen, “Focus Money Online” schrieb am 18.5. 2012, dass allein in der Schweiz 286 Milliarden Euro aus Griechenland liegen. Die Staatsschulen betrugen übrigens 350 Milliarden Euro.
Abgesehen davon gibt es neue Nachrichten, dass die Ratingagenturen Staaten willkürlich abwerten, was ihre Anleihen verteuere, ihre Kreditwürdigkeit herabsetze. Ich berufe mich dabei auf “ORF online” vom 27.7.2012 (“Staaten als ‘neue Sündenböcke’”):
Die international angesehene Schweizer Wirtschaftsuniversität HSG St. Gallen geht in einer Studie mit den Ratingagenturen hart ins Gericht. Die darin verarbeiteten Analysen der vergangenen elf Jahre legen die Forschungsannahme nahe, dass viele Herabstufungen europäischer Staaten aus Willkür passiert sind. Und natürlich, damit einige damit verdienen.
In einer früheren Studie hatten die Schweizer Wissenschaftler bereits darauf hingewiesen, dass sich schlechte Ratings von selbst erfüllen könnten – und das auch, wenn sie ungerechtfertigt sind. Bis jetzt hat es ja immer geheißen, einen gesunden Staat könne man nicht durch Herabsetzung zerstören. Die nun veröffentlichte Studie geht der Rolle von Kredit-Ratingagenturen in der aktuellen Staatsschuldenkrise auf den Grund. Die Forscher legen dar, dass Moody’s und Co. die europäische Schuldenkrise nicht nur als maßgeblicher Faktor “begleitet” hätten (wie es bis jetzt hieß und immer noch heißt).
Denn die Untersuchung schildert darüber hinaus, dass die Ratingagenturen explizit für die europäische Schuldenkrise verantwortlich sind. Nicht nachvollziehbare Herabstufungen europäischer Länder seien eine zentrale Ursache und Triebfeder der europäischen Schuldenkrise.

Seit der Einführung des Euro beobachten die Autoren volkswirtschaftliche Daten wie Staatsverschuldung, Inflation und Rendite bei Staatsanleihen aus 25 OECD-Ländern. Die von Manfred Gärtner und Björn Griesbach verfasste Studie wertet Daten im Zeitraum 2009 bis 2011 aus. Dabei wurden nun diese Daten mit früheren Entscheidungen der Ratingagenturen verglichen – das Ergebnis: Die massiven Herabstufungen verschiedener Länder seit 2008 gehen mit den getätigten Entscheidungen nicht einher. Bei der Bewertung dieser Entscheidungen hätte man vor dem Beginn der Wirtschaftskrise völlig andere Maßstäbe gesetzt, sagt Studienautor Gärtner.
Gärtner nennt mit Irland auch ein konkretes Beispiel:

Aufgrund der früheren Ratings hätte Irland nur um eine halbe Stufe herabgestuft werden dürfen. Tatsächlich ist es um sieben Stufen herabgestuft worden. Bei anderen Ländern ist das ganz ähnlich oder noch ausgeprägter. Hier geht es nicht nur um kleine Fehler, sondern um ganz massive Differenzen zwischen dem, was die Ratingagenturen tun und was ihr früheres Verhaltensmuster selber vorgegeben hätte.

Spanien zum Beispiel hätte um eine halbe Klasse herabgestuft werden müssen, verlor aber drei Klassen. Bei Portugal war der Verlust einer halbe Klasse gerechtfertigt, befanden die Autoren – tatsächlich wurde aber acht Klassen herabgestuft. Selbst Griechenlands Rating hätte sich aufgrund objektiver Wirtschaftsindikatoren in dieser Zeit nur geringfügig verschlechtern dürfen. Tatsächlich sackte es aber um zwölf Klassen ab, von A auf CCC.
Länder, die mit “A” oder schlechter bewertet sind, sind proportional ausgeprägter gefährdet. Bereits geringste negative Zins- oder Ratingsignale, auch wenn diese unbegründet sind, können solche Länder den Erkenntnissen der Studie zufolge in den Insolvenzstrudel stoßen. Aber auch Länder mit Spitzenratings können nicht völlig sicher sein – auch hier reichen bereits kleine Unschärfen in der Bewertung der Kriterien.
Die Schweizer Wissenschaftler sehen Ratingagenturen auch vor der zentralen Entscheidung, nach der schließlich Staaten gegenüber den Finanzmärkten das Nachsehen hatten. “Ratingagenturen sind ein Teil der Finanzindustrie. Und sie sind natürlich erschrocken, als sich die Welt auf der Höhe der Finanzkrise einig war, dass man die Finanzmärkte zurückstutzen muss.”
Und das sei gegen ihre Interessen, “denn sie verdienen dort ihre Brötchen”, so Gärtner. Der Wissenschaftler spricht im Zusammenhang mit Staaten von “neuen Sündenböcken”. Die Finanzmärkte seien aus der Schusslinie. “Das Problem sind jetzt die angeblich über ihre Verhältnisse lebenden Staaten”, sagt Gärtner.
Das gehe in Richtung Rufschädigung für Staaten, die noch dazu sehr teuer sei, sagt Gärtner. “Privat können wir auch nicht Meinungen in die Welt setzen, ohne für die Konsequenzen geradezustehen. Aber die Ratingagenturen sagen genau das: Sie geben nur Meinungen ab, und der Markt muss wissen, was er daraus macht.”
Die Studie besagt außerdem, dass es auf dem Markt der Staatsanleihen mehrere Gleichgewichte gibt. Das erste, gute Gleichgewicht, geht mit tiefen Zinsen und guten Ratings einher. Im schlechten Gleichgewicht können die Zinsen nicht mehr bezahlt werden. Dazwischen liegt eine Schwelle – gerät ein Land darüber, setzt der Sog in Richtung Insolvenzgefahr ein. Hat ein solcher einmal eingesetzt, ist ein Herauskommen praktisch unmöglich.
Die Fragen: Wem kann ich überhaupt noch glauben? Und: Wie soll ich das alles durchschauen? macht hilflos, in weiterer Folge – siehe die Hundeversuche – apathisch.

