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“Voyage au bout de la nuit” , 4. Folge : Zurück im Sumpf der Pariser Vorstadt - Armendoktor , Irrenarzt



||| I. REPRISE | II. VORSTADT : IM SUMPF | III. VERGEGENWÄRTIGUNG STATT VOYEURISMUS | IV. BINNENROMAN DER HENROUILLES | V. FALLGESCHICHTEN : VOM ERZÄHLEN | KLANGAPPARAT | HINWEISE - Photographien : Eugène Atget ( click to XL )

I. REPRISE

Atget Eugène Figaro PopulaireWir erinnern uns : Nach dem Morast der Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges , dem Sumpf der Kriegsgewinnler im sicheren Pariser Hinterland ( > Folge 1 ) , dem Schlamm Afrikas ( > Folge 2 ) und dem “concrete jungle” New Yorks ( > Folge 3 ) war Bardamu in der Stahlstatt Detroit gelandet : Die Auflösung der Grenzen - ja : der Idee - des Individuums tritt hier lediglich in einen neuen Aggregatzustand . Was im Krieg der Kollektive Truppenkörper , im Hinterland die Spielfigur in einem gesamtgesellschafltichen “Lug- und Trug- Abkommen” und in den Tropen eine tendenziellle Verwesung bei lebendigem Leibe gewesen war , figuriert nun im klassisch maschinenstürmerischen Motiv des Rädchens im Getriebe einer Riesenmaschine .

In seiner “Reise bis ans Ende der Nacht” setzt Louis-Ferdinand Céline Station nach Station , Aggregat für Aggregat , Soziotop für Soziotop seinen romanesken Anschauungsunterricht in Sachen “Zertrümmerung des abendländischen Subjekts” fort . Unter den jeweils herrschenden Verhältnissen , so der Chronist Ferdiand Bardamu aka Louis-Ferdinand Céline , ist das angeblich nach Gottes Ebenbild geschaffene Wesen fähig , sämtliche Gestalten anzunehmen : Vom Wurm und Parasiten bis hin zum pur Mechanischen . Hatte ein ästhetizistisches Ich vom Schlage Rainer Maria Rilkes angesichts des “Chocs” urbaner Massemenschen und Menschenmassen noch gefleht …

O Herr, gib jedem seinen eignen Tod.
Das Sterben, das aus jenem Leben geht,
darin er Liebe hatte, Sinn und Not

… streicht Céline solche humanistischen Hoffnungen mit jeder Szene , Folge , Episode erneut durch . Dass dies viel weniger zynisch geschieht , als dies gemeinhin angenommen wird , liesse sich an unzählingen Zitaten belegen : Denn es ist ein Teil der Radikalität dieses Romans , dass die Idee des “eigenen” Todes gegen alle Evidenz und gegen alle Verhältnisse das eigentliche Movens ist , welches den Chronisten in sämtlichen realen und sozialen Sümpfen am Leben erhält . Wir kommen darauf zurück .

II. VORSTADT : IM SUMPF

Atget Eugène Rue de la Montagne Sainte GenevièveZurück aus den USA , dem faul gewordenen Traum eines sinnlicheren , freieren Lebens , ergeht es Bardamu in Paris nicht wesentlich anders als vielen Auswanderern vor und nach ihm :

Aus der Neuen Welt zurückzukommen, das bringt gar nichts! Man findet das lose Ende der Zeit genauso wieder, wie man es hat hängen lassen, schmierig, ungewiss.

Allerdings hat er aus Detroit jenen stählernen Appell mitgebracht , sich selbst zum Produkt zu schmieden . Also absolviert er in kürzest erzählter Zeit den Rest seines einstmaligen Medizinstudiums und lässt sich als Armenarzt in der ( fiktiven ) Vorstadt La Garenne- Rancy nieder . In den Schilderungen dieser deprimierenden Viertel , dessen stereotypen Tiden von Auszug und Heimkehr der Berufstätigen , besonders allerdings der fauligen Stasis derjenigen , die als Kleinunternehmer , Conciergen , Schmalspur- Huren , verwahrloste Alternde , Suffmütter und Prügelväter samt Progenituren dort leben , bleibt das Bild des Sumpfes vorherrschend .

Die Häuser lassen einen nicht los, zugeschmutzte, langweilige Fassaden ( … ) . Die Farbe des Himmels ist in Rancy dieselbe wie in Detroit, dünner Qualm überweht die ganze Ebene ( …. ) . Schrottige Gebäude, die im schwarzen Matsch am Boden kleben. Niedrige und hohe Schornsteine, es sieht aus wie an der See, von fern gesehen, die Pflöcke im Schlamm. Und da drin sitzen wir.

Wenn man in Rancy wohnt, bemerkt man nicht mal, dass man traurig geworden ist. an hat keine Lust mehr, was Besonderes zu machen, das ist es. Vor lauter sparen an allen Ecken und Enden ist einem jede Lust vergangen.

