Archive for the 'musée imaginaire' Category

You Own Me Now Until You Forget About Me : in|ad|ae|qu|at @ online exhibition

Technorati , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

|| RL- EXHIBITION @ LJUBLIANA | KONZEPT ( IN FALSCHER PARAPHRASE ) | RL- OBJEKTE | ONLINE- ANMUTUNGEN : AUSSTELLUNG 2.0 ? | ONLINE- ANEKDOTE | KLANGAPPARAT

RL- EXHIBITION @ LJUBLIANA

Ferdiand de Saussure signifiant signifie

Unter dem viel- und anzüglichen Titel “You Own Me Now Until You Forget About Me” liesse sich Einiges über Beziehungsdinge reflektieren , meint aber diesmal präzise eine primär von Birgit Rinagl und Franz Thalmair ( CONT3XT.NET , _____fratha__ ) in der Echtwelt inszenierte Ausstellung .

Seit 16. Mai und bis 22. Juni sind in der Moderna galerija ( Museum of Modern Art ) Ljubljana reale Objekte und Installationen von Mary-Anne Breeze ( mez ) , Codemanipulator® , Christina Goestl , Karl Heinz Jeron & Valie Djordjevic , carlos katastrofsky , Jörg Piringer sowie Marek Walczak & Martin Wattenberg zu sehen . |||

KONZEPT ( IN FALSCHER PARAPHRASE )

Ferdiand de Saussure signifiant signifieWer das Kuratorenduo und deren Plattform PUBLICCURATING nennt und kennt , weiss , dass es hier hoch reflexiv hergeht . Das der Ausstellung zugrunde liegende Konzept ist daher in seiner Komplexität nicht eben leicht in einfache Worte zu bringen . Ausgehend von de Saussures binärer Auffassung des Sprachlichen Zeichens in Manifestation ( signifiant >< parole ) und bedeutungsträchtiger “Meaning” ( signifié ) wird überprüft , was in den ephemeren Sphären des digitalen Zeitalters überhaupt noch an kommunikativer Verbindlichkeit hergestellt werden kann . Jenseits der materiellen Präsenz eines ( etwa im Kunstwerk manifestierten ) “Sprechaktes” und seiner fasslichen Kontexte wird das Wahrnehmungs- und Verstehensverhältnis allerdings prekär .

Dass Sprache im digitalen Kunstwerk sich einerseits in den Programmiercodes “versteckt” , welche das “disembodiment” von Kunstwerk und Schöpfer durch ( kompensierende ? ) “Übersetzungen” in Bildgebung und Gestaltung steuern , wird vom Betrachter selten reflektiert . - In der Tat haben wir beim kürzlichen Updaten von Wordpress sowie anlässlich des danach nötigen Umprogrammierens einiger Features förmlich Bauklötze gestaunt , in welchem Ausmass das Funktionieren des ganzen Werkels auf ( je nach Perspektive ) ziemlich primitiven bzw. höchst codierten Textbrocken beruht . Nur muss man deren CODEC ( coding | decoding ) eben kennen , um Nägel mit Köpfen zu machen und den Hammer als Werkzeug sachdienlich zu verwenden .

Die Frage , wo das digitale Kunstwerk bleibt , wenn der User “offline” geht , erinnert an die alte Vorstellung von den kleinen Männchen im Radioapparat , die erst dann losquasseln , wenn wir den Einschaltknopf betätigen . Aber ist die im traditionellen Kunstraum des Museums physisch aufgestapelte und -gehängte Kunst für uns nicht ebenso “virtuell” , wenn wir nicht hingehen ? - Können wir überhaupt davon ausgehen , dass es diese Kunst überhaupt gibt , wenn wir sie nicht gerade betrachten ? - Schön konstruktivistisch geantwortet : Das ist ebenso egal wie die müssige Frage , was im Netz abgeht , wenn wir uns von ihm abwenden . Hauptsache ist , dass wir mit den ästhetischen Entitäten in Kommunikation | Beziehung treten , wenn diese - gleich , ob im White Cube oder auf YouTube - in Evidenz treten .

Soweit die in|ad|ae|qu|ate “map of misreading” dessen , was die Kuratoren als komplexes Konzept ersonnen und in Text gesetzt haben . Man lese und denke da doch eventuell selbst :

In the end there is nothing of an object here, just a process, a set of rules that leads you to the point of questioning unicity, ownership, and the object-like nature of digital art works and what you can own is nothing more than the memory of it. |||

RL- OBJEKTE

Ferdiand de Saussure signifiant signifieZwar sind die echtweltlichen ( RL = real life ) Objekte durchaus in Ljubljana aufzusuchen , doch lässt sich das örtlich Unbesehene durchaus per Netz- Repräsentation erhellen . Das ist praktisch , weil neben dem photographischen Rendering gleich der Erklärungstext steht und die Links den Interessierten umstandslos in den jeweiligen Künstlerkosmos katapultieren . Auch auf diese Weise kann sich der Besucher | User aus dem Offerierten jeweils seine eigene Ausstellung kreieren . Wir hier reisen in|ad|ae|qu|at auf randomisierter Route von Proust’s “Recherche” im Binärsystem ( Karl Heinz Jeron & Valie Djordjevic ) bis zu Kasimir Malewitschs epochalem “Schwarzen Quadrat” ( 1915 ) , welches sich nach sukzessiver Um- und Rück- Codierung durchaus kreisförmig ausnehmen kann : “HTML-Malevich / HTML-CSS-Malevich” ( Codemanipulator® ) . Aus dem derzeit unerträglich gehypten Mikro- Kommunikationssystem Twitter ( u. a. ) speist sich Mary-Anne Breezes script | Schrift- Hybrid einer ” 404 poetry” , den pittoresken Assoziationen von Schriftzeichen Christina Goestls ( clitoressa.net ) explizit abstrakte Arbeit “viva la vulva” auf den kulturanthropologisch universalen Grund . |||

ONLINE- ANMUTUNGEN : AUSSTELLUNG 2.0 ?

