<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	xmlns:georss="http://www.georss.org/georss" xmlns:geo="http://www.w3.org/2003/01/geo/wgs84_pos#" xmlns:ymaps="http://api.maps.yahoo.com/Maps/V2/AnnotatedMaps.xsd">

<channel>
	<title>in&#124;ad&#124;ae&#124;qu&#124;at &#187; Doron Rabinovici</title>
	<atom:link href="http://www.zintzen.org/author/doron-rabinovici/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.zintzen.org</link>
	<description>doi:10.3246/ib.1000</description>
	<lastBuildDate>Sat, 11 Feb 2012 08:52:58 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2.1</generator>
		<item>
		<title>Doron Rabinovici: 29. 3. 2010, Erev Pessach, Tel Aviv</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2010/04/06/doron-rabinovici-erev-pessach-tel-aviv/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2010/04/06/doron-rabinovici-erev-pessach-tel-aviv/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 02:39:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doron Rabinovici</dc:creator>
				<category><![CDATA[mitSprache | unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.zintzen.org/?p=13806</guid>
		<description><![CDATA[&#124; mitSprache unterwegs &#124; 29. März 2010, Erev Pessach, nach jüdischem Kalender am 14. Nissan 5770, in Tel Aviv, in meinem Hinterkopf aber sind Colombo, Anjuna und Puna Wann ist eine Reise zu Ende? Ich sammle Material. Ich blättre in Papieren, die ich aus dem Fernen Osten mitbrachte. Ich schaue mir die Photos durch, die...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" rel="lightbox[13806]"><img class="aligncenter size-full wp-image-11751" title="mitsprache_titel" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" alt="" width="350" height="119" /></a><a href="http://zintzen.org/mitsprache-unterwegs/">| mitSprache        unterwegs |</a></p>
<p>29. März 2010, Erev Pessach,<br />
nach jüdischem Kalender am 14. Nissan 5770,<br />
in Tel Aviv,<br />
in meinem Hinterkopf aber sind<br />
Colombo, Anjuna und Puna</p>
<p>Wann ist eine Reise zu Ende? Ich sammle Material. Ich blättre in Papieren, die ich aus dem Fernen Osten mitbrachte. Ich schaue mir die Photos durch, die auf meinem Laptop gespeichert sind. Ich nehme das Gerät überall hin mit. Auch nach Haifa, wo ich zu einer Lesung geladen werde; Auch in Tel Aviv, wo ich heuer mit meiner Familie den Seder feiere. Im Zentrum meiner Recherchen steht ein Bild aus Colombo, das <a href="http://www.unstill.net/blog/">Laurent Ziegler</a> schoß.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/04/Rabbi_Mendi_Crombie_opyrigh_Laurent_Ziegler.png" rel="lightbox[13806]"><img class="alignnone size-full wp-image-13808" title="Rabbi_Mendi_Crombie_opyrigh_Laurent_Ziegler" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/04/Rabbi_Mendi_Crombie_opyrigh_Laurent_Ziegler.png" alt="" width="350" height="233" /></a></p>
<p>Rabbi Mendi Crombie steht vor einem Tuktuk. Chassiden im Tuktuk. So wird der Text heißen, den ich bald schreibe. Chassiden im Tuktuk: Vor Jahren fuhr ich im Auto durch das Touristendorf Hikkaduwa an der südlichen Küste von Sri Lanka. Wir saßen in einem Kleinbus, und hatten, wenn ich nicht irre, einen riesigen liegenden Buddha besucht. Hikkaduwa lag am Weg. Wir wollten nur durch, denn es ist ein vom westlichen Tourismus verheerter Ort. Der Strand ist das Eldorado von jugendlichen Surfern und von recht schlichten Pauschaltouristen. Doch mitten unter den bunten Flipflops, den grellen Dreiviertelhosen, den bauchfreien Tops der Badeurlauber, standen in der tropischen Hitze plötzlich einige Chassidim im traditionell polnischer Tracht, mit Hut und in festem Kaftan, die eben in ein Tuktuk eintreten wollten. Wäre ich im römischen Petersdom und während der katholischen Messe auf hopsende halbnackte Gogotänzerinnen getroffen, hätte ich nicht überraschter sein können.</p>
<p>Die Reise ist nicht zu Ende. Sie hört nicht auf, wenn ich aus dem fernen Osten heimkehre. Sie klingt in mir nach. Mehr noch: Manches, was dort im Stimmengewirr unterging, dringt nun klarer durch. Zudem setze ich die Recherche fort.</p>
<p>Ich fliege nach Israel. Nicht nur in Arambol, in Anjuna oder Puna kann ich erfahren, was über die israelischen Touristen in Indien zu schreiben ist, sondern ebenso in Tel Aviv oder bei einer Lesung in der Universität von Haifa. An einem Samstag esse ich mit meinen Verwandten zu Mittag. In einem Tel Aviver Restaurant kommen wir zusammen. Ein weitläufiges Lokal, alle Plätze sind besetzt. Laute Musik dröhnt durch den Raum. Wer sich am Tisch unterhalten will, muß schreien. Unweit der Bar sehe ich Yoram Kaniuk, einen der bedeutendsten Schriftsteller des Landes. Wie es mir gehe, fragt er, und wie lange ich noch im Lande bleibe. Ich setze mich zwischen meine beiden älteren Neffen, Musiker. Ihre Band &#8220;Strange Folks (The Collective)&#8221; gilt als eine der interessantesten Gruppen der letzten Jahre. Sie treten nicht nur in Israel, sondern ebenso in London auf. Hier sind Idan und Roy zu sehen und auch zu hören. <a href="http://www.myspace.com/idanrab">http://www.myspace.com/idanrab</a></p>
<p>Hier ein Photo, das Cormac McGloin schoß. Idan ist der Langhaarige, der auf der Stiege sitzt und den Hut hinunterwirft. Roy ist der Bärtige, der unten hockt und in die Kamera lächelt.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/04/Band_Strange_Folks_copyright_Cormac_McGloin.png" rel="lightbox[13806]"><img class="alignnone size-full wp-image-13807" title="Band_Strange_Folks_copyright_Cormac_McGloin" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/04/Band_Strange_Folks_copyright_Cormac_McGloin.png" alt="" width="278" height="350" /></a></p>
<p>Idan, der ältere der zweien, war vor wenigen Jahren einer jener vielen, die nach dem Militärdienst durch Indien reisen. Doch Idan paßt gar nicht in das Klischee von den allzu lauten hebräischen Rucksacktouristen. Die meisten Israelis, sagt er, würden nicht nach Indien reisen, um das Land zu besuchen und um neuen Menschen zu begegnen, sondern, um dort nur in kleinen Dörfern, in den selben billigen Hotels wieder unter Israelis zu sein. Ob das mit Rucksacktouristen anderer Länder nicht ebenso sei, frage ich. In Israel, sagt er, sei die Reise nach Indien zum Ritual geworden; zu einem Massenphänomen nach dem Militärdienst. Zu einem kollektiven Befreiungsschlag. Als würden ganze Jahrgänge an einem Ort im Ausland, ihre Maturareise und ihre Junggesellenparties im nationalen Verbund begehen. Es gehe dabei gar nicht so sehr um den Konflikt und um den Krieg. In Indien suchten sie nach der Freiheit von all den Zwängen ihrer jüdischen Verwandtschaft, der Religion, der Ideologie und des Staates.</p>
<p>Sie wollten einfach der paranoiden Enge des Landes entgehen, sagt mir Steve. Auch der jahrhundertealten Verfolgungsgeschichte, aber auch dem neuen blutigen Haß. Der Eingeschlossenheit. Dem Belagerungszustand. Der orientalischen Familiendichte, den jiddischen Mames, dem östlichen Clandenken. Der politischen Beklemmung. Seine Kinder waren in Indien. Sie hätten vor der Fahrt Treffen besucht, in denen ihnen erklärt worden war, wo sie hinfahren konnten, um so lange wie möglich, von Zuhause fort bleiben zu können. Und ihnen sei sogar verraten worden, wo es gescheit sei, auf ihrer Tour durch Subkontinent mit den Eltern zusammenzukommen: An jenen Plätzen, wo es zu teuer sei, alleine über die Runden zu kommen.</p>
<p>Ja, meint Idan, sie entfliehen der Beklommenheit Israels, der Eingesperrtheit zwischen Feindesland, der Atemnot. Sie entweichen dem Ghetto Zions, aber nur, um wieder in ein Ghetto, diesen neuen Schtetls und Kibbuzim in Indien einzukehren, sich wieder unter Ihresgleichen zu mischen. Vom Kollektiv der Heimat ins Kollektiv des Aussteigertums. Sie wüßten es eben nicht besser. Aber auch das unterscheidet die jungen Israelis nicht vollkommen von anderen Nationen, die ihre touristisch Enklaven aufsuchen, um hier endlich gemeinsam dem Gemeinschaftlichen zu entgehen. Der wohl entscheidende Unterschied ist aber, daß die Israelis über weniger Auswahl verfügen, wohin die Reise gehen kann.</p>
