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Peter Kurzeck : Erinnerung , sprich

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||| Das neue Werk des Erzählers Peter Kurzeck gibt es auschliesslich in gesprochener Fassung

czz | NZZ , 4. 7. 2008

icon welleWenige verstehen sich so auf die Kunst der Erinnerung und deren poetische Vignettierung wie der 1943 im einstigen Sudetenland geborene und mit der Familie 1946 in der hessischen Provinz gestrandete Peter Kurzeck . In seinem mittlerweile vier Bände zählenden Prosawerk spiegeln die trivialsten Daten den Abglanz jener Ur- Erinnerung, welche noch in den schlimmsten Krisen späterer ( Schreib- ) Einsamkeiten glimmt .

LEBENDIGE REDE

icon welleEine Grundpartitur der selten lichten Memoiren aus der Nachkriegszeit gab Kurzeck 1987 mit dem Roman “Kein Frühling” . Nun , da er mit der Erzählung “Ein Sommer , der bleibt” noch einmal in den Kosmos der Kindheit blickt , lässt er als Live- Erzähler die Lichtfäden dieser Erinnerung in der Brise des Atems flattern . Dank dem auf den Originalton freier Rede spezialisierten Label Supposé konnte das Stück in Form eines ausschliesslich gesprochenen Werks erscheinen . Im stillen Studio entstand beim allmählichen Verfertigen des Denkens beim Reden eine veritable Rhapsodie .

Die Anspielung auf antike Epen ist nicht zu hoch gegriffen : Die ursprünglich mündlich tradierten Stoffe handeln oft von Goldenen Zeitaltern und deren Verwehen . Sie spielen in einem geschlossenen Kosmos . Und sie bedienen sich der Memorialtechniken von Leitmotiven , Refrains und Rhythmen , um erinnerbar und erzählbar zu bleiben .

MODERNER RHAPSODE

icon welleKurzecks Umkreisungen des Dörfchens Staufenberg und seines Weichbildes erzählen sich keineswegs “irgendwie” hin . Im Gegenteil orientiert sich der Sprecher im Studio am Wechsel der Jahreszeiten , an topographischen Markern , kurz : an den “topoi” der klassischen Rhetorik . In den ersten Sequenzen von Kurzecks Erzählkreis wird mit dem Blick aus den Fenstern des Wohnquartiers nicht nur das Terrain des Geschehens abgesteckt , sondern auch eine Poetologie skizziert .

Hinter lehmigen Dorfstrassen weiten sich die Flusslandschaften von Lumda und Lahn , über Allem thront stolz der markante Basaltfelsen von Staufenberg mit Burg und Oberdorf . Steil erheben sich die nach oben gestaffelten Häuserfronten als Leinwand für atmosphärische Lichtspiele . Kurzeck erzählt von der ( Kinder ?- ) Phantasie , man möge dieses hessische Pueblo entweder in den verschiedensten Schattierungen schwarzer Farben malen oder aber in allen Nuancen von Weiss .

WILLE ZUR STILISIERUNG

icon welleDer Hinweis auf das Entweder- Oder von Schwarz und Weiss signalisiert ein Wissen um die Stilisierung des Berichtes : im Willen zur Verklärung dessen , was unwiederbringlich verloren ist , und in der Verdichtung der Kindheitserzählung auf den Lauf eines mythischen Jahreskreises .

Da ist der Frühling 1946 mit der Ankunft des kaum Dreijährigen und der aus Böhmen “ausgesiedelten” Familie und der Erkundung der neuen Lebenswelt . Maikäfer und Ameisenflug wecken pochende Vorfreuden . Endlich öffnet sich das Tor zu jenem “Sommer , der bleibt” , wo Dorf, Wald , Feld und Fluss sich den Streifzügen des Kindes unterbreiten : ein Huckleberry Finn an der Lahn .

Mit dem Herbst hebt ein weiterer Bogen an , der von walnussbraunen Fingern , Schule und wachsendem Lesehunger handelt . Der Winter bringt warme , ins Halbdunkel der 25- Watt- Birnen getauchte Innenbilder der Familie . In kristallinem Licht erscheint dahingegen eine Szene euphorischer Emanzipation : Über gleissenden Schnee jagt der Knabe unbändig freiheitsfreudig ins Weite . In den Farben des Schnees kehren jene Nuancen von Weiss wieder , in welchen Kurzeck eingangs das ganze Dorf gemalt haben wollte.

DEN BETON SPRENGEN

icon wellePeter Kurzecks erinnerte Zeit wandelt sich dort in eine “verlorene” , als mit dem Ausbau der Giessener Stadtautobahn die Landschaft hinter Beton verschwindet . Das mit der Automobilisierung parallel ziehende Zeitalter des Fernsehens entpuppt sich als Folge verstellter Nahsicht . Hier endet die Epoche der Kindersommer , und der Chronist findet eine Gegenwelt in den Bars der amerikanischen Soldaten . Unversehens und im Singsang der Rede führen die rhapsodischen Bögen aus dem Paradies sinnlicher Weltbegegnung in die Beton- Epoche des verwalteten Lebens .

Peter Kurzecks “Ein Sommer , der bleibt” spricht beredt , virtuos und akzentuiert von der lebendigen Erinnerung als einer Kraft , die fähig sein kann , den Beton des Jetzt zu sprengen .

