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Salon Littéraire | Michael Hammerschmid : stadtgedicht

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Salon Littéraire | Michael Hammerschmid : stadtgedicht

 

Wien_Haustor_copyright_christiane_zintzen

 

die langsame stadt

die stadt ist so langsam. er ist müde von ihr.
sie ist nur mehr ein achter bezirk, immer noch,
vermischt mit den autoreifen vom stadtrand;
einem goldkettchen (goldkätchen).
er wird nie herauskommen.
die gebäude sind mächtig. wir sind ihre vasallen.
wir gehen zu ihren füßen, putzen ihre fassaden.
ohne sie wären wir nichts. wir sind so sehr wir
geworden, dass wir ganz alleine sind.
die uhren bräuchten wir nicht.
sie stehen in die laternen gegossen halt immer noch da
und gehen vor den vögeln im kreis.
wenn der wind nicht wäre, wären wir weniger böse,
weniger von hoffnung gestört. er folgt uns, als könnte
er jetzt alles verändern. wir sollten uns nicht
mit dem wetter beschäftigen. sagen wir uns.

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Michael Hammerschmid

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Salon Littéraire | Murat Üstübal : Denden Semasi - Detto-Schema

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Salon Littéraire | Murat Üstübal :

Denden Semasi | Detto-Schema ( aus dem Türkischen übertragen von Hayati Yildiz )

 

Cismani copyright Murat Üstübal

( Murat Üstübal : Cismani )

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Denden Semasi

siluetin voltamperle bosalmis hali:
hayirdir kayyumdan kahine oradan
disi bir ayine devri daima zihinsel
iletken olarak kavraniyorsa… denden

bedbin nikbinlere direnen beberuhi herzesi
asaldir sayisiz halsizin cemalinde paytak
ve hür ehemmiyetli fasonlara çentikli ahlak
ki altini çaplayla kaziyan da iyi dolar… denden

payda evvelden beri yoktur
(yoklugu nemelazim… denden)

ivegen tarihten bir takvim vakti pus
(felfelli sus ruhi pus… denden)

denden iskil kilavuzu:

bir) koltukladikça camekandan klise görünmezi
iki) sil bastan tersine sil sondan basa
kavusmadikça hacamat agzinda göçer leke
üç) göçerin halsizi silik eskiyi dilimledikçe
iki) ilim ilim bilmekle ilmegi söktükçe
bir) sökün eden ne edip etmisse sükun edilmise

kartonun makul derininde ne vardi:
-denden

kartona alçi alçaklik yaparsa…
denden… kati bir sayfada kartondan adamlarsa…
denden…

dilin pelte ucunda pelesenk kevgir.

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Detto-Schema ( aus dem Türkischen übertragen von Hayati Yildiz )

entladener zustand der silhouette durch voltampere:
wohl, wenn von wächter bis seher von dort
zu einer femininen fürbitte kreis immer als mentale
leitung betrachtet wird… detto

gegen pessimist-optimisten sich wehrendes dreikäsehoch-geschwätz
primär im lichte von zahllosen geschwächten sei die den krummbeinig
und frei wesentliche fassonen auf mauer eingekerbte ethik
wer goldboden mit drehmeißel kratzt und sich gut füllt… detto

nenner gibt es nicht seit ewigkeit
(seine inexistenz geht mich nichts an… detto)

aus voreiliger geschichte eine kalenderzeit nebelstille
(blöses mäuschen dreikäseele stille… detto)

anleitung zur detto-skepsis:

eins) bei schmeichelei klischee-unsichtbare aus schaufenster
zwei) zurück zu anfang anders herum von ende zu zuvor
solange sich nicht trifft ziehender fleck in skarifizierten munden
drei) solange ziehende kraftlose verschwommenen veralteten teilen
zwei) solange weisen mit gewissen wissen den knoten aufzulösen
eins) ausgelöster richtete an was auch immer dem abgelösten

was gab es in der anständigen tiefe des kartons:
-detto

was wenn gips zum karton gemein ist…
detto… wenn auf einer soliden seite männer aus karton sind…
detto…

auf der säuselnden zungenspitze fusselige schaumkelle.

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Bir Tutam Gam

kazi okuyucusu oylumlu tomruk yolu çamur kazik
yazik ki kemirgen bogumu logusa dik dim yatira dua
su aralara giren tiknaz tikirti solucani sokulgan erinç
dinçligi gençlesen genlere utku harci hazir argini isa
lisani sökük kum burcu kuru alingan habis baginti

tekhnellemeci rem çalar düs aki(m) görseli sestizlik
bizlik olgulara kuvve ise kuvvet neyse eytisim tin
ter mal emekleme mekigi uyumsuz halkalara yörünge
eko lojistik engel dengesine duran takisip kalan
talan ara unufak kakisik doku(n)-mayin sezgi

kartellektüel teninde zindelik bilgesi kimse’sizce
tezce dizgin eklemleme çizgi boyu posuna teres
meger egimi tegel saganagi rom’antik duyum -çag
batik kent hem artik hem hengame gamsiz firavun
kovugun dipmoru ip kesen kesir kaside cem’rem

üre buhari üreterek etiko-statü küreyen küresel ark
fark edis acisi büyük iskender bronz göç eder
tetik ekler tek yani karip tekerlenis izlegi bonkör
isik-ara yönünü kalkerleyen keramet kerelik
kare çaresine yapisir daha önü açilmadan yafta

itaatkar atlikarincasi kararinca eklektik dem vurur
harita yasina yiten ölçeksiz adamsende’leyici ima
eksik kesik tenlesen entrika sanali tarifask
emperyalden asagi ivme kaptiran oryantaloti hezeyan
heyelan gölgesi kelepir epigi kip kopusu elek

zurnanin sürüngen kotaran su deligine yassi
kargacik açiklayan terzihin burgaci yazindonu
sevk edis marazi dise dokunur disli-çikis’a kiskiri
hil katik darp meseli çatilir müddeterminant göz göre görev
siyrik sirlarla ak kesafet içi dehliz oyunu

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Ein Gramm Gram ( aus dem Türkischen übertragen von Hayati Yildiz )

Grableser gewölbte klotzgasse moor grübelt in der grube
welch eine schade nagende würg wöchnerin gerade kreuzen heiligem gebett
gib etliche schmale klappernde würmer schleichernde ruhe
jungen frischen genen den fertigen triumph-guss schwacher jesus
riss der zunge des sandturms karg argwöhnisch bösartiges verhältnis

tekhnellisierend spielt rem (t)raumstrom seine visuelle stilltonigkeit
wirlichkeit so phänomenal wenn zitat was tat ist dialektik-seele
teer mal waren knappernde satt-eliten den unenteigenen volkreisen im umlauf
echo logistischer hürdenausgleich würde stolpernd stoppen
plünderntfernt staubfein kakophonisch berühr-(min)en bauchgefühl

kartellektueller teint ist frischer weise jemand’losig
mühelos zügel gelenkfügend entlang der grosslinie und stattlich hahnrei
eben sein gefälle strick-regen rom’antikische sensorium-ära
versunkene stadt sowohl übrig als auch getümmel unbekümmerter pharaos
tiefviolett der höhlung bruch zum schnurschnitt kasside cem’re’m

harndampf dämpfend ethiko-status grabender globaler arkus
alexander der große schmerz des merkens zieht bronze weiter
abzug fügt der grosszügige eine seite mischend die rollungsrichtung zu
ein weissagen das die seite der lichtentfernung kalkt mal
auf den quadratsrat geklebt die etikette ohne ihren weg zu öffnen

von gehorsamen genugsameisen karussell redet eklektik prahlerisch
im landkartenalter verlorener legendeloser wink mit schnuppe’chsträhnen
fehl tendierend teintierende intrige imaginär beschlieben
von imperial hinunter fährt sich geschwind fest orientaloti-delirium
erdrutschdämmerung okkasionsepik formabriss sieb

flach dem reptilien ausleerenden wasserloch der oboe
schiefer schriftgefrier des krumm erklärenden geistschweissers
überweisung den kummer dem hartnäckigen winterbergab und -aufhetze
mon strümische zu schlagsentenz runzelt zeitmüdeterminant vor allem augenamt
das mit gerissenen geheimnissen weisse intensitätsinterne atriumspiel

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Murat Üstübal

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Hayati Yildiz

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Dank an Erhan Altan

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Veranstaltungshinweis

Im Rahmen zweier von Erhan Altan und Thomas Eder geleiteten Workshops in Istanbul und Wien unter dem Titel “Experiment mit Tradition“ werden jeweils vier junge experimentelle Dichterinnen und Dichter aus Österreich und aus der Türkei zusammenkommen und über ihr Schreiben diskutieren . Die Begegnung soll einen Einblick in die Bedingungen der je anderen Schreibweisen und deren unterschiedlichen historischen und ästhetischen Voraussetzungen ermöglichen

Zum ersten Mal in der Geschichte der türkischsprachigen Poesie hat sich in den letzten Jahren eine experimentelle Dichtung herausgebildet , die sich in der Türkei erst etablieren muss . Demgegenüber kann und muss die Literatur in Österreich , spätestens seit den Arbeiten der Nachkriegsavantgarde , auf eine “Traditionslinie der Avantgarde“ zurückblicken .

