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Salon Littéraire | Maria Seisenbacher : Lokalisation

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Salon Littéraire | Maria Seisenbacher :

Lokalisation

 

lokalisation_copyright_Maria_Seisenbacher

 

“Rindszunge beißen!”, dachte ich und legte mich noch für eine Sekunde über den Tisch, um den letzten Moment noch ins blinde Loch zu starren. Ihre Füße schlichen über den Parkettboden, vor dem Fenster fuhren die Autos viel zu laut und ich musste mich wieder als großes Ohr erweisen, dass ihre Geschichten über den Fluss setzte. Sie habe ja dieses und jenes zu tun und dann noch … und sie mache einfach keinen Hehl daraus, dass …
ihr Gesicht: neben jeder Geburt eine Falte und was dahinter stecken könnte zementiert mit Werbeprodukten.

Fäulnispilze über den Augen und die Wimpern ließen sich nicht mehr entwirren, schwarzes Brett vor der Linse, wie weißlicher Belag auf der Zunge und ich dachte: ” … ja doch, nur mehr dieses eine Mal, nicht wahr? es geht doch immer ums miteinander.” und dieses gedachte und nie ins Wort genommene, wie auch nicht über die Zunge genommene lähmt die Aktionen jedes Schrittes, die endophytisch und zum scheitern nach außen verurteilt sind. ich bleibe auf der Strecke, hechle der Zeit nach, um nicht an den Rändern aus zu rutschen - Zunge neben dem Grat und dann wieder:

“Rindszunge beißen!”, dachte ich und vergrub mich in den Innereien - zart und mild. kurz legte ich Hand an und entzog ihr den erdachten Irrwitz, damit zumindest sie den bitteren Geschmack aus dem Hintergrund kratzen konnte. irgendwie versuchte ich mich unter dem Tisch zu verstecken, um den Frontalangriff der Wurzel zu entgehen. die Schuld bleibt doch immer zwischen den Stühlen und wird klebrig weiter gereicht. ein Kreuz damit, woher es kommt … ihr Lachen und der plötzliche Energieaufwand ihrerseits verbinden Hand und Fuß - ich stand nur mehr am Rumpf mit starrem Blick.

dann kommen Nachrichten mit Schriftzeichen, die eines um das andere besagen, dass sie sich verteidigen muss und sich nicht eingestehen kann, dass sie ihre Lymphbahnen schon nicht mehr verbergen kann. eine Tollwut überkommt mich, angestauter Ekel vor überquellenden gebrühten Fleischsatz, da einem die anderen ja alles zum Letzten reichen können. es gibt immer welche, die den Dreck der anderen vom Boden schlecken und der Tatverdacht macht sich breit, dass man selbst zu denjenigen gehören könnte, wenn man nicht endlich … Saurer Geschmack auf der Zunge, obwohl so schön mündig und voll zwischen den einzelnen Bissen. das Gefühl nackt zu sein …

Weißt du, sie kratzen sie sorgfältig ab, waschen sie und überbrühen sie mit heißem Wasser. ” ein schier verzweifelter Blick aus der anderen Richtung und eine Genugtuung ihr den letzten Rest auch nicht erklärt zu haben. ich erkenne die Notwendigkeit nicht mehr, da sich alles nur mehr in den roten Phasen bewegt und meine Zunge verschlingt die Rindszunge mit wutentbranntem Genuss. “gib mir mehr und lass mir die Singvögel auch noch kommen.” Der Krieg hat irgendwo begonnen und die Hand war mir gebunden im Sturzflug gegen den Widerstand. ich habe Blut geschmeckt.

“Rindszungen beißen!”, dachte ich und sprang in den Kreis, direkt in die Machtfuge neben dem Verlust. Es zischte und kochte, als ich den Rand überging und ihr direkt in den Mund das Wort legte, ihr auch noch die Nasenflügel zudrückte, damit der Schluckreflex einsetzte. Ich versuchte meine Zunge im Zaum zu halten: Durchfallquote massiv. Ein glucksen und köcheln ihrerseits auf meine Blindheit, die alle Vorbehalte zum Gegenstand der Züngelei machte. ich würde sagen es wuchs sich zum Karzinom aus, legte sich über Muskelkörper hinweg und erschien in gelben Augen.

Und dann, ja dann wird sie gepökelt oder geräuchert. Aber zuvor, also ganz am Beginn, muss man das Zungenbändchen durchtrennen - zack! ” ich wollte lachen, ich wollte schreien, wollte mich auf den Bauch legen und mir diesen halten, wie ein altes Schwein - die Stille hielt mich ab. sie kratzte noch die Reste vom weißen Tablett und zerging in diesen. eine Kopfbewegung in meine entgegengesetzte Richtung, die Füße aus meiner Reichweite, die Hand schnell auf einer anderen, um den Stolz nicht zu verlieren. Sie zog die andere Bühne auf, das Licht fiel genau auf sie zu. Meine Vorstellung fiel mit dem Verdacht der unerreichbaren Veränderung von fremd Vertrautem. man stellt sich ja alles so rau vor, aber im Querschnitt rutscht man plötzlich aus, bleibt gerade noch auf den Beinen - stromdurchflutet mit schwerem Klopfen im Ohr.

“Rindszunge beißen!”, dachte ich und zog mich am Faden zurück zum Eingang des schwerelosen Steins auf Gelenk und an den Füßen - meine Geschmacksnerven waren umzogen von weißen Bläschen, die ich zwischen meine Zähne nahm. Beim Beißen ronn salzsüßliches Mundwasser auf meine Lippen - ich schloss die Partie mit Magenkrampf und Blähung. ihre wiederkehrende Freundlichkeit erleichterte die Beendigung, ich besänftigte mich, schwor mir, mich nicht auskochen zu lassen. gar und saftig sollte ich dem entsteigen, was ich losgetretten hatte. im Blickfeld ihr Kopf: jede Strähne ein Leben der Verborgenheit und kaschiert mit einem Lächeln, das zur falschen Seite fiel. ich hielt meinen Körper gerade noch zurück um nicht über die Grenze zu fallen: “Mäßige dich!”

