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Salon Littéraire | Andreas Louis Seyerlein : Birdy



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Salon Littéraire | Andreas Louis Seyerlein :

Birdy

Stellen Sie sich eine digitale Maschine vor, die Tag und Nacht von einem Mann erzählt, der seit Jahren 375 Meilen vor Neufundland in 80 Metern Tiefe unter einem Schiff im Atlantik treibt. Dieser Mann, 37 Jahre alt, etwa 65 Kilogramm schwer, trägt einen Taucheranzug mit Helm und notiert Zeichen auf einer Tastatur ohne Bildschirm, die an seinem Habitat befestigt ist. - Aquanaut Noe. Wir laden Sie ein, Birdy und ihren Taucher zu besuchen, einen Raum gleichwohl, indem sich ein Text wie eine Flüssigkeit verhält. Um Birdy beobachten zu können, sollte ein Flashplayer auf Ihrem System installiert sein. Aktivieren Sie bitte die Tonwiedergabe Ihrer Computermaschine.

 

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Andreas Louis Seyerlein

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Salon Littéraire | Friederike Mayröcker : 1 Seite aus einer längeren Prosa , an der ich gerade arbeite



Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Friederike Mayröcker :

1 Seite aus einer längeren Prosa , an der ich gerade arbeite

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Medikament Packung auf dem Küchentisch, Schriftzüge auf bodenlosen Zettelchen, das Kind in mir, sagt Amoz Oz, ich bin in der Anstalt der Wärter fönt mir die nassen Haarspitzen, es ist 1 Zärtlichkeit, habe Geduld mit mir sagte Mutter in ihren letzten Tagen, die aufgebissenen Lippen die versunkenen Rosen : die welkenden Blumen des eigenen Lebens, schreibe ab aus den eigenen Büchern.

1 Schmutzlippe aufgeweichter HUND von Stürmen zerwühlt, er sagte “cool kitsch” während die Palmkätzchen in der Kaffeeschale, die Traumatisierung dauert an, so verwelkte der rosenrote Wieland, Jean Paul

Visagen des Waldbodens, Veilchentür am Saume des Gartens, wir gingen durch 1 waldige Gasse, ich krieche ins Ambulanzhäuschen, ich hatte dann die Wäsche vergessen in der der Waschmaschine ich hatte dann das Geschirr vergessen in der Spülmaschine aber der rechte Handballen klebte von Honig während ich 1 Zusammenbruch : 1 Zornesausbruch hatte, auch wegen des kalten Wetters (1.5.09) wünschte mir warme milchige Tage an welchen die Haare sanft wehen, und der VOGELKLANG

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alles ist Nichtigkeit, der Zeitungsverkäufer mit Alpenhut auf den Stufen zum Supermarkt, ich lebe in ununterbrochener (unsterblicher) Angst, finde das Spinoza Bändchen nicht mehr, das ich mir aus der Hauptbücherei geliehen hatte, und Elie mich verstörte (vertrösten wollte) indem er sagte “den Kaffee nehmen wir dann bei mir” aber es nicht dazu kam. Während des Schreibens ständig an meine Leserschaft denken, und würde ihr diese Formulierung zusagen - die Dahlien Botschaft im Fenster z.B., die Blumen in Verwesung begriffen das Flieder Stämmchen das alte Rom usw., meine verlorene Jugend, die Haare Gottes auf dem Bretterboden (nach 1 Gemälde von Andreas Grunert) immer hatte ich Angst vor den Mahlzeiten weil appetitlos, Jamila erzählte von Lalla, einer im Greisenalter verstorbenen -

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Friederike Mayröcker

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ZeitSchriften : Literatur & Gespenster # 8 | kolik # 44



||| KULTUR UND GESPENSTER # 8 | KOLIK # 44 | KLANGAPPARAT

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Es gibt sie noch , die guten Zeitschriften : Periodika , die jenseits der Flüchtigkeit von Netzkassibern , Blogs und Twitter Texte und Essays integral oder in Auszügen so vorstellen , auf dass man sich ein gediegenes Bild von der entsprechenden Text- oder Sachlage machen kann .

In sommerlich vazierenden Zeiten übrigens doppelt praktisch : Wer mag schon einen 700- Seite oder ( s ) eine Artemis- Dünndruck- Ausgabe auf die Liegewiese ( “summen Unsummen von Hummeln in der Luft run / Ich seh , wie sie über Liegewiesen fliegen oder über Gras rasen” , Bas Böttcher ) mitnehmen , wo das teure Buchobjekt ohnehin nur Wasser- und Sonnenölflecken , resp. : Insektenleichen , davontragen kann .

Im Folgenden ein kleiner Rundgang durch Angekündigtes ( in bester Erfahrung und Erwartung ) sowie Vorliegendes in kritischer Rundschau . A propos : Innovative , künstlerische und schräge Mags werden in laufender Aufdatierung ( & nicht immer jugendfrei ) auf “gute Seiten” vorgestellt .

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KULTUR UND GESPENSTER # 8

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“Gute Seiten” weist zweifelos die aus dem Hamburger Textem- Verlag entspriessende und bislang in mehreren Rahmengrössen erschienene Literatur- und Diskurszeitschrt “Kultur und Gespenster” auf : Im Erfeuliche Néglience der Sparten “Hoch-” und “Popkultur” darf der Leser ( m | f  ) zeit- genössisches Denken aus nächster Nähe betrachten , wobei das Theorielevel stets beachtlich ausfällt .

Dazu feine Fotostrecken ausgewählter Künstler ( m | f ) und ein gehöriger Schuss Meta- Meta- Ironie . Was sich an der Themengebung der heute , 18. 6. per Release- Party ( HH ) lese- und lebensfreudig präsentierten Ausgabe # 8 in höchstmöglicher Ambivalenz manifestiert : HOCHSTAPLER .

