Exposé, gekürzte Fassung
Mitten in Hikkaduwa, einem Stranddorf südlich von Colombo, sah ich ein hebräisches Banner; ein Transparent, auf dem das Wort “Chabad“ in Iwrith zu lesen war. Zwischen Surfern in weiten Badehosen und Einheimischen in Sarongs oder Jeans standen da zwei Männer in Schwarz. Juden in orthodoxer Kluft. Weißes Hemd, dunkler Anzug, und Hut, alles viel zu heiß für diese Breiten. Die beiden Gestalten wollten eben in eine Autorikscha steigen, eines jener dreirädrigen Taxigefährte, die in Südostasien beliebt sind und Tuk Tuk, Three-Wheeler oder Bajaj genannt werden.
Nach Indien und nach Sri Lanka treibt es viele junge Israelis, sobald ihr Präsenzdienst abgeschlossen ist. Hier wollen sie vergessen, was sie im Militär erlebten und womit sie zu tun hatten. Sie suchen eine Gegend, in der sie jenseits von Israel und Zion neue Welten – auch innere – entdecken können. Auf Religionen stoßen sie dabei, die sie weniger an den Allmächtigen, als an das Nichts zu denken heißen. Mit ihrem Surfboard träumen sie davon, über alle Untiefen hinweg zu gleiten. Sie wollen den Konflikt des Nahen Osten vergessen und alle Ängste herunterschlucken.
Die verirrten Seelen zu retten und wieder einzusammeln, ist wiederum der Wunsch der Frommen der Chabad Lubawitscher Bewegung. Chabad ist eine chassidische Strömung, eine mystische Sekte innerhalb des orthodoxen Judentums, die auf die Wiederkunft des Messias wartet. Die Jünger eilen in ihren schwarzen Gewändern, mit Kippah und Kaftan durch die Tropen, um die jüdischen Jugendlichen wieder zurück zu holen. Sie bieten Gebet und Feste an für die Kinder Israels in der Ferne.
Ich will sie treffen, die Ausgemusterten, die ihren Präsenzdienst ableisteten, und die Missionare, die eine andere Grundausbildung hinter sich haben, um Streiter für das Judentum zu sein. Ich will ihnen zuhören. Ich will in diesem Winter nach Sri Lanka und nach Südindien fahren. Ich möchte dort auf israelische Reservisten stoßen, um sie zu fragen, was sie nach der Armee bewegt, weshalb es sie forttreibt aus dem Nahen Osten, und wonach sie fern der besetzten Gebiete und weitab der Kampfzone Ausschau halten. Ich werde mit den jungen Chassiden sprechen, um von ihnen zu erfahren, wie es ihnen in jener Gegend unweit des Äquators und so fern von Smolensk und von Czernowitz, von Brooklyn und der Bronx, von Safed und von Zion ergeht.

