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Franz Mon - Sichtbare Sprache



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BEVOR ES SCHWINDET

Franz Mon abstrakt

[ Franz Mon : abstrakt ]

Im Zeitalter von Photoshop , After Effects sowie des ubiquitären Layouts eines durchdesignierten Alltags scheint die “visuelle poesie” der fünfziger bis siebziger Jahre längst gegessen . Anders und nach einem Diktum Elfriede Gerstls formuliert : Seit den sechziger Jahren sahnt speziell die Reklame systematisch die Erkundungen und Experimente der Avantgarden ab .

Im Kontext des “Radical Advertising” - wie im NRW- Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf bis 18. August zu sehen - sieht die klassische Avantgarde oft “alt” aus . - Um die Verfasstheit des jetzt scheinbar so Selbstverständlichen zu erkennen , ist ein ‘back to the roots’ unabdingbar .

Das hat weniger mit Kunst- Nostalgie oder einer Verklärung des “Avantgarde”- Begriffes zu tun als mit der Sicherung eines vorgängigen Quellcodes , dessen gefällige Interfaces unsere Zeitgenossenschaft illustrieren . Dies betrifft optische Gestaltungen ebenso wie akustische : Wer die frühen Artikulations- und Mundhöhlenerkundungen Franz Mons oder Henri Chopins einmal wahrgenommen hat , wird sich von neuerdings als “radikal” verbratenen Sound- , Kunst- und Musikdarbietungen weniger beeindrucken lassen . Beziehungsweise wird in den Stand gesetzt sein , diese historisch zu kontextualisieren und kulturgeschichtlich zu verorten .

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ZU SEHEN : IN ERLANGEN

Franz Mon Hommage A Karl Valentin

[ Franz Mon : Hommage à Karl Valentin ]

In Korrespondenz zum Erlanger Poetenfest wurde in der Städtischen Galerie die Ausstellung “Franz Mon – Sichtbare Sprache | Verbale , visuelle und akustische Texte” eingerichtet :

Franz Mon, 1926 in Frankfurt geboren und bis heute dort lebend, gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Konkreten Poesie. Er schreibt verbale, visuelle und akustische Texte. Seine visuellen Arbeiten wurden seit 1963 in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, u.a. auch 1970 auf der Biennale in Venedig, gezeigt. Die retrospektive Schau zeigt Arbeiten aus allen Phasen und Bereichen seines Schaffens, darunter viele Arbeiten, die hier erstmals öffentlich zu sehen sind. Gezeigt werden u. a. die Mappenwerke ‘Makulatur’ und ‘Knöchel des Alphabets’, Arbeiten aus den Serien ‘Doppelporträts’, ‘zentrierte Collagen’ und ‘versalcollagen’, eine Auswahl aus den ‘Schreibmaschinentexten’, den ‘ideografischen Texten’ und den Schreibtexten ‘Papiergüsse’, Textfahnen und Textplakate, Diaprojektionen und akustische Installationen, ausserdem Bücher und Buchobjekte.

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ZU HÖREN : WÖRTER VOLLER WORTE

Franz Mon vetri

[ Franz Mon : vetri ]

Heute , 29. August , 19 Uhr , Markgrafentheater, Erlangen : Lesung Franz Mon und Gespräch mit Klaus Ramm

Für Franz Mon ist die Sprache ein offenes Gelände für künstlerische Grenzüberschreitungen in alle Richtungen: Sein Werk ist eines der konsequentesten, weiträumigsten und auf untergründige Weise bis heute einflussreichsten Werke der deutschen Nachkriegsliteratur. Mons Poetik nimmt die Sprache so ernst wie kaum eine andere: ‘Das Realitätsschlamassel ist auch ein Sprachschlamassel’. Im Widerspiel mit den von Franz Mon gelesenen Texten versucht der Literaturwissenschaftler und Verleger Klaus Ramm, der Poetologie von Franz Mon auf die Spur zu kommen.

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HÖREN UND SEHEN VERGEHEN

Franz Mon Mortuarium

[ Franz Mon : Mortuarium ]

Leider schon nach Ende der zeitlich äusserst knapp gehaltenen Schau - 22. bis 28. August ( ! ) wird Sonntag , 31. 8. , um 19 Uhr im Theater in der Garage das HR- Hörspiel “ausgeartetes auspunkten” ( pdf HörDat , 2007 ) aufgeführt . Der einleitender ist freilich filmisch : “Schuhe besetzen ein Haus” ( SR , 1983 ) : Immerhin spricht Franz Mon selbst zur Einführung .

