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Valerie Besl : Laudatio zur Verleihung des Reinhard Priessnitz-Preises 2008 an Angelika Reitzer



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Valerie Besl : “ein rascheln ist dort wo ich glaube zu sein” oder “Wie kann man überhaupt (noch) erzählen ?” [ 1 ]
Zur Verleihung des Reinhard Priessnitz-Preises 2008 an Angelika Reitzer

ORT NUR IM WORT

parallel welt“ein rascheln ist dort wo ich glaube zu sein” heißt es in einem der “vierundvierzig gedichte” von Reinhard Priessnitz, und es ist dieselbe Ahnung und dasselbe Misstrauen, die sich auch beim Lesen von Angelika Reitzers Texten einstellen. Texten, die aus der Skepsis der Autorin gegenüber Ort, Zeit, Handlung und meist auch Figuren entstehen.

Als “oszillierend”, “schwebend” wird das Erzählen von Angelika Reitzer bezeichnet, und auf der Suche nach einer bildlichen Entsprechung finde ich diese in einer Szene im Text “Super-8″ aus dem jüngsten Band “Frauen in Vasen“: Wenn eine Frau auf ihrem Zimmerfahrrad dem auf die gegenüberliegende Wand projizierten Leben entgegenfährt und dabei zu einem Teil der Projektion wird, die ungreifbar bleibt:

Das Bild franste aus oder das Gegenteil davon : in einzelnen dürren Fransen reichte das Schwarz in den Bildrand herein; [ Angelika Reitzer: Super-8 - In: Frauen in Vasen - Haymon Verlag, Innsbruck 2008, S. 262 ]

Dieses Ungreifbare des Erzählten als etwas klar Konturierbares entsteht bei Angelika Reitzer in der Überlagerung verschiedener Ebenen, die ihre Texte ins Mehrdimensionale öffnet, erweitert. Und so wie bei Priessnitz “das zu schreibende der beginn eines anderen [ist]” [ 2 ], schickt die Autorin den Leser ins Unterwegs, im Handgepäck als Kompass eine ganze Palette von Lebensentwürfen, die einem vom Erzähler angeboten werden und die als einzelne doch nicht mehr zu verwirklichen sind. Und darin liegt eine zentrale Begründung, die die Texte von Angelika Reitzer für mich unverzichtbar macht: Sie gibt Wirklichkeit als Wirklichkeiten wieder, gleichermaßen reflektiert und gebrochen. Oder, wie es bei Reinhard Priessnitz heißt:

literatur soll entfremdung darstellen, literatur soll tatsächlich entfremdung sein. [ 3 ]

Nie sind es daher linear erzählte Geschichten, sondern vielmehr dicht verwobene Stimmen, Ebenen und Möglichkeiten, es ist eine Literatur des Versuchs, niemals die einer Behauptung, ein Summen und Sirren, das in der Rezeption fortzusetzen, weiterzudenken ist. Und wieder dieses Bild: eine Frau auf dem Zimmerfahrrad, deren zerfranster Alltag, die prekäre Wirklichkeit zwischen Familie und Arbeit, sich an den Bildrändern mit der Projektion, der Fiktion von einem anderen Leben verzahnt. Als Leser findet man sich plötzlich in einer irritierenden Gleichzeitigkeit wieder, die Angelika Reitzer so meisterhaft zu schaffen versteht.

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MODERNE : UNTERWEGS

parallel weltAuch ihre Figuren sind stets unterwegs, unterwegs zwischen traditionellen, sicheren, weil vorgegebenen Lebensentwürfen hin zu den unerschöpflich scheinenden Möglichkeiten von Zwischenmenschlichkeit und Arbeitswelt. Früher, bei den Großmüttern, ist eine Ansichtskarte noch eine Geschichte,

gibt es immer nur einen Ausschnitt zu hören … Was nicht auf die Karte passt, findet in ihrer [der Großmutter] Erzählung keinen Platz. Das Dasein hat nur eine Seite, unter ungeklärten Umständen zwei, wie ein Blatt hinten und vorn. [ Reitzer: Blattgold - In: Frauen in Vasen, S. 115 ]

Das Leben der Enkelinnen sprengt diesen Rahmen, bleibt unerzählbar.

Früher wusste ich bestimmt, dass es immer nur noch besser werden wird… Dass man alles haben könne - da haben wir uns getäuscht … Wir sind auf der Flucht.[ Reitzer: uzoud - In: Frauen in Vasen, S. 51f ]

Doch es sind keine Adoleszenzgeschichten, hier wird niemand erwachsen, hier kommt niemand irgendwo hin, weil kein Ziel zu benennen ist. Auch wenn es sich um Figuren handelt, die auf den ersten Blick mitten in einem glänzenden, erfolgreichen Leben zu stehen scheinen, zwischen Networking, Patchworking und Developing. Und doch ist das Unbehagen nicht wegzulächeln, bewegen sich die Protagonisten auf unsicherem Boden, entlang steiler Abbrüche. Wenn unter der heilen Oberfläche des Familienhauses im Text “Super-8” ein Heer von Ameisen unermüdlich den Verputz lockert, dann weiß man, wie es um das Fundament unseres Lebens, unserer Gesellschaft bestellt ist - ein System ohne solides Fundament, ein Netz aus kurzlebigen, locker geknüpften und leicht zu lösenden menschlichen wie ökonomischen Beziehungen. In einer solchen Gesellschaft muss man sich dekorativ präsentieren und arrangieren, um seinen Platz zu behaupten, als tragendes Teilchen dieses Konstrukts.

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ZERSPLITTERTE WIRKLICHKEIT

parallel weltIn diesem thematischen Fokus liegt eine weitere Konsequenz und Besonderheit im Schreiben von Angelika Reitzer: Kritik an gesellschaftspolitischen Verhältnissen wird nie mit erhobenem Zeigefinger geübt, nie entrüstet sich da ein Erzähler selbstgefällig, pathetisch oder moralisch. Weil es eben weder die eine noch die andere Seite gibt, weil Alltag, Lebenswelt und Arbeitswelt, die sich in immer schnellerem Tempo ineinander verheddern, zu komplex sind, um genau die eine, alles erklärende Position zu bieten. Folgerichtig beschreibt Reitzer nüchtern, präzise, aber dennoch höchst poetisch die Wirklichkeit als eine unendliche Summe von Einzelteilen. Gleichzeitig gelingt es ihr mit der ihr eigenen Kunstfertigkeit, exemplarisch unser Heute wiederzuspiegeln, eine Form für diese sich überlappenden Sequenzen zu finden. Weil sie Distanz schafft zwischen sich und dem Beobachteten, ihrem Blick eine Kamera vorsetzt, um das unmittelbar Wahrgenommene zu brechen, es in seine Elemente aufzulösen, um das Mögliche festzuhalten. Reitzer bedient sich filmischer Techniken, sie blendet auf, leuchtet aus, stellt scharf, um wieder auf ein anderes Detail zu schwenken, zu kippen, das sich dann plötzlich doch in der Unschärfe verliert. Und darin liegt vielleicht die Antwort auf die Frage, wie man heute überhaupt noch erzählen kann: Genau so, wie Reitzer es vorführt.

Der brüchigen Wirklichkeit steht die Sehnsucht der Figuren nach Eindeutigkeit gegenüber, eine verbleibende Ahnung, wie es sein müsste, sollte und vielleicht sogar könnte. Angelika Reitzer stellt dem in fast jedem ihrer Texte in “Frauen in Vasen” eine Vielzahl von Räumen zur Verfügung, einem Haus gleich. Das Leben als “Umkleidekabinen”, wie sie einen ihrer Texte betitelt: Im Unterwegssein verwandeln sich die Zimmer und Wohnungen zu einer einzigen Wohneinheit mit durchlässigen, hellhörigen Wänden, auf die in allen unterschiedlichen Lebensphasen doch nur die stets gleichen Wünsche projiziert werden. Vergangenes, Gegenwärtiges und Erträumtes greifen so ineinander, die Illusion der Kindheit als heimatlicher Zufluchtsort verblasst wie eine Erinnerung auf einem Foto, so sehr hält die Endlosschleife des nimmermüden Sicheinrichtens die Figuren gefangen. Es sind sachliche Befunde, die Angelika Reitzer darstellt, und sie verlieren auch im Ineinandergreifen der Szenen nie an Klarheit: Denn sie lässt das zu Beschreibende nie aus den Augen, ihre Literatur verkommt nie zum selbstverliebten Erzählfluss, oder, wie Priessnitz in “in stanzen” schrieb, zu “immer gleichen schriftsalaten”. Denn, nocheinmal Priessnitz:

das windig wirkliche in allen schriften
gestanzt von den instanzen der verwerfung
(es droht, ins tanzen fallend, abzudriften… [ 4 ]

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FILMISCHE SCHNITTE

parallel weltDie Konsequenz ist für Priessnitz die “unterminierung der normen und das überwinden von erwartungen”[ 5 ] ; dem auch Angelika Reitzer folgt: Ihrem Misstrauen gegenüber der Abbildungsfunktion der Sprache kommt sie bei, indem sie mit filmischen Schnitten Brüche sichtbar macht, Satzzeichen als Stolpersteine im Lesefluss platziert, frei stehende Doppelpunkte setzt, um Bedeutungen zu öffnen. Das verleiht ihrer Sprache einen unvergleichlichen Rhythmus, der eben nur scheinbar der Klang von Wirklichkeit ist:

So leben heißt : stückeln, die ganze Zeit, und vielleicht ist das eh das Einzige, das ich haben kann. [ Reitzer: Sonnenschirme - In: Frauen in Vasen, S. 13 ]

An das Ende ihre Texte wäre somit stets gedanklich ein Doppelpunkt zu setzen, oder ein Komma, als Fortsetzung, Wiederaufnahme, einer weiteren Zeit, eines weiteren Ortes, einer weiteren Geschichte.