Editorial :

Dies ist die erste von zwei Ausgaben zum Thema Hochstapler, eingefangen vom zweiseitigen Handspiegel, mit dem das Umschlagmotiv aufmacht: Elvis oder Beuys ? Aber nicht nur Heiratsschwindler oder Kasinokapitalisten sind Thema des Hefts Hochstapler I/II.

Hauptsächlich geht es um all die Gespenster, die am Rand der Medien die Kontrolle über ihre Identität riskieren, ob nun vorsätzlich oder unfreiwillig, als Kriminelle oder Doppelgänger, durch offizielles Photo-Shop-Lifting oder als virtuelle Investition. Der Inhalt des Hefts Hochstapler II/II ist bereits hier im Inhaltsverzeichnis mit aufgeführt.

Folgt nun die appetitanregende Listung einiger der in|ad|ae|qu|at bemerkenswertesten Hochstapeleien

K G I

K & G # 8 ( Auszug ) :

  • Enno Stahl : Die Welt will betrogen sein, gewiss. Sie wird sogar ernstlich böse, wenn du es nicht tust. - Walter Serner – Presse-Blague, Hochstapelei und der Nihilismus des l’ennui

… Anders als Arp, Huelsenbeck oder Schwitters montiert Serner keine vorgefertigten sprachlichen Versatzstücke, dennoch gelingt es ihm gewissermaßen, mehrere Bewusstseinsschichten miteinander zu verschalten, insbesondere durch das Prinzip der Parataxe: Klammerbemerkungen und Kommentare, wie wir sie – viel später – bei Arno Schmidt kennenlernten. Serners Schreibweise wirkt dadurch überaus komprimiert, die zahlreichen kurzen Klammereinwürfe (”die letzten (bum !) – Fragen”, “diese fürchterliche Öde um einen (man halte mich !) – großen Gedanken” bewirken eine ironisch-denunziatorische Gegensteuerung des Gesagten. Der Leser realisiert beide Schichten gleichzeitig: einmal die Vorstellung, welche “die letzten Fragen” notwendig hervorrufen, und zugleich ihre Negation durch die minimale Interjektion, welche ihnen vorgeschaltet ist. ( … )

… GPT versteht sich im kunsthistorischen Kontext einer Technik, für die sich seit den 80er Jahren allmählich der Begriff Fake durchgesetzt hat. Fälschung. Fälschung freilich nicht im Sinne harter ökonomischer Betrugsdelikte innerhalb des Kunstmarkts
(etwa das Anfertigen gefälschter Werke). Das wäre vermutlich zu viel der (viel zu handgreiflichen) Kritik und zu wenig der Rückversicherung durch die Tradition von Kunst als unbedrohliche, in den ihr zur Verfügung gestellten symbolischen Raum sich bescheidende, frühbürgerliche Gattinnenfigur der Ökonomie.
Die Kunst hat sich nie bewaffnet, und wie könnte sie auch: Sie hat ja gar keine Hände. Nur Wände. ( … )

Fake als künstlerische Strategie bedeutet (being a bourgeoise artist means: You won’t go to jail [you go to history instead …]) kein wirkliches, betrügerisches Fälschen, sondern ein symbolisches Handeln in symbolischen Räumen. Ein Symbolhandeln, mehr ist nicht drin. Geweint wurde ja jetzt bereits genug hierüber.

Und die Überwindung-in-die-Lebenspraxis-Pubertät der Kunst ist zum Glück unwiederbringlich vorbei. Mag sie auch wild und schön gewesen sein, wie das jede Pubertät eben manchmal und unter Umständen zu sein vorgibt. ( … )

GEORG PAUL THOMANN ist ein von der Wien-Graz-Bamberger Gruppe monochrom erfundener österreichischer Großkünstler, dessen Weg durch das späte 20. Jahrhundert markante Punkte und Positionen der Gegenkulturgeschichte sowie der künstlerischen Avantgarde miteinander verbindet.

2000 nahm Thomann an der ARS electronica in Linz teil, 2002 als österreichischer Beitrag an der Biennale São Paulo bzw. wurde er von monochrom vorgeschoben, da die Gruppe den unappetitlichen, aber lukrativen nationalen Repräsentationsjob nicht selbst erledigen wollte.

Zentraler Bestandteil der Werkeinheit “Georg Paul Thomann” ist die fast hundertseitige Biografie, die sich auch als Entwurf einer Gegenkulturkunstgeschichte lesen lässt.

Sie ist nachzulesen im THOMANN-READER - Thomas Edlinger | Johannes Grenzfurthner | Fritz Ostermayer ( Hg. ) : Wer erschoss Immanenz ? Betrachtungen zur Dynamik und Intervention bei Georg Paul Thomann, edition selene 2002. ( Nur noch wenige Exemplare vorhanden, zu bestellen bei frank.apunkt.schneider@gmx.net oder unter www.monochrom.at/thomann. )

… Jeff Koons ist nicht der Erfinder der Gleichung, das Publikum sei ein Readymade. Der Gedanke, den Adressaten als eine fixe und berechen - bare Größe aufzufassen, an dem ein Aktant, z. B. ein Redner, seine Gabe orientiert, ist alt und geht auf die klassische Rhetorik zurück. Die Manipulationsbereitschaft und -fähigkeit der Sophisten ist bekannt.

Je nach Gegenüber gibt es einen anderen Text, der prinzipiell austauschbar ist. Das ist auch notwenig, denn Sophisten und Konsorten haben ein Zeitproblem insofern, als ihre Technik, ihre Tricks früher oder später bekannt sein werden. Der Manipulierende muss also schnell reagieren und das eine Readymade gegen ein anderes austauschen können. Im schlimmsten Fall, im Moment der drohenden oder un aufhaltsamen Entlarvung, heißt es: fliehen. Die Rache des Readymades ist dem Manipulierenden sicher. Im Augenblick der Enttarnung löst sich das Readymade auf und verfolgt als wieder eigenverantwortliches System eigene Interessen, die zunächst direkt mit der Bestrafung zu tun haben.