Neben dem Wechselverhältnis zwischen experimentellen Schreibweisen in der jüngsten österreichischen und türkischen Literatur vermag solcherart die Beziehung der Dichterinnen und Dichter zu der eigenen Tradition erkundet werden .

Am Dienstag , 24. 6. , 19:00 Uhr präsentiert Das “Literarische Quartier Alte Schmiede” , Wien im Fortsetzung des “Festival Europäischer Dichtungen” die Resultate des blingual türkisch- österreichischen Dichter- und Übersetzerworkshop unter dem Titel : NEUE SPRACHARTISTIK - EXPERIMENT UND TRADITION .

Es lesen ( türkisch | deutsch ) :

Ann Cotten ( Berlin ) | Idil Kizoglu ( Istanbul ) | Petra Nachbaur ( Innsbruck ) | Mehmet Öztek ( Adana ) | Ömer Sisman ( Istanbul ) | Lisa Spalt ( Wien ) | Murat Üstübal ( Konya ) | Anja Utler ( Wien ) unter Mitwirkung der Übersetzerinnen und Übersetzer Erhan Altan , Sara Heigl , Burak Özyalçin und Hayati Yildiz .

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P. S .

Die türkische Version des Sprachen ( en ) - Experiments liegt bereits in bilingualer Buch- Fassung vor :

Altan Eder Experiment mit Tratition 2008GELENEKLE DENEY | EXPERIMENT MIT TRADITION - Haz | Hrsg.: Erhan Altan – Thomas Eder

Avusturya ve Türk þiirinden dörder genç þair 2008 yýlýnýn Mart ve Haziran aylarýnda Ýstanbul ve Viyana’da biraraya gelerek eserleri üzerinde tartýþtýlar. Þairlerin gelenekle deney konusu üzerine hazýrladýklarý metinler ve çevrilmiþ þiirleri bu buluþmaya temel oluþturdu. Almanca ve Türkçe olmak üzere iki dilde yayýmlanan bu kitap, genç Avusturya ve Türk deneysel þiirlerinin günümüzdeki durumu, spesifik iliþkileri ve özel perspektiflerine ýþýk tutmayý amaçlýyor.

Kitapta yer alan þairler: Ann Cotten, Ýdil Kýzýloðlu, Petra Nachbaur, Mehmet Öztek, Lisa Spalt, Ömer Þiþman, Anja Utler, Murat Üstübal. - Çeviriler: Erhan Altan, Sara Heigl, Burak Özyalçýn, Hayati Yýldýz.

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Salon Littéraire | Markus Koehle : Ich wache noch immer auf - Loops des Grauens 2

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Salon Littéraire | Markus Köhle :

Ich wache noch immer auf - Loops des Grauens ( Thema-verfehlt- Variation 2 )

 

Wake up stupid by Mark Harris 1959

 

Ich wachte auf und was neben mir lag, war kein Thema. Ich haschte danach, aber verfehlte es. Meine armen Arme schliefen noch tief. “Kein Thema verfehlt”, flüsterte mir meine innere Stimme. “Das ist überhaupt kein Problem”, trällernd und somit einen Zemmler-Song zitierend, antwortete ich meiner mir inneren, bisweilen vorlauten Stimme, ließ mich von meinen starken Armen wieder in den Schlaf ziehen, MannMannMann, die haben das drauf, das Kissen saugte mein Gesicht ein, der Überzug schmatzte, dann machte es “Plopp!” und Michael Schanze fragte mich 1, 2 oder 3? Du musst dich entscheiden, drei Felder sind frei. Ich entschied mich dafür, mich schön gemächlich (beziehungsweise, wenn man so will, mit System) der Reihe nach an die Problemstellung heranzutasten, wählte also erst mal die Eins. Erneut machte es “Plopp!”, mein Kissen spuckte mich aus, von mir war nur noch ein Knochen übrig, man kennt das aus Comics, wenn Monster oder fleischfressende Pflanzen über ihre Opfer herfallen, spucken sie schließlich nur einen einzigen Knochen aus, bevor sie dann zufrieden rülpsen. Der ähnelt dann meist einem Oberschenkelknochen, nur einem wohlgemerkt. So gierig sind die immer. So auch mein Kissen. Schmatz. Plopp. Rülps.

Mein Kissen war im Begriff mich beinah zur Gänze zu verdauen. Ich war gespannt, wie es das anstellen wollte. Gut, es hatte mich bereits einverleibt, soviel zur Kissenplusseite, doch so ganz ohne Magensäure wird da wohl nichts weitergehen, dachte ich und im selben Augenblick erinnerte ich mich an die Nacht für Nacht mit Mundausfluss gezeichneten Länderumrisse auf dem Polsterüberzug. Meinen Mundausflüssen war natürlich alles zuzutrauen, sonst hätten sie sich ja auch nicht aus meinem Mund davon gemacht. Ich war leicht beunruhigt, lag aber ansonsten recht gut, um mich war es weich, dunkel und ein wenig feucht. Daunenfedern streichelten mich wie sanftes Schamhaar. Obwohl ordentlich zerkaut und in den Untiefen des Kissenmagens konnte ich ein leichtes Gefühl der Erregtheit nicht unterdrücken. Spontan bildete sich eine Wölbung inmitten meiner amorphen Masse. Ich hatte wieder eine Mitte, das war der erste Schritt wieder zu werden, gab mir mein Resthirn ein. Noch besannen sich die wesentlichen Komponenten, die ein Ich ausmachen, zu mir zu gehören und bemühten sich zu funktionieren. Ich war stolz auf mich.

Erneut ploppte es und ob du wirklich richtig stehst, siehst du wenn das Licht angeht. Das Licht ging an, ich machte es aus. Das Licht ging an, ich machte es aus. Das Licht ging nochmal an, ich zog den Stecker. Das Licht ging an, ich war erzürnt und zugegebenermaßen auch überrascht, dann schraubte ich die Glühbirne raus. Das Licht ging an. Ich lobte meine Nachttischlampe für ihre Hartnäckigkeit. Gleichzeitig fiel mir auf, dass man statt Nachttischlampe problemlos Nachtischschlampe lesen kann, wenn man irgendwie anders konditioniert ist und dann wurde mir plötzlich klar, warum die Lampe so rebellisch war. Natürlich erwachen. Das Licht, das sie natürlich weckt. Das wake-up-light bietet Ihnen bis zu 400 Lux Lichtintensität. Um einen positiven Effekt des Lichtes auf den Organismus zu erzielen, werden mindestens 250 Lux benötigt, um das natürliche Aufwachen zu unterstützen. Sonnaufgang-Simulations-Prozess. Weihnachtsgeschenk von meinen Eltern. Von wegen natürlich erwachen, Lichtterror ist das. Ich sage nur Guantanamo. Das hätte ich besser nicht gesagt, schon wurden mir mit Plakatbindern die Hände auf den Rücken gezurrt. Wenigstens hatte ich jetzt wieder spürbare Arme und Hände. Und wie ich sie spürte, schmerzhaft.

“Nein, Einzelhaft” sagte mein Wärter. “Schon wieder”, entgegnete ich. “So lange, bis du es begreifst”, schärfte mir der Pflichterfüller ein. Bis ich es begreife also. Es, begreifen. Ich hatte zu grübeln. Zum Grübeln braucht man nicht unbedingt Arme und Hände, das ist ein Grübelvorteil. Bis ich es begreife. GrübelGrübelGrübelPling! “Ja, ich hab’s. Genau. Das ist es.” Nun ging schon wieder eine Glühbirne an, diesmal über meinem Kopf, sie unterstrich allerdings lediglich die Güte meines Einfalls. Ich quasi Lichtblick. Eine Sternenfontäne war auch zur Stelle meine Idee zu illustrieren. “Ja, ich hab’s. Genau. Das ist es. Du musst Ilbi sein”, sagte ich zu dem, was neben mir lag. So wurde aus kein Thema Ilbi, solange es noch schlief. Ich haschte danach, aber verfehlte es. Meine Arme waren noch immer ordentlich auf den Rücken gebunden. “Kein Thema beziehungsweise möglicherweise Ilbi verfehlt”, flüsterte mir meine innere Stimme. “Das ist überhaupt kein Problem”, trällernd und somit einen Zemmler-Song zitierend, antwortete ich meiner mir inneren, bisweilen vorlauten Stimme, ließ mich von meinen starken Armen wieder in den Schlaf ziehen, MannMannMann, die haben das drauf, das Kissen saugte mein Gesicht ein, der Überzug schmatzte, dann machte es “Plopp!” und Michael Schanze fragte mich 1, 2 oder 3? Du musst dich entscheiden, drei Felder sind frei. Ich entschied mich dafür, mich schön gemächlich (beziehungsweise wenn man so will mit System) der Reihe nach an die Problemstellung heranzutasten, wählte nun also die Zwei.

