Archive for the 'literatur | leben' Category

NEUES VON FREUNDEN



||| LAST CALL FOR “SOMMERFRISCHEN” | AUSGEZEICHNETES VON UND FÜR MONIKA RINCK | TRANSPIRATION STATT INSPIRATION : WETTBEWERB , REELL | TIERBABYBINGO & BEGRIFFSSTUDIO | BERNHARD KATHAN : DAS INDISKRETE ORGAN | HANNO MILLESI SUCHT ALTENBERG | UND ES DREHT SICH DOCH NOCH : LINKES WORT @ VOLKSSTIMMEFEST | KLANGAPPARAT

Sax DIOSCUR

LAST CALL FOR “SOMMERFRISCHEN”

“Befiel dem letzten Früchten , voll zu sein” , oder so ähnlich müsste man wohl das in den Untergeschossen der obenhin spätsommerlichen Ruhe fiebrige Feilen , Fummeln , Basteln und Eilen der Kulturarbeiter bezeichnen : Im Gewirr von Dead- Linien für die Herbstausgaben von Zeitschriften , für Buch- Erscheinungstermine , für Programme und Präsentationen mag sich Mancher verstricken . Aber hélas : Den einen oder andern mild lächelnden Tag des Altweibersommers sollte wir für uns uns die Unsrigen noch herausschlagen , bevor die spätestens Mitte September anhebenden regulären Stunden- und Tagespläne der urbanen Literaturveranstaltungsprogramme wieder anheben .

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AUSGEZEICHNETES VON UND FÜR MONIKA RINCK

czz-neuesvonfreundenZum Genuss der Gunst der Stünde würde zunächst einmal zählen , sich mit und für MONIKA RINCK zu freuen - in|ad|ae|qu|at via SALON und “Literatur als Radiokunst” wohlvetraut - : Der Berliner Autorin wurde für ihren Lyrikband “zum fernbleiben der umarmung” ( Kookbooks 2007 ) eben der mit 13.000 Euro dotierte Ernst- Meister- Lyrikpreis der Stadt Hagen zuerkannt.

Man lasse sich durch solche Ziffern allerdings nicht blenden : Wie die bisher nur inoffiziell belegten Ergebnisse der noch unveröffentlichten Studie der vom zuständigen Bundesministerium in Auftrag gegebenen Studie “Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich” ( wir berichteten | Dokumentation ) belegen , verdienen 37 Prozent der österreichischen Künstler weniger als 839 Euro im Monat - d. h. , mehr als ein Drittel der Kulturschaffenden in Österreich bezieht ein Einkommen , welches unter der offiziellen Armutsgrenze liegt . Und das trotz des laut FAZ angeblich überreich durch Preise und Stipendien alimentierten Literaturbetriebs ( “Autorenförderung ? Hungert sie aus !” , 30. 4. 2008 ) …

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TRANSPIRATION STATT INSPIRATION : WETTBEWERB , REELL

Das Bild vom frei auf den Wellen von Alimentationen und Inspirationen schwebenden Dichten ist so falsch wie veraltet : Per Lesungen , Übersetzungen und Jurytätigkeiten wird das oft nötige Zubrot verdient . Wo dies nicht funktioniert , werden Autorinnen und Autoren ( auch diese Fälle sind uns wohlbekannt ) zu irgendwelchen Hartz IV- Arbeiten vergattert .

Als erfahrene Lesebühnen- Autorin wurde jedenfalls mit Monika Rinck eine respektable Jurorin für den 16. open mike- Wettbewerb der Literaturwerkstatt Berlin erkoren : Im Trio mit Thomas Glavinic und Feridun Zaimoglu wird sie am 15. / 16. November die Sieger aus den live lesenden Bewerbern küren : Auch hier verdient die Relation “Bewerbung - Auswahl - Kür” Beachtung : Aus den über 650 anonymisierten Einsendungen wählen sechs Lektoren bis zu 22 zur Lesung aus - 3 ( in Worten : drei ) Preise werden schliesslich vergeben .

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TIERBABYBINGO & BEGRIFFSSTUDIO

czz-neuesvonfreundenDa wir aus raum- zeitlichen Gründen die Berliner “Rotten Kinck Shows” von ANN COTTEN , SABINE SCHO und Monika Rinck leider nicht leiblich wahrnehmen können ( # 2 u. d. Titel “DIE EVOLUTION FRISST IHRE KINDER - wie bereitet sie sie zu ?” am 20. 8. im Lokal ) , sei auf die schriftliche Wiedergabe von # 1 ( “Tierbabybingo” ) in der Nummer 41 der Literaturzeitschrift “kolik” verwiesen : Exklusiv und sinnlich lediglich im Print - “viele kleine tiere frieren sich die augen rund” .

Wir kompensieren diese verpassten “bunten abende in der whisky-destille” ( # 2589 ) mit einem Extrakt der jüngsten Lieferung aus dem BEGRIFFSSTUDIO:

2555 trotzyoga
2556 das pony in der truhe
2557 simple thing for the devil
2558 nießbrauch
2559 der willenlos auf mich zu polternde resonanzraum
2563 große tiere mit kleinen stimmen
2564 stimmimitat
2565 raschwüchsig und frosthart
2566 der schlafkranke schwachkopf
2567 ein laubblattrauschender schrecken
2568 per pergulam ambulare
2569 das laub der geselligen linde
2573 strandwermut
2574 stân in einem înkaffenne - verharren in einem anstarren
2575 in eremo, der waldeinsamkeit
2576 le goût du néant
2577 lamettawuchs und kopfschneitelung
2578 ein gewaltiger zicklus
2579 das belutschistan-ohnehorn
2583 wächter der weltflucht
2584 weizenfeldgelb
2585 fälschungssichere falter
2586 antikatz-kalender
2587 schlacke im hauptraum
2588 zwischenschaftlich

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BERNHARD KATHAN : DAS INDISKRETE ORGAN

czz-neuesvonfreundenAnzukündigen und zu dringend ver- störenden Lektüre empfohlen sei das eben im Studien- Verlag erschienene Resultat der langjährigen Beschäftigung unseres SALON- Autors BERNHARD KATHAN mit dem Thema “Organtransplantation” : “Das indiskrete Organ . Organverpflanzungen in der Literatur” ist eine konsequente Fortschrift von Kathans bisherigen kulturhistorischen Untersuchungen zur Medizingeschichte , Körpertechnik , Ein- und Ausverleibung , Lebenswissenschaften und Mortifikationen . Der Denk- und Assoziationsraum wird dabei - wie stets - weit gesteckt und subjektiv inspirierend illuminiert .

