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Brodelnde Blog- Bubble : Deutschland , ein Sommermärchen



||| SAME PROCEDURE AS EVERY … | DIE BETA- BLOGGER - EIN HISTORISCHES DRAMA | SYNOPSIS | LETZTE FRAGE - LETZE ANTWORT | KLANGAPPARAT

SAME PROCEDURE AS EVERY …

czz blog bubble Es kam , wie es kommen musste : Der Berg kreisste und gebar eine Laus , designt und designiert dazu , möglichst Vielen über die Leber zu laufen . In schöner Regelmässigkeit sichern sich Mainstream- Medien wie die FAZ , die SZ oder “DER SPIEGEL” Tausende erboste Klicks auf ihre Internet- Seiten , indem sie ein paar Flocken des Zaubermittels “Beleidigung” in den Tümpel der Blogosphäre streuen . Prompt erfolgt unisono der Chor der brüskierten Blogger , dicht gefolgt vom Diskant Derer , die es immer schon gewusst haben wollen .

Da dies ungefähr alle Vierteljahre einmal geschieht , ist der Ablauf solcher “Debatten” hinlänglich bekannt . Gleichwohl werden anhand des allgemeinen Rührens im diesmal vorzüglich dünnen Süppchen des “SPIEGEL” die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie selbst sogenannt “etablierter” Medien wünschenswert transparent . Desgleichen erklingt als bedenkenswertes Leitmotiv der Ausdruck eines allgemeiner werdenden Unbehagens an jenen Charts und Rankings an , welche - die Verlinkungsdichte registrierend - die “Alpha-” ( sprich Gross- ) Blogger von den “Beta”- Existenzen scheiden . Einen guten Überblick über die “Deutschen Blogcharts” und Konsorten gibt Oliver Gassner in “Telepolis” : Blogs lesen statt Blogs hauen .

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DIE BETA- BLOGGER - EIN HISTORISCHES DRAMA

czz blog bubbleRegieanweisung : Zitierte Blogs und Namen erscheinen in diesem Kontext als Positionen wurden in keiner Weise dazu aufgeführt , die sich dahinter befindlichen Personen zu desavouieren . Zu lesen und zu betrachten als angewandte Einführung in die Typen und Thesen deutscher Blog- Debatten .

Diesmal war es - und wir behandeln hier mit bewusstem Verzug ein in Wochenfrist bereits historisch gewordenes Drama - “DER SPIEGEL” , welcher den ersten Stein warf . Mitten ins Sommerloch und so begann sofort zu brodeln im Blogger- Biotop . - - - Same procedure as every …

DER SPIEGEL , 20. 7. | SpOn , 21. 7. : Die Beta- Blogger

Deutsche Online-Schreiber haben ein Problem entdeckt: sich selbst. Im Vergleich zu ihren US-Kollegen fehlt es ihnen an Macht und Bedeutung, um die öffentliche Debatte mitzubestimmen. Die meisten sind unpolitisch und rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell.

( … ) Schätzungsweise 500.000 deutschsprachige Blogs gibt es. Die meisten sind sanft entschlafene Karteileichen. Rund 200.000 sind aktiv. Das klingt nach viel. Doch global gesehen sind die Deutschen Blog-Muffel. Nur etwa jeder fünfte Deutsche liest sie überhaupt jemals. In den USA und Japan ist es jeder Dritte. In Südkorea und den Niederlanden tun es 40 Prozent der Bevölkerung. (… ) Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden. Als sich der US-Journalist Sean Sinico während des Bundestagswahlkampfes 2005 in der deutschen Blogosphäre umtat, war sein Urteil vernichtend. Was er sah, waren für ihn “baby steps”. An dem Befund hat sich nicht viel geändert - glaubt man in der Szene selbst.

Die Welt ist Scheisse ( Achim Meißner ) , 20. 7. : Blogs funktionieren nicht, weil …

Irgendwie ist mein Interesse für die Frage “Funktioniere ich bzw. als Blogger” nicht wirklich vorhanden. Die Deutsche Blogosphäre ist die Verlinkungsphäre einer Linkliste, die sowas von typisch Deutsch ist, dass man durchaus müde drüber lächeln muss. Die “Deutschen Blogcharts” als Messinstrument der Relevanz von Blogs zu verwenden, ist, ja, hm, schlicht lächerlich. Aus dieser Kleingeisteratmosphäre entwickelte sich dann wohl auch die Aufteilung der Blogs in A, B und C-Blogger. Das ist sowas von Vereinsmeierei, köstlich. Es fehlt nur noch der Deutsche Blograt e.V., dann wäre das groteske Dutzend sicherlich voll.

Warum funktioniert hier in Deutschland dennoch die Blogosphäre nicht? In anderen Ländern gibt es ja auch eine funktionierende, also geldverdienende, Bloglandschaft? Allein schon die Annahme, etwas funktioniert nur dann, wenn Geld verdient wird, lässt tief blicken. Geld, Geld, Geld, ist ja der Gradmesser des Menschsein schlechthin. ( …) Das Geplapper der sog. A-Blogger wird mit 100% Sicherheit garantiert nicht zu so hohen Verlinkungszahlen führen, wie diese Charts es vermuten lassen. Konsequenter Weise kann man sogar davon ausgehen, dass 99% der Listen-A-Blogs mit gefakten Verlinkungen arbeiten. Man hat ja was zu verlieren…tss…

F!XMBR ( Christian Sickendieck ) , 20. 7. : Ich muss mich vielleicht korrigieren - Blogs scheinen doch zu funktionieren

[ Vorspiel mit Blick auf ein unmittelbar vorangegangenes Debattentheater : Warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren , 18. 7. - Eine Replik auf des Don Dahlmanns ( seines Zeichens WELT- Blogger , Ex- Edelfeder des eben unsanft in die ewigen Jagdgründe eingegangenen "Literatur"- Design- Magazinchens "mindestenshaltbar" u. v. a. m. ) Klage über die Impotenz deutscher Blogs sowohl hinsichtlich des politischen Impacts als auch der Monetarisierung ]