In der Tat verliert der Doktor unter solchen Umstanden rasch jede Illusion einer einigermassen integren Existenz . Als Armenarzt ohne dem nötigen Durchsetzungswillen , auch bei vergeblichen - nicht selten von den kleingläubigen “Angehörigen” der Kranken direkt verhinderten - Visiten an das fällige Honorar zu gemahnen , sind Ruf und Barschaft bald allgemein “unten durch” . Gelegenheit galore , in den tristen Hinterhof der kargen , halb als “Praxis” leerstehenden , Wohnung zu starren .

Und es bedarf wahrlich keines besonders forschenden Blicks um den baulichen , hygienischen , olfaktorischen und menschlichen Schlamm “là bas” wahrzunehmen . Die Unausweichlichkeit solcher Wahrnehmung wird durch die Voranstellung eines - bemerkenswerten - akustischen Hinterhofportraits akzentuiert . Im Unterschied zum Augenschein , von welchem wir uns abwenden , den wir verdrängen können , sind wir akustischen Ereignissen unablässig ausgeliefert . Hier also eine phantastische Passage in Sachen “Stadtklang” :

Sämtliche Schreie und Ausrufe aus den zwanzig umliegenden Wohnungen purzeln hier unten zusammen, krachen auf den Boden, federn wieder hoch, bis hin zu den verzweifelten Piepsern der kleinen Vögelchen von den Conciergen, die vor sich hin schimmelnd dem Frühling hinterhertschilpen, den sie in ihrem Käfig nie wieder erleben werden, bei den Klos, die hier unten alle nebeneinander liegen, da ganz hinten im Schatten, mit ihren immer schief in den Scharnieren hängenden, sperrangelweit offen stehenden Türen. Hundert männliche und weibliche Suffköppe bevölkern diese Ziegelbauten und würzen die Geräuschkulisse mit ihrem prahlerischen Zank, ihren gelallten, herausplatzenden Flüchen, besonders am Samstag nach dem Mittagessen. Das ist der innigste Augenblick des Familienlebens. Die haben hübsch einen in der Krone und provozieren einander mit Worten, Papa schwingt den Stuhl wie ein Holzfäller die Axt, das muss man gesehen haben, und Mama ein glimmendes Holzscheit wie einen Säbel! Wer schwach ist, nichts wie in Deckung! Immer auf die Kleinen. Die Ohrfeigen klatschen alles an die Wand, das sich nicht wehren und nicht mit gleicher Münze kontern kann: Kinder, Hunde und Katzen. Beim dritten Glas Wein schon ( …. ) ist der Hund dran, dem wird mit dem Absatz ordentlich auf die Pfote gelatscht. ( …. ) Schallendes Lachen, wenn er sich winselnd wie ein Abgestochener unterm Bett verkriecht. Das ist das Startsignal. Nichts stimuliert angeschwipste Frauen so sehr wie das Leid von Tieren ….

III. VERGEGENWÄRTIGUNG STATT VOYEURISMUS

Atget Eugène Rue Saint-SauveurWas im Modus eines geradezu Jelinek’schen Sprachrausches in böser Folgerichtigkeit anhebt , nimmt seinen - weiterhin vorwiegend akustischen - Gang :

Alles hat einmal ein Ende. Das ist nicht immer der Tod, oft etwas anderes und schlimmeres, vor allem, wenn Kinder betroffen sind. Da wohnten gewisse Mieter genau auf der Höhe über dem Hof, wo das Dunkel zu Zwielicht wird. Wenn Vater und Mutter allein waren, an den Tagen, an denen es wieder mal so weit war, dann stritten sie erst ausgiebig, bis es plötzlich für längere Zeit still wurde. Es bahnte sich an. Erst mal riefen sie ihre kleine Tochter, liessen sie kommen. Die wusste schon Bescheid. Sie flennte sofort los. Die wusste, was ihr blühte. Der Stimme nach zu urteilen, war sie gut zehn Jahre alt. Erst nachdem ich das einige Male mit angehört hatte, begriff ich, was die beiden mit ihr machten.

Die folgenden Details häuslichen Missbrauchs scheinen uns weniger von Belang ( > P. S. ) als jener Zwang zum Zuhören , von welchem Bardamu / Céline im Folgenden Kunde gibt : Es handelt sich dabei um einen akustischen Sog der Gewalt , welcher einer des auditiven Dechiffrierens ist - ein verzweifelnder Versuch , des Unglaubliche und doch offenbar allgewaltig Banale zu verstehen . Eine Geisteshaltung , welche uns am ehesten mit dem englischen Begriff “to realize” zu bezeichnen wäre …. in etwa also ein Vergegenwärtigen , welches fundamental von den Erwartungshaltungen des Voyeurismus geschieden ist .

Ich versagte völlig. Ich konnte nichts unternehmen. Ich hörte nur einfach zu, wie sonst auch immer, überall. Aber ich glaube, es gab mir sozusagen Kraft, das anzuhören, Kraft zum Weitermachen, eine seltsame Kraft, und das nächste Mal, dann würde ich noch tiefer steigen können und Schmerzenslaute hören, die ich noch nicht gehört hatte, die ich mir bislang nicht vorstellen konnte, denn es ist, als würde es hinter dem, was man kennt, immer noch weitere Schmerzenslaute geben, die man noch nicht gehört und noch nicht verstanden hat.