Eine scheinbar ganz einfache Spielanleitung bildet das Gerüst, auf dem die Stimmen der vier Sprecher dieses vom Hessischen Rundfunk 2007 urgesendeten Hörspiels (Eva Garg, Chris Pichler, Markus Meyer und Peter Lieck) alle schauspielerischen Freiheitsgrade haben. Ihre Stimmen „verdichten/verwandeln/verzaubern/vertuschen das Gesagte“. Franz Mon hat das 40-minütige Sprachspiel selbst realisiert. Zwei der vier Premieren-Schauspieler variieren das Hörspiel live unter der Anleitung von Franz Mon. Der Abend wird eingeleitet von dem 9-minütigen Film ‘Schuhe besetzen ein Haus’ von Franz Mon, Saarländischer Rundfunk, Redaktion Kunst und Wissenschaft Klaus Peter Dencker.

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FRANZ MON IM ORF- KUNSTRADIO

Franz Mon sternförmig

[ Franz Mon : sternförmig ]

Als wir im ORF- Kunstradio als erster europäischer Sender mit 5.1- surround- Produktionen ins Studio und auf Sendung gingen , schien es uns angemessen , Franz Mon als einen der Pioniere des stereophonen “Neuen Hörspiels” ( Ende der sechziger Jahre ) als einen der ersten Gäste zu laden . In Parallelaktion zu einem “Radiokunst”- Seminar am Germanistischen Institut der Universität Wien entstand die Produktion “Käm’ ein Vogel geflogen” , wo der damals Achtzigjährige sehr munter das von ihm eingelesene modulare Textmaterial per Joystick durch den Rundum- Raum jagte . Wir servieren die knapp sechzehnminütige Arbeit aus gegebenem Anlass ( und leider in reduzierter Klangqualität ) im heutigen KLANGAPPARAT .

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Franz Mon über seine 5.1- Surround- Produktion “Käm’ ein Vogel geflogen” ( Ursendung : 17. 7. 2005 ) für die Reihe “Literatur als Radiokunst” im ORF- Kunstradio :

Ich mache seit über vierzig Jahren radiophone Stücke, die für mich czz-hoerempfehlunggenau so wichtig sind wie die geschriebenen, weil ich ganz früh entdeckt habe, dass meine Stimme mit zur Substanz meiner poetischen Arbeit gehört. Die eigentliche radiophone Arbeit konnte beginnen, als die Stereophonie erfunden wurde – das war in den späteren 60er Jahren. Seitdem habe ich rund 14 Hörspiele machen können, die auf der Basis der Stereophonie zu realisieren waren. Für mich war es ein enormes Erlebnis jetzt, die neue Technik – Dolby Digital Surround – kennen zu lernen und praktizieren zu dürfen. Wir begeben uns da in eine Dimension der Stimmerfahrung und Stimmproduktion, die auch von der Stereophonie nicht erreicht werden konnte, weil ich als Sprechender wie als Hörender in einem akustischen Zentrum bin, das homogen ist mit meiner Stimmleistung und Stimmfähigkeit. In diesem Sinne haben wir das Stück ‘KÄM’ EIN VOGEL GEFLOGEN’ konzipiert und realisiert: ein Stück, das mit den Beweglichkeiten, welche die neue Technik erlaubt, arbeitet und dadurch Stimmqualitäten und Worterfahrungen ermöglicht, die bisher nicht zugänglich waren.

Franz Mon : “Käm’ ein Vogel geflogen” ( 15:44 , MP3 / WMP , Produktion ORF 2005 , Technik : Anna Kuncio )

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Surround- Auditorium : “Literatur als Radiokunst 2007″ im Literarischen Quartier



||| HEUTE HÖREN | 5.1 SURROUND : WEDER HÖRSPIEL NOCH LESUNG | UTLER + COTTEN - URSENDUNG 8. 7. 2007 | WISSER + SCHLOTMANN - URSENDUNG 9. 12. 2007 | LINKS

HEUTE HÖREN

Hörbuchboom hin , Festivalisierung und Spektakelliteratur her : Während “Literatur als Radiokunst” in sein neuntes Jahr geht und die ersten Studio- Sessions ‘08 starten , geht heute der traditionelle “Live”- Rückblick auf die Produktionen des Vorjahres über die Bühne des Litearischen Quartiers Alte Schmiede in Wien . |||

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5.1 SURROUND : WEDER HÖRSPIEL NOCH LESUNG