Eine reizvolle Idee , die Ausstellung über die Mauern des Museumsraums hinaus auszudehnen und laufend neue Exponate zu assemblieren , formuliert sich in einem “Call for contribution” . Wir waren in|ad|ae|qu|at so frei , unser “RADIO | JELINEK | REMIX“- Video einzureichen . Für Ein- und Feinsichtige sei die Spurensuche mit Hilfe des folgenden Screenshots erleichtert , womit ein recht selbstreferenzieller Zirkel bzw. Pleonasmus entsteht , da das unten gelistete “Ausstellungsobjekt” im Grunde lediglich in einem Direktlink auf die entsprechende Seite in diesem Blog besteht . - Egal : Uns galt das olympische Prinzip eines interesselos wohlgefallenden “Dabeisein ist Alles” .

You own me 02 click to XL

Dass eine Ausstellung auf diese Weise “2.0- mässig” weiter wuchert , ist eine hübscher , obgleich mittlerweile bekanntlich auch ambivalent zu reflektierender Gedanke . |||

ONLINE- ANEKDOTE

Ferdiand de Saussure signifiant signifieWie selbstverständlich Spätgeborene mit dem Prinzip der User- Beteiligung | Intervention ( also “Mitmach”- Prinzip 2.0 ) umgehen , verweist die von den New- Media- Experten Clay Shirky kürzlich auf der Web 2.0 Expo in San Francisco rapportierte Anekdote :

I was having dinner with a group of friends about a month ago, and one of them was talking about sitting with his four-year-old daughter watching a DVD. And in the middle of the movie, apropos nothing, she jumps up off the couch and runs around behind the screen. That seems like a cute moment. Maybe she’s going back there to see if Dora is really back there or whatever. But that wasn’t what she was doing. She started rooting around in the cables. And her dad said, “What you doing?” And she stuck her head out from behind the screen and said, “Looking for the mouse.”

Shirkys Conclusio :

Here’s something four-year-olds know: A screen that ships without a mouse ships broken. Here’s something four-year-olds know: Media that’s targeted at you but doesn’t include you may not be worth sitting still for.

Mehr über Clay Shirkys Päsentation “Where You Find the Time to Spend Online” plus Video @ lifehacker . |||

KLANGAPPARAT

Die Vielzahl der in creative commons- Manier publizierenden ( sic ) Netlabels generiert natürlich nicht nur extreme Meisterleistungen , sondern auchczz hörempfehlung einen Sog bzw. Strom von ebenso leicht zu produzierender wie zu konsumierender Kurzware . Dies ist mitnichten im Sinne einer negativen Abwertung aparter “eazy listenings” zu lesen , ganz im Gegenteil : Die eben als Release # 13 vom Saarbrückener Netlabel schall dargebotenen “maps of nowhere” sind bestens dazu angetan , verhärtete Hirnkarten wieder weich zu kriegen . Die EP , welche “the marx trukker” vorlegt , mag man als basale Stimulation gerne annehmen . Von Tausenden begeisterter Zuschriften sowie von Wunderheilungen wir zu einem späteren Zeitpunkt zu berichten sein . CLICK LINKS TO LISTEN : 01. achtmasterdub | 02. navigator | 03. südseeperlen | 04. wellengang |||

Rubens : Between Raging Dogs and Excellent Birds

Technorati , , , , , , , , , , , , , , , , ,

||| DESERTED MUSEUM | UP TO : P. P. RUBENS | FOCUS ON : “STORMY LANDSCAPE …” | FOCUS ON : “THE HUNT …” | DETAILING - TELLING - MEANING | KLANGAPPARAT

DESERTED MUSEUM

Dream or Nightmare ? - Being shut into one of those huge 19th century- cathedrals harbouring the tremendous treasures of the monarchic collections of Fine Art assembled during centuries of Power and Glory . For once the dream becomes real and I find myself alone - shut in the enourmous , formerly imperial Kunsthistorisches Museum ( “Museum of Art History” ) .

KHM_Wien_copyright_christiane_zintzen

Allthough it is not nighttime , but early morning , I enjoy the privilege to stroll through the empty halls and staircases on a closing day . Provided with an official licence to take pictures ( no flash allowed - which makes about two to three seconds exposure- time for my beloved OM-2 furnished with a dozen of 400 ASA films and - you bet ! - with a tripod ) I seem to be the sole soul in this whole cosm of the very originals of some major works of art .

KHM_Wien_copyright_christiane_zintzen

The truth though is that I am being followed by a watch- person from behalf of the museum’s adminstration , who is sent after me to ensure my appropriate behaviour . I wonder whether this person might watch me very much , totally absorbed by the local tabloid she brought along … The better !

|||

UP TO : P. P. RUBENS

Strictly holding on to my plan I cross the halls dedicated to “The Italians” …

KHM_Tiziansaal_Wien_copyright_christiane_zintzen

… shortly glimpsing at all those Tintorettos , Titians and Veroneses .

KHM_Tiziansaal_Wien_copyright_christiane_zintzen

My aim is strictly Rubens , assembled within the so called “Rubenssaal” ( XIV ) . Deliberately neglecting the famous Portrait of Hélène Fourment covered with nothing than “The Fur” ( “Das Pelzchen” , c. 1638 ) I tend to focus on two specific paintings referring to ancient Greek mythology :

Gewitterlandschaft mit Philemon und Baucis” ( “Stormy Landscape with Philemon and Baucis” , c, 1630 ) aswell as “Die Jagd des Meleager und der Atalante” ( “The hunt of Meleagros and Atalante” , c. 1617 - 1628 ) .

|||

FOCUS ON : “STORMY LANDSCAPE …”

Rubens_Gewitterlandschaft_copyright_christiane_zintzen

Commencing my experiment with some capture of the entire “Landscape” , I proceed by focussing more and more on the details as well as the texture of the support medium .