<p>Ja, er kenne Zoorie, den König von Goa, den Wirten von Anjuna, sagt mir Avi. Ich sehe Avi an einem Nachmittag bei meinem Bruder. Zoorie: Mehrmals habe ich in Anjuna sein Restaurant besucht. Zoorie: Ich interviewte ihn. Er kenne Zoorie aus jener Zeit, da er noch nicht nach Indien aufgebrochen war. Anfang der Neunziger, ehe Zoorie aufgebrochen sei, ein Hippie und ein Lokalkaiser zu werden, war er Offizier gewesen. Irgendwo habe er, sagt Avi, gelesen, Zoorie sei vor wenigen Wochen in Haft genommen worden. Ich muß dieser Nachricht nachgehen. Meine Reise ist nicht zu Ende. Noch ist sie nicht vorbei.</p>
<p><strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.zintzen.org/2010/04/06/doron-rabinovici-erev-pessach-tel-aviv/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
	<georss:point>32.0554 34.7595</georss:point><geo:lat>32.0554</geo:lat><geo:long>34.7595</geo:long>	</item>
		<item>
		<title>Doron Rabinovici: 15.1. Ahungalla</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2010/02/18/doron-rabinovici-15-1-ahungalla/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2010/02/18/doron-rabinovici-15-1-ahungalla/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 10:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doron Rabinovici</dc:creator>
				<category><![CDATA[mitSprache | unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.zintzen.org/?p=13069</guid>
		<description><![CDATA[&#124; mitSprache unterwegs &#124; 15.1. Ahungalla Wir essen zu Mittag. Xiane und ich sitzen mit dem Rücken zum Garten, auch weil wir dem neuen Gast, einer Filmproduzentin aus Prag, den Blick ins Grüne gönnen wollen. Dennoch, obwohl sie nicht ins Freie schaut, ist es Xiane, die es als Erste bemerkt. Sie sagt: &#8220;Was ist das...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" rel="lightbox[13069]"><img class="aligncenter size-full wp-image-11751" title="mitsprache_titel" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" alt="" width="350" height="119" /></a><a href="http://zintzen.org/mitsprache-unterwegs/">| mitSprache unterwegs |</a></p>
<p>15.1. Ahungalla</p>
<p>Wir essen zu Mittag. Xiane und ich sitzen mit dem Rücken zum Garten, auch weil wir dem neuen Gast, einer Filmproduzentin aus Prag, den Blick ins Grüne gönnen wollen. Dennoch, obwohl sie nicht ins Freie schaut, ist es Xiane, die es als Erste bemerkt. Sie sagt: &#8220;Was ist das für ein eigenartiges Licht?&#8221;</p>
<p>Xiane sagt: &#8220;Wieso ist es so dunkel?&#8221; Sie sagt: &#8220;Merkt Ihr nicht. Es ist still.&#8221; Sie sagt: „Die Vögel zwitschern nicht.“ Wir schauen uns um, und es läßt sich nicht leugnen. Die Natur ist verstummt. Nicht Ruhe, sondern ein Kirchhofsfriede. Ein Reiher erstarrt in der Wiese. Ein bunter Specht hockt reglos im Baum. Es ist, als falle die Welt in Ohnmacht. Ein Land im Koma. Ein Grauen nimmt überhand. Die Tropensonne steht im Zenit, derweil es dämmert. Der Himmel wolkenlos, aber nicht klar.</p>
<p>Und wieder ist es Xiane, der es als erstes einfällt. Vor einigen Tagen war von einer Sonnenfinsternis die Rede. Ein befreundetes Paar fuhr in den Norden , nach Jaffna, um dort die totale Eklipse mitzuerleben, die Auslöschung. Wir blieben zurück. Irgend jemand erwähnte noch, wir würden während des Ereignisses vielleicht im Halbschatten sein. Die ganze Insel werde ins Zwielicht geraten. Alle aber gingen davon aus, so eine partielle Verdeckung würde uns nicht kümmern. Niemand erwartete sich viel, und um so größer nun die Überraschung.</p>
<p>Es wird deutlich kühler. Am Absonderlichsten aber die Schatten. Sie scheinen gekrümmt, gebogen, als spiegle sich in ihnen die Mondsichel wieder, die sich eben vor den Feuerstern schiebt. Laurent Ziegler, der Photograph, macht ein Bild von diesen eigenartigen Schemen auf dem Boden. Hier das Photo. Copyright: <a href="http://www.unstill.net/blog/">Laurent Ziegler</a>.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/02/01_Stufen_Laurent_Ziegler.png" rel="lightbox[13069]"><img class="alignnone size-full wp-image-13090" title="01_Stufen_Laurent_Ziegler" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/02/01_Stufen_Laurent_Ziegler.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Glas wird aus der Küche herbeigeschafft und über einer Flamme schnell geschwärzt. Mit gerußten Scherben in die Sonne schauen, während ein Teil von ihr verschwindet. Es ist, als hätte einer ein kleines Stück von ihr abgebissen. Hier ein weiteres Photo von Laurent Ziegler. Wiederum der Hinweis auf sein copyright.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/02/02_Sonne_Laurent_Ziegler.png" rel="lightbox[13069]"><img class="alignnone size-full wp-image-13091" title="02_Sonne_Laurent_Ziegler" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/02/02_Sonne_Laurent_Ziegler.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Der Erdtrabant drängelt sich zwischen uns und den großen Flammenball. Es ist ein Hauch von Abgewandtheit in der Luft. Ein Anflug von Einsamkeit. Irgend etwas Abgründiges steigt auf.</p>
<p>Es dauert, bis die Helligkeit der Tagesstunde wieder entspricht. Die Tiere, verwirrt erst, kommen allmählich zu sich. Noch trauen die Vögel dem Licht nicht. Sie flattern zum nächsten Ast, ehe sie wagen, hochzufliegen.</p>
<p>Danach das Gespräch vom Tsunami. Wie damals Kathrin und Joseph ums Leben rannten. Wir erzählen vom Jahrestag, dem sechsundzwanzigsten Dezember, an dem wir auch diesmal die Schweigeminute einhielten, im Stehen. Das Gedenken an die Toten, etwa an die Frau des Nachbarn.</p>
<p>An diesem Tag versucht jenes befreundete Paar, das vor kurzem noch bei uns war, nach Jaffna zu fahren, um die völlige Sonnenfinsternis zu erleben. Sie werden indes, hören wir, nicht in die Hafenstadt gelassen. Die Gegend ist für Besucher gesperrt. Dort tobte bis zuletzt der Krieg. Dort, heißt es, hausen die Vertriebenen, die Tamilen noch in Lagern. Dort, so ist bekannt, herrsche die Armee. Dort, berichten Sender, seien Massaker verübt worden. Der Zugang nach Jaffna könne nicht gestattet werden. Niemand dürfe dorthin. Sperrzone. Militärgebiet. Ausnahmezustand. Nachrichtenblockade. Kreis der Verdunklung. Schwarzes Loch. Kernschatten. Totale Sonnenfinsternis.</p>
<p><strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.zintzen.org/2010/02/18/doron-rabinovici-15-1-ahungalla/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	<georss:point>6.3145623 80.0395205</georss:point><geo:lat>6.3145623</geo:lat><geo:long>80.0395205</geo:long>	</item>
		<item>
		<title>Doron Rabinovici: 14.1. Ahungalla</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2010/02/18/doron-rabinovici-14-1-ahungalla/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2010/02/18/doron-rabinovici-14-1-ahungalla/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 04:58:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doron Rabinovici</dc:creator>
				<category><![CDATA[mitSprache | unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.zintzen.org/?p=13179</guid>
		<description><![CDATA[&#124; mitSprache unterwegs &#124; 14.1. Ahungalla Neben dem Areal der Bogenvillya lag einst, ehe der Tsunami darüber hinwegging und die Gebäude zerstörte, das alte Schulgelände. Am sechsundzwanzigsten Dezember Zweitausendfünf war zum Glück kein Kind im Gebäude. Sri Lanka, das großteils buddhistische Land, feiert auch die Feste der anderen Weltreligionen mit und läßt keine Ferientag aus....]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" rel="lightbox[13179]"><img class="aligncenter size-full wp-image-11751" title="mitsprache_titel" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" alt="" width="350" height="119" /></a><a href="http://zintzen.org/mitsprache-unterwegs/">| mitSprache unterwegs |</a></p>
<p>14.1. Ahungalla</p>
<p>Neben dem Areal der Bogenvillya lag einst, ehe der Tsunami darüber hinwegging und die Gebäude zerstörte, das alte Schulgelände. Am sechsundzwanzigsten Dezember Zweitausendfünf war zum Glück kein Kind im Gebäude. Sri Lanka, das großteils buddhistische Land, feiert auch die Feste der anderen Weltreligionen mit und läßt keine Ferientag aus.</p>
<p>Das Grundstück, an dem einst unterrichtet wurde, dient nun als Werkstatt und Wohnung für ausgesuchte Künstler und Künstlerinnen aus Asien und Europa. Eine Kooperation zwischen der <a href="http://www.owf.at/"><em>one world foundation</em></a> und der <a href="http://www.projekte.galerie-krinzinger.at/"><em>Gallerie Krinzinger </em></a>aus Wien. Der Ausstellungsraum, in dem die interessanten Arbeiten der ersten Monate präsentiert werden, wird eröffnet. Srilankesische Künstler und Künstlerinnen aus Colombo reisen an. Unter den Gästen aber auch zwei Schweizer, die hier leben und an ihren Werken arbeiten. Ursula Krinzinger ist ebenso hier. Ich spreche mit einem Belgier, dessen Familie aus Indien stammt und der sich an diesem Tag auch zur Vernissage ins Fischerdorf Ahungalla eingefunden hat. Alle sind versammelt, um an der buddhistischen Einweihungszeremonie teilzunehmen. Eine mehrstöckige, hohe Öllampe, geschmückt mit Blütengirlanden, gekrönt von einer Hahnstatuette, wird aufgestellt, und die Gäste entzünden nacheinander die Dochte.</p>