Es machte nicht “Plopp!” Ich hüpfte im letzten Moment, eigentlich schon nachdem das Licht ausgegangen war, auf die Drei, probieren kann man es ja, dachte ich mir, ist ja nur ein Spiel. Wieder kein “Plopp!” “Scheiße, was?”, flüsterte mir meine innere Stimme. “Das ist überhaupt kein Problem”, trällernd und somit einen Zemmler-Song zitierend, antwortete ich meiner mir inneren, bisweilen vorlauten Stimme. Doch ich sollte nicht Recht behalten, denn dann, dann erwachte Ilbi.

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Markus Köhle

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Illustration : “Wake up stupid” by Mark Harris ( Paul Rand book jacket design for Alfred A. Knopf 1959 )

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Hinweis : Am 25. 6. tritt Markus Köhle zusammen mit Jaromir Konecny im Rahmen eines Slam Poetry- Abends der Kunstmeile am Karlsplatz auf : Seebühne , 19:00 Uhr .

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Salon Littéraire | Liesl Ujvary : unser keller

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Salon Littéraire | Liesl Ujvary : unser keller

ist der keller des hauses johann straussgasse 10-14, wien, 4. bezirk, österreich, stand 24. 05. 2008. der keller ist weiträumig, aufgeräumt, von neonröhren beleuchtet. das haus gehört der genossenschaft familie, es wurde 1959/60 erbaut. seine ästhetik entspricht dem damaligen gemeindebaustil - das stiegenhaus ist in typischen mustern ausgemalt, die etwas über augenhöhe an begrenzungslinien enden. kunstdrucke, von bewohnern angebracht, italienische motive oder tiere aus dem tierschutzkalender, schmücken die stiegenabsätze. die hausverwaltung und viele bewohner sind auf die eine oder andere weise um eine heimelige gestaltung bemüht. ganz anders im keller. hier ist nichts geschönt, keine bildchen, keine verzierungen. obwohl der keller viel benutzt wird, dort befindet sich die waschküche, die abteile dienen als abstellräume für fahrräder, zur aufbewahrung von getränken und anderen sachen, ist er wie selbstverständlich eine fremde welt - roher verputz, grobes finish dominieren. trotz neonröhren wirkt der keller düster und verwinkelt. er ist verwinkelt, muss er doch platz bieten für 60 kellerabteile. in den mächtigen abflussrohren gluckst das abfliessende wasser. niemand hält sich länger als unbedingt notwendig im keller auf. vor rattengift wird gewarnt. bitte die kellertür immer absperren.

liesl ujvary, 07. 06. 2008

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Liesl Ujvary ( video und musik ) : unser keller

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Liesl Ujvary

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Für die Alte Schmiede als Bleibe - Ein Plädoyer von Michael Hammerschmid

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||| Gastbeitrag von Michael Hammerschmid

Die Wiener Städtische Versicherung möchte ein altes Haus im Ersten Bezirk, in der Schönlaterngasse 9 verkaufen. Es ist die sogenannte “Alte Schmiede“.

EIN EXPANDIERENDES UNTERNEHMEN

Alte Schmiede Was tunDie Wiener Städtische Versicherung ist ein stolzes Unternehmen. Es expandiert in den Osten, findet neue Partner und vergrößert seine Kundschaft, die ihr vertrauen. Wie jedem Unternehmen, das floriert und für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgt und sich als stabilisierender Faktor in einer Gesellschaft positioniert, gebührt ihm dieser Stolz. Nicht zuletzt, wenn so ein Unternehmen Verantwortung für unsere Gesellschaft übernimmt, indem sie ihre Aufgabe darin sieht, mit allem, womit es zu tun hat und wofür es Verantwortung übernommen hat, auch sorgsam umzugehen. Und so für das, was in und um dieses Unternehmen wächst, möglichst große Sicherheit bietet.

Der Verkauf, ein grundsätzlich legitimer Vorgang, kommt im konkreten Fall jedoch einer Zerstörung gleich mehrerer sozialer Gefüge gleich, die in dem Haus beherbergt sind und die vom Kunstverein Wien als Musikwerkstatt und als Literarisches Quartier geleitet werden. Warum die Stadt und die Autorinnen und Autoren nicht nur dieser Stadt dieses Haus und diesen Ort dringend brauchen, und weshalb ich die Verantwortlichen in Politik und in der Wiener Städtischen dazu aufordern möchte, einer gleichgültigen und sorglosen Beseitigung dieses weitverzweigten Gewächses zu wehren, möchte ich hier erläutern.

EIN NACHHALTIGES HAUS

Seit nunmehr 31 Jahren hat Kurt Neumann, der Leiter der Alten Schmiede, dieses Haus nicht nur zu einem der geliebtesten literarischen Veranstaltungshäuser gemacht, sondern auch zu einem der lebendigsten und produktivsten. Es ist schier als ein unvergleichliches Ereignis zu bezeichnen, dass dies über so viele Jahre möglich ist und nicht zuletzt seinem Leiter und seinen engagierten Mitarbeiterinnen zu danken. Dabei ist diese Alte Schmiede vor allem eines: ein unscheinbarer Ort, der unterhalb der Oberfläche der Vermarktungsphantasmen wirkt und nachhaltig wirkt, wie man das so gerne in der Politik von etwaigen Maßnahmen behauptet. Die Alte Schmiede ist ein Beispiel für Nachhaltigkeit. Ihre Arbeit ist nahezu gleichzusetzen mit Nachhaltigkeit. Die darüber hinaus eine allen Menschen, allen Bürgerinnen und Bürgern offene Arbeit mit Literatur ist, die von Seiten der Autorinnen und Autoren, von Seiten der Besucherinnen und Besucher, von Seiten der Wissenschaften kontinuierlich geleistet wird. Es ist also eine Arbeit für und von Professionellen und von Laien. Und die Alte Schmiede somit beides, populär und elitär, extensiv und intensiv. So dass sie zum Inbegriff dessen werden konnte, was sich Universitäten und anderen Institutionen gerne auf ihre Fahnen heften, ohne so leicht die ihnen eingeschriebenen Schwellen zu überwinden.

LITERATUR LOKAL | INTERNATIONAL

Alte Schmiede Was tunVor allem ist die Alte Schmiede dabei tief verbunden mit dem lokalen Literaturleben. Jeder Autor, jede Autorin kennt die Alte Schmiede und liest hier gerne, weil er sich an diesem Ort vor Nachlässigkeit und Ignoranz, vor jeder Art der Ungenauigkeit im zwischenmenschlichen und professionellen Umgang bewahrt weiß. Denn die Alte Schmiede und ihr Kurt Neumann liest eben auch die Werke, die hier zur Geltung kommen sollen, die hier besprochen, diskutiert werden, und die Konzepte der Veranstaltungen sind dieser Grundhaltung entsprechend konzise, überlegt und gemeinschaftlich besprochen. Und in ihrer Feinmechanik auf die verschiedenen Faktoren abgestimmt, auf Raum, persönliche Lebensumstände, auf intellektuelle Profile und künstlerischen Eigensinn. Die Vereinbarungen sind klar und verbindlich. Die Bezahlung ist ehrlich und autor(innen)orientiert.

Denn im Fokus der Alte Schmiede steht die Arbeit, der Text, die Sprache, die Autorinnen und Autoren, das Gemeinschaftliche, das Forschen, die Neugier. Die Alte Schmiede ist somit zu einem Ort der literarischen und nicht nur der literarischen Sozialisation für viele Menschen geworden. Man könnte sie als eine Art geheime und gleichzeitig offene Universität oder allgemeiner Bildungsinstitution bezeichnen, genauso wie als einen Abendtisch der Literatur, an dem sich Menschen und Literaturinteressierte einfach austauschen. Als ein quirelnder, sprechender Ort mithin, der sich permanent neu erfindet, ohne seine Grundhaltung neu erfinden zu müssen. Die Alte Schmiede ist bei all seiner Verwurzelung mit Wien und seinen Bürgern aber gleichzeitig international ausgerichtet, indem sie Gäste aus aller Welt in diese Stadt lockt und mit ihnen Verbindungen eingeht, intellektuelle und auch freundschaftliche, die über Jahrzehnte bestehen. Seit 30 Jahren kommen diese Gäste auch immer wieder und loben die Alte Schmiede als einen Ort, in dem man sich um ihr Wohl kümmert und mit ihnen, und das ist das Wesentliche, immer wieder von neuem auch die Auseinandersetzung sucht und pflegt.

LEBENDIGES WORT

Aus diesem gemeinsamen Dritten, das zwischen den Menschen und ihren Zeilen entsteht, könnte man vielleicht sagen, besteht der Stoff aus dem die Alte Schmiede gemacht ist. Das lebendige Wort, der kritische Gedanke, die freundschaftliche Emphase kann man als wesentliche Bestandteile dieses Stoffes extrahieren, ohne ihn aber so noch ganz erfasst zu haben. Zu ihm gehört eben auch der Ort selbst, die Alte Schmiede. Das Haus, in dem sich im Keller tatsächlich und wie der Name sagt, noch eine Alte Schmiede birgt und zeigt. Es ist eine der ältesten Europas. Es ist eine der schönsten. Mit alten Hämmern und Zangen.