Und nach dem Zungenbändchen, wird sie zwei, drei Stunden in einer Wurzelbrühe gekocht und anschließend die hintere Schlundpartie entfernt.” meine Finger waren angesengt, ich zog sie zurück, legte sie auf meinen Oberschenkel fühlte das Pochen das noch vom Adrenalin zurückgegeben wurde. irgendwann ist ausgespielt, irgendwann muss man seine Grenzen wieder einziehen, irgendwann sollte man seine Beine wieder bewegen können und den Mund nicht mehr voll haben müssen. irgendwann … und gerade dann beginnt es einen Bruch zu bekommen, schlägt sich in die Zahnzwischenräume und hinterlässt süßlichen Stärkegeschmack. der Kopf hebt sich einen Himmel weiter in die andere Richtung, die Augen legen sich den Schleier der Genugtuung an und man hat das Gefühl keinen Meter gegangen zu sein, dass man stehen geblieben -, dass man ergriffen wurde. die Haut wurde rutschig, die Augen weiß, die Zunge hielt sich am Gaumen fest und rutschte mit den Resten der Rindszunge in den Rachenraum. voller Fettgehalt, vortreffliche Geschmacksverbreitung und eine ungesunde Ausgewogenheit legte sich dazwischen. ich sagte: “Endstand!”, und meinte Ausgleich. Für ein Ganzes sind Zungen viel zu lang.

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Maria Seisenbacher

geboren 1978 in Wien , Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft in Wien , Mitglied der intermedialen Literaturgruppe “Wortwerft” , Mitarbeiterin im “Ingeborg Bachmann Verein” , Mitherausgeberin und Redaktionsmitglied der Zeitschrift “Keine Delikatessen ” .

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Salon Littéraire | Bernhard Kathan : HUNGERKÜNSTLER V , Niko Pirosmani

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Salon Littéraire | Bernhard Kathan :

HUNGERKÜNSTLER V , Niko Pirosmani

 

VORBEMERKUNG. Nikolaj Gogol starb 1852 zu Beginn der Fastenzeit an den Folgen seines Hungerns, César Vallejo am Karfreitag des Jahres 1938 an Unterernährung. An selbst auferlegtem oder aufgezwungenem Hungern starben Simone Weil, Paul Scheerbart, Daniil Charms und andere. Es gibt keinen Grund, das Leben von Menschen, die sich zu Tode gehungert haben, zu verklären. Aber angesichts des heutigen Kunst- und Kulturbetriebes, in dem sich Kunst und Werbung wechselseitig durchdringen, sich oft genug das eine vom anderen nicht mehr unterscheiden lässt, lohnt sich die Beschäftigung mit Künstlern und Schriftstellern, die verhungert, wenn man so will, gescheitert sind, die sich alles andere als marktkonform verhielten, auch auf die Gefahr hin, sich lächerlich zu machen oder daran zugrunde zu gehen. Mir scheint dies Grund genug, mich mit solchen Schriftstellern und Künstlern zu befassen. Es wird sich eine seltsame Gesellschaft bilden. Überraschend: Nicht die humorloseste. ( Bernhard Kathan ) |||

Rote_Beete_Pirosmani_copyright_Bernhard_Kathan

Tatarischer Obsthändler vor Regalen mit Früchten. Frau beim Melken. Zwei Georgier neben einem Marani, Wein trinkend. Familienkreis um eine gedeckte Tafel. Frau mit Bierglas. Kinderloser Millionär und arme Frau mit Kindern. Fürst mit einem Weinhorn. Aushängeschild: Ausschank und über die Straße. Aushängeschild: Bierstube Sakatala. Aushängeschild: Kaltes Bier. Aushängeschild: Tee - Bier. Stilleben mit Hühnchen, Spießen und Wein. Stilleben mit Fischen, Würsten, Spießen, einer Gans, einem Schwein und Früchten. Stilleben mit Melonen. Stilleben mit Fischen und Früchten. Weiße Kuh auf schwarzem Grund, Milch gebend. Schwarze Kuh auf weißem Grund, Milch gebend. Osterlamm mit Früchten. Lämmchen und Ostertisch mit fliegenden Engeln. Fiaker vor Gaststätte. Ein Räuber hat ein Pferd gestohlen. Frau mit Ostereiern. Weiblicher Markthygieneinspektor vor einem Stand mit Melonen und anderen Früchten, daneben ein Obsthändler. Koch, mit einem Fisch auf einer Kelle. Der Arbeiter Sosso, Pfeife rauchend. Sarkis füllt Wein in Krüge. Lastträger mit Weinschlauch. Lasträger mit Weinfass. Gelage. Tiflisser Händler bei einem Essen mit Grammophon. Vier zechende Städter. Familienpicknick. Gelage der fünf Fürsten. Gelage bei Gwimradse. Gelage mit dem Leierkastenmann Datiko Semel. Gelage in der Weinlaube. Im Walde zechende Städter. Gelage dreier Fürsten auf der Wiese. Fiaker und nächtliches Gelage. Gelage vor einem zweistöckigen Haus. Gelage zu Ostern. Eselsbrücke mit Tischgesellschaften. Gastmahl während der Weinlese. Kachetisches Epos, darunter drei Männer bei einem Gelage. Krzanissi, ein Gelage. Fest des hl. Georg in Bolnissi, Tischgesellschaften.