<p>Danach das Essen. Gespräche über die Präsidentschaftswahlen. Die Künstler sprechen. Klare Worte über die Lage. Von Hoffnung ist die Rede, auch von den Sorgen. Jeder Satz steht unter Spannung. Die Sprache wird metallen.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/02/Metall.png" rel="lightbox[13179]"><img class="alignnone size-full wp-image-13180" title="Metall" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/02/Metall.png" alt="" width="150" height="500" /></a></p>
<p><strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.zintzen.org/2010/02/18/doron-rabinovici-14-1-ahungalla/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	<georss:point>6.3145623 80.0395205</georss:point><geo:lat>6.3145623</geo:lat><geo:long>80.0395205</geo:long>	</item>
		<item>
		<title>Doron Rabinovici: 13.1. Ahungalla</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2010/02/09/doron-rabinovici-13-1-ahungalla/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2010/02/09/doron-rabinovici-13-1-ahungalla/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 12:07:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doron Rabinovici</dc:creator>
				<category><![CDATA[mitSprache | unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.zintzen.org/?p=12794</guid>
		<description><![CDATA[&#124; mitSprache unterwegs &#124; 13.1., Ahungalla Zurück in Sri Lanka. An jenem Tag besuche ich die Schule der one world foundation, in der etwa Tausend Kinder unterrichtet werden. Nebenan die Jugendlichen in den Computerklassen und im Anschluß die Werkstätten der women’s cooperation, in denen Frauen ausgebildet werden, um einen Beruf ausüben zu können. Bessere Bilder...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" rel="lightbox[12794]"><img class="aligncenter size-full wp-image-11751" title="mitsprache_titel" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" alt="" width="350" height="119" /></a><a href="http://zintzen.org/mitsprache-unterwegs/">| mitSprache unterwegs |</a></p>
<p>13.1., Ahungalla</p>
<p>Zurück in Sri Lanka. An jenem Tag besuche ich die Schule der one world foundation, in der etwa Tausend Kinder unterrichtet werden. Nebenan die Jugendlichen in den Computerklassen und im Anschluß die Werkstätten der women’s cooperation, in denen Frauen ausgebildet werden, um einen Beruf ausüben zu können.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_Schulmädchen_01.png" rel="lightbox[12794]"><img class="alignnone size-full wp-image-12800" title="Rabinovici_Schulmädchen_01" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_Schulmädchen_01.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_PC_Workstation_02.png" rel="lightbox[12794]"><img class="alignnone size-full wp-image-12797" title="Rabinovici_PC_Workstation_02" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_PC_Workstation_02.png" alt="" width="350" height="234" /></a></p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_Nähkurs_03.png" rel="lightbox[12794]"><img class="alignnone size-full wp-image-12796" title="Rabinovici_Nähkurs_03" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_Nähkurs_03.png" alt="" width="350" height="234" /></a></p>
<p>Bessere Bilder sind auf dem Blog des Photographen <a href="http://www.unstill.net/blog/">Laurent Ziegler</a> zu sehen: <a href="http://www.unstill.net/documentary/owf-school/album-117/1971/239.html"><em>one world foundation | owf-school ahungalla</em></a>. Laurent Ziegler leitet derzeit einen Workshop für Photographie in der Schule. Vierzig Kinder erhielten zehn Pentax SLR Digitalkameras, um Projekte zu erarbeiten. Am Ende sollen die besten Bilder in einer Ausstellung präsentiert werden.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_Schulgebäude_04.png" rel="lightbox[12794]"><img class="alignnone size-full wp-image-12798" title="Rabinovici_Schulgebäude_04" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_Schulgebäude_04.png" alt="" width="350" height="234" /></a></p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_Schulgebäude_05.png" rel="lightbox[12794]"><img class="alignnone size-full wp-image-12799" title="Rabinovici_Schulgebäude_05" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_Schulgebäude_05.png" alt="" width="350" height="261" /></a></p>
<p>Das Areal der Schule wurde von srilankesischen und österreichischen Architekten unter der Federführung von Charly Pruscha und unter der Leitung von Joseph Ortner errichtet.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_Joseph-Ortner_06.png" rel="lightbox[12794]"><img class="alignnone size-full wp-image-12795" title="Rabinovici_Joseph-Ortner_06" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_Joseph-Ortner_06.png" alt="" width="350" height="267" /></a></p>
<p>Mit Kathrin eröffnete Joseph <em>Die Bar</em> als Künstlertreff, sodann das <em>Mavo</em>, jenes Ensemble aus Clublokal und japanischem Restaurant, ein Arrangement aus intelligenter Architektur und einzigartigen Werken namhafter Künstler. Gemeinsam mit Kathrin gründete er das <a href="http://www.mip.at/de/index.html"><em>museum in progress</em></a> (mip).  Joseph wollte der Gesellschaft die Auseinandersetzung mit künstlerischen Experimenten erleichtern, aber nicht ersparen. Mit Kathrin erfand er eine neue Praxis, die weit über die Grenzen des Landes wirkt und berühmt wurde.</p>
<p>Auch die <a href="http://www.owf.at/"><em>one world foundation</em></a> an der Südwestküste von Sri Lanka folgt dem Ziel, eine soziale Skulptur entstehen zu lassen. Das Projekt schien von einem Moment zum anderen für immer zerstört, als der Tsunami darüber hinwegrollte. Kathrin und Joseph rannten um ihr Leben. Noch lag alles unter Schlamm, da kehrten sie zurück, um mit dem Wiederaufbau zu beginnen.</p>
<p>Joseph, der Mann meiner Schwiegermutter, der Ziehvater von Xiane und der großväterliche Freund meiner Tochter, <a href="http://www.owf.at/newsletter/new14.html">verstarb</a> vollkommen unerwartet im März dieses Jahres. In Ahungalla, auf dem Grundstück der <em>one world foundation</em>, liegt seine Asche begraben. Auf dem Weg zum Strand gehen wir täglich hin und legen Blumen auf seinen Stein.</p>
<p><strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.zintzen.org/2010/02/09/doron-rabinovici-13-1-ahungalla/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
	<georss:point>6.3145623 80.0395205</georss:point><geo:lat>6.3145623</geo:lat><geo:long>80.0395205</geo:long>	</item>
		<item>
		<title>Doron Rabinovici: 8.1. Alt Goa und Panaji</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2010/02/02/doron-rabinovici-8-1-alt-goa-und-panaji/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2010/02/02/doron-rabinovici-8-1-alt-goa-und-panaji/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 14:00:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doron Rabinovici</dc:creator>
				<category><![CDATA[mitSprache | unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.zintzen.org/?p=12669</guid>
		<description><![CDATA[&#124; mitSprache unterwegs &#124; 8.1. Wohin es keinen der Raver und keine der Hippies zieht. Wohin sich auch die Strandtouristen kaum verirren, die all inclusive buchen, um in ihren Hochburgen zu bleiben. Mitten in Indien stoße ich auf portugiesische Häuser und Kirchen. Ich fahre nach Velha Goa, nach Alt Goa. Ich bin auf der Suche...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" rel="lightbox[12669]"><img class="aligncenter size-full wp-image-11751" title="mitsprache_titel" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" alt="" width="350" height="119" /></a><a href="http://zintzen.org/mitsprache-unterwegs/">| mitSprache unterwegs |</a></p>
<p>8.1.</p>
<p>Wohin es keinen der Raver und keine der Hippies zieht. Wohin sich auch die Strandtouristen kaum verirren, die all inclusive buchen, um in ihren Hochburgen zu bleiben. Mitten in Indien stoße ich auf portugiesische Häuser und Kirchen.</p>