“es ist ein rascheln dort wo ich glaube zu sein” denke ich beim Lesen von Angelika Reitzers Texten, und aus dem Misstrauen wird Neugier auf ihre Wirklichkeiten - und das soll Literatur sein und vermitteln: die Ahnung von Möglichkeiten.

Wien , 27. 10 . 2008 , Literaturhaus Wien

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[ 1 ] Angelika Reitzer, Interview - Anzeiger 07/2008
[ 2 ] Reinhard Priessnitz: der blaue wunsch - Priessnitz: vierundvierzig gedichte (= Werke, 1) - Literaturverlag Droschl, Graz 1987, S. 39
[ 3 ] Reinhard Priessnitz: literatur als entfremdung ( = Werke, 4: texte aus dem nachlass) - Literaturverlag Droschl, Graz 1994, S. 192ff
[ 4 ] Priessnitz: stanzen - In Priessnitz: vierundvierzig gedichte. ebda, S. 42
[ 5 ] Priessnitz: literatur als entfremdung, ebda, S. 192 ff

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Angelika Reitzer

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Valerie Besl

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KLANGAPPARAT

Geradezu zauberhafte Sounds sendet gerade mal wieder Detroit aus : Nein , die Rede ist hier nicht von Carl Craigs | Moritz Von Oswalds phänomenalerRecomposed“- Bearbeitung einiger der Partikel aus dem Material der 50- Spur- Aufnahmen , welche von Ravels Boléro czz-hoerempfehlungund Mussorgskys Bildern einer Ausstellung unter Herbert von Karajan eingespielt worden sind . Nein , wir nähern uns der lokalen Techno- Szene von Suburbia her , also auf den schmalen Pfaden der Netlabels und Creative- Commons- Lizenzen .

Hier umspielen uns etwas sanftere Gebilde , schwebend fast , doch nie , ohne den firmen Willen zum Beat zu verlieren . Was Chechnyan Love aka Samuel Qualls ( MySpace ) mit seiner LP ( ! ) “amalgamation” bei clear cut ( respektive @ Virb ) da liefert , ist vom Reinsten & Feinsten , weist dabei jeden Kitschverdacht weit von sich : Geniessen .

CLICK LINKS TO LISTEN . 01. intro | 02. florigen | 03. interior monologue | 04. specious present | 05. bang-bang principle | 06. essential contestability | 07. chiaroscuro | 08. tragedy of the commons | 09. convergent evolution | 10. dissociation of sensibility | 11. outro

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For the record | LINGO 08 / V : Die Neusprech- Nation



||| WERK UND WORT | PR UND POESIE | CHRONISTEN DER WORTWÄHRUNG | ZUKUNFTS- SPRUDEL- STRUDEL | RELATED | KLANGAPPARAT

WERK UND WORT

lingo 09 orangeMag am Anfang das Wort gewesen sein und der Adamit erst durch göttliche Benennung aus Lehm zum Menschen geworden sein : In Zeiten der galoppierenden Glossolalie von Medien , PR , Prognstophilie und eines wogenden Globaljargons sind es oft erst die Wörter , welche die Phänomene und Syndrome erschaffen ( früher bekannt auch als “Pschyrembel- Komplex” ) . Zugleich aber erhebt sich angesichts der unablässigen Er- Findung von neuen Dingen , ungekannten Sachlagen und frischen Krisen ein ständiger Wortnotstand , den es gilt , per Eigen-, Entlehn- oder Fremdsprache “prokommunikativ” zu beheben .

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PR UND POESIE

lingo 09 orangePoesie und Dichtung spielen , hélas , in dieser tagesaktuell brandheissen Neologismus- Schmiede die geringere Rolle : Die Grosswerften der “Public Relations” lassen derartige Mengen NeuSprech vom Stapel und in den aktuellen Sprachgebrauch laufen , dass die Qualität der literarischen Manufaktur just in ihrer Schlagzeilen- und Jargonuntauglichkeit besteht .

Begriffssudio-Monika-Rinck

( click to XL )

BEGRIFFSSTUDIO

Monika Rincks - hier verschiedentlch zitiertes - “Begriffsstudio” sein ein eigenwilliges Beispiel hierfür . Die “Begriffslieferungen ” der Dichterin verweigern sich mit widerborstigem ( Trans- ) Formationswtz und in unorthodoxer Kombinatorik gefundener Membra Disjecta dem Klein- und Wechselwortgebrauch des Alltags und passen in keinen Diskurs- Automaten . Weshalb auch die Münze der poetischen Wortwährung nicht jenen Touch des Abgegriffenen aufweist , welche das Wechselgeld der Promotoren rasch in die Schmelze zurückgehen lässt .

2376 eine grammatische migräne
2377 adornautik
2379 mithilfe der circum-flex
2383 horrorbude innerlichkeit
2384 probiertes entgleisen
2385 sonoritätshierarchie
2390 scheinheiliges bedenklichtun
2394 heidegger, der ökobenz
2395 sinnverlassenes gehabe
2402 versteifte treuherzigkeit
2405 prothesen zur unzucht mit rosen
2412 blowable player
2414 hintertreppennaturalismus
2415 sein amoralischer intensivismus
2418 strudelbude
2420 liveübertragung vom entzündungsherd
2423 seltsamsprechung
2430 das senile am apodiktischen
2445 mid-linguistic limbo
2455 utopocalyptic
2468 the kellner of no return
2469 die kolonne der zahlungswilligen
2470 kasuistik der selbstsucht
2481 eine frage der weisheitsästhetik
2500 die hochbegabte ortskraft
2521 edelrohbauphase
2523 hämeneutik
2536 als hausmeister der welt
2539 faustische schubumkehr
2540 bewegtheit im thesenhafen
2554 der service der freien objektwahl
2555 trotzyoga

Enzyglobe

ENZYGLOBE

Der Wortwitz des von René Gisler initiierten und mittlerweile aus mehreren Schrachschöpfkellen gespeisten “Enzyglobe ” zeichnet sich durch seine mitunter infantile Anarchik aus , bleibt indes wohlgeborgen im Kosmos seiner fröhlich kalauernden Monologik .

  • Angstgestellter - Pass bloß auf, sonst melde ich dich der Personqualabteilung.
  • Avantiquariat - Umschlagplatz für schnell alternde Güter
  • billness - Krank vor offenen Rechnungen.
  • Fußgängelzone - Untoter Winkel unter dem Tisch. Besonders prekär mit hyperaktivem Kind gegenüber.
  • Gebärdereiniger - Nie mehr schmutzige Gesten !
  • Hohnerhöhung, die - Erhöhung des Spaßfaktors durch allgemeines Gelächter und Hohn vgl. Hohnig
  • hundmade - von der Hand in den Hund
  • Neoblogismus - korrekter Eintrag im Enzyglobe ;-)
  • Nokio - Vorschlag zur Umbenennung von Helsinki im Rahmen einer Public-Private-Partnerschaft.
  • Schecksekunde - Socash ist anscheckend. Knebelwirkungen bizlang unerkont.
  • Schwatzarbeit - “Red und Antwort stehlen ”. Verwaltungsraten und andere Gremien heimsen Kohlen ein, ohne schwarz zu werden. - Übrigens: Sind eigentlich schwatzarbeitende Talkmasters sozialversichert?
  • Separeh - abgesondert lebendes Wild
  • Sounddreck {m.} - kennt jeder
  • Sündonym - Harmlose Umschreibung für was anständig Unanständiges, … ( more )
  • Trennsetter - Kampfhund der sich selber an der Beute beteiligt. Rotbeiler ist auch so einer.
  • Verunwortung - despektierliche Bezeichnung für Neologismieren
  • Zanktionen - Kommen meistens über eine längere Zeitdauer vor den finalen Sanktionen.
  • Zwangsvollschreckung - Unfreiwillige Geisterbahnfahrt