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Niko Pirosmani ( 1862 - 1918 ) : “Tatarischer Obsthändler vor Regalen mit Früchten” ( > Gallery @ Wkimedia Commons , @ Olga’s Gallery )

Der georgische Maler Niko Pirosmani - er schuf vor allem Wirtshausschilder - darbte sein ganzes Leben lang. Eines Tages fand man ihn in einem Kellerloch, nachdem er dort Tage ohne Nahrung gelegen hatte. Man brachte den Besinnungslosen in ein nahe gelegenes Krankenhaus, wo er am 7. April 1918 starb, ohne wieder zu Bewusstsein gekommen zu sein.

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Bernhard Kathan

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See also : Maud Ellmann : The Hunger Artists - Starving, Writing and Imprisonment ( czz )

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Salon Littéraire | Bernhard Kathan : HUNGERKÜNSTLER IV , César Vallejo

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Salon Littéraire | Bernhard Kathan :

HUNGERKÜNSTLER IV , César Vallejo

 

VORBEMERKUNG. Nikolaj Gogol starb 1852 zu Beginn der Fastenzeit an den Folgen seines Hungerns, César Vallejo am Karfreitag des Jahres 1938 an Unterernährung. An selbst auferlegtem oder aufgezwungenem Hungern starben Simone Weil, Paul Scheerbart, Daniil Charms und andere. Es gibt keinen Grund, das Leben von Menschen, die sich zu Tode gehungert haben, zu verklären. Aber angesichts des heutigen Kunst- und Kulturbetriebes, in dem sich Kunst und Werbung wechselseitig durchdringen, sich oft genug das eine vom anderen nicht mehr unterscheiden lässt, lohnt sich die Beschäftigung mit Künstlern und Schriftstellern, die verhungert, wenn man so will, gescheitert sind, die sich alles andere als marktkonform verhielten, auch auf die Gefahr hin, sich lächerlich zu machen oder daran zugrunde zu gehen. Mir scheint dies Grund genug, mich mit solchen Schriftstellern und Künstlern zu befassen. Es wird sich eine seltsame Gesellschaft bilden. Überraschend: Nicht die humorloseste. ( Bernhard Kathan ) |||