<p>Ich fahre nach Velha Goa, nach Alt Goa. Ich bin auf der Suche nach einem Buch. Die katholische Diözese brachte ein Machwerk heraus, in dem gegen israelische Reisende gehetzt wird, als wären die negativen Auswüchse jener, die mit Rucksack nach Goa kommen, um hier Freizügigkeit, Hasch oder Rave zu genießen, nur eine national typische und israelische Eigenart. Das Bändchen meidet auch nicht antisemitische Stereotypen. Studenten des theologischen Seminars, die durchaus Barthes, Jacobson, Kellog oder Bremond zu zitieren wissen, erforschen hier die Sitten der Sabres, und um das zu tun, schreiben sie, sei es notwendig gewesen, sich zu maskieren, den Fremden nachzustellen, grad so, heißt es hier, wie die Katzen den Ratten auflauern. Ach ja, welch eingängiges Bild.</p>
<p>Etwa sechsundzwanzig Prozent der Bevölkerung in Goa sind Katholiken. Portugal in Goa. Das Rom des Ostens. Die Basilica Bom Jesus mit der Leiche vom Heiligen Francis Xavier.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_01.png" rel="lightbox[12669]"><img class="alignnone size-full wp-image-12672" title="Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_01" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_01.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_02.png" rel="lightbox[12669]"><img class="alignnone size-full wp-image-12673" title="Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_02" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_02.png" alt="" width="263" height="350" /></a></p>
<p>Daneben ein Museum moderner christlicher Kunst. Bilder, die manche Gläubige wohl als Ausdruck der Moderne ansehen mögen. Mich faszinieren eher die Fliesen. Ich glaube beinah, in Lissabon zu sein.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_03.png" rel="lightbox[12669]"><img class="alignnone size-full wp-image-12674" title="Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_03" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_03.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Danach die Kirche des Franziskus von Assisi. Das Äußere erinnert an die Toskana. Das Innere ist voller vergoldeter Holzschnitzereien. Auf dem Boden Grabsteine.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_04.png" rel="lightbox[12669]"><img class="alignnone size-full wp-image-12675" title="Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_04" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_04.png" alt="" width="263" height="350" /></a><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_05.png" rel="lightbox[12669]"> <img class="alignnone size-full wp-image-12676" title="Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_05" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_05.png" alt="" width="263" height="350" /></a></p>
<p>Gleich daneben die Kathedrale Se.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_06.png" rel="lightbox[12669]"><img class="alignnone size-full wp-image-12677" title="Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_06" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_06.png" alt="" width="263" height="350" /></a></p>
<p>Auf der Suche nach dem Büchlein über die Israelis fahre ich nach Panaji weiter, der Hauptstadt von Goa. Hier suche ich die Kirche der Unbefleckten Empfängnis auf und erkundige mich, wo ich es bekommen könnte.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_07.png" rel="lightbox[12669]"><img class="alignnone size-full wp-image-12678" title="Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_07" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_07.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Dieses bessere Photo finde ich auf dem englischen Wikipedia. Es wurde von Timichal gemacht und als creative commons freigestellt.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08.png" rel="lightbox[12669]"><img class="alignnone size-full wp-image-12682" title="Rabinovici_12_08" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Ich werde zum erzbischöflichen Palast weiterempfohlen. Dort soll ich nach dem Buch fragen.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_09.png" rel="lightbox[12669]"><img class="alignnone size-full wp-image-12679" title="Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_09" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_09.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_10.png" rel="lightbox[12669]"><img class="alignnone size-full wp-image-12680" title="Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_10" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_10.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Ich finde auch hier nicht das Buch. Ein freundlicher Priester telefoniert aber für mich herum, um zu erkunden, wo ich den Band erwerben kann. Ja, sagt er mir, das Druckwerk sei nicht unumstritten. Und dann betont er: Er habe daran nicht mitgearbeitet.</p>
<p>Erst im Instituto Nossa Senhora de Piedade verkauft mir eine nette ältere Dame das Büchlein, während sie mir von den Zeiten des Kolonialismus berichtet. Goa, so sagen die einen, sei damals befreit worden. Andere hätten das nicht ganz so empfunden, sagt die Katholikin mit portugiesischem Namen, die im Council for Social Justice and Peace arbeitet, und lächelt dabei.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_11.png" rel="lightbox[12669]"><img class="alignnone size-full wp-image-12681" title="Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_11" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_12_08_01_Alt_Goa_11.png" alt="" width="263" height="350" /></a></p>
<p>In dem Buch, das ich mir danach anschaue, finde ich ein Photo, das mir besonders gut gefällt. In Schwarzweiß ist ein ein Banner vor Palmen zu sehen. Darauf steht: &#8220;Little Italy Café Pizzeria – Italian Israeli Food&#8221; Darunter in der in der Erklärung: &#8220;Food caters to Israeli requirements&#8221;. Kürzer kann nicht festgehalten werden, wie kulturelle Perzeption funktioniert. Die italienische Pizzeria gilt nicht als fremd. Auch nicht die mexikanischen oder deutschen Lokale. Die spanischen und englischen Buchverkäufe sind kein Problem. Nur die israelischen Spezialitäten und die hebräische Literatur werden von den Autoren hervor gestrichen und scheinen ihnen eine Bedrohung.</p>
<p>Und warum wundert mich das eigentlich nicht einmal?</p>
<p><strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.zintzen.org/2010/02/02/doron-rabinovici-8-1-alt-goa-und-panaji/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
	<georss:point>15.49212 73.818237</georss:point><geo:lat>15.49212</geo:lat><geo:long>73.818237</geo:long>	</item>
		<item>
		<title>Doron Rabinovici: 7.1. Ein Tag in Arambol und eine Nacht in Anjuna</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2010/01/30/doron-rabinovici-7-1-ein-tag-in-arambol-und-eine-nacht-in-anjuna/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2010/01/30/doron-rabinovici-7-1-ein-tag-in-arambol-und-eine-nacht-in-anjuna/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 30 Jan 2010 09:10:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doron Rabinovici</dc:creator>
				<category><![CDATA[mitSprache | unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.zintzen.org/?p=12632</guid>
		<description><![CDATA[&#124; mitSprache unterwegs &#124; 7. 1. Noch einmal Arambol. Das neue Eldorado der Backpacker. Ein Stetl in Goa. Ein Ghetto in Indien. Hier führen Shiran und Ilan das Lamuella. Ein Restaurant mit einer Boutique und einer kleinen Pension. Mit Ilan spreche ich Ivrit, aber auch Deutsch. In Lamuella herrscht eine kosmopolitische Atmosphäre, die jegliche nationale...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" rel="lightbox[12632]"><img class="aligncenter size-full wp-image-11751" title="mitsprache_titel" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" alt="" width="350" height="119" /></a><a href="http://zintzen.org/mitsprache-unterwegs/">| mitSprache unterwegs |</a></p>
<p>7. 1.</p>
<p>Noch einmal Arambol. Das neue Eldorado der Backpacker. Ein Stetl in Goa. Ein Ghetto in Indien. Hier führen Shiran und Ilan das Lamuella. Ein Restaurant mit einer Boutique und einer kleinen Pension. Mit Ilan spreche ich Ivrit, aber auch Deutsch. In Lamuella herrscht eine kosmopolitische Atmosphäre, die jegliche nationale Provinzialität zu vermeiden sucht, aber das Herkommen nicht verleugnet.</p>