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4) DAS EMPATHIEVERLUST-SYNDROM

Rund um unseren Reichtum verhungern ganze Völker. Der Einzelne schottet sich entweder ab (Empathieverlust) oder er fühlt sich mitschuldig (siehe Hilflosigkeits-Syndrom). Auch wenn er sich mitschuldig fühlt, aber nicht weiß, wem er glauben soll oder was er tun könnte, führt das zu Empathieverlust. Wir wissen von der Psychologie, wie schnell Schuldgefühle entstehen, etwa bei Kindern streitender oder geschiedener Eltern oder misshandelter oder missbrauchter Kinder und wie die sich auf das spätere Leben auswirken können. Unbehandelt wiederholen Opfer oft die Taten ihrer Peiniger. Eine Gesellschaft, die auf Gewinnmaximierung des Einzelnen ausgerichtet ist und sich nicht um ein gesellschaftliches Gesamtgefüge schert, wird empathielose Nachkommen erzeugen, die eine weitere Stufe der Empathielosigkeit erreichen, da selbst Gewissensbisse fehlen. Man spricht von einer zunehmenden Brutalisierung der Gesellschaft. Und zwar nicht weit weg in den USA, sondern bei uns in Europa. Ich erinnere an Amokläufe in Schulen und Kindergärten, an Mobbing, alltägliche Sadismen etc. Wen wundert’s? Mich nicht.

Wahrscheinlich geht auch bei kompensatorischer Computerkommunikation, Computerspielen, etc. Empathie verloren. Es ist ein Unterschied, ob ich mit jemandem rede oder mit jemandem chatte. Beim Chatten sehe ich die Augen- und Körpersprache nicht, die neun zehntel der Kommunikation ausmachen. So wie man an der Körpersprache unter Umständen sehen kann, ob jemand lügt (Barschel, Guttenberg, Clinton), oder verlegen ist oder schüchtern, so kann man beim Chatten auch negative Aspekte ausklammern, weil man das Gegenüber ja nicht sieht. Also Anzüglichkeit, Wutausbrüche, Hasstiraden können durch das Chatten verharmlost werden (war ja nur Spaß). Abgesehen davon, dass ich ja meist nicht weiß, wer hinter welchem Nickname steht. Eigentlich wird der Einzelne allein deshalb schon hintergangen.
Oder denken Sie an das so genannte Shitstorming über Internet. Und das wird auch noch als demokratisch angesehen.
Wird die Gesellschaft mit dem Neoliberalismus brutaler? Wird eine Gesellschaft mit unkontrollierten Märkten unkontrollierter, mit unsozialen Märkten unsozialer, mit brutalen Marktstrategien brutaler? Ich meine ja.

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5) DAS MILCHMÄDCHENRECHNUNGSSYNDROM

MS 2012 thumbnail frameNicht alles ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Oft nicht einmal, wie es auf den dritten oder vierten Blick scheint. Trotzdem wird uns durch Umfragen, Statistiken, ganz einfache Zahlenkolonnen weisgemacht, es wäre so. Wem wäre es vor der Veröffentlichung der vorhin angeführten Studie der Innsbrucker Soziologen schon in den Sinn gekommen, Griechenland, Portugal, Spanien und bald auch Italien nicht als selbstverschuldete Staatsbankrotteure anzusehen? Wenigen. Und auch nach der Veröffentlichung der Studie werden es nicht viel mehr sein. Wer glaubt nicht, dass die junge, geburtenschwache Generation die Pensionen der älteren nicht mehr bezahlen kann. Die Perspektiven der Jugend und die Altersversorgung sind infrage gestellt. Dem wird nicht durch reale Maßnahmen, sondern durch “Milchmädchenrechnungen” begegnet. Zum Beispiel: Die geburtenschwächeren Generationen können die Pensionen der Älteren nicht mehr finanzieren. Wer sagt eigentlich, dass sie das müssen? Jeder finanziert, immer mit staatlicher Unterstützung, zuerst einmal seine Rente selbst, es gibt Pflichtbeiträge, auch für die Firmen. Hier wird unterschwellig das staatliche Pensionssystem in Frage gestellt. Es heißt, das österreichische Pensionssystem sei zu teuer. Aber Bildung, Gesundheit, Pensionsvorsorge sind teuer. Es ist so viel von Solidarität in Europa die Rede, wenn Banken gerettet werden sollen, und so wenig von Solidarität und so viel von Unbezahlbarkeit, wenn es um den Sozialstaat geht. Den können wir uns nämlich angeblich nicht mehr leisten. Von der Privatisierung aber profitieren Private, zum Beispiel Versicherungen.