Fast will man nicht glauben, dass das Zufall sein kann. Erzählt doch diese Alte Schmiede auf ihre Weise vom Machen, vom Werken an einem Stoff. In jenem Fall vom Eisen, in diesem vom Sprachstoff, in dem wir uns alle bewegen, den wir alle täglich in unseren Mündern formen, verändern, tradieren und auch neu erfinden, mit Leben behauchen. Seit Anfang des Jahres ist diese Alte Schmiede im Untergeschoss Teil des sogenannten Galerie der Literaturzeitschriften. Einem weiteren, einzigartigen Projekt, das der sich besonders um das Haus und dessen Umbau engagierende Direktor Walter Famler gemeinsam mit Kurt Neumann iniziiert hat. Darin werden österreichische und ausländische Literaturzeitschriften gesammelt und liegen zur freien Lektüre auf. Unentgeltlich. Wie dies auch der Besuch der Alten Schmiede ist. Der Zeitschriftenleseraum ist ein Projekt, das also gerade erst seine Eröffnung erfahren hat und sich zu etablieren beginnt. Ein zarte Pflanze mithin, die nun wieder auszureißen, undenkbar absurd anmutet. Wie vor allem und in ganz grundlegender Weise die Vorstellung, der Geschichte der Alten Schmiede als Literaturveranstaltungsort nun ein Ende durch einen simplen Verkauf setzen zu wollen.

AURATISCHER ORT

Alte Schmiede Was tunEs ist ein Ort, den alle die Gäste wiederfinden würden, weil die Flexibilität des Gedankens, gleichsam als Gegengewicht Kontinuität braucht. Das Haus der Alten Schmiede steht für diese Kontinuität ein. Es ist jener Ort, der seine Aura, seine Atmosphäre über die Jahre entwickelt hat. Es ist etwas Unauslöschbares daran. Unauslöschbar, was hier gewachsen ist, heißt aber nicht unzerstörbar. Nach Jahrtausenden ist auch an anderen historischen Stätten die Energien der Geschichte, die Aura der Orte noch vorhanden. Denn sie ist menschengemacht. Die Zerstörung eines solchen Ortes, der sorglose Verkauf, käme einer elementaren Entwurzelung gleich, einer Gewalt, die sich über das Gewachsene, über die unendlich vielen, unsichtbaren Fäden menschlichen Zusammenhalts hinwegsetzt. Die Alte Schmiede ist aus diesem Grund nicht dislozierbar. Die Alte Schmiede ist ein Begriff geworden. Ein Teil der Stadt. Teil des Bewusstseins und des Unbewussten dieser Stadt. Ein Kraftzentrum. Weil ein Produktionszentrum.

Sie steht für ein Programm, das durch eine Sensibilität gekennzeichnet ist, wie kaum ein anderer Ort. Dieses Sensiblität gilt in erster Linie dem Wort, auf das man hören muss, um es zu vernehmen. Es gilt den Menschen, die sich mit diesen Worten auseinandersetzen, als Menschen und für die Menschen. Der Dichter Ernst Jandl, häufiger Besucher und Lesender in der Alten Schmiede schrieb einmal: “Sprache ist von uns gemacht, und wir können, dürfen, sollen alles mit ihr machen, was mit ihr zu machen möglich ist - ohne Scheu, ohne Ehrfurcht, doch dafür mit Freude, Liebe, Heiterkeit.” Das könnte auch für die Alte Schmiede gelten, als ihr humanistisches Programm. Ein Projekt jenseits der Angstschüre, kein bewahrendes, konservatives Programm von Literatur, sondern eines, das sich über seine Verbindungen, seine Verbindlichkeit, seinen Einsatz definiert und deshalb gar nicht definieren braucht. Was die Alte Schmiede ist und kann, äußert sie von selbst. Selbst ein emphatischer Aufsatz wie dieser, trifft nur einen Zipfel von dem, was sie macht, indem sie der Literatur dieser Stadt einen Ort gibt, ohne sie auf diesen festzuschreiben.

VON “ALPHABETISIERUNG” BIS “ZERSTÖRUNG”

Gerade weil das so ist, weil sie selbst den Ort nicht in den Mittelpunkt stellt, ist dieser so schützens- und bewahrenswert. Es braucht unter Besucherinnen und Besuchern, unter Autorinnen und Autoren nicht der Versicherung, um das glaubwürdig zu machen. Keiner würde es argumentieren wollen. Das die Absurdität dieses Artikels. Denn was die Alte Schmiede ist, ist Selbstverständlichkeit. Selbstverständlichkeit ist aber nichts, was einfach nur da ist, weil es da ist. Kein tautologisches etwas. Sondern etwas, das täglich von neuem hergestellt wird. Für das Existenzen einstehen, sich ihm widmen, es wollen, wünschen, ihre Fantasien durch es und mit ihm anregen lassen. Dieser Art von Selbstverständlichkeit ist diese Alte Schmiede in einer Stadtgesellschaft, die wie jede Gesellschaft durch Desolidarisierung, Gier und Neid bedroht ist.

Was immer die Motive für den Verkauf sein mögen, sie können sich nicht aufwiegen lassen mit dem, was so ein Verkauf zerstören würde. So schwer und vielleicht auch leicht es für Mitarbeiter und Chefs der Wiener Städtischen Versicherung auch ist, diese Selbstverständlichkeit zu erkennen, wenn sie noch nicht daran teilgehabt haben. Die tausenden Veranstaltung, Symposien, Autorinnen und Autoren-Projekte usw., die hier in den letzten 30 Jahren stattgefunden haben, die unzähligen Buchprojekte, die aus den Veranstaltungen hervorgegangen sind, der kontinuierliche Besuch so vieler Intellektueller und Bürger, wären auf der Seite der Zahlen und Fakten anzuschreiben, und sind doch nur ein Teil von dem, was diesen Ort zu dem macht, was er ist.

Alte Schmiede Was tunEin Ort der Sozialisation, der Alphabetisierung in einem anderen, sehr feinen, filigranen und darum menschenwürdigen Sinn . Ein Ort, an dem sich jenseits äußerlichen Wollens, dem Entstehen von Sprache, Bewusstsein und Mündigkeit Raum gegeben wird. Keiner Versicherung bedarf es. Und doch bedarf es der Städtischen Versicherung. Der ich versichere kann, der Wert dieses Hauses als Ort der Literatur ist unverkäuflich. Verkaufen Sie es deshalb nicht! Besinnen Sie sich auf Ihren zentralen Auftrag als Versicherung, das zu sichern, was für eine Gesellschaft und deren Menschen als Wert gilt.

Die Unterlassung des Verkaufs wäre mehr als ein wertvoller Beitrag. Ein unbezahlbarer. Und ließe Ihr Unternehmen nach wie vor im Lichte erscheinen, jenes stolze Unternehmen zu sein, als das Sie gelten könnten. Und worauf Sie ein Recht haben, wenn Sie es sich zur Pflicht machen.

Wien, am 29. Mai 2008

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Salon Littéraire | Benedikt Ledebur : APHATISCHER MUSE REDE - Laudatio auf Brigitta Falkner

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Salon Littéraire | Benedikt Ledebur :

APHATISCHER MUSE REDE

Laudatio auf Brigitta Falkner anläßlich der Verleihung des österreichischen Förderungspreises für Literatur 2007 ( 11. 4. 2008 )

aphatischer muse rede
da pratermuschis eher
rar, DICHTERMÜH passé
satire - prüder schmäh
sprachs AUTRICHE MERDE
(spät sei der ruhm, ach)

aus: Brigitta Falkner, ABC, S.8,
heraus mit der sprache

Zwei Wege stehen offen, ein Werk und seine Autorin wirklich zu loben: entweder die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf einen Teil des Werks und zeigt durch genaue Analyse, daß, obwohl oder gerade weil der Interpretation genaue Grenzen gesetzt sind, ihr keine Grenzen gesetzt sind, oder sie weitet sich aus, versucht das ganze aufliegende Werk in den Blick zu bekommen, und zeigt durch angemessene Suchkriterien, wie das Finden bei einem solchen Angebot wenn, dann nur an der Nachfrage scheitern kann. Beide Wege leiden unter Mangelerscheinungen: der erste, weil er exemplarisch vorgeht, und, um die Fülle am Einzelnen zu zeigen, das Ganze, in das dieses eingebettet ist, ausblenden muß, der zweite, weil er einen grobmaschigen Filter voraussetzt, dem um des ganzen Willen viele Einzelheiten, und damit vielleicht auch das Wesentliche der einzelnen Stücke entgehen muß.