<p>Shiran lernte Ilan in Indien kennen. Anders als er kam sie nicht her, um sich zu finden. Shiran studierte Hindi. Um ihr Leben zu finanzieren, begann sie, Schmuck und Kleider zu verkaufen.</p>
<p>Zuweilen helfe sie jenen, die dem Drogenräuschen erliegen und durchdrehen. Sie kenne Hilik, den ehemaligen militärischen Geheimdienstoffizier, der nun durch Indien und Südamerika streife, wenn es gelte nach Vermissten, nach Verschleppten oder nach Verirrten zu fahnden und sie heimzubringen.</p>
<p>Hilik: Auf allen Erdteilen ist er ein Begriff. Nicht nur Israelis kennen ihn. Hilik weiß Abhilfe, wenn niemand mehr einen Ausweg kennt. Ich traf ihn einst und sah ihn kurz. Eine Geschichte, zu traurig und zu persönlich, um sie in diesem Blog kurz anzureissen. Zu schrecklich auch, um hier in der notwendigen Ausführlichkeit auf sie eingehen zu können. Hilik jedenfalls ist ein Hüne mit weißkrausem Vollbart und Glatze. Der Weihnachtsmann des israelischen Rettungsdienstes. Der Wunderrabbi für gottverlassene Momente.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_07_01_Hilik_01.png" rel="lightbox[12632]"><img class="alignnone size-full wp-image-12635" title="Rabinovici_07_01_Hilik_01" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_07_01_Hilik_01.png" alt="" width="251" height="260" /></a></p>
<p>Im Film &#8220;<a href="http://www.imdb.com/title/tt1213858/"><em>Flipping Out</em></a>&#8221; ist Hilik zu sehen. Der Film konzentriert sich auf jene, die durch Drogen in eine Psychose abgleiten. Der Drogenkonsum wird dargestellt, als ende er immerzu in der Katastrophe. Eine Randerscheinung wird von den israelischen Staatsinstitutionen und von den linken Kritikern ins Visier genommen, als würden in Israel nicht Acid geschluckt und kein Hasch geraucht werden. Als wäre es ein Wunder, wenn junge Israelis jene Drogen nehmen, die auch in Österreich, Frankreich oder England vielen Jugendlichen schmeckten. Diese meine Skepsis gegenüber der medialen Darstellung kann aber meine Bewunderung für die Hilfsmaßnahmen, die Hilik leistet, nicht mindern.</p>
<p>Shiran erzählt mir von ihm. Sie lobt auch Tomer, den Bretslaver Frommen, dafür, jenen, die alle Orientierung verloren hatten, beizustehen und ihnen Wärme zu geben. Ilan und sie stehen zwar der religiösen Ideologie fern, doch sie arbeiten mit Tomer zusammen, wenn es gilt, Israelis zu helfen, die nicht weiter können und in existentielle Gefahr geraten – ob in physische oder psychische.</p>
<p>Ihre beiden Großväter, so erzählt Shiran, seien Psychiater gewesen. Beide hätten vor dem Weltkrieg in Wien gelebt. Einer der beiden sei ein Schüler Adlers gewesen. Er habe erst vor wenigen Jahren Wien besucht, um dort mit Jugendlichen in Gespräch zu kommen. Und einige dieser Schüler seien dann zu ihnen  nach Israel.</p>
<p>Im Lamuella sitzt auch Matan. Er nimmt keine Drogen mehr, sondern züchtet nun Heilpflanzen und glaubt an Schamanismus. Für alle Krankheiten, ob Krebs oder Aids, behauptet er, weiß er ein Mittel. Tomer, den chassidischen Frommen, kenne er gut. Noch aus der Zeit, da er gar nicht religiös gewesen sei. Ich wundere mich. Mir hatte Tomer berichtet, gläubig aufgewachsen, nicht aber jemals weltlich geworden zu sein. Matan lächelt. Über seine säkulare Phase, rede Tomer nicht gerne. Tomer sei ziemlich radikal geworden. Wenn einer einen vollkommen neuen Weg einschlage, gehe er den eben bis zum Ende.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_07_01_Matan_02.png" rel="lightbox[12632]"><img class="alignnone size-full wp-image-12636" title="Rabinovici_07_01_Matan_02" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_07_01_Matan_02.png" alt="" width="259" height="350" /></a></p>
<p>Zurück in Anjuna fahre ich mit meinem Motorroller zum Strand. Hier, bei Curlie&#8217;s, steigt eine Party. Goatrance wummert aus den Lautsprecherboxen. In den Dünen vor dem Meer sind Marktstände aufgebaut. Die Luft schmeckt süßlicher, als die Polizei erlaubt. Die Strandbar ist voll. Die Tanzfläche auch. Ein Stampfen im Sand. Das Hüpfen zum Takt. Schneller Rhythmus. Sechzehntel Stöße rasen über Tonnebel aus dem Synthesizer hinweg. Ein Ritt in den Wolken, ein Galopp in den Lüften. Ein Flug durch den Klangteppich.</p>
<p>Im Dunkeln suche ich meinen Motorroller. Der Scheinwerfer geht nicht. Ich fahre durch die Finsternis. Ich sehe kaum die Lehmwege und spüre nur die Schlaglöcher. Kommt mir ein Auto oder ein Moped entgegen, hupe ich, um mich bemerkbar zu machen.</p>
<p>Im Hotel, im Anjuna Laguna, das nächste Fest. Hier ist alles von feinstem Reggae erfüllt. Musik und Tanz am Swimmingpool. Bob Marley und Peter Tosh geben den Takt vor. Hier treffe ich auf Janet, die ich seit der Jugend kenne. Janet: Ich schrieb bereits vor Tagen über sie. Sie lebt hier seit den Achtzigern und betreibt mit Omer ihre Jam Connection. Romana und Babsi aus Wien sind auf Besuch. Janet: Einst lebte sie in Jamaica. Ihr Nachbar war niemand anderer als Peter Tosh, so erzählt mir einer.</p>
<p>Das Weben und das Wippen in den Beinen, das Schaukeln zur Musik, die voller Melancholie und Hoffnung zugleich ist. Dann mein Staunen über den Künstler, der auftritt, meine Begeisterung über seine Performance. Ich höre, es handle sich um Graeme, den Trompeter und Saxophonisten von UB40. Erlebt in Goa. Jede Woche spielt er im Hotel Anjuna Laguna.</p>
<p>Farook, der Besitzer von Anjuna Laguna, das mehr Atmosphäre, Ruhe und Inspiration bietet als jede Luxusabsteige mit fünf Sternen, lädt mich nach dem Tanzen auf ein Gin Tonic ein. Farook ist ein Parse, der aus den Norden Indiens hierher kam. Er wählte ein altes portugiesisches Haus mit Garten für sein Hotel. Farook setzte nicht wie die anderen Gastwirte und Tourismusunternehmer auf moderne Betonkomplexe. Er geht andere Wege, zieht traditionelle Materialien vor. Dafür, sagt er mir, müssen seine Gäste in Kauf nehmen, zuweilen auf tropisches Getier zu stoßen. Nun, ich freue mich selbstverständlich darüber, hier die bunte Flora und Fauna dieser Breiten bewundern zu können. Übrigens: Vor dem Grundstück parkt sein Oldtimer, ein Chevrolet, den Farook wieder restauriert hat. Wer in Goa die Augen offen hält, kann einen jener abgenutzten Klassiker finden und schöner herrichten, als das Auto je gewesen sein mag.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_07_01_Oldtimer_03.png" rel="lightbox[12632]"><img class="alignnone size-full wp-image-12637" title="Rabinovici_07_01_Oldtimer_03" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_07_01_Oldtimer_03.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p><strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.zintzen.org/2010/01/30/doron-rabinovici-7-1-ein-tag-in-arambol-und-eine-nacht-in-anjuna/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	<georss:point>15.57728 73.737869</georss:point><geo:lat>15.57728</geo:lat><geo:long>73.737869</geo:long>	</item>
		<item>
		<title>Doron Rabinovici: 6.1. Anjuna, Flohmarkt und Vagator</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2010/01/26/doron-rabinovici-6-1-anjuna-flohmarkt-und-vagator/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2010/01/26/doron-rabinovici-6-1-anjuna-flohmarkt-und-vagator/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 04:36:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doron Rabinovici</dc:creator>
				<category><![CDATA[mitSprache | unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.zintzen.org/?p=12411</guid>
		<description><![CDATA[&#124; mitSprache unterwegs &#124; 6.1.,  Anjuna, Flohmarkt und Vagator Bis 1961 war Goa portugiesische Kolonie. Mitte der Sechziger erreichten die ersten Hippies diesen Landstreifen. Weltenreisende waren sie. Auf der Suche nach neuen Entwürfen. Das Rauschgift sollte die Perspektiven erweitern. Sie zogen über Kabul und Kathmandu nach Indien. An den Stränden von Anjuna und Vagator blieben...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" rel="lightbox[12411]"><img class="aligncenter size-full wp-image-11751" title="mitsprache_titel" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" alt="" width="350" height="119" /></a></p>
<p style="text-align: right;"><a href="http://zintzen.org/mitsprache-unterwegs/">| mitSprache unterwegs |</a></p>
<p>6.1.,  Anjuna, Flohmarkt und Vagator</p>
