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Jelinek Online : “NEID” am dicken Ende der Blogwurst



||| TAGBLATT UND “BLOGWURST” | VERZEHRENDER NETZ- TEXT | ABWEHRZAUBER UND WIEDERGUTMACHUNG | KALAUER MIT “AUFGABE” | WO BLEIBT DER “KLASSISCHE WERKBEGRIFF” ? | SÜHNE - SÜNDE : SCHÖPFUNGSAKT - KINDSWEGLEGUNG | KLANGAPPARAT | LINKS | RELATED

TAGBLATT UND “BLOGWURST”

pac_manDa nicht nur die Bock- sondern auch die “Blogwurst” derer Enden zwei hat, meldet sich das Feuilleton - nach anfänglichem Anbrat- Interesse vorigen Mai - nun pünktlich prêt à rapporter zum Finale des paradoxen Online- ist- gleich- “Privat”- Romans Elfriede Jelineks .

Von “A” ( dem akkurat akut anverwandelten “Dungeon Man” [ NYT ] von Amstetten ) über “B” ( dem buchfrei verbleibenden Verleger , als sei der Berlin- Verlag mit dem Totschläger Littells nicht börsenreif beschäftigt ) bis “Z” ( dem berühmten “Zitierverbot” ) : Die Presse ist prompt zur Stelle , wenn’s auch mal auf den Kulturseiten ein “Fait divers” zu vermelden gibt .

Die NZZ am 8. 5. , die SZ am 9. und die FAZ am 13. 5. Dass es seit Publikationsbeginn des Romans ein material- und reflexionsreiches Online- Forum ( JeliNetz ) gibt , bleibt in den Meldungen freilich konsequent aussen vor . “Internet” heisst demnach nicht nur der Wechselbalg einer irgendwie exhibitionistischen “Privatsache” , sondern auch der Ort privatim getätigter Lektüren .

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VERZEHRENDER NETZ- TEXT

pac_manIn der Verweigerung der Anerkennung eines medien- adaequaten Austauschs von An- und Einsichten rücken die ( durchwegs männlichen ) Referenten und Rezensenten die Online- Existenz eines literarischen Werks in den Bereich der Pornographie : Was nicht “über die Budel” ver- und handelbar ist , wird Objekt eines mit dem Ruch des Illegitimen behafteten Online- Voyeurismus . Wo die Text grenzenlos verfügbar sind , untersteht auch deren Lektüre keinem hergebrachten Komment und Reglement : Schon dieses Moment des Ausufernden und Unkontrollierbaren macht den Bild- Schirm- Text verdächtig .

Dem Philologen und Kritiker , gewohnt an den gedruckt unverrückbaren Text- Korpus , muss die diskrete Wandelbarkeit eines E- Textes geradezu frivol anmuten . Der proteische und tendenziell unendlich veränderbare Charakter eines solchen Werks lehrt den Publizisten buchstäblich das Fürchten : Nicht nur , weil rund 1.000 Seiten Fliesstext ein schwer übersehbares Gelände | Gewirk darstellen , sondern weil dessen Wandelbarkeit dem Kritiker grundsätzlich die Gnade des Letzten Wortes entzieht . So ein dämlich änderlicher Text kann nämlich seinerseits und postwendend buchstäblich zurückschlagen , indem er mehr oder weniger offensichtlich , auf die im Print festgestellten Anmutungen reagiert .

Um solche Rück- Schläge festzustellen , müsste man freilich den integralen Text unter ständiger Beobachtung halten wie ein “Alien” oder ein “gefährliches Tier” wird : Wer weiss , ob dieses Monstrum sich den Publizisten und seine tagesjournalistisch getrimmten Worte nicht eines Tages einverleibt und verschlingt ?

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ABWEHRZAUBER UND WIEDERGUTMACHUNG

pac_manMit Nennung der dem Werk einverleibten Kritik vollzieht Paul Jandl in der NZZ gleichsam einen Abwehrzauber :

Was Elfriede Jelinek den Lesern als “E. J.” sagen will, scheint klar. Die zarte Camouflage ist Kriegsbemalung, denn in “Neid” wird zwar einmal mehr mit Österreich abgerechnet, vor allem aber mit sich selbst. Die Schreibstube am Wiener Jupiterweg wird zum Echoraum all dessen, was die Kritiker der Schriftstellerin vorwerfen, während diese sagt: Geschenkt! Dass es im Werk der Jelinek wenig Handlung gebe, dass es ihm an erfahrbarer Wirklichkeit mangle, dass es sich wiederhole und verzettle, tausendmal: Geschenkt! – In die Familiengeschichte steigt der Roman herab und spart auch dabei nicht mit Selbstvorwürfen. Die beinahe pornografische Entblössung des eigenen Ich treibt ein Buch voran, das den “Neid” des Titels pro domo nimmt. Der Lebenssünde, “Ich” zu sagen, hat Elfriede Jelinek ihr Todsünden-Projekt gegenübergestellt. Neben den Romanen “Lust” und “Gier” ist der Neid eine Verirrung von offenkundiger Virulenz. Das Leben da draussen, das Leben, dem sich die Schriftstellerin entzieht, wird zum Gegenstand der Sehnsucht wie der Verachtung. Ganz privat, nur im Internet, rechnet Elfriede Jelinek mit ihrer Rolle als öffentliche Frau ab.

