12. 1. 2010: APA

Zehn Autoren erhielten Reisestipendien – Literarische Reportagen nach Joseph Roth

Wien (APA) – Seit einigen Jahren entwickeln und veranstalten elf große österreichische literarische Einrichtungen überregionale Projekte unter dem Titel “mitSprache”. Im Vorjahr wurden mit “mitSprache unterwegs: Literarische Reportagen nach Joseph Roth” erstmals Schreibaufträge an heimische Autoren vergeben.

Heute, Dienstag (12.1.), wurden die zehn Autoren, die seit Oktober 2009 an ihren Projekten arbeiten, vorgestellt. Die Präsentation der Texte erfolgt laufend im Internet, im Sommer in einer Anthologie sowie bei zahlreichen Lesungen in den beteiligten Veranstaltungshäusern im Herbst.

Unter den zehn von einer Jury ausgewählten Autoren findet sich auch die vergangene Woche verstorbene oberösterreichische Autorin Eugenie Kain, deren Projekt durch ihre schwere Krankheit nicht fertiggestellt werden konnte. “Ideeller Bezugspunkt” der literarischen Reportagen von Christoph W. Bauer, Clemens Berger, Anna Kim, Radek Knapp, Lydia Mischkulnig, Martin Pollack, Doron Rabinovici, Peter Rosei und Sabine Scholl ist laut Manfred Müller von der Österreichischen Gesellschaft für Literatur “Joseph Roth mit seinen Schreiborten und Themen wie Migration, Leben in Vorstädten, Minderheiten oder Industrialisierung”.

Zu den elf Veranstaltern, die zusätzlich zu dem vom Kulturministerium bereitgestellten Stipendien (6.000 Euro pro Autor) auch Lesehonorare zahlen, gehören unter anderen die Literaturhäuser Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg und Niederösterreich.

Projekt “mit Sprache unterwegs”

Die Projektbeschreibungen sowie erste Berichte finden sich bereits auf dem Internet-Blog www.mit-sprache.net , die von Christiane Zintzen und Karl Petermichl betreut wird. Die Themensetzungen sind ebenso vielfältig wie die Auswahl der Reiseziele: Clemens Berger begibt sich auf die Spuren der nach Chicago ausgewanderten Burgenländer, Anna Kim reist unter dem Motto “Kolonialismus und Identität” nach Grönland. Polen und Südafrika sind die Ziele von Lydia Mischkulnig, beleuchtet werden sollen die Herkunftsländer zweier Wienerinnen, die bereits in zweiter Generation in Österreich leben.

Eugenie Kain wollte das Leben einer in einem Linzer Altersheim gestorbenen Frau, die Opfer des NS-Erbgesundheitsgerichts geworden war, nachvollziehen und die Lebensstationen der Frau in Deutschland und Österreich nachzeichnen.

Auswahlkriterium für die Jury war “eine größtmögliche Varietät in inhaltlicher, formaler und regionaler Hinsicht”, Auslöser für das Projekt war der 70. Todestag von Joseph Roth im Vorjahr. Eine Fortführung der Reisestipendien im Rahmen von “mitSprache” in den nächsten Jahren ist derzeit nicht geplant.

Service: http://www.mit-sprache.net

|||