Hier ist beileibe nicht “lediglich” vom ärztlich- sezierenden Bewusstsein des Chronisten die Rede : Einerseits bereitet dieses “vexierte Hinhören ” auf die unzähligen Fallgeschichten vor , welche Bardamu in diversen Wohnungs- und Familienhöllen antreffen wird . Zum Andern manifestiert sich hier ein Letzrest einer humanistischen Hoffnung auf “Verstehen” , ja , wenn nicht überhaupt der Idee eines “Dahinter” . Dass hinter all der Misere , Gewalt , Krankheit , Verderbtheit und Tod es doch noch eine Stimme , einen Sinn , ein irgendwie Integrierendes gäbe .

IV. BINNENROMAN DER HENROUILLES

Atget Eugène Die Bannmeile Bewohner der Bannmeile an der Porte d'ItalieZu den kompositorischen Eigenwilligkeiten Célines zählen nicht nur die atemberaubenden Raum- und Zeitsprünge , Anachronismen und sprachspielerisch böse kalauernd benannte fiktive Orte , sondern auch die Aggregierung mehrerer potenzieller Romane in einem einzigen . Die Geschichte der Familie Henrouille wäre ein solcher - unter anderen Umständen separat zu betrachtender - Binnenroman , welcher etwa Mitte des Buches anhebt und sich über die folgenden allerdings zunehmend unablösbar und fatal in Bardamus Geschichte verwebt .

Es würde zu weit führen , an dieser Stelle auf die anfänglich an so etwas wie Sympathie oder Mitleid appellierende Story von den Kleinen Leuten einzugehen , die ihr Leben lang brav und bieder an der Abzahlung ihres in die Pampa gesetzten Häuschens arbeiten , während ringsherum die Mietskasernen und Fabriken aus dem Boden schiessen .

Die wirkliche Katastrophe bahnt sich allerdings erst an , als nach der Abdienung der Hypothek die Energien des bislang bescheiden unauffälligen Ehepaars nicht mehr auf ein einziges Ziel konzentriert sind , sondern frei schweifen . Vom Versuch , die greise Schweigermutter in ein Heim abzuschieben bis hin zu einem fatalen Mordanschlag mit unerwünschten Konsequenzen bleibt fortan kein Auge trocken .

Dass hier ausgerechnet das rätselhafte Alter Ego Bardamus - eine Figur mit dem sprechenden Namen Robinson - hinein verwickelt wird , sein Augenlicht verliert , samt Schwiegermutter nach Toulouse abgeschoben wird , von wo der mittlerweile zum Heiratskandidaten mit wiederkehrender Sehkraft Avancierte später in die von Bardamu geleitete Irrenanstalt flieht … wird unsere Serie über diesen Monsterroman im nächsten ( und letzten Teil ) beschliessen .

V. FALLGESCHICHTEN : VOM ERZÄHLEN

Atget Eugène Interieurs Zimmer eines Arbeiters Rue de RomainvilleDie Wohnungen , in welche Bardamu alas Arzt gerufen wird , sie bieten im Grunde sämtlich das nämliche Bild . Kreischende , schreiende , ihr eigenes Leid beklagende Angehörige ( laute Céline : zumeist Weiber ) , die sämtliche Aufmerksamkeit fordern . Daneben der Kranke , das Kind , der Greis , in Agonie . Krank , so das Fazit , sind nicht die physiologisch Leidenden . Krank ist deren selbstsüchtige Umgebung , besessen von lautstarken Konvulsionen der Ego- Hysterie . Drastisch im Fall einer jungen Schönen , die nach dem soundsovielten Abtreibungsversuch in der elterlichen Wohnung buchstäblich verblutet , derweil sich die um den Familenruf besorgte Mutter in kreischendem Selbstmitleid ergeht .

Will meinen : Selbst angesichts der Leiber und ihres Leids handelt Bardamu / Céline immer wieder vom Sprechen und vom dem , was ( überhaupt ) zu reden wäre . “Man sollte sich da keine Illusionen machen”, wird notiert , ” die Leute haben einander nichts zu sagen, sie reden jeder nur über das eigene Leid, das ist nichts Neues” . Gleichwohl scheint im Reden , wird an anderer Stelle insinuiert , noch ein Residuum dessen zu schlummern , was man ebenso als “Hoffnung auf Mit- Teilung” bezeichnen könnte wie auch als eine Form von “Erlösung” :

So enden unsere Geheimnisse, wenn wir sie ins Freie entlassen, vor ein Publikum. Es gibt ins uns und auf der Erde und vielleicht auch im Himmel an Schrecklichem nur das, was noch nicht gesagt ist. Ruhig werden wir erst sein, wenn alles gesagt ist, ein für alle Mal, dann endlich werden wir schweigen und keine Angst mehr vorm Schweigen haben. Dann ists geschafft.