Rüben_copyright_Bernhard_Kathan

Er hat keine Augen und sieht und weint, ein einäugiger Alter, Augen mit körperlichem Weinen, schlaflose Organe, ich vergesse durch meine Tränen meine Augen, viel Kummer in einem der Augen, viel Kummer auch im anderen, und in beiden, wenn sie schauen, viel Kummer. Die Augen, unabhängig von einem, besitzen ihre Armseligkeiten, will sagen, ihr Amt, etwas, was der Seele entweicht und auf die Seele fällt. Vertraue in das Augenglas, nicht in das Auge. Sie haben im Hotel ein Auge aufgemacht, indem sie es peitschen, es schlagen mit einem deiner Spiegel. Wie kommt es, dass ich Augen habe? / Man bringt Käse. Man trägt Erde hinaus. Der Tod legt sich ans Fußende des Bettes, um in seinen stillen Wassern zu schlafen, und schläft ein. / Eine Frau mit friedlichen Brüsten, die Mutter, rückwärts mit der Brust auf meinen Tod zukommend, daher haben ihre Augen mir so viel gegeben, hautnah bei mir, ihre sterblichen Augen sinken sanft an meinen Armen herab. Niemals gab es soviel Schmerz in der Brust, im Rockaufschlag, in der Brieftasche, im Glas, im Metzgerladen, in der Arithmetik! Ein Brustschuss, Erfahrung eines einzigen Auges, mitten auf die Brust genagelt, mitten auf die Brust genagelt, genagelt mitten auf die Brust, gepeitscht von Daten mit Dornen, vergiss mich und stütze mich an der Brust. Im Schatten eines Baumes mit dem Rücken zur Welt geboren, längs eines Weges mit dem Rücken zur Welt. Ich sah einmal einen Baum mir den Rücken kehren und sah ein anderes Mal einen Weg, der mir den Rücken zukehrte. Ein Baum mit dem Rücken zur Welt wächst nur an Orten, wo nie jemand geboren worden war oder starb. Auf dem Rücken schlafen, auf dem Rücken liegend, mit aufgerissenem Bauch, auf dem Rücken liegend, halb durch seinen riesigen Zungenmund und ganz durch den After seines Rückens, eine Uhr, die hinter seinem Rücken ungeduldig flaniert, von andern mit ihren Rücken gesehen werden, wenn ich vorwärts gehe. Dem Bösewicht ein Vögelchen auf den Nacken setzen. Scheu von den Schultern ihr geruhsames Schaffen hören, vor einem Pissoir die Schultern heben, von Schulter zu Schulter, fortgehen, weinen, es für acht hergeben oder für sieben oder für sechs, für fünf, oder es fürs Leben hergeben, das drei Potenzen hat, den zweiten Kummer fest auf die Schultern gedrückt, seinen dritten Schweiß mitten in meine Träne. Von ihren Schultern reißt Fleisch auf Fleisch das blühende Werkzeug. Wie kommt es, dass ich mir ein Ei auf die Schulter gelegt habe, statt eines Umhangs? Der Böse, mit einem Thron auf den Schultern. Der Atem, der Geruchssinn, die Sehkraft, das Gehör, das Wort, der menschliche Glanz seines Seins arbeiten und sprechen durch die Brust, durch die Schultern, durch das Haar, durch die Rippen, durch die Arme und die Beine und die Füße. / Was im Haus verbleibt, sind der Fuß, die Lippen, die Augen, das Herz. / Ein Gesicht, von der unsterblichen und unausdenklichen Luft zerfressen, das Gesicht in der Liebe, nicht im Hass verloren, ein totes Gesicht auf dem lebendigen Leib, mit verkrüppeltem Gesicht, mit verdecktem Gesicht, mit verschlossenem Gesicht, ein starres Gesicht, ein steifes und abgestorbenes Gesicht, ein steifes und mit Nägeln am lebendigen Kopf befestigtes Gesicht. Dieses Gesicht erweist sich als der Rücken des Schädels. Mit Backenknochen die Gesichtsfalte ausstatten, es ist nicht ihr weichster Sporn, der auf ihre beiden Backen haut, sich das Gesicht waschen, indem man es mit festen Laken streichelt, ein schmerzendes Ventil im Wangenbein, Gesichtshaut durchs Telefon, Heraustreten aus dem Gesicht. Er hat keinen Mund und spricht und lächelt, ein Mund, den das Schießpulver wegfraß. Halt den Mund, und du erduldest die Straße, die dir das Los beschied. Mit welcher Stimme schweigen? Rauch im nüchternen Mund, Brot, das sich im Speichel irrt, das mündliche Organ deines Schweigens. Er hat kein Kinn und begehrt und überlebt, sich das Kinn im Rückzug betastend. In Gedanken Seufzer zusammenzählen, helle Hiebe auf den Gaumen hören. Ein Rachen mit trockenem Rand, am Hals das negative Zeichen. Die Lust zu leiden, zu hassen färbt mir die Kehle mit bildsamen Giften. Wäre meine Braut gestorben, mein Schmerz wäre der gleiche. Hätte man mir die Kehle durchgeschnitten, mein Schmerz wäre der gleiche. Er hat keine Nasenflügel und riecht und atmet, in der Nase der Erdboden, der lebendige Unsinn und der tote Unsinn nach Totem riechend. Er hat keine Ohren und hört. Ich sah ihn gähnen, seine unheilvolle Muskelbewegung in meinem Gehör verdoppelnd. Dieses Ohr gibt neun Schläge in der Stunde des Blitzes und neun Lachsalven in der Stunde des Weizens und neun weibliche Töne in der Stunde des Weinens und neun Gesänge in der Stunde des Hungers und neun Donnerschläge und neun Peitschenhiebe, doch keinen Schrei. - In deinem Ohr schaut der Knorpel schön aus. / Meerschweinchen, um sie gebraten zu essen mit dem wilden Pfeffer der Täler! / Traurig bis zum Kopf und trauriger bis zum Knöchel, auf dem Kopf meine Angst, eine kopflose Kraft im Kopf, ein Kahlkopf ohne Hut, ein Kopf, der die Qualen des Kreises in meinen Schritten büßt, sie haben ihren Kopf, ihren Rumpf, ihre Gliedmaßen, sie haben ihre Hose, ihre Mittelhandfinger und einen Zahnstocher, im konkaven Kopf ihr Fasten mitführend. Und hat die Migräne soviel Stirn der Stirn entrissen, so hat er keine Stirn und denkt nach und versinkt in sich, an die Stirn gelehnt, dies da ist ein Auge, jenes eine Stirn, das ist der ferne Staat der Stirn, die Bretter der Stirn, einen Augenblick schlägt deine Stirn den Takt, unbekümmert vor der gesetzgebenden Stirn. Unglücklicher Gott, nimm deine Stirne ab! Eine Laterne, an die Schläfe gehängt, Hörnerpochen in den Schläfen, sich gürten, sich die Unterweisung gürten, die Schläfe. / Ein Mann kommt vorbei, ein Brot auf der Schulter. / Dies sind meine heiligen Schriften, dies