Rubens_Gewitterlandschaft_copyright_christiane_zintzen

Obviously the wood ( ? or other support medium ? ) once was plied for reasons of storage or transport . And the layers of colour broke . You may note the crack lines .

Rubens_Gewitterlandschaft_copyright_christiane_zintzen

Even though we see a scenario of restored harmony , the violence lies within the very material and the very fate of this painting . The staggering details only emerge by means of the enlarging features of the objective lens .

Rubens_Gewitterlandschaft_copyright_christiane_zintzen

But still : Finally I discover by means of the zoom an absolutely poetic feature overseen by most people meditating in front of the large- scale- painting : The tiny seagull far away in the horizon . Technically speaking : Four seconds of exposure .

Rubens_Gewitterlandschaft_copyright_christiane_zintzen

|||

FOCUS ON : “THE HUNT …”

Fascinated by the richness of details in Rubens’ firsthand overwhelming frames , I approach “Die Jagd des Meleager und der Atalante” ( “The hunt of Meleagros and Atalante” ) with an openly selective bias .

Rubens_Jagd des Meleager und der Atalante_detail_copyright_christiane_zintzen

Time is running out , the watchperson clearly gets uneasy , so I arrange the tripod in front of this rendering of a hideous fight . Again , it is the topic of violence and suffering I am looking for : e. g. one of the hunting dogs , thrown upside- down , gasping for breath and survival , run over by the Calydonian Boar ( = kalydonischer Eber ) .

Rubens_Jagd des Meleager und der Atalante_detail_copyright_christiane_zintzen

Considering the richness of the overcrowded painting one stays awestruck by the painstaking rendering of details by Rubens ( or by his workshop’s guys ) .

Rubens_Jagd des Meleager und der Atalante_detail_copyright_christiane_zintzen

|||

DETAILING - TELLING - MEANING

Rubens’ dog , Rubens’ seagull : It seems that hope and tragedy , joy and pain reside not only in the big narrative , but also in the very detail .

|||

KLANGAPPARAT

Writing about the little seagull within Rubens’ vast horizon , I immediately had to think of “Excellent Birds” , written and composed by Laurie Anderson , featuring Peter Gabriel . Simple , charismatic , irresistible . And - regarding the Vizuals - a little bit kitsch .

LAURIE ANDERSON FEAT. PETER GABRIEL : EXCELLENT BIRDS

|||

Salon Littéraire | Bernhard Kathan : HUNGERKÜNSTLER V , Niko Pirosmani

Technorati , , , , , , , ,

Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

 

Salon Littéraire | Bernhard Kathan :

HUNGERKÜNSTLER V , Niko Pirosmani

 

VORBEMERKUNG. Nikolaj Gogol starb 1852 zu Beginn der Fastenzeit an den Folgen seines Hungerns, César Vallejo am Karfreitag des Jahres 1938 an Unterernährung. An selbst auferlegtem oder aufgezwungenem Hungern starben Simone Weil, Paul Scheerbart, Daniil Charms und andere. Es gibt keinen Grund, das Leben von Menschen, die sich zu Tode gehungert haben, zu verklären. Aber angesichts des heutigen Kunst- und Kulturbetriebes, in dem sich Kunst und Werbung wechselseitig durchdringen, sich oft genug das eine vom anderen nicht mehr unterscheiden lässt, lohnt sich die Beschäftigung mit Künstlern und Schriftstellern, die verhungert, wenn man so will, gescheitert sind, die sich alles andere als marktkonform verhielten, auch auf die Gefahr hin, sich lächerlich zu machen oder daran zugrunde zu gehen. Mir scheint dies Grund genug, mich mit solchen Schriftstellern und Künstlern zu befassen. Es wird sich eine seltsame Gesellschaft bilden. Überraschend: Nicht die humorloseste. ( Bernhard Kathan ) |||

Rote_Beete_Pirosmani_copyright_Bernhard_Kathan

Tatarischer Obsthändler vor Regalen mit Früchten. Frau beim Melken. Zwei Georgier neben einem Marani, Wein trinkend. Familienkreis um eine gedeckte Tafel. Frau mit Bierglas. Kinderloser Millionär und arme Frau mit Kindern. Fürst mit einem Weinhorn. Aushängeschild: Ausschank und über die Straße. Aushängeschild: Bierstube Sakatala. Aushängeschild: Kaltes Bier. Aushängeschild: Tee - Bier. Stilleben mit Hühnchen, Spießen und Wein. Stilleben mit Fischen, Würsten, Spießen, einer Gans, einem Schwein und Früchten. Stilleben mit Melonen. Stilleben mit Fischen und Früchten. Weiße Kuh auf schwarzem Grund, Milch gebend. Schwarze Kuh auf weißem Grund, Milch gebend. Osterlamm mit Früchten. Lämmchen und Ostertisch mit fliegenden Engeln. Fiaker vor Gaststätte. Ein Räuber hat ein Pferd gestohlen. Frau mit Ostereiern. Weiblicher Markthygieneinspektor vor einem Stand mit Melonen und anderen Früchten, daneben ein Obsthändler. Koch, mit einem Fisch auf einer Kelle. Der Arbeiter Sosso, Pfeife rauchend. Sarkis füllt Wein in Krüge. Lastträger mit Weinschlauch. Lasträger mit Weinfass. Gelage. Tiflisser Händler bei einem Essen mit Grammophon. Vier zechende Städter. Familienpicknick. Gelage der fünf Fürsten. Gelage bei Gwimradse. Gelage mit dem Leierkastenmann Datiko Semel. Gelage in der Weinlaube. Im Walde zechende Städter. Gelage dreier Fürsten auf der Wiese. Fiaker und nächtliches Gelage. Gelage vor einem zweistöckigen Haus. Gelage zu Ostern. Eselsbrücke mit Tischgesellschaften. Gastmahl während der Weinlese. Kachetisches Epos, darunter drei Männer bei einem Gelage. Krzanissi, ein Gelage. Fest des hl. Georg in Bolnissi, Tischgesellschaften.