Auch im HIDDEN MUSEUM , dem “zweifelhaftesten Museumsprojekt der Gegenwart” , gibt es Neuigkeiten zu betrachten : Zu den - in einigen Beispielen aus Hunderten auf in|ad|ae|qu|at publizierten - Kuhportraits ist nun eine diskursive Überlegung zum Thema “Kuhfotografie” zu lesen . Handfesten Kulinarikern sei dahingegen ein “mobiles Essmuseum” in Form eines konzentrierten Küchenschranks empfohlen . Klassischer titel : “Die Kredenz” .

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HANNO MILLESI SUCHT ALTENBERG

czz-neuesvonfreundenVon den einigermassen vergeblichen Unternehmungen , den Fin de siècle- Bohème- Poeten Peter Altenberg in der Wiener Echtwelt aufzusuchen , berichtet HANNO MILLESI in der Wochenendausgabe des “Standard” . Zur Verkürzung der Wartezeit bis zum Erscheinen des Prosabandes “Der Nachzügler” ( 29. 9. , Literaturverlag Luftschacht - wir werden berichten ) , sei diese “Grenzerfahrung” an den grauen Mauern der Wiener Wirklichkeit in einem kurzen Auszug zitiert :

Im Abbildungsteil eines Katalogs, der sich mit den Wohnverhältnissen berühmter Künstler meiner Stadt beschäftigt, stoße ich auf Fotografien jenes Hotelzimmers, in dem Peter Altenberg einen Großteil seiner bekannten Werke verfasst hat. Die Wände des Zimmers sind mit gerahmten Bildern übersät. Fotos, Grafiken, Zeitungsausschnitte. Ich sehe beispielsweise eine Reihe von Porträts junger Frauen. ( … ) Sein Zimmer trägt die Nummer 51 und befindet sich im Grabenhotel in der Dorotheergasse 3 im 1. Bezirk. Ich beschließe Peter Altenberg dort zu besuchen. Schließlich verfüge ich über alle notwendigen Informationen.

In der Dorotheergasse angekommen, bin ich erst einmal überrascht. Im Erdgeschoß des Grabenhotels, in dem Peter Altenberg residiert, befindet sich eine Trattoria namens Santo Stefano. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir das anders vorgestellt. ( … ) Nachdem ich mich vorgestellt habe, teile ich der Rezeptionistin mit, dass ich Peter Altenberg besuchen möchte. Mit einem verständnisvollen Lächeln bittet sie mich zu warten und tippt etwas in den Computer. Während ihre Pupillen den Bildschirm abtasten, verfinstert sich ihre Miene. Schließlich teilt sie mir mit, dass sich niemand dieses Namens unter ihren Gästen befindet. Mir ist klar, dass sie die Liste derjenigen durchgesehen hat, die vorgelassen werden dürfen. Ich weise sie darauf hin, dass es sich bei mir um einen Kollegen handelt, und sie nimmt an, dass ich ebenfalls in der Hotelbranche tätig bin. Ich antworte mit einem Seufzer und wiederhole, dass die ganze Stadt - was rede ich - die ganze Welt wisse, dass Peter Altenberg in diesem Hotel wohne. ( … ) Ich verheimliche nicht länger, dass ich sogar weiß, welches Zimmer Peter Altenberg bewohnt: Nr. 51 im 5. Stock.

Die dreiste junge Frau will mir weismachen, dass das Grabenhotel gar nicht über so viele Zimmer verfüge und der von mir gesuchte Herr - sie sagt tatsächlich der gesuchte Herr - daher unmöglich ein Zimmer 51 bewohnen könne. Offenbar folgt sie strikten Anweisungen. Ich bedanke mich höflich, als hätte ich meinen Irrtum eingesehen, und wende mich dem Stiegenaufgang zu, der zu den Zimmern führt. Mein Name mag auf keiner Liste aufscheinen, Peter Altenberg wird mich nichtsdestotrotz empfangen. Schließlich kenne ich intime Details seiner Lebenssituation und seiner Körperpflege.

Die Frau hat inzwischen ihr Rezeptionspult verlassen und stellt sich mir in den Weg. Einen Moment lang sieht es so aus, als müsste ich sie mit Gewalt beiseite räumen. Ehe mir das gelingt, kommt ein stattlich gekleideter Herr die Treppe herunter. ( … ) Zu meiner Überraschung wendet sich die Rezeptionistin mit meinem Anliegen an den unvermutet aufgetauchten Mann, als handle es sich bei ihm um einen von irgendwo oben herabgestiegenen Richter. Ich bin damit einverstanden, ihn als Unparteiischen zu akzeptieren, und erkläre, dass ich nichts weiter wolle, als Peter Altenberg auf Zimmer 51 zu besuchen. Der kompetent wirkende Mann sieht mich eindringlich an und bedeutet der ahnungslosen Angestellten, sich wieder an die Rezeption zu begeben. Er scheint begriffen zu haben, worum es mir geht, ich glaube sogar, dass er den Schriftsteller in mir erkennt. Verständnisvoll legt er einen Arm um meine Schulter und - man könnte fast sagen: geleitet mich behutsam zum Ausgang. ( … )