Mit diesen Überlegungen ist noch nichts über die Bereitschaft der Leute gesagt, sich um den Finger wickeln zu lassen. Die Welt will
getäuscht werden, so hieß es einmal – Besserung scheint unterdessen nicht eingetreten zu sein. Das eminent Fiktive in unser aller Köpfen ist unbestritten. Ob mit oder ohne Täuschung, wir sind alle Meisterschüler der abstrakten Maler, die es bekanntlich schon immer gegeben hat.

Abstrakt im Sinne von abstrahieren, von reduzieren, verknappen, vielleicht auch verdichten, auf jeden Fall ist am Ende nur noch ganz wenig da vom ganzen Reichtum des Realen. Man kommt trotzdem gut klar, weil es den anderen genauso geht. Verglichen wird erst mal und für viele überhaupt mit den Fiktionen der anderen. Hier kommt einiges ins Spiel: Kritik, Neid, Bewunderung, Anerkennung, all das, was, vor allem in den positiven Ausformungen wie Bewunderung, die Initiative dem Bewunderten überlässt, der allerdings dadurch noch nicht zum Hochstapler wird. Hierzu gehört mehr, z. B. die von anderen bewunderte Fiktion in einen blendenden Rahmen zu stellen, der somit den Geblendeten verführt und sistiert, also ruhigstellt. Nach der Produktion der Fiktion des Manipulators ist das die (Selbst-)Produktion des Publikums: als Readymade.

Wolfgang Bauers Theaterstück “Change” aus dem Jahr 1969 ist nur bedingt ein Werk zum Thema Hochstapelei. Weder wird bereits im Titel auf das Thema aufmerksam gemacht wie bei Thomas Manns einschlägigem Roman oder Jean Cocteaus “Thomas l’imposteur“, noch lässt Bauer die Manipulationskünste seines Helden Fery am Zuschauer vorbeiziehen.

Dieser erfährt bloß von einem Plan, der Idee Ferys, jemand anderen als Maler zu pushen, diesen von den Kunstmarkt-Streicheleien abhängig zu machen und ihm dann wieder alles zu nehmen, sodass ihm, dem Maler, nichts anderes bliebe als der Selbstmord.

Das Projekt eines hochgestapelten Künstlers, der am Ende wie Ikarus aus dem Himmel stürzte und zerschellte, hat Wolfgang Bauer von den bösen Buben der Wiener Gruppe als objet trouvé übernommen. Oswald Wiener, Konrad Bayer und die anderen der Wiener Gruppe setzten das Projekt niemals durch (bzw. es ging nicht über die ersten Schritte hinaus), vielleicht weil sie einfach sahen, dass sich ein menschliches objet trouvée manipulée (sic !) nicht so glatt algorithmisch einem kybernetischen Prozess aussetzen lässt. Diese Steuermannskunst hätte etwas Nachtwandlerisches und wäre gerade dadurch schon keine Kunst mehr. (Auf das Zusammentreffen von Manipulation und Somnambulismus kommt Bauer in seinem Stück “Gespenster” (1974) zurück, ein Stück, das ähnlich wie “Change” von einem Projekt spricht, das gar nicht Gegenstand des Stücks selbst ist: Substitutionsdramatik.)

Die Wiener Gruppe wird in “Change” namentlich nicht erwähnt, ebenso wenig wie der Künstler-Manager als Experimentator (Konrad Bayer managt Robert Klemmer). Das nur in Ansätzen ausgeführte Projekt der Wiener Gruppe lässt sich als Konzeptkunst avant la lettre begreifen, auch insofern, als das durchgeführte Projekt sich eben als dieses Projekt als ausstellungsresistent erwiesen hätte (oder dann ex post als Dokumentation in Form von Fotos, Videos und Tonbändern eingerichtet worden wäre). ( … )

Wolfgang Bauer schließt damit nahtlos an einige zentrale Thesen des 1965 gemeinsam mit seinem Freund Gunter Falk verfassten 1. Manifest der HAPPY ART & ATTITUDE ( HAA ) an. Lange vor Jeff Koons wird darin wunderbar affirmativ “die Kunst der Lebensfreude und der Liebenswürdigkeit” (These 2.1.1) gesetzt. Die vielleicht wichtigste These (2.2.6) lautet:

“Die Haltung gegenüber dem Tod ist die der Endhandlung (”consummatory act”, Endhandlung eines Instinktverhaltens, lustbetont, z. B. Orgasmus). (HAA löst also das Problem des Todes, seine vermeintliche Unlustbetontheit, so wie sie alle Lebensprobleme löst.

Damit ist auch die zentrale Unterdrückung “spielerisch abgefangen”.
Und wer es immer noch nicht gemerkt hat: Die These 2 hält Wolfgang Bauers (sanften) Holzhammer parat: “HAPPY ART & ATTITUDE ist vermutlich die bedeutsamste Bewegung seit dem Christentum.”

  • Armin Chodzinski : Wir sind die, wir sind die, wir sind die Modernisten. Clean Living under Difficult Circumstances – that’s what it means to be a mod
  • Daniel Künzler : Coupé Décalé. Ostentativer Konsum im Dunstkreis von Betrug und Bürgerkrieg

VorschauK & G # 9 ( Auszug ) :

K G II

  • Alexander Adolph : Hochstapler – Der fast unmögliche Film
  • Sebastian Burdach : “Bist du der Staat ?” – Herbert Achternbuschs Film “Bierkampf
  • Helmut Höge : Look Alikes
  • Thorsten Pannen : Anmerkungen aus dem Zettelkasten eines angestellten Hochstaplers nebst umfassender Theorie zum Verschwinden der Hochstapelei im entwickelten Digitalismus
  • Alexander Schimmelbusch : Zeiten des Abschwungs. Richard Yates – der ideale Autor für entlassene Investmentbanker von heute ( czz : in der Tat , über den erst 2002 ins Deutsche übertragenen und sinnloserweise verfilmten Roman “Revolutionary Road” ( 1961 ) | “Zeiten des Aufruhrs” lassen wir in|ad|ae|qu|at akum eine schärfere Diagnostik der Hochstapelei des American Dream Kommen … )
  • Sonja Veelen : Schröder erzählt - Die Doktormacher Barbara Kalender und Jörg Schröder. Techniken zur Herstellung gefälschter Identität. Eine soziologische Analyse der Hochstapelei – in Auszügen