|||

Niko Pirosmani ( 1862 - 1918 ) : “Tatarischer Obsthändler vor Regalen mit Früchten” ( > Gallery @ Wkimedia Commons , @ Olga’s Gallery )

Der georgische Maler Niko Pirosmani - er schuf vor allem Wirtshausschilder - darbte sein ganzes Leben lang. Eines Tages fand man ihn in einem Kellerloch, nachdem er dort Tage ohne Nahrung gelegen hatte. Man brachte den Besinnungslosen in ein nahe gelegenes Krankenhaus, wo er am 7. April 1918 starb, ohne wieder zu Bewusstsein gekommen zu sein.

|||

Bernhard Kathan

|||

See also : Maud Ellmann : The Hunger Artists - Starving, Writing and Imprisonment ( czz )

|||

NEUES VON FREUNDEN

Technorati , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

||| WIDMUNGEN | TEXTE DES MONATS | STEILE POETIK @ STEIGER @ HOHENLOHE | PARALLELEN : TIERE & MÄRCHEN | NACH- SATZ INS OFFNE | KLANGAPPARAT

Selbstporträt als Schriftstellerin mit achtbeinigem Tisch copyright Gundi Feyrer

( Gundi Feyrer : “Selbstporträt als Schriftstellerin mit achtbeinigem Tisch” )

WIDMUNGEN

czz neues von freundenEine poetisch dicht gepackte Woche taktet mit Lesungen auf sowie mit einer einer virtuellen Anthologie und dem Paradoxon einer “versteckten” Exposition . So beschäftigt sich die jüngste Ausstellung in Bernhard Kathans immer- und nirgendspräsentem “Hidden Museum ” mit dem bemerkenswert gefundenen Thema der “Widmungen” , welche als Dank , in Anerkennung , allerdings auch als dezidierte Verortungen in vielen Büchern dem “Haupttext” vorangestellt sind . Jeder der 35 Frames | Fallbeispiele triggert eine Geschichte , welche - wie im berühmten Beispiel von Franz Kafkas Widmung des Erzählbandes “Ein Landarzt ” ( 1919 ) an den gefürchteten Vater - von komplizierten Ambivalenzen erzählen .

Widmungen sind zumeist etwas höchst Privates, sie können aber auch Gegenstand eines öffentlichen Diskurses werden. Als 1960 Hannah Arendts Buch “Vita activa - Oder vom tätigen Leben” erschien, schrieb sie Martin Heidegger : “Du wirst sehen, daß das Buch keine Widmung trägt. Wäre es zwischen uns je mit rechten Dingen zugegangen - ich meine zwischen, also weder Dich noch mich -, so hätte ich Dich gefragt, ob ich es Dir widmen darf; es ist unmittelbar aus den ersten Marburger Tagen entstanden und schuldet Dir in jeder Beziehung so ziemlich alles.” Hannah Arendt dachte wohl auch daran, dass Martin Heidegger in der 1941 herausgegebenen Neuauflage von “Sein und Zeit“, das Werk erschien erstmals 1927, die an seinen Mentor Edmund Husserl gerichtete Widmung gestrichen hatte: “Edmund Husserl in Verehrung und Freundschaft” zugeeignet. ( Bernhard Kathan ) |||

TEXTE DES MONATS

czz neues von freundenGewissermassen versteckt , doch via Internet aufzufinden ist Liesl Ujvarys virtuelle Anthologie der “Texte des Monats” . Man beachte den feinen Unterschied : Hier werden selbstredend mittelbar Autorinnen und Autoren vorgestellt , doch geschieht dies vornehmlich aus der Perspektive eines bestimmten Textes und dessen Kommentierung . Mit April und Mai ist die Reihe immerhin schon zu den stattlichen Nummern 19 und 20 vorgerückt - Dokument einer über zwei Jahre hinweg konsequenten Konzeption und Durchführung . Standen im April mit # 19 die hoch präzis ins Sprachmaterial gesetzten Gedichte ( “Aufbrüche” , 2004 ) der Wahlberlinerin Katharina Schultens ( Jahrgang 1980 ) im Fokus der Vorstellung , tritt mit der Mai- Ausgabe # 20 die Arbeit der in vielerlei Kunstformen versierten Gundi Feyrer ( Jahrgang 1956 ) auf den Plan :

Und loderndes, anderes Leuchten: ich zweifle daran, ob ich überhaupt existiere (sicher, denn, nehme ich ein Glas in die Hand, fällt es nicht herunter, sondern bleibt wackelnd in der Luft stehen. Gäbe es mich nicht, würde man sagen, es schwebe).

Kein wirkliches oder “wahres Ich” sondern viele, alle; täuschend und springend, vom einen zum anderen. Von einer Person zur anderen schwimmen, mit einer Person zu anderen schwimmen; Ablehnung oder einfach Unfähigkeit, Maske oder Person oder gar Persönlichkeit zu zeigen, auftreten zu lassen.

Die textuell tendenziell endlose Spirale der Selbstreflexion manifestiert sich allerdings auch in winzigen skulpturalen Arbeiten , vermittels derer die Autorin einen nicht unheiteren Blick “von aussen” auf die eigene Raum- Person wirft . Siehe das “Selbstporträt als Schriftstellerin mit achtbeinigem Tisch ” in unserem Header . Ob die Autorin am kommenden Mittwoch aus dem für Juni @ Passagen angekündigten Prosaband “Die Wolldecke” lesen wird ?! - In die Galerie Hohenlohe gehen und - hören ! |||