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CHRONISTEN DER WORTWÄHRUNG

lingo 09 orangeGanz anders verfahren da die Sprach- und Jargonsammler , welche die Wechselwährungen des Tages mitnotieren und in ihren Blogs - sei es mit oder ohne polemische Anmutung - präsentieren . Detlef Gürtlers “Wortistik” ( in der taz ) bekennt sich mit seinen Notaten über akuten Sprachverbrauch klar zur Tradition des humanistischen Sprachkritikers Rolf Schneider .

wortistik

Da langt der Linguist Anatol Stefanowitsch mit seinem Bremer Sprachblog schon mal kräftiger hin , um heillose Lingo- Verhältnisse ( und deren - politische sowie mediale - Stifter ) in ihre Schranken zu weisen . Mag zwar die taz in ihrer eben erschienenen Eloge den jungen Professor von den “Sprach- ist- gleich- Deutsch“- Pflegern und pfiffigen Besserwissern à la Bastian Sick scheiden : Ganz ohne Dogmatismus geht es auch in Bremen nicht zu und spielerisch wird hier nur wenig genommen . Aus in|ad|ae|qu|atem Wiener Blickwinkel muss jede Verknüpfung mit dem Komplex “Karl Kraus” aus gutem Grund unterbleiben .

Bremersrpachblog

Im Vergleich zum Bremer Imperium verhielt es sich in dem auf Schweizer www- Boden ( “monarchisch” ) errichteten “Wortreich ” nachgerade gemütlich . Michael Staubs “Lanze [n] (oder wenigstens eine Stricknadel)“- Ritt “für präzisen Sprachgebrauch” hat Ende Oktober allerdings nach drei Jahren seinen Parcous beendet . Was bleibt , ist ein hüsches Inventar der “good , bad and ugly ” . Stilstand

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Auch Klaus JarchowsStilstand” bietet seit einiger Zeit Wörtliches an , wobei der Akzent weniger auf Kurzwaren und Detailhändel um einzelne Vokabeln liegt , sondern eher auf länger gehäkelten Überlegungen zu Weisen , die Welt zu bereden .

die-Wortwarte

Ganz entgegen den assoziativ agressiven Anmutungen , welche der Titel “Die Wortwarte” bei flüchtigem Hinsehen evoziert ( allerdings trennen das finale “-e” sowie das feminine Genus die Ausschau der “Wortwarte” vom Kadaver- Kanon eines Wort- Warts” ) , erweist sich Lothar Lemnitzers Tübinger Spracherfassungsprojekt mit dem schönen Untertitel “Wörter von heute und morgen” : Phänomenal , was hier nahezu täglich per spezialisierter Software an Material aufläuft . Jeder ideelle oder etwa ideologische Kommentar bleibt dankenswert ausgespart , wo sich Neo- und Promo- Logismen ohnehin selbstredend zur Kenntlichkeit entstellen .

Interessant ist die Regelmässigkeit , mit welcher gewisse Leitmedien wie die “Spiegel online” , “Süddeutsche” oder “Rheinische Post” schrille Materialien liefern . Was man - und die “Wortwarte” lässt mittels purer Verbuchung jede Interpretation zu - witzig finden kann oder eben just dies nicht . Wie hiess es noch in der der silvesternden Strauss- “Fledermaus” : “Chacun à son goût” .

lingo 09 orangeIm Folgenden eine - notwendig äusserst selektive - Liste von solcherart zusammengetragenen “Buzzwords” ( “Lärmwörter” ) des Jahres 2008 . Wobei es uns in|ad|ae|qu|at nicht etwa um die Komposition eines Kuriositätenkabinetts geht denn um den puren Vermerk sprachlicher Indizes : Im Schönen wie Schlimmen kennzeichnend für einige unter den volatilen Konjunkturen und Moden des verflossenen Jahres .

WORTISTIK

  • Begriffskonditor ( czz - herrlich bezeichnend für den PR- Komplex , wobei die Assoziation mit dem Handwerk des Zuckergiessens noch nachgerade liebliche Reminszenzen an die vorindustrielle Fertigung weckt )
  • Gammelfleischparty ( “Über das angebliche Jugendwort des Jahres muss hier nicht mehr viel gesagt werden …” )
  • Legosprache ( Deutsch sei eine ~ : Feststellung eines amerikanischen Politologen . Hat aber bereits 1897 Mark Twain gesagt . )
  • Pubertariat ( czz : siehe Neologismus des “Prekariats” und des Wortbildungs- Ausstrahlungskraft )
  • Seomantik ( czz : Suchmaschinenoptimierer unter sich . Man suche selbst und besehe sich deren Rede … )
  • Textonym ( Kontext SMS : “… weil POP ein Textonym zu SMS ist. Und ein Textonym wiederum ist ein Wort, das auf der Handy-Tastatur genauso getippt wird wie ein anderes. Stoff beispielsweise ist ein Textonym zu Runde, beide heißen nämlich 78633 … ” )
  • Wahrheitskrümmung ( czz : bekannt aus Politik und Werbung . Könnte im inneroralischen Sinne auch als “Lüge” bezeichnet werden )
  • Worrywart ( “ein schönes Beispiel für das gerade anbrechende Powerdeutsch-Zeitalter. Es ist laut leo.org die Bezeichnung für jemanden, der sich ständig Sorgen macht, einen Pessimisten oder Schwarzseher” )

WORTWARTE

Ein wahrer Ozean fast täglicher Kollektaneen , welche übers Jahr betrachtet an dieser Stelle absolut formatsprengend wären . Wir vermögen hier in|ad|ae|qu|at nur einige wenige Exempel zu zitieren . - Man möge unverzagt den Links folgen und sich an Ort und Belegstelle direkt delektieren -

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ZUKUNKTS- SPRUDEL- STRUDEL

lingo 09 orangeGeschneuzt und gekampelt” geht es nun in die “strudelbude” ( Monika Rinck , Begriffsstudio 2418 ) knapp am “mid-linguistic limbo ( ebda. , 2445 ) um rituell wie an jedem Jahreswechsel die “bewegtheit im thesenhafen” ( ebda. , 2540 ) des Zukunftsforschers und Trendwort- Sprudlers Matthias Horx zu überprüfen .

Zum Aufwärmen ein paar Takte relativ non- neologer und berufsoptimistischer Prosa , wie am 18. 11. in der FAZ zu lesen :

Strukturelle Rezessionen, wie wir sie jetzt einige Zeit vor uns haben, sind spannende Zeiten. Menschen und Gesellschaften konzentrieren sich auf die Substanz ihres Lebensmodells. Sie besinnen sich auf Werte. Und sie suchen nach einem neuen, authentischeren Paradigma. Eine der ersten Reaktionen ist das Sparen. Und dieses Sparen wirkt plötzlich befreiend: Man merkt, dass man vieles nicht nur eigentlich gar nicht brauchte, sondern dass die vielen Dinge zu purem Stress verkamen. Man verringert seine Abhängigkeiten - und siehe da: Es geht einem besser! Eine weitere Reaktion ist das Zusammenrücken. In allen Krisenzeiten gewinnen die genetischen Verbindungen, die strong bonds, an Gewicht. Familiäre Kontakte werden wiederbelebt. Alte Freunde wieder besucht. Alte Konflikte endlich verstanden. ( Krisen setzten Kräfte frei : Ganz entspannt am Abgrund )

Als Kontrast dazu Reinhard Mohrs Spiegel- Online- Prognose für 2009 ( Deutschland , ein Feuchtgebiet , 31. 12.  ) :

Dabei ist die Angst vor der Krise größer als die Krise selbst. Die anthropologische Erfahrung, aus Krisen gestärkt, gar gereinigt hervorzugehen, hat sich im Medienzeitalter verflüchtigt. Nun wird alles immer nur im Superlativ gemessen, genauer: gefühlt. Und da ist alles absolut. Absolut schlecht und absolut aussichtslos. Hilfe !

Ist diese Geisteshaltung , welche Horx in einem Telepolis- Interview ( 2. 1. 2009 ) als “apokalyptisches Spiessertum” geisselt ? :

Ich glaube, dass es heute eine Art innerer Verzagtheit gibt, wo sich die kulturellen, ökologischen und politischen Ängste mit einem enormen Beharren zusammentun – das nenne ich das „apokalyptische Spießertum“. Dieser Spießer ist jemand, der sich überhaupt nicht bewegen wird und die Welt dauernd als Katastrophe wahrnimmt, dies vor allem tut, um sich selbst zu erhöhen, sich zu bestätigen und Feinde zu definieren – das ist bei einem mangelnden Selbstwertgefühl auch immer sehr probat – und zu legitimieren, dass er für nichts die Verantwortung hat. Das nenne ich apokalyptisches Spießertum. ( Apokalyptisches Spießertum und der nach einer geilen Katastrophe gierende Mediendiskurs )

Horx tred report 2009

( click to XL )

Geistes- Gegenwart bedeutet für Horx , stets die Zukunft mitzudenken . Um dem einzelnen Laien und Schwärmen von lingo- durstigen PR- Leuten dies zu erleichtern , schenkt Horx der wartenden Welt wieder seinen legendären des “Trend- Report” ( volume 2009 ) und skizziert auf seiner Heimseite die “9 soziokulturelle Schlüsseltrends für die Märkte von morgen ” . Das Begriffs- Bingo beginnt !