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UND ES DREHT SICH DOCH NOCH : LINKES WORT @ VOLKSSTIMMEFEST

czz-neuesvonfreundenMan wird dem traditionellen Volksstimmefest der KPÖ am letzten Augustwochenende im Wiener Prater und im Kontext des akuten Wahlkampfes eine gewisse Chuzpe nicht absprechen dürfen : Wenn’s nicht ( wie oft schon ) regnet , könnte die musikalische Stimmung zwischen dem unverwüstlichen Guitarrero Harri Stoijka und den Linzer Rappern “texta” recht nett werden . Dazu gibt es unter dem Titel “Linkes Wort” ( seit 1975 ! ) eine Reihe von Lesungen , welche diesjahr anhand der historischen Marker “1918 - 1938 - 1968″ aus dem “Bilanzbuch des 20. Jahrhunderts” erzählen . On stage u. a. : Werkkreis Literatur der Arbeitswelt , Gerhard Ruiss , Helmut Rizy und Rolf Schwendter . Detailprogramm und Hintergründe erschliesst die Seite “LINKES WORT” .

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KLANGAPPARAT

Langer Text , langer Abgesang : Heute mit Sascha Müllers ( MySpace ) Juni- Mix für Loopzilla , trefflich unter dem Titel “1 IST 2 UND 2 IST czz-hoerempfehlungSCHRAEG” rubriziert : Eine Stunde , acht Minuten , zwölf Sekunden lang aparte Mnipatterns á discretion : Besondere Beachtung verdient die so kurz wie herrlich schräg hereindrängende Querflöte bei Laufzeit 41:20 . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

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LIVING SCREEN : File under “FLY” ( Das Tier und wir )



||| OBSESSION , VEXATION & NERVENDUELL | KLANGAPPARAT

OBSESSION , VEXATION & NERVENDUELL

Wenn gewisse Fixierungen zum Obsessive tendieren , so muss sich dies nicht notwendig im Auge des Betrachters generieren .

Fly on Screen 01

Diese Fliege war am gestrigen Tage nicht minder auf meinen Screen fixiert , wie der Bildschirmarbeiter auf deren Vexierung .

Fly on Screen 03 Fly on Screen 04

Was für ein Mikro- Duell der respektiven Nerven : Bei der Wahl der Waffen hat sich in|ad|ae|qu|at - ganz gentlemanlike - mit dem Cursor beschieden bzw. auf den Wechsel des Bild- und Fliegensitzhintergrundes .

Fly on Screen 02

Doch nicht einmal die Google- Grafik vermochte die offenbar olympisch orientierte Musca domestica zu irritieren ….

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KLANGAPPARAT

Die allmähliche Verfertigung einer Sympathie nach anfänglichem Groll über den Störenfried auf dem Bildschirm findet eine reizvolle akustische Parallele im Verlauf des Aufbaus der “dubfiles” des / der Künstler , die unter dem namen “BRAUN figurieren : Vom Dumpfbass ausgehend immer czz-hoerempfehlungfeinere perkussive Linien agglutinierend , enden die Tracks dramaturgisch effektvoll just bei voller Aufblendung des differenzierten Motivs . Rückübersetzt in das Fliegen- Thema : Eben hat man sich für diesen sturen und zusätzlich “natürlichen” Cursor erwärmt , verschwindet dieser vom Zentrum des Bildschirms und somit aus der Aufmerksamkeit , um sich während geschlagener drei Stunden am linken oberen Rand des Rahmens einzunisten . So lange freilich währt die beim Netlabel dreiton erschienene EP leider nicht , wodurch wie in den Genuss geraten , uns den schön tönenden Zwanzigminüter im REPEAT- Modus zu Gemüte zu führen . Vielleicht klärt uns ja die nächste Fliege darüber auf , ob Frank Hellmond , dreiton- Mastermind und in|ad|ae|qu|at bereits präsentiert in der Formation “laplaceausoleil” , seine Finger auch hier im Spiel hat ? - 01. deepfield ( 05:57 ) | 02. finalizer ( 05:08 ) | 03. flexer ( 04:12 ) | 04. save the sea ( 06:05 ) - CLICK TRACKS TO LISTEN .

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Les Mots et les Choses | Inventar



||| HABSELIGKEITEN ? | BLACKOUT UND ERLEUCHTUNG | KLANGAPPARAT

HABSELIGKEITEN ?

Wie alle Theorie clean ist und blitzsauber , der Worte Klang allemal aparter als die Sachen : Mit diesem Phänomen ist konfrontiert , wer Wohnung wechselt , deutsch “umzieht” , schweizerisch “zügelt” oder österreichisch “übersiedelt” .

So wurde das Wort “Habseligkeiten” im Jahre 2004 aus insgesamt 23.000 Vorschlägen zum “schönsten deutschen Wort” gekürt . “Bewertet” , so der Pressetext , “wurden Klang , Inhalt und Begründung” :

Gefallen habe der Jury die ‘freundlich-mitleidige Konnotation’ . ( …. ) ‘Ausserdem ist es ein typisches deutsches Wort - zusammengesetzt aus zwei ganz gegensätzlichen Worten .’

“Wie selig , wie selig , ein Lexikograph zu sein” , möchte der freundlich- mitleidende Zeitgenosse rufen , der vor der konkreten Realität steht , eigenes Haben und Sein in neue Kubaturen überführen zu müssen .

Dem Spediteur ist nichts zu schwör und so formuliert er förmlich zu Beförderndes in Fasson von Listen lagernder Lasten .

inventar 01 ( click to XL )

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BLACKOUT UND ERLEUCHTUNG

Was Wunder , wenn der Mut kurzfristig sich verdunkelt ? - Erhellung und ( ganz Goethe- gemäss ) “Mehr Licht !” mag da der zweifellos versierte Verschleisser verheissen …

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KLANGAPPARAT

Sind innenarchitektonische ( vulgo “Deko”- ) Fragen gemeinhin eine Sache der angewandt stofflichen wie semantisch- symbolischen Auslegung , czz-hoerempfehlunghat das deutsche Netlabel “auflegware” bislang nie lange gefackelt , Tanzbares aufs Parkett zu praktizieren . Nun , da die zwanzigste Auslieferung ( sprich “release” ) im Orbit ist , hat der deutsche DJ Marcus E. Henry ( MySpace | Blog ) aus dem gesamten Materiale des “Straightforward Electronic Sound” ein knapp zweistündiges Mix komponiert . Und bei Sonic Walker an bester Adresse platziert . Wer nicht die ewig erscheinende Buffering- Phase abwarten mag , möge das dralle Datenpaket doch gleich auf die Festplatte laden - “This is Auflegware” : Belebender Soundtrack zur Arbeit am psycho- physischen Ameublement . Und wundern Sie sich nicht , wenn die Nachbarn antanzen … - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST , DOWNLOAD OR LISTEN .