<p>Bis 1961 war Goa portugiesische Kolonie. Mitte der Sechziger erreichten die ersten Hippies diesen Landstreifen. Weltenreisende waren sie. Auf der Suche nach neuen Entwürfen. Das Rauschgift sollte die Perspektiven erweitern. Sie zogen über Kabul und Kathmandu nach Indien. An den Stränden von Anjuna und Vagator blieben viele hängen.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_01.png" rel="lightbox[12411]"><img class="alignnone size-full wp-image-12425" title="Rabinovici_06_01_Anjuna_01" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_01.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Ganz anders jene, die in den Achtzigern sich aufmachten, die durchaus an die Ideale der Achtundsechziger anknüpften, aber nicht um eine neue Welt zu entdecken, sondern um sich zu verlieren und zu finden. Ihnen ging es in der Regel nicht um Visionäres. Ihr Experiment galt dem Selbst. Sie entdeckten die synthetischen Drogen. Ihr Rausch sollte Partystimmung erzeugen, um die ganze Nacht durchmachen zu können. Sie tanzten zu Goa-Rave, elektronischer Musik psychedelischen Charakters mit Einschlüssen von Ethno, von vorgeblich orientalischen Motiven.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_02.png" rel="lightbox[12411]"><img class="alignnone size-full wp-image-12426" title="Rabinovici_06_01_Anjuna_02" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_02.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Israelis, die ihren Reservedienst abgeschlossen hatten, kamen erst ab Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger nach Indien, da vorher Jerusalem und Delhi keine diplomatischen Beziehungen unterhielten. Nach den drei Jahren im Militär, nach dem strengen Regime der Armee und nach ihrem Einsatz in den besetzten Gebieten und dem Kampf gegen die Intifada, trieb es sie in die Ferne, fort vom Nahen Osten und seinen Konflikten, hin zur Freizügigkeit und Ekstase, zu Rave und Rausch. Sie wollten – mit allen Mitteln – herunterschlucken, was sie im Krieg und in der Besetzung erlebt hatten. Sie hatten nicht viel Geld. Sie mußten billige Unterkünfte suchen. Sie konnten nicht soviel auszugeben wie Pauschaltouristen, und sie waren auch nicht selten ärmer als manche Rucksackreisende aus Kanada, aus Skandinavien oder aus der Schweiz. Sie wollten sich eine lange Auszeit gönnen, denn wem jahrelang wegen des Präsenzdienstes kein Auslandsurlaub erlaubt gewesen war, sehnte sich nun nach der Ferne.</p>
<p>In die Nachbarländer Israels konnten sie nicht. Die meisten arabischen Länder waren ihnen versperrt, aber auch muslimische und islamische Staaten wie Pakistan und der Iran standen ihnen nicht offen. Europa war vielen zu teuer. Manche, die das Abenteuer interessierte, trieb es zwar nach Südamerika. Aber Indien war das Hauptziel. Es war die naheliegende und geheimnisvolle Destination.</p>
<p>Rischikes, Pune, Dharamsala und Goa. An solchen Punkten versammelten sich die Gleichgesinnten. Im Norden Indiens verbrachten sie den Sommer. Im Winter strömten sie an die Strände von Anjuna. Durch den Subkontinent zieht sich der &#8220;shvil ha chumus&#8221;, der &#8220;Pfad des Humus&#8221;, dem die Israelis folgen.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_03.png" rel="lightbox[12411]"><img class="alignnone size-full wp-image-12427" title="Rabinovici_06_01_Anjuna_03" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_03.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Es ist trotzdem lächerlich, wenn von einer israelischen Invasion in Indien die Rede ist. Verglichen mit den anderen Nationalitäten unter den Jugendlichen sind es nur wenige, die aus dem Judenstaat stammen.</p>
<p>Es sind auch nicht so viele, die aufgrund der Drogen durchdrehen und heimgeholt werden müssen, aber dennoch beschäftigt das Massenphänomen die israelische Gesellschaft. Was sich hier offenbart, rührt an das Selbstverständnis des Staates. Was geschieht mit den Soldaten in der Armee? Weshalb entfliehen sie dem zionistischen Traum und seiner Realität? Wohin geriet die einstige Pioniergesellschaft? Was wurde aus dem jüdischen Experiment?</p>
<p>Hinzu kommt, was die Inder von den Israelis denken? Nicht selten werden sie zum Negativbeispiel des Rucksacktourismus schlechthin stilisiert. Die Mehrheit der Bevölkerung in Goa ist zudem katholisch, und vor kurzem veröffentlichte die Kirche hier ein Machwerk, das gegen israelische Reisende pauschal hetzte.</p>
<p>Janet, die mir vor einigen Tagen erzählt hatte, sie sei auch nach Goa gezogen, um dem Jüdischen und den ganzen einschlägigen Problemen zu entkommen, sagt mir, als ich ihr von diesem Buch berichte: &#8220;Ich weiß. So weit kann ich gar nicht gehen, daß ich dem entfliehe. Das holt einen überall ein.&#8221;</p>
<p>Ich suche den Flohmarkt von Anjuna auf. Er wurde von einem frühen Hippie, von Joe Banana, höre ich, begründet. Unglaublich, wie groß der Verkaufsplatz geworden ist. Eine eigene Stadt. Nein: Es ist ein Bazar einer riesigen Metropole – aber ohne Metropole. Ein Marktfeld am Rande des Dorfes. Aus ganz Indien strömen Händler her. An einer Seite haben die Tibetaner ihre Stände aufgebaut. Anderswo die Kaschmiris. Die Europäer sind wiederum in Umhängetaschen, Buddhaskulpturen, Ghaneshfiguren, Shivastatuen, Holzschnitzereien, Schuhe, Lederwaren, Pluderhosen, Hängematten, Lampen, Edelsteine, Gewürze, Zauberspiele, Haschpfeifen, Schillums, aber auch Taschen, Pizzas, Kokosnüsse, Papayas und gegrillte Fische in Curry.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_04.png" rel="lightbox[12411]"><img class="alignnone size-full wp-image-12428" title="Rabinovici_06_01_Anjuna_04" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_04.png" alt="" width="350" height="247" /></a></p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_05.png" rel="lightbox[12411]"><img class="alignnone size-full wp-image-12429" title="Rabinovici_06_01_Anjuna_05" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_05.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_06.png" rel="lightbox[12411]"><img class="alignnone size-full wp-image-12430" title="Rabinovici_06_01_Anjuna_06" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_06.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Später fahre ich mit meinem Motorroller nach Vagator. Ich schaue mir einen Raveclub an: Das Hilltop.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_07.png" rel="lightbox[12411]"><img class="alignnone size-full wp-image-12431" title="Rabinovici_06_01_Anjuna_07" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_06_01_Anjuna_07.png" alt="" width="350" height="256" /></a></p>
<p>Nein, es sind nicht nur Israelis, die hier abtanzen. Dennoch werden alle Schlechtigkeiten der  Rücksackreisenden von manchen Indern den Israelis und alle Unarten des Pauschaltourismus den Russen angelastet. Die rassistischen Vorurteile dominieren auch hier.</p>
<p>Fragt ein Inder einen Israeli in Goa: &#8220;Wie viele Israelis gibt es eigentlich?&#8221; – Darauf der Israeli: &#8220;Etwa sechs Millionen.&#8221; – Sagt der Inder: &#8220;Ich meinte: Wie viele gibt es außerhalb von Indien?&#8221;</p>
<p><strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.zintzen.org/2010/01/26/doron-rabinovici-6-1-anjuna-flohmarkt-und-vagator/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
	<georss:point>15.597971 73.7448437</georss:point><geo:lat>15.597971</geo:lat><geo:long>73.7448437</geo:long>	</item>
		<item>
		<title>Doron Rabinovici: 5.1., Anjuna</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2010/01/20/doron-rabinovici-5-1-anjuna/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2010/01/20/doron-rabinovici-5-1-anjuna/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 03:21:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doron Rabinovici</dc:creator>
				<category><![CDATA[mitSprache | unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.zintzen.org/?p=12770</guid>
		<description><![CDATA[&#124; mitSprache unterwegs &#124; 5.1., Anjuna Ich besuche die Caféboutique Artjuna. Hier produziert Mosche und seine deutsche Frau Anastasia Lederwaren und Schmuck. Es ist ein stiller und schattiger Ort. Ein Café unter großen Baldachinen, die an den Bäumen vertäut sind. Ich treffe hier auf drei Israelis, die heuer wieder herkamen, um ein Kartenspiel zu verkaufen....]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" rel="lightbox[12770]"><img class="aligncenter size-full wp-image-11751" title="mitsprache_titel" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" alt="" width="350" height="119" /></a><a href="http://zintzen.org/mitsprache-unterwegs/">| mitSprache unterwegs |</a></p>