Burkhard Müller scheint mit seiner jüngsten Reaktion in der SZ förmlich um Wiedergutmachung seiner ersten Ausfälle vor einem Jahr bemüht : Sie mög sich hüten , die Autorin , hatte es damals geheissen , den Unlustfaktor ihrer Texte nicht auch noch durch eine unhandliche Publikationsform zu verstärken . Jetzt dahingegen begrüsst derselbe Redakteur Jelineks rasches Reagieren auf “Amstetten” ( “Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist die Feuerwehr, wenn alle anderen noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen” ) , ihre Tuchfühlung “Im Verlassenen ” auf Leib und Seele “Österreichs” sowie deren Ästhetisierung :

Elfriede Jelinek verliert keine Zeit damit, Töne des Entsetzens auszustoßen. Das haben inzwischen schon andere hinlänglich getan. Sie beginnt ihren Text “Im Verlassenen”, abrufbar auf ihrer Homepage, damit, dass sie das Besondere und das Allgemeine des Falls ins rechte Verhältnis bringt. Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält.” Das ist zwar als Prosa gesetzt, tänzelt aber wie von ungefähr in Richtung des gereimten Epigramms. ( SZ )

Hat man voreilig geurteilt ? Verkannte man das Visionäre in Jelineks Kassandra- Reden ? - Ein Journalist leistet , an der Monstrosität der Echtwelt gereift , förmlich Abbitte :

Jelinek hat viele, die sie in den letzten Jahren hörten oder lasen, durch die Gleichform ihrer Beschwerde ermüdet. Das mag zum Teil ungerecht gewesen sein, denn wenn das Übel sich nicht ändert, warum sollte es die Beschwerde tun? Es war Jelineks Art, der Welt, ihrer Welt, die Treue zu halten. Und doch liegt im Ermüdenden ein literarisches Problem.

Nun aber ergibt sich am zwar typischen, aber doch herausragenden Anlass die Gelegenheit zu zeigen, dass der fehlende Biss ihrer Texte, den man konstatiert hat, am Brei lag, mit dem sie es zu tun hatte, und nicht an ihren Zähnen. Jetzt hat sie ihren Brocken; und da erweisen sich ihre Zähne auf einmal als scharf. ( SZ )

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KALAUER MIT “AUFGABE”

pac_manAuch die formalen und textgenerativen Mittel wie der früher als “ermüdend” eingestufte Kalauer wird via München unter Umständen einer “echten Aufgabe” plötzlich rehabilitiert :

Also beschränkte sich Jelinek darauf, den Affekt, ganz sparsam, in den Doppelsinn eines einzigen Wortes zu verlegen, um unvermutet B hervorspringen zu lassen, wenn gerade noch A das Thema war. Aber nachdem man dieser Weiche eine Zeitlang beim Schalten zugesehen hat, wandelt sich das Unvermutete in das Erwartbare, und der Trick zieht nicht mehr. Hier aber zieht er plötzlich wieder, und zwar weil er eine echte Aufgabe bekommen hat. Das Bestürzende an den Entdeckungen von Amstetten lag darin, dass sich alles über so furchtbar lange Zeiträume erstreckt hat. ( … )

Darum ist die Rede vom “Ruf” Österreichs, wenn es um Dinge wie Amstetten geht, eine solche Perfidie. Es ist dieselbe Art von Rede, die das Verbrennen toter Babies als “Entsorgen” benennt und sich damit den logistischen Gesichtspunkt, die Sorge des Täters, zu eigen macht. Ein Ruf ist etwas, das aus der Kehle dringt, aber eben auch der gute oder schlechte, den man hat. Plötzlich kommen sich die beiden Bedeutungen, der Schrei und die Reputation, ganz nahe. Auf den Ruf bedacht sein, heißt den Schrei ignorieren. Darin eben liegt die allgemeine Tendenz, die der krasse Einzelfall offenbart. ( SZ )

Als Erste Hilfe und ultima ratio gegen die Sprachlosigkeit des Entsetzens - sowie der journalistischen Ratlosigkeit , wie das Unsägliche überhaupt ( noch ) zu covern sei - wird Elfriede Jelinek plötzlich wieder der Rede wert :

Was kann, was soll man zu Amstetten sagen? Man braucht schon einen Ton, der trägt. Den hat Elfriede Jelinek. Er ist, wie eine Berufsfeuerwehr, wohlgeübt, und wenn plötzlich die Katastrophe ausbricht, weiß die Feuerwehr im Unterschied zu den übrigen Passanten, die bloß die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, genau, was sie zu tun hat. ( SZ )

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WO BLEIBT DER “KLASSISCHE WERKBEGRIFF” ?

pac_manSolche thematischen Schnittstellen an | mit der ausserliterarischen ( Skandal- ) Realität , wertet Hubert Spiegel lediglich als Ephemera und Fortsetzung des Immergleichen unter Berücksichtigung frischer Datenlagen . Was den FAZ- Redakteur weitaus mehr irritiert , ist die “Aushöhlung des klassischen Werkbegriffs” durch stete Veränderlichkeit im Netz :