  1. Soft-Kapitalismus - In der globalen Krise entstehen eine neue Weltordnung und ein neues Wertesystem ( czz : War aber , wie man hier sieht , im Jahr 2000 auch schnon mal angesagt )
  2. Offline-Trend - Der neue Reiz der Unerreichbarkeit
  3. Kreazipation - Das Bürgerengagement in der Netzwerkgesellschaft
  4. Bio-Yourself - Die Mikro-Ökologisierung des urbanen Lebensraums ( czz : Beispiel der Penthouse- Gärtnerin und Brotbäckerin Fiona )
  5. Biedermeier-Bolschewismus - Das linke Lebensgefühl avanciert zum Kleinbürger-Trend
  6. Ich war dabei ! - Die digitale Selbstvermarktung in der Erlebnisgesellschaft
  7. Club Couture - Die neue Ausschluss-Kultur
  8. Franchising Future - Die Werterevolution im Subunternehmertum
  9. Uniquability - Vom Arbeitnehmer zum Selbstunternehmer

lingo 09 orangeFehlt nur noch Trend Numero Zehn und den entlehnen wir einmal mehr dem Rinck’schen Begriffsstudio ( 2555 ) :

trotzyoga

Daran wollen wir uns in|ad|ae|qu|at halten . Womit auch schon alles über Perspektiven auf und Gute Vorsätze für Null Neun gesagt sei .

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Mad die Zeit auch ein rollendes Rad sei , welches , was heraufgebracht , zyklisch wieder czz-hoerempfehlungherunterholt : Paul Terry , dessen Projekt “higher sense xpoezure” unser in|ad|ae|qu|ates Haus- und Hof- Netlabel broque nach einem halben Jahr nun bereits zum zweiten Mal aus Sussex , GB , importiert . Die neue ep “dreamers” erhebt sich ebenso schwebend über die Nebel des Alltäglichen wie das Vorgängerwerk “time” . So lässt sich trefflich abheben und die andern quasseln . Auf in Traumtanz ins Neue . CLICK LINKS TO LISTEN : 01. dreamers | 02. return to the source | 03. cold fusion | 04. loss | 05. deadly nightshade

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For the record | LINGO 08 / IV : Found Footage



||| NIE ZWEIMAL IN DASSELBE LEXIK | WORD- WATCH , WIRED | URBAN LANGUAGE DICTIONARY : SOME WORDS OF SOME DAYS | RELATED | KLANGAPPARAT

NIE ZWEIMAL IN DASSELBE LEXIK

lingo 09 gelbEs gibt sie , die alerten Stil- Mitschreiber , deren Stenogramme aus dem Sprachalltag - übers Jahr hinweg betrachtet - manches ZeitZeichen überliefern : sei dies nun in Form betreffend oder der Sache nach . Quell der selten dudenreifen Vokabel- Fänge und Fest- Stellungen sind meist die Medien , deren Drang zur Schlagzeile in der Schlacht um Aufmerksamkeit manchen bemerkenswerten Neologismus hervorbringt .

Ob mit Wortwitz und Sprachverstand in eine eher kurzfristige Exstenz entlassen oder infolge eines publizistischen lapsus linguae : Auch dieses Lexik ist Teil der Formulierung eines Jahres , seiner linguistischen Erfassung inmitten des Fliessens diversester Konjunkturen . Man steigt , mit Enzensberger post- heraklitisch formuliert , eben nie zwiemal in denselben Lift . Ein Gleiches gilt für das in steitgem ( Kontext- ) Wandel begriffene Lexik .

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WORD- WATCH , WIRED

Jonathan Keats‘ in unregelmässigen Intervallen in WIRED publizierter “Jargon Watch” ergibt , chronologisch und übers Jahr betrachtet , auch eine Art von kleiner Kulturgeschichte der Themen und Terme im galoppierenden technisch- wissenschaftlich- popkulturellen Diskurs . Weshalb wir in|ad|ae|qu|at schön vorne beginnen , mit einiger Freiheit der Aussparung .

So fielen im Januar 2008 folgende Wendungen als kurrentes Sprach ( un ) gut auf :

lingo 09 gelbPassive Obesity n. Flabbiness caused by physical inactivity rather than caloric excess. Recent studies blame much of the obesity epidemic on the increasing amount of time people spend seated — at desks, in cars, and on couches. Corpulence, the theory goes, is the fault of modern lifestyles, not individual behavior. ( czz : siehe britische Studie - sowie den FAZ- Artikel über die amerikansche Bürgerrechtsbewegung des “Fat Acceptance Movement“ )

iBricking n. What it’s called when Apple’s 1.1.1 system up date detects third-party software and disables an iPhone. By rendering the product useless, Apple punishes disloyal customers — and protects itself from the threat that they’ll ever be Apple customers again. ( czz : absolut herrlicher Ausdruck , die Verwandlung eines Gadgets in einen wertlosen Ziegelstein zu kennzeichnen … - hat auch bereits ins Urban Dictionary Einzug gehalten )

Social Advertising n. Involuntary product endorsement on Facebook by users whose online purchases are automatically broadcast to friends. The social networking site created its service, Beacon, as an alternative to mass marketing, but it caused mass revolt by users wary of privacy invasion. ( czz : hier der Versionsvergleich - Firma Facebook vs. Wikipedia )

März 2008:

Fatosphere n. A blogosphere of the obese, by the obese, for the obese. Often designated “no-diet zones,” fatosphere blogs seek to counter medical claims that obesity is a health epidemic. ( czz : Adipositas | Obesity war fraglos eines der breit gespielten Themen des Jahres . Hier das Fatosphere- Blog sowie ein New York Times- Artikel)

handyroman ( via )

Cellphone Novel n. Literature texted out on a cell phone. Novels have been written and read on handsets in Japan for years, but their leap onto best-seller lists and movie screens is pulling in Westerners eager to jump on the next manga phenom. ( czz : Mobile phone novels | Handyromane auch im Westen als die neuen Bestseller ? - New York Times und spezialisiertes Textnovelblog)

Yo pron. He or she. First heard in Baltimore schools (”Yo is a clown”), this gender-neutral pronoun has piqued the interest of linguists, whose widely publicized observations are edging the word into general usage. ( czz : Tertium datur ! - Weiteres in Blogs wie hier und hier oder bie NPR)

April 2008

Three-Parent Embryo n. The result of a procedure in which the nuclear DNA of an embryo is implanted into a donated egg stripped of all but its mitochondrial DNA. The technique could prevent inheritance of mitochondrial diseases like muscular dystrophy. ( czz : Die Nachricht aus einem britischen Labor lässt zwar auf Überwindung von Erbkrankheiten hoffen , wirft indes ethische Probleme auf und beschäftigt Science- Blogs)

vinyl sleeveface ( via )

Sleevefacing v. Posing for a photo with your head or other body part hidden behind an LP jacket to impersonate a rock star. Masters of the form orchestrate elaborate tableaus. ( czz : Ein schöner Beweis für die neue Wertschätzung der guten alten Vinyl . Beispiele in einem Bildband , Best Examples of Vinyl Sleeveface und bei flickr )

Mai 2008

lingo 09 gelbQuantico Circuit n. A surveillance tap providing intelligence agencies with access to every conversation on an entire cell phone network. Named after the Virginia town where the FBI Academy is located, the recently disclosed technology has short-circuited customer privacy — and Congressional oversight — since at least 2003. ( czz : Die Detailspionage als reales Sandkastenspiel am Standort der FBI- Akademie alarmiert nicht nur die Village Voice , sondern ruft auch bei der gesetzteren Washington Post einiges Erstaunen hervor )

Genetic Corridor n. A protected migration route designed to reduce inbreeding by endangered species. The zones, including a new 5,000-mile-long pathway for Asian tigers, will broaden gene pools by linking estranged habitats. ( czz : Freiräume von bis zu 5.000 Meilen sollen der lokalen Inzucht entgegenwirken und den Genpool von bedrohten Arten erweitern : Science Daily , Newsweek )