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LINKS

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RELATED

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vienna demolition VI : a story in pictures ( student home yields senior hospital )

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||| UMWIDMUNG | ZIERDE DES BEZIRKS | HINTERGRÜNDE | REPRISE | RELATED | KLANGAPPARAT

UMWIDMUNG

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Das ehemalige Studentenheim Alser Strasse 33 ( 1080 Wien ) wird demoliert , um dem Ausbau eines Seniorenspitals der benachbarten Privatklinik “Confraternität” zu weichen . Manifestation des demographischen Wandels ? - Oder nur ein weiterer Schritt der Usurpation des öffentlichen Stadtraums durch private player ? - Ein Schuft , wer diese Demolierung solcherart interpretiert .

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ZIERDE DES BEZIRKS

Das auf der Infoseite www.josefstadtwien.at vom Bezirksvorsteher Wien-Josefstadt , Heribert Rahdjian , formulierte Aviso kündet klar von einer Wendung zum Besseren :

Demnächst begonnen wird mit dem Abbruch des seit längerem leerstehenden ehemaligen Studentenheims Alserstraße Nr 33, das dem Neubau der “Confraternität“ und einem Seniorenspital weichen muss. Das Gebäude ist schon lange keine Zierde dieses Bereichs. Nach der ziemlich plumpen Aufstockung des uralten früheren Hotels “Zum Goldenen Hirschen“ vor etwa 40 Jahren und der Verwendung als Studentenheim, war später noch einige Zeit das Soziologieinstitut der Universität dort beheimatet. Die bisher im Gebäude verbliebene Trafik wird die Abbruchs- und Neubauzeit in einem Container auf dem ausreichend breiten Gehsteig überdauern und dann wieder ins neue Haus einziehen. Eine lebende große Stadt braucht auch Erneuerung, ich begrüße derartige Innovationen, hoffe auf zügige Bauabwicklung und möglichst geringe Störungen für die Wohnbevölkerung.

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( Rückseite Demolierungszone , vom Garten der “Confraternität” aus )

Abbruch_Alser_Strasse_33_copyright_christiane_zintzen Confraternität

( Die “Confratenität” )

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HINTERGRÜNDE

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“Die Presse” referiert auf ihren Universitätsseiten Geschichte und Schicksal des Gebäudes in jokosem Ton (Alser Straße 33 : Das Ende der Sangria-Partys im Studentenheim ) :

30 Jahre lang war das Gebäude in der Alser Straße 33 ein Studentenheim, nun weicht der graue Bau einer Privatklinik

Fünf Stockwerke Schmucklosigkeit in mausgrauem Anstrich. Man muss drin gewohnt haben, um das Haus zu mögen. Wenn Passanten das Gebäude je aufgefallen ist, dann wohl negativ. Unscheinbar wirkt der Bau, der derzeit noch an der Ecke Skodagasse/Alser Straße steht, dennoch nicht. Dazu ist er zu klotzig, fast könnte man sagen: zu hässlich.

Ab heute, Montag, werden sich die Bagger ihren Weg durch die Eingangstüre des einstigen Studentenheims bahnen. Und langsam aber sicher beginnen, den klobigen Bau Stück für Stück abzutragen. Zunächst soll ein Parkplatz entstehen, später möchte die Confraternität, eine Privatklinik nebenan, einen Zubau errichten.

“Die Sanierung wäre zu teuer gewesen”, sagt Paul Slupetzky, technischer Geschäftsführer der Österreichischen Studentenförderungsstiftung, die das Heim über 30 Jahre lang betrieben hat. Es war ein Heim mit dem Komfort der 1970er Jahre – ausgestattet mit (größtenteils) Zweibettzimmern, Toiletten am Gang, Etagenküchen. “In den letzten Jahren“, erinnert sich Slupetzky, “war das Heimleben nicht mehr intakt“. Das sei an der hohen Fluktuation der Bewohner gelegen, viele von ihnen waren Studierende aus dem Ausland. 2004 kam dann der Auszug, das Heim wurde geschlossen. “Ohne Sentimentalitäten“, sagt Slupetzky. Er werde dem Haus nicht nachtrauern. ( … )

Vom Hotel zum Studentenheim

Bevor die Studenten in das Haus einzogen, beherbergte die Alser Straße 33 andere Gäste, solche, die noch häufiger wechselten: Das Haus war ein Hotel und Restaurant namens “Zum Goldenen Hirschen“. Übrigens ein Stammlokal des Schauspielers Hans Moser. Damals war das Gebäude freilich noch ein liebliches, zweistöckiges Biedermeierhaus.

Anfang der 1970er Jahre erwarb die Studentenförderungsstiftung das Gebäude. Um das Haus als Heim nutzen zu können, entschloss man sich zur Aufstockung. Eine dreistöckige Stahlbetonkonstruktion mit niederen Decken und kleinen Fenstern wurde über den Altbau gestülpt. Architektonisch wahrlich keine Glanzleistung, doch im Inneren der Betonfestung ging es fortan mindestens genauso lustig wie im einstigen Wirtshaus zu. Tausende Studenten haben über die Jahre in den 130 Betten genächtigt, in den Sozialräumen und Etagenküchen gefeiert. ( … )

Im Sommer 2004 brachen schließlich die letzten Tage des “Alserheims“ an. Das Heim wurde geschlossen, das Mobiliar kam nach Ungarn oder auf den Sperrmüll. Ein letzter neuer Mieter zog in das verlassene Gebäude: Ein neuer Trafikant übernahm das Geschäft im kleinen Zubau links im Erdgeschoß. “Ein leeres Haus ist kein guter Geschäftsstandort“, sagt der Mann, der den Neubau schon nicht mehr erwarten kann. Seit ein paar Monaten ist ein Container sein Ausweichquartier. “Es ist nicht schade drum“, ist alles, was ihm zum Abbruch einfällt. Das neue Haus werde “sicher schöner“.