Als wäre das Gerede ein Fegefeuer der Unerlösten und dauerte ein Leben lang , ehe endlich ein Schweigen - DAS Schweigen - in Reichweite gelangt . Wie irdisch- physiologisch sich dieser quälende Vorgang des Redens ausnimmt , exemplifiziert Bardamus medizinischer Blick ausgerechnet am Close- Up auf das Sprechorgan eines Geistlichen , welcher Bardamu ein weiteres Mal dazu bereden will , endlich ein Attest für den Alterirrsinn der Mutter Henrouille auszustellen . Auf dass man das Weiblein endlich in ein Heim abschiebe .

Ich hatte mich an solcherlei genaue Beobachtungen gewöhnt, ich tat das sogar gern. Wenn man sich zum Beispiel mit der Art und Weise beschäftigte, wie die Wörter gebildet und hervorgebracht werden, brechen unsere Sätze unweigerlich unter der Scheusslichkeit ihrer sabbrigen Bühne entzwei. Der mechanische Aufwand, den wir für ein Gespräch treiben müssen, ist viel komplizierter und mühsamer als für die Ausscheidung. Dieser Kranz aus vorgestülptem Fleisch, der Mund, wie er da zuckt beim Pfeifen und Atmen, wie er sich anstellt, um allerlei schleimige Töne durch das stinkende, kariöse Gehege zu schaffen, die reinste Strafe!

Wenn Bardamu / Céline den BIOS auf solche Weise vor die sogenannte “Kultur” rückt - “schliesslich sind wir nichts als Säcke voll lauwarmer, halb verfaulter Innereien, und darum haben wir mit den Gefühlen immer so unsere Schwierigkeiten” - steht er dem physiologischen Blick des Arztes Gottfried Benn nicht sehr ferne “Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch” ….

Das Reden der “Irren” , welche Bardamu nach Aufgabe seiner Praxis und Zwischenstationen in einer TBC- Klinik sowie in einem Cabaret schliesslich in Vigny-sur-Seine betreut , ist von anderem Charakter . Die Selbstgenügsamkeit der geschlossenen Kopfkosmen produziert - ein Ausnahmefall in diesem sprachmächtigen Roman über den Ekel am “Gerede” - immerhin weder Lüge noch Aggression :

Wenn sie das taten [ Spazierengehen im Park des "Sanatoriums" , czz ] , hielten sie den Kopf so komisch auf den Schultern im Gleichgewicht, als hätten sie unablässig Angst, etwas von seinem Inhalt zu verschütten, falls sie stolpern sollten. Drinnen prallten jede Menge kuriose und hüpferische Dinge aneinander, an denen sie ganz fürchterlich hingen. Von diesen ihren geistigen Schätzen erzählten die Irren nur unter allerlei furchtsamen Verrenkungen oder mit herablassendem, gönenrhaftem Gebaren, in der Art hochmächtiger, buchstabengenauer Verwaltungsbeamter. Nicht für ein Königreich hätte man diese Leute aus ihren Köpfen rausbekommen. Ein Verrückter hat keine anderen Gedanken als jeder andere gewöhnliche Mensch auch, aber bei ihm sind sie sicher im Kopf eingesperrt. Die Welt dringt in diesen Kopf nicht vor, und das genügt.

Wer jetzt denkt , den “Irren” würde als einziger Instanz in diesem “Buch der Sümpfe” die Gnade einer gewissen “Reinheit” zuerkannt , wird auch dieses romantische Klischee verabschieden müssen . Denn der oben zitierte Absatz schliesst wie folgt :

So ein abgeschlossener Kopf wird wie ein See ohne Zufluss, ein grässlicher Gestank.

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KLANGAPPARAT

Bouge de là” : MC Solaars legendärer Track aus der 1991 herausgebrachten CD “Qui sème le vent récolte le tempo” scheint uns gar nicht so czz hörempfehlung schlecht zu Louis-Ferdinand Célines Vorstadt- Argot und Gossenszenen zu passen . Der Song , so viel sei verraten , beschliesst eine liquide gestimmte Mixstrecke von rund 45 Minuten : Das “Year Zero Mixtape” aus dem Hause XLR8R ( sprich : “accelerator” ) besticht - einmal wieder - durch Stil … und besteht durchwegs aus den 1993er Favoriten des Teams . Deshalb der nun schon zweite Auftritt der magazinalen Musikalien in Wochenfrist . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST & LISTEN |||

HINWEISE

related

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P. S. , 4. 5. : Selbstredend sind diese deutlichen Hinweise auf familiäre Gewalt mitnichten ohne Belang : Man mag sie in diesen Tagen der weltweiten Erregung über die österreichischen “Bunker”- bzw. “Kellerfälle” als historische Indizien für den alltäglichen Missbrauch zur Kenntnis nehmen . Schon Céline räumt kräftig mit der Ideologie der heilen Familie auf . Die im trauten Heim vollzogene Schändung des “Fleischs von meinem Fleisch” - von der FAS als aktuelles Zeitzeichen für die “Privatisierung der Hölle” interpretiert - : nicht nur in dieses Werk der Weltliteratur ist sie seit langem eingeschrieben .