meine bestürzten Hoden, Zeiten lorbeerhaften Bissens mit Sinnbildern, Tabak, Welt und Fleisch, übertragendes Verschlingen unter einem Baldachin, zum Klang der Sängerhoden. Das Unendliche zwischen deinen Schenkeln treibend. Das gute Organ, das mit drei Griffen, geht vorüber, Monat für Monat blättere ich in deinem einstimmigen Haar. Haut, innerliches Fingergefunkel, in dem ich ganz bin, schlüpfrig, ein proparoxytonischer Schlupfwinkel, diese Haut. Unten ihren leisen Laut, den ihres Beckens, du zitterst in deiner Scheide, cholerisch, alkalisch, ich mit einem Stein in den Lenden, der Hüfthalter hat ihr weh getan, ihr Durst verursacht. All das gerät gerade jetzt in meinem männlichen Bauch sonderbar in Bewegung. Du und er und sie und alle, drangen gleichzeitig in mein Hemd ein, in meine Holzschultern, zwischen meine Schenkelknochen, Stöckchen. Wie schmerzt mich mein Haar beim Erspähen der wöchentlichen Jahrhunderte, mein Mikrobenkreis, will sagen, meine zitternde, patriotische Haartracht! Es gibt Leute, so unglücklich, die nicht einmal einen Körper besitzen; ihr Haar ist quantitativ, niedrig an Zöllen der geniale Kummer, ihre Wesensart hoch. Nichts, als dass mein Haar nicht mehr wächst, doch dem, der zu mir spricht, seine Flechten ordnen, dem Soldaten sein Haar, bis zu den Haarspitzen im Jahr achtunddreißig. / Los, stillen wir unsren Hunger jetzt mit Gras, lasst Wimmerfleisch uns essen, Seufzerfrüchte, die Schwermutseeele dich als Muse erlabe. / Verscheucht von meinen Schneidezähnen eine ansehnliche Zahl anorganischer Körper, aus meinen eigenen Zähnen trete ich rauchend, schreiend, stoßend, und lasse die Hosen herunter, das Elend zerrt mich aus meinen eigenen Zähnen, aufgespießt von einem Zahnstocher auf die Manschette. Überlege, bevor du meditierst, denn es ist schrecklich, wenn das Unglück einen anspringt und einem der Zahn ganz ausfällt. Der Backenzahn des Vergessens. Der Hotelbesitzer ist eine Bestie, seine Zähne, fabelhaft. / Die Bäckerin denkt an dich, der Schlachter denkt an dich und packt das Beil, in dem der Stahl gefangen ist und das Eisen und das Metall. / Auf die Fingerknochen trommeln, fünf untergebene Knöchlein abgeben, Knöchel ohne Umfang, weinen und Knöchelchen aus den Fingern bilden, dreizehn Knochen, die sich schräg zu den Kloaken stellen, ich esse deinen Knochen im Hinblick auf Christus, den Weichen, du reckst deine hervorstehenden Knochen aus und rückst deinen Kragen zurecht. Das Schrillen des Motors im Fußknöchel, der Tag des Fußknöchels, die Nacht der Flanke, das Jahrhundert des Keuchens. Im Doppelschritt des Gerippes, meine riesige, weiße, beharrliche Rippe. Wascht täglich euer Gerippe. Vom eigenen Blut besprüht mit weiblichen Linien, die verweigerte Blutausscheidung einwärts schwitzen, ich trinke dein Blut im Hinblick auf Christus, den Harten, Milch soll im Blut sein, traurige Blutgefäße roter Richter. Die Ärmsten, ihre Leber durchstöbernd. Leer mein Magen, leer mein Dünndarm, ein Magen, in dem meine zerborstene Lampe Platz fand. Das Herz mit Mut füllen, Würmer, die das Herz nach Einheiten zählt. Ein sterbliches, figuratives, tollkühnes Zwerchfell. Den Nabel befragen: Wohin? Wie? Dies muss mein Nabel sein, in dem ich meine geborenen Läuse tötete. / Im Gedächtnis gutes Fleisch essen, Schinken, wenn Fleisch fehlt, und ein Stück Käse mit weiblichen Würmern, männlichen Würmern und toten Würmern. / Beine eines Geliebten, ohne Beine, ohne erwachsenen Lehm, ohne Waffen. Vertrauen in die Hose, nicht in die Beine. Auf Zehenspitzen gehend, mit einem Brot in der Hand, einem Weg im Fuß. Auf Zehenspitzen vor uns fliehen. Lässt die Tat von einst in der Hand Haare wachsen, halte deinen Dickdarm fest in der Hand, in der Hand verwoben, weine in meine Hand, drücke eine Träne in meinen Backenknochen, eine Hand, an einen einsamen Schuh geklammert, auf Befehl seiner Hände ins Kino gehen, die Krone in der Hand, die Seele an der Hand führen, führe deine süße Gestalt an der Hand, führe deinen Körper an der Hand, eilends die Linke mit dem Hunger fassen und die Rechte mit dem Durst, dieser Zeigefinger, dieses Bett, diese Fahrkarten. Mit welcher Hand erwachen? Hand in Hand mit meinem Schatten. Ellbogen eines Gerechten, ein Arm, der es ablehnte, Flügel zu sein, kurble deinen Arm an, such dich unter der Matratze, das Böse mit den Armen hochhebend. In den Armen eines Blinden unseren Stern wiegen, sich stützen mit dem Arm der Begräbnisehre. Eine fixe Idee, unter meinen Fingernagel geraten, ein abscheuliches System der Luftröhren und der Bergschlucht, sauge des Nachts traurig an meinen Fingernägeln, jemand kommt vorbei und zählt mit den Fingern. Die Haut verlassen, sich kratzen am Steinsarg, in dem wir geboren werden. In welchem Zustand sind deine Poren? Auf den Knien niemals “Nie” sagen, auf den Knien mein Schrecken. Rennen, schreiten, fliehen vor seinen Füßen, um zu fliehen, fliehen und fliehen und fliehen vor seinen Füßen, stillstehend vor lauter Fliehen. Einem Lahmen den Fuß waschen. Mit welchem Fuß sterben? Am Fuß entzünd ich meine Sicheln nur. Vierteiliger Mais mit entgegengesetzten Geburtstagen. Durch die Füße höre ich wie sie sich entfernen. Fern von holprigen, bissigen Fersen. Welchen Sprung spürt der Abgebildete in seinen Fersen. Mit einem Gewissensgeschwür allein gelassen werden, mit empfindlich gespreizten Lepraknoten. Du leidest an einer Endokrindrüse, das sieht man, oder vielleicht leidest du an mir, an meinem schlichten, stillen Scharfsinn. Wie der entwendete Gegenstand sein gleichgültiges Gewicht besitzt, so das operierte Organ sein trauriges Fett. Zieh den Leib an. Da ist eine aus meinen Teilen zusammengesetzte Person, die ich ausfülle, wenn meine Gestalt auf ihrem richtigen Steinchen davongaloppiert, dann der Zorn, der die Seele in Körper zerbricht, den Körper in unähnliche Organe und das Organ in Achtelgedanken.