Juni 2008

Nomophobia n. Short for no-mobile phobia, it’s the anxiety produced by losing cell phone contact, for lack of coverage or power. A recent survey in the UK estimates that half of its citizens are afflicted. The condition is said to be as stressful as a root canal. ( czz - Die Panik , per Handy nicht erreichbar zu sein , hat es in die Wikipedia geschafft , zeitigt Bekenntnisse von Betroffenen in der Londoner Times und hat zur Einrichtung eines “Mobile Phone Anxiety Advice Centre” geführt )

nomophobia com ( via )

Nighttime spinach n. Euphemism for bushmeat, including chimpanzee, antelope, and giraffe, illicitly consumed in African refugee camps after dark. With meat in short supply, trade in such wildlife has escalated, resulting in the disappearance of delicious species. ( czz : Wie ein humanitäres zum ökologischen Problem wird , beschäftigt interessanter Weise derzeit vornehmlich Tierschützer … )

Dark marketing n. Discreetly sponsored online and real-world entertainment intended to reach hipster audiences that would ordinarily shun corporate shilling. McDonald’s is the latest mega-brand to adopt this paradoxical promotional tool, with an alternate-reality game called The Lost Ring, nearly devoid of golden arches. ( czz - praktisch Schleichwerbung ohne Logo : Die IHT berichtet von McDonald’s “unsichtbaren” Kampagnen und ein deutscher Werber erklärt , wie man’s macht )

Juli 2008

lingo 09 gelbDrunkorexia n. A potent cocktail of liquor and starvation increasingly popular among women who offset the calories in alcohol by eating little or nothing before hitting the town. A drunkorexic can enjoy three glasses of pinot grigio for every skipped Snickers bar. ( czz : Noch wird diskutiert , ob die Diätförmel “Saufen statt Essen” [ Süddeutsche Zeitung ] als genuine Ess- Störung einzustufen sei oder selbstzerstörerische Spass- Praktik )

Flight insurance n. Payment in cash or stock options to high-value employees following a takeover, offered as an incentive not to leave the company. The anticipated expense, possibly in the billions of dollars, may have saved Yahoo from acquisition by Microsoft. ( czz - “Bleibegelder” für Angestellte nach unfreundlichen Übernahmen . Können , so die New York Times , den Aktionären teuer zu stehen kommen )

Malicious hardware n. Computer circuitry hardwired with back doors to give hackers undetectable remote access. While researchers at the University of Illinois have demonstrated the technical feasibility, blackhats would have to infiltrate supply chains to have their way with your Dell or iPhone. ( czz - Nach verseuchter Software könnte die Zukunft des Hackens in manipulierter Hartware bestehen . Gute Ratschläge zum Detecting gibt bereits auf Deutsch . Auch dem US- “Centre for the Protection of National Infrastructure” | CPNI ein deutlicher Dorn im Auge )

September 2008

Popcorning v. A chain reaction in which the accidental explosion of one nuclear warhead causes others in the vicinity to detonate, releasing lethal radiation for miles in every direction. Newly declassified documents reveal that dropping a Trident missile while loading it onto a submarine could ignite a Jiffy Pop Nagasaki. ( czz : “Could nuclear warheads go off ‘like popcorn’ ?” fragt der New Scientist noch . Woraufhin Focus , ORF-on und Stern im Chor des Ahnens antworten : “Atomsprengköpfe explodieren wie Popcorn” . So tolldreist kann sich Ton des Berichtens ändern … )

NYT edupunk

( click to XL , via )

Edupunk n. Avoiding mainstream teaching tools like Powerpoint and Blackboard, edupunks bring the rebellious attitude and DIY ethos of ’70s bands like the Clash to the classroom. ( czz : Für die New York Times ist Edupunk eines der Buzzwords des Jahres , bringt eine Schlagzeile des Guardian lange Debatten auf einen kurzen Sinn : “Nevermind the pedagogues, here’s edupunk” . Ein extra Blog fürs pragmatische Selberlehren gibt es natürlich auch . Fragt sich , ob auch die kreationistischen Heimwerker , welche ihre Sprösslinge vor dem darwinistisch- naturwissenschaftlichen Schulwissen schützen , in obgenannte Kategorie gehören … ? )

edupunk hate sandcastles ( via )

Oktober 2008

Cowpooling v. Teaming up with neighbors to buy a whole cow from a local farm. It’s then divvied up as T-bones and sirloins butchered to order. The practice is fashionable with urban locavores who want to eschew feedlot-raised, hormone-laced, corn-stuffed meat. ( czz : Wer Car- Sharing betreibt und sich LOHAS- bzw. Öko- Trendgemäss Gemüse in Gemeinschaftsgärten zieht , kann ebenso gut auch noch Kuh- Kommunismus betreiben . Nützt , wie cowpooling.org erklärt , auch lokalen Biobauern )

kuhkommunismus ( via )

Tweetups n. pl. Meetups of microbloggers who track one another on Twitter. Most are spontaneously Twittered gatherings of actual friends, but mixers of strangers have become increasingly popular. ( czz - Selbstredend muss auch ein Microblog- Format wie Twitter laufend upspeeden : Also veranstaltet man Tweet Ups , kurzfristigen 140- Maximal- Anschlags- Knotenbildungen . Unser Favorit : das “Tweet Up- Video Tutorial” des Blogs [ für | von ] Twittermüttern aka twitter moms )

twittermoms

( click to XL , via )

November 2008

Frolleague n. A work colleague friended on a social networking site and thus granted access to personal information, from blog entries to stag party pics, that may be perceived as less than professional—or even (if the frolleague happens to be a frupervisor) grounds for dismissal. ( czz - Über die Gefahren , in Social Networks wie facebook das Berufliche mit dem Privaten und Kollegen mit Freunden zu verwechseln : Testen Sie [ sich ] selbst ! - Verzeichnet bereits im Urban Dictionary)

NOAA ocean deserts ( NOAA )

Ocean deserts n. pl. Desolate zones in the world’s seas. These regions are expanding with global warming, which has dampened the circulation of marine nutrients and lowered the concentration of oxygen to such an extent that some 20 percent of Earth’s oceans are now moribund. ( czz - Von der National Oceanic and Atmospheric Administration | NOAA und der NASA gleicherweise bestätigt : die sterbenden Meere … )

Twiller n. A thriller composed and published entirely on Twitter. At 140 characters per installment, these works of serial fiction are the microblogger’s answer to the cell phone novel, a popular genre in text-happy Japan. ( czz - Wenn sich Twitter mit dem Handyroman [ s. o. ] in Thriller- Manier mischt , entsteht daraus ein xxxxxxx … ?! )

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URBAN LANGUAGE DICTIONARY : SOME WORDS OF SOME DAYS

lingo 09 gelb

Da draussen eben die Sonne aufgeht , müssen wir uns nun allerdings in|ad|ae|qu|at sputen und springen demgemäss zum oben mehrfach erwähnten Urban Dictionary . Welches uns per RSS- Feed das liebe lange Jahr hindurch jeweils ein “word of the day” spendet . Klar haben wir auch 2008 hindurch brav gesammelt und präsentieren nun hier ein kleines Digest . Diesmal dürfen die werten Lesrinnen und Leser die Belegstellen suchen und …. finden .

( Denn hier schliesst die Nachtredaktion in Kürze und die anrückende Tagesbelegschaft würde der Bildredaktion sowie der Einrichtung des Klangapparats erheblich in die Quere kommen - Der Setzer)

blacking out - To turn off any device that people can reach you with (cell phone, two-way, computer, home phone, morse code, etc.) in order to avoid someone.

Megan is blacking out Brent because he was acting like a dick. She don’t play that ! ( czz - siehe oben : Gegenteil der Nomophobie )

sep - Someone Else’s Problem
I thought we would have problems with that project, but it’s SEP now that the manager has been fired.

deface - To remove a ‘friendship’ from facebook due to having either accidentily adding him/her as a friend or actually adding them and reconsidering later.
“Yeah, there was this guy in my network who added me. I thought he looked ok, but his updates were really cramping my news feed, so I had to deface him.”
“I went on a date with a girl I met a week before and like the day after our date she changed her status to ‘in a relationship.’ I defaced her.”

bush doctrine - A policy of preemptive strike, as proposed by President George W. Bush.
“My pants weren’t dirty yet, but I Bush Doctrined them and washed them anyway.”
“I’m going to Bush Doctrine this test, because I can’t study at the last minute.”
“If that asshat so much as looks at me again, I’m going to Bush Doctrine his face into the ground.”

opm - Other People’s Money
Man, this cellie bill is killin me, I gotta get some OPM.

Joe Sixpack - Average American moron, IQ 60, drinking beer, watching baseball and CNN, and believe everything his President says.
This is so simple, even a Joe Sixpack can understand. ( czz - siehe Lingo 08 | I : Platz 8 des Rankings der “American Dialect Society” )

Joe the Plumber
1) - a fictional person representing the whole of the people; mostly the lower to middle class.
2) - a political strategy where one side asks the other what he would do for the above mentioned.
1) man1: did you hear what’s happening to Joe the Plumber ?
man2: yea, they’re increasing his taxes.
2) man1: so if you became president, what would you do for Joe the Plumber ?
man2: well, i would give him a big taxbreak.