Offenbar hat Elfriede Jelinek im Internet die Arbeitsbedingungen gefunden, die ihr am ehesten gemäß sind: Frei von jeglichen Verwertungszwängen herrschen hier autonome Innerlichkeit und Privatheit in ihrer denkbar öffentlichsten Form. So ist ein Werk entstanden, das die Mittel des Blogs benutzt, um nahezu sämtliche Fesseln des Romans abzustreifen. ( … ) Denn Änderungen sind jederzeit möglich. Damit tritt ein, was Autoren Traum und Albtraum zugleich ist: Kein Text ist jemals fertig. Alles bleibt vorläufig, fließend, in potentiell jederzeit zu beschleunigender Bewegung. ( … ) So wird die Aushöhlung des klassischen Werkbegriffs, die in Elfriede Jelineks Schaffen immer schon angelegt war, im Netz auf die Spitze getrieben. ( FAZ)

Die - für jeden Jelinek Kenner selbstverständlich nur cum grano salis zu lesende - Nachbemerkung “Unvollständige oder fehlerhafte Sätze bitte (jeder für sich selbst) ergänzen bzw. korrigieren” wird von Hubert Spiegel beim Wort genommen und als Zeichen dafür , dass das “Lektorat … an die Leserschaft übergegangen” sei . Mit dem “klassischen Werkbegriff” geht somit auch die “auctoritas” | Autorität des Autors den Bach der Blogrolle hinunter und reisst die ( “klassische” ) “Sinnstiftung” gleich mit :

Wo die Sinnstiftung an sich schon als Machtausübung verstanden wird, wo jede Organisation des Textes unter dem Verdacht der hierarchischen Handlung steht, wird Flüchtigkeit als Freiheitsgewinn verbucht: “Mir gefällt der Gedanke, dass jeder, der will, sich etwas von mir herunterladen kann, es irgendwo zerstreut, ein paar Seiten, auch auf dem Handy konsumiert, und dann verschwindet es wieder im Netz. Es ist da, für jeden”, sagt Elfriede Jelinek über ihr Projekt, “und gleichzeitig weg, das gefällt mir”. Dass der Roman sich nicht zwischen zwei Buchdeckeln materialisieren darf, könnte man fast als Sühne dafür nehmen, dass auch dieser Text seine Existenz einem Schöpfungsakt verdankt. ( FAZ )

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SÜHNE | SÜNDE : SCHÖPFUNGSAKT | KINDSWEGLEGUNG

pac_manDas Motiv der “Sühne” wurde bereits von Paul Jandl in der NZZ angesprochen . Dort war es allerdings auf Jelineks “Rolle als öffentliche Frau” gemünzt . Elfriede Jelinek hat sich über die Jahre hinreichend und ausführlich über die problematische Rolle der “öffentlichen Frau” geäussert . Aus der praktischen Erfahrung , dass diese von einer Öffentlichkeit , in welcher ( wie in den zitierten Artikeln ) “der Mann” das Sagen hat , als unangemessene Ermächtigung wahrgenommen wird, hat Jelinek ihr mediales , diskursives und literarisches “Fort | Da”- Spiel entwickelt . Es muss da nun doppelt paradox anmuten , wenn jetzt von Seiten des FAZ- Autors der Vorwurf ertönt , die Frau als Schriftstellerin negiere ihren “Schöpfungsakt” .

Da dieser “Schöpfungsakt” spätestens seit der Genesis dem Gott , dem Mann , dem Autor vorbehalten ist , muss es sich wohl um im eigentlichen Sinne um die weibliche Sünde der “Kindsweglegung” handeln …

“geschlechterdings” ( Gerhard Rühm ) gerät selbst im Zeitalter der Männerforschung noch so Manches in auf- reizender Fehlleistung durcheinander .

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KLANGAPPARAT

Wir haben ihn vermisst . Nun aber ist er wieder da : DJ Tom Larson ( @ MySpace ) mit einem seiner die Grenzen von Raum und Zeit korrodierenden czz hörempfehlungMixes . Diesmal mit “Elektronischen Schallwellen” @ Loopzilla . Womöglich nicht ganz frisch , aber nahezu klassisch . Go with the flow , knappe sechsundsiebzig Minuten und wieder … und wieder … CLICK LINK TO LISTEN STREAM . |||

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LINKS

RELATED

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EDIT 20. 5. :

  • Eine Immission obiger Auslassungen wurden im “Blogblick” der Netzeitung gesichtet . Gewissermassen das “dicke Ende” im Anhang .

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Anatomy Lesson : Madonna’s Marketing Minutes



||| Obacht , werte Kultur- Kunden @ in|ad|ae|qu|at : Es folgt eine pure Pop- Einschaltung . Mainstream , maximal . Bei möglichen unerwünschten Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker . |||

Nicht eben ein Montagsmodell , was Madonna im ersten Video aus der angeblich meist erwarteten CD des Jahres 2008 da bietet . “Hard Candy” soll Europa mit 25. 4. , die USA ab 29. April beglücken .

Timbaland macht in dem seit 4. 4. von Warner auf YouTube lancierten Video seine Sache vorerst o. k. , Herrn Timberlake müsste man dahingegen rausschneiden . Aber geschnitten wir ohnehin ohn’ Unterlass : Ein bissel Tarantino , ein bissel Francis Bacon und die animiert anatomiert Küssenden dürften das begehrteste Anschauungsmaterial für Jungmediziner abgeben . Auch die Autohändler werden sich freuen , wird das Gehopse auf Karossendächern Mode … |||

Semiologen , Gender- , Körper- und Marketing- Theoretiker also aufgepasst .