Kultur und Gespenster @ Textem- Verlag , Hamburg

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KOLIK # 44

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Gegenwarts- und textproduktionsnahen Zeitschriften wie das Wiener Leseheft “kolik” sind beileibe keine Hochglanzschriften , welche etwa vorgeben würden , das jeweils “Beste” , Geglückteste” in nobler Aufmachung zu präsentieren . Demgemäss macht die “kolik” auf grafisch sehr absichtlich “wenig her” , hält man mit dem jeweils etwa 150- Seite nichts mehr - aber auch nichts weniger - als einen praktikablen Reader zur meist noch in statu nascendi befindlichen Gegenwartsliteratur in Händen .

Hinzu kommen Buchrezensionen , in welchen es auch mal recht unverblümt zugehen darf ( siehe Karin Fleischanderls Kommentare zu des Kehlmannens “Ruhm” ) , wobei die im Fötong ignorierten Klein- und Autorenverlage besondere - vielleicht eher nachsichtige - Berücksichtigung finden . Die Essayistik hat sich - dem streitbaren Herausgeber Gustav Ernst gemäss - zum Forum der Polemik entwickelt : In Glücksfall zeitigen diese wiederum sukzessive Gegen- und Widerpolemiken zur Kulturpolitik , respektive literarischen Marktmechanismen .

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Nummer 44 scheint uns in|ad|ae|qu|at eine besonders geglückte Ausgabe darzustellen : Von einem luziden Nachruf auf den am 1. April 2009 verstorbenen Gert Jonke , Thomas Rothschilds unter der Sigle “Joseph Roth” versteckte Abrechnung mit der Sozialdemokratie , letzte Gedichte Elfriede Gerstls , Antonio Fians Capriccio “Die Weltverbesserer” bis hin zu Theresia Prammers Laudatio auf Monika Rinck anlässlich der Ernst- Meister- Preisvrerleihung .

Aus den erst- und letztgenannten Texten wollen wir in|ad|ae|qu|at einige Passagen zitieren , wohl wissend , dass wir damit den Textvorstellungen jüngerer Autoren ( m | f ) ( i. e. Gedichten von Michael Hammerschmid - dem neuen Reinhad- Priessnitz- Preisträger , wir gratulieren ! ) sowie Gerhard Rühms Beiträgen nicht würdig Genüge tun .

Es ist schon mehrmals festgestellt worden, dass Jonkes Wurzeln in der Romantik liegen. Allerdings galt seine Vorliebe weniger dem Solipsismus der Romantiker, den er als unverantwortlich ablehnte, als den Synästhesien, dem sinnlich Aufgeladenen. Ein Zitat aus der Chorphantasie, die nach Beethovens genresprengendem Opus 80 benannt ist, lautet: “Alles ist Poesie, alles ist Musik, man muss nur zuhören können, hinlauschen. Das Unhörbare ist das Unerhörte, und der Dirigent ohne Orchester erscheint als der tollkühne Mystiker, der materielos, weil ohne orchestrale Klangverschmutzung, das ideale innere Hören erschaffen will.”

Das ist Keats’ auf die Spitze getriebene Liebe zu den “ungehörten Melodien”. In Geblendeter Augenblick sagt Anton Webern während der Proben zur Premiere von Alban Bergs Violinkonzert 1936 zu den Orchestermusikern: “Nicht nur in diesem Werk, dem Violinkonzert von Herrn Berg, aber hier besonders und ansonsten brauchen wir dieses Werk gar nicht erst zu spielen, muss der Klang auf alle Fälle da sein, ehe Sie ihn noch spielen.”

Total disziplinierte Inszenierung total ungezügelter Phantasie, vollständige Verwirklichung im Reich abstrakter Ideen, Übertrgung des rein Gedanklichen auf da vibrierend Körperliche, Absolutes, das durch Ephemera zum Ausdruck gebracht wird - kein Wunder, denn Jonke kam ja über die Musik zur Literatur, worauf er die Grenzen der beiden Künste radikaler auflöste als die meisten anderen, In seinem Essay Individuum und Metamorphose mit dem Untertitel Wie es zu einer Besiedelung der Sprache und der Wohnung in Erzählzimmern kam beschreibt er, wie die komplexe Musik seiner Wortmelodien von den Erfahrungen des Klavierunterrichts und der Musiktheorie beeinflusst wurde.

Das Feuerwerk, das in Der Kopf des Georg Friedrich Händel den Himmel erleuchtet, steht auch für Jonke brillante Sprachfeuerwerke, genauso wie die mächtige Kathedrale, die Händel später mit Musik füllt ( … ), ein Bild für die kolloquiale Improvisation des Komponisten ist. Jonkes Sprache ist eine Kaskade extravaganter Barockeffekte, die mehr mit den sich auftürmenden Klangmauern eines gewaltigen Orgelwerks von Bach oder Messiaen zu tun hat, denn mit einer einstimmigen literarischen Struktur.