Punks auf Wohnungssuche

Einmal noch hatte das leer stehende Haus in letzter Zeit Besuch. Am 18. Mai 2007 besetzten rund 30 Punks das Gebäude und forderten ein eigenes Haus – eine “Pankahyttn“. Nach ein paar Stunden zogen die Punks unverrichteter Dinge wieder aus. Und die Pankahyttn wurde schließlich nicht in der Alser Straße 33, sondern erst dieses Jahr in der Johnstraße im 15. Bezirk bezogen.

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REPRISE

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Das ehemalige Studentenheim Alser Strasse 33 wird demoliert , um dem Ausbau eines Seniorenspitals der benachbarten Privatklinik “Confraternität” zu weichen . Manifestation des demographischen Wandels ? - Oder nur ein weiterer Schritt der Usurpation des öffentlichen Stadtraums durch private player ? - Honni soit qui mal y pense

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Als Ausgleich zur drastischen Demolierungszone bieten wir heute in|ad|ae|qu|at subtile musikalische Zwiegespräche zwischen distinkt Gezupftem , czz-hoerempfehlung präzise Perkussivem sowie elektronisch Abgedumpftem und spitzen Claphands an : Was Annèke Laurent ( MySpace ) mit seiner “Sipdub bliss EP” da präsentiert , ist eine kleine , feine Erkundung klanglicher Texturen . Eine Etüde an Resonanzen und Klangmaterialien . Ein Exempel zwischen komprimiertem und hallig ausgreifendem Klangraum . Kurzum : Das Meisterstück unter den bsher einundzwanzig Releases des Netlabels auflegware . Gratulation ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Sims Dupp [ 06:14 ] | 02. Smulgh [ 07:18 ] | 03. Plouw [ 07:35 ] | 04. Plouw ( Thomas Marlow’s la música moderna ascensor rmx ) [ 07:17 ] | 05. Sims Dupp ( Janos Pimp Dupp rmx ) [ 07:16 ] |||

MICRO | -NOTE | -QUOTE : “Big Data” und Poesie

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Wie im Zeitalter der Petabytes ( 10 hoch 15 = 1.000.000.000.000.000 bytes ) Datenmengen überhaupt noch sinnvoll zu analysieren seien , erkundigt sich WIRED beim Datenforscher und Computerkünstler Martin Wattenberg ( IBM’s Watson Research Center in Cambridge , Ma. ) .

Bemerkenswert ist , wie der Mathematiker mit einer zweistufigen Metapher antwortet .

In einem ersten Schritt bedient sich der Zahlenforscher der Metapher der Sprache , um diese ( z. B. als Wortfrquenzen ) wiederum in Schaubilder zu “übersetzen” . Für Schritt Eins entsteht solcherart eine treffliche Definition der “Datenverdichtung qua Poesie” :

Language is one of the best data-compression mechanisms we have. The information contained in literature, or even email, encodes our identity as human beings. The entire literary canon may be smaller than what comes out of particle accelerators or models of the human brain, but the meaning coded into words can’t be measured in bytes. It’s deeply compressed. Twelve words from Voltaire can hold a lifetime of experience.

Schritt zwei - z. B. die Darstellung von Wikipedia- Edits in Form von Balkengrafiken - führt direkt in die reizvolle Interzone zwischen Infografik und Bildender Kunst .

Martin Wattenberg Big Data Vizualisation

( Tausende , von einem einzigen Software Bot durchgeführte Wikipedia- Redaktionsvorgänge , wobei die Farben einzelne Themenseiten anzeigen . Bild : Fernanda B. Viégas , Martin Wattenberg , Kate Hollenbach )

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Mark Horowitz : Visualizing Big Data : Bar Charts for Words ( Wired , 23. 6. 2008 )

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KLANGAPPARAT

Klingt im Auftakt zwar meist jazzig- vielversprechender , als es der Verlauf der Stücke später tatsächlich einzuhalten vermag , doch soll man ja czz-hoerempfehlungauch schöne Anfänge schätzen : Die Akkorde der wohligen e- piano- Klangfarben beschränken sich in Differenz zur oben gezeigten Grafik auf eine eher zählbare Palette , verweigern sich allerdings im Hinblick auf weitere Soundzutaten keinem Genre . Dub , Latin , Sprachloops : Hat alles gut Platz in den fächelnden Sphären der “Space Adventures“- EP . Vielleicht sollte man das Angenehme einfach mal mit dem Kühlenden verbinden ?! - Der Klangventilator Deymare stammt immerhin aus Finnland und das gastgebende Netlabel white in music bürgt für minimalistische Qualität . Von den Remixern Paskal und Verano haben wir ja schon andernorts gehandelt . CLICK LINKS TO LISTEN : 01. Cosmic Love | 02. Great Space Explores | 03. Cosmic Love - Fineline Rmx | 04. Cosmic Love - Verano Rmx | 05. Cosmic Love - Paskal Rmx |||