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Audio : Viel !



||| ENTWARNUNG | HÖRBÜCHER : CHIFFRES D’AFFAIRES UND MISS- GEBRAUCHS- ANLETUNG IM ECHTLEBEN | ZU TOD , LEBEN UND DEM , WAS DAZWISCHEN LIEGT | FOOD FOR THOUGHT : KULINARIKER IM ‘TROCKENEN’ STUDIO | KLANGAPPARAT

ENTWARNUNG

icon listening blackWer kennt es nicht , das angstvolle Bangen , wenn dein Lieblingswirt dichtmacht oder auch nur der bevorzugte Servierkörper von einem Tag auf den andern verschwindet ? - Keinen wesentlich anderen Nerv treffen jene Ängste , welche ins Wissbare kriechen , wenn es sich einen Lieferanten überlebensnotwendiger Musikalien ( seien diese nun gerührt oder geschüttelt ) handelt . Was Tom Larson , Selbst- Entwerfender Free- Lancierer auf allerlei Kanälen - anbelangt , kann endlich ENTWARNUNG gegeben werden : Nach einigen kryyptischen Vor- Zeichen auf wohlinformierten Blogs und wiederholt vergeblichem Passieren der inzwischen offenbar an Meistbietende weitergegebenen Heimseite , taucht der gute Mann plötzlich wieder auf und setzt auf Mixotic seine “Klänge der Nacht” fort , als wäre nichts gewesen . Dies als Vorwegnahme des KLANGAPPARATS , was insoferne nicht der Wahrheit entspricht , als heute auschliesslich Audiophones auf dem Menueplan steht .

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HÖRBÜCHER : CHIFFRES D’AFFAIRES UND MISS- GEBRAUCHS- ANLETUNG IM ECHTLEBEN

icon listening whiteMögen sich die Marketingstrategen der Hörbuchverlage ob der ins Einstellige abstürzten Wachstumsraten der betreffenden Warengruppe auf dem deutschen Markt das verbliebene Resthaar raufen : Die Schweiz und Österreich gelten noch als Entwicklungsländer , war die Zuwächse und Po( e )tentiale betrifft . Mit allerlei Messen will man die Massen mobilisieren , eine Drückung der Mehrwertsteuer und 15 auf sieben Prozent wird als Silberstreif an den Absatzhorizont der ( imho ) meist überteuerten Silberlinge projiziert . Dass wir in|ad|ae|qu|at jederzeit für das Qualitätssegment des meist belächelten Mediums plädieren , dürfte mittlerweile durchgesickert sein . Fach- und Sachinteresse an jedweder akustischen Inszenierung von Stimme , Timing , Atmosphäre spielen da keine mindere Rolle als die Faszination an den Varietäten der von der Vox Humana in den akuten Lebensraum hinein gesprochenen Literatur .

Dass die Augen dabei frei schweifen und die Hände frei greifen können , erhöht nicht selten den Reiz : Siehe die Türe , deren Renovierung volle vier Durchläufe der Integrallesung von “Moby Dick gedauert hat - zu “Lebertran” assoziieren wir seitdem stets den beizenden Duft von Aceton , Thomas Glavinics verzichtbare Literaturbetriebssatire ( “Das bin doch ich . Roman” , Lesung Thomas Maurer [ ! ] ) hat das in vivo - Experiment an der verbliebenen Topfpflanze ebenso wenig überlebt wie diese : beide wurden gnädig der städtischen Müllentsorgung überantwortet .

Schade wars definitiv um Franz Kafkas “Verschollenen” ( vor Zeiten als “Amerika” tituhliert ) , dessen mit leicht ländlichen Anmutungen von Peter Simonischek angestimmte Audiofassung …. wenn schon keiner Boston Tea- Party , so doch einer über die aufgebreiteten Datenträger sich ergiessenden Earl Grey- Kippfigur zum feuchten Opfer fiel . Merke : Bei Gelegenheit das Fraunhofer Institut für angewandte Materialforschung anfragen , was da schädlicher gewesen war : Bergamotte, Hitze oder - schlicht die Milch .

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ZU TOD , LEBEN UND DEM , WAS DAZWISCHEN LIEGT

icon listening blackVon Leben und Tod , bezeihungsweise vom allmählichen Verfertigen von Verstehen und Vergessen ging die vorwöchige Audio- Text - Auswahl : Dank Hörbuch war auch die Angst davor genommen , den langjährigen Lese- Lebens- Gesellen - personifiziert von Philip Roths Nathan Zuckerman - mit “Exit Ghost” endgültig verlieren zu müssen . Man kennt das ja : Das schmerzliche “Winnetou III“- Syndrom … Aber der Autor ist einfach viel zu klug und sein Protagonist erotoman genug , nicht so leicht vom Leben zu lassen -

Während des vergangenen Jahrzehnts hat der heute 75- jährige Philip Roth sein literarisches Alter Ego Nathan Zuckerman allmählich aus der Rolle des Handelnden in die Position des Beobachters bugsiert : Seit der “amerikanischen Trilogie” figurierte der Selbandere zusehends als Chronist von Alter , Verfall und Tod seiner fiktiven Altersgenossen . Hatte “Jedermann” ( 2006 ) das Spiel vom Sterben des reichen Mannes erst einmal eröffnet , war die Bühne vorbereitet , von der nun auch Nathan in “Exit Ghost” abzurufen stand .

