Bloomsday 2011 : Fotoausstellung zu James Joyces Österreich-Aufenthalten . Von Andreas Weigel

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In Wien sind seit 8. Juni 2011 ( bis 23. 7. ) erstmals jene Fotografien gesammelt zu sehen, die James Joyce und seine Familie in Bregenz, Feldkirch und Salzburg zeigen, darunter einige bislang unveröffentlichte Aufnahmen



ANDREAS WEIGEL : WIENER FOTOAUSSTELLUNG ZU JAMES JOYCES MEHRWÖCHIGEN ÖSTERREICH-AUFENTHALTEN

James, Lucia und Nora Joyce sowie Mathilde Wönecke, Sommer 1932, Feldkirch
(Mit freundlicher Genehmigung der Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale University)

Während James Joyces Aufenthalte in den altösterreichischen Städten Pula und Triest seit langem gut erforscht sind, blieben seine vielfältigen Verbindungen mit Österreich Jahrzehnte lang weiße Flecken. Ab Dienstag, 7. Juni 2011, 18:30, sind nun in der Volkshochschule Hietzing (13., Hofwiesengasse 48) unter anderem jene zwölf Fotografien zu sehen, die Joyce und seine Familie in Bregenz (1932), Feldkirch (1932) und Salzburg (1928) zeigen, darunter auch einige bislang unveröffentlichte Aufnahmen.

James, Lucia und Nora Joyce, Sommer 1932, Feldkirch
(Mit freundlicher Genehmigung der Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale University)

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JAMES JOYCE UND DIE WIENER MODERNE

Gezeigt werden aber auch mehrere weniger bekannt gewordene geistesgeschichtlich interessante Dokumente: Aus dem Jahr 1930 stammt etwa der gemeinsame Aufruf von Karl Kraus, Arnold Schönberg, Heinrich Mann, Valéry Larbaud und James Joyce zur Gründung einer “Adolf Loos Schule”, aus dem Jahr 1936 jene kalligraphisch gestaltete, von Thomas Mann und Stefan Zweig formulierte “Glückwunschadresse zu Sigmund Freuds 80. Geburtstag”, die auch von James Joyce unterzeichnet wurde. Joyces eher überraschende Unterstützung der Wiener Moderne wurde von der Joyce-Forschung Jahrzehnte lang nicht wahrgenommen, obwohl es zahlreiche Spezialpublikationen über “Joyce und Freud” bzw. “Joyce und die Moderne” gibt.

Die von mir kuratierte Ausstellung thematisiert daher vor dem Hintergrund jener Fotografien, die Joyce und seine Familie in Bregenz, Feldkirch und Salzburg zeigen, einige meiner Forschungsergebnisse über Joyces mehrwöchige Österreich-Aufenthalte und jene ÖsterreicherInnen, die für sein Leben und Werk teils mehr, teils weniger bedeutend waren.

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FÜNFWÖCHIGER SALZBURG-AUFENTHALT

Im Sommer 1928 hat James Joyce mit seiner Lebensgefährtin Nora Barnacle und der gemeinsamen 21-jährigen Tochter Lucia fünf Tage in Innsbruck und anschließend fünf Wochen in Salzburg verbracht. Dort traf er unter anderem seinen Bruder Stanislaus, der mit seiner frisch angetrauten Frau Nelly im Pongau in den Flitterwochen war, den britischen Schriftsteller John Drinkwater und dessen Gattin, die australische Geigerin Daisy Kennedy, den amerikanischen Kunstmäzen Otto Kahn, die Salzburger Künstler Adolph Johannes Fischer sowie Stefan Zweig. Zudem half Joyce Stuart Gilbert in Salzburg bei dessen “Ulysses”-Kommentar (1930), der im deutschen Sprachraum als “Das Rätsel Ulysses” (1932) bekannt wurde und musste wegen mehrerer Augenentzündungen den Salzburger Augenarzt Anton Toldt aufsuchen.

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KÜNSTLERISCHE FOLGEN DES SALZBURG-BESUCHES

James, Lucia und Nora Joyce mit Eugene Jolas, Sommer 1932, Feldkirch
(Mit freundlicher Genehmigung der Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale University)

Die Ausstellung zeigt auch jene vier Schwarz-weiß-Fotografien, die der Salzburger Maler, Schriftsteller und Kunstsammler Adolph Johannes Fischer im Sommer 1928 bei seinem gemeinsamen Ausflug mit Joyce im bayerischen Raitenhaslach aufgenommen hat und die 1929 unter dem Titel “Fluviana” in Eugene Jolas’ Avantgarde-Zeitschrift “transition” veröffentlicht wurden.

Das “Fluviana“-Bild, auf dem vier Exponate zu sehen sind, zeigt links den “Lobster” (“Hummer”), der auf der überlieferten Fotografie des Salzach-Museums sowie in der dazugehörigen Auflistung der Exponate noch nicht bzw. nicht mehr vorkommt. Weiters sind im ersten Bild folgende Schaustücke von rechts unten nach rechts oben abgelichtet: “Dem Adam sein Schuhleisten” (“Foot”), die “siebenköpfige Hydra” (“Hydra”) sowie “Der Schnell-Läufer von Hallein” (“Racer”).

Auf dem Bild darunter sind “Ein Klumpfuß” (“Foot”) sowie “Eine Schmiedzange vom Schmiednatzl von der Ramsau” (“Head of Gazelle”) zu sehen.
Auf dem nächsten Bild ist der “Seehund aus der Salzach” (“Seal”) zu erkennen. Die darunter befindliche Aufnahme zeigt erneut “Dem Adam sein Schuhleisten” (“Foot”) und die “siebenköpfige Hydra”, die in der Bildunterschrift irrtümlich als “Lobster” bezeichnet wird.

Ergänzend ist auch die einzige erhalten gebliebene Fotografie des Raitenhaslacher “Salzach Museums” zu sehen, wo die von Fischer fotografierten Schwemmholz- bzw. Strandgut-Schaustücke ausgestellt waren. Ausgestellt wird zudem eine Ablichtung jener “James Joyce”-Porträt-Lithografie, die sich seit 1950 im Besitz des “Salzburg Museums” befindet und die Signatur “A.J. Fischer” trägt.

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DREIWÖCHIGER FELDKIRCH- AUFENTHALT

Lucia Joyce, Sommer 1932, Feldkirch (Mit freundlicher Genehmigung
der Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale University)

Ab Mitte August 1932 lebte Joyce drei Wochen in Feldkirch, wo sich seine psychisch angeschlagene Tochter Lucia seit Anfang Juli unter Aufsicht des befreundeten Verleger-Ehepaares Maria und Eugene Jolas erholen sollte. Während dieses Feldkirch-Aufenthaltes hat Joyce Jolas anvertraut, dass sich am Bahnhof Feldkirch 1915 das “Schicksal des Ulysses” entschieden hat.

Jolas berichtet zudem, dass sich Joyce in Feldkirch sehr wohl gefühlt und die Ausarbeitung des “The Mime Of Mick, Nick And The Maggies” genannten “Finnegans Wake”-Kapitels große Fortschritte gemacht habe. Joyce setzte dessen Ausarbeitung in Zürich fort, vergaß aber das fertige Manuskript Anfang November 1932 in einem Pariser Taxi. Als dieses trotz intensiver Nachforschungen nicht gefunden werden konnte, musste Joyce die verlorene Kapitelversion, von der er keine Kopie besaß, Mitte November 1932 anhand seiner Notizbücher neu formulieren.

© Andreas Weigel

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CREDITS & LINKS

* Wir danjen dem Autor für seinen Text und das Fotomaterial *

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