Der SPIEGEL hat panische Angst, panische Angst vor Bloggern. Und das nicht zu Unrecht. ( … ) Der Artikel der SPIEGEL-Redakteure Markus Brauck, Frank Hornig und Isabell Hülsen zeigt den SPIEGEL der heutigen Zeit. Lächerlich, es wird Meinungsmache betrieben. Journalisten, die zufällig eine Weblogsoftware aufgesetzt haben - Niggemeier und Broder - müssen dafür herhalten, um zu zeigen, was für ein Niveau auf deutschen Blogs herrscht. ( … ) Die sogenannten Journalisten beweisen mit großen Enthusiasmus warum Journalismus in Deutschland nicht mehr funktioniert. ( …. ) Ich stell mir wirklich die Frage, ob Blogs nicht doch funktionieren. Wenn diese panische Artikel im SPIEGEL erscheint, scheinen Blogs doch wahrgenommen zu werden. Der Spiegelfechter wird als große Gefahr angesehen. Und - er zeigt die wahre Qualität des heutigen Journalismus. Erbärmlich.

czz blog bubbleDer Spiegelfechter ( Jens Berger ) , 21. 7. : Beta- Journalisten und Beta- Blogger

Der SPIEGEL hat in seiner jüngsten Print-Ausgabe ein “neues“ Phänomen entdeckt – Deutschlands Politblogger, international nur Zweite Liga und “unpolitsch und rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell.“ Aber immerhin doch so unwichtig, dass man ihnen drei Seiten widmen muss, denn die gefühlte Bedrohung durch den Bürgerjournalismus ist eine Entwicklung, die den deutschen Beta-Journalisten in seinem Selbstverständnis berührt. ( … )

Die deutsche Politblogszene steckt noch in den Kinderschuhen, aber auch Kinder entwachsen irgendwann ihren Schuhen. Während die „klassischen Medien“ vor zwanzig Jahren noch eine große Glaubwürdigkeit beim Leser genossen, so gehört dies mittlerweile der Geschichte an. Seit seiner neoliberalen Wende ist der SPIEGEL bei wirtschaftspolitischen Themen in etwa so glaubwürdig, wie die Apothekenumschau bei Gesundheitsthemen. Wenn man seine eigenen Fehler sieht, kann man sie abschalten – das Problem an den “Mainstreammedien“ ist allerdings, dass sie ihre eigenen Fehler nicht sehen und Kritik als “Freaktum“ abtun. In einem Gespräch über dieses Thema sagte Michael Rutz – Chefredakteur beim “Rheinischen Merkur“ – dem Autor, sein Blatt kommentiere aktuelle Themen stets objektiv. Im journalistischen Kontext ist ein Kommentar allerdings per Definition “die persönliche Meinung des Autors“ und kann bestenfalls zu einem “objektiven“ Bild beim Leser beitragen, aber nie selbst “objektiv“ sein. Diese “unfreiwillige“ Offenbarung des Selbstbildnisses des deutschen Journalismus, illustriert die Kernaufgabe von Blogs.

Indiskretion Ehrensache ( Thomas Knüwer ) , 22. 7. : Der erschreckende Misserfolg von Spiegel Online

Es wird Zeit für eine Rechnung. 89.1 Millionen Besucher hatte Spiegel Online laut der Messung der IVW im Juni. Damit ist die Seite Marktführer unter den Nachrichten-Angeboten im deutschen Internet. Ein Blick in das Impressum zeigt, wie hoch der personelle Aufwand ist, um diese Position zu erreichen. So ich richtig gezählt habe, schreiben für Spiegel Online 87 feste journalistische Kräfte sowie 28 freie Autoren. Hinzu kommen zehn graphische und technische Kräfte. 125 Spiegelonlineraner, also. Das macht pro Mitarbeiter eine monatliche Besucherzahl von rund 712.800, was pro Tag 23.760 macht. Allerdings: Nicht eingerechnet ist dabei die Print-Redaktion des “Spiegel” als Inhaltelieferant.

Das klingt nach viel, ist aber erschreckend wenig. ( … ) Noch dramatischer fällt der Vergleich mit Jens Matheuszik, dem Pottblogger aus. Mit einer Stunde Arbeit pro Tag bringt er es auf 2000 Besucher. Macht 60.000 Besucher monatlich mit einem Arbeitseinsatz von 30 Stunden. Wäre Matheuszik Spiegel-Online-Mitarbeiter, würde er mehr Leser erreichen als seine Kollegen.

Auch der Blick in die USA macht deutlich, wie wenig Gewicht Spiegel Online hat. Das monothematisch auf Wirtschaft aufgebaute Angebot des “Wall Street Journal” erreichte im Juni doppelt so viele Leser wie Spiegel Online. Und: Die rund drei Millionen Besucher täglich bedeuten, dass nicht einmal vier Prozent der Deutschen die führenden Nachrichten-Seite des Landes täglich nutzen.

medienlese ( Klaus Jarchow ) , 23. 7. : Es ist doch zu albern !

Da verfasst ein missgelauntes Spiegel-Trio ein dreiseitiges Elaborat über die Armutsästhetik in den klapprigen Fischerhütten “deutscher Online-Schreiber”, vergleicht ihr proletarisches Ambiente mit den blankpolierten Glaspalästen deutscher Offline-Schreiber, aber auch mit den inkommensurablen Wolkenkratzern amerikanischer Spitzenblogger. Das Trio der Spiegleins stellt uns dann sogar einige dieser darbenden ‘Blogger’ in persona vor, die natürlich genau das nicht können sollen, was die professionellen Mitglieder der Journalistenzunft täglich so akkurat beherrschen - und am Ende erweist es sich, dass sämtliche Beteiligte in diesem redaktionellen Kasperltheater allesamt auch wiederum nur Journalisten gewesen sind.

Regieanweisung : Während sich die Debatte in Hunderten Kommentaren und Abschriften weiterspinnt , senkt sich langsam der Vorhang .