Armin Thuswaldner stellt fest, dass Jonke seine Texte nicht schrieb, sondern komponierte. “Sie arbeiten nach musikalischen Prinzipien, orientiern sich an Klang und Rhythmus ….”. Wer sonst hätte ein Jörger Straßenpräludium oder eine Gürtelfuge schreiben können, wer sonst hätte einen unbedeutenden Unfall zum Thema einer vielschichtigen musikalischen Struktur machen können ? Wer sonst wäre imstande gewesen, Beethovens, Weberns oder Händels Schaffenskrisen auf die Ebene der Allgemeingültigkeit zu heben ? ( …. )

“Sprache durchrauscht ihn wie ein Strom”, sagt Adorno über Rudolf Borchardt. Auch auf Monika Rinck gemünzt wäre diese Behauptung nicht verkehrt. Doch nicht überall läßt sich das Rauschen ihrer Sprache gleich laut vernehmen. Einer seiner privilegierten Schauplätze war das Internet- Forum der 13, an dem Monika Rinck jahrelang (und es waren, kann man rückblickend sagen, wohl die besten Jahre des Forums) mitgewirkt hat: ein vernetzungsstrategisches Spiel war da im Gange, ein Gestrick von Ansteckungen, Manifestsätzen, Interferenzen, ineinander verzahnten Kommentaren, lose verknüpften Erkenntnispartikeln, das von den sogenannten neuen Medien sich das Faszinierendster herüberholte und im kontinuierlichen poetologischen Austausch zu beseelen verstand, kurz: ein Ort für Schreibweisen war geschaffen. ( … )

Mondsüchtig, schlaflos sind diese Texte, zugleich Dokumente eines unausgesetzten “Wachseins in Sprache” ( Oswald Egger ), eingedenk dessen, was sich, aus der Müdigkeit, aus der Erschöpfung, aus der Übernächtigkeit aufs “Papier” retten läßt als fortlaufendes, fortwährendes Postskriptum “wenn es draussen hell / und innen redlich wird”. Manchmal sind die Stücke akribisch ausformuliert, manchmal nur flüchtig hingeworfen, so wie man kleider abends vor dem Schlafengehen, Aufgreifen, Einfreifen, zwischenspeichern, kommentieren, protestieren; nicht haushalten mit dem Sagen und Sein, nichts zurückhalten, kaum etwas aufsparen: Mehr als ein Jahrzehnt hat Monika Rinck so verschwenderisch, so reaktionsschnell, so großzügig gearbeitet und dabei einen Grad des Sichaussetzens erreicht, der Fürs- Netz- Schreiben einem “Schreiben ohne Netz” annähert. ( …)

Sag, was reden die Leute ? - Thomas Bernhard war besessen von dieser Frage. Bei der Lektüre von Monika Ricks Texten kommt sie mir manchmal in den Sinn. Freilich: Kolloquialausdrücke, traditionell dichtungsfremde diskursive Formate haben bereits eine lange Geschichte. Doch diese Autorin hat ein so entspanntes und dabei so kluges, geschickt manipulatives, wenn nicht gar innig- innovatives Verhältnis zum Tras und Motiven aus der Populärkultur, daß derlei Motive nicht bloß punktuell und zeitgemäße Einsprengsel oder als dekoratives lyrische Pendant der Rollenprosa ihr Dasein fristen, sondern mitunter tatsächlich neue rhetorische Formen erahnbar werden.

Da sind Redensarten und Jargons, smalltalk, akademischer Kongreßklatsch, diskursive Posen aller Art, da ist die Doppelbödigkeit, die das Klischee auf mitunter unerhörte Weise zum Konzept konvertiert: doch nicht mit dem vorhersehbaren Konzept der Entlarvung ( … ). Im Gegenteil: Monika Rinck greift die Seifenoper da auf, wo sie sich fatalerweise (noch) ernst nimmt und projiziert umgekehrt, über feine Verschleifungen und ironische Pointen, ihre gängigen (und allzu eingängigen) Schemata in den poetologischen Elitediskurs. ( …) Die Idiomatik fungiert dabei gleichsam als Falle, die zuschnappt, als Kissen, das weggezogen wird, wenn es doch einmal zu gemütlich wird. Monika rinck besitzt, scheint mir ( … ) die Gabe des “plumpen Denkens”, wie walter Benjamin sie an Brecht rückhaltslos bewunderte: Plumpe Gedanken seien es, die den Haushalt des dialektischen Denkens erst richtig in Gang bringen und paradox beweglich machen.; frei, nonchalant, an Sprichwörtern geschult. ( … )

kolik 44 ( home ) - Hg. Gustav Ernst , Karin Fleischanderl ( bestellen )

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KLANGAPPARAT

Wenn jetzt recht viel von musikalischen ( Pop- ) Kulturen die Rede war , soll jetzt mit einem 45 Minuten langen Stück spaciger IDM der bodennahe Alltag verlassen werden . czz-hoerempfehlung

Raumsounds und Flächen müssen - wie der Spanier DDO mit ihrer “GL 5.3 Breathe Live 03” bestens belegen - nicht notwendig in diffusem Ambient verschweben , sondern mögen sich durchaus gekonnt der guten alten ( wenn auch digitalen ) Rythm Group bedienen .

Fast zu schön , um es einfach so strömen zu lassen : Das Netlabel Breathe machts möglich .

CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) .

NEUES VON FREUNDEN plus



||| DISCLAIMER | WIEN | AUSSTELLUNG | TWILIGHT ZONE | WIEN | AUSSTELLUNG | JOHANNES VOGL + ANN COTTEN | WIEN | KOLIK- MATINEE : KAFKA- KÄFER’S ABSCHIED | KLANGAPPARAT

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Krüger | Pardeller : “Twilight Zone ” - Ausstelungsplakat

DISCLAIMER

czz-neuesvonfreundenEs ist ja nicht so , das wir in|ad|ae|qu|at mit unserer Rubrik “NVF” etwa enzyklopädische Bestrebungen verfolgten : Alle möglichen und unmöglichen Terminelassen sich ja in beliebigen Stadtzeitungen | Internetportalen nahsehen .

Offenbar aber lässt sich unser Begehr , die bestehenden und sich stetig erweiternden Netzwerke zu dokumentieren , längt nicht mehr in einem Gebinde fassen . Deshlb servieren wir ab und an mit einer “plus”- Ausgabe den fälligen “Nachschlag” ( womit , Sichwort “spät eintreffende Meldungen” und “Übersehenes” keinerlei Wertigkeiten zwischen Grundversion und “plus” impliziert sind ) .