Angesichts der Arbeiten Brigitta Falkners habe ich mich für den zweiten Weg entschieden. Einer der Hauptgründe ist, daß viele davon aus Bild und Schrift bestehen. Über das, was sich (gleichzeitig) zeigen lässt, muß nicht viel und vor allem nichts Beschreibendes gesprochen werden. Aber nicht nur die Bilder und Layouts und wie sie von Falkner im Verhältnis zu den Schriftzeichen eingesetzt werden, fallen unter den Zeigemodus, sondern auch der Gebrauch der Schriftzeichen selbst. Die Weise, wie sie Falkner konkret werden lässt, und das heißt auch, auf das für die jeweilige Komposition Wesentliche reduziert, verweist Interpretation oft auf den Platz der Erläuterung, aber auf höflichste Weise, denn die Autorin macht diese Selbstbeschränkung dem Interpreten vor, indem ihre Arbeiten aufzeigen, wie rigoros sie sich selbst im Schaffensprozess ihren Konstruktionsprinzipien unterworfen hat. Dass es ihr damit ernst ist, zeigt sich, wenn sie in ihrem letzten Anagramm-Buch Bunte Tuben Conlon Nancarrow (1912-1997) zitiert, von dem es viele für menschliche Pianisten zu rasante Kompositionen für elektro-mechanische Selbstspielklaviere gibt: “Seit ich Musik schreibe, träume ich davon, die Interpreten loszuwerden.” In ihren Studien zum Anagramm Das Rosenbaertlein-Experiment kritisiert Renate Kühn die verkürzte Sichtweise, die mit dem Autor auch das schreibende Subjekt verabschieden will. Von Selbst geschehe gar nichts, und es sei ein Fehler, das Verfahren mit dem Schreibprozess zu verwechseln. Bei dem von Kühn initiierten und in Buchform publizierten Experiment, bei dem eine Gedichtzeile von Hans Arp zu anagrammieren war, hat neben Liesl Ujvary, Elfriede Czurda, Gerhard Rühm, Helmut Heissenbüttel und anderen auch Brigitta Falkner mitgemacht. Ihr Beitrag, der ein expressionistisch-surrealistisches Gelage vor dem Hintergrund einer schwarzen Messe evoziert, erzielt durch die Suggestion direkter Rede eine für ein solch formales Verfahren ungewöhnliche Dramatik, die mit ihrer Hintergründigkeit alle Arbeiten Falkners auszeichnet.

Als Orientierungshilfe soll Selbstbezüglichkeit die viel zu großen Schritte mitbestimmen, mit denen ich Falkners Arbeiten durchmesse, wie sie in den Einzelpublikationen ABC - Anagramme, Bildtexte, Comics (1992), Tobrevierschreiverbot: Palindrome (1998), Fabula Rasa oder Die methodische Schraube (2001) und Bunte Tuben: Anagramm (2004) vorliegen. Ich werde jene Stellen ansteuern, wo die Autorin über das Schreiben, über das Dichten spricht, bzw. ihre Haltung dazu besonders klar wird, und jene, wo sie sich selbst ins Bild bringt, die also in gewisser Hinsicht, z.B. in der Verwendung des eigenen Namens oder im Zeichnen bestimmter Züge, portraitierenden Charakter haben. Diese Orientierung ist nur bedingt hilfreich bei Schreibformen, die, wie das Palindrom, schon im Formalen ein hohes Maß von Selbstbezüglichkeit aufweisen. Streng-formale Verfahren stehen allgemein unter Verdacht, die auf Konventionalität beruhenden Bindungen des Signifikanten an das Signifikat zu lösen, und Texturen hervorzubringen, die sich in ihrer Konkretheit nur noch selbst repräsentieren. Aber gehen nicht auch die strengsten formalen Verfahren von Sprachmaterial aus, mit Sprachmaterial um, das durch Gebrauch und Definition hinsichtlich Bedeutung vorgeprägt ist?

Dieser Konkretheit mit Bedeutungslosigkeit verwechselnde Ansatz, den man leichthin den französischen nennen könnte und der seine surrealistischen und strukturalistischen Wurzeln nicht verleugnen kann, hat mit der Zeit im Literarischen eine gewisse ästhetische Schwäche zur Folge gehabt, nämlich jene, die dem Glauben entspringt, dass gedankenloses Anwenden eines Verfahrens schon zu gültigen Ergebnissen führt. Das Gegenteil davon und damit Sicherheit in ästhetischen Fragen und philosophischen Hintergründen führt, an semantisch selbstreferentiellen Stellen nachweisbar, Brigitta Falkner vor. Deswegen zeichnet ihre Arbeiten nicht nur höchste formale Konsequenz, sondern auch besondere Welthaltigkeit aus, erreicht mittels genauester syntaktischer Strukturierung. Die Satzzeichen sind in diesem Sinn konzentrierte Bedeutungsträger, und zwar in einem Maße, das die Alltagsprosa nicht kennt. Um tote Konventionen auszuhebeln und innere Zensuren zu umgehen, haben am Material haften bleibende Methodizität, wie sie die Oulipo-Bewegung propagierte, und assoziative Verfahren, wie sie die Surrealisten um Breton als écriture automatiqe, als “Denkdiktat ohne jede Kontrolle der Vernunft” praktizierten, ihre Berechtigung, und hatten sie im Literarischen vor allem, als Freuds Einsichten noch jung waren. Aber man sehe sich nur die rhetorische Sicherheit von Freuds Schriften an, oder wie stark das Denken, wie genau die Analysen der frühen Strukturalisten vom Schlag eines Jakobson oder Lévi-Strauss waren! Es verlangt genaues Arbeiten, damit die befreiende Wirkung von Tabubruch, Pointe und Ironie zum Tragen kommt, und dass die Achse der Selektion nicht zu vernachlässigen sei, gehört zu den strukturalistischen Grundeinsichten.

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“das langsame verschwinden der buchstaben”, der Rebus gleich zu Beginn von Falkners ABC - Anagramme Bildtexte Comics, kann als paradigmatisch gelten, sowohl was die Verschränkung von Bild und Schrift betrifft, als auch in seiner Selbstbezüglichkeit, denn was gesagt wird, wird auch gezeigt. Dabei handelt es sich um zwei Arten von Verschwinden: jene Buchstaben, die durch die Piktogramme, bzw. Teile ihrer Benennung ersetzt werden, also wirklich nicht am Blatt stehen, und jene, die man sich von den Benennungen wegdenken muß, um die Botschaft zu decodieren, und die, wenn auch durchgestrichen, am Blatt stehen. Und damit sind auch gleich die zwei Orte miteinander ins Spiel gebracht, an denen Buchstaben verschwinden können, nämlich der, wo sie stehen, und der, wo sie gedacht werden.

Das auf den Rebus folgende heraus mit der sprache ist meines Wissens Falkners erstes Anagrammgedicht. Aus ihm stammt das Eingangszitat, das mir auch den Titel zur Laudatio geliefert hat. Da Anagrammieren zu den Techniken des Dichtens gehört, kann man “DICHTERMÜH passé” natürlich als Zweifel am eigenen Tun lesen; aber -wie ja auch das ironische “spät sei der ruhm, ach” zeigt - hält die Autorin damit zum Pathos sprachgläubiger Lyriker Distanz. Der programmatische aber zweideutige Titel des Gedichts - “heraus” kann ja, denkt man sich selbst dort, wo die Sprache sitzt, sowohl als “weg” wie “her mit ihr” verstanden werden, läßt an den Titel eines Leitartikels der Revolution surréaliste denken, der wahrscheinlich von Antonin Artaud stammt. Die ablehnende Haltung der Surrealisten gegenüber literarischem Gewäsch ist ja bekannt. Aphasie schließlich ist die radikalste Art des Verschwindens von Sprache, von der sich vor allem Linguisten Einsichten in ihre Natur erhoffen . Jakobson in Kindersprache, Aphasie und allgemeine Lautgesetze :

Für den Linguisten, der sich mit dem Entfaltetsein des Sprachgebildes befaßt, muß auch seine Geburt und sein Absterben viel Lehrreiches bieten.

Die Rede einer aphatischen Muse wird also unter Sprachschwund leiden, und das muß, wenn man die Aufgabe der Musen darin sieht, Dichtende zum sprechen zu bringen, keinen Schaden bedeuten. Unterstellt man Falkners Gedichtzeile aber die rhetorische Figur der Synchisis, also der absichtlichen Verwirrung der Wortstellung, könnte man aphatisch auch der rede zuschlagen, es wäre also die Muse jener gemeint, die mit beschränktem Sprachmaterial nach Ausdruck suchen.

In kein sterbenswörtchen, dem längsten Anagramm aus ABC (19 Seiten), das die Ausgangszeile (den Titel) nicht nur in seiner buchstäblichen Zusammensetzung anagrammiert, sondern auch in seiner Bedeutung konterkariert, entwickelt Falkner dann mit viel direkter Rede - “he wirt! -sekt!” - und aus dem Genre Filmskript entlehnten Anweisungen für Kameraführung und Bildaufbau (”schwenk, [...], schnitt [...], wink-scene” ) die schon hervorgehobene, für ein Anagramm überraschende Dramatik. Dramatis personae sind neben werner, weber und erwin unter anderem rektor bense, der auch als wetterkoch auftritt (die Anspielungen auf den Düsseldorfer Theoretiker Max Bense, der die Hintergründe der Dichtung mathematisch aufzuarbeiten suchte, sind zahlreich: “winke, benses rechner tot! -”), und als Vertretung der Dichtung selbst, neben den Nebendarstellern schwitters und serner, benn, der natürlich einiges über sich ergehen lassen muß und sogar als schwester benn auftritt:

[...] er winkt: schöne
erektion! - schwester benn
nickt: “sehenswert.” bon! er
sekretiert. wer noch? benns
wecker steht. [...]