Pensionistenverbands- und Seniorenrats-Präsident Karl Blecha sagte laut “Biallo at. Das Finanzportal Österreichs”:

Den jungen Menschen wurde jahrelang Sand in die Augen gestreut, ihnen wurden Horrorgeschichten über das angeblich so unsichere staatliche Pensionssystem erzählt, nur damit die Versicherungen zu ihren Abschlüssen kommen. Heute wissen wir, dass die Privatpensions-Verträge schlechtere Erträge liefern als ein normales Sparbuch!

Laut einer Studie der Arbeiterkammer sind die Renditen, also die Effektivverzinsung der getesteten Privatpensions-Produkte äußerst bescheiden. Eine 30-jährige Frau erhält eine garantierte Rendite (ohne Gewinnbeteiligung) von 0,1 bis 0,3% je nach Versicherer. Ein 35-Jähriger steigt sogar mit einem Minus aus: Seine Rendite beträgt minus 1,2 bis minus 1,6% – das heißt, die Pensionsauszahlungen sind geringer als die Summe der einbezahlten Prämien (inklusive staatlicher Prämie).

Ein maßgeblicher Grund für die mickrigen Renditen sind laut Arbeiterkammer auch die Kosten, die auf die Erträge drücken. Es gibt zwar einen Garantiezinssatz von 2,0% auf den Sparanteil. Aber er wird von den Kosten zur Gänze geschluckt. So sind von 100 Euro Prämie pro Monat 4% Versicherungssteuer abzuziehen, ein Unterjährigkeitszuschlag (was immer das sein mag) von 4%, Stückkosten 4%, einmalige Abschlusskosten (14,1%) und laufende Abschlusskosten (2,12%) sowie Verwaltungskosten (1,21%). Das bedeutet, dass in den ersten fünf Jahren nur 70,27 Euro verzinslich (Sparanteil) angelegt werden.
Auch die Arbeiterkammer Tirol hat die derzeit angebotenen “Produktgruppen weder transparent, noch flexibel, noch kostengünstig”, bezeichnet und resümiert, “dass am Ende der Laufzeit kaum von einer sinnvollen Altersvorsorge gesprochen werden könne.”
Bei den Pensionen scheinen sich überhaupt Utopisten aller Couleurs auszutoben.
Der Kärntner FPÖ-Nationalratsabgeordnete Karlheinz Klement will Familien als Anreiz zum Kinderkriegen einen Kredit von 100.000 Euro auf 30 Jahre gewähren, um der demografischen Entwicklung in Österreich entgegenzuwirken. Pro geborenes Kind soll dieser Kredit um 20.000 Euro verringert werden, bei fünf Kindern wäre dieses Darlehen damit ohne einen Cent Rückzahlung getilgt. Kinderlose sollen hingegen aus dem Pensionssystem ausgeschlossen werden, da sie den Generationsvertrag nicht erfüllen würden. Klements Milchmädchenrechnung: Sie zahlen nichts ein, also sollen sie auch nichts herausbekommen. Klement bekräftigte auch seinen Vorstoß gegen die Abtreibung. Frauen sollten stattdessen eine Prämie erhalten, wenn sie ihre Kinder austragen und danach zur Adoption freigeben. “Jede Frau soll 10.000 Euro für eine Geburt bekommen”, forderte der freiheitliche Gleichbehandlungsbeauftragte. Die FPÖ distanziert sich.