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WIEN | AUSSTELLUNG | TWILIGHT ZONE

czz-neuesvonfreundenBewusst zwischen “bildender Kunst” und “Design” angesiedelt , wirmdet sich die von Krüger | Pardeller ( alias Doris Krüger und Walter Pardeller ) sowie Wunderwuzzi Edek Bartz kuratierte Ausstellung “Twilight Zone” jenen künstlerischen Positionen und Strategien , welche Fragen nach Benutzbarkeit , Zuordnung und Funktion in den Blickpunkt rücken .

Das Spannungsverhältnis zwischen autonomer Skulptur und Serviceleistung, das Spiel zwischen Funktionalität und Autonomie sind seit der Minimal Art einer laufenden Transformation unterworfen. KünstlerInnen suchen Bezüge zur visuellen Kultur, zum Design. Spiegelverkehrt zu Duchamps Readymade wird Kunst zunehmend zum Gebrauchsgegenstand erklärt.

Beteiligte Künstler , Kümsterlinnen und Künstlerkollektive :

Gilbert Bretterbauer , Matali Crasset , Hermann Czech , EOOS , ____fabrics interseason , Werner Feiersinger , Heinz Frank , Konstantin Grcic , Donald Judd , Luisa Kasalicky , Hans Kupelwieser , Lazar Lyutakov , Miriam Laussegger , Manuela Mark , Claudia Märzendorfer , Bjarne Melgaard , Philipp Messner , David Moises , Flora Neuwirth , Oswald Oberhuber , Dennis Oppenheim , Walter Pichler , POLKA , PRINZGAU / podgorschek , Joe Scanlan , Zbynìk Sekal , Barbara Visser , Lawrence Weiner , Heimo Zobernig

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WIEN | AUSSTELLUNG | JOHANNES VOGL + ANN COTTEN

Wenn der auf Kunst im öffentluchen Raum spezialisierte Szenen- Arrangeur Johannes Vogl am Donnerstag sie Ausstelung in der Galerie Brigitte Janda eröffnet , wird man nicht annehmen , dass es sich bei Ann Cotten um jene Person handelt , die dort am Ende der Fahnenstange zu sehen ist .

copyright_Johannes_Vogl

Johannes Vogl , Ghostlight , 2008

Vielmehr bewegt sich jene Version in den Ebenen der Wahrscheinlichkeit , dass Ann Cotten die Vernissage durch persönliche Anwesenheit und Textvortrag bereichert .

  • Austelung Johannes Vogl - Galerie Martin Janda - Eröffnung Donnerstag , 18. 6. 2009 , 19 Uhr ( bis 24. 7 .2009 )

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WIEN | KOLIK- MATINEE : KAFKA- KÄFER’S ABSCHIED

czz-neuesvonfreundenOb es sih bei dieser raren Literaturmatinee der zeitnächsten aller österreichischen Literaturzeitschriften um eine Allgemeine Aufgabe der Rückenlage handelt wird angesichts von Lesugen der Herausgeber Gustav Ernst und Karin Fleischanderl sowie der Autoren Antonio Fian , Markus Köhle und der Zeichners Hansi Linthaler zu überprüfen sein .

( Wie im Linthaler- Link unschwer festzustellen handelt es sich bei “Kafka’s Käfer ” um einen Schokoriegel , dessen Verzehr “dich verwandelt” . )

Allerdings dürfen wir in diesem Zusammenhang zart daran erinnern , dass Markus Köhles , zuerst im Salon Littéraire publizierter Text von einer solchen stabilen Rückenlage beim Aufwachen im eigenen Bett handelte .

Hoffen wir , dass die “Kolik ” wandelbar wie stets bleibe ! Damenspende inklusive .

Damenspende !

  • Kolik“- Matinee - Lhotskys Literaturbuffet , Taborstaße 28 ( Rotensterngasse ) - Sonntag , 21. 6. 2009 , 10 H

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KLANGAPPARAT

So mag es einem bei der Lektüre so mancher “Kolik“- Ausgabe durchaus ergehen : Aus einer Harmonie bereits vom nächsten Text ins Chaos geschleudert , bleibt die anthologische Zeitschrift für neue Texte doch stets ihren Leitmotiven treu .

Was der Hamburger Soundartist namens Hug A Turtle Today czz-hoerempfehlung( aka Stephan Simonis ) da auf seiner neuen ep “:hel” beim Netlabel kreislauf da anstellt , lässt Wohlgefälligs regelmässig in Auflösung via zitierter Maschinensounds zerbröseln bzw. in Resonanzkatastrophen enden . Nicht ohne alledings bereis im Voraus einige Akkorde des jeweils kommenden Tracks vorwegzunehmen .

Reizvoll .

CKICK STREAM TO LISTEN( WMP ).

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NEUES VON FREUNDEN



||| WIEN - IN MEMORIAM - DORIS MÜHRINGER | HÖRSPIEL - URSENDUNG - BERNHARD KATHAN | WIEN - LITERATUR STUDIEREN UND ERLEBEN - SIBYLLE LEWITSCHAROFF | LINZ - AUSSTELLUNG FORMULIERT - KONVERGENZEN VON SCHRIFT UND BILD | WIEN - T 4 3 | WIEN - WIENER VERLAGE - LUFTSCHACHT VERLAG | WIEN - AUSSTELLUNG - DIE MODERNE ALS RUINE | WIEN - MARIANNE FRITZ : DESSEN SPRACHE … - WERKSTEIN | KLANGAPPARAT - DIETER SPERL & MICHAEL FISCHER : LIVE SESSION

Cyprien Gaillard

Cyprien Gaillard : “Belief in the Age of Disbelief . Étape VIII” , 2005
@ Die Moderne als Ruine . Eine Archäologie der Gegenwart
Generali Foundation , Wien

WIEN | IN MEMORIAM | DORIS MÜHRINGER

czz-neuesvonfreundenIn der Nacht vom 25. auf 26. Mai 2009 ist in Wien die Autorin und Übersetzerin Doris Mühringer verstorben . Ihr Körper wurde - ihrem Wunsch gemäss - dem Anatomischen Institut der Universität Wien überlassen .