4 Minutes - Madonna feat. Justin Timberlake

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Staunenswert , nebenbei bemerkt , wie viel witzloses Wissen bei Wikipedia zu Madonna und “Hard Candy” zu finden ist . Und dass die Single in den knapp zwei Wochen nach ihrer Release bereits 350.000 mal verkauft wurde ….

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This posting is dedicated especially to Iris and her upcoming birthday .

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Dauernd Frauen empowern



||| DAUERND FRAUEN EMPOWERN | NETGLEICHE | “FEMINISTISCHES PARADIES” | HANG ZUM PRIVATEN | “TRISTESSE D” VS US- LAND OF THE FREE | RIVVA und “WENN FRAUEN BEIM KACKEN IM NETZ SURFEN” | AUCH FRAUEN KAKOFONIEREN | KLANGAPPARAT | LINKS + ANMERKUNGEN

DAUERND FRAUEN EMPOWERN

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrIst es ein Komödie , ist es eine Tragödie , dass Frauen offenbar dauernd empowered werden müssen . Der am Doppel-X- Chromosom von Bloggern orientierte Blogine- Award 2007 sorgte im Mai für breites Gekreische beiderlei Geschlechts und diskreditierte sich zuletzt mit einem very unladylike Hickhack zwischen den Bestplatzierten . Selbstredend war dem Finale das übliche Stimmenheischen von Public Votings voran gegangen . Auf’s Offensichtlichste hat sich die ganze Angelegenheit selbst diskreditiert.

Aber siehe : Da tritt die taz jüngst mutig vor die bloggende Leser- und Männerwelt hin und votiert : Für mehr Frauen Power im Netz : Blogs statt Bikinibilder. Wau ! - Dass es der Autorin Meredith Haff am 7. Februar eventuell nicht lediglich um die Blogweltbverbesserung an und für sich ging , sondern auch um ein Stück Preview- PR für ihr in Co- Autorinnenschaft mit Susanne Klingner und Barbara Streidl verfasstes und im März bei Hoffmann und Campe angekündigtes Buch Wir Alphamädchen - Warum Feminismus das Leben schöner macht ging , darf angenommen werden . Zitat Verlagstext :

Cool, schlau, schön – das sind die neuen Feministinnen. Sie wollen alles: Kinder und Karriere, Intellekt und Sex, Verantwortung und Freiheit. Nicht die Männer sind ihre Feinde, sondern die ungerechten gesellschaftlichen Strukturen; und die gilt es zu bekämpfen – mit den Männern. |||

NETGLEICHE

Haffs Thesen zu Nutzen und Vorteil von Frauenblogs starten mit der ( an und für sich fragwürdigen ) Behauptung “Nirgendwo ist die Chance auf Gleichberechtigung so gross wie im Internet” , um daraus den feministischen Imperativ abzuleiten : “In Deutschland müssen Frauen endlich damit anfangen, sie auch wirklich zu nutzen.”

In der extended version liest sich das wie folgt :

Das Internet gehört zu den wenigen Sphären, in denen sich Frauen und Männer theoretisch gleichberechtigt aufhalten können. Die körperlichen Verhältnisse - Formen, Kraft, Stimmlage - die in der Realität zu einer Aufteilung und Gegenüberstellung der Geschlechter führen, treten in den Hintergrund. Jeder kann heute auf einer virtuellen Ebene seine Geschlechtszugehörigkeit und auch andere Aspekte seiner Identität beliebig ändern, ohne dass es irgendwer bemerken würde. Strukturelle Diskriminierung findet im Netz bisher kaum statt. Die Machtverhältnisse dort sind bei weitem nicht so stark gefestigt wie in Wirtschaft oder Politik. |||

“FEMINISTISCHES PARADIES”

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrUnter Umständen der etwa Gender- paritätischen User- Verteilung , begünstigt durch technisch niedrigschwellige und geschlechtsneutrale Social Network Services ( MySpace, Facebook , StudiVZ ) wäre , so Haff , “eine besonders individuelle und autonome Selbstdarstellung” von Frauen möglich . Frau träumt gar von einer Art “feministisch- gleichberechtigtem Paradies” .

Aber ach : Die Mädels stellen sich auf den einschlägigen Seiten lediglich in ihrer “Sexyhaftigkeit” dar :

Bikinibilder, Dirndldekolletés und massig Hüftknochen, Knackärsche und Schulterblätter füllen die Fotoalben der Netzwerknutzerinnen.

Nicht jede verfügt eben über die ( PR- ) Power einer Madonna Ciccone , welche die medial gängige “Sexual Persona” ( Camilla Paglia , Anm. 1 ) in den 90er Jahren sowohl bestätigte als auch gleichzeitig über- und damit hintertrieb . Was können und mögen die Jahrgänge 80+ wohl noch von solchen dekonstruktivistischen Gender- Konzepten wissen ? - Es sei ihnen unbenommen , ihre eigenen Subversionen ( wieder ) oder neu zu erfinden . |||

HANG ZUM PRIVATEN

Blogmässig bleibt alltagspraktisch realexistierend allerdings die Sprech- , Schreib- und Posting- Situation des Privaten . Und die ist selten Blogchart- fähig . eben - und jetzt folgt der zweite Streich - Frauen anders schreiben . Kommt Ihnen eventuell bekannt vor , das Stereotyp von den “female soft & social topics” vs. “male facts & figures” ? - Die Fakten des sozio- kulturellen Lebens werden unerschrocken bei deren Namen genannt :