Die Verläufe entwickeln sich dank Enjambements ungehindert durch die anagrammatischen Einheiten, weil also kurze Sätze die Zeilenenden überlappen. Auch Binnenreime helfen im Formalen dem Fortgang, und im Semantischen der Einsatz von Homonymen, das heißt: gleicher Klang - verschiedene Bedeutung, an denen sich die Verläufe gabeln und quasi parallel laufen können (”kennwort, keen wort”, oder als aufgelöste mehrdeutigkeit: “wecken: iss!’” ). Daß es ad infinitum weiterlaufen könnte, suggeriert das hinsichtlich des anagrammierten Titels kein sterbenswörtchen paradoxe Anagramm, indem es wie zufällig mitten in einem Satz endet:

[…] werner steht
neben erwin: tok! (sechster
sinn?) er weckt bense. hört
er benns “herein!”? wo steckt -

Im ABC finden sich unter den Titeln word5/wechseln I und word5 / wechseln II, zwei doppelseitige Bildtexte, die in Fabula rasa in anderem Format und mit den die Codierungsmethode kaschierenderen Titel Schmutzige Tricks I & II wiederkehren. Falkner macht sich hier die Ersetzen-Funktion des Textverarbeitungsprogramms zunutze, um den Text, quasi als forciertes Lipogramm, zu verfremden und so den Zusammenhang von Bildgestik und Schriftzeichenstruktur einem Experiment zu unterziehen. Dazu die Autorin selbst:

Das ikonographische Szenario des Film Noir liefert die Vorlage für den Genre-Comic [...] Im Off-Kommentar findet das Licht- und Schattenspiel des Film Noir als zwielichtige Kunstsprache, eine nach den Regeln eines einfachen Chiffrierverfahrens (Substitution) generierte Pseudosprache, changierend zwischen Klartext und Chiffretext, seine lautliche Entsprechung: Etfusch ffiff tulk tii Luft umt tluf mik um Kimtelkuff.

Ich übersetze: Etwas pfiff durch die Luft und traf mich am Hinterkopf.

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Im Bildtext BILDE DEBIL … in dessen Bildteil eine schöpferische Hand, die à la Blumenberg die Lesbarkeit der Welt voraussetzt, in diese schreibt, während zwei Figuren, die in ihr zu leben haben, sich beschwingt aus dem Bild fortstehlen zu wollen scheinen, ist eine anagrammatische Ästhetica in nuce gegeben. Die letzte Zeile REGEL LEGER bildet den symmetrischen Sonderfall des Anagramms, ein Palindrom, von dem sich noch zwei bzw. drei weitere in ABC finden, und dem das ganze nächste Buch der Autorin, Tobrevierschreiverbot, gewidmet ist.

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Zuvor aber noch zur letzten Gattung von ABC, dem Comic. In Brigitta Falkner, ein Anagramm-Comix, ist der eigene Name, platziert wie die Autorenangabe, die Anfangszeile des Anagramms, das damit an die Tradition der Renaissance anknüpft, in der Anagramme überhaupt nur aus Namen gebildet wurden, um mit daraus permutierten gefälligen Aussagen deren Trägern zu huldigen. Den modernistischen Kontrapunkt dazu bildet die Verteilung des Anagramms über ein Comic, in dem sich Anagrammeinheit und Panel entsprechen. Hier tritt wieder La Révolution surréaliste ins Bild, in deren Nummer 12, Dezember 1929, René Magritte den Bildtext LES MOTS ET LES IMAGES veröffentlicht, in dem sich Magritte eben in Bild und Text auseinandersetzt, in welchem Verhältnis diese zueinander und zur Wirklichkeit stehen können:

Manchmal vertritt der Name eines Gegenstandes ein Bild [...] Ein Wort kann in der Realität den Platz eines Gegenstands einnehmen [...] Ein Bild kann in einem Satz den Platz eines Wortes einnehmen [...] Ein Gegenstand leistet nie das gleiche wie sein Name oder sein Bild [...].

Eine Paraphrase bzw. ein Paraimage auf Magrittes berühmtes Bild “Ceci n’est pas une pipe” findet sich in Falkners Anagrammcomics, und in zumindest drei Panels lässt sich, weil mit Brille, ein Selbstbildnis identifizieren: “Fan: Klar Brigitte!”

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Die Symmetrie, wie sie in den palindromischen Kompositionen von Tobrevierschreiverbot zum Tragen kommt (auch sie gehen dort - siehe Aha Poesie - über viele Seiten), demonstriert das doppelte UHU auf den Sportdressen im ersten Bild sehr deutlich. Die Symmetrieachse läuft zwischen ihnen. Auch Rektor Bense darf noch einmal auftreten, denn Symmetrien verfügen über Eigenschaften der mathematischen Gruppe, deren erste lautet: “Jede Verknüpfung zweier Elemente gehört selbst zur Gruppe”. (Diese mathematische Eigenschaft wird auch Abgeschlossenheit genannt.) So wie das Schriftbild von UHU symmetrisch (und ein Palindrom) ist, ist auch zwei mal UHU symmetrisch, bei dreimal bildet H die Symmetrieachse etc. Wenn die einzelnen Symmetrien aus den gleichen Elementen bestehen, kann man sie einfach sukzessive aneinanderreihen, damit eine neue Symmetrie entsteht.

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Das ist nicht der Fall, wenn sie, wie bei Sei fies - Tu erfreut, aus verschiedenen Elementen, sprich Buchstaben bestehen. Zwar bildet das f jeweils die symmetrische Achse - ein poetischer Zusatzgewinn - doch müsste man die symmetrischen Flügel von der Achse trennen, und rechts und links von der ersten Symmetrie anordnen, damit wieder eine Symmetrie entstünde; der semantische Gehalt ginge auf diese Weise verloren.

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Jedoch ist so die Methode des palindromischen Komponierens beschrieben, von einem Kern ausgehend wird sowohl am Anfang wie am Ende angefügt, damit die symmetrische Struktur entsteht, also nicht lineares oder sequentielles Denken, das vom Anfang bis zum Ende abläuft, sondern paralleles Denken, das von einer Mitte ausgeht. Eines meiner Lieblingspalindrome aus Tobrevierschreiverbot ist Eine Gehung, dem ein fokussiertes Foto der Rücken Rudolf Augsteins und Martin Heideggers, die gemeinsam einen Feldweg entlanggehen, gegenübergestellt ist.

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EINE GEHUNG

“… Nun? Nisch, Rudi?”
“Durchaus!”
“Eidos …”
“Nee: die Grosslage …”
“Wesen…”
“Ego…”
“Geschick …”
(Echo)
“Leben! O genau! Ach …”
So-Gesetztes.”
“Wahrung.”
“Nun …”
“Hä? Weg als nie-so.”
“Geh …”
“Ei, Seins-Sorge ist Sinn …”
“Ad rem …”
“… mir immer dann …”
“Ist sie gross?”
“Nie. Sieh …”
“Ego?”
“Seins-Lage. Wähnung nur.”
“Ha! Wo …”
“Gesetztes Ego.”
“Schau an! Ego? (Nebel) O check ich’s?”
“Ego-Genese. Weg als Sorge.”
“Ideen & so?”
“Dies auch, Rudi. Durch-Sinnung. Nu?”
“He! Genie …”

Die letzte Zeile, die von hinten gelesen zum Titelanfang führt, kann als berechtigtes Selbstlob gelesen werden. Und Anfang und Ende sind hier nicht metaphysisch aufgeladen, im Gegenteil: Falkner zeigt, dass, einen Sprachduktus (z.B. einen Jargon, der mit dem Wesen seinen Staat zu machen sucht) auf das Wesentliche zu reduzieren, auch heissen kann, ihn zu entlarven, d.h. seine Substanzlosigkeit zum Vorschein zu bringen. Aber was heisst hier “auf das Wesentliche”? Es wird nach anderen Kriterien, nämlich im Hinblick auf das zu bildende Palindrom, reduziert, und damit wird gezeigt, dass methodische Reduktion im Wesentlichen genügt, um Substanzlosigkeit freizulegen, bzw. jene Keime, die auf einen faulen Kern schließen lassen.