Anstelle einer Beerdigung soll eine literarische Gedenkfeier an das Leben und Werk der Lyrikerin erinnern . Freunde und Weggefährten lesen Texte aus dem Werk von Doris Mühringer und sich an Gespräche , Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse erinnern .

Mitwirkende : Beate Loinger und Karin Bindu ( im Namen der Familie ) , Gerda Anger-Schmidt , Gertrude Grosegger , Nils Jensen , Christian Katt , Angelika Kaufmann , Christa Nebenführ , Helmuth A. Niederle , Hans Raimund , Helmut Peschina , Sylvia Treudl . Der Autor und Journalist Heinz Janisch moderiert -

Aus dem Nachruf ( Ö1 ) von Heinz Janisch :

Doris Mühringer gehört zu den ‘bekannten unbekannten’ Namen der österreichischen Literatur nach 1945. Dabei müsste ihr Name in einem Atemzug mit anderen berühmt gewordenen Dichterinnen ihrer Generation genannt werden - Christine Busta, Ingeborg Bachmann, Christine Lavant, Ilse Aichinger… 1954 erscheinen in den von Hans Weigel herausgegebenen Stimmen der Gegenwart Gedichte von Doris Mühringer, im selben Jahr erhält sie den Georg-Trakl-Preis. Kurz darauf wird ihr der Preis der Neuen Deutschen Hefte zugesprochen. Unter 7.000 Bewerbern wurden drei Gewinnerinnen ausgewählt: Christine Busta, Christine Lavant und Doris Mühringer. In der Jury: Gottfried Benn.

Keiner, auch der große Lyriker unserer Zeit, hat mehr als sechs bis acht vollendete Gedichte hinterlassen - also um diese sechs Gedichte die 30 bis 50 Jahre Askese, Leiden, Kampf… ? Welchen Wesens sind diese Lyriker ? Sie sind meistens recht still, sie dürfen ja nicht alles gleich fertigmachen wollen, man muss schweigen können. Also, was sind sie ? Sonderlinge, Einzimmerbewohner - sie geben die Existenz auf um zu existieren. Eigentlich sind sie nur Erscheinungen, und sind diese Erscheinungen dann tot, und man nimmt sie vom Kreuz, muss man ehrlicherweise zugeben, dass sie sich selber an dieses Kreuz geschlagen haben - was zwang sie dazu? Etwas muss sie doch gezwungen haben …’

Mit diesem Zitat von Gottfried Benn hat Doris Mühringer bei der Verleihung des Literaturpreises des Landes Steiermark 1985 ihre Dankesrede beendet. Zeilen, die gut zum Leben und zum Werk der Lyrikerin passen. Wenige, schmale Gedichtbände sind von ihr erschienen, einige - vergriffene - Bilderbücher für Kinder, kurze Prosatexte - ihr Werk ist langsam gewachsen, ist in großer Zurückgezogenheit entstanden. Doris Mühringer hat sich stets radikal dem Schreiben zugewandt, ihr Leben danach eingerichtet - finanziell stets vom Minimum lebend, sparsam, genügsam, sie ist nie ‘in der Auslage gestanden’.

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HÖRSPIEL | URSENDUNG | BERNHARD KATHAN

czz-neuesvonfreundenHeute wird die jüngste Soundarbeit des Salon- Littéraire- und Literatur als Radiokunst- Autors Bernhard Kathan urgesendet : Unter dem Titel “Das Wirtshaus zur Hand des Gehenkten” beschäftigt sich das Hörspiel - ausgehend vom Grimm’schen Märchen “Die drei Feldscherer” - mit Fragen der Transplantationsmedizin . ( Vgl. Bernhard Kathan : Das indiskrete Organ . Organverpflanzungen in der Literatur- Innsbruck 2008 ) .

Es geht um das Eigene und das Fremde, um Einverleibung und Aneignung, um Ökonomie - sei es nun die des Geldes oder jene von Organen. Entsprechend den Vorgaben der Transplantationsmedizin wird Material der Literaturgeschichte zerlegt und zergliedert, um dann wieder neu zusammengenäht zu werden.

Seit Jahren beschäftigt sich der Innsbrucker Künstler und Sozialwissenschafter Bernhard Kathan interdisziplinär und genreübergreifend mit Themen der Medizin, der Ernährung und mit der Geschichte des menschlichen Körpers. Sein aktuelles Hörspiel entstand in Kooperation mit der Komponistin Manuela Kerer, die die Erzählung gleichsam musikalisch übersetzt und in ein formstrenges ästhetisches Konzept zwingt. Regie : Martin Sailer , Text Bernhard Kathan ( @ hidden museum ) .

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WIEN | LITERATUR STUDIEREN UND ERLEBEN | SIBYLLE LEWITSCHAROFF

Im Rahmen der Ringvorlesung von Michael Rohrwasser , Annegret Pelz ( Institut für Germanistik ) sowie Helmut Lethen ( IFK ) zum Thema “Konstellationen des Schreibens” liest Sibylle Lewitscharoff ( Berlin ) aus “Apostoloff . Roman” ( Preis der Leipziger Buchmesse 2009 , Suhrkamp Verlag ) und gibt Auskunft über ihr Schreiben .

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LINZ | AUSSTELLUNG FORMULIERT - KONVERGENZEN VON SCHRIFT UND BILD

czz-neuesvonfreundenIn Kooperation des Lentos- Kunstmuseums , der Künstlervereinigung MAERZ sowie des StifterHauses begibt man sich auf Schnittmengen- Suche : Autorinnen und Autoren , welche zeichnen , bildende Künstlerinnen und Künstler , welche schreiben . Oder Arbeiten , welche beide Modalitäten des Ausdrucks vereinen .