<p>5.1., Anjuna</p>
<p>Ich besuche die Caféboutique Artjuna. Hier produziert Mosche und seine deutsche Frau Anastasia Lederwaren und Schmuck. Es ist ein stiller und schattiger Ort. Ein Café unter großen Baldachinen, die an den Bäumen vertäut sind. Ich treffe hier auf drei Israelis, die heuer wieder herkamen, um ein Kartenspiel zu verkaufen. Ananda sei &#8220;the first cannabis educational card game in the world&#8221;.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_05_01_10_Anjuna_01.png" rel="lightbox[12770]"><img class="alignnone size-full wp-image-12771" title="Rabinovici_05_01_10_Anjuna_01" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_05_01_10_Anjuna_01.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Mosche erzählt mir von jenen, die einst hierher nach Goa kamen und nun seit langer Zeit hier leben und arbeiten. Die meisten rauchen nicht mehr. Diese Community besteht aus den verschiedenen Nationen. Sie leben unter ähnlichen Bedingungen. Sie bemühen sich, Geld zu verdienen. Sie kämpfen darum, ein Visum für fünf Jahre zu erhalten.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_05_01_10_Anjuna_02.png" rel="lightbox[12770]"><img class="alignnone size-full wp-image-12772" title="Rabinovici_05_01_10_Anjuna_02" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_05_01_10_Anjuna_02.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Manche haben weniger Glück als Mosche. Sie versuchen davon zu leben, billigen Schmuck herzustellen und zu verkaufen. Sie handeln zuweilen mit Drogen und geraten in die Fänge der Polizei, die jene, die genug Geld haben, um sich freizukaufen, wieder laufen lassen. Wer nichts zahlen kann, wird eingesperrt.</p>
<p>Da ist auch jener alt gewordene Hippie, der halbnackt am Strand umherläuft und unter freiem Himmel lebt, um dort Meditationsstunden anzubieten.</p>
<p>Andere haben durchaus Erfolg und bieten ayurvedische Massagen, Reiki-Sitzungen oder Yoga-Seminare an. Manche exportieren indische Kunstwerke, Kleider oder Götterstatuen nach Europa, um sie dort auf den Märkten zu verkaufen. Einige verbringen den Winter in Goa und den Sommer, wenn der Monsunregen wütet, am Mittelmeer. Nomi etwa verkauft hier sechs Monate lang Gewänder, während ihr Mann einfach ausspannt. Das andere halbe Jahr arbeitet er in Europa, während sie an seiner Seite Italien und Griechenland genießt.</p>
<p>Ich traf Shiran, die hinduistischen Studien nachging, ehe sie mit ihrem Mann Ilan in Arambol eine beschauliche Boutique mit Café und Pension eröffnete. Ihr Hindi ist so gewählt, daß ihre indischen Mitarbeiter über ihre Hochsprache lachen. Assi wiederum hat während seiner Aufenthalte in Goa allmählich zu seiner Berufung gefunden. Heute ist Assa Doron ein Anthropologe, der in Australien lehrt. Aber nur wenigen der Ausländer geht es hier darum, Indien zu erfahren. Viele gehen lieber in italienische Restaurants essen, treffen sich in Pizzerias, suchen nach deutschen Streuselkuchen. Ziehen israelische Spezialitäten vor und versuchen mexikanische Köstlichkeiten. Warum auch nicht? Weshalb sollte Globalisierung nur einseitig funktionieren? Weshalb sollte es in Europa indische Lokale geben und in Indien keine europäischen? Aber im Grunde fahren viele die hierher kommen, nicht her, um die Sehenswürdigkeiten des Landes zu bestaunen.</p>
<p>Im Gegenteil kann noch mit mehr Recht gesagt werden: Wer in Goa war, war nicht in Indien.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_05_01_10_Anjuna_03.png" rel="lightbox[12770]"><img class="alignnone size-full wp-image-12773" title="Rabinovici_05_01_10_Anjuna_03" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici_05_01_10_Anjuna_03.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p><strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.zintzen.org/2010/01/20/doron-rabinovici-5-1-anjuna/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	<georss:point>15.4253792 73.9830029</georss:point><geo:lat>15.4253792</geo:lat><geo:long>73.9830029</geo:long>	</item>
		<item>
		<title>Doron Rabinovici: 4.1. Arambol</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2010/01/19/doron-rabinovici-4-1-arambol/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2010/01/19/doron-rabinovici-4-1-arambol/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 19 Jan 2010 10:31:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doron Rabinovici</dc:creator>
				<category><![CDATA[mitSprache | unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.zintzen.org/?p=12317</guid>
		<description><![CDATA[&#124; mitSprache unterwegs &#124; 4.1., Arambol In Arambol suche ich zuerst das Jüdische Haus auf. Vor dem Gebäude Sandsäcke und dahinter ein indischer Soldat. Seit dem Attentat in Mumbay geht die Angst um. Israelis wollten dem Konflikt im Nahen Osten ausweichen, doch der Haß folgt ihnen bis hierher. Im Haus lebt – gemeinsam mit seiner...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" rel="lightbox[12317]"><img class="aligncenter size-full wp-image-11751" title="mitsprache_titel" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" alt="" width="350" height="119" /></a></p>
<p style="text-align: right;"><a href="http://zintzen.org/mitsprache-unterwegs/">| mitSprache unterwegs |</a></p>
<p>4.1., Arambol</p>
<p>In Arambol suche ich zuerst das Jüdische Haus auf. Vor dem Gebäude Sandsäcke und dahinter ein indischer Soldat. Seit dem Attentat in Mumbay geht die Angst um. Israelis wollten dem Konflikt im Nahen Osten ausweichen, doch der Haß folgt ihnen bis hierher. Im Haus lebt – gemeinsam mit seiner Familie – Tomer, ein Abgesandter des Bratslawer Chassidismus, einer orthodox mystischen Bewegung. Das sind die Hippies des Fundamentalismus. Junge Religiöse mit weißen Kippoth, die zur Freude und zum Gottvertrauen aufrufen. Sie sind eine ekstatische Sekte und propagieren Zuversicht und Innerlichkeit, denn der Frohsinn trotz aller Leiden sei der eigentliche Gottesbeweis, meinen sie. Irgendwie klingen ihre Sätze immer wie Religiosität wider besseres Wissen. Sie können am Besten auf die jungen Weltenreisenden aus Israel eingehen. Auf einem Sticker steht: &#8220;Don’t worry, be Breslav&#8221;.</p>
<p>Hier setzen sich die Menschen auf Liegepolster und in Hängematten. Tomer wohnt hier mit seiner Familie. Seine Kinder spielen auf dem nackten Boden herum. Die einstigen Soldaten kommen, um mit den Kleinen herumzualbern, um Feste zu feiern, um traditionelle Lieder zu singen.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/04_01_Arambol_01.png" rel="lightbox[12317]"><img class="alignnone size-full wp-image-12321" title="04_01_Arambol_01" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/04_01_Arambol_01.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Ich treffe dort auf Sela. Er predigt. &#8220;Zweiundzwanzig Jahre war ich im Dunkel, jetzt habe ich das Licht gesehen.&#8221; Er erzählt mir vom Mysterium und vom Rätsel. Er spricht als Wissender, als Guru. – &#8220;Er ist ausgeflippt&#8221;, warne ich Tomer und ich meine damit, der Kerl mache eine manische Phase durch. Womöglich erwischte er von irgendeinem Stoff ein wenig zuviel. &#8220;Der ist immer so&#8221;, wiegelt der Fromme ab. Na, wenn das kein Trost ist …</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/04_01_Arambol_02.png" rel="lightbox[12317]"><img class="alignnone size-full wp-image-12322" title="04_01_Arambol_02" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/04_01_Arambol_02.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p>Die Breslaver kümmern sich um die wenigen Durchgedrehten. Sie fangen sie auf, aber sie fangen sie auch ein. Für mich persönlich ist schwer zu entscheiden, welche Verrücktheit bedrohlicher wirkt.</p>
<p>Der liebe Tomer, ein gelockter Mann mit lustigen Augen, ein sanfter Vater der neuen Art, stammt aus Bat Ayn, einer radikalen Siedlung im Westjordanland. Dort operiert eine militante jüdische Gruppe. Immer wieder wird das Dorf vom palästinensischen Terror heimgesucht. Im April wurde ein Kind der Siedlung von Palästinensern erstochen und ein anderes schwer verletzt. Ob er denn nicht für einen Kompromiß sei? Müsse das Land nicht geteilt werden? Was er denn mit den Menschen in den Gebieten machen wolle? &#8220;Erst sollen sie Menschen sein. Dann reden wir weiter.&#8221; – Die Breslaver sind an sich keine politische Bewegung, aber das hindert zumindest Tomer persönlich nicht daran, Chauvinist zu sein.</p>