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SYNOPSIS

czz blog bubbleDass “Blog” nicht gleich “Blog” ist , dürfte gerade auf dieser in|ad|ae|qu|aten “Beta”- Seite hiermit hinreichend demonstriert worden sein . Dessenungeachtet zitierten wir als zusammenfassende Handreichung die kleine Blog- Typologie , die der schon erwähnte Oliver Gassner in “Telepolis” zusammengetragen hat . ( Wobei wir uns die Anmerkung , dass TP nach verschiedenen Erweiterungen des Autorenpools cum grano salis zu geniessen sei , in diesem Fall sparen . - in|ad|ae|qu|at haben wir uns redaktionell gestattet , Schreibfehler stillschweigend zu korrigieren sowie relativierende Links einzufügen . ]

Blogs und Blogs und ihre Unterschiede. Ich sehe mehrere Tendenzen:

  • ‘Klassische’ Medien, die Blogs in ihren Mix integrieren. nennen wir mal Handelsblatt und TAZ als Beispiele.
  • Medien, die neue und eigene Plattformen aufsetzen. Sagen wir: “Der Westen” von der WAZ-Gruppe und Germanblogs von Holtzbrinck (leben die noch? - Disclosure: Ich hab da mal geschrieben.)
  • Blogplattformen, die sich als Verlag strukturieren, was grob heißt, dass es eine thematisch-redaktionelle Steuerung und eine Anzeigenakquise gibt und dass die Blogger aufwandsabhängig bezahlt werden. Beispiele: Der abgebrochene Versuch der Spreeblick KG -was dann in den Anzeigenvermarkter Adical / Adnation mündete -, die Blogwerk AG (D: wo ich auch schreibe) und eine ganze Reihe von US-Vorbildern. voran die Techcrunch-Familie.
  • Einzelblogs als Fulltime-Job in Abhängigkeit von einem oder einer kleinen Zahl von Auftraggebern/Finanziers, Paradigma: “deutsche startups
  • Einzelblogs mit vielen Besuchern, die Anzeigeneinnahmen haben, aber oft nicht Fulltime-Job sind. Also das Spektrum von Basic Thinking (D: mit Robert kooperiere ich geschäftlich) über wirres und andere Blogs aus den deutschen Top 100.
  • Die große und überwiegende Masse an Privatblogs, meist werbefrei und manchmal aus guten Grund ohne Impressum.

(Die Pseudoblogs der SEOs lassen wir hier mal außen vor, das ist der Dschungel.)

Etwa in diesem Spektrum dürfte sich auch verteilen, wie “redaktionell” oder “journalistisch” in dem Blog agiert wird oder wie sehr Rücksichten sowohl auf Publikum (was den Blogger angeht) als auch auf Werbetreibende (was eher den Verlagsaspekt berührt) in die Mitte oder an den Rand rücken.

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LETZTE FRAGE - LETZE ANTWORT

F : “Und was hat in|ad|ae|qu|at als unabhängige Literatur- und Kunstseite mit obgenannten Themen , Typen und Tendenzen zu tun ?”
A : “Field Recording .”

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EDIT

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KLANGAPPARAT

Nervös und schwebend atmosphärisch : Die Vokabeln , welche sich sonst als antipdoische Attribute zur Charakteristik von Sounds anbieten czz-hoerempfehlungwürden , fliessen unter Fusharas ( MySpace ) flinken Fingern zusammen : Als Teil drei unseres Mini- Portraits des bemerkenswer straighten Hamburger Netlabel plainaudio präsentieren wir den jungen Londoner Debütanten mit seiner “Rising“- EP : Nach all den schwierigen Blog- Schlieren ein eminent erhebenendes perkussives Reinigungsrtual ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Rising | 02. Irrational Act | 03. Symbol Of State |||

Gemeinplätze , Commonplaces , Idées Recues der Blogosphäre : VORREDE



||| NEUE REIHE | FIGUR DES BLOGGERS : SELBST- UND FREMDBILDER | FREIWILLIGE SELBST- GLEICHSCHALTUNG | KLICKGIER | STATISTIK | AUFMERKSAMKEITSÖKONOMIE | FLAUBERTS “DICTIONNAIRE DES IDÉES RECUES | KLANGAPPARAT

NEUE REIHE

schreiben-laptopVoici das Vorspiel zu einer in loser Folge fortzusetzenden Neuen Reihe @ in|ad|ae|qu|at : “GEMEINPLÄTZE , COMMONPLACES , IDÉES RECUES DER BLOGOSPHÄRE” greift anhand konkreter Fälle einige Klischees der Blog - Welt auf . |||

FIGUR DES BLOGGERS : SELBST- UND FREMDBILDER

schreiben-laptopOb in journalistischen Rapporten und Reflexionen zum Genre des Blog bzw. zum Typus des Bloggers oder in den unter Bloggern weitergereichten Vignettierungen mehr oder weniger idealer Selbstbilder . Noch in den verkrampften Selbst- Distinktionen , zu welchen sich herkömmliche Print- Journalisten in den Online- Ausgaben ihrer Blätter in unschöner Regelmässigkeit veranlasst fühlen , reproduziert sich - wenngleich unter umgekehrten Vorzeichen - das Ego- Ideal des Bloggers als alertem Bürger- Journalisten ( siehe ReadersEdition , D ) und unabhängigem Freidenker : Der Blogger als Last Action Hero von Zivilcourage und kritischem Esprit , Watchdog von Recht und Demokratie . |||

FREIWILLIGE SELBST- GLEICHSCHALTUNG

schreiben-laptopDass dies alles so nicht stimmen kann , erweist ein kurzer Blick in den Aggregator von Blog- Tops- News , Rivva . Ein Suchlauf @ Wikio tut’s allerdings auch : In Hunderten Blogs finden sich Tag für Tag nichts Anderes als stereotype Abschriften von Heise- News , SpOn - Aufregern oder der von A- Bloggern je frisch aufgeworfenen Themen .