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler in der Künstlervereinigung MAERZ :

Friedrich Achleitner , Armin Andraschko , Sepp Auer , Josef Bauer , Heimrad Bäcker , Tassilo Blittersdorff , Gerhard Brandl , Dietmar Brehm , Valie Export , Franzobel , Gerhard Frömel , Anselm Glück , Alfred Grubbauer , Harald Gsaller , Bodo Hell , Christoph Herndler , Norbert Hinterberger , Peter Huemer , Christian Hutzinger , Horst Jaritz , Charles Kaltenbacher , Gerhard Knogler , Richard Kittler , Kurt Lackner , Friedrich Lichtenauer , Josef Linschinger , Anestis Logothetis , Georg Nussbaumer , Alfred Peschek , Josef Ramaseder , Otto Saxinger , Waltraud Seidlhofer , Peter Sommerauer , Lisa Spalt , Ingo Springenschmid , Christian Steinbacher , Udo Wid , Hansjörg Zauner

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WIEN | T 4 3

Zum “T 4 3″ , dem bekannten literarischen Kamingespräch der Bachmannpreis Ex- Juroren Daniela Strigl und Klaus Nüchtern gesellt sich diesmal unsere Salon Littéraire- und Literatur als Radiokunst- Autorin Ann Cotten im gemütlichen Schein eines kühl glimmenden Plasticfeuers .

Drei Belesene be- sprechen und debattieren unter Absenz kritikasterischen Todernstes drei Bücher , zwei Novitäten und einen frisch aufgelegten Klassiker . Demnach stehen diesmal in Rede :

Sibylle Lewitscharoff : “Apostoloff” ( Suhrkamp ) ( trefflich : 1 Tag nach der leiblichen Lesung )
Annie Proulx : “Hier hat‘s mir schon immer gefallen” ( Luchterhand )
James Boswell : “Dr. Samuel Johnson” ( Diogenes )

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WIEN | WIENER VERLAGE | LUFTSCHACHT VERLAG

czz-neuesvonfreundenIm Rahmen einer zeitläufig weit gespannten Exkursion durch die Programmatiken und Programme von in Wien ansässigen Verlagen , stoppt das Literarische Quartier diesmal beim jungen Luftschacht- Verlag , welcher sich mit seinen vier bis sechs Titeln pro Saison ( Prosa , Anthologie , Graphic Novel ) gut etabliert hat .

Verleger Stefan Buchberger und Jürgen Lagger präsentieren ihr Verlagsprogramm und mit Lukas Meschiks Roman “Jetzt die Sirenen” ( R : Die Zeit ) sowie Lukas KollmersAnomia” ( R : poetenladen ) zwei aktuelle Neuerscheinungen .

Was beide Texte eint , ist der Ausflug ins Extreme : Welche Sprache fasste jene prä- und postapokalytischen Szenarien ?

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WIEN | AUSSTELLUNG | DIE MODERNE ALS RUINE

Man muss nicht auf Albert Speer zurückgehen und dessen Theorie vom einstigen “Ruinenwert” neu zu errichtender Gebäude um im Jahrhundert der Weltkriege eine permanente Reflexion der Ruine seitens der bildenden und gestaltenden Künste aufzuspüren .

Zwischen Zivilisationskritik , Krisenbefund und extopischer Alternative entfalten sich jene Werke und Installationen , welche die Generali Foundation zusammengetragen hat , um diese ab Freitag zu zeigen .

Mit Werken von Yona Friedman , Giuseppe Gabellone , Isa Genzken , Dan Graham , Gordon Matta- Clark , Florian Pumhösl , Jeroen de Rijke / Willem de Rooij , Robert Smithson, Rob Voerman , Stephen Willats und Cyprien Gaillard , dessen Darstellung einer aus romantischer Landschaft emporbrechenden Wohnmaschine uns in|ad|ae|qu|at so gut gefallen hat , dass wir sie zum heutigen NVF- Titelbild erkoren .

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WIEN | MARIANNE FRITZ : DESSEN SPRACHE … | WERKSTEIN

czz-neuesvonfreundenEin schöner , eindrucksvoller Stein ragte bislang über dem Grab der 2007 verstorbenen Ausnahme- Autorin Marianne Fritz . Wie das Riesenwerk der Schriftstellerin blieb der Stein bislang unvollendet .

Nun , da es vollbracht ist , soll dieser “Werkstein” von der seit 2002 mit dem Fritz’schen Werk ( u. a. für Literatur als Radiokunst ) intim befassten Gruppe Fritzpunkt im Rahmen eines kleinen Rituals enthüllt werden .

Eine Lesung aus “Dessen Sprache du nicht verstehst” ist im sogenannten “Ehrenhain” des Wiener Zentralfriedhofs sicherlich nicht fehl am Platz .

  • Enthüllung des Werksteins Marianne Fritz , Lesung Anne Mertin - Freitag , Zentralfriedhof Wien , 3. Tor , Gruppe 40 , Ehrenhain - Freitag , 19. 6. 2009 , 18 H

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KLANGAPPARAT | DIETER SPERL & MICHAEL FISCHER : LIVE SESSION

Einen musikalisch- literarischen Klangapparat haben wir heute in|ad|ae|qu|at anzubieten : Der Schriftsteller und Videokünstler Dieter Sperl hat gemeinsam mit dem Komponisten und “sound manager” Michael Fischer die vexierende Live- Session “connex : context” eingespielt .

Entstanden für das freie “Radio Orange 94.0” , ist ein mitnichten forciertes czz-hoerempfehlungIneinanderdriften von abstrakten , metallischen Sounds und der lesenden Stimme zu hören , frei von illustrierenden Absichten und ebenso einander befruchtend wie je autonom .

a voice which is knocking
a river floating away
without indicacting any direction
( Dieter Sperl )

Während der knappen Stunde ( beim Download also bitte ein wenig Geduld ) driftet die Aufmerksamkeit mitunter mehr dem linearen Text entlang , verliert sich dann wiederum in den klanglichen Dimensionen . Ein spannendes Hörexperiment ist es - intro- wie extrospektiv - allemal .

CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) .

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