STEILE POETIK @ STEIGER @ HOHENLOHE

czz neues von freundenDrei Tage vor der Finissage der hier in|ad|ae|qu|at schon einmal zur Sprache gebrachten Personale zum Werk des Schöpfers zahlloser Bizarrerien , Dominik Steiger , tritt Mittwoch Abend eine Phalanx ausgezeichneter Poeten zusammen mit Gundi Feyrer zur Galerie- Lesung an . Angesichts des strengen Werks des kürzlich mit dem “Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik” ausgezeichneten Franz Josef Czernin sowie des im Januar mit dem “Peter- Huchel- Preis für Lyrik” geehrten Ulf Stolterfoht erweist sich die jüngst von der FAZ unternommene Erregung hinsichtlich des angeblich geradezu kreativitäts-zernichtenden Literaturpreis- Monsuns ( “Autorenförderung ? Hungert sie aus !” , 30. 4. ) als halbwahr- halbgares Fast- Food unter den Zeitungsenten . Vierter im Bunde der Lesenden : Schnellsprechmeister und “Partikelchenjongleur” Christian Steinbacher . Galerie Hohenlohe , 19:00 Uhr . |||

PARALLELEN : TIERE & MÄRCHEN

czz neues von freundenZwei Gassen parallel und zur gleichen Zeit ist im Literarischen Quartier Alte Schmiede ein Meister der hochkomisch melancholischen Neurose am nimmermüd sprachspielerischen Wort : Ingomar von Kieseritzky höchstselbst hält eine Vorlesung “Über Tiere - Beispielsammlung zu Obsessionen , Vorlieben , Animositäten , Liebesverhältnissen , Phobien und Idiosynkrasien gegen Mensch und Tier” . Das Schöne bei IvK : Es darf gelacht , allerdings auch nachgedacht werden . Mittwoch , 19:00 Uhr . Horrible Terminkollision mit der Hohenlohe’schen Manifestation : Kieseritzkys Neuröschen versus Steigers Kosmöschen !

Donnerstag steigen dann am nämlichen Ort einige dem p. t. in|ad|ae|qu|aten Publico Wohlvertraute in den nämlichen Ring , um allerhand selbstrefliv Poetisches über das Neurosensystem der gesellschaftlichen Private- Public- Partnership unter dem Titel “Das Märchen vom Individuum” ans Licht zu bringen . Da der Setzer dieser Zeilen hier die Veranstaltung moderiert ( so kein schwarzes Loch sich inzwischen manifestiert ) , zitieren wir in eigener Sache :

Der abendländischen Tradition des Epischen , der märchenhaften Moralität und der romanesken Entwicklungsgeschichte ist das “Bild vom Individuum” eingeschrieben . Unteilbar Eins ( mit sich ) zu werden , lautet das Ziel jener Geschichten von Bildung und krisenhafter Individuation , wie sie gerne gelesen werden . Die prosaischen Ansätze, welche mit neuen Arbeiten von Lisa Spalt ( “Grimms” , Ritter 2007 ) und Herbert J. Wimmer ( “Kühlzack & Flexer . Aggregat” , Manuskript ) in einen “Textdialog” treten , verweigern den Komfort sinnig gerundeter Figuren . Unter Umständen des Simultanen , Simulierten und “Multitask”- Flexiblen bleiben das “Ich” und seine Narrative eine ständig neu zu behauptende Konstruktion .

Lisa Spalt führt die Idealfiguren ihrer Märchenmodelle auf den Wortlaufsteg kosmetischer Konstitutionen und Konstruktionen : “Blut ist im Schuh” jeder weiblichen Model- Legende . Der Spiegel als zentrale Schnittstelle zwischen Ich und Selbstwahrnehmung bildet eine wesentliche Achse im finalen Part von Herbert J. Wimmers “Kühlzacks Proto-Memoiren - Selbstauslöser im Spiegelstadion” . Doppelungen , Verkehrungen , Verschränkungen führen in ein Spiegelkabinett von Sprachspiel und Kognitionskrise : Wie wäre “ein Ganzes” zusammenzufügen aus den splitternden Teilchen? – Zum Beispiel im narrativen Syntagma der “Erinnerung” ? – Die Genrebezeichnung “Memoiré” verspricht lediglich “Proto-Memoiren” und rekurriert auf Freuds Bild des Puzzle-Spiels . |||

NACH- SATZ INS OFFNE

czz neues von freundenSo , jetzt ist es heraussen . Nachdem ein PDF- Dokument zu einer hier anzukündigen Tagung uns permanent den Browser abschiesst , nützen wir den dadurch gewonnenen Freiraum , um auf eine Neuerscheinung hinzuweisen , deren erstmalige Präsentation am Montag über die Bühne ging : Benedikt Ledebur hat seinem in der feinen “edition schwarzes quadrat” ( onomato press ) erschienenen Gedichtband “Genese” mit einer CD- Fassung der berückenden “Literatur als Radiokunst“- Produktion “St. Paul’s Cathedral | John Donne” bestückt . Ist aber leider auf der Verlagsseite noch nicht online . Hinweise hinsichtlich allfälliger Änderungen werden gerne entgegen genommen - |||

KLANGAPPARAT

Genau vor einem Jahr haben wir unsere bedingungslos hingerissene Neigung zum Netlabel broque und sind mit Granlabs “Leuchtfeuer ” bei Release czz hörempfehlungNumero 032 “eingestiegen” : Seither gehört “broque” zur Rubrik “Neues von Freunden” wie die Butter auf “oderaufbrot” ( = broque ‘zine- Filiale ) . Genau 365 Tage danach haben wir heute die Ehre , erneut eine muntere Feinklügelei der Granlaboristen zu präsentieren : Man steht mittlerweile bei Release Numero 041 und begrüsst “the first days of spring” . Da sei kein schnödes Wort mehr verloren - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. a drypoints griffs | 02. mazer | 03. neons | 04. sneaked suffer | 05. hazy night |||

Künstler- Bücher | Artist’s Books : Don’t touch !