<p>Ich gehe durchs Dorf. Billige Absteigen für Italiener, Deutsche, Australier, Engländer, Franzosen. Da sind auch Israelis, aber weshalb wird eigentlich um sie so ein großes Aufsehen gemacht. Sie sind eine Gruppe unter vielen. Ein indischer Falafelkönig spricht Ivrit. In seinem Lokal kreist der Schillum. Ich treffe hier auf einen Iraner. Er spricht von den Demonstrationen gegen das Regime in Teheran. Ihm gefallen, sagt er mir, die Israelis sehr gut. Er könne schon einen hebräischen Satz. &#8220;Du bist ein nettes Mädel.&#8221; Na, bitte. Wenn das nicht Friedensarbeit ist.</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/04_01_Arambol_03.png" rel="lightbox[12317]"><img class="alignnone size-full wp-image-12323" title="04_01_Arambol_03" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/04_01_Arambol_03.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p><strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.zintzen.org/2010/01/19/doron-rabinovici-4-1-arambol/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	<georss:point>15.687171 73.702469</georss:point><geo:lat>15.687171</geo:lat><geo:long>73.702469</geo:long>	</item>
		<item>
		<title>Doron Rabinovici: 3.1. Anjuna</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2010/01/16/doron-rabinovici-3-1-anjuna/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2010/01/16/doron-rabinovici-3-1-anjuna/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 16 Jan 2010 11:13:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doron Rabinovici</dc:creator>
				<category><![CDATA[mitSprache | unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.zintzen.org/?p=12313</guid>
		<description><![CDATA[&#124; mitSprache unterwegs &#124; 3.1., Anjuna Es war einmal ein östliches Reich. Es war einmal eine portugiesische Kolonie. Es war einmal eine indische Provinz. Es war einmal ein Paradies, entdeckt von Jugendlichen aus dem Westen. Es war einmal ein Paradies, zerstört von eben diesen Wohlstandskindern. Es waren einmal Menschen, die von europäischen Eroberern einst Eingeborene...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" rel="lightbox[12313]"><img class="aligncenter size-full wp-image-11751" title="mitsprache_titel" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/12/misprache_titel_optiklein.png" alt="" width="350" height="119" /></a></p>
<p style="text-align: right;"><a href="http://zintzen.org/mitsprache-unterwegs/">| mitSprache unterwegs |</a></p>
<p>3.1., Anjuna</p>
<p>Es war einmal ein östliches Reich. Es war einmal eine portugiesische Kolonie. Es war einmal eine indische Provinz. Es war einmal ein Paradies, entdeckt von Jugendlichen aus dem Westen. Es war einmal ein Paradies, zerstört von eben diesen Wohlstandskindern. Es waren einmal Menschen, die von europäischen Eroberern einst Eingeborene genannt worden waren und nun von den abendländischen Hippies zu Wissenden erhöht wurden. Es waren einmal Israelis, die sich hier wiederzufinden suchten. Es waren einmal abgerüstete Soldaten, die auszogen, den Frieden für sich zu erkämpfen. Es war einmal eine Küste endloser Parties. Es war einmal ein Eldorado, in dem alles erlaubt war, ehe die Regierung von Delhi Ordnung einforderte. Es war einmal ein Traum, dann erwache ich in Goa.</p>
<p>Mit Motorroller fahre ich zur Jam Connection von Janet. Hier tischt sie auf. Wiener Kaffeespezialitäten und österreichische Nachspeisen, israelisch orientalische Salate und internationale Küche. Vor etwa dreißig Jahren waren wir gemeinsam in derselben jüdischen Jugendbewegung; kurzfristig war sie die Erzieherin meiner Altersgruppe. Gemeinsam fuhren wir als Studenten auf ein Seminar für Jugendarbeit nach Spanien. Sie mit ihrer Gitarre im Gepäck. Bereits damals hatte sie eine Schwäche für Bob Marley. Von Indien war damals noch nicht die Rede gewesen. Eher von Jamaika. Ich mich erinnere, wie Janet Lieder sang – mit schöner Stimme, und in einem Stil, der einen an Joan Baez denken ließ.</p>
<p>In den Achtzigern kam sie in das Land. Seit 1989 lebt Janet in Anjuna. Sie hatte sich für diesen Ort entschieden.</p>
<p>Ihr Mann, ein großer Kerl, einst israelischer Handballspieler, der vor zwei Jahren einen schweren Autounfall überlebte, sagt: &#8220;Du mußt machen, was du liebst. Das ist die Hauptsache.&#8221; Und Janet erklärt, als ich sie frage, was ihr denn damals am Besten an Goa gefallen habe, es sei die Erfahrung gewesen, ihr Baby hierzulande aufwachsen zu sehen. In Indien werden Kinder geliebt. Es wird als Glücksfall angesehen, die Kleinsten zu hätscheln zu dürfen, und Säuglinge werden beinah wie ein Heiligtum umhergereicht und still angelächelt. Janet erzählt vom Schock, der sie erfaßte, als sie mit ihrer Tochter Österreich besuchte, und wieder kann ich den Eindruck nur bestätigen, denn nirgends ist meine Tochter kälter empfangen worden als in Schwechat.</p>
<p>Sie sei in Mumbay, das damals noch Bombay hieß, aus dem Flugzeug gestiegen und habe aus dem Fenster auf eine Baustelle geblickt. Männer, griesgrämig, Betel kauend, seien da gelümmelt und hätten sich die Eier gekrault. Dann habe sie die Frauen gesehen, die schwer arbeiteten und schleppten, dabei aber ein offenes Lachen im Antlitz. Starke, schöne Gestalten. Diese kräftigen Frauen und ihre mißmutigen Männer, das sei das erste Bild gewesen, das Indien in ihr hinterlassen habe.</p>
<p>Alle erzählen, wie sehr sich Anjuna veränderte. Ich treffe Georgettes, die bereits in den siebziger Jahren unter den ersten Hippies war, die hier am Strand wohnten. Ich kaufe einen Kalender, in dem die Photos der ersten Blumenkinder, teils nackt, zu sehen sind. Die junge Georgettes ist darunter. Ich spreche mit einem Wiener, der seit den achtziger Jahren hierher kommt. Er beschwert sich über die Gesetze und das ganze Gschistigschasti, das ihm das Leben hier nun schwer macht. Ja, dürfen die das. Die Inder wagen es, sich zu verändern! Wenn Goa westlich werden, will, was macht dann der Westler, der im Osten durchhängen wollte?</p>
<p>Die Drogenverbote werden in Goa strenger durchgesetzt denn je zuvor. Die Visumgesetze werden einengender. Die Polizei erlaubt nicht mehr ausgelassene Parties mit offenem Ende. Ab zehn Uhr, spätestens nach Mitternacht hat Ruhe zu herrschen. Das einstige Fischerdorf Anjuna hält nach neuen Gästen Ausschau.</p>
<p>Sie bauen auf Pauschaltouristen, aber diese Hotelgäste benehmen sich zwar weniger ausgelassen, aber deshalb nicht sanfter. Die meisten haben gebucht, um ein Zimmer am Strand zu haben und wollen mit den Menschen im Land gar nichts mehr zu tun haben. Ihr Geld fließt großteils in Hotelketten und überregionale Unternehmen des Fremdenverkehrs. Die sozialen Kosten tragen nicht selten die Familien im Ort. Die Bewohner von Anjuna sehnen sich bereits wieder nach den einstigen Aussteigern zurück.</p>
<p>Anjuna ist das Residuum jener geworden, die vor Jahren hierher gefunden hatten. Die jungen Israelis kommen kaum mehr her. Die Frischlinge gehen in den Süden, nach Arambol.</p>
<p>Abends treffe ich Zoorie in seinem Lokal. Er ist ein Orskönig, ein Lokalkaiser in jeder Bedeutung des Wortes. Vom Streit mit seinem Landbesitzer spricht er. Von der Korruption, von den Familienstreitigkeiten. &#8220;Sie verstehen es nicht. Was gibt es denn in Anjuna für die Pauschaltouristen, wenn wir verschwinden? Wer erfand denn den Flohmarkt? Wer verbreitete den Ruf von Goa? Was bleibt, wenn sie die Szene aus westlichen Aussteigern vertreiben?&#8221;</p>
<p><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici-3-1_Anjuna_01.png" rel="lightbox[12313]"><img class="alignnone size-full wp-image-12314" title="Rabinovici-3-1_Anjuna_01" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2010/01/Rabinovici-3-1_Anjuna_01.png" alt="" width="350" height="263" /></a></p>
<p><strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.zintzen.org/2010/01/16/doron-rabinovici-3-1-anjuna/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
	<georss:point>15.57728 73.737869</georss:point><geo:lat>15.57728</geo:lat><geo:long>73.737869</geo:long>	</item>
	</channel>
</rss>