Play it again : FÜR den Bachmannpreis und WIDER die Literaturschulen - Eine Übertragung

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||| IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE | IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG | “EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN | DEALS DER JURIEN | FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT | AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM | ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE

TDDL 2008 banner 300pxMusste man über Jahre hinweg lesen die stereotypen Stoss- Seufzer über den Bachmannpreis am ( Vorsicht : Wortspiel ! ) Wörther See und wie man sich abends bei Maria Loretto im berühmten Fischrestaurant unter den gruselig präparierten Fischköpfen an den Wänden ( Vorsicht : Bildwitz ! ) beim Gastmahle traf und wie dort oder auf den literaturjournalistischen Amateur- Fussballfeldern der Ehre es die Outsider den Insidern gaben

Musste man alljährlich lesen dieselben Protokolle von Outfits und Aussagen ( halbprivat ) , dasselbe Raunen über die echten , aus dem Genusse geistiger Getränke ergossenen Literaturbetriebswahrheiten …., so rächt sich das Feuilleton in diesem Jahr unisono mit Groll und Hohn für die Verknappung seiner Sport- und Spielwiese von zwei auf vier Tageslängen .

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IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG

picto TVIn chorisch harmonierenden Einzelstimmen wendet man sich gegen die Layoutierung der Show zu Zwecken und zu Gunsten der 3- sat- TV- Übertragung . Im fernsehgerechten Format , so der beleidigte Tenor ( Die Presse , taz ) , verwandle sich Literatur eben in jenes Ärgernis einer “prime time”- ( Der Standard ) , “Mittelstands-” ( DIE WELT ) , “Vita contemplativa”- ( FAZ ) und “Langweile”- ( NZZ ) Veran- oder -unstaltung , als welche sie sich anno 2008 den vor Ort Wesenden präsentierte .

Keiner mochte da einlenken , dass es eben die Fernsehübertragung sei , welcher die Juroren ihre Prominenz ( und guten Gagen ) danken , die im Besonderen allerdings dafür garantiert , dass Literatur im Feuilleton weiterhin für “der Rede wert” befunden wird . Anderseits gestattet just die Fernseh- Übertragung eine Teilhabe Vieler an einem lokalen “Event” : eine Zeugenschaft , welche die Lesungen selbst - allerdings auch die Leistungen der Jury , nicht zuletzt aber auch die Beurteilungen durch das Feuilleton - ÜBERPRÜFBAR macht .

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“EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN

picto TVSomit gerät die Oberhoheit der Kanzelrede und der exklusive Deutungsmacht des Feuilletons ins Wanken : Prompt reagiert das Feuilleton auf die solcherart “globalisierte” Information , indem es die Stadt Klagenfurt ebenso kleinredet und zur kleingeistig- protofaschistischen Provinz ( DIE WELT ) erklärt wie überhaupt den ganzen Bewerb inklusive der Juroren samt der von ihnen “vorgeschlagenen” und diskutierten Text- und Autoren- Funktionen .

Denn aber , hallo und sorry , möchten wir bescheiden daran erinnern , dass Klagenfurt noch immer ein Erbmöbelstück der “Gruppe 47″ ist und von deren berüchtigten Meetings , deren Lesungen und deren , jedem Widerspruch abgeneigten Ab- Urteilungen derer , die da lasen . Die , die da lasen , waren ( siehe : das Prinzip der “Einladung” bzw. der Juroren- Vorschläge ) selbstverständlich nur ein Teil “sie selber” . Der Löwenanteil war und bleibt allerdings das , womit sich ein Juror zu profilieren gedenkt , WEN er ins Rennen schickt und WAS er der Arena des Sammelkampfes vorwirft … zur Augenweide oder zum Frasse .

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DEALS DER JURIEN

TDDL 2008 banner 300pxWas das Juryprinzip ist in vielen verschwiegenen Versammlungszimmern , an Tagungstafeln und bei Konferenztisch- Kaffee aus Thermoskannen vollzieht , liegt in Klagenfurt vor Aller Augen . Deals , Kontrakte , Freundlichkeiten im Austausch gegen Imagepunkte , oder - bei Schlagseite des eigenen Kandidaten : der schnelle Seitenwechsel und Überlauf , der mit rhetorischer Verve überbrüht werden muss , damit der Sieger als selbstgekochtes Süppchen verkauft und vertreten werden kann .

Ja mei : All das ist hinlänglich bekannt . Was aber nun , wenn wir zugucken dürfen ( live dabei sein ! ) in der durch die Fernsehkameras und die hitzige Ausleuchtung nachvollziehbar unangenehm schwül- bedrückten Arena ? - Seit zwanzig Jahren weder im Besitze eines TV- Apparates noch des Animo , sich leiblich dem “Betriebsausflug” auszusetzen , hat in|ad|ae|qu|at das sogenannte “Wettlesen” stets via Feuilleton- Rapports und Insider- Witzen rezipiert . Und dabei Hunderte der oben genannten Fischessen , Fussballschweisstreibereien , Beschwipstheiten und Ausflügen ins lokale Puff nachlesen dürfen . Wenn im September dann oder im Oktober der jährliche Band “DIE BESTEN” bei Piper erschien , konnte und wollte sich eh Keiner mehr an das frühsommerliche Klagenfurt erinnern .