Technorati , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

||| BLOOD ON PAPER | HANNE DARBOVEN | ANGELIKA KAUFMANN | DIETER ROTH | THE ABC IN 3D ( BOOK ) | HINWEISE

BLOOD ON PAPER

Zugegeben , es ist nicht masslos originell , wenn wir etwas Sicherheitsabstand zum Welttag des Buches einnehmen ( inklusive der für die Branchenumsätze des schwierigen Frühjahrsquartals nötigen Marketing- Maschinerie ) , doch kommen wir jetzt auf Bücher , welche leicht von den üblichen Usancen abweichen . Oder tonnenschwer . Wie sie die Kuratorin Elena Ochoa- Foster ( rightyrght : the very wife of super- star - architect Norman Foster ) zusammen Rowan Watson im Victoria and Albert Museum zu London zusammengestellt hat . Die Schau geizt nicht mit einem markabten Label : “Blood on Paper - the Art of the Book” ( 15. 4. bis 29. 6. )

blood on paper

Der ausgeschlafene Leser von in|ad|ae|qu|quat hat’s längst begriffen . worum es hier geht - wir können uns die einschlägigen Artilel im ART NEWSPAPER ect sparen : Es werden Künstlerbücher in heil’gen Hallen ausgestellt .

Dass diese nicht eben zum Lesen gemacht sind und - “don’t touch !” - schon gar nicht zum Berühren , versteht sich . Das Buch als Container von ursprünglich verbaler und handhabbarer Exzellenz wird im Kontext der markt- und versicherungs- wertigen bildenden Kunst und ihrer musealen Monstranzen zum Unberührbaren schlechthin . Lediglich ein Effekt der Fetischisierung von unikaler Kunstkunst gegenüber der technischen Reproduzierbarkeit von gedruckter Sprachkunst ?! - Wir lassen das dahin gestellt .

Von der Heimseite des V&A haben wir einige Beipiele samt Beipacktexkt heraus gelesen :

book Cai Guo-Qiang

  • Cai Guo-Qiang ( * 1957) : “Danger Book: Suicide Fireworks” 2008 - Volume of drawings made with flammable and adhesive substances, with gunpowder encased in each of the leaves.

( One of an edition of 9 unique works published by Ivory Press, London. Published by Ivory Press, 2006 , Private Collection , Photo © Tatsumi Masatoshi , Courtesy Ivory Press )

book Jean-Marc Bustamante

  • Jean-Marc Bustamante ( * 1952 ) : “Maisons pour Insomniaques , Rêves 1. 2. 3. 4. 5″ . By Mario Bellatin 2005

( Ptographs; printed text , published by Toluca Editions , Paris , Courtesy Antoine de Beaupré Collection , Paris © ADAGP , Paris and DACS , London 2008 )

books Sol LeWitt

  • Sol LeWitt (1928 - 2007) : “Geometric Figures & Color” , 1979

( Published d by H.N. Abrams , New York National Art Library , V&A , pressmark: 502.M.127 © ARS, NY and DACS, London 2008 )

books Antoni Tàpies

( Published by Erker-Presse , St Gallen , National Art Library , V&A , pressmark: 95.VV.4 © Succession Miro/ADAGP, Paris/ Foundation Antoni Tapies , Barcelone/VEGAP , Madrid and DACS , London 2008 )

books Eduardo Chillida

( Published by Editions Art-Concorde , Paris - Private collection of the publishers Edouard and Julien Weiss © Zabalaga-Leku , DACS , London , 2008 )

book Louise Bourgeois

( Published by Editions du Solstice , Paris - Courtesy Jean-Claude Meyer , Les Editions du Solstice © DACS, London/VAGA , New York 2008 ) |||

HANNE DARBOVEN

Zugegegben , wir sind noch nicht durch die V&A spaziert , doch fehlen uns doch eminente Buchkünslter von Weltrang . Wo zum Beispiel bleibt die grossartige Hanne Darboven , die in ihrem Lebenswerk Hunderte von Ausdrucksformen für die “Verbuchung” fand : In ihrer Festschreibung , Notierung , Abheftung und Einbindung immer schon eine höchst sinnliche Manifestation des irreversiblen Prozesses des Vergehens von Zeit . Eines ihrer faszinierendsten Werke ist und bleibt

  • “Ein Jahrhundert ” | “One Century” , 1971-75

book Hanne Darboven Ein Jahrhundert

“Ein Jahrhundert”, the summa of the working-through phase of Darboven’s calendrical calculations, consists of 365 binders that all together encompass all the days of the century (1.1.00 -> 31.12.99) as processed through Darboven’s Konstruktion system. Each month consists of 28 to 31 books, each book consisting of 100 pages except for February 29th which consists of 25 pages. The first volume contains all the January 1sts of the century, the second, all the January 2nds, etc., until the 365th, which contains all the December 31sts. Indices to the work comprise additional binders. ( Quelle)

  • Oder “Existence 66 - 88″

book Hanna Darboven diary

Darboven’s Existenz 66-88 (Existence 66-88), 1989, draws on 22 years of Darboven’s personal datebooks beginning in 1966 and concluding in 1988. 2,261 panels photographically reproduce the artist’s leatherbound appointment book one two-page spread per photo. Hastily jotted reminders and telephone numbers and the generic pages of maps, conversion tables, and lists of legal holidays common to datebooks are interwoven with references to major political and historic events. A stuffed pet goat named Mickey, one of many Darboven has had over the years, accompanies the piece.