César Vallejo ( 1892-1938 ) , einer der bedeutendsten Lyriker der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, wurde im März 1938, sechsundvierzigjährig, halbverhungert in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er am Karfreitag desselben Jahres an den Folgen seiner Unterernährung starb. Eine vierbändige Ausgabe der Gedichte ( Spanisch | Deutsch von Curt Meyer-Clason ) ist im Rimbaud- Verlag erschienen .

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See also : Maud Ellmann : The Hunger Artists - Starving, Writing and Imprisonment ( czz )

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HUNGER | Vienna Street Art 4

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Es gibt , wie es aussieht , viel HUNGER in Wien . Die Saat geht auf , es mehren sich die WRITINGS ON THE WALL , welche  der zur Schau gestellten Üppigkeit von “Lebensmitteln” spotten .

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1070 Wien

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KLANGAPPARAT

Heute Teil Drei ( von insgesamt vier Folgen ) der Mini- Portrait- Serie des Saarbrückener Netlabels [ schall ] : Sympathische Kargheiten , serviert ohne grosse “Künstler”- Attitüde , selbstverständlich auf den ersten czz hörempfehlungReleases gespeist aus der Werkwelt lokaler Wertschöpfer . So etwa die EP Anabrus von Salzbildner , den von vor Ort eher unter seinem DJ- Nom de Mix Toni Latenz nennt und kennt . Bisher bei rentnerrecords ( remember : die mit dem netten Signet ! ) , nun also auch als [ schall_002 ] . Sechzehntel- Beatz mit Melancholiesplittern , “feinherb” würde man dies wohl bei Schokolade nennen . Wobei “zartbitter” nota bene nicht mit “zartschmelzend” zu verwechseln wäre : Die Licks des Latzenten sind ohne schöne Sprödigkeiten nicht zu haben ! CLICK TRACKS TO LISTEN . 01. chord me baby | 02. taiga | 03. unnamed | 04. ancient |||

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Salon Littéraire | Bernhard Kathan : HUNGERKÜNSTLER I , Nikolaj Gogol

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Salon Littéraire | Bernhard Kathan :

HUNGERKÜNSTLER I , Nikolaj Gogol

VORBEMERKUNG. Nikolaj Gogol starb 1852 zu Beginn der Fastenzeit an den Folgen seines Hungerns, César Vallejo am Karfreitag des Jahres 1938 an Unterernährung. An selbst auferlegtem oder aufgezwungenem Hungern starben Simone Weil, Paul Scheerbart, Daniil Charms und andere. Es gibt keinen Grund, das Leben von Menschen, die sich zu Tode gehungert haben, zu verklären. Aber angesichts des heutigen Kunst- und Kulturbetriebes, in dem sich Kunst und Werbung wechselseitig durchdringen, sich oft genug das eine vom anderen nicht mehr unterscheiden lässt, lohnt sich die Beschäftigung mit Künstlern und Schriftstellern, die verhungert, wenn man so will, gescheitert sind, die sich alles andere als marktkonform verhielten, auch auf die Gefahr hin, sich lächerlich zu machen oder daran zugrunde zu gehen. Mir scheint dies Grund genug, mich mit solchen Schriftstellern und Künstlern zu befassen. Es wird sich eine seltsame Gesellschaft bilden. Überraschend: Nicht die humorloseste. ( Bernhard Kathan ) |||

Obstsorten 01

NIKOLAJ GOGOL. Eine Kohlsuppe mit Pastete aus Blätterteig, die man in Gasthöfen für die Durchreisenden wochenlang aufzuheben pflegt, Hirn mit jungen Erbsen, Würstchen mit Kraut, eine gebratene Poularde, eine Salzgurke und der obligate Blätterteigkuchen, aufgewärmt und kalt, eine Portion kalten Kalbsbraten, eine Flasche Kwas, eine einfache Kohlsuppe, die von Herzen kommt, eine Pastete aus Eierteig gebacken, Pilze, Pastetchen, Pfannkuchen und Fladen mit allerlei Zutaten, mit Zwiebeln, mit Mohn, mit Quark, mit Stinten und weiß Gott mit was sonst noch allem, eine Pastete aus Eierteig, Austern, Seespinnen und andere Meerwunder, ein Spanferkel, eine Scheibe Stör oder irgendeine Bratwurst mit Zwiebel, eine kochend heiße Sterlettsuppe mit Aalen und Fischmilch, Pasteten mit Schwanzstücken vom Wels, ein Spanferkel mit Meerrettich und saurer Sahne, ein Huhn, einen Kalbsbraten, Hammelleber, gedörrten Stör als Vorspeise, Ebereschenschnaps, so mild wie Rahm, aber nach gemeinstem Fusel schmeckend, Tee neben einer Flasche Rum, Brotkrumen, kleine Vorspeisen, je ein Glas Schnaps, zum Schnaps einige gesalzene und andere appetitanregende Gottesgaben, eine Kohlsuppe, ein Riesenstück von der bekannten “Njanja”, eine Kohlsuppe, die mit Buchweizengrütze, Hirn und Füßchen gefülltem Hammelmagen gereicht wird, Schweinekoteletts und gekochte Fische, einen Kater, das Fell abgezogen und als Hasen aufgetragen, was in den Mülleimer gehört, landet in der Suppe, Hammel, eine Hammellende mit Brei, kein Frikassee, wie es in den Herrschaftsküchen aus dem Hammelfleisch gemacht wird, das vier Tage auf dem Markt herumgelegen hat, Schweinebraten, Hammelbraten, den ganzen Hammel, Gänsebraten, eine ganze Gans, Käseküchlein, jedes größer als der Teller, ein Truthahn von der Größe eines Kalbes, mit allerlei guten Dingen gefüllt, mit Reis, Eiern, Leber und Gott weiß was sonst, Tellerchen mit Eingemachtem, Birkhühner oder Wildenten zu Mittag, zuweilen auch nur Sperlingseier, aus denen sich eine Eierspeise machen lässt, verschimmelter Zwieback vom Stollen, den Alexandra Stepanowna mitgebracht hat (den Schimmel mit einem Messer abkratzen), Weißlachs, Störe, Salm, Preßkaviar, Malossolkaviar, Heringe, geräucherte Fische, Käse aller Sorten, geräucherte Zungen und Störrücken, eine Pastete mit den Knorpeln und dem Kopf eines neun Pud schweren Störes, eine andere Pastete mit Schwämmen, ferner Butterbrezeln, Pastetchen und Quarkkuchen, ein etwas abseits liegender Stör, ein dunkler, olivgelber Schnaps, von der Farbe, wie sie nur bei gewissen sibirischen Halbedelsteinen vorkommt, winzige gedörrte Fischchen, den ganzen Rückenteil eines am Spieß gebratenen Kalbes mit den Nieren, eine Pastete mit vier Ecken, in der einen Ecke Backen eines Störs und Hausensehnen, in der anderen Buchweizengrütze mit Schwämmen, Zwiebeln, süßer Fischmilch, Hirn und ähnlichen Sachen, die eine Seite schön braun, die andere Seite heller, durchgebacken, ganz durchgeschmort, dass sie nicht auseinanderfällt, sondern im Mund wie Schnee zergeht, ohne dass man es merkt, als Beilage zum Stör Sternchen aus roten Rüben, Stinte, Pfefferschwämme, dann noch junge Rüben, Möhren, Bohnen und noch so was, überhaupt recht viel Garnierung, im Schweinsmagen ein Stück Eis, damit er ordentlich aufquillt, eine Suppe aus frischem Grünzeug und den ersten Kräutern des Frühjahrs bereitet …