Election erection
1. the general euphoria experienced when your candidate of choice wins by a landslide.
2. the sexual arousal and excitement caused by same.
“Dude, when I saw the final tally of votes on Nov. 4, I got a total election erection !”
or
“You may have a first-time voter boner, but when Obama won I got a total election erection.”

IYKWIM
Acronym. Stands for “If you know what I mean”. Mainly used in instant messaging conversations. Can also be used in conjunction with “AITYD” (and I think you do).
“I could really go for a tossed salad for lunch.”
“Oh, I’ve got a salad for you to toss, IYKWIM…AITYD.”
( czz - imho : ein alter Hut)

lingo 09 gelbSlow Burn - An insult that doesn’t sink in for awhile.
When Jasmine figured out that slow burn comment from the girl at the bar, she was so pissed.
He’s an idiot, you can say any sort of shit to his face and it’ll be a slow burn. He won’t figure it out for days.

Overchicked - When a not-so-good-looking guy lands a chick thats way more attractive than he is.
Tom is 5′04, overweight and severly unattractive. How Tom wound up with Jeni, who is 5′07, slender and drop dead gorgeous is a mystery. He definitely overchicked on this hook up.

Mit dem gestigen WOTD veabschiedet sich : Ihr in|ad|ae|qu|ater humble pie.

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Da das Echtleben ja meist eher einem B- Movie ähnelt denn einer Hollywood- Hochglanz- Kulisse , kommt uns das gestrige Mail von Hausfreund Norman Fairbanks ( le voilà ) eben recht : “Blood and Glass” , seine garantiert letzte Release im Alten Jahr . Und zwar diesmal ohne Tenori-On . Für czz-hoerempfehlungdiesmal ein absichtlich “undercover” gehaltener Kommentar zur elektronischen Musik , getarnt als

a small [electronic] agent, detective [or maybe criminal] story, the soundtrack to a B-movie without real beginning and end. Titles and sound will put you in the right mood, promised! Lean back, grab your headphones and don’t forget: where there is light, there is shadow in this city,…

Aufgepasst , denn das passt zum nahenden 50. Todestag von Raymond Chandler ( 26. 3. ) . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Bel Air Killer ( 3:39 ) | 02. The Delivery ( 4:00 ) | 03. Blood And Glass ( 4:00 ) | 04. Local Forecast ( 5:51 ) | 05. Don’t Look Down ( 4:40 ) |||

For the record | LINGO 08 / III : Deutsch



||| NORM UND FORM | WORT DES JAHRES - BASICS : D - Ö - CH | WORT DES JAHRES - KONKRET : D - Ö - CH | UNWORT DES JAHRES - KONKRET : Ö - CH | NICHT GELISTET : WÖRTLICHE AUFFÄLLIGKEITEN - “GEFÜHLT” , “LOHAS” , “ERZIEHUNGSCAMP” | RELATED | KLANGAPPARAT

NORM UND FORM

lingo 09 blauAbgesehen von Frankreich dürfte wohl kein Land auf eine so verbissene ( bis verbiesterte ) Tradition der “Sprachpflege” zurückblicken . Lexikographische SprachNORM und lebensweltliche SprachFORM klaffen infolge der Residuen eines “Reinheitsgedankens” weiterhin auseinander , wobei uns das Chaos um die sog. “Rechtschreibreform” und deren diversen Teilrücknahmen zumindest orthographisch wieder einige Freiheiten beschert hat .

Wo jede Zeitung , jeder Verlag seine eigenen orthographischen Leitlinien erlassen hat , bleiben “nur” noch der Beamten- sowie der ( höchst bedauerliche ) Schulsektor an den kaum mehr nachvollziehbaren Stand des “Rechten Schreibens” gebunden . Immerhin haben uns die Zwangsversuche , den in|ad|ae|qu|aten Hang , das Linkshändische zur “Rechts- Schreibung” umzuprogrammieren ( bis hin zur Fesselung der Linken ) , eine anhaltende Legasthenie eingetragen - womit auch schon genug gesagt sei über eine durchwegs unerfreuliche Schulerfahrung .

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WORT DES JAHRES - BASICS : D | Ö | CH

lingo 09 blauIn Deutschland ist es die “Gesellschaft für Deutsche Sprache“, welche in ihrem jährlichen Bericht und ex cathedra des “WDJ” verkündet . Mit dem “Unwort” wartet man stets auf den Beginn des Neuen Jahres zu . Die Jury aus “Hauptvorstand und … wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sprachgesellschaft” bleibt dabei weitgehend insitutionell ( und im Dunkeln ) . Über die Auswahlkriterien aus einer “Sammlung von knapp 4.000 Wörtern und Wendungen” ( immerhin , man höre ! , unter Berücksichtigung von “Zuschriften” ) heisst es im Waschzettel :

Ausgewählt wurden ( … ) Wörter und Ausdrücke, die die öffentliche Diskussion des Jahres besonders bestimmt haben, die für wichtige Themen stehen oder sonst als charakteristisch erscheinen. Es geht nicht um Worthäufigkeiten, sondern um eine sprachliche Chronik des zu Ende gehenden Jahres. Auch ist mit der Wortauswahl keine Wertung bzw. Empfehlung verbunden.

Für Österreich publiziert das Grazer Projekt “Österreichisches Deutsch” seit 1999 Wort und Unwort immerhin in einem Streich . Im Hinblick auf die namentliche Nennung der Jurymitglieder , der expliziten Einladung von “Volksvorschlägen” ( laut Pressemittelung [ pdf ] 15.010 Einsendungen ) sowie tabellarisch klar formulierten Kriterien scheint man sich mittlerweile am “Modell Schweiz” orientiert zu haben .

In der Schweiz verläft der seit 2003 durchgeführte Findungsprozss selbstredend demokratisch : Aus den 2.300 Wortvorschlägen seitens der Bevölkerung wählt eine jährlich wechselnde sechsköpfige Jury von Medienleuten , Literturschaffenden und Verlegern um den DRS Redaktor Hannes Hug die auszustellenden Vokabeln . Wobei die Kriterien klar offenliegen :

Das Wort des Jahres muss

1. in diesem Jahr
2. in der Schweiz
2. wichtig
3. häufig
4. von besonderer Bedeutung und
5. von sprachlicher Qualität sein

Dabei spielt es keine Rolle, ob das Wort einen neutralen, positiven oder negativen Inhalt ausdrückt. - Beim ‘Unwort des Jahres’ sind sprachliche Missgriffe zu nennen, die im jeweiligen Jahr besonders negativ aufgefallen sind. Gesucht werden Wörter und Formulierungen aus der öffentlichen Sprache, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen.

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WORT DES JAHRES - KONKRET : D | Ö | CH

DEUTSCHLAND

lingo 09 blau1. Finanzkrise ( vor : 2. verzockt , 3. Datenklau , 4. hessische Verhältnisse , 5. Umweltzone , 6. multipolare Welt , 7. Nacktscanner , 8. Rettungsschirm , 9. Bildungsfrühling und dem obamamanischen “Yes, we can” an deutlich undeutscher 10. Stelle - offizielle Erläuterungen hier )

ÖSTERREICH

1. Lebensmensch ( eine Prägung von Thomas Bernhard , in Stefan Petzners emotionaler Reaktion auf den verunfallten rechten Parteiführer Jörg Haider angewandt - laut Pressemitteilung [ pdf ] des Sprachinstituts von Vielen auch zum “Unwort des Jahres” gekürt ) , 2. Krocha ( Jugendkultur , hier das ultimative Krocha- Lexikon ) , 3. Wachteleierkoalition ( Wahlkampf 08 : höhere MWSt. auf Luxuslebensmittel ) .

SCHWEIZ

1. Rettungspaket ( vor : 2. Task Force Cervelat , 3. Botellón , 4. Raser ( -problematik ) ( offizielle Erläuterungen [ pdf ] hier )

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UNWORT DES JAHRES - KONKRET : Ö | CH

lingo 09 blau DEUTSCHLAND

To be announced . Siehe Vorjahr ( 2007 : “Herdprämie” , “klimaneutral” , “entartet” )

ÖSTERREICH

1. Gewinnwarnung ( Wikipedia ) , 2. Heimatpartei ( rechts | links ) , 3. Kulturdelikt ( offizielle Erläuterungen [ pdf ] hier )

SCHWEIZ

1. Europhorie ( remember ?! : PR- Sprech für die Fussball EM ‘08 ) ( offizielle Erläuterungen [ pdf ] hier )

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NICHT GELISTET : WÖRTLICHE AUFFÄLLIGKEITEN - “GEFÜHLT” , “LOHAS” , “ERZIEHUNGSCAMP”

lingo 09 blauPersönliches Unwort dieses ( wie auch der vergangenen Jahre ) bleibt uns in|ad|ae|qu|at alles , als als “gefühlt” adjektiviert wird . Eine jounarlistische Unsitte , welche seit einer “gefühlten” Olympiade an Jahren Fötong- Karriere macht und besonders charakteristisch ist für den Stil der ZEIT : “Seit Monaten bereits gilt der Außenminister an diesem 4. September als gefühlter Kanzlerkandidat.” - “Die gefühlte Gefahr” ect . - Über ein “gefühltes” Jahr hinweg grassiert dieses “gefühlte” Übel zunehmend auch in Österreich .