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“Zufall - gabs das?” hub Paul zum Klugschwatz an, “Zufall, Ahnung und Wahrtraum, sagt Gustav Jung -” / : just da …

Fabula rasa eröffnet mit dem Lipogramm Au! Die methodische Schraube. Lipogramme definieren sich dadurch, dass sie den verwendeten Wortschatz gemäß einer bestimmen Lautauswahl beschränken. Bei Brigitta Falkner wird diese Methode natürlich im Lipogramm selbst reflektiert: “… als Karl akkurat zu Ruth trat, Ruths Hand nahm (”Darf man?”) - - schnurgrad zum Punkt kam und kundtat, was alsbald (nach Karls Handkuß) als ‘Abmachung’ und Lautaussparungsgrundsatz galt …” Dazu die Fußnote, in der dieser Grundsatz nicht gilt: “Dieser Text basiert auf Karls Lautaussparungsgrundsatz, demzufolge ausschließlich die Vokale ‘A’ und ‘U’ verwendet werden dürfen.” Damit ist schon ein Teil der Textstruktur angesprochen, deren Panels sich vom schwarzen Hintergrund abheben. Am oberen Rand des Panels zeigt sich bei Bedarf ein Textfeld mit Schatteneffekt, in dem der Lautaussparungsgrundsatz gilt und wo die Ent- und Verwicklungen der Dreiecksgeschichte zwischen Paul, Karl und Ruth kommentiert, unter Umständen beschleunigt werden.

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Die typographischen Effekte von Groß- und Größtschreibung, Fett-, Kursiv- und Gesperrt-Setzung werden gezielt eingesetzt, Bilder kommen nur ganz sporadisch und als Abbildung gekennzeichnet vor. Neben grammatikalischen Schwergewichten wie Infinitiv fallen bei diesem Lipogramm so viele wichtige Bezeichnungen flach, daß, wie die Autorin selbst schreibt:

… der gewaltige Aufwand, mit dem hier Strategien zur Vermeidung von Regelverletzungen entwickelt werden, im grotesken Mißverhältnis zum oft läppischen Anlaß steht.

Einfache Beispiele für Transformationen: schnell wird zu flugs, Wein wird zu Purpursaft aus Burgund, Wasser zu Aqua pur, eins zu acht durch acht. Anders als der Anagrammtext ermöglicht die Textsorte Lipogramm- mit Fußnote! - das Zitat, und die Belesenheit Brigitta Falkners macht davon ausgiebig und in wirklich witzigen Assoziationen Gebrauch. Ich bringe nur eine Auswahl von Namen und Titel, die für Zitate und Anspielungen stehen: Krazy Kat, Mc Luhan, Lewis Caroll, Kafka, Lichtenberg, Abraham a Santa Clara, Aristophanes’ Die Frösche , Lenins “Was Tun?”, R. Queneaus Hundszahn, Schopenhauers Hund Buz, Swifts Gullivers Reisen, Grimms Wörterbuch, Havliks Lexikon der Onomatopöien, was den Film betrifft: Bressons “Balthazar au hasard” über einen geschundenen Esel, Lubitschs That Uncertain Feeling, Star Trek oder die Simpsons, aus Musik die Meistersinger von Nürnberg, aus der Werbung z.B.: “Durst macht Spaß”. Das Zitieren des Lipogramms selbst darf bei dem hohen Maß an Reflexivität nicht fehlen, und da die Panels durchnummeriert sind, können sie sich explizit aufeinander beziehen. Auch auf eigene frühere Methoden wird Bezug genommen, und da Verwicklung und Platztausch oft so schnell vor sich gehen, ist z.B. nicht gleich klar, wer da

… Hans Sachs aufschlug und - Zufall? Kabbala? - stracks das Anagramm aus Suada fand: “Du Aas …” -

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In Prinzip i wird die lipogrammatische Methode monovokalisch verschärft, dafür tritt zur Schrift wieder das Bild, in suggestiver Umrahmung eines fortlaufenden Filmbandes, wobei die meiste Schrift als Subtext unter den Bildfenstern steht, kommentierend “Birgit tritt ins Bild.” oder Dialoge wiedergebend:

“Spritzig ist wichtig!” spricht Sissi hitzig. Willi wird wild. Willi spricht im Infinitiv. “Infinitiv gilt nicht!” schimpft Sissi. Willis Blick wird grimmig. Stimmt: Prinzip i.

Nur drei mal wird die Bildfolge und auch das Prinzip durch Einschübe von der Breite einer Seite unterbrochen: durch eine Frage Philip K. Dicks: “Können wir das Universum als real betrachten, und wenn ja, inwiefern?”, durch eine eingeschobene Erklärung über Pidgin-English und eine Bezeichnung Prince Charles “fella belong Mrs. Quenn”, und durch einen Gedanken des Logikers Gottlob Frege:

Kein Ungedanke wird durch Verneinen zum Gedanken, so wie kein Gedanke durch Verneinen zum Ungedanken wird.

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Falkner beweist, daß Monovokalismus nicht daran hindert, aufgeblasene philosophische Diskurse durch den Kakao zu ziehen:

Grinzing. Sinn wird Irrsinn, nichtig wird / wichtig; Willi spricht, Sissi trinkt, schlicht / wird diffizil. Witz wird Irrwitz, himmlisch / wird irdisch, Sissi wird schwindlig … // “… in sich stimmig, hinsichtlich Nichts ist / Nicht-nichts wirklich, sprich: sichtlich / nicht wirklich wirklich, mithin sinnwidrig / richtig, irrsinnig diffizil im Hinblick…” // Willi spricht, Willi trinkt. Hirnrissig wird / richtig, schlimm wird schicklich, fiktiv /wird wirklich … // Ist Willis Irrsinn klinisch? sinnt Sissi. // Spinnt Willi schlicht?

Die Kategoriensprünge und grammatikalischen Nivellierungen wie in: “himmlisch wird irdisch - Sissi wird schwindlig”, die in den Texten Brigitta Falkners ständig stattfinden, sind mitverantwortlich für ihren Witz und Teil der Strategie, formale Eigenschaften und referentielle Bezüge so lange auf die Spitze zu treiben, bis sie ineinander überzugehen scheinen.

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Der Titel des zuletzt erschienenen, vierzigseitigen Anagramms Brigitta Falkners Bunte Tuben hat sich von den 21 (bzw. mit aufgelösten Umlauten 23) Zeichen der Anfangszeile losgemacht und führt die Methode exemplarisch vor. Dass sich der Tuben-Code nicht auf bunte Deco beschränken wird, lässt schon die Beiläufigkeit und das offene Ende der Anfangszeile vermuten: “Zwo Stündchen brüten: die”, die schwerlich am historischen Anfang des anagrammierenden Prozesses gestanden haben wird. Nichts entkommt dem satirischen Biss, den Brigitta Falkner in dieser philosophischen Erzählung mit kriminalistischer Allegorisierung entwickelt, Denken wie Dichten wenden “uns den Uni-Wertesten zu”. Die Heuristik dieses intelligenten Permutierens ist schwer zu fassen. Aber diese muss es geben, denn mit 23! (Faktoriell, also 23mal22mal21mal … mal2) als Anzahl der Möglichkeiten lässt sich mit Selektion allein nichts mehr erzählen. Auch über diesbezügliche mögliche Antworten macht sich die Autorin lustig, schon gar wenn sie inspirativ ins Religiös-Metaphysische abheben:

O ZEICHEN & WUNDER! Betstunde / beendet! - (”Doch zuerst nun …” wie / ein Buch - zwo Stunden - redete / er! (wuszten ein Buch-Ende: TOD!)): / “- Codes werden zu Buntheiten, / bunt zu deren Wesenheit & Code!”

Studenten, Dozenten, Dichter, Editoren, Burschen, Brünette und die Neue , die das universitäre System irritiert:

scheu bittend der Neuen zwo / Wörtchen zusende, die bunt / wuchernde Tubenzone: id est / Witzebene (unterdes du noch / ‘Werde-Uni-Dozentchen’ übst) / nun suchend betrete, die zwo / Tuben sehe, Witz-Decoder nun / bedienend - [...]

Im Vergleich zu früheren Anagrammen haben sich vor allem die Eigennamen verabschiedet, die Ironie ist begrifflicher, der Witz noch trockener geworden.

Liebe zum konkreten Wissen, also philosophische Tiefe im wahrsten Sinne des Wortes, ist allen Arbeiten Brigitta Falkners eingeschrieben. Ihr spezielles Wissen um die Funktion des Formalen und daß nicht die Beschränkungen der Methode, sondern entweder Methodenlosigkeit oder Beschränkung auf die Methode Beliebigkeit erzeugt, macht die Genauigkeit, mit der ihre Bezugsysteme und Geschichten konstruiert sind, mit der von Kalkülen vergleichbar. In diesem Sinn bekommen Stellen, die man in der dramatischen Entwicklung des Textes als gnadenloses Abkanzeln eigener Figuren liest, allgemeingültigen literaturkritischen Charakter; nocheinmal aus dem Lipogramm Au!:

… fad und abundant fand Urs Babs’ Lautsalat, bar Anfang und Schluß; das Drama summa summarum zu lang: am Blatt zu unscharf und blaß, nur Anflug, Hauch, Schraffur -, als Schwank zu schmuck und glatt, als Stand-Up-Drama zu schlapp und flau (als Traktat zu prall und bunt); als ‘Hausfrau-zuckt-aus-und-murkst-Mann-ab’-Saga zu schwatzhaft und kraus (und als Rundfunkdrama zu gaga), zu abstrus und halbgar war Babs’ Suada…

Kalkülen, denen, wie wir seit Scheitern des Hilbert-Programmes wissen, ja auch im Formalisierbaren Grenzen gesetzt sind, fehlt als reinen Konstrukten der Witz der Anwendung. Dieser ist den Arbeiten Falkners inhärent, im Wissen um die Geschichte und Transformierbarkeit des verwendeten Materials und im Gegeneinander Ausspielen der verwendeten Medien und angenommenen Bedeutungen. Zu den wahren Prinzipien des Gestaltens zählt neben der Ökonomie, nicht mehr zu benützen als für die gewählten Zwecke notwendig ist, eben zu wissen, wie die Zwecke so in Schach gehalten werden können, dass sich zeigt, wie Codierungen funktionieren. Diese Prinzipien setzen sich bei Brigitta Falkner nicht nur mithilfe ihrer elementaren Methoden bis ins kleinste Detail durch, von der Interpunktion bis zum unscheinbarsten, locker gesetzten Strich; diese zum Gelingen führenden Prinzipien ziehen sich auch durch alle von Falkner eingesetzten Verwendungsarten von Sprache, ganz im Sinne von Wittgensteins Es gibt keine Metasprache, Fußnoten miteingeschlossen (1).