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FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT

picto TVNun aber hat das Netz auch für fernsehfrei lebende Zeitgenossen die “Zugänglichkeit” zu diesem eminenten Ereignis der Eliten von Feuilleton und Sozial- Performanz ermöglicht . Und solche “Zugänglichkeit” zu höherer - menschlicher , kultureller , emotionaler - Bildung gilt mittlerweile als Menschenrecht . Na gut , machen wir von solcher “Zugänglichkeit” via “Stream on Demand” Gebrauch und vollziehen “Klagenfurt” im totalen Echtzeit- Selbsttest und unter verschärften Bedingungen von sukzessiver Mitschrift und Fortverlinkung mit : Vierzehn Stunden lang an Bildschirm und Tasten , plus Mittagspausen usf.

Hier das Testergebnis : Auch unter den eingeschränkten Erwartungen , was ein Stream- Bild an Qualität vermitteln kann , ist der visuelle Faktor erbarmungslos kläglich . Im Chiaroscuro eines nur spotmässig ausgeleuchteten Studios verhindern abstruse Kamera- Totalen eine Konzentration auf den logisch zu fokussierenden Sprecher . Tritt selbiger allerdings - egal , ob gebeugter Autor , gestikulierender Juror oder bräselnder Moderator - ins Bild des Nah- Objektivs , erstarren die Talking Heads hinter der dick aufgetragenen und unvorteilhaft angestrahlten Maske . Da man Menschen , welche man schätzt und kennt , nur ungern in solcher Ensor’schen Masken- Übermalung betrachtet , verlegt man sich bald aufs Abblenden . Und siehe : Man beginnt zu HÖREN . ZUZUHÖREN sogar .

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AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM

TDDL 2008 banner 300pxUnd statt des blauen Studios erleben wir das blaue Wunder der Verwandlung eines “Literaturwettbewerbs” in ein HÖRSPIEL in Echtzeit : Mit den klassischen Chargen , Beschleunigungen und Retardierungen , Strophe und Refrain , Solo und Chor sowie viel lokal gefärbter Sprachmusik . Da treten die ausgestellten ( literarischen ) TEXTE als ebenso subjektive STIMMEN und CHARAKTERE auf wie das Geplänkel der Juroren , deren ebenso ausgestellten Bekenntnis- TEXTE und kulturtheoretische ROLLENPROSA . Solcherart sind wir - auch über manche Mühen der Textebenen ( aller Fraktionen ) hinweg - in den Genuss eines selten so unterhaltsam vernommenen HÖRSPIELS gekommen .

Fazit : Wenn schon das Radio sein Selbstbewusstsein als AKUSTISCHES Medium hinter Internetbildchen , LOGO- Optik und visuellen User- Interfaces am Handy verleugnet , wird man fortan das live übertragene , respektiv netz- gestreamte oder ON DEMAND abgespielte TV- BILD als neues Radio gebrauchen . BILD AB , TON AUF : Lass es jazzen , Mann , horch hin und maule nicht .

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ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO

picto TVUnd WENN man sich zu Klagenfurt bzw. in den Redaktionsstuben postum seit Jahren über die ( Vorsicht ! ) “gut gemachten , aber …“-Schreibstücke beklagt , dies Jahr erstmals auch über die ( Vorsicht ! ) “gut vorgelesenen , aber …“-Texte , dann schliesse man doch bitte endlich und einfach die VEBs der Literaturschulen und entlasse deren renommierte Lehrer , welche eben die SERIENTEXTE und -BEFINDLICHKEITEN mitproduzieren , über die sie und ihre Kollegen dann öffentlich mäkeln . Sorry : Bei diesem Betriebsspiel werden Menschen verbraucht … Der Rest der Argumentation ist unter der Kategorie “Germany’s Next Topmodel” bzw. “Deutschland sucht den Superstar” ( DSDS ) nachzulesen . Oder hiesse es doch nicht noch besser : “Dschungel-Camp - Ich bin ein Star – holt mich hier raus” ?!