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LITERARISCHE BLOGS | poetologische positionen



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WEBLITERATUR : EIN HYPE …

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereEs muss irgendwann gegen Ende der 80er Jahre und ergo mitten im Web 1.5 gewesen sein : Als “Globalisierung” noch kein Unwort war und infinite Informationsströme nicht Synonym für Attention Deficit Disorder . Die Nerds out there im bläulichen Licht ihrer Konsolen verstanden sich als Synapsen eines superhumanen Hirns . Das Global Village bot neben den gesellschaftlichen Utopien von Dezentralisierung und Partizipation , der Hoffnung auf die ( dann tatsächlich eingetretenen ) Flexibilisierung von Tages- , und Lebensläufen auch eine Menge Treibstoff für Theorie- strotzende Triebabfuhr . Noch war man nicht “Schwarmintelligenz” , sondern Elite , Bleifuss fest auf dem “Diskurs” . Schliesslich galt es , mit babylonischen Neologismen , entlehnten Epistemen und laufend aufdatierten Projektdesigns Kredit zu kriegen in den realen und symbolischen Ökonomien . |||

… UND SEINE FOLGEN

Als das Web Zwei Null plötzlich schnöde für Jedermann da und Rainald Goetz’ “Abfall für Alle” gedruckt , gebunden und teils schon wieder beim Antiquar gelandet war : Wo sind sie geblieben , die Apologeten des Hyper- , Meta- , Ultra- und Infra- Literarischen , respektive : des exquisiten Kadavers einer genuinen Netz- Literatur ? - Projekte wie “PooL” sehen heute nachgerade archäologisch aus , Protagonisten des Hypertext- Hypes haben sich einträglicheren Geschäftsmodellen wie readme zugewandt . Geblieben sind praktikable Online- Anthologien wie lyrikline.org , lyrikwelt.de oder lyrikkritik , Serviceportale wie Bluetenleser und das zeitweilig belachte Marbacher Literaturportal . Geblieben sind die Online- Schaufenster von Frischtext- Print- Periodica . Geblieben sind aber auch Kollektiv- Text- und Tagebücher wie Nensch . Geblieben die in sich geschlossenen kommunizierenden Gefässe wie Forum der 13 oder der goldene fisch . |||

BLOGS , LITERARISCH

Geblieben ist allerdings auch eine Fülle “literarischer” Weblogs : Meist Ego- Shooter , welche mit mehr oder weniger Ernst teils in in strengen Kammern oder auf den Registern eines “erweiterten” Literaturbegriffs spielen . Gilt den Einen das ICH als hyperbolischer Weltenspiegel , splittern sich Andere knirsched oder grinsend in Partialsubjekte auf : also ganz wie in der belletristischen Echtwelt . Unter solchen Umständen ist es praktisch , wenn sich notorische Mono- Publisher

  1. zu einem Netzwerk der unterschiedlichen Temperamente und Performanzen zusammen schliessen sowie
  2. sich und einander je eine Definition des individuellen Verständnissen “literarischen” Bloggens abnötigen . |||

POETOLOGISCHE POSITIONEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollerePunkt eins wurde mit litblogs.net ins Leben gerufen . Und Punkt zwei liegt mit Ausgabe 5 der Zeitschrift spa_tien in gedruckter Form vor . Der jetzt fällige DISCLAIMER folgt promt : Wenn sich in|ad|ae|qu|at seit kurzem zu den Benetzten zählen darf , so geschah dies nicht aufgrund ästhetischer Präferenzen oder literarischer Sekten und Schulen . Entsprechend stiessen wir erst längst nach Redaktionsschluss des vorliegenden Heftes hinzu . Nicht zum Liebesdienst , nicht als Eigenwerbung taugen unsere kurzen Bemerkungen zur diskursiven Selbstdarstellung “literarischer” Blogger : Die Überprüfung manch vollmundiger Thesen anhand der tagtäglich ins Web fliessenden Texte sei dem p. t. Lesenden selbst vorbehalten . Wir nehmen es jetzt strikt alphabetisch .

Manche der Selbstaussagen zum eigenen Blog- Werken wurden ihrerseits in bewusst poetischer Desinvolture gehalten , dass diese sich einer diskursiven Paraphrasierung ( vulgo theoretischen Einordnung ) entziehen . In diesem Sinne mag sich der Leser der spa_tien selbst ein Bild machen von den immanenten Poetiken , wie sie Helmut Schulze für sein Blog PARALLALIE oder Andreas Louis Seyerlein zu AIRMAIL formulieren . |||

NON- EGO & ALLMÄHLICHE VERFERTIGUNG

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollere HARTMUT ABENDSCHEIN ( *1969 ) ist - zusammen mit Markus A. Hediger ( *1969 ) - Begründer von litblogs.net sowie Herausgeber der “spa_tien - zeitschrift für literatur” . In den diskursiven Überlegungen zum Thema praktiziert Abendschein die auch für sein Blog TABERNA KRITIKA charakteristische Form des ( fiktiven ) Dialogs . Was , nebenbei bemerkt , weniger “literarisch” anmuten muss , als es auf den ersten Blick wirkt : Die Vorliebe deutscher “A- Blogger” , einander gegenseitig zu interviewen , kann mittlerweile als notorisch gelten . Abendschein indes markiert Abstand zum trügerischen ICH des “Webtagebuchs” - ebenso allerdings zu den “trackback”- Techniken des Community- und Authority- Building :

hören sie mir doch bitte damit auf ! als machte ein link ein weblog aus ! die ganze diskussion um links und kommentare und trackbacks, pingbacks undsoweiter. lächerlich. ( … ) aber fakt ist: ich schreibe. das können sie gar nicht wegdiskutieren. und ja: ich benutze da so ein system. ob ich da nun verlinke oder auch nicht. überhaupt: das lesen und schreiben. eine einzige verlinkung. da braucht man gar kein <a href=”"></a>zu setzen.nein. das macht der leser oder die leserin selbst.