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6) DAS KOHLHAAS-SYNDROM

Gerechtigkeit ist nicht nachvollziehbar. Einzelne Politiker, Wirtschaftstreibende oder ganze Staaten werden für Gesetzesübertretungen nicht oder unverhältnismäßig gering bestraft. Der Einzelne fühlt sich übervorteilt. Die Folgen sind, dass einerseits überverhältnismäßig oft geklagt wird (Gartenzaun, Lärmbelästigung etc.) oder andererseits Gewalt angewandt wird. Zunahme von Amokläufern, gerade bei Jugendlichen. Viele der so genannten terroristischen Aktionen sind Amokläufe.
Österreich versinkt im Korruptionssumpf: Eurofighter, Telekom, Buwog, Hypo Alpe-Adria, Staatsbürgerschaft gegen Geld. Strasser, Grasser, Gorbach, Scheuch, Hochegger. Natürlich gilt für alle die Unschuldsvermutung – auch wenn Österreich international schon eine “Korruptionsoase” genannt wird. Im Nationalrat beschuldigen sich die Politiker gegenseitig, tragen aber alle selbst angeblich eine weiße Weste. Können wir in der “Korruptionsoase Österreich” den Politikern noch trauen?
Ende September 2010 vertrauten laut einer Umfrage des Marktforschungs-Instituts OGM 82% der Befragten den Politikern wenig oder gar nicht. Transparency International wies 2010 darauf hin, dass die Österreicher ihre Parteien als besonders korruptionsanfällig ansehen. Der Linzer Ökonom Friedrich Schneider prognostizierte 2010 für 2011 in Österreich durch Korruption einen volkswirtschaftlichen Schaden von 26 Milliarden Euro. Neuere Zahlen habe ich nicht gefunden.

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7) DAS POMMES-FRITES-SYNDROM

MS 2012 thumbnail frameAuthentizität (Echtheit) geht verloren. Die Kinder glauben, Pommes frites wachsen auf dem Feld, Jugendliche glauben, ein Superstar zu sein oder zu werden, Erwachsene werden Esoteriker.

Authentizität wird ursprünglich als “Echtheit” im Sinne von “als Original empfunden” definiert. Unmittelbarer Schein und eigentliches Sein stehen in Übereinstimmung.
Mit der einfachen Deckung von Sein und Schein ist der Begriff allerdings nicht brauchbar, Hitler, der deutsche Superstar, die Supernanny wären damit authentisch.
Trotzdem glaube ich, dass der Begriff, sowohl im Leben, in der Politik als auch in der Kunst von Bedeutung ist. Dass es ein Qualitätszeichen für Menschen, Vorgänge und Kunstwerke ist, das sich eben nicht nur mit “echt” oder “gut gemacht” gleichsetzen lässt. Allerdings muss er um eine Kontext-Dimension und um eine ethische Dimension erweitert werden. Authentische Inszenierung in der Werbung ist etwas anderes als authentische Inszenierung in der Kunst.
Authentizität ohne ethische Komponente bedeutet, dass jemand eben so dumm/falsch/intrigant/bösartig/berechnend etc. ist, wie er sich gibt. Hitler wäre demzufolge authentisch gewesen.
Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman unterscheiden vier Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit man sich selbst als authentisch erlebt:

  • Bewusstsein – Ein authentischer Mensch kennt seine Stärken und Schwächen ebenso wie seine Gefühle und Motive für bestimmte Verhaltensweisen. Erst durch diese Selbstreflexion ist er in der Lage, sein Handeln bewusst zu erleben und zu beeinflussen.
  • Ehrlichkeit – Hierzu gehört, der realen Umgebung ins Auge zu blicken und auch unangenehme Rückmeldungen zu akzeptieren.
  • Konsequenz – Ein authentischer Mensch handelt nach seinen Werten. Das gilt für die gesetzten Prioritäten und auch für den Fall, dass er sich dadurch Nachteile einhandelt. Kaum etwas wirkt verlogener und unechter als ein Opportunist.
  • Aufrichtigkeit – Authentizität beinhaltet die Bereitschaft, seine negativen Seiten nicht zu verleugnen.

Aber unser Problem ist ja nicht zu viel Echtheit, sondern zu wenig! Was als wirklich hingestellt wird, ist gespielt, beziehungsweise “echte” Menschen spielen Menschen, von denen sie glauben, dass sie echt sind.
Juli Zeh sagt in ihrem Artikel “Zur Hölle mit der Authentizität”, die Gier nach Authentizität oder Autobiografischem käme von all den Realities, deren Wirkung ja darauf beruhen, dass sie anscheinend real sind. Deshalb wollen die Menschen immer mehr Realities, auch in der Literatur. Ich glaube, es ist genau umgekehrt. Ich glaube, es gibt ein Bedürfnis nach Authentizität, eben weil die Realities inszeniert sind. Auf eine bestimmte Weise. Wir sehen, ohne die ethische Komponente und die Kontext-Dimension kommen wir nicht aus. Aber das ist eigentlich eine Binsenweisheit. Kein philosophischer Begriff ist so einfach mit einem Istgleichzeichen zu definieren.
Das Problem mit den Realities ist nicht, ob sie echt sind oder nicht, sondern dass sie jenseits jeder ethischen Verantwortung alles tun, um Einschaltquoten zu erhöhen.