Dass diese FREIWILLIGE SELBST- GLEICHSCHALTUNG der ja so eigenwilligen Blogger nicht etwa “nur” das Resultat begrenzter Geistesanstrengung sei , darf man positiv unterstellen . Wer die spezifische Funktionsweise des Medium “Blog” kennt , weiss , wie wichtig es für das Ranking , den Quotation- Index ( = die Technorati- Authority ) , den Traffic ( = Aufrufziffern ) ist , am Puls der jeweils begehrten Themen zu bleiben . Das gibt Pingbacks , Trackbacks und - wenn man Glück hat - sogar einige brave Leutchen , die einen als Quelle zitieren . |||

KLICKGIER

schreiben-laptopDass hohe Aufrufziffern für Diejenigen lebensnotwendig sind , welche ihren Unterhalt mit Inseraten zu bestreiten beabsichtigen , versteht sich . In Tat und Wahrheit sind allerdings auch non- commercial Blogger am symbolischen Kapital hoher Klickraten ( Unique Clients ) interessiert : Wozu sonst … die ganze Liebesmüh’ ? |||

STATISTIK

schreiben-laptopDen Non- Bloggern unter den p. t. in|ad|ae|qu|at- Lesern sei in diesem Zusammenhang noch geflüstert , dass - via Interface- Design - JEDER Blogger Minute um Minute , Stunde um Stunde , Tag für Tag konfrontiert ist mit den Statistiken ( Alexa , Google Analytics , FireStats ) über Anzahl und Tiefe von BesucheRn , deren Verweildauer , “Absprungrate” , Herkunft und thematische Präferenzen .

So ist etwa das bei in|ad|ae|qu|at am häufigsten angewandte Suchwort die kurze , indes effektive Vokabel “TOD” . Da solche thematische Präokkupation durchaus im Sinne und Interesse unseres Unterfangens liegt , gibt uns diese Information ein im Grunde bestärkendes Feeedback . Auf die konkreten Klickziffern und Statistiken kommen wir in anderem Zusammenhang zu sprechen . |||

AUFMERKSAMKEITSÖKONOMIE

schreiben-laptopIm Kontext der Aufmerksamkeitsökonomie springt also mancher Blogger behände auf den eben passierenden Zug auf , referiert oft mehr , als selbständig zu reflektieren . Auf diese Weise werden - siehe Absatz 2 - Selbst- und Fremdbilder unbeschaut reproduziert , wenn nicht gar in Durchsatz ( Qualität ) und Menge ( Quantität ) perpetuiert . |||

FLAUBERTS “DICTIONNAIRE DES IDÉES RECUES”

schreiben-laptopEinige solcher Szenarien anhand konkreter Fallgeschichten werden wir hier in loser Folge darbieten und würden uns - sit venia verbo - gerne verstehen in der Nachfolge von Gustave Flauberts DICTIONNAIRE DES IDÉES RECUES ( A Wiki- Article is available only in ENGLISH language … what a shame ! ) . Gesellschaftlich gängige Phrasen , klischierte Bilder geben den Stoff ab zu diesem LEXIKON DER GEMEINPLÄTZE . Freilich - und hier mögen wir in|ad|ae|qu|at nur unsern Hut ziehen - dürfen wir in keiner Weise beanspruchen , auch nur ein Hundertstel des Flaubert’schen Witzes flottzumachen und auf den Screen zu kriegen .

Dass auch wir Teil dieses Systems sind und uns nicht immer dessen Regeln und Verführungen zu entziehen vermögen , versteht sich - verstehen Sie - selbst . |||

KLANGAPPARAT

Die Letzt wird die Erste gewesen sein : Mit Nummero Vier unseres kleinen Portraits des Netlabels [ schall ] sind wir bei dessen Jungfern- Release angelangt , einer medial pragmatischen Selbsthilfe der Saarbrückener Elektronica- Szene . Fein gestaltet , online schön eingerichtet , zeigteczz hörempfehlung man von Anfang an Klasse und den Hang zum EP- Format . Aller Anfang machte - ja , fast richtig geraten - ein Mann namens Abel , also schon namentlich ( biblisch familiär ) dem Urpapa Adam sehr nah . Ein Pseudonym des Label- Vaters Tino Doll ? - Sicheres gibt es da nicht zu wissen . Gleichwie : THROUGH - so der schlichte Titel von [ schall_001 ] - wartet mit drei runden Nummern auf , rund wie die in sich ruhenden minimalistisch musikalischen Erkundungen . Leise Reverbs der Clicks and Cuts- Ära , Beat mit Stil und Diskretion . CLICK TRACKS TO LISTEN . 01. without | 02. unfresh | 03. down |||

IN GUTER VERFASSUNG ? | Wenn - Dann



||| GUTER VERFASSUNG ? | WENN ( 1 ) | WENN ( 2 ) | WENN ( 3 ) |WENN ( 4 ) |WENN ( 5 ) | WENN ( 6 ) |WENN ( 7 ) | WENN ( 8 ) | DANN ( 1 ) | WENN ( 9 ) | DANN ( 2 ) | LINKS : VERFASSUNGSKLAGE | “GRUNDRECHT AUF INFORMATIONSFREIHEIT” | MERKEL GRENZT | FAZ- KAMPAGNEN | ÖR RUNDFUNKSTAATSVERTRAG | WIE IMMER : PRINT VS BLOG |||

GUTER VERFASSUNG ?