Mischpult_korrelationsgradmesser_copyright_christiane zintzenPerfekt getuned im professionellen 5.1- Aufbau ( thanks to Kunstradio und Ö1 ) sind Anja Utler , Ann Cotten , Daniel Wisser und Ulrich Schlotmann auch in persona zugegen , um Auskunft über ihre Konzepte und deren akustische Verwirklichung zu geben . Die vier - je etwa 15- minütigen und eigens für die akustische Realisierung mit und durch die Autoren im Studio - entstandenen Textverdichtungen erkunden Alternativen zu den traditionellen Genres von “Hörspiel” oder “Lesung”.

in|ad|ae|qu|at hat ja seinerseits den Fortgang der jeweiligen Studioarbeit in seinen “Produktionsnotizen” mitstenographiert .

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UTLER + COTTEN - URSENDUNG 8. 7. 2007

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Die für ihre fundamentale Materialpoesie ausgezeichnete Dichterin ANJA UTLER schwingt sprachlich den Radiowellen nach : In “suchrufen, taub ” erkundet und wendet sie die blind aus den Lautsprechern dringenden Brechungen der Beschallung.

Was indes geschieht, wenn sich das Ich aus dem Bild - folglich Sender und Weltempfänger - verliert, demonstrieren die Sprach-Schreck-Momente von ANN COTTEN : Das minimalistisch und metaphysische Spiel auf der “parkbank ” nimmt den Dreh zwischen Schmerz und Scherz.

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WISSER + SCHLOTMANN - URSENDUNG 9. 12. 2007

Mischpult_korrelationsgradmesser_copyright_christiane zintzenDANIEL WISSER ist literarisch ein unkonventioneller Formalist und Praktiker eines melancholischen Humors. Wissers klägliche Liebesromanze “Die Tür” sprengt das Klischee eines einsinnig fliessenden Bewusstseinsstroms auf in die verschiedenen Klangregister des Pathetischen und Banalen.

Von Eriwan bis Samarkand” lautet das anspielungsreiche Spektrum der Sender, durch welche ULRICH SCHLOTMANN die seit Jahren konsequent praktizierte narrative Grundkonstellation “Ein Mann ging in den Wald” manövriert. Im Splitting der Stimmen auf die fünf Surround-Kanäle geriete das Grobstoffliche des Sprechaktes schwer in die Nähe des Meta- Physischen - wäre da nicht Schlotmanns heimtückische Ironie.

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Update , 11:05 - Sebastian Fasthuber im heutigen Standard über die “Lange Nacht des Hörspiels” , die dort ausgezeichneten Produktionen “Santo Subito” ( Text & Regie Eberhard Petschinka , MDR / ORF 2007 , Prix Europa ) und Helmut Peschinas Bearbeitung von Heimito von Doderers “Die Strudlhofstiege” ( Regie Robert Matejka , Musik Kurt Schwertsik , NDR / ORF 2007 , CD- Edition @ DHV ) sowie über die experimentellen Avancen von “Literatur als Radiokunst” :

Dabei wäre das Hörspiel für Autoren ein wichtiges Forum und fruchtbares Experimentierfeld, wie seit Jahren die von Christiane Zintzen betreute Kunstradio-Schiene Literatur als Radiokunst mit ambitionierten und gewagten Produktionen zwischen Text-Avantgarde und Sound-Kunst beweist. Da kann man sagen: Dem österreichischen Hörspiel geht es recht gut. Noch.

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LINKS

Update :

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radio | on air on line on site



||| Time for some Sunday Late Night Art Radio Show Propaganda : LITERATUR ALS RADIOKUNST / Winter Edition , ORF_1_ Kunstradio, Sonntag , 9. 12. 2007 , 11.05 pm - 11.45 pm [ via UKW , via live- stream Oe1 , webcast KUNSTRADIO , Dolby Digital Surround ( 5.1. ) via OE1DD ]

czz icon LITERATUR ALS RADIOKUNSTMit Ulrich Schlotmann und Daniel Wisser präsentiert die Reihe LITERATUR ALS RADIOKUNST im KUNSTRADIO zwei so stimmstarke wie unangepasste Temperamente der deutschsprachigen Literatur . “Von Eriwan bis Samarkand” lautet das anspielungsreiche Spektrum der Sender , durch welche Ulrich Schlotmann ( *1962 ) die seit Jahren konsequent praktizierte erzählerische Grundkonstellation “Ein Mann ging in den Wald” manövriert . Im Splitting der Stimmen auf die fünf Surround-Kanäle , in Schwingungsüberlagerungen bis ( fast ) zur Resonanzkatastrophe geriete das Grobstoffliche des Sprechaktes schwer in die Nähe des Meta- Physischen - - - wäre da nicht Schlotmanns heimtückische Ironie .