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(1) Siehe die dem Anagramm entsprechende Fußnote in Bunte Tuben, 2004, S.81: ” … Er schwebt: ‘Die Oden …‘ Unten zu / den Netz-Buchsen deute, worin / Dioden wesen. Buch zu. Netter / Wunsch. Deute: Interzone …” (ebd.)”

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Benedikt Ledebur

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Brigitta Falkner

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“Rindszunge beißen!”, dachte ich und legte mich noch für eine Sekunde über den Tisch, um den letzten Moment noch ins blinde Loch zu starren. Ihre Füße schlichen über den Parkettboden, vor dem Fenster fuhren die Autos viel zu laut und ich musste mich wieder als großes Ohr erweisen, dass ihre Geschichten über den Fluss setzte. Sie habe ja dieses und jenes zu tun und dann noch … und sie mache einfach keinen Hehl daraus, dass …
ihr Gesicht: neben jeder Geburt eine Falte und was dahinter stecken könnte zementiert mit Werbeprodukten.

Fäulnispilze über den Augen und die Wimpern ließen sich nicht mehr entwirren, schwarzes Brett vor der Linse, wie weißlicher Belag auf der Zunge und ich dachte: ” … ja doch, nur mehr dieses eine Mal, nicht wahr? es geht doch immer ums miteinander.” und dieses gedachte und nie ins Wort genommene, wie auch nicht über die Zunge genommene lähmt die Aktionen jedes Schrittes, die endophytisch und zum scheitern nach außen verurteilt sind. ich bleibe auf der Strecke, hechle der Zeit nach, um nicht an den Rändern aus zu rutschen - Zunge neben dem Grat und dann wieder:

“Rindszunge beißen!”, dachte ich und vergrub mich in den Innereien - zart und mild. kurz legte ich Hand an und entzog ihr den erdachten Irrwitz, damit zumindest sie den bitteren Geschmack aus dem Hintergrund kratzen konnte. irgendwie versuchte ich mich unter dem Tisch zu verstecken, um den Frontalangriff der Wurzel zu entgehen. die Schuld bleibt doch immer zwischen den Stühlen und wird klebrig weiter gereicht. ein Kreuz damit, woher es kommt … ihr Lachen und der plötzliche Energieaufwand ihrerseits verbinden Hand und Fuß - ich stand nur mehr am Rumpf mit starrem Blick.

dann kommen Nachrichten mit Schriftzeichen, die eines um das andere besagen, dass sie sich verteidigen muss und sich nicht eingestehen kann, dass sie ihre Lymphbahnen schon nicht mehr verbergen kann. eine Tollwut überkommt mich, angestauter Ekel vor überquellenden gebrühten Fleischsatz, da einem die anderen ja alles zum Letzten reichen können. es gibt immer welche, die den Dreck der anderen vom Boden schlecken und der Tatverdacht macht sich breit, dass man selbst zu denjenigen gehören könnte, wenn man nicht endlich … Saurer Geschmack auf der Zunge, obwohl so schön mündig und voll zwischen den einzelnen Bissen. das Gefühl nackt zu sein …

Weißt du, sie kratzen sie sorgfältig ab, waschen sie und überbrühen sie mit heißem Wasser. ” ein schier verzweifelter Blick aus der anderen Richtung und eine Genugtuung ihr den letzten Rest auch nicht erklärt zu haben. ich erkenne die Notwendigkeit nicht mehr, da sich alles nur mehr in den roten Phasen bewegt und meine Zunge verschlingt die Rindszunge mit wutentbranntem Genuss. “gib mir mehr und lass mir die Singvögel auch noch kommen.” Der Krieg hat irgendwo begonnen und die Hand war mir gebunden im Sturzflug gegen den Widerstand. ich habe Blut geschmeckt.

“Rindszungen beißen!”, dachte ich und sprang in den Kreis, direkt in die Machtfuge neben dem Verlust. Es zischte und kochte, als ich den Rand überging und ihr direkt in den Mund das Wort legte, ihr auch noch die Nasenflügel zudrückte, damit der Schluckreflex einsetzte. Ich versuchte meine Zunge im Zaum zu halten: Durchfallquote massiv. Ein glucksen und köcheln ihrerseits auf meine Blindheit, die alle Vorbehalte zum Gegenstand der Züngelei machte. ich würde sagen es wuchs sich zum Karzinom aus, legte sich über Muskelkörper hinweg und erschien in gelben Augen.

Und dann, ja dann wird sie gepökelt oder geräuchert. Aber zuvor, also ganz am Beginn, muss man das Zungenbändchen durchtrennen - zack! ” ich wollte lachen, ich wollte schreien, wollte mich auf den Bauch legen und mir diesen halten, wie ein altes Schwein - die Stille hielt mich ab. sie kratzte noch die Reste vom weißen Tablett und zerging in diesen. eine Kopfbewegung in meine entgegengesetzte Richtung, die Füße aus meiner Reichweite, die Hand schnell auf einer anderen, um den Stolz nicht zu verlieren. Sie zog die andere Bühne auf, das Licht fiel genau auf sie zu. Meine Vorstellung fiel mit dem Verdacht der unerreichbaren Veränderung von fremd Vertrautem. man stellt sich ja alles so rau vor, aber im Querschnitt rutscht man plötzlich aus, bleibt gerade noch auf den Beinen - stromdurchflutet mit schwerem Klopfen im Ohr.

“Rindszunge beißen!”, dachte ich und zog mich am Faden zurück zum Eingang des schwerelosen Steins auf Gelenk und an den Füßen - meine Geschmacksnerven waren umzogen von weißen Bläschen, die ich zwischen meine Zähne nahm. Beim Beißen ronn salzsüßliches Mundwasser auf meine Lippen - ich schloss die Partie mit Magenkrampf und Blähung. ihre wiederkehrende Freundlichkeit erleichterte die Beendigung, ich besänftigte mich, schwor mir, mich nicht auskochen zu lassen. gar und saftig sollte ich dem entsteigen, was ich losgetretten hatte. im Blickfeld ihr Kopf: jede Strähne ein Leben der Verborgenheit und kaschiert mit einem Lächeln, das zur falschen Seite fiel. ich hielt meinen Körper gerade noch zurück um nicht über die Grenze zu fallen: “Mäßige dich!”

Und nach dem Zungenbändchen, wird sie zwei, drei Stunden in einer Wurzelbrühe gekocht und anschließend die hintere Schlundpartie entfernt.” meine Finger waren angesengt, ich zog sie zurück, legte sie auf meinen Oberschenkel fühlte das Pochen das noch vom Adrenalin zurückgegeben wurde. irgendwann ist ausgespielt, irgendwann muss man seine Grenzen wieder einziehen, irgendwann sollte man seine Beine wieder bewegen können und den Mund nicht mehr voll haben müssen. irgendwann … und gerade dann beginnt es einen Bruch zu bekommen, schlägt sich in die Zahnzwischenräume und hinterlässt süßlichen Stärkegeschmack. der Kopf hebt sich einen Himmel weiter in die andere Richtung, die Augen legen sich den Schleier der Genugtuung an und man hat das Gefühl keinen Meter gegangen zu sein, dass man stehen geblieben -, dass man ergriffen wurde. die Haut wurde rutschig, die Augen weiß, die Zunge hielt sich am Gaumen fest und rutschte mit den Resten der Rindszunge in den Rachenraum. voller Fettgehalt, vortreffliche Geschmacksverbreitung und eine ungesunde Ausgewogenheit legte sich dazwischen. ich sagte: “Endstand!”, und meinte Ausgleich. Für ein Ganzes sind Zungen viel zu lang.

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Maria Seisenbacher

geboren 1978 in Wien , Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft in Wien , Mitglied der intermedialen Literaturgruppe “Wortwerft” , Mitarbeiterin im “Ingeborg Bachmann Verein” , Mitherausgeberin und Redaktionsmitglied der Zeitschrift “Keine Delikatessen ” .

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