“Die Supernanny”: In Folge 77 des Internetmagazins “Fernsehkritik-TV” schildert eine Familie den Ablauf der Dreharbeiten und die Folgen der Ausstrahlung auf das Familienleben. Die betroffene Tochter erklärte, dass sie sowohl von den TV-Mitarbeitern, als auch von Katharina Saalfrank persönlich dazu gedrängt worden sei, ihren Bruder soweit zu provozieren, bis dieser Gewalt anwenden würde. Währenddessen war die Mutter der beiden abwesend. Auf Anweisung des Filmteams habe dieser schließlich der Tochter ins Gesicht geschlagen. Anschließend habe man dies damit gerechtfertigt, dass die Familienmitglieder “Darsteller eines Films” seien und sie Verträge einzuhalten hätten. Die Texte, welche die Familienmitglieder sagten, seien von Redakteuren vorgegeben worden. Außerdem erhebt die Mutter den unbewiesenen Verdacht, dass das Filmteam den Familienhund vergiftet habe, um besonders emotionale Filmszenen der Verkündigung dieser Nachricht zu erhalten. Die Kosten für Strom und Wasser, sowie für Schäden, die das Filmteam verursachte, beliefen sich auf mehr als 900€ und mussten von der Familie getragen werden. Nach Abschluss der Dreharbeiten und Ausstrahlung der Sendung sei die Familie persönlichen Beleidigungen anderer ausgesetzt gewesen, da diese die gezeigten Szenen als vermeintlich real ansahen. Außerdem leide eine der Töchter immer noch unter psychischen Problemen aufgrund der Dreharbeiten. RTL widerspricht dieser Darstellung.
Eine weitere Folge der Sendung vom September 2011 wird von der Niedersächsischen Landesmedienanstalt wegen des Verdachts von Verstößen gegen den Jugendmedienschutz geprüft, zudem wurde die Folge an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) der Landesmedienanstalten weitergegeben, die ebenfalls ein formelles Prüfverfahren einleitete.
“Das Dschungelcamp”: “Frontal 21″ vom ZDF hat festgestellt, dass das Dschungelcamp (Australien) ein Fake ist.
Bei “Frauentausch” ist es zu einer Vergewaltigung gekommen.

Ich lese Ihnen jetzt ein paar Zitate von Dieter Bohlen aus “Deutschland sucht den Superstar” vor, und zwar deshalb, weil er in der Regel von Intellektuellen ignoriert wird. Die “Neue Zürcher Zeitung” hat einen Artikel von mir nicht angenommen, weil ich Zitate von Bohlen neben Berlusconi gestellt hatte. Bohlen, schrieben sie zurück, sei nicht satisfaktionsfähig.
Ich bin aber der Meinung, man sollte sehr wohl wissen, was in unserer Gesellschaft offenbar gesellschaftsfähig ist, sonst gebe es nämlich solche Sendungen nicht.

Bohlen bei “Deutschland sucht den Superstar” (Zitate aus dem Internet):

“Wenn ich morgen aus dem Fenster spring’, steht das in der BILD- Zeitung. Wenn du morgen aus dem Fenster springst, kommt die Müllabfuhr, oder: …steht das in Schöner Wohnen …”; “Das ist fast aktive Sterbehilfe, wenn du singst.”; “Geh nach Haus und lass dich löschen.”; “Wenn im Schweinestall die Sau rumgrunzt, findet der Eber das ja auch geil, aber ICH deshalb noch lange nicht.”; “Das klingt, als wenn sie dir den Arsch zugenäht haben und die Scheiße oben raus kommt.”; “Vielleicht hast du ja bei dir im Ort zwei Frauen flachgelegt, und glaubst jetzt, du bist der große Stecher.”; “Du wirst dein ganzes Leben lang ein scheiß erfolgloser Frisör sein” (zu einem wohlfrisierten, aber abgelehnten Kandidaten). “Lass dich einnähen in dein Lederdingsda und werd’ Punchingball” (zu einem Kandidaten im Ledermantel, der weder gesangliche noch modische Stilsicherheit bewiesen hatte). “Bei mir kommen solche Geräusche aus anderen Öffnungen.”; “Wenn sich der Heinz (Co-Juror) in den Sack schießt, dann singt der immer noch besser wie du!”; “Du stehst da wie ein Schwanz in der Hochzeitsnacht. Aber am Ende kommt auch bei dir nichts raus.”; “Wenn du deine Stimmbänder in die Mülltone schmeißt, ist das artgerechte Haltung.”; “Wisst ihr, was der Unterschied zwischen euch und einem Eimer Scheiße ist? Der Eimer!”; “Deine Art zu singen, das klingt irgendwie wie Darmverschluss.”; “Wenn du deine Stimmbänder in Säure schmeißt, dann haben wir ein gelöstes Problem.”; “Du singst, als wenn du ‘ne Klobürste im Arsch hättest.”; “Wenn man so aussieht wie du, ist das auch kein Wunder” (zu einer Kandidatin, die gerade “Ich war noch niemals verliebt …” gesungen hatte). “Du hast ein göttliches Problem: Der liebe Gott gibt einigen Frauen dicke Möpse, anderen eine schlechte Stimme. Und dir hat er nun mal eine schlechte Stimme gegeben.”; “Du bist wie eine Wolke. Wenn du dich verziehst, könnte es noch ein schöner Tag werden.”