Für den Autor bietet das Blog Raum für jene “kleinen formen”, welche sich sukzessive in- und miteinander “verschalten” . Das Blog also als Medium , dem Druck des “grossen Wurfs” zugunsten von “Materialklumpen” zu entkommen oder , nach Kleist : “Über die allmähliche Vernetzung des Schreibens mit dem Schreiben ” allmählich “Werk” zu werden . |||

PRAXIS ABSEITS DER INSTITUTIONEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereFür die in Wien lebende Juristin , Künstlerin und Autorin NEDA BEI ( * 1952 ) stellt die Usability des Weblogs zunächst eine pragmatische Form dar , “das schreiben [ zu ] retten” : Einerseits im Sinne einer “kleinen alternative zum grossen redaktionssystem einer statischen website” . Das “tröpfelnde verfassen neuer texte” vermag als Praxis und Ritual das “Weiterschreiben” eventuell sogar gegen die konkreten Anfechtungen des Echtlebens zu verteidigen . Auch gegen die Ein- und Auschlussmechanismen , Abhängig- und Gefälligkeiten des manifesten Literaturbetriebs :

werde ich nunmehr gefragt , ob ich noch schreibe , kann ich als kleinkapitänin auf mein logbuch verweisen. |||

CHANCE TO CONNECT , ICH IN RELATION

Wie Abendschein interessiert sich auch MARKUS A. HEDIGER ( *1969 ) für die Diversifikationen und differenten Valenzen von Wort und Wert des ICH im Medium des Blogs ( HANGING LYDIA ) . Daher die - zunächst - virtuelle Kontaktaufnahme mit dem ICH- kargen Abendschein , daher aber auch die Faszination an der forcierten Fiktiv- ICH- Positionierung im Blog von MICHEAL PERKAMPUS . Hediger versteht sein eigenes Agieren als jeweils relatives - sei’s als Minimaldifferenz zur VernICHtigung eines Alter Ego , sei es in der offensiven Adoption eines künstlichen Schreib- ICHs im Rahmen des kapitelweise abwechselnd von HEDIGER und PERKAMPUS entstehenden Romans :

Seit einigen Monaten schreiben P. und ich an einem gemeinsamen Buch. Kapitel für Kapitel, abwechselnd jeweils, er eines, dann ich, dann wieder er. Wie kraftvoll P.-s Präsenz bis in dieses Projekt hineinwirkt , zeigt sich an den Kapiteln, die ich bisher schrieb: Da fallen die Grenzen, für mich bislang Unvorstellbares bricht in den Text hinein, es ist phantastisch. |||

MASSE UND MASSAGE

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDass der Schriftsteller ALBAN NIKOLAI HERBST ( *1955 ) sein ICH durchaus autoritativ und im Sinne eines Ego- Branding setzt , ist jedem Besucher des Blogs DIE DSCHUNGEL.ANDERSWELT bekannt . Die emphatische ICH- , Werk- und Blog- Konzeption des Autors manifestiert sich unverholen in der Form seines “Beitrags” für die spa_tien- Anthologie : Herbsts “Thesen zu einer möglichen Poetologie des Weblog” erscheinen in Form eines 2005 gehaltenen Vortrags . Das Signal ist klar : Die Rede über das eigene Blog gilt dem Autor als hinreichend “wertig” , dass sich jede “Anpassung” bzw. Redaktion im Hinblick auf den Publikations- Kontext anno 2008 erübrigt .

Es ist hier @ in|ad|ae|qu|at nicht der Ort , die weit ausgreifenden Bögen einer auf - teils sehr diskutable Prämissen gestützten - Argumentation nachzuzeichnen . Nur einige Stichwörter : Das Blog beerbt die historischen Avantgarden im Zusammenspiel von Künstler und “Maschinisten” . Das sich im Blog technisch ( re ) produzierende Schreiben verliert die “Sakralität” der an der herkömmlichen Genieästhetik orientierten Literatur : “Das Internet aber ist, weil es profan ist - noch profan - geschichtslos” . Um diesen kalten und ahistorischen Leerraum mit Mythen , Märchen , Verheissungen zu möblieren , bedarf es des künstlerischen “Opfers” . Das Wort vom “Märtyrer” fällt und der Name der “Al Quaida ” ( ? ) .
Anders als der monadisch in seiner Klause vor dem leeren Blatt Papier eingekapselte Künstler driftet der literarische Weblogger in einem interaktiven ( “kybernetischen” ) Raum , wo durch Kommentare und Chats Momente von “Unmittelbarkeit” zustossen . Der literarische Blogger im Inter- Net schreibt in einer “Zwischenwelt” . Das Medium generiert und reflektiert das Kunstwerk mit ( siehe Kittlers “Aufschreibsysteme” plus Kritik ) .