Frauen und Männer bloggen unterschiedlich. Männer verbreiten im Netz Nachrichten und persönlichen Auslassungen zu Themen wie Politik, Technik, Wirtschaft oder Sport. Frauen tendieren zu Themen, die nach traditionellem Verständnis eher im geheimen Tagebuch oder im Gespräch mit Freunden verhandelt werden: Gefühle, Gesundheit, Haushalt, meist aus einer persönlichen Perspektive. Klar ist das auch wichtig - aber der Informationswert für die Allgemeinheit ist da recht begrenzt. Es gibt keine Geschlechterdichotomie der Interessen. Frauen interessieren sich genau so für Politik oder Ökologie wie Männer und sind in gesellschaftlichen Bereichen ebenso engagiert wie diese. Trotzdem zeigen sie das kaum. |||

“TRISTESSE D” VS US- LAND OF THE FREE

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrDer Vergleich mit der amerikanischen Szene - allen voran das Schlachtschiff von Arianas HUFFINGTON POST - sowie rundherum alle möglichen genderpolitisch orientierten Netzwerke ( WIMN’s Voices , Feministe , the f- blog , bitch Ph. D. ) hinkt . Und das gewaltig : Just der Blick auf Rivva demonstriert ja augenfällig , wie wenig selbständig die deutsche Blogosphäre zu denken und schreiben gewillt ist . Wie das Ringen um Klicks , Aufmerksamkeit und Traffic fundamental verschieden ist zu einer subjektzentrierten , allenfalls kommunitaristischen bzw. neighbourhood- oder grass- roots Mentalität .

Allerdings , und dies sei nur nebenbei bemerkt , wackeln auch in der US- Blogosphäre althergebrachte Clichés : Are Men Really More Competitive Than Women ? fragte Melissa Lafsky kürzlich im NYT- Blog Freakonomics . |||

RIVVA und “WENN FRAUEN BEIM KACKEN IM NETZ SURFEN”

Bezüglich der Bloglandschaft KENNZEICHEN D erklingen mittlerweile lesenswerte kritische Stimmen , welche am Beispiel des ehrenwerten News- Aggregators RIVVA den Hang der deutschen Blogospäre zur freiwilligen Selbstgleichschaltung diagnostizieren . Die sich daran knüpfende und in bemerkenswert kultiviertem Ton geführte Diskussion darf da als Fortschritt  gewertet werden ( Anm. 2 ) . Allerdings sind es durchwegs Männer , die sich an die Kommentarschwänze hängen .

Dies trifft in bemerkenswerter Weise zu auf das von Herren lancierte Damen- Portal Nouvelles ( Treiss @ turi ) : “Hallo , liebe Gründer ( ja, nicht Gründerinnen )” begrüsst Anke Groener die neue Business- Idee das frauliche Anliegen des freshmen- Mediums , um mit dem Hinweis auf die gute alte Emma und einem Satz zu schliessen , welcher weite Web- Karriere machen wird :

Kleiner Tipp: Das gibt’s schon. Nennt sich EMMA und macht das seit 30 Jahren. Und zwar ohne magere Blondinen auf dem Klo zu zeigen, die beim Kacken im Netz surfen.

Was der letzte Halbsatz bei männlichen Bloggern ausgelöst hat , lässt sich via Rivva in Text ( beim Weiter- Klicken auch im Bild ) nachvollziehen . |||

AUCH FRAUEN KAKOFONIEREN

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrAuch eine bekannte Blog- Publizistin wie Mercedes Bunz leistet mit ihren Modemagazin- Charts dem Image der Frau als Vernunftwesen einen Bärendienst . - Ja , darf die denn das ? - Einfach auf Fun und Satisfaktion zu machen ? -

Also kehren wir noch noch ein letztes Mal zurück zur push- up- Aufgeregtheit einer Meredith Haff : “Weibliches Bloggen” muss ja nicht notwendig das Geschlecht als Fahne vor sich her schwenken , um eventuell sogar interessanten , wenn nicht gar relevanten Content zu generieren . Und kann durchaus Feminismus drin sein , auch wenn selbiger nicht auf der Bedienungsanleitung steht . Schön , dass es Plastikmaedchen , Maedchenblog , Genderblog gibt . Oder die Maedchenmannschaft von Haff- Co- Autorin Susanne Klinger . Weiters Anjas Blog: “Lesen statt Putzen” , FRAU MACHT ZUKUNFT u. s. f.

Also Pardon , und bitte ohne Jammerton , sei die bescheidene Frage gestattet : Warum sollten Frauen nicht als ganz normale Netizens über Alles und Fälliges berichten ? - Frau wird sich nicht gleich auf die Schamlippen getreten fühlen müssen , wenn sie ihren Part zur Kakofonie von Inhalten ( Anm. 3 ) beiträgt , eventuell manches skeptische Wort hizufügt und dafür nicht sofort einen Sonderpreis für “Produktionen aus geschützter Werkstätte” beansprucht ? |||

KLANGAPPARAT

Nuur keine falsche Harmonieversprechen gibt DJ Subppilot ( MySpace ) ab , wenn er uns durch sein mit vielerleit Beats und Sound- Scherbenczz hörempfehlung gespicktes knapp einstündiges Mix schickt . Gleichwohl bleibt das LIGHT AT THE END OF THE TUNNEL stets sichtbar , denn der gute in Mailand geborene und in Stockholm lebende Mann weisss offenbar , wo und wie er seine Hörerinnen haben will. Also : Den Dienstags- Speed um ein paar Takte hinaufschrauben und einen o(h)rdentlich sportlichen Gang einlegen . Vorbild natürlich Ritchie Hawtin . CLICK LOOPZILLA TO LISTEN ( TT : 58:27 ) . |||

LINKS + ANMERKUNGEN

Rufus Wainwright @ Vienna | No Photo of Ganymedes , svp



no photo

||| NO PHOTO | CANDOR | VOX | CALLS | NO MAN’S LAND AND GOODBYE |

NO PHOTO : In|ad|ae|qu|at proudly presents it’s hot wire , brought to you from the Rufus Wainwright Live concert - solo ! - @ legendary Arena , ancient abattoir .

