Salon Littéraire | Teresa Präauer :
Die Hand voll mit Vögeln schreiben
Hört man mich, oder hört man, während ich spreche, die Vögel?
Ist der Himmel schwarz von Vögeln, oder ist das die Nacht?
Sind unter uns Vögel, oder kommen sie erst und immer von oben geflogen?
Sind schon alle Vögel da, und werden sie zu vögeln sein?
Werden so aus Vögeln Küken? Und aus den anderen werden dann anderer Vögel Küken?
Und ist der Mensch ein Wurm und alles für die Katz, die Fische, die Vögel, die Lieder?
Singen wir die Lieder der Vögel? Und heißen diese Vögel so wie jene in den Taubenbriefen von Stummen an anderer Vögel Küken: Kinderschnäpper und Zittriger Stelzer?
Und welcher andere baute die Poesie in all diesen Handbüchern mit Allen Vögeln Europas?
Bastelt mit: ein Vogelvolk aus Farb- und Schnatterwörtern! Ich geb euch ein: Aas, Alp, Auer, Bach,
Bart, Bass, Birk, Bläss, Blau, Dick, Dorn, Dunkel, Eis, Erd, Gelb, Gir, Gold, Grau, Kamm, Kern, Knäck, Kräh, Krag, Krick (undsoweiter).
Nehmt dazu:
Mauer, Mäuse, Moor,
Rosen, Regen, Rohr.
Sumpf, Sturm, Berg,
Steppe, Stein, Zwerg.
Und viel: Schnee, Schnatter,
Schuppen, Schleier,
Schmutz und Schwarz.
Sie sind:
Sänger, Läufer, Pfeifer, Schwirl,
Fresser, Spötter, Kehlchen, Hopf,
Würger, Reiher, Trappe, Knutt,
(macht mir den Reim jetzt nicht kaputt!),
Schnäpper, Schmätzer, Schnäbler, Star,
und die ganze Vogelschar,
und weiter,
einer noch, weil sein Name
so flötet:
Zilp Zalp.
Zilp Zalp, zehn Zentimeter,
schlägt beim Singen den Schwanz nach unten,
gelblicher Augenstreif, heller Augenring,
dunkle Beine, oberseits warmbraun.
Wer noch, wie sind eure Vogelnamen, und wer gäbe ein schönes Paar ab?
Goldhähnchen-Laubsänger und Keilschwanz-Regenpfeifer,
Halsbandschnäpper und Isabellwürger,
Kurzschnabelgans und Dünnschnabelmöwe,
Lachmöwe und Trauermeise,
Krickente und Kragenente,
Schmutzgeier und Schmarotzerraubmöwe,
Plüschkopfeule und Trottellumme,
schließlich: Schnepfe und Doppelschnepfe!
Nun, hab ich einen Vogel im Kopf und 15 im Buch?
Gibt es ein Buch der Welt, das den Vogel nicht enthält?

Wasseramsel, Kupferstich, aus: Das Buch der Welt, Stuttgart, 1848.
Haben sie mit der Feder ihre Briefe geschrieben?
Muss man zum Schreiben Federn lassen?
Feder vom Ufer, Hand von mir, fotografiert mit der anderen, 2010.
Taubenbriefe von Brieftauben: im Wechsel flugs zwischen Heimatschlag und Auflassort,
das Brieflein im Schnabel oder am Fuß befestigt. Ihr Heimfindevermögen:
abhängig vom Stand der Sonne, der Sterne und dem Magnetfeld der Erde.
Und so ein Alphabet auf fliegenden Schwingen: von Aaskrähe bis Zwergmöve.
Der Vogel: ein Postwesen?

Briefmarke »Tierschutz Waldrapp« für Postkarten, Österreich, 2006.
Und schmücken sich Briefe mit Vögeln?

Ausgestanztes »Glanzbild ef-7066« als Dekor für Briefe, Kuverts und Poesiealben, o. J.
Und, zwischen Verzweifeln und Hoffen, alle versammelt:
Sänger und Spötter,
Kernbeißer,
Sterntaucher.
Sterntaucher? Folgendes hat einmal einer geschrieben:
“Manchmal werfen die Meere
uns Flaschenpost ans Land,
und manchmal fällt ein Taubenbrief
aus den Sternen in unsere Hand.”
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Mit der Hand den Vogel falten, und in der Hand den Vogel halten?
Origami-Kranich aus dem Rhiz-Programm, gefaltet am 24.12.2009 ebendort.
Und die handvoll Vogel schreiben!

Vogel-Tattoo, gefunden im Internet, 2010.
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- Haare , Rosen , Brot ( Kurzhörspiel | Tableau de Texte )
- Indiskretionen
- TIEFSEEPLUNDER ( mit DIY- booklet )
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Hinweise
- Kürzlich erschienen : Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken – Buch aus 15 Bild- und 15 Textkarten – Wien , Edition Krill 2009 ( Rezension Michael Freund , Der Standard )
- Teresa Präauer stellt ihr Buchdébut mit einer Lesung im Literarischen Quartier | Alte Schmiede vor : Mittwoch , 27. Jänner 2010 , 20:15 H
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