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LINKS

  • Tilman Rammstedt erhält Bachmann-Preis - Der deutsche Autor Tilman Rammstedt hat den renommierten Ingeborg-Bachmann- Preis gewonnen . Der 33-jährige Schriftsteller wurde im österreichischen Klagenfurt für seinen Roman “Der Kaiser von China” ausgezeichnet . Rammstedt wagte etwas , das in Klagenfurt selten goutiert wird : Humor ( Elmar Krekeler , DIE WELT , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis 2008 : Darauf haben wir gewartet ( Oliver Jungen , FAZ , 29. 6. 2008 )
  • Vom Dienstbotenelend der Literatur - Der 32. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb - Mit einer Grossvater- Geschichte holt sich der Berliner Tilman Rammstedt den Ingeborg- Bachmann- Preis 2008 . Seine Erzählung ist komisch , wo die Qualität der sonst noch vorgetragenen Texte fast tragisch ist . Selten zuvor war die Literatur in Klagenfurt so durchschnittlich wie diesmal ( Paul Jandl , NZZ , 30. 6. 2008 )
  • Neuigkeiten aus Klagenfurt - Öl im Getriebe - Beim diesjährigen Ingeborg- Bachmann- Wettbewerb haben sich die Schriftsteller , die Jury und das Publikum auf die Bedingungen des Fernsehens eingelassen ( Dirk Knipphals , taz , 30. 6. 2008 )
  • Das Jahr der Freundlichkeit - Der 32. Bachmann- Preis ging an den in Berlin lebenden Tilmann Rammstedt - Markus Orths und Patrick Findeis hatten Chancen . Eine Entscheidung , unentschieden ( Cornelia Niedermeier , Der Standard , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis : Ein Tyrann als komischer Held - Tilman Rammstedt gewinnt mit seinem schwarzhumorigen “Der Kaiser von China“ in Klagenfurt . Er setzte sich bei Jury und Publikum durch ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )
  • Literatur , im Wörther See versenkt - Beim Wettlesen zum Bachmann-Preis wird alles den Erfordernissen des TV , der Marke untergeordnet . Ein Text ist aber kein Waschmittel ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Ein Eintauchen in buchstäbliche Liquid Levels gestattet das herrlich verhaltene LOOPZILLA- MIX Numero 60 . Fern von jeder hochsommerlichen czz-hoerempfehlungBeach- Life oder Sonstwie- Fröhlichkeits- Frenesie , bleibt das “Sofa Mix” cool abgedimmt im gangbaren Takt , ohne ins loungig- Beliebige abzudriften : Daniel P. aka “Project Swirl” bedient sich mit seiner exquisiten Mischung aus Releases von Netlabels wie yukiyaki , Thinner , unfoundsound oder clear-cut allerdings nur beim Feinsten . - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN . |||

Rare Sprache : Lenka Reinerová im 93. Lebensjahr verstorben

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Wenn Sie wissen wollen wie Franz Kafka gesprochen hat , hören Sie Lenka Reinerova zu , empfahl der Berliner Verleger und Autor Klaus Wagenbach . ( ORF )

||| Verfolgung , Vertreibung , Vernichtung der Anverwandten : Dem Holocaust im mexikanischen Exil entronnen , nach Rückkehr in ihre Heimatstadt Prag von Seiten der Stalinisten inhaftiert und mit jehrelangem Schreibverbot belegt , hatte die Schriftstellerin und Publizistin Lenka Reinerová eine verklungene Sprache bewahrt , bei welcher - weit über ein historisches Idiom hinausreichend - das Ethos einer Haltung anklang .

Noch vor zwei Jahren hat Reierová mit “Mandelduft” ( RBB | Der Audio Verlag ) ein eminentes Tondokument eingespielt , dessen Episoden Geschichte und Gegenwart eines einstigen k. k. Garnisons- und heute kargen Provinzstädtchens verweben , welches als Terezín | Theresienstadt zu einem der fatalen Inbegriffe der nationalsozialistischen Deportationslogistik zählt . Die Autorin blickt hin , hört hin , erfasst präzise das Unheimliche des jetzigen Ortes , erzählt es indes ohne Pathos .

czz-pikto-blind-fuer-todAnlässlich des Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wurde am 25. Januar 2008 Lenka Reinerovás Rede “Ins Gas gestossen ” von der Schauspielerin Angela Winkler im Deutschen Bundestag verlesen . Die Autorin selbst blieb , da in gesundheitlich prekärer Verfasung , daheim in Prag .

Am Freitagnachmittag , den 27. Juni , ist Lenka Reinerová in ihrer Prager Wohnung verstorben . Uns bleibt ihre in glasklare Sprache gefasste , in grosser Bescheidenheit verfasste und skrupulös verbuchte Zeitzeugenschaft . Und eine Stimme , welche , wer deren Aufnahme je vernommen , nicht mehr vergisst .

Eine akustische Erinnerung .

Man nennt sie die Grande Dame der deutschsprachigen Prager Literatur : In der Tat verfügt die im Mai 1916 geborene Lenka Reinerová über eine vexierend leuchtende Stimme , deren Pragerdeutsch aus einer fernen Epoche herüber ins dritte Jahrtausend verlautet . Der artikuliert altösterreichischen Diktion dieser Erzählerin eignet indes nicht das geringste Quäntchen von Nostalgie - dafür ist die Spannkraft der sanft von tschechischer Sprechmelodie getragenen Stimme zu jung .

Die treffliche Einspielung einer Lesung von Erzählungen aus dem Band “Mandelduft” gibt dem landläufig entleerten Wort der “Würde” wieder Sinn : Lenka Reinerovas exzeptionelle Stimme , ihre noch in der Empathie gelassen pointierende Präzision , bürgen für und beglaubigen das , wovon sie erzählt . So wird die persönliche Perspektive einer Wiederbegegnung mit den baulichen Resten der - von Maria Theresia als Garnison gegründeten und von den Nationalsozialisten zum jüdischen Ghetto degradierten - nordböhmischen Theresienstadt ( Terezín ) zur unsentimentalen Reise .