Erste Reality bei uns war Eduard Zimmermanns “Aktenzeichen XY ungelöst”.
Realities sind billige Produktionen, die Voyeurismus und Vorurteile unreflektiert bedienen, Schauspieler und Laien vermischen, die Privatsphäre nicht respektieren und suggerieren, Popularität bedeutet Erfolg und nicht etwa klassische berufliche, kulturelle, wissenschaftliche Leistungen.
Laiendarsteller, die vorgeben, “echte Menschen” zu sein, nehmen an den Produktionen teil (Gericht, Hausbau, Erziehung von Kindern und Hunden, Schuldnerberatung. “Hilfe, mein Busen ist zu klein”, “Bitte melde dich”, “vermisst”). Richtig und Falsch zu unterscheiden ist nicht mehr wichtig, Hauptsache spannend. Das verändert die Wahrnehmung von Realität.
WDR Unterhaltungschef Beyer, einst Programmchef bei “Big brother”: “Je weniger menschlichen Kontakt wir haben, je weniger wir untereinander kommunizieren, desto mehr sehen wir uns Leute im Fernsehen an. Das ist Ersatzkommunikation.”
Wachsen Pommes frites auf dem Feld? Sind Kühe lila? Daraus ist in Deutschland die so genannte “Bauernhofpädagogik” erwachsen: Beobachten und Erleben!
Von den Killerspielen will ich erst gar nicht reden.

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8) DAS FREIHEITSSYNDROM

MS 2012 thumbnail frameAlle Misslichkeiten der Gesellschaft werden uns aus einem Grund schmackhaft gemacht: Freiheit. Wir sind so frei, wie kein soziales System es sein kann.
Wie passt eigentlich die neue Sklaverei zu dieser Freiheit? Kevin Bales, Amerikaner, Professor für Soziologie in England, der u.a. im “Komitee von Anti-Slavery International” und der Arbeitsgruppe der UN über Formen zeitgenössischer Sklaverei arbeitet, sagt, es gibt 1999 (Erscheinungsdatum des Buches “Die neue Sklaverei”) 27 Millionen Sklaven, Anti-Sklaven-Aktivisten sagen 200 Millionen. Aber sie zählen offenbar auch sehr schlecht bezahlte Jobs, Prostituierte oder so genannte Praktikant/Innen dazu. Bales definiert ‘Sklave’ klassisch: Vollständige Verfügungsgewalt über das Leben eines Menschen, der verkauft, gewaltsam verschleppt, aller Rechte beraubt und bis zur physischen Vernichtung ausgebeutet werden kann. Ein moderner Sklave kostet weniger als ein Sklave in Griechenland oder Rom oder in den Südstaaten. Kostete beispielsweise ein Plantagensklave in Alabama im Jahr 1850 umgerechnet 30.000 Euro Anschaffung, so kostet er heute circa 100 Euro. Im 19. Jahrhundert in den Südstaaten dauerte es etwa 20 Jahre, bis ein Sklave sich amortisiert hatte, heute macht er sich bereits nach zwei bis drei Jahren bezahlt. Damals gab es einen Kaufvertrag für Sklaven, heute nicht, damals wurde ein Sklave in der Regel ein Leben lang behalten, heute nur so lange, wie er durch brutale Arbeitsmethoden beim Ziegelbrennen, in der Prostitution (ohne Bezahlung), in den Holzkohleerzeugung im Dschungel von Brasilien (Holzkohle wird für die Stahlindustrie ausländischer Investoren benötigt) arbeitsfähig ist. In Thailand kostet ein 12- bis 15-Jähriges Mädchen (meist aus dem armen, landwirtschaftlichen Norden) zwischen 800 und 2000 Dollar, die an die Familie bezahlt werden, die anders nicht überleben kann, oft unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, also Arbeit in einer Fabrik, Haushaltshilfe, etc. Die Kosten für das Betreiben eines Bordells sind sehr niedrig, ein Mädchen hat bis zu 20 Kunden täglich, der Gewinn beträgt bis zu 800% jährlich. Die Prostituierte bekommt kein Geld (die Familie wurde ja abgefertigt), wird gesundheitlich nicht betreut und weggeschickt, wenn sie verbraucht und krank ist (meist HIV).