In den Toten Seelen wird viel gegessen. Doch dann ein Brief, in dem Gogol schreibt, lieber hungers sterben, als ein unüberlegtes, unüberarbeitetes Werk publizieren. Und dann zu Beginn der Fastenzeit ein letzter Brief an die Mutter mit der dringenden Bitte, sie möge doch alles tun, um ihre kostbare Gesundheit zu bewahren, sich einer Kräuterkur unterziehen, “natürlich unter Maßhalten in der Ernährung und Beachtung einer Diät.” Kurz darauf, am 21. Februar 1852, starb Gogol an den Folgen seines Hungerns.

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Bernhard Kathan

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See also : Maud Ellmann : The Hunger Artists - Starving, Writing and Imprisonment ( czz )

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Fressen

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Klar ist in Sachen Klagenfurt der break even point absolut überschritten und das Thema suppt ungefähr so superb dahin , wie der Grüntee , in welchen die manuelle Tippbewegung eben die Zigarettenasche katapultierte . Besser , man schaut gar nicht hin , wie bei den Wurmkirschen oder gewinnen Nudeldrucker- Innen- Blogs , die vielleicht auch Sojasprossen ( blanchiert ) anrichten . Überhaupt die unselige Sitte , Fotos von Fressen ins Selbstnetz zu stellen . Und zwar in doppeltem Sinn : a. als “Fresse” im Sinne von Konterfei , Ich und / oder die anderen ( Kolumnen- Unsitte und Spiegel- Stil ) und b. als mehr oder wenige professionelle Food- Fotography . Wobei Letztere meist so abtörnend wirkt wie die erste Kategorie : Was will uns die schräg hin gegossene Schöne im Turi- Thema wohl sagen , was die Quadratfressen in quälender Qualität bei den Whodunit- News und welchen “Weg !”- Wert im Sinne maximaler Abschreckung die gruseligen Positive im Kochregister ? -

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Wenn eklig , dann echt und mega und mit Sammler- zeal : Irre down to aesthetical earth ist das das derzeit 18 821 shots umfassende Archiv der von insgesamt 536 Flieglinien servierten Airline- Meals : “Eat wisely , fly safely .” Alpha und Omega aller Schwierigkeiten . Aber zum Mitmachen !

Nach Form und fragrance höchst gehaltvoll gestaltet sich Michael Reys Food- Photographie- Fibel , witziger aber noch Desselben Blog- Buster, wie man Grill- Dinge visuell angeht . Star des Abends ist das Projekt “Tuna Steak” , dessen Ablichtungs- Arrangement übrigens die Ist- Ikonographie dieses Mittwochmorgens abgibt . Thanks sincerely to Michel Rey . Benjamin Chrisite hat seinen Klassiker “creating edible Food Photos with food styling” mittlerweile zart aufdatiert , Bilder zum Fressen . Vielleicht auch eine nette Ferien- Beschäftigung .

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Das könnte immerhin ablenken von jenen Dingen , die man schon gefressen hat und von welchen man immer neu angefressen zurückbleibt , verärgert , so eine lame duck wie den Blogblick der Netzzeitung schon wieder einmal gelesen zu haben . Smells like Prakitkanten- Spirit , der ehrenwerten Redaktionsperson ungeachtet . Auch hier tut Einer eben nur seine Pflicht und rührt weder einen Finger noch eine Denkbewegung hinaus über den Pegel des Geld- Gegenwerts . “Es sind schon Hausmeister gestorben” , sagt der Wiener und meint damit , dass eben selbes Elend auch spekulative Lancierungen wie das Spiegel- Special WIR SIND DAS NETZ und die augustäisch halbfrequent erscheinende VanFair trifft . Auf Erstere beginnt sich die Szene - etwa Indiskretion Ehrensache - eben einzuschiessen , Letztere hat seine Lieblingsfeinde sicher … namentlich allerdings eher als Eintagsfliege .

Da wir mit den guten Produkten von bumpfoot noch längst nicht fertig czz hörempfehlungsind , selbige allerdings mitnichten im Kontext dieses Grämlichen platziert wissen wollen , gibt’s jetzt Numero 90 von Mixotic , welcher diesemal so cheesy wie headbanging ausgefallen ist . Zu Jacksonblacks ( aka jxnblk ) enigmatischer Titelfrage “I Can Has More Minimal Now ?” gähnt das abgebildete Kätzchen zu Recht , aber Tiere machen sich immer , auch zur Legitimierung eines nicht vollzogenen Teneriffa- Trips . Was wir schon immer wissen wollten . Machen Sie Steuer , legen Sie Rechnung , schwären Sie in der Halbjahresbilanz : Die Dumpfbeats werden mitwirken , auch diese miesen Dinge zu verdauen .