Verstrickt in platonischer Leidenschaft zu einer jungen New Yorker Amateur- Literatin , revoltiert der notorische Erotomane ein letztes Mal gegen die Knechtung durch den lumpigen Leib . Wie kräftig es um die literarische Potenz des Alternden steht , erweist der genial geführte Dialog , den er in den stillen Stunden ausdenkt , bevor er wieder in seine einsamen Berkshires flieht .

Da sich dieser finale Zuckerman- Roman aus zahlreichen Anspielungen auf frühere Werke speist , lohnt es , selbigen in den famosen Ausgaben des Hörverlags nachzulauschen . Unübertrefflich gestaltet Peter Fitz in “Jedermann” und “Exit Ghost” das ganze Spektrum von Lust , Wut und Resignation . Getragen vom Eros wacher Vitalität , kommt dieser Sprecher der literarischen Stimme des grossen Erzählers staunenswert nahe . So lassen sich akustisch jene Geister rufen , welche Roth ersann . ( more …)

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icon listening whiteVom allmählichen Herausgleiten aus der allgemein akkordierten ‘Realität’ des Lebens handelt Irene Disches tragikomische Etüde “Der Doktor braucht ein Heim” , vulgo , was einem auf den Wellen der im Kopf zusammenströmenden Flüsse von Erleben und Erinnern dahintreibenden alerten “Altersheimer” so widerfährt : Zweifellos eine anhand neuer Diagnose- und Krankheitsprofile aufdatierte Form des alten “Traum - und Wirklichkeits- Motivs -

Energisch verbittet er sich die Unterstellung , er sei mit seinen neunzig Jahren eventuell etwas “desorientiert” . Im Gegenteil scheint der “Doktor” sein bisheriges Leben als Biochemiker fortzusetzen . Sein innerer Monolog erzählt von “Konferenzen” an der Universität , wo er mit den Kollegen plaudert . Was kann er dafür , wenn sich eine impertinente Frauensperson bei seiner Ex- Gattin beschwert , der alte Herr störe den Betrieb der Notaufnahme ?!

In solchen Schocks manifestieren sich die Kollisionen der inneren Wirklichkeit des “Altersheimers” mit der äusseren Realität . Meisterlich assembliert die Erzählerin Irene Dische die Menschen und Stationen aus dem Leben ihres Helden zu Mischgestalten und fliessenden Topografien . In zwingender Logik legen sich im Kopfinnenraum des “Doktors” die Orte und Epochen wie durchscheinende Negativbilder übereinander : Die geliebte Frau wohnt auf der anderen Seite des Flusses , mag dieser nun der Hudson River sein, die Donau zu Wien oder der Seret im galizischen Drohobycz . Sonderbar nur , dass diese ( vor Jahren geschiedene ) Frau , deren Telefonnummer ihm als Rest von Alltagswissen geblieben ist , ihn partout nicht heimholen will . Statt “wagnerianischen” Apfelstrudel serviert sie dem Greis vielmehr die bittere Erinnerung , wie Mutter und Schwester im heimatlichen Drohobycz durch die Verbrechen der NS- “Banditen” zugrunde gegangen sind .

Die Tragödie des allmählich in seine innere Vorstellungswelt hineingleitenden Menschen : von Martin Wuttke als matt gegen ein unsichtbares Fenster flatternder Schmetterling gestaltet , von Irene Dische mit Zärtlichkeit , Situationskomik und Momenten des blitzartigen Aufleuchtens schlimmer Erinnerung erzählt . ( more …)

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icon listening blackDass wir nicht kapieren , was das sei , “der Tod” und was mit dem vor uns liegenden leblosen Wesen geschehen ist , bleibt so lange Plattitüde , als bis wir selbst vor dem Malheur stehen : Ulf Nilsson hat aus unserer Flucht in Geschäftigkeit und Pragmatik ein kaum vierzigminütiges Kinderhörspiel komponiert , das in Text wie Musik gewissermassen alle Register zieht : zuzumutem auch und vor allem Menschen , die das empfohlende Mindestalter der Zielgruppe weit überschritten haben -

Viel wird über den Tod geredet , doch oft wenig gesagt . Da kommt ausgerechnet ein Kinderhörspiel ( “Die besten Beerdigungen der Welt” ) daher , um in knappen 40 Minuten einen heiteren Katalog von Begegnungen mit dem Undenkbaren zu entfalten . Dabei handelt Ulf Nilssons Geschichte vom Treiben dreier Kinder an einem Sommertag zunächst von einer toten Hummel .

Flugs gründet die forsche Ester eine Firma und fortan wird sorgfältig in Zigarrenkistchen gebettet , was sich in Wald und Rain an sterblichen Überresten findet . Spitzmaus , Hamster , Heringe aus Mutters Kühlschrank : Alle erhalten sie eine formvollendete Bestattung .

Die Rollenverteilung der Kinder führt unversehens ein in mögliche Haltungen gegenüber dem Tod . Während Ester sich um das Pragmatische kümmert , ist deren kleiner Bruder für Trauer zuständig und für die “Warum ?”- Frage . Das namenlos bleibende Ich gibt den Verblichenen je ein kleines Poem mit auf den Weg . Und es sind just diese unreinen Reime , in denen der Autor undogmatisch die verschiedenen Vorstellungen über das Jenseits versteckt : Von “Kurzes Leben – Langer Tod” über “Schlafes Bruder” bis hin zur Hoffnung auf ein Wiedersehen eines «Himmels» ( nicht nur für Heringe ) . In sparsamer Munterkeit präsentiert die Sprecherin Fritzi Haberlandt dieses Inventar zwischen Nihilismus und Transzendenz .