Existenz 66-88 expands the category of calendrical forms used in Darboven’s work to include the datebook. An earlier piece, Hanne Darboven: Diary NYC, 1974, is likewise based on the diary or Tagebuch. Literary or poetic works are also mined for day-by-day or durational forms. The structure and content of “For J.P. Sartre,” a segment of the work A Month, A Year, A Century 1968-1974, 1974, is partly configured by reference to Sartre’s autobiography Les Mots (The Words) and commemorates his 70th birthday. The title and number of pages in Stundenbuch (Book of Hours), 1991, are taken from Rainer Marie Rilke’s book of poems of the same name. Rilke’s title came from the medieval Book of Hours or daily prayer book; Darboven’s borrowing thus makes reference to both the poetic and quotidian. ( Quelle)

Der Klarheit von “Ein Jahrhundert” wird - für im Grunde denselben kulturhistorischen Zeitraum” - ein Palimpsest gegebüber gestellt . Als dezidierte Konzeptkünstlerin hat sie sie Kunsttheoretikerin Isabelle Graw auch zu den internationalen “Ausnahmefrauen” gezählt” . |||

ANGELIKA KAUFMANN

Eine solche - zudem Buch- und Schriftkünstlerin par excellence - stellt zweiffelos auch die hier sowohl in englischer und deutscher Sprache vorgestellte Angelika Kaufmann dar . Vom Pinsel- Abtupf- Diarium bis zum “Chinesischen Blindband” bleiben Kaufanns hoch konzeptionelle Projekte stets eine Reflexin auf die Beziehungen zwischen den Medien von Buch , Papier und Schrift .

angelika kaufmann blindband

So zum Beispiel stellt Kaufmann ihre akribischen Kalligraphierung bestimmter Teile von Friederike Mayröckers Prosawerk in keiner Weise als Kunsthandwerk aus …. sondern sie verdichtet die semitransparenten Blätter bis zu deren schieren Vernichtigung , indem sie die Blätter zu kleinen Quadraten faltet , diese bis zur Erreichung der entsprechenden Seitenhöhe aufeinander legt und das Ganze in einem Plexisglaskubus versiegelt .

book Angelika Kaufmann Kubus |||

DIETER ROTH

Ein Weiterer , dessen Name schmerzlich fehlt in der V&A- Auflistung ist der mit extremen , vergänglichen und verrottenden Mateiralien expeirmentierende Dieter Roth . Angefangen habt er bei der klasiischen Typographie der konkreten poesie .

book Dieter Roth ideogramme 1959

  • “ideogramme” , 1959

Nach der Wort- und Satzzertrümmerung wandte sich Roth mehr und mehr dem Trägermedium , dem Material , kurz gesagt : dem sich geduldig prosituierenden Papier zu . Stanzblätter für Stanzmeinungen aus dem “Daily Mirror” :

book Dieter Roth daily mirror book 1961

  • “daily mirror book” ,1961

Bri- Collage zu den Stehsätzen des Boulevards :

book Dieter Roth Schneewittchen 1965

  • “Schneewittchen” , 1965

Bald schon erweiterte Roth seinen kritischen Umgang mit Texten per Abfüllung von z. B. Spiegel- Artikeln in Wursthäute . Verfeinert wurde die Methode bei Büchern , die Roth partout nicht ausstehen mochte , wie etwa bei Grass’ “Hundejahre” oder Martin Walsers “Halbzeit” . Hier wurde das Buch buchstäblich verwurstet , indem es - kleingehäckselt - mit einer traditionellen Speisewurst- Farce plus Gewürzen vermischt wurde undi in Därme abgefüllt .

book Dieter Roth Literturwurst Martin Walser HALBZEIT 1961

  • “Literturwurst Martin Walser HALBZEIT” , 1961

Gemessen an diesen aus Fluxus , Konzetpkunst und kritischer Material- Autopsie hervorgegangenen Buch- Werken wirken die britischen BLOOD- BOOKS doch reichlich ästhetisiert . Wobei wir Louise Bourgepis ausdrücklich ausnehmen wollen aus diesem “quite continental” Generalverdacht . |||

THE ABC IN 3D ( BOOK )

Statt eine KLANGAPPARATS gibt’s heute ein Video , welchses sich selbstredend ebenfalls mit der Buchkunst aufhält . Will meinen : Das Kunststück fertigbringt , das gesamte Alphabet Seite für Seite mittels mechanischer Pop- Ups darzustellen ( via information aesthetics ) . Soll’s wohl irgendwann auch im Handel geben . Man lasse blättern und - staune :

ABC3D

|||

HINWEISE :

  • Angelika Kaufmann - Arbeiten auf und mit Papier 2000 - 2006 | Works on and with Paper 2000 - 2006 , edition splitter2007
  • Die Informationen zu Dieter Roth verdanken wir der Retrospektive ROTH-ZEIT , 18. 10. 2003 - 11. 1. 2004 im Museum Ludwig Köln in Zusammenarbeit mit der Laurenz-Stiftung und dem Schaulager Basel . Ausstellungskonzeption : Theodora Vischer , Gary Garrels , Dr. Ulrich Wilmes
  • Isabelle Graw : Es kann nur Eine geben . Überlegungen zur Ausnahmefrau ( Sinn- Haft 11 , Zur Masse ) |||

Von Fleisch & Lust , Sex & Crime | Textes Trouvés 4 | Vienna Street Art 6

Technorati , , , , , , , , , , , ,

||| Genuss und Aufbegehren , Himmel und Hölle , Verbrechen und Strafe : Ganze Bibliotheken soziologischer Abhandlungen , Zettelkästen von Zeitbefunden und die infernalischen Schriften der Weltliteratur blühen an Wiener Mauern .

Wobei die Eindampfung auf eine Parole , die Reduktion auf ein wirkendes Wort , wenn nicht gar auf ein einzelnes Zeichen den anonymen Botschaften fürwahr kein Mauerblümchen- Dasein beschert . Im Gegenteil scheint - was diverse Lust- und Todestriebe anbelangt - das Weniger einen Mehrwert zu bescheren .

Wien_Graffiti_copyright_Christiane_Zintzen

Wien_Graffiti_copyright_Christiane_Zintzen

( 1070 )

“FLEISCH” und “LUST” …

Wien_Graffiti_copyright_Christiane_Zintzen

Wien_Graffiti_copyright_Christiane_Zintzen

( 1070 , 1030 )

… “SEX” und “SHOCK” : Die Schlagworte triggern im Hirn des Stadtbenutzers alle möglichen Kontexte und Geschichten .

Wien_Graffiti_copyright_Christiane_Zintzen

( 1070 )

Dabei mag ein lakonisch- alleinstehender “TEUFEL” im jeweils individuellen Innenkino wohl sehr diverse Bilder projizieren . THE WRITING ON THE WALL rief seit biblischen Zeiten nach pragmatischen “TATEN” .