Ich verstehe unter einem literarischen Weblog insofern nicht ein Weblog, das literarische Texte veröffentlicht, also Statthalter eines Printmediums im Netz ist, sondern eine Publikationsform, die sich selber zum poetischen Gegenstand macht, indem auch die sie basierende Technologie poetisiert und in die Gestaltung einbezogen wird: Sie ist ebenso Romanfigur wie jemand, über und/oder von dem erzählt wird. Dies schließt an eine der Grundbewegungen der ästhetischen Moderne an: Der Prozess der Entstehung wird selber zum Material des Kunstwerks. |||

DISEMBODIED ONLY

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereJÖRG MEYER ( *1964 ) gibt sich dekonstruktivistisch und attribuiert dem Blog- Text ( PÖDGYR ) einen selbst- und subjektgenerierenden Willen . Die laut- und sprachspielende Ironie sei nicht auzuschliesen , wenn es über eine “disembodied texture” heisst :

Nur im TEXT.ÜBER.DEN.TEXT entsteht also überhaupt die frage: was ist was ? muss nicht nur das out.ohr im text er-tauben, sondern auch der leser verschwinden im/aus dem text ? dann, erst dann, wäre NUR.NOCH.TEXT. das wäre UR.KNALL. bloß: aus dem ur.knall entsteht sofort wieder materie. erstmal strahlung, aber dann daraus gleich wieder KÖRPER. Die im/vom text artikulierte sehnsucht, im text zu verschwinden ist die sehnsucht eines körpers, der ja andererseits im text gar nicht sein kann, nur als figur. Text, der nur noch text ist (also die autonome asymptote überschritten), der nicht mehr gelesen zu werden braucht, ist dabei eine rein akademische frage ( … ) . was im text, hinter dem text, verschwinden will, ist der körper. Der körper des out.ohrs, dessen, der “sich” als ingenieur.voyeur beschaut, sich wundert usf. die alte sehnsucht, NUR NOCH GEIST zu sein. |||

LIVE- ACT MIT FRISCHEN IMPERATIVEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDie 1963 in Teheran geborene Autorin SUDABEH MOHAFEZ verfügt über Romanerfahrung , orientiert sich für ihre ZEHN ZEILEN allerdings an den genuinen Darstellungs- und Rezeptionsbedingungen des Mediums “Blog” . Im Unterschied zum üblichen Publizieren via Lektorat , Satz , Marketing und einem Verlag als “Panzer” um Buch und Autor biete das literarische Bloggen einen “Live- Schreibact vom Feinsten” . Produktive Komponenten dabei sind :

Die betont rasche Niederschrift innerhalb einer Viertelstunde sei reizvoll als selbst gestellte Aufgabe , biete zudem eine Art kontinuierliches Schreibtraining . Auch der Fokus auf optimale optische Strukturierung ( “auf einen Blick” ) sei - im Unterschied zur Grossnarration - ein lohnender Mehrwert . Im Verzicht auf die unendliche Korrektur und Revision tritt das Moment der “Improvisation” zu Tage : Performanz mit direkter Resonanz . Schliesslich böten die Inspiration und Zitation von im Netz gefundenen “Fremdtexten” schöne Möglichkeiten für intertextuelles Spiel :

Ideen teilen, Zugänge schaffen und Lesens- und Sehenswertes voicen . |||

SPIELMODELL “AUTONOMIE” IM “KÜNSTLICHEN PARADIES”

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDass dem Blog des Schriftstellers , Musikers und Schauspielers MICHAEL PERKAMPUS ( *1969 : P-’s VERANDA ) ein histrionisches Moment eignet , liegt auf der Hand . Kraftvoll plädiert der neue “Jedermann” für eine autonome Alternative zur Verwertungs- und “Geldmaschnine” der Verlage . Via Weblog komme Literatur ( “Lassen wir die Diskussion darüber, was Qualität bedeutet, einmal links liegen ” ) ohne die Zwischenfilter von Redaktoren , Lektoren direkt an die Leserin , den Leser . Welchen wiederum hinreichend Autonomie zugestanden wird , selbst über ihre Lektüren zu entscheiden :

Wenn also der Autor entscheidet, was er anbietet, dann entscheidet nicht zuletzt der Leser, was ihm gefällt und vertraut in erster Linie sich und dem Autor und nicht einem Verleger und einem Verlag. Beide, Leser und Autor, werden in diesem Zu stand der Freiheit völlig autark.