Seine Vollendung erfährt dieses kleine – beileibe nicht nur für Kinder bereichernde – Meisterwerk durch eingängige Beispiele aus der musikalischen Rhetorik der Trauer : erdiger Blues , Streicher- Largo und als Finale der Vollklang der Orgel , vom Kirchenmusikdirektor zu St. Michaelis in Hamburg intoniert . ( more …)

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FOOD FOR THOUGHT : KULINARIKER IM ‘TROCKENEN’ STUDIO

icon listening whiteEine feine Menue- Folge hat der HR 2 Kultur für sein Sommerprogramm des intimen Radio- Gesprächs- Formats “Doppelkopf” ein- und angerichtet : “Am Tisch mit ….” bleibt auch nach der Ausstrahlung der aktuellen Sendung als Podcast zuhanden und im Form von MP3- Dateien speicherbar . - Da darf Vincent Klink natürlich ebenso wenig fehlen ( über gutes Brot und die verlorenen Tugenden des traditionellen Wirts ) wie die - zugegeben ! - erfreulich erfrischende Sarah Wiener . Auch wenn man deren TV- Appearance ebenso wenig kennt wie diejenige des Herrn der “Wielandshöhe” : selbst dessen arg “ver- Drosteten”Häuptling eigener Herd” muss man ebenso wenig mögen wie die säuerlichen “Nachgesalzen“- Kolumnen in der ZEIT ( das “Journal Culinaire” ist allerdings durchwegs zu empfehlen ) . Den bewunderten Stilisten Jürgen Dollase ( FAZ ) wird man indes von einer ganz neuen Seite kennen lernen : oder wusste jemand von dessen fliegendem Wechsel vom fastfood- genährten Rockmusiker zum Grossmeister trefflich verbalisierter Mundinnenforschung ?

Wie - dank Karl Ludwig Schweisfurth - aus der “Herta” [ ! ] - Massenwurstmaschine der , tja , achtsam- ökologische Betrieb der Herrmannsdorfer Landwerkstätten wurde oder was Margarethe Zülch , die hochbetagte Grande Dame aus einer 90 Jahre alten Frankfurter Kaffeerösterei und -Verschleissstelle ( “Cafe Wackers” ) zu erzählen weiss , wird nicht nur jene interessieren , denen Siebecks Ingwer längst ( um es schön österreichisch zu sagen) “bei den Ohren herauswächst” .

N. B. “Doppelkopf” funktioniert übrigens auch im allgemein als “unkulinarisch” verworfenen Mono … Zum Gucken beim Lauschen gibt’s “subkulinaria” : allerdings nur in Köln und @ shortlist - culture cuts .

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KLANGAPPARAT

Wie angekündigt also der unserer profanes Erdenleben in elegante Takte tauchende DJ Tom Larson : Nach längerem Sich- Rar- Machen liefert der czz-hoerempfehlunggute Mann wieder eine seiner gelassenen , doch subkutan gut durchpulsten Mischungen bei den Mixoticern ab . Da es sich um die “Klänge der Nacht” ( vol 5 ) - Schiene handelt ( welche Larson durchwegs in der Lesart von “Zimmerlautstärke” bedient ) , geht es mal wieder im besten Sinne um das im Kreis der Lampe einsam nachtwachende Individuum im Dialog mit sich , seiner Arbeit und was das sonst noch an Trabenten im solipsistischen Kosmos schwebt . Anregen , ohne aufzuregen , oder die Kunst der präzise gehandhabten basalen Stimulation : Wir stehen nicht an , diese Leistung als jene Injektion von “Qualität” ins Leben der Bohème des Prekariats zu erkennen und zu nennen , weil mensch ja von irgendwas leben muss . Selbst wenn dies sich mitunter auf die kalorischen Kicks der vom Dort ins Hier zirkulierenden musikalischen Vibrationen reduziert : Böse Menschen kennen , wie wir wissen , keine Lieder und vermögen diese auch nicht zu geniessen . Würden ergo auch nie zur Halbzeit des Larson’schen Achtzig- Minüters vordringen , wo sich die Beatz bestens in die augustäischen Ambiancen einschwingen . Glüclicherweise gestattet der Stream ( im Unterschied zum podcast ) keine Shortcuts . Folglich und -sam sei der Mix also schön von Alpha nach Omega zu hören . Und die Off- Stimme aus Funk und Fernsehen würde jetzt mit anzüglich belegter Stimme flüstern : “Es lohnt sich.” - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

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Dokumentation | Alte Schmiede : Wirtschaftspolitik und Kulturvernichtung - Trotzdem : Die “Alte Schmiede” lebt ( Gerald Grassl )



Alte Schmiede wohin ?

Fortsetzung unserer seit der ersten Meldung über den möglichen Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 ( Alte Schmiede ) vor zwei Monaten unternommenen DOKUMENTATION . - Artikellinks verschwinden , Berichte sinken ab ins kostenpflichtige Archiv : in|ad|ae|qu|at hält Meldungen , Meinungen , Äusserungen , Protestnoten und Politikerrepliken in chronologischer Folge fest .

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WIRTSCHAFTSPOLITIK UND KULTURVERNICHTUNG - TROTZDEM : DIE “ALTE SCHMIEDE” LEBT

( Gerald Grassl , Augustin Nr. 231 , Juli 2008 , S. 24f )

Die gute Nachricht: Entgegen anderer Medienberichte bleibt die Tätigkeit des Literarischen Quartiers “Alte Schmiede” in der Schönlaterngasse 9 zunächst aufrecht.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - VORGESCHICHTE

alte-schmiede-was-tunEs bleibt jedoch ein ganz normales Lehrstück in welcher Logik der Kapitalismus “funktioniert”, wenn Gemeindeeigentum privatisiert wird.
Im Barockhaus “Alte Schmiede” in der Schönlaterngasse 9 war noch bis in die 70er-Jahre die alte Schmiede in Betrieb. Als sich der Besitzer des Hauses zur Ruhe setzte, vermachte er das Gebäude der Gemeinde Wien. Unter einer Bedingung: Die Schmiedewerkstätte soll in Betrieb bleiben, und zwar als kleine Kunstschmiede und die anderen Räume sollen im Lauf der Zeit für Kulturinitiativen, Künstlerwerkstätten, Ateliers zur Verfügung gestellt werden.

