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In : NZZ , 6. 9. 2006

Roman der Romane , Buch der Bücher , Bibel und Enzyklopädie : Herman Melvilles im spektakulärsten Sinne monströses Walfänger- Epos “Moby Dick” stiess bei seinem Erscheinen 1851 auf Ablehnung . Es war der Epoche der jüngeren Roman- Experimente eines Proust und eines Joyce vorbehalten , Melvilles Meisterwerk zu würdigen .

Noch mehr gilt dies für das zurückliegende Jahrfünft , in welchem nicht nur zwei anspruchsvolle Neuübertragungen ( von Matthias Jendis und Friedhelm Rathjen ) vorgelegt wurden , sondern mit Klaus Buhlerts neunstündiger Fassung auch ein aufwändig instrumentiertes Hörspiel ( BR | DHV ) .

Akustisch in Volltext und Wortsinn legt nun der Verlag Zweitausendeins die integrale Lesung des Romans auf zwei - insgesamt 30 Stunden währenden - MP3- CDs vor . Mag Friedhelm Rathjens ( wegen ausgefallener sprachlicher Mimik umstrittene ) Übertragung Manchem im Druckbild irritieren , so stösst seine Zungenrede im Medium der Vor-Lesung eine laut- und sprachmalende Wortwoge an .

Mit Christian Brückner ist ein energischer Interpret am Wort des aus zahllosen Stimmen , Slangs und Spezialjargons komponierte Existenzdramas . Dem Begriff des “Vorlesers” spottend , treibt der Sprecher ohne Schonung seiner Stimmbänder das stete Crescendo der Handlung voran bis zum furiosen Fortissimo des Finalkampfes Mann gegen Wal . Dass in dem radikalen Pathos dieses Wortwerks auch eine grimme Ironie aufglimmt , ist dem Übersetzer wie seinem Interpreten gleicher Weise zu danken .

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