Mit Klagenfurt begonnen , ins / in die Fressen ist’s abgeglitten : “in |ad|ae|qu|at setzen ! Thema verfehlt !” - Eigentlich sollte über den fröhlichen Böttcher und seinen Willner- bepreisten Wettbewerb- Text die Rede gehen und des Letzteren topische Ähnlichkeit mit dem 2006 vorgelegten Roman Geld oder Leben . Die WIRKLICHE Frage und Herzensanliegen wäre allerdings jene gewesen , ob Böttcher, Jan ( Herr Nilsson , Schriftsteller ) und der köstlich Zentrifugal fein reimende Böttcher , Bastian irgendwie verschwippt oder -schwister- schwiegert sind . Das war das Thema . Wie man ja sah .

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ZOO DER ALPHATIERE ist als Slogan vielleicht das Beste, was die Super-Illu PARK AVENUE insgesamt hervorgbracht hat . Drei dürfen sich freuen - und tun’s auch -, im aktuellen Heft der Hl. St. Latex-Pauli Gesellschaft leisten zu dürfen : das gastro- sophisco- Trio Vincent Klink , Karl-Josef Fuchs und Christian Ottenbacher bloggt in der Kategorie Nachgesalzen wacker offene Türen ein . Oder sollte man - slow-foodisch naturbelassen - besser sagen : “a gmahte Wies’n ? -

Abegesehen von dem stets unterlaufenden Freud’schen Verleser , welcher den Namen des “Wielandshöhen” - Restaurateurs stets in eine Klinik verwandelt , macht der richtige Klink nicht nur Dampf in den Töpfen , sondern auch allerhand publizistische Kulinarik ::: Vom achtenswert aufklärerischen Impetus des JOURNAL CULINAIRE - hier lernen wir auch lebensmitteltechnologische Dinge , von deren Existenz wir nicht einmal seit Adria etwas ahnten - bis hin zum eher spassfraktionistischen HÄUPTLING EIGENER HERD (W. Droste , mehr braucht es nicht … ).

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Bemerkenswert aber die Lakonik des Klink’schen Blog-Tagebuches , “aus Zeitgründen” hält sich dort eine geradezu protestantische Lakonie - - - etwa beim foto- illustrierten Anblick einer lokalen Lokalität namens Schnitzel-Fabrik .

Quote Klink : “Da heißt es dich immer, der Gault Millau, Schlemmeratlas und Michelin hätten die Nase im Wind, besser gesagt in den Düften. Von wegen. Dieses bahnbrechende Gasthaus, -voll im Trend-, ist nirgends aufgeführt. Deshalb per Foto eine kleine Ehrung per Internet.” Unquote - - -

Sehen Sie : DAS ist Didaktik !

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Jetzt aber rasch rüber in die Musikabteilung , wo Christian Dittmanns net-release Emporio schon drängelt : slow coming, heavy droppin’, polymorph percussive Paletten & pristine patterns, dialektisch akzentuiert durch stochastische Staubkörner . Rückt mit den czz hörempfehlung ersten Akkorden nicht vor Track 6 heraus , übertreibt dann aber leider mit der üblichen Einspielung eines sozusagen akustischen “Scent of a Woman”. Zu hören in Einzeltracks beim Label THINNER oder als podcast bei DE:BUG abonnieren .

Interessant bleibt aber immer noch die - sagen wir’s gerade heraus - sozusagen nachgerade idealistische , wenn nicht gar karitative - Antriebsmomente der Netlabels wie dem hier angezeigten .

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THINNER/AUTOPLATE NETLABEL FOR VERSATILE ELECTRONIC MUSIC sendet seit 2001 und es ist doch recht lesenswert , wie sich die Selbstdarstellung solcher Selbstausbeutung in Worten ausnimmt .

Streng und einigermassen protestantisch, wohlgeordnet & dezidiert , äusserst interessant hinsichtlich der Frage des geistigen Eigentums , Copyrights , Creative Commons etc. - Im Unterschied dazu etwa die Klage, welche SZ und FAZ gegen das Referatemagazin Perlentaucher angestrengt haben , und noch ein Stück weiter gedreht selbstreden von Elfriede Jelinek , die ihre schriftstellerische Selbstausbeutung im neuen Genre des PRIVATROMANS ins Netz stellt , aus welchem auch kein i-Tüpfelchen zitiert werden darf . Trefflicher Titel : NEID (Teil 1+ Teil 2) .

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Während Dittmanns Dorado schon aus des p. t. Lesers Lautsprechern drippt , zur gefälligen Fort- und Weiterbildung das Definitionsmodell THINNER:

Quote : “I. Introduction : “Thinner” is a German electronic music netlabel that distributes free MP3 files since 2001. Our service is to distribute good electronic music across the world. You’re invited to download every Thinner release from this Website and spread the music. Information about proper usage of the music is in the disclaimer. Thinner has a history that reaches until 1998. You can read the nostalgia here.

II. License Agreement : The content of this website is licensed under a Creative Commons License. Read it before you download MP3 files from this website. Attribution. The licensor permits others to copy, distribute, display, and perform the work. In return, licensees must give the original author credit. No Derivative Works. The licensor permits others to copy, distribute, display and perform only unaltered copies of the work — not derivative works based on it. Noncommercial. The licensor permits others to copy, distribute, display, and perform the work. In return, licensees may not use the work for commercial purposes — unless they get the licensor’s permission.” Unquote.

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Also in Sache wie Wort eine anagrammatische Verschüttelung von NEID . - - -