Ob wir in guter Verfassung sind ? - Danke der Nachfrage . Man hat da so seine Zweifel . - Während ( bislang ) 13.000 deutsche Bürger vor dem Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz zur Vorrats - Verrats- Daten- Speicherung einkommen , fordert die stimm freudige SPD nun plötzlich volltönend die verfassungsmässige Festschreibung des Grundrechts auf Information. |||

picto TV pubWENN ( 1 )

Wenn die Öffentlich- rechtlichen Sender sich nur daran halten wollten , die Grundversorgung der Bevölkerung mit Informationen zu garantieren . Dann wird das grundsätzlich akzeptiert . Sollen halt Qualität machen , die dort , und Quote obendrein . So lange sie freilich hübsch fein aus dem Radioapparat schallen oder den neu angeschafften Flatscreen bespielen . Wie kakophonisch erhoben sich Zeter und Mordio , als die ÖR ankündigten , ihre Programme ( “Angebote” ) fortan ins Netz auszuweiten . Sämtliche Blätter rauschten Sturm : Der vom Steuern- und Gebührenzahler ( überteuert ) alimentierte “Staatsfunk” könnte doch den Knabenmorgen der Zeitungszukunft im Netz verderben . |||

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Wenn man angesichts der weit verbreiteten politischen Interventionitis auch allzu leicht vergisst , dass die ÖR- Medienanstalten kein “Staatsfunk” sind , möchte man sich doch noch einmal kurz zurück an jene Zeit erinnern , da “Radio” synonym mit “Volksempfänger” war . - Wird man nun , da die Bundeskanzlerin höchstselbst ARD und ZDF in ihre ( Online- ) Schranken verwies , wieder vom “Staatsfunk” zu reden haben ? |||

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Wenn dieser Reglementierung statt gegeben wird , wird einmal wieder jener Kampagnenjournalismus gesiegt haben , den speziell die FAZ seit Monaten betreibt . Getarnt zunächst unter der “bürgernahen” Agenda , die unzarten Methoden der GEZ- Eintreiber aufzuzeigen , polemisiert das Blatt seither in stetig steigender Frequenz gegen die Online- Pläne der Sender . Den Vogel schoss freilich Michael Hanfeld am Freitag voriger Woche ab , als seine Vermeldung des Merkel’schen Machtworts - in blauem Kasten - den triumphierenden FAZ NET- Aufmacher gab . Eben noch rechtzeitig , den Update des Online- Designs ( sprich : “Relaunch” ) des Blattes vorzubereiten . |||

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Wenn bei den Online- Offerten der ÖR- Anstalten die rechte Hand oft nicht weiss , was die linke unterlässt , liegt dies - wie wird anhand ORF- ON mehrmals dokumentierten - an einer eigentümlich eingeschränkten Kommunikationskompetenz im Internen . Auch gilt die Arroganz dieser Elefanten als legendär . Hier gäbe es dezidiert Kritik- und Handlungsbedarf . Nicht minder liegt hinsichtlich der Verseuchung von Form und Content mit Werbung liegt Etliches im Argen . Wer aber , liebes Print mit deinen “Redaktionellen Beilagen” , deinem versteckten und offenen PAID CONNTENT , werfe da den ersten Stein ? |||

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Wenn als gesichtert und common sense gilt , dass die Zukunft journalistischer Printprodukte im Bi- , Tri- bis x- Medialen liegt ( Print , Audio , Video , *Bildstrecken* ) : Wer würde mit Gewissheit sagen , dass Netzangebote öffentlich- rechtlicher Medien notwendig den Print- Konkurrenten das Wasser abgraben ? - Oder geht es im Grunde doch nur um das Eine : Den Online- Werbemarkt ? - In der Tat : Der Netspace ist ( fast ) unbegrenzt , das Reservoir der Werbebudgets um so limitierter . Zitat : “Bedroht sind auch die Portale der Tageszeitungen.” ( SZ ) |||

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Wenn man mir das Recht auf Information schon unbedingt zu Füssen meiner Staats- Bürgerschaft legen will - Right On : Dann wären Nichtbesitz eines TV- Geräts oder ein empfangsschwacher Radioapparat kein Hindernis mehr , an öffentlich- rechtliche Informationen ( für welche ich indirekt und direkt ja doch bezahle ) zu gelangen . |||

picto TV pubWENN ( 7 )

Wenn es so ist , dass Kontrolle der Inhalte und Formatierungen öffentlich- rechtlichen Medien bei den demokratischen Instanzen des “mündigen Bürgers” ( in Bürgerjournalismus , Leserbriefen , Blogs ) liegt , bei eigens eingerichteten Kontrollorganen und nicht zuletzt bei der “freien” Presse : Wer kontrolliert und korrigiert dann : Jene Presse , die als “Erkenntnis” ausgibt , was de facto Eigeninteresse ist . Wer kontrolliert und korrigiert dann : Den Kampagnenjournalismus ? |||

picto TV pubWENN ( 8 ) | DANN ( 1 )

Wenn dem so ist : DANN haben wir Blogger auch keine Chance . Teils , weil deren Gutteil selber hinter den Werbebatzen her ist und sich auch dem Feuilleton als schmiegsam erweist : “Düpiere keinen potentiellen Abnehmer deines Mediendienstes” ( T 2 ) . Teils , weil es just sogenannt freie Blogger sind , die auf der Jagd nach Links und Hits die immer gleichen Meldungen reproduzieren , insoferne sie nicht überhaupt ihre “heise- oder sonstwas“- Feeds automatisch in ihre Blogzonen katapultieren : Ein bemerkenswerter Hang zur Selbstgleichschaltung . |||

picto TV pubWENN ( 9 )

Wenn letztlich die Fronten zwischen den sogenannten Profis in den Print- Online- Redaktionen und den “User-” aka “Loser- generated Content” ( Stern ) -Generatoren auf derartig absurde Weise zementiert sind bzw. die Argumente der Blogger entweder stillschweigend übernommen oder bewusst marginalisiert werden :

picto TV pubDANN ( 2 )

Dann rede man uns nicht von schönen Idealen der Freiheit des Ausdruckes , der Information und der Kommunikation . Makulatur produzieren können wir - wie Beispiel zeigt - selber . |||

LINKS

VERFASSUNGSKLAGE

“GRUNDRECHT AUF INFORMATIONSFREIHEIT”

MERKEL GRENZT

FAZ- KAMPAGNEN

ÖR RUNDFUNKSTAATSVERTRAG

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat das Gebot der Staatsferne und der Unabhängigkeit. Deshalb werden – bis auf die als Staatssender ebenfalls öffentlich-rechtlich organisierte Deutsche Welle – die Sender nicht durch Steuern finanziert wie bei einem echten staatlichen Rundfunk. Öffentlich-rechtliche Sender und die Landesmedienanstalten, die den privaten Rundfunk kontrollieren, finanzieren sich durch Rundfunkgebühren, die jeder Bürger, der ein Empfangsgerät bereit hält (Fernseher, Radio und neuartige Rundfunkempfangsgeräte), monatlich über die GEZ entrichten muss. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern hat Deutschland die sechsthöchsten Fernsehgebühren in Europa.