Die Gemeinde Wien überließ das Haus dem damals noch gemeindeeigenen Jugend & Volk-Verlag in Verwaltung.
Der 1969 gegründete “Kunstverein Wien ” zog im Haus ein. Als “unabhängige Institution, die künstlerische Initiativen fördern will, die Künstlern bei der Verwirklichung von Projekten, bzw. bei der Schaffung der Voraussetzungen dafür helfen will” und der Kunstverein Wien “ist keiner bestimmten Kunstrichtung ( und ) keinem bestimmten Künstlerkreis ausschließlich verpflichtet.”

Die Literaturreihe des “Literarische Quartier begann am 9. Juni 1975 mit einer Lesung von Friedrich Heer, die Folgeveranstaltung bestritt Ilse Aichinger. In den weiteren inzwischen etwa 5.000 Veranstaltungen waren Nobelpreisträger wie Elias Canetti, Günther Grass, Elfriede Jelinek und Gao Xingjian ebenso zu Gast wie neue unbekannte Autoren, Literaturgruppen- und Zeitschriften. Fast parallel entwickelte die “Musikwerkstatt ” ein ähnlich dichtes Programm für neue Formen der zeitgenössischen Musik. Im “Musiklabor” wurden Klassiker der Moderne wie György Ligeti oder Roman Haubenstock-Ramati genauso präsentiert wie junge unbekannte Komponisten ( anlässlich des 30jährigen Bestehens der “Musikwerkstatt” wurde eine Doppel-CD mit Hörproben herausgegeben ).

Eine ungewöhnliche Idee war auch die Einrichtung der “Arthothek“, eine umfangreiche Sammlung von Grafiken österreichischer Gegenwartskünstler. Wie in einer Leibibliothek können sich Kunstfreundinnen gegen eine geringe Leihgebühr Werke aus dieser mehrere Tausend Blätter umfassende Kunstsammlung mit nach Hause nehmen. In den oberen Stockwerken wohnten Mieter, die noch ihre Mietverträge mit dem alten Schmied abgeschlossen hatten. Sollten diese Wohnungen einmal frei werden, gab es Zukunftspläne, sie als Wohnungen für Autoren frei zu halten, die aus ihren Heimatländern flüchten mussten, oder andere Gäste aus dem Ausland.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - DIE WIENER STÄDTISCHE VERSICHERUNG KAUFT ….

alte-schmiede-was-tunDer Verlag Jugend und Volk ging in Konkurs ( ein eigenes Kunststückl, ein Unternehmen, das hoch subventioniert und gefördert wurde, und außerdem sehr gut im Schulbuchgeschäft vertreten war, in die Pleite zu führen ? ). Das Haus wurde 1987 von der damals noch gemeindeeigenen “Wiener Städtischen Versicherung ” übernommen. Als Kaufpreis wurde eine Million Schilling kolportiert. Das nennt man ein wirklich gutes “Schnäppchen”! Auf Anfrage ob dieser Kaufpreis stimme, gab es von Seite der “Wiener Städtische” darauf keine Antwort.

Das Versicherungsunternehmen blieb in den folgenden Jahren dem Auftrag des Stifters treu: Die Räume wurden neu renoviert und adaptiert, im Hof ein zusätzlicher Veranstaltungsraum erbaut. In den Keller zog die “Zukunftswerkstatt” der SPÖ ein, was allerdings dem “Kunstverein” den ( unberechtigten ) Verdacht einbrachte, ebenfalls eine versteckte Vorfeldorganisation der Sozialdemokraten zu sein.

Und dann wurde die “Wiener Städtische Versicherung” privatisiert. Damit wurde alles anders. Aus der Sicherheit einer Versicherung als Eigentümer entstand - in diesem Zusammenhang muss der Werbespruch “Ihre Sorgen möchten wir haben !” wohl als Drohung verstanden werden ! - Unsicherheit, denn die neuen Eigentümer haben sich nach Gewinnzuwächsen zu richten aber nicht an kulturelle Aufträge. Außer sie taugen im Zuge einer “Umwegrentabilität” für Werbezwecke, doch damit erreicht man auf dem Gebiet der Literatur leider nur eine sogenannte “qualifizierte Minderheit”.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - …. UND VERKAUFT

alte-schmiede-was-tunDie Wohnungen in den oberen Geschossen wurden leer. Vor dem letzten Jahresende erhielt die “Zukunftswerkstatt” die Kündigung.

Somit war die Immobilie für die Eigentümer wertvoller geworden. Mit Einschränkungen: Zum einen die lästigen Mieter ( “Kunstverein” ) zu ebener Erd’, zum anderen mindern die Auflagen der Denkmalschutzbehörden den Wert eines Hauses. Fachleute schätzen den derzeitigen Verkehrswert des Hauses auf etwa 2 Millionen Euro ( eher weniger ). Die “Wiener Städtische” bot das Haus um 6 Million Euro zum Verkauf an, und verkaufte es im Juni dieses Jahres um 5,6 Million an den Baumeister Martin Vogl und den Kaufmann Stefan Schmerschneider ( “IMMOKRASS ” ) . Beide sind Eigentümer und / oder Geschäftsführer mehrerer Bau- bzw. Handelsunternehmen.