NO PHOTO : Amidst to clicking , snapping , flashing and whining of countless cell phone cameras , there was much reason to consider earnestly the necessity of the conversion to iconoclasm .

Despite large signs asking for NO FLASH , PLEASE , the majority of those amateur concert shooters wasn’t able to disable their in - built light sources , not to speak of the electronic trigger sound emanating from those devices , wrecking the delicate peacefulness of Wainright’s solo performance . |||

no photo

NO PHOTO : What is it that makes people use their POINT- AND- SHOOT cell phone cameras as a weapon against the stage , against the experience of Real Presence ( George Steiner ) - and against any abandonment to the enchanted music ? - What is it that people are preoccupied with the production of “proofs of presence” rather than going and glowing with the flow ? - “User Generated Content” as an mulitplication of identical fuzzy shots , similar records of blurred video footage , low- fi audio bootlegs ?! |||

CANDOR

Despite the audience’s awkward comportment , Rufus Wainwright didn’t hesitate to proove  his talents perfectly : Boyish grace , genuine charisma , charming candor ( if not a pose ? ) , perfect intonation , simple but effective accompainments on piano and acoustic guitar , humor and humbleness , ability to connect to the concert hall , a performer at ease and at his best . |||

CALLS

First tuition to the audience : “What is this Vienna here , you are so far away of everything , you are like … like … Turkey” . - “TURKEY ?” - Mmhh , in|ad|ae|qu|at feels a little bit piqued upon this statement which was probably resulting from the linguistic association of the name of the country and the actual thanksgiving - turkey ? - No laughter , no reply among the audience : Obviously nobody did enjoy this word - play very much .

Second remark : “Last time I played in Vienna was at the Schloss Schonbrunn , and now I play in a night club “. Third remark : “I am sorry I do not have my band with me , but you know , tomorrow we play in Milano , and Vienna is so far away from everywhere , I just came on my own . “( What is this Pierrot talking about ? - After lately having taken up residence at Berlin ?! ) |||

VOX

So , Rufus might not be the ideal stand- up comedian . But he definitely is a virtuoso vocalist . This guy is able to switch - within a split second - from joking to an intimate attitude . Whatever - love , longing , sorrow and pain - Wainwright is the right man to write the chords and the words . Simple , yet complex melodies , lyrics and flow . |||

no photo

NO PHOTO : Figure a sweet thirty- something , born 1973 in Rhinebeck , New York wearing “Lederhosen” ( rather Bavarian than Tyrolean style , by the way ) , greeting his beloved boyfriend from the stage , dedicating a Chanson d’Amour . Fancy this sweet thirty- something making fun of himself , talking about this concert as a meta- performance - because : “At this point , usually my band comes in , so I just hum along a little bit .” |||

VOX

Gifted with a distinctive timbre , Wainright’s voice from time to time doesn’t sound darling at alll : The voice range thin and compressed overexerting itself though ( very ) long , sustained notes , may cut through your ears at times . But then , all of a sudden , Rufus takes a breathtaking turn and voilà all his brilliance : soft , stunning intervalls , astonishing chords , uneven bar counts , silence , repetition , closed eyes , open heart .

Best song highlightening this concert ? - While czz clearly yields to “Cigarettes And Chocolate Milk” ( @ YouTube ) , kap explains his preference of “Peach Tree” ( @ UCLA ) as follows : Half-tone slides in blues style , dynamics , rich spectral formants . Perhaps this singer one day will find himself grown out the wunderkind- role , the Ganymedes- game and will discover the lower ranges of existence , and the lower ranges of ( his ) voice . |||

CALLS

Wanna more quotation- giveaways ? - Here we go :

The next song is so silly , like Vienna , the music of Johann Strauss , it is a joke , a silly joke “. - “Some years ago I played in Vienna in a club under a train station , and before the concert I drank a lot of wine . So when I walked on the stage , I claimed that I am the reincarnation of Mozart , I am the new Mozart , but then I failed in the middle of the song , so Mozart came upon me and slapped me in the face . It was a lesson : No no no , I am not the new Mozart . Don’t worry , Mozart : Here I am , I am the new Rufus.

On his site @ myspace we discover “Papa Verdi” a”main influence”. Not very mozartien … |||

no photo

NO PHOTO : Nicely mixed crowd @ the audience - age 15 to 75 - , distinguished necktied bourgeois , lots of those frail baby - faces , tall and very earnest boys , girliez maximal , dolcissime fe | male mirrowing the Big Smiles of the smooth singer songewriter , the sweet darling of the Gods , Ganymedes . |||

NO MAN’S LAND AND GOODBYE

However : When the music’s over ( Turn out the lights ) , you get back to your Poèmes Saturniens ( Paul Verlaine ) , feeling somehow relieved to wipe this eternal smile out of your face . Allthough you might be ready now for the prehistoric punkrock echoing from the club nearby , you stumble out into the dark and lonely winter night , into the no man’s land between warehouses , highways , deserted park - and ride areas . Go or Go ahead .