Hier , wo ihre Verwandten ums Leben gebracht oder in Vernichtungslager verschickt wurden , wohnen nun stumm gestikulierende Patienten der Psychiatrie , als wären sie Wiedergänger der ehedem in Verzweiflung Verstorbenen . Reinerová beobachtet nur , sie konstatiert : Und es öffnet sich ein Raum - literarisch , philosophisch und akustisch - für Fragen , die , aus dem Gestern kommend , wohl auch übermorgen keine Antwort finden werden . ( czz , 2006 )

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( Terezín , Sommer 2006 )

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Lenka Reinerová : Ins Gas gestossen . Rede am 25. Januar 2008 vor dem Deutschen Bundestag zum Gedenken an den Jahrestag der Befreiung von Auschwitz ( P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland )

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Salon Littéraire | Michael Hammerschmid : stadtgedicht

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Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Michael Hammerschmid : stadtgedicht

 

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die langsame stadt

die stadt ist so langsam. er ist müde von ihr.
sie ist nur mehr ein achter bezirk, immer noch,
vermischt mit den autoreifen vom stadtrand;
einem goldkettchen (goldkätchen).
er wird nie herauskommen.
die gebäude sind mächtig. wir sind ihre vasallen.
wir gehen zu ihren füßen, putzen ihre fassaden.
ohne sie wären wir nichts. wir sind so sehr wir
geworden, dass wir ganz alleine sind.
die uhren bräuchten wir nicht.
sie stehen in die laternen gegossen halt immer noch da
und gehen vor den vögeln im kreis.
wenn der wind nicht wäre, wären wir weniger böse,
weniger von hoffnung gestört. er folgt uns, als könnte
er jetzt alles verändern. wir sollten uns nicht
mit dem wetter beschäftigen. sagen wir uns.

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Michael Hammerschmid

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BACHMANNPREIS 08 : Listen - Lesen - Lasten

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||| NA JA : DANN MAL LOS | STUNDENPLAN - DARBIETUNGEN - DEBATTEN | RÉSUMÉES ( ORF ) | AUTOMATISCHE LITERATURKRITIK - PREIS DER RIESENMASCHINE | PRESSE | KLANGAPPARAT

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Das Blockseminar “Bachmannpreis 2008” aka “Tage der deutschsprachigen Literatur” kann losgehen . Laut Veranstalter gestrafft , verjüngt und in neuem Outfit , multimedial und -lingual . - Zur Gegenlektüre : Siehe Doris Mosers ( “Der Ingeborg-Bachmann-Preis - Börse , Show , Event” ) : Frequently Asked Questions .

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STUNDENPLAN - DARBIETUNGEN - DEBATTEN

Im Netz via ORF-TV on demand | per Media- Player

Freitag , 27. Juni , Vormittag

9 - 10 : Thorsten Palzhoff , D ( home , Videoportrait | Vorschlag Ijoma Mangold ) : “Livia” | Lesung ( video on demand ) | Debatte ( video )
10 - 11 : Alina Bronsky , D ( Videoportrait | Vorschlag Ijoma Mangold ) : “Scherbenpark” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
11 - 12 : Clemens J. Setz , A ( Videoportrait | Vorschlag Daniela Strigl ) : “DIE WAAGE” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
12 - 13 : Angelika Reitzer , A ( Videoportrait | Vorschlag André Vladimir Heiz ) : “Super-8” | Lesung ( video ) | Debatte ( video)

Freitag , 27. Juni , Nachmittag

15 - 16 : Martin von Arndt , D ( home , Videoportrait | Vorschlag Alain Claude Sulzer ) : “Der Tod ist ein Postmann mit Hut” | Lesung ( video ) | Debatte ( vod )
16 - 17 : Patrick Findeis , D ( Videoportrait | Vorschlag Burkhard Spinnen ) : “Kein schöner Land” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
17 - 18 : Markus Orths , D ( KEIN Videoportrait | Vorschlag Daniela Strigl ) : “Das Zimmermädchen” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )

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Samstag , 28. Juni , Vormittag

9 - 10 : Heike Geißler , D ( Videoportrait | Vorschlag Ursula März ) : “Das luftige Leben“| Lesung ( video ) | Debatte ( video )
10 - 11 : Sudabeh Mohafez , D ( home , Blog “zehn zeilen” , Videoportrait | Vorschlag Klaus Nüchtern ) : “Im roten Meer” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
11 - 12 : Dagrun Hintze , D ( Videoportrait | Vorschlag Burkhard Spinnen ) : “Flugangst” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
12 - 13 : Pedro Lenz , CH ( home , Videoportrait | Vorschlag André Vladimir Heiz ) : “Inland” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )

Samstag , 28. Juni , Nachmittag

15 - 16 : Ulf Erdmann Ziegler , D ( Videoportrait | Vorschlag Alain Claude Sulzer ) : “Pomona” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
16 - 17 : Tilmann Rammstedt , D ( Videoportrait | Vorschlag Ursula März ) : “Der Kaiser von China” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
17 - 18 : Anette Selg , D ( Videoportrait | Vorschlag Klaus Nüchtern ) : “Muttervaterkind” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )

Samstag , 28. Juni , Abend

20.15 : Preisvergabe ( erstmals im Hauptabendprogramm von 3sat live )

Tilman Rammstedt gewinnt den Bachmann-Preis 2008 | Patrick Findeis erhält den 3sat-Preis

Der in Berlin lebende Autor Tilmann Rammstedt ist der große Gewinner des 32. Ingeborg-Bachmann-Preises 2008. Er beeindruckte mit seiner Lesung aus seiner Familiengeschichte “Der Kaiser von China” nicht nur die Jury, auch das Publikum stimmte für den Nachwuchsautor. Rammstedt, 1975 in Bielefeld geboren, beschreibt in seinem Werk eine problematische Beziehung zu seinem Großvater. Die Jury lobte den bisher unveröffentlichten Text als hochkomisch und brillant. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Der 3sat-Preis geht dieses Jahr an Patrick Findeis, der in Berlin lebt und arbeitet. Ebenfalls erfolgreich im Wettbewerb ist auch der 1969 in Viersen geborene, heute in Karlsruhe lebende Autor Markus Orths, der vor allem Erzählungen, Romane und Essays schreibt. Er erhält den Telekom Austria Preis.