Darüber hinaus hat er zur weiteren Finanzierung die Möglichkeit, in seinen Hauptprogrammen bis 20.00 Uhr einen Anteil an Werbung auszustrahlen. Außerhalb dieser Zeit ist jedoch Sponsoring möglich. ( … ) Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat den so genannten öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen, der in dem jeweiligen Landesrundfunkgesetz verankert ist. Danach müssen die Programme den Zuschauern umfassend und ausgewogen Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung anbieten. Dabei sind auch bestimmte journalistische und ethische Prinzipien einzuhalten. ( 1 )

BAU : PRINT VS BLOG

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User- Generated vs. MSM | Von Äpfeln und Birnen



Nun ist es wieder einmal verbucht und verbrieft : Mainstream Media ( MSM ) , Ressort- Journalismus und hierarchische Arbeitsteilug generieren einen konsistenteren Content als “User generated” Networks . Das - - nota bene von Journalistenschulen und -Interessensvertretungen betriebene - - Project for Excellence in Journalism ( PEW ) knallt uns die Asse harter Fakten so auf die Platte , dass diese und wir Leser erbeben . Die Darstellung erfolgt selbstverständlich gänzlich ohne Tendenz :

If someday we have a world without journalists, or at least without editors, what would the news agenda look like ? How would citizens make up a front page differently than professional news people ? If a new crop of user-news sites - and measures of user activity on mainstream news sites - are any indication, the news agenda will be more diverse, more transitory, and often draw on a very different and perhaps controversial list of sources, according to a new study.

Ebenso selbstverständlich und ebenso ohne jeden Bias tönt die Paraphrase seitens des FAZ- Netzökonomen Holger Schmidt :

Iphone statt Irak: Was Nutzer wirklich lesen . Wenn es eines Tages keine Journalisten mehr gäbe, wie würden dann die Nachrichten aussehen? Welche Auswahl treffen die „Bürgerjournalisten” ?

picto aepfel birne

Was also hat aber das PEW und wie herausgefunden ? - Während in der Vergleichswoche 24. bis 29. Juni die Themen “Irak” und “Immigrations- Debatte” in den MSM vorherrschten , glänzten als meist empfohlene Highlights ausgewählter User- Foren ( Digg , Del.icio.us , Reddit + Yahoo News ) Stories über iphone und Nintendo . Im Folgenden zitieren wir einige Facts and Findings und gestatten uns eine kurze Beschlagwortung :

  • The news agenda of the three user-sites that week was markedly different from that of the mainstream press. Many of the stories users selected did not appear anywhere among the top stories in the mainstream media coverage studied. And there was often little in the way of follow-up. Most stories on the user-news sites appeared only once, never to be repeated again in the week we studied.

( User- generated : Volatilität der Themen vs. MSM : Konsequente Fortführung )

  • The sources user news sites draw on are strikingly different from the mainstream media. Seven in ten stories on the user sites come either from blogs or Web sites such as YouTube and WebMd that do not focus mostly on news.

( User- generated : Unprofessionelle bis zweifelhafte Quellen )

  • The three user news sites differed from one another in subtle ways. Reddit was the most likely to focus on political events from Washington, such as coverage of Vice President Cheney; Digg was particularly focused on the release of Apple’s new iPhone; Del.icio.us had the most fragmented mix of stories and the least overlap with the News Index.
  • On Yahoo News—even when picking from a limited list of stories Yahoo editors had already pared down—users’ top stories only rarely matched those of the news professionals.

( User- Vorlieben vs. News- Index )

  • There were mostly similarities in what people are most likely to email each other versus what they recommend or view on Yahoo News. But there were some differences. Most Recommended stories focused more on “news you can use” such as advice from the World Health Organization to exercise one’s legs during long flights; the Most Viewed stories were often breaking news, more sensational in nature, with a heavy dose of crime and celebrity; and the Most Emailed stories were more diverse, with a mix of the practical and the oddball.

( User- Vorlieben : Praktisches und Sensation )

  • Despite claims that the Web would internationalize consumers’ news diets, coverage across the three user-news sites focused more on domestic events and less on news from abroad than the mainstream media that week. Yahoo News, both on its main news page and three most popular pages, meanwhile, stood out for being decidedly more international that week.

( User- generated : WWW = Wenig Welt Wissen )

Dass hier methodisch Äpfel mit Birnen verglichen werden , liegt auf der Hand : Da die Prominenz bestimmter User- generated News mit den Vorlieben ihrer Leser steigt , entsteht das Bild einer auf blosse Faits divers und Räuberpistolen ausgerichteten Berichterstattung . Hätte man die entsprechenden Ressorts der MSM ebenfalls nach der Anzahl tatsächlicher Leser ausgewertet , erschiene die Opposition “harte” vs. “softe” & “bunte” News weniger krass . Ohne diese Entzerrung bleibt ein schiefes Bild . Simples wie irrelevantes Spiel mit statistischen Ziffern , kommentiert der E- News- Profi Mathew Ingram . Oder , wie es Clicked- Autor Will Femia unter dem Titel WE REPORT, YOU’RE STUPID formuliert :

The Project for Excellence in Journalism has managed to kick up a bit of dust from the equine corpse of the bloggers vs. journalism argument with an odd bit of straw man-ism seasoned with a dose of red herring.

picto aepfel birne

Sarkastisch der ex- Harvard Business Review- Redakteur und Autor für NYT , Guardian ect. , Nicholas G. Carr :

So what happens when “the people formally known as the audience,” as the citizen journalism hypesters like to say, take charge of the dissemination of news? ( …) When you replace professional editors with a crowd or a social network, you actually end up accelerating the dumbing-down of news. News becomes a stream of junk-food-like morsels. The people formerly known as the audience may turn out to be the people formerly known as informed.