In Brasilien werden Menschen aus den Favelas, den Slums der Großstädte, unter dem Vorwand, Geld verdienen zu können, angeheuert und weit weg in den Dschungel verschleppt, wo sie unter schrecklichsten Bedingungen leben und arbeiten, unbezahlt, und nicht fliehen können, weil nichts rundherum ist, oder weil ein Stacheldraht um ihre neue Arbeits- und Lebensstelle gezogen wurde, und bewaffnete Wachen aufgestellt sind. Die Angehörigen wissen nicht, wo ihre Männer sind. Wer nach versprochener Bezahlung fragt, bekommt zur Antwort, dass die Fahrt, die Verpflegung, etc. noch lange nicht abbezahlt sind. Man nennt das Schuldknechtschaft. Das geht in sehr armen Ländern schnell. Es muss nur zu einer Trockenheit, einem Todesfall oder zu Krankheit kommen und jemand, oder eine ganze Familie, begibt sich freiwillig in Schuldknechtschaft. Die Schulden können sie nie abbezahlen, so dass auch Kinder oder Frauen weiterverkauft werden können. Das neue an dieser Art Sklaverei ist nur, dass die neuen Sklaven weggejagt, weggeworfen oder ermordet werden, wenn sie nicht mehr arbeiten können. In der neuen Sklaverei wird Besitzrecht vermieden, der Kaufpreis ist äußerst gering, sie bringt außerordentlich hohen Profit, es gibt einen Überschuss an potentiellen Sklaven, also Menschen, die sonst nicht überleben können, das Besitzverhältnis ist kurzfristig. Ethnische Unterschiede sind unwichtig.

Der Großteil der geschätzten 27 Millionen Sklaven arbeitet in Indien, Pakistan, Bangladesch und Nepal eine Schuld ab, ansonsten konzentriert sich Sklaverei auf Südostasien, Nord- und Westafrika und Teile Südamerikas. Allerdings leben in nahezu allen Ländern der Erde Sklaven, auch in den USA, Japan sowie zahlreichen europäischen Staaten (zum Beispiel soll es 3000 Haushaltssklaven, meist Kinder, in Paris geben). Heute gibt es mehr Sklaven als zur Zeit des transatlantischen Sklavenhandels in Afrika gefangen genommen und verschifft wurden. In unserer globalen Wirtschaft sind das Standardargument, warum Fabriken in die Dritte Welt verlegt werden, die geringen Lohnkosten. Sklaverei trägt beträchtlich zu solchen Einsparungen bei. Bezahlte Arbeiter, egal wie effizient sie arbeiten, können vom rein Wirtschaftlichen her nie und nimmer mit unbezahlter Arbeitskraft konkurrieren.
Was die Praktikanten betrifft, haben wir in Deutschland bereits eine Sklaven ähnliche Situation: Harz IV-Empfänger können verpflichtet werden, ein kostenloses Praktikum zu absolvieren. Andernfalls wird Harz IV um 30% gekürzt. In “Report Mainz” wurde am 11.2.2012 recherchiert, dass ausgebildete Arbeitskräfte monatelang in der Privatwirtschaft umsonst gearbeitet haben. Hartz IV lief zwar weiter, aber Hartz IV zahlt der Steuerzahler. Die Wirtschaftsbetriebe zahlten gar nichts.
Es gibt übrigens auch “Knastkonzerne” in den USA.
CCA steht für “Corrections Corporation of America”. Dieses in Nashville, Tennessee, gegründete Unternehmen ist der Marktführer unter den Privatgefängnissen im so genannten Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In 19 Bundesstaaten unterhält CCA 63 Gefängnisse mit mehr als 85.000 Haftplätzen und erzielt einen Jahresumsatz von rund 1,6 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro). 75 Cent kostet ein Häftling die Unternehmen, für die sie zwangsweise arbeiten müssen, pro Tag (!).
CCA-Papiere legten bis April 2012 auf Euro-Basis um mehr als 100% zu. Da fiel der Kursabschlag der letzten Tage kaum ins Gewicht. Die Aktie der GEO Group schaffte innerhalb von drei Jahren immerhin einen Gewinn von knapp 35%.
Die Zahlen und Fakten stehen hier und dort. Nicht dass sie verschwiegen würden. Irgendwo in den Tiefen des Internets oder an irgendeinem Tag in irgendeiner deutschsprachigen Zeitung stehen sie.

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9) DAS ALZHEIMER-SYNDROM

Das historische, soziale, politische und künstlerische Gedächtnis schwindet. Bücher, die kein Bestseller sind, verschwinden nach zwei Monaten vom Buchmarkt und werden verramscht.
Egal, was einer sagt oder tut, in einer Woche (oder einem Monat oder einem Jahr) ist es vergessen. Politikerversprechen oder -versagen, Genozide, Modeerscheinungen. Und diese Rede. In zwei Stunden haben sie alles vergessen. Und wenn nicht schon vergessen, dann möglicherweise zumindest verdrängt.
Es kann, so gesehen, auch jeder behaupten, was er will. Auch ich. In der Zeitspanne nämlich, in der jemand anderer recherchiert und dann eine Behauptung öffentlich widerlegt, ist die zu Grunde liegende Behauptung längst vergessen. Vor allem FPÖ Politiker haben sich meiner Meinung nach diese Tatsache zu Nutze gemacht.