Der Ernst- Willner-Preis ging nach Österreich

Der Ernst Willner-Preis ging schließlich an den zweiten von Daniela Strigl nominierten Autor: Clemens J. Setz. Sie meinte, damit eine “höchst hintersinnige Geschichte über das Wägen und Abwägen” gewählt zu haben, die zeige, “was übermäßiger Fleischgenuss aus Männern machen” könne.

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RÉSUMÉES ( ORF )

Disclaimer : In|ad|ae|qu|at übergehen wir die verzichtbaren Subjektkommentare des “Satirikers” Egyd Gstättner .

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AUTOMATISCHE LITERATURKRITIK - PREIS DER RIESENMASCHINE

An Stelle des vorjährigen Klagenfurt-Totalisators lädt die ZIA 2008 zur Teilnahme an der Automatischen Literaturkritik ( Kriterienkatalog ) . in|ad|ae|qu|at hält eine Kommentierung der Kommenierung für verzichtbar , sondern sich schlicht ans Dokumentieren .

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PRESSE - TAG 1

  • Tagesspiegel” und ZEIT hatten Freitag gerade mal selbige , bis 11 Uhr die ersten beiden Lesungen ( Thorsten Palzhoff , Alina Bronsky ) ohne Zugabe eigener Gedanken zu beobachten . Der Rest des Freitag , 16:46 Uhr ex aequo online gestellten Textes reproduziert ein paar Fakten aus den Presseunterlagen . Gezeichnet “jg/dpa” .
  • Elmar Krekeler , ein ehrerenwerter Herr , ergeht sich in der WELT in einer Art von Live- Blogging , wobei besonders Moderator Dieter Moor Bohlen ( aka “der Geck” ) solchen Unmut erregt , dass auch ORF-Landesdirektor Willy Haslitzer einer Umbenennung in “Haslitza” anheim fällt . Immerhin bleibt der Chronist ( mit update ) bis Freitag , 17.32 Uhr auf dem Beobachterposten , referiert vornehmlich die männlichen Statements der Debatten : “Herr Mangold orgelt” , “Herr Heiz ist hingerissen … er bricht ins Schweizerische aus vor Begeisterung” , “Herr Heiz wechselt ins Französische. Herrn Spinnen geht das alles zu gut auf. Herr Mangold redet die Sprache des Textes klein” , Clemens J. Setz bietet “Angestelltenirrsinnsprosa” , Angelika Reitzers Text verursacht “Erste Klagenfurter Fluchtgedanken” : “Die Frau fährt auf einem Hometrainer zu ihrer glücklichen Tante. I wär narrisch.” ( Sic , czz )
  • Auch Cornelia Niedermeier ( Der Standard ) beginnt schon angehörs des Moor’schen Jargons “eine Abwesende, Unbekannte bei dieser Veranstaltung” zu vermissen : es sei “die Sprache – und die Liebe zu ihr” . Literarische Stereotypie des ersten Tages : “Klassische Bachmann-Texte , also für den Wettbewerb verfasste Beiträge, die artig dekodierbare Motive entwickeln, doch sprachlich wenig wagen.”
  • Harald Klauhs springt in seinem Bericht für “Die Presse” furchtlos medias in res : “Wie nervend darf ein Text sein ? An dieser Frage entzündete sich die erste heftige Diskussion unter den Juroren des diesjährigen Bachmann-Preises. Und zwar am Text Super-8 von Angelika Reitzer, die der Schweizer Juror Andr Vladimir Heiz nach Klagenfurt eingeladen hat.” - Hinsichtlich der von Clemens J. Setz surreal inszenierten Waage, “schlug” - so der Kommentator treffend - “der Zeiger … weit aus. Ich habe beim Lesen vor Lachen geprustet, kommentierte Ursula März diese hochkomische Horrorgeschichte über Biedermänner und Dinosaurier. Eine Fantasie über das Nichts, nämlich nichts Bedeutendes, nannte dagegen Neo-Juror Alain Claude Sulzer Setz’ Text … Schon an dieser Stelle spaltete sich also die Jury an der Frage, wie viel Mysteriöses ein literarischer Text haben darf oder soll.”

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KLANGAPPARAT

Nach so viel Gerede haben wir uns ein paar musikalisch aufmöbelnde “Zeichen” redlich verdient . Das junge Netlabel “Tonkultur-Berlin” ( TKBNET ) czz-hoerempfehlungschickt Steven Reitz ( pdf ) aka Freakster & Steven Schwarz ( pdf ) aka SCHWARZarbeit los , uns ein paar blutdrucksteigernde Mini ( mal ) ( beat ) - Pillen zu verabreichen : Dies Dosis ist höchst vernehmlich und bekömmlich . Besonders aber : Hochgradig wortlos ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Freakster : Zeichen | 02. Freakster : Red Lights | 03. Freakster : Aetsche Beatsche | 04. SCHWARZarbeit : Zero-Point-Nine |||