Die gefühlte Gefahr ZEIT

Nicht minder nervig allerdings auch die - obgleich seit dem Jahr 2000 als Wort , Zielgruppe und Lifestyle- Species in den USA nachweisbar - 2008 per Shopping- Seiten ( oder hier ) , Internet- Portalen wie Utopia oder treehugger und einem kurzlebigen Nachhaltigkeits- Luxus Print Produkt aus dem Hause Burda prpmoteten LOHAS . Wie man weiss , das Akronym für Bionade- Aficionados , aka Protagonisten eines ” Lifestyle of Health and Sustainability“ mit grossen Schnittmengen- Bereichen ( zumindest in Wien ) mit jener Personengruppe , welche als “Bobos” ganze Bezirke gentrifizieren und leider auch Inspirationsquelle reichlich misslungener Bücher sind .

Die Burda- Postille “IVY” ist - samt vorausgeschicktem Webauftritt - mittlerweile längst wieder vom Tisch : Bedauern bei den Angepeilten , Genugtuung bei den Leer- Content- Jägern .

Karma Konsum LOHAS

Besonders neugierig werden wir allerdings in|ad|ae|qu|at die januarliche “Unwort”- Wahl der “Gesellschaft für Deutsche Sprache” beobachten und sehen , wie weit deren Sprachgedächnits reicht : Es wird nämlich dann genau ein Jahr her sein , dass - lange vor den oben zitierten “hessischen Verhältnissen” - der amtierende hessische Ministerpräsident Roland Koch in der stillen Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr mit der Forderung nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts für Ausländer und gegen die bestehnde “Verständnispädagogik“ aufhorchen liess .

Anlass war jene Prügelei in der Nacht zum 21. 12. 2007 gewesen , bei welcher ein Grieche und ein Türke ( 17 bzw. 20 Jahre alt ) einen Renter in einer Münchener U- Bahn Station einen Schädelbruch zufügten.

Die im folgenden Januar entbrannte Debatte brachte zeitigte manches Unwort , welches den deutschen Sprachbeobachtern doch zumindest zu denken geben sollte : “Merkel will Erziehungscamps und Warnarrest” ( SpOn ) , “Merkel für Warnschuss-Arrest und Erziehungscamps” ( FTD ) , “Erziehungscamps für kriminelle Jugendliche ?” ( WELT- Debatte ) , “NRW plant erstes Erziehungscamp” ( tagesschau.de ) . Und auch Österreich liess sich nicht lumpen : “ÖVP will ‘Erziehungscamps’ für jugendliche Straftäter” , hiess es im März .

erziehungscamp FTD

Da “Erziehungscamp” schon nicht in der österreichischen UNWORT- Liste aufscheint : Sollten wir da in|ad|ae|qu|at hoffen , dass ausgerechnet die Deutschen per Wort- Wahl freiwillig an diese in allen Kategorien peinliche Debatte gemahnen ?

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Das in allen Lebenslagen taugliche Netradio Subflow haben wir - wie gestehen’s mit Scham - an dieser Stelle noch immer nicht vorgestellt . Dies czz-hoerempfehlungsei , um eine alte Bringschuld noch im alten Jahr zu erledigen , hiermit nachgeholt : Als Anlass nehmen wir deepgoas Anregung mit Freuden auf und bringen ein hochgradig minimal- elegantes “LaboMix” aus dem Hause Foton ( @ labomixfrequencies ) zur gedeihlichen Abspielung . CLICK LINK TO LISTEN ( MP3 ) .

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For the record | LINGO 08 / II : Big in Japan



||| NEWSPEAK , NIPPON | WORDS OF THE YEAR ( WOTY ) : MEDIEN | WOTY : PRODUKTE , REKLAME | WOTY : SOZIALE PRAXIS | WOTY : POLITIK | WOTY : DIE SIEGER | OFF TOPIC ? - LEHNWÖRTER | RELATED | KLANGAPPARAT

NEWSPEAK , NIPPON

lingo 09 grün Ganz ohne Lexikographen und Volksstimmungsprogrammierer kommen wir heute in|ad|ae|qu|at zunächst mit der Auflistung rezenter japanischer Sprechtrends auf . Das Blog Pink Tentacle weist auf jene “Top 60 popular Japanese words | phrases of 2008” hin , welche das Verlagshaus Jiyu Kokuminsha jährlich sammelt :

This diverse collection of expressions highlights many of the events, trends and people that caught the attention of the Japanese mass media in 2008.

Aus dieser Liste sucht ein Panel von Juroren die “10 Besten” aus und publiziert diese - siehe gestern : das magische Datum des “Global Language Monitor ” - jeweils am 1. Dezember . Der “cultural gap” zwischen Fernost und der selbst- fokussierten westlichen Welt ist dazu angetan , die Wortliste in eine kleine Kulturschule zu verwandeln - zumindest eine kleine Ahnung von massenmedialen Catch- Phrases , welche als Bezeichnung und im Bezeichneten ( plus in englischer Übertragung ) uns manche der neuesten “Hystorien” ( Elaine Showalter ) Nippons vorführen . Den berühmten “Nihonjinron” ( = innerjapanischen Identitätsdiskurs , von Westlern oft als elitärer Vorbehalt empfunden ) wird man im weitgehend televisionären bzw. Web- Zeitalter freilich vergeblich suchen .

Vielmehr entstammen viele Wörter und Phrasen speziell der TV- Kultur , fassen berühmt- berüchtigt selbstdecouvrierende “Sager” von Politikern zusammen oder entstammen dem hochgradig infantilisierten Genre von Game- Shows und den linguistischen Idiosynkrasien populärer Moderatoren . Weiteres Wortzeug entstammt dem Pool von Firmennamen , Diätpraktiken und Produkten , also der in die Sprache eingesickerten Effekten von Reklame . Als dritte Wortgruppe definieren wir jetzt einmal grob Bezeichnungen für soziale Praktiken , welche , aus Arbeits- wie aus der Freizeit gleicherweise stammen , meist als Unsitten gebrandmarkt werden . - Ja , ja : Genug der Vorrede und wir fangen jetzt endlich an .

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WORDS OF THE YEAR ( WOTY ) : MEDIEN

lingo 09 grün

  • Dumb characters (obaka-kyara): “Dumb characters,” a.k.a. “dumb idols” (obaka-aidoru), are entertainers loved for their lack of brains. Nobody better embodies this phenomenon than clueless TV talents Mai Satoda, Suzanne and Yukina Kinoshita, who, as regular guests on Fuji TV’s “Quiz! Hexagon” trivia show, made a name for themselves by consistently displaying a stunning lack of basic knowledge.
  • “Guu !”( # 1 ): a bastardization of the English word “good” — is the signature line of comedienne Edo Harumi, which she usually delivers while giving an exaggerated thumbs-up gesture. She often incorporates the gag into everyday conversation by over-emphasizing the “guu” sound at the end of words. Edo Harumi also received a lot attention as the celebrity marathon runner at this year’s NTV 24-hour charity telethon, which aims to bring-guu in donations from viewers tuning-guu in to enjoy the spectacle of a celebrity in pain.

Edo Harumi

  • Sekai no Nabeatsu: Sekai no Nabeatsu is the nickname of comedian Atsumu Watanabe, whose inane number-counting gag involves having a conniption fit every time he comes to a multiple of three or a number that has a three in it.
  • “Kimotiiiii !”: Seibu Lions outfielder G.G. Sato is known for driving fans wild with antics like the “Kimotiii!” (”Feels good!”) he belted out on countless occasions this year.
  • “Lost Generation” (rosu jene | sengen): In June, Kamogawa Publishing Co. started a new biannual magazine entitled “Lost Generation,” a self-proclaimed ultra-leftist journal focusing on the themes of “anguish, unease and the absurdities the young people of today face in everyday life.” The magazine takes its name from the so-called Lost Generation of people now in their late 20s and early 30s who came of age during Japan’s lost decade, a period of economic stagnation that followed the collapse of the bubble economy in the early 1990s.
  • The Crab Cannery Ship ( # 7 ) (”Kaniko-sen“): This year saw the surprise revival of “Kaniko-sen“, a 1929 novel by Takiji Kobayashi that follows the proletarian struggle of exploited workers on a crab cannery ship. The book sold over 600,000 copies this year, and a contemporary film adaptation (scheduled for release in 2009) is reportedly in the works.