Ein weiteres Argument für das literarische Bloggen besteht für PERKAMPUS in der Offenlegung der oft noch provisorischen Form , in der Dokumentation des Schreibprozesses mit all seinen Stufen von Visionen und Revisionen . Dass diese ( nicht unbedingt mit “unmittelbar” gleichzusetzende , czz ) Öffnung seitens des Autors durchaus exhibitionistische Momente - und symmetrisch dazu beim Leser voyeuristische Freuden - aufweisen kann , mag zum Reiz des Spielmodells “literarisches Blog” durchaus beitragen : Pro domo et mundo gesprochen , wäre die Blogosphäre mit all ihrer Illusionistik , Ortlosigkeit und “Möglichkeitsform” ( Musil ) ein postmodernes “künstliches Paradies” . |||

“WIR” - WO ANDERS ?

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereBeim Text- und Bildblog LOGBUCH ISLA VOLANTE ist sicher nur , dass gar nichts sicher ist . Weder , ob das Autorenkürzel Rittiner & Gomez ( *1960 ) sich auf eine oder mehrere Autoren bezieht ( in der Fiktion des Blogs handelt es sich konsequent um ein “WIR” ) , noch , ob die virtuos ge- und bezeichneten Reisen Vision , Fiktion , Erinnerung oder Realitätsreste darstellen . Hier zielt das Begehren nach Autonomie nicht nur auf die literarischen Türhüter , sondern auch auf deren Kollegen im Kunstbetrieb , vulgo Ausstellungsmacher und Kuratoren .

Wir konnten also einerseits kontinuierlich an einem Projekt arbeiten und waren andererseits frei für Experimente und neue Wege. Durften uns an das Malen und Schreiben herantasten, ohne ständig den Launen und Spekulationen des Kunstmarktes ausgesetzt zu sein. Es sollte ein Logbuch sein und kein privates Tageb uch werden, also Aufzeichnungen einer - wenn auch nur virtuellen - Insel und des öffentlichen Lebens dieser Insel. Was uns auch faszinierte, war die Verbindung von zwei Handwerken, dem Schreiben, Zeichnen und Malen auf Papier und der digitalen Welt des Internets.

Als “Überraschung” und Anregung zu neuen Versuchsanordnungen stellten sich unverhoffte “Gastschreiber” ein , welche die ISLA VOLANTE- Phantasien auf ihre Weise fort spannen - umgekehrt allerdings auch die visuellen / visionären “Gastspiele” auf anderen Blogs . Dass ein derartiges Publizieren nicht lediglich Erweiterung des EGO , sondern durchaus als angewandtes Benchmarking der eigenen Arbeit verstanden werden kann , wird auf feine Art formuliert :

Die Arbeiten, die wir für andere Blogs realisierten, sind auf alle Fälle sehr lehrreich, da wir zwar ohne Wettbewerbsbedingungen arbeiten können, aber trotzdem erkennen, ob unsere Bilder auch in der neuen Umgebung Bestand haben. Zu guter Letzt hat ein Blog noch einen entscheidenden Vorteil gegenüber all den “realen ” Werken: ein Druck auf die Delete-Taste, und es ist für immer weg. |||

POETISCHER MOTOR WIEDER FLOTT

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereIn schöner Freimütigkeit gesteht der Autor und Journalist BENJAMIN STEIN ( *1970 ) die Überwindung einer lähmenden Lese- und Schreibkrise durch das Blogprojekt TURMSEGLERein :

Bevor ich aufgehört habe zu schreiben, habe ich aufgehört zu lesen. Wer nicht sprechen mag, hat keinen Verlust durch Schweigen. Nicht mehr zu lesen aber - zumindest was Dichtung betrifft - ist ein Verlust. Ich möchte wieder beginnen. Mit diesen Worten begann der erste Beitrag meines Weblogs TURMSEGLER. ( … ) Ich möchte wieder beginnen. So stand es da. Und das traf zu. Ich bezog es zunächst auf das Lesen. Aber dahinter steckte der Wunsch, mit der Dichtung auch als Sprechender wieder zu beginnen.

Entschieden gegen jede Anmutung der Unterstellung , ein literarisches Blog sei eine Form der Selbsthilfe , präsentiert STEIN seinen poetischen Neubeginn im spezifischen Modus und Medium des Blog als “poetischen Motor” :

Ich lese und schreibe und habe Vergnügen daran. Der poetische Motor schnurrt. Metronom und Stichwortgeber verrichten ihren Dienst hinter den Kulissen in einer Selbstverständlichkeit, die es vor dem Verstummen nie gab. |||

LINKS ( BLOG TAGEBUCH , LITERARISCHE BLOGS )

KLANGAPPARAT

Wie aus einem imaginären Marokko erklingen die stark Dub- lastigen Tunes , die das französsische Netlabel Fresh Poulp eben importiert : Die EP czz hörempfehlungFAKE MEDIA ( 014 ) ist gerade mal drei Tage alt und stellt die spanischen Brüder Raúl & Eduardo aka NORMAA als findige Kombinierer im Ausverkaufsladen namens “Weltmusik” vor . Eine assoziationsreiche wie erbauliche Lektion für unsere stets zu romantischen Konservativismen neigenden Ohren - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01 . GazaHebron | 02. Otra Vez te Equivocas | 03. The Void Night | 04 . The Void Coliseum | 05. The Void Triumph |||