Thanks for this ephemeral trip into brightness , and thanks for the no pic- tip , too , Rufus , aka Ganymedes darling of the Gods ( and everybody below ) . |||

Salon Littéraire | Lisa Spalt : Winterweiss



 

Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRIARE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Lisa Spalt :

WINTERWEISS | nach dem Märchen vom Schneewittchen

 

Lisa Spalt_copyright_Barbie_01

Funktionierts? Das Ding, das nicht hört? Das die zeitgemäße Terminologie der Erziehung nicht versteht? Die aktuelle Bezeichnung seiner Ausbildung nicht kennt? Dieses Kind, das nichts und nichts annimmt? Für eine richtige Frau tätschelt Jungmutter breitbeinig ihren Fortwuchs im sich wölbenden Bauch ist ein Kind ein Gewinn, beweist es doch, dass sie eine - sie ins Futur projizierende - Kurve kriegen kann. Zukunftsexpansion denkt sie in sich drin: klar, reparierst mich ganzheitlich / dein schaum zieht zisch ein und du saugst mein fett auf / mit sacchariden / kontrollierst du / mein krauses haar / machst faltentiefe unsichtbar … Ja, Mutterliebe fühlt sich schwapp fühlen die werdende Mutter, Liebe zu sich, dass sie sich Fruchtbarkeit bedeutende Kirschen Lippen-rot an die Ohren hängt, dass sie mit Gold als dem Grund legenden Prädikat der Frucht tragenden Gerste sich wiegt. Sie misst den Wert ihrer Ich-Aktie im Vorbeigehen an Schaufenster-Spiegeln sowie in wiederholbaren Glücksgefühlen. Ein das Körperprofil deutlich unterbrechendes Protzen gehört ihr zum Zähneputzen wie die Vokabel vom Sauberkeitsritual, mit dem sie sich von der schmutzigen Welt unterscheiden kann. Hasenpfote im Schritt besingt sie ihr Bild, sobald kein Mutterkörper-fremdes Ohr den ihren Stolz verratenden Spruch vernimmt. O, frohe Erwartung wird. Bald strotzt die Mutter säugend mein Mutterkind funktioniert. Und da kann sie den werkenden Organismus als Schönheit auch schon vorweisen, wenn ihn wer sehen will. ( … )

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Nein! Sichtbar imaginiert Stiefmamah die Tochter, fremdwilde Blicke erntend! Diese von mir gepflanzten Früchte seufzt die Mutter des verdienstlosen Stiefkind-Erblühens. Pfui kacka definiert sie den sauberen Kinds-Charakter. Kinderwunsch wünscht sie sich ebenso jung. Blumig gesprochen, aber erdig gedacht neigt die Schönheit die Frau in der Busengegend zum Zeichen verlängerten Knospens. Oder die Dame im Weib wendet zur effektvollen Entfaltung ihr Blüten-gefärbtes Kleid, während Triebstruktur kombiniert, was ihr an Umweltdaten vorliegt. Ja, Stiefmutter ortet - im Geiste sich mit dem Jungspross ident entblätternd - duftende Konkurrenz. Bis jetzt, da es jetzt aber plötzlich heißt und ihre Zeitrechnung damit beginnt, hatte die Mutter noch gar kein Alter, aber dein Alter ist doch noch gar kein Alter hieß es bis zu diesem Moment. Und jetzt? Jetzt gibt es diese Zeit, in welcher selbst für den Mann im Vater nur noch das Pflänzchen zählt. Ja, mit der Identität der Geburt beginnt die Entwicklung des Kindes rauscht Stiefmamah diese Identität wird in den Kindern geboren, aber Zuführung dreht die den Kopf zu der Schulter, welche sie Erzittern im Wind andeutend hebt führt dann doch zu weit vom Ursprung des Schicklichen weg. Und ihre Geste wirkt klar poetisch für alle, die den Zugführer falsch verstehen. Weißes Rauschen scheint Ihnen den Schmutz dieser erzählten Wirklichkeit zu transformieren, sie von ihrem Leben wohltuend zu distanzieren. Mit etwas Fahrtwind jedoch werden wir die Entwicklung hier prosaischer in die Zukunft führen. O weh, lang dient eins zum Schneiden von Eisbein klagt die Mutter Vernaschen der Mutter adé, die vor der Tochter liegende Mannbarkeit macht Mutterliebschaft passé. Stiefmutters Mund im Kopfgebiet zieht sich, Mutters Gefühle lösen sich, heben vom Mutterjetztkörper nun ab, heften sich ans kindliche Ebenbild, diesen Kindheitsauftritt ihres fleischlichen Selbst: Wer wird Muttern noch lieben, wenn sie des kindlichen Spiegelbildes verlustig geht? Welches Liebesobjekt wird ihr schönes Inneres projizieren und welche Oberfläche diese ihre vergangene Perfektion nach außen spiegeln? Wo wird die Formensprache ihrer wahren Natur sein, die sie auf ewig reflektiert? Es entdeckt die Stiefmutter ihr räumliches Vorstellungsvermögen dieses Kind müssen wir wieder klein kriegen. - Du Hure zieht sie die Kindergrenzen in der Zukunft sind wir ein gutes Mädchen, wir sind in einer guten Zukunft für Mädchen. Und es rät die Mutter dem Kind zur Askese welche das Leben in Schönheit verlängert. Lederhautgürtel begrenzt die dem Kind in Zukunft bekannte Welt. Krokodil teilt das Mädchen, leicht hüftig geschnitten wollen das geheim halten, wir, zieht strenge Hüftlinie über dem Haar. Hei-heia, die Tuchent pflegt sich die Mutter des Töchterchens Fragen zu erwehren das reißfeste Gewebe mag schlafen, der Geist aber wacht über die Immunität. Schlüpf rein, werd mein, bring Glück, oder muss ich noch sinnlich erleben, wie deine Schamlosigkeit meine Scham anzieht. Und so wird das Kind von seiner Schattenseite separiert, die sich damit als Attraktion erst definiert. ( …)