Auch Andreas Göldi ( Beobachtungen zur Medienkonvergenz ) greift auf die Metapher des Essens zurück , um die Nowendigkeit der Verabreichung manchen sauren News- Apfels seitens professioneller Journalisten zu illustireren :

Aber mal im Ernst: Ein bisschen sind diese Präferenzen ja schon beunruhigend. Wie kann eine demokratische Gesellschaft funktionieren, wenn die Stimmbürger nur noch solche nichtpolitischen (und nichtwirtschaftlichen und nichtkulturellen) Themen mitverfolgen ? Vielleicht sind “wichtige” News ja ein bisschen wie gesundes Essen: Es schmeckt nicht unbedingt, aber man sollte es trotzdem konsumieren, weil sonst was fehlt. Und oft braucht man jemanden, der einen dazu motiviert oder gar sanft zwingt. Traditionelle Newsmedien sind genau so aufgebaut: Erst gibt’s mal gesundes, aber wenig schmackhaftes Gemüse (Politik), dann was Nährstoffhaltiges (Wirtschaft und Kultur) und zum Schluss folgt als Belohnung das Dessert (Lifestyle, Vermischtes etc.).

Eine schöne Bescherung . Aber auch eine schöne Bestätigung in Argument und Metaphorik : Es ist Herbst . Ernte . Dank . Für Äpfel und Birnen .

picto aepfel birne

Links :

Related :

  • Debatte : “Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? - Printmedien im Wandel” ( newsroom ) ( onlinejournalismus )
  • Google Groups übersieht Neuigkeiten ( Heise )
  • EinNordung der deutschen Blogsphäre ( Robert Basic )

Einen Erntedank gibt’s mit Klang und Tanz gibt’s auch beim soundsicheren netlabel Thinner / Autoplate . Aus den jüngsten Releases werden wir dieser Tage einige reife Früchte pflücken . Und servieren , wenn’s genehm ist . Wenn krill.minima ( aka Martin Juhls ) just in Dortmund einen czz hörempfehlungUrlaub Auf Balkonien anbietet , könnte uns das als Phäaken schon ganz schön skeptisch stimmen . Das tagging dieser Release 098 mit dem Genre “Minimal Dub” klingt da ein klein wenig lockender . Und - ach ! Man möchte ein Rilke sein , um diese letzten und lässig wärmenden Strahlen des Indian Summer poetisch zu beschwören  … Blick auf Apfel- oder Birnbaum , die Blätter zittern leicht in der Brise , “befiehl den letzten Früchten, voll zu sein” . Psychohygiene pur , lieblichste basale Stimulierung und ein wenig Schaum auf dem Most . Click Tracks to Listen : 01. Sommerdellen (3:39) | 02. Knuspermarsch (5:57) | 03. Heizkörper Lauschen (4:26) . Es gibt zwar noch fünf weitere Köstlichkeiten , doch wir wollen - aus oben ersichtlichen Gründen - nun andächtig in|ad|ae|qu|at bei Track Numero 04. innehalten . Der Titel : Apfelbaumgrund (6:55) |||

Als das Beste an der FAZ …



… erweisen sich regelmässig deren Leser . Wie Tobias Rüthers Auslassungen ueber die Musikindustrie ( unter dem telltale- Titel Wenn Musik verwässert ) konkret lauten , sind für denkende und hörende Zeitgenossen lässlich . Der ZEIT indes immerhin sarkastisch erwähnenswert .

FAZ picto dahinter steckt immer ein kluger kopfMP3- Anarchie statt honoriger Label , Netzwerk- Selbstbedienung statt Charts und Kanon , Downloadziffern und Longtail- Spektrum statt Pedigree und Preis der deutschen Schallplattenkritik . Was dabei herauskommt , ist einer diesen typischen Schnellschuss- Diagnosen zwischen Untergang des Abendlandes und Verlust der Mitte .

FAZ picto dahinter steckt immer ein kluger kopfDie wesentlicheren Informationen sind - das musss man der FAZ lassen - einmal wieder in der Kommentar- Zone am Fussende des Artikels zu suchen . Als interessante Beitraege zur Debatte gibt in|ad|ae|qu|at diese Anmerkungen hier unveraendert wieder . Bei Wahrung aller Rechte der solcherart zum angewandten Buergerjournaismus provozierten Protagonisten .

Lesermeinungen zum Beitrag
Angst vor der Technik
Manuel Hafner (Kaliastro)
27.08.2007, 10:10
1000 mal blamiert, 1000 mal nix kapiert…

Bernd Almstedt (Almstedt)
27.08.2007, 09:16
Die CD und damit auch die an ihr immer noch festklebenden Major Musiklabel haben für mich schon lange keine Begründung mehr. Miese Tonqualität der beginnenden 70er Jahre, lieblose Cover und kaum lesbare (wohl weil “kopiersicher”) Texte vergraulen auch den letzten Musikliebhaber und Gourmet. Anstatt aber sich an den Fortschritt anzupassen - nicht nur dem technischen Fortschritt (SACD/DVD-Audio), sondern auch den modernen Vermarktungschancen und exponentiellen Möglichkeiten - fällt der satten, selbstverliebten und völlig unkreativen Musikindustrie nicht ein. Statt dessen wird das zum Programm erhoben, was uns Deutsche auszeichnet: jammern, neidisch sein und alles und jeden ausbremsen - vor allem die letzten verbliebenen Musikliebhaber und Käufer… Warum sägen nur alle mit Begeisterung an den Ästen, auf denen sie sitzen???