Wien_Graffiti_copyright_Christiane_Zintzen

( 1030 )

Worin freilich Das Grosse Böse besteht , dessen Anfängen zu wehren wäre , darüber kursieren bekanntlich mehrere Meinungen . Man mag das Kapital als addiktives Opiat anprangern …

Wien_Graffiti_copyright_Christiane_Zintzen

( 1030 )

… oder gleich das eigene Mitwirken an den Verhältnissen - so , wie sie sich nun einmal optisch darstellen - in ironischer Selbstreferenz denunzieren .

Wien_Graffiti_copyright_Christiane_Zintzen

( 1060 )

Summa summarum scheint nur der Schluss zulässig , dass die Eigenverantwortung des Individuums in den kälter werdenden Klimaten des hergebrachten “Sozialstaats” keineswegs suspendiert sei . Im Gegenteil : Manche freudlose Gasse lässt sich eben lediglich per “DO IT YOURSELF- REVOLUTION” erhellen .

Wien_Graffiti_copyright_Christiane_Zintzen

( 1070 )

|||

KLANGAPPARAT

In Fortsetzung unseres in|ad|ae|qu|aten Portraits des Netlabels l a r i d a e stossen wir heute auf ein Nebenprojekt des vorgestern vorgestellten Breakbeat- Virtuosen Photophob aka Herwig Holzmann . Dass schon die Tracks von “Skaphander Skanks” einen gewissen Hang zum Maliziösen aufwiesen , wird dem aufmerksamen Lauscher kaum entgangen sein . Was czz hörempfehlungder gute Mann allerdings unter dem Projektlabel | Pseudonym Das Gritli Moser aufführt , schlägt entschieden über die Stränge des Bösen . Nomen est Omen , wenn die Release 036 mit “Cha-Cha-Cha With The Devil” titelt . Die ironische Anspielung auf allerlei funky Finsterdinge mindert freilich nicht im Geringsten deren kompositorische Brillanz . Genremässig bemerkenswert sind ( neben der Oboe ) die Bandoneon- Samples , deren Klangfarben freilich allerlei diabolische Volkstänze evozieren . Typisch für den Autor : Die barocken Tracktitel … Da capo , Gritli ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Ks999CträKt ( Human Flesh, Men’s Tears ) | 02. sNarksV+n0plaGue ( I Believe ! ) | 03. Mil7dr0w ( March Of The Death-Dolls ) | 04. inHaey6cmä ( Demons , Spirits , Ghosts ) | 05. RzrXXXcrps ( The Devil’s Dancing Lesson ) | 06. SpyKnAg0R ( Dark And Deserted ) | 07. cymoGdrad3ad ( God Is Evil And He’s Gonna Punish You ) | 08. Kr1yllZnAdräsh ( A Deeper Dark Than Dark ) | 09. zRmCr8äk ( Mr. Blister’s Gone, Got It ?! ) |||

Was können wir wissen ? | Textes Trouvés 2

Technorati , , , , , , , ,

||| Schrift im öffentlichen Raum : Die Alphabetisierung der Stadtbenützter vorausgesetzt , sind diese Schriften weit entfernt von jeder Schenkung . Hier gibt sich nichts her und hier gibt sich nichts hin .

Im Gegenteil wollen diese Worte etwas . Sie beanspruchen , unser Verhalten vorzubuchstabieren .

Auskunft bitte läuten_copyright_Christiane Zintzen

Kompetenz behauptet die Reklame , …

Wissen_Kinder_Räume_copyright_Christiane_Zintzen

… und : dass sie ein Wissen offeriere , …

Wissen_Kinder_Räume_copyright_Christiane_Zintzen

… welches wir nur beim Werbegeber fänden .

Owned in a different manner_copyright_Christiane_Zintzen

Wem gehören diese Stimmen ? - “Wer spricht ?” ( Roland Barthes )

Wissen_Kinder_Räume_copyright_Christiane_Zintzen

Die vier Kantischen Fragen sind nicht von der Hand zu weisen : “Was können wir wissen ?” …

Wissen_Kinder_Räume_copyright_Christiane_Zintzen

…. “Was sollen wir tun ?” ….

Wissen_Kinder_Räume_copyright_Christiane_Zintzen

…. “Was dürfen wir hoffen ?” und ….

Auskunft bitte läuten_copyright_Christiane Zintzen

… “Was ist der Mensch ?” - Wie zu sehen ist : Es ist unser eigener Schatten , welcher der ( Selbst- ) Erkenntnis massiv im Wege steht . |||

KLANGAPPARAT

Mitunter scheint auch die Musik eher Fragen zu stellen , als irgendetwas zu beantworten . Die minimalistisch fliessenden Linien des jungen Kanadiers Dan Carew mäandern über fremdbekannte Muster , addieren Anklänge und assemblieren zweite , dritte Stimmen : Da lugt zweifellos der czz hörempfehlungBrian Eno der frühen Achtizer Jahre durch und natürlich die Boards of Canada . Track 6 : “Bored Of Canada” ist also keineswegs als despektierliche Distanzierung zu den grossen Vorbildern zu verstehen . Im angewandten Anspielen von Klangfarben wie diejenige der Plein- Air- Electronica der “BoC” wird der ästhetische Standort des Materials zugleich verortet und befragt . Da darf dann schon mal ein ZEN- Glöckchen läuten : Der gute Mann ist zu stilsicher , um nicht akustische Stereotype auf sensitive Weise zu unterlaufen . Das vom Netlabel Yuki Yaki distribuierte Debut “We Go Very Well Together” ist ein Glücksfall . Freundliche psychoakustische Stimulation . Beziehungsweise wie Track 5 titelt : “Romantics’ Semantics” . - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Zen Timer | 02. Lonithan Ward | 03. Downtrust | 04. Regular Monthly Payments | 05. Romantics’ Semantics | 06. Bored Of Canada |||