Wenn diese “tüchtigen” Geschäftsleute überteuert ein Objekt erstehen, dann sicher nicht aus Liebe zur Barockarchitektur oder als Literaturmäzene.
- Weshalb also ? - Darüber kann nur spekuliert werden. Die Situation erinnert an die Geschäfte rund um das von Autonomen betriebene “Ernst-Kirchweger-Haus” in Favoriten. Das Haus gehörte ursprünglich der KPÖ. Um aus der Finanzkrise der Partei zu kommen, boten die Kommunisten die Liegenschaft der Gemeinde Wien zum Kauf an. Die Gemeinde Wien hatte zunächst kein Interesse an einem Kauf. Das Haus wurde an eine Immobilienfirma um 600.000,- Euro verkauft. Wie sich später herausstellen sollte, gehörten die Leute dieser Firma früher zum Umfeld der verbotenen ANR ( “Aktion Neue Rechte ” ). Einige Zeit später verkaufte diese Immobilienfirma das EKH an die Gemeinde Wien. Um 2,1 Millionen Euro.
Somit “diente” die Wiener Anarcho-Szene ungewollt als “Verhandlungsmasse”, um rechtslastigen Geschäftemachern zu optimalen Gewinnen zu verhelfen.

  1. Aber die neuen Eigentümer der Schönlaterngasse gehören weder der rechten Szene an, noch sind sie “Feinde der Literatur”.
    Wie würde nun ein “normaler”, nur auf satte Gewinne trachtender Immobilienhändler wahrscheinlich vorgehen ? - Dr. [ Stefan ]Schmerschneider empfahl in einer Kolumne im “Wirtschaftsblatt” am Beispiel des steirischen Immobilienhandels, dass man, um Gewinne machen zu können, den langen Atem benötige - bis 15 Jahre.
    Ein normaler Spekulant würde nun einfach das Haus der Gewalt der Natur, also das Haus verfallen lassen, keine Reparaturen mehr durchführen usw. bis das Gebäude für die letzten Mieter unwohnlich geworden ist. Dagegen wäre auch das Bundesdenkmalamt machtlos.
  2. Als die an Gegenwartsliteratur interessierte Öffentlichkeit vom Verkauf des Hauses erfahren hatte, erfolgte spontan eine Unterschriftenaktion für die Erhaltung der “Alten Schmiede“, die innerhalb von wenigen Tagen mehr als 1.000 Persönlichkeiten unterzeichnet wurde. Nun könnte sich Kulturstadtrat Mailath-Pokorny als Freund der Literatur präsentieren und veranlassen, dass das Haus von der Gemeinde Wien zurückgekauft wird, um es endlich dem ursprünglichen Zweck zu widmen.

Selbstverständlich möchte dann der bisherige Eigentümer eine gewisse Unkostenentschädigung für seine Risikobereitschaft haben…
Fast zur gleichen Zeit verkaufte “Wiener Wohnen ” übrigens die Hausanlage Schottenring 28 um kolportierte 20 Millionen Euro an die “Wiener Städtischen Versicherung“. Auch die Frage, ob diese Summe stimmt, blieb von der PR-Stelle der Versicherung unbeantwortet.
In diesem Gebäude waren bisher außer Dutzenden Mietern, einem Kindergarten auch der “Österreichische Jugendherbergeverband ” oder die jüdische Hilfsorganisation “SOCIETY OF THE FRIENDS OF ELTERNHEIM AND PEOPLE IN NEED ” untergebracht.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - EINE FRAGE DER BUDGETS ?

alte-schmiede-was-tunEs stellt sich die Frage: Wäre es bei diesem Deal nicht möglich gewesen beim Verkauf dieses Objektes ein wenig runterzugehen und im Gegenzug Schönlaterngasse 9 zurück zu bekommen ?
Wie auch immer die Sache weitergehen mag, fragt sich: Aus welchen Budgetmitteln ?

Die Stadt Wien, die sich immerzu mit dem 1905 im bulgarischen Rustuk geborenen und 1938 aus Wien vertriebenen Literaturpreisträger Elias Canetti und der in Mürzzuschlag geborenen Literaturpreisträgerin Elfriede Jelinek brüstet, gab laut Kunstbericht im Jahr 2006 für Literatur 920.457,88 Euro aus, was 0,7% des Kulturbudgets entsprach. Während im Bereich Literatur stets eingespart wird, werden Subventionen im sogenannten “Event”-Bereich laufend ( die Tourismuswirtschaft als fordernde Lobby im Hintergrund ) erhöht: Für Musik, Theater, Großveranstaltungen 117,313.283,60 Euro oder 86,1 % des Kulturbudgets im Jahr 2006. Aber diese Missverhältnisse sind wenigstens öffentlich kontrollierbar.

Bei einem Privatunternehmen wie der “Wiener Städtischen” muss man sich mit netten Werbesprüchen zufriedengeben. Aus einem Mail :

Die ‘Wiener Städtische ‘ ist bereits seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Förderin von Kultur und Kunst. Dies ist integraler Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie und -kultur. Dabei stellen wir den Gedanken an den Nutzen für eine möglichst breite Allgemeinheit in den Mittelpunkt unserer kulturellen Aktivitäten.

Selten so gelacht.

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KLANGAPPARAT

Kunst , Kultur , Diskurs , Sprache , Klang und Film als niedrigschwellig ereichbare offene Quelle : Was die Open Source im Netz , leisten czz-hoerempfehlungInstitutionen wie “Musikwerkstatt ” und “Literarisches Quartierim ( Wiener ) “Echtleben” ( welches unter Netiziens auch als “Real Life” figuriert ) . Das mannigfaltig subventionierte Ubuweb hat hinsichtlich Musik- , Literatur- und Mediengeschichte ein mittlerweile stupendes Archiv etabliert , wo es auch Dinge zu hören gibt , welche man sonst eher von kommerziellen Datenträgerobjekten bezieht . So kennt man Laurie Andersons Titel “Born , never asked” grundsätzlich von der 1982 herausgekommenen Release “Big Science” . Bei Ubu gibt es diesen und andere ( eher frühere ) Tracks als Gratis MP3 - in diesem Fall als Teil des von John Giorno initiierten “Dial-A-Poem Poets“- Projekts ( LP “You’re the Guy I Want To Share My Money With” , 1981 ) . HÖREN SIE : “Born, never asked” ( MP3 ) in der Fassung von 1981 - und in einer Amateur- Video- Inszenierung @ YouTube , dessen bester visueller Teil wohl im Screentyping der Lyrics besteht . |||