Die Angst des Fachmanns
Wolfram Jäger (wojaeger)
27.08.2007, 07:50
In diesem Artikel steckt einmal mehr das Befremden des Journalisten über das Web, wo es keine Fachleute u.ä. Autoritäten mehr gibt: Jeder kann einen Wikipedia-Artikel schreiben, jeder einen Musiktitel empfehlen.
Es ist aber nicht das Web, das Labels und Majors ruiniert, es ist das veränderte Konsumverhalten.
“Irgendwann fand die Plattenindustrie heraus, dass sich die meisten Leute gar nicht für Musik interessieren. Und sie kamen zu folgendem Schluss: Wenn Sie diesen Leuten ihre CDs andrehen konnten, würden sie wesentlich mehr Einheiten verkaufen.” (T-Bone Burnett, zitiert nach Sky Nonhoff)
Tscha, und diese Phase ist nun vorbei; wer sich eigentlich nicht für Musik interessiert, der kauft keine mehr, der lädt sich seinen iPod voll mit Kram, “der ganz okay” ist. Herkunft und Klangqualität spielen keine Rolle, weil sie noch nie eine gespielt haben.

Internet, das allesfressende Ungetüm - na ja…
Marc Rieger (rieger74)
27.08.2007, 04:40
Früher:
“Mein Kumpel hat gesagt, das ist toll, deswegen habe ich die CD gekauft.”
Heute:
“Ich habe auf meinem Lieblingsblog gelesen, das ist toll, deswegen habe ich die Songs runtergeladen.”

Früher:
“In der Bravo haben sie geschrieben, die Band ist super, also habe ich die CD gekauft.”
Heute:
“Bei Amazon haben sie geschrieben, die Band ist super, also habe ich die Songs runtergeladen.”

Früher:
“Ich habe da den Clip für diesen Song von X auf MTV gesehen. Super, muss ich kaufen.”
Heute:
“Ich habe bei iTunes diesen Song angehoert. Super, muss ich kaufen.”

Schlussfolgerung:
Das Internet ist nicht das Ende der Welt und auch nicht des guten Geschmacks. Vieles ist noch nicht einmal viel anders als früher. (Das gilt für viele Bereiche, nicht nur für Musik.) - Man darf eben nur nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, so wie es der Artikel leider macht…

Was stimmt: Das Album an sich ist vielleicht ein Auslaufmodell, und Musikfirmen müssen gehörig umdenken. Aber das macht Musik weder besser noch schlechter.

Innovation funktioniert auch ohne Organisation
André Mengel (andre-m)
27.08.2007, 01:39
Ich sehe keinen Grund dafür, daß eine Gegenbewegung zum herrschenden Mainstream nicht auch auf einem polypolistischen Markt, wie dem Musikverkauf via Internet, einsetzen würde.

Diese Innovation würde vermutlich nicht von Last.fm oder ähnlichen Portalen ausgehen, genausowenig wie Innovation jemals von Sony oder Time-Warner ausging. Das ist auch nicht deren Sinn oder Aufgabe.

Innovative Label, wie Asylum Records, die Künstler wie Prince und Madonna bekannt gemacht haben oder Motown wurden später von Majors gekauft und so dem Mainstream eingegliedert.

Neuheiten enstehen in Nischen, in denen sie Zeit haben zu gedeihen. Diese Nischen waren Independent-Label zu Zeiten der physischen Tonträger und in Zeiten der ausschließlich datenformatgebundenen Verbreitung von Musik werden sich auch Nischen finden, die weder organisiert noch profitorientiert sein müssen, es aber sein könnten.

Aus Sicht der interessierten Musikhörer wird es immer Quellen für “richtige” Musik geben. Sender wie Last.fm übernehmen lediglich die Aufgabe die bisher Media-Control mit der Veröffentlichung der Charts hatte. Jedoch könnten diese Sender systembedingt effektiver sein.

wie denn sonst?
Moritz Büsing (MeddlMoe)
27.08.2007, 01:16
ich stimme Frau colsmann zu. ohne das internet gäbe es kaum eine quelle um abwechslungsreiche musik zu höhren.

im gegensatz zum normalen radio bieten die internetradios ein viel größeres spektrum. und wenn man dann eine gute band höhrt, googled man sich alle möglichen informationen zu dieser band, zusammen mit empfehlungen für andere bands.

man müsste schon viel zeit und geld mitbringen, um über bars und platten-probieren eine ähnliche vielfalt zu verfahren.

Musik im Netz verwässert???
Johanna Colsman (nebomoreoblaka)
26.08.2007, 20:05
Ohne Musik im Netz gibt es hauptsächlich zwei Möglichkeiten, Neues zu entdecken: Entweder man hat das Glück, ein interessantes Radio zu empfangen, was vielleicht einmal ein Stück abseits der Charts zu spielen wagt, oder man geht auf gut Glück in einen Plattenladen und hört sich nach Cover o.ä. durch. Oder kauft mal so ins Blaue für 20 Euro eine CD seines Lieblingsplattenlabels?? Alles andere ist - Mund-zu-Mund-Propaganda, wie im Artikel angesprochen. Und die ist meiner Meinung nach im Vergleich zu den obigen Möglichkeiten alles andere als “eingepasst in den Strom der Masse”.

Wer würde zögern, ein unbekanntes Lied einmal auf Knopfdruck anzuhören - aber dafür eine ganze CD zu kaufen? Ich habe den Eindruck, die Sache verhält sich eher genau andersherum als in diesem Artikel.

Ohne das Internet hätte ich nie japanische, mongolische, russische Musik und sogar auch Musik aus dem deutschen ~Untergrund kennengelernt. Wer kein Netzwerk von Bekanntschaften in der ganzen Welt unterhält, kann sich auf herkömmlichem Wege mit Retortenpop aus der westlichen Welt zufriedengeben?

FAZ picto dahinter steckt immer ein kluger kopf

Da sage noch mal Einer , dahinter stecke nicht ein kluger Kopf . Nota bene : Auf Leserseite !