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WOTY : PRODUKTE , REKLAME

lingo 09 grün

  • Morning banana (asa banana): Years of online discussion between weight-conscious Mixi users resulted in the creation of the “Morning Banana Diet”, a simple diet program which, among other things, involves eating bananas for breakfast. The diet program took the nation and mainstream media by storm after it was featured on a popular TV show. Sporadic banana shortages occurred at some supermarkets as suppliers struggled to keep up with demand.

Zero carbohydrates (toshitsu zero): As a result of the zero-carb trend that took off last year, the “zero” label is a common sight on drink shelves in Japan. The major breweries now offer a range of zero-carb alternatives. Incidentally, anything less than 0.5 gram per 100 milliliters qualifies as zero.

michelin guide ( click to XL )

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WOTY : SOZIALE PRAXIS

lingo 09 grün

  • Guerrilla rainstorm ( # 8 ) (gerira go-u): Sudden, unpredictable rainstorms struck Japan with alarming frequency and intensity this year. Although the expression “guerrilla rainstorm” has been in use for about 30 years, this summer’s abnormally unstable weather really hammered home the meaning.

    Akiba-kei (lit. “Akihabara style”) refers to the geek culture of Tokyo’s Akihabara district, the otaku capital of the world. Synonymous with “otaku,” the expression generally applies to young men who frequent Akihabara and harbor a deep interest in idols, erotic PC games, model figurines and manga, although it can refer to geeky women as well.

  • Arafo ( # 2 ): “Arafo” - a word coined to refer to females between the ages of 35 to 45 - is an abbreviation of “Around 40,” which also happens to be the title of a popular TV drama that depicts the worries and conflicts of the Arafo generation, particularly with respect to career, love, marriage, childbirth and child rearing.

arafo ( click to XL )

  • Taste for middle-aged men (karesen): An abbreviation of “kareta ojisan senmon” (lit. “specialty in withered old men”), “karesen” refers to the particular preference some young women have for middle-aged or older men who are calm, unassuming, and lack sex appeal. This type of man is the subject of a photo-heavy book entitled “Karesen ”, which profiles a host of dandy gents and extols their virtues.

karesen book cover

  • Marriage hunting (konkatsu): “Konkatsu-Jidai” (”The Times of Marriage-Hunting”), a recent best-selling book by Toko Shirakawa, looks at Japan’s declining marriage rate and the growing difficulty that people in their 30s and 40s face when seeking marriage partners. Recent statistics indicate that 47 percent of men and 32 percent of women in their early 30s are unmarried. These figures appear to be on the rise as people focus more on career than on family, and as more and more people view marriage as a personal preference, not an essential part of life .
  • Manager in name only ( # 5 ) (nabakari kanrishoku): “Managers in name only” are company employees who put in lots of overtime but do not get paid for their extra work because they are called “managers,” even though in fact they have no administrative authority. One of these “managers in name only” at the McDonald’s fast-food chain filed a lawsuit against the company for unfair labor practices. In January, the Tokyo District Court ruled in his favor, ordering McDonald’s to pay its outlet “managers” for overtime because they are given no administrative authority. (The law is designed so that companies in Japan do not have to pay overtime to real managers with actual administrative authority.)
  • Late-stage elderly ( # 9 ) (ko-ki ko-reisha): “Late-stage elderly” - those aged 75 or older - now account for nearly 10% of the Japanese population, according to an annual survey by the Cabinet Office. The same report, which warned of an imminent pension crisis as the number of retirees reached a record 27 million (21.5% of the population), added that Japan has become a “full-fledged aged society.” In April, the government rolled out the Late-stage Elderly Health Insurance System to better cover people aged 75 and older. While the scheme has been criticized for various administrative shortcomings, the name itself also came under fire. Many found the phrase “late-stage elderly” offensive, so the government renamed the scheme as the more palatable “Long-Life Medical Health Insurance System.”

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WOTY : POLITIK

lingo 09 grün

  • “I’m different from you” ( # 10 ) (anata to wa chigau n desu): At a press conference following former prime minister Yasuo Fukuda’s sudden resignation in September, a reporter confronted Fukuda about his seeming detachment from the problems facing Japan and his resignation. Agitated, Fukuda fired back: “You said I sounded detached, but I am able to see myself objectively. I’m different from you .” - Japan’s online community mocked Fukuda’s uncharacteristically blunt outburst for weeks.
  • Izakaya taxi ( ‘# 4 ): In June, about 450 Japanese government bureaucrats admitted to receiving beer, snacks and cash from taxi drivers hired for official journeys at taxpayer expense. Taxi fare from central Tokyo to outlying areas can easily cost 10,000 to 20,000 yen ($100 to $200) per trip, which is good money for the driver. To ensure repeat business and get the leg up on the competition, some drivers started keeping coolers stocked with goodies for their big-spending bureaucrat passengers. When the scandal broke, these taxis came to be referred to as izakaya (”pub”) taxis.
  • Kasumigaseki’s buried treasure ( # 6 ) (kasumigaseki maizo-kin): The “treasure” buried in Tokyo’s Kasumigaseki district (home to Japanese government buildings and institutions) is not the legendary trove of riches the Tokugawa shogunate government is rumored to have hidden during the closing days of the Edo period (1603-1867) as they faced defeat by Meiji government forces. Instead, it consists of reserve funds and surpluses in the central government’s special accounts. With an estimated value of 187 trillion yen ($1.9 trillion), some politicians believe that this “treasure” could be used to fund economic stimulus measures and social welfare plans. Arguments over how (and whether) to use this money and whether or not it can effectively bail out the Japanese government are intensifying as Japan’s economic situation worsens.

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WOTY : DIE SIEGER

Habe Sie wohl gedacht , dass wir diese hier in|ad|ae|qu|at noch einmal abspulen ! - Scrollen Sie bitte Ihrerseits noch einmal hinauf und beachten Sie die rot markierten Begriffe : Die Ranking- Ziffer folgt ihnen sozusagen auf deren Fuss …

Japanese words ( click to XL )

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OFF TOPIC ? - LEHNWÖRTER

lingo 09 grünMit “Otaku” ist ja bereits ein japanisches Lehnwort gefallen , welches längst eine internationale Karriere ( unter Nerds ) angetreten hat . Von Begriffen wie Haiku , Manga & Anime , Sho-ji & Tatami , Futon & Tofu bzw Enjokosai & Salarymen ( siehe auch Lolicon ) ganz zu schweigen . Andersherum freilich blieb die Sprachwanderung ( wie Wikipediia und das von der Gesellschaft für deutsche Sprache herausgegebene Kompendium “Ausgewanderte Wörter” lehren ) ebenso an kuturspezifische Termini Technici gebunden . Auch der unvermeidliche S. Sick und die deutlich freundlicher formuliwerte Blogwiese schöpfen aus genannten Quellen .

Dabei werden Medizin ( “runge” < “Lunge” , “kuranke” < “Kranke” ) und Alpinismus ( “shutaikuaizen” < “Steigeisen” , “e-deruwaisu” < “Edelweiss” und natürlich Kulturexport No. 1 , “Heidi” ) als eminente Einflussbereiche des 19. und frühen 20. Jahrhunderts genannt , bezeichnender Weise allerdings auch die Maloche : “arubaito” - allerdings in der Bedeutungseinschränkung auf “Teilzeit” .

Was lernen wir daraus : Im Osten sah man den Postfordismus voraus , ehe man im deutschen Sprachraum auch nur eine Minute lang an das Cluster “neuer Arbeitsverhältnisse” dachte . - Eben : Ex oriente lux .

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Geregelte Patterns ohne Exzesse : Das wäre doch das Rechte , um die in|ad|ae|qu|ate Japanologie musikalisch zu runden . Wobei es uns mit der czz-hoerempfehlungAnspielung zweier Mini- Releases vornehmlich darum geht , das Belgrader Minimal- Techno- Netlabel Norbu vorzustellen . “Ambient” , “idm” sowie “experimental” lauten die weiteren tags . Seit Beginn sind kalope mit im Team , von ihnen stammt auch die jüngste Release Numero 10 : “in deep sea expedition” . Ein Jahr zuvor hatten sie mit “flatfield” den Sechser geliefert . Die deskriptiven Vokabeln wären vom p. t. Publikum möglichst in japanischer Umschrift einzureichen . CLINK LINKS TO LISTEN TO STREAMS ( WMP ) : “in deep sea expedition” ( 17:34 ) | “flatfield ” ( 22:45 ) .

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