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Und da ging die Stiefmutter, indem sie alterte, in eine einsame Kammer, wo sie einen wunderbar künstlichen Apfel produzierte, und das kostete sie wieder ein Lebensjahr, während dessen sie sehr langsam sprach: die schönheit schlägt das alter tot mit der verlaufenden zeit. / die schönheit der puppe wohnt nur vorübergehend in der frau. / die schönheit handelt nicht. / in der schönheit das leben sich suspendiert. / wer die schönheit besitzt, in dem die schönheit vergeht. / schönheit ist, was jemand begehrt. / wer aber die schönheit genießt, dessen begehren verfließt. / schönheit ist, was helenas apfel kriegt. Und so vergings. Und da war der Apfel fertig und äußerlich wunderbar, aber innen war etwas faul daran: Igitt, dieses Gift der Sterblichkeit! Und Schneewittchen, die sich nicht beherrschen kann, welche Eros gerufen und Gott Vater vernascht hat, die Erfahrung hat mit Äpfeln und Würmern, drin im schönsten, weißesten Fleisch, weiß, dass Genuss immer Haken hat, an denen man lang hilflos zappeln kann. Ja, das Leben kostet das Leben, auch wenn wir es mit Gold aufwiegen. Und dennoch genießt Schneewittchen, welche in Personalunion die Schönheit an sich und somit unsterblich ist, den Apfel der Verführung, ein billiges Fleisch, welches ja bekanntlich schon bei der Geburt dem Tod - und in Handform! - seinen kleinen Finger reicht. Und die Materie ist tot, es lebe die Schönheit, als reine lebt sie fort. Und so fragt die Mutter Spieglein an der Wand, Du tote Schönheit blicke mich an!

[ Aus : GRIMMS - Ritter , Klagenfurt 2007 ] |||

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Lisa Spalt

geb . am 16. 10. 1970 in Hohenems ( Vorarlberg ) . 1997 Abschluss des Studiums der Deutschen Philologie und der Romanistik . Diplomarbeit über Konrad Bayers “kasperl am elektrischen stuhl” . Seither Arbeiten zum Handeln in Sprache mit Ausläufern in Richtung Bild und Akustik . Text- Musikalische- Kooperationen mit dem Komponisten Clemens Gadenstätter .
Seit 2006 Verlegerin der Kleinen idiomatischen Reihe ( KiR ) . |||

Publikationen

Literarische Kooperationen

Kooperationen mit Komponisten

  • Spalt / Gadenstätter 1996 : Sprachmaterial zum Quartett “Variationen und alte Themen” von Clemens Gadenstätter , UA 19. 4. 1997 , Sammlung Essl , Klosterneuburg ( A )
  • Spalt / Böhm 1996 / 1997 : Sprachmaterial für die Klanginstallation “telenovela” von Peter Böhm , UA 19. 4. 1997 , Sammlung Essl , Klosterneuburg ( A )
    Spalt / Gadenstätter 1997 : “ballade l” , UA 5. 11. 1997 , Wien Modern : Matteo de Monti ( Bassbariton ) , Florian Müller ( Klavier )
  • Spalt / Gadenstätter : “4 Szenen nach Goya” - Zyklus zu Goyas Caprichos für Jürgen Ruck ( Gitarre und Stimme in einer Person ) , Aufführungen in D , ESP , A
  • Spalt / Gadenstätter 2004 : Songs | Lieder - CD , Spechtart BÖX , Günter Specht
  • Spalt / Gadenstätter 2007 : Zyklus “Madrigale” für die Neuen Vocalsolisten Stuttgart , UA von Madrigal Nr. 1 “HEY” , 30. 6. 2007 , Der Sommer in Stuttgart , Stuttgart ( D ) |||

Radiophonie

Kooperationen mit bildenden Künstlern

  • Spalt / Schweizer 1997 : Sprachmaterial zum Film “telenovela” von Corinne Schweizer, UA Diagonale , Graz 1998
  • Spalt / Brandl 1999 : Sprachebene zu einem Grafikzyklus von Gerhard Brandl , Projekt “Zeichensetzung” , Ausstellung in div. oberösterreichischen Galerien und Museen
  • Spalt / Bernsteiner 2008 : “Hollis & Holly oder: Before and after everything went tits up” , Zeichnungen Georg Bernsteiner , mel edition , Wien 2008 |||

Texte im Netz

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