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10) DAS ALL-INCLUSIVE-SYNDROM

Die Wünsche sind maßlos. Alles soll benutzerfertig geliefert werden. Und zwar fast umsonst. Geiz ist geil, das Superschnäppchen gleich um die Ecke, Handys gibt’s sowieso überall nur um 0 Euro, der billigste Wein beim Hofer kostet ….richtig guten Champagner gibt’s um 13 Euro, Barolo ebenfalls. Zeitweise natürlich nur, damit wir beschäftigt sind, die Preise zu vergleichen. Ebenso bei Telefonanbietern, Bundesbahnen. Die “ÖBB Sparschiene”, die “DB Sparschiene” um 29 Euro, zu Ostern sogar um 22 Euro zwischen dem 12. und 26. April, die “Euroschiene” um 49 Euro. Alles natürlich nur, wer rechtzeitig bestellt und keinen Termin versäumt. Auch nach Venedig kommt man um 89 Euro plus einer Übernachtung mit Frühstück, wenn man rechtzeitig bucht, einfache Laptops kosten so viel wie ein Paar Stiefel (und was ist schon ein Paar Stiefel?), mein Internet-Stick kostet 14,90 Euro monatlich, dafür habe ich Zugang zur ganzen Welt. Ich führe das alles nicht weiter aus. Jeder weiß, wie viel Zeit es kostet, billig zu leben. Eigentlich die ganze Zeit, die uns zur Verfügung steht. Wir sind rund um die Uhr beschäftigt.

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11) DAS ALL-EXCLUSIVE-SYNDROM

MS 2012 thumbnail frameDie Wünsche sind zu gering. Es wird kein menschenwürdiges Leben eingefordert.
Die einzelnen Syndrome unserer Gesellschaft bedingen einander und überlappen sich. Das Experten-Syndrom sagt: Davon verstehe ich eben zu wenig, das Lotto-Syndrom interessiert sich nur für den persönlichen maximalen Profit, das Tellerwäscher-Syndrom macht (fast) alle zu Losern, das Hilflosigkeits-Syndrom sagt: Was kann ich schon tun und gegen wen eigentlich?, das Empathieverlust-Syndrom ist unter anderem eine Folge des Hilflosigkeits-Syndroms, das Milchmädchenrechnungs-Syndrom rechnet uns auf Expertenebene aus, warum nichts klappen kann und alles richtig ist, wie es ist, oder wie es die Wirtschaft entscheidet, das Pommes-frites-Syndrom hat uns längst verlernen lassen, was in welchem ethischen Zusammenhang echt ist und was nicht, das Freiheitssyndrom droht uns, alles, was wir noch haben, auch noch zu verlieren, das Alzheimer-Syndrom lässt uns am besten alles möglichst schnell wieder vergessen, das Kohlhaas-Syndrom macht uns zum Trottel, wenn wir aufbegehren, zum Beispiel indem wir klagen, das All- inclusive-Syndrom lässt uns doch noch auf das Superschnäppchen: Urlaub in Asien um 0 Euro hoffen.
Aber alles zusammen, das ist meine Conclusio, wurzelt in unserem Gesellschaftssystem. Wurzelt letztlich in der Verschleierung des grundsätzlichen Gegensatzes von Kapital und Arbeit. Alle Auswege wie: Die Gesellschaft braucht wieder mehr Werte, mehr Ethik, mehr persönliche Selbsterkenntnis, Individualität, Selbstfindung, Eigenverantwortlichkeit, Religion, Optimismus, etc. zerschellen an den harten Kanten des Geldes. (Übrigens: Der Euro, den ich hier vor mir hingelegt habe, hat sich nicht vermehrt!)

Die Umverteilung, und zwar weltweit, ist die einzige Lösung, die die Krankheitssyndrome unserer Gesellschaft verschwinden lässt, beziehungsweise verschwinden lassen kann oder könnte, die alle vorher genannten Werte befördert, beziehungsweise befördern kann oder könnte. Damit allein ist noch nichts getan, aber ein Grundstein wäre gelegt. Ich fürchte, dieser Gedanken wird auf Widerstand stoßen.
In Island hat’s geklappt. Die Bevölkerung hat massiven Druck auf die Regierung ausgeübt, die Opfer der Krise, nicht die Banken und Spekulanten zu retten. Die Politik ist ihr gefolgt: Banken und Hauptressource des Landes, die Fischerei, wurden verstaatlicht, Kapitalverkehrskontrollen wurden eingeführt. Island hat sich damit vom Weltmarkt abgeschottet. Bis 2015 soll die Abschottung andauern. Und die Wirtschaft Island hat sich schneller und besser erholt als der Rest Europas. (Kronenzeitung vom 7.10.2010, ausführlicher Standardartikel am 16. Juni 2012).
Ich möchte in dem Zusammenhang an den österreichischen Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen Leopold Kohr erinnern, der die Formel “Small is beautiful” prägte.

Ich zitiere aus der “Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte” von 1948, Artikel 22:

Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuss der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind. (Zitiert nach: Stephane Hessel: Empört euch!)

Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Tabakfabrik in Linz, die zu ihrer Zeit ein modernes, soziales Unternehmen war und eine großartige Architektur hat, ein offenes Kulturzentrum mit Spielstätten, Ateliers, Galerien, Studios, Werkstätten, Kunstuni, etc. werden sollte.

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