czz icon LITERATUR ALS RADIOKUNSTDer 1971 geborene , als Mitbegründer des “Ersten Wiener Heimorgelorchesters” und Verleger ( Der Pudel ) profilierte Autor Daniel Wisser ist literarisch ein unkonventioneller Formalist und Praktiker eines sonderbar melancholischen Witzes . Wissers klägliche Liebesromanze “Die Tür” sprengt das Klischee eines einsinnig fliessenden Bewusstseinsstroms in die verschiedenen Register ( = Sound-Kanäle ) des Pathetischen und Banalen, des Traumhaften und Allzu- Wirklichen auf . Beide Hörstücke dieser LITERATUR ALS RADIOKUNST stellen damit Hör- und Denkgewohnheiten in Frage .

czz icon LITERATUR ALS RADIOKUNSTZum Vor- , Live- und Nachhhören :

Daniel Wisser : “Die Tür” | Text + Stimme : Daniel Wisser , Ton: Anna Kuncio ( 14:41 ) > MP3 | MAKING OF

Ulrich Schlotmann: “Von Eriwan bis Samarkand” | Text + Stimme : Ulrich Schlotmann , Ton : Anna Kuncio ( 9:48 ) > MP3 | MAKING OF

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KLANGAPPARAT

In sozusagen überkreuzter Verschränkung sind zwei EPs von zwei Künstlern auf zwei Netlabels erschienen : Allerdings unter dem selben Titel und mit je einem mutuell remixten Track . Selbst im Netlabelwesen sind solche Co- Optationen - oder wollen wir sie schön österreichisch “Parallelaktionen” nennen ? - bisher selten . In der Tat sind der czz hörempfehlungMagdeburger Paskal ( Candid @ arteqcue , art015 ) und arteque- Mitbergründer Verano ( Candid @ white in music , wim06 ) auch in Auffassung und Ausführung ihrer subtil selbstgenügsamen Patterns mehr als nur wahlverwandt . Elegant charmante Grooves in verhaltener Heiterkeit . CLICK TRACKS TO LISTEN . Verano : Candid | 01. be true | 02. k three | 03. be true ( paskal remix ) ||| Paskal : Candid | 01. dion | 02. alone | 03. why | 04. dion ( verano remix ) |||

LITERATUR ALS RADIOKUNST | Daniel Wisser im ORF- Studio | Produktionsnotizen



||| STUDIO- SESSION : MAJOR TOM | LITERATUR ALS RADIOKUNST | ANDERE LEKTÜREN | RADIOKUNST : HÖRBUCH , ONDULIERT ? | FALSCHE FRAGEN | NÖTIGE KLARSTELLUNG | ANTI ROMANTK | DAS ALIEN ( “E. T.” ) - MITTIG | HOLOPHONE | KOOPERATION ( STEREO ) | WITH A LITTLE HELP … WIE LANGE NOCH ? | KLANGAPPARAT Hörproben EWHO | LINKS ( MONO )

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STUDIO- SESSION : MAJOR TOM

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Wesentlich anders als in einem Space Shuttle geht es in einem Hörspielstudio wohl nicht zu : Drei Tage lang drängt man sich in einem unterirdischen Welt- Abseits zusammen . U- Boot . Raumschiff . Immerhin bieten die beiden Sprecherräume links und rechts von der Kontrollzentrale ( sprich “Regieplatz” ) einige Bewegungsfreiheit . Sprech- und Laufställe , die der rezente LITERATUR ALS RADIOKUNST- Kandidat DANIEL WISSER weidlich für seine oratorischen Zwecke zu nutzen verstand . |||

LITERATUR ALS RADIOKUNST

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Wer’s noch nicht weiss , bzw. , wer dem auf das Projekt LITEATUR ALS RADIOKUNST weisenden Link in unserer Blogroll noch nicht nachgegangen sein sollte : Seit 1999 produzieren wir diese Reihe unter Dach und Fach des ORF KUNSTRADIO - jener Sendung , die nach Kräften im öffentlich- rechtlichen Rundfunk die Agenda experimenteller Künstlerproduktionen gegen Moden- und Quoten- Druck verteidigt . Da darf auch der Pegel mal über dem sonst Erlaubten liegen , da ist auch der mögliche Raum des Schweigens weiter , bevor die Hauptabwicklung das automatische Pannen- und Pausengedudel loslässt . |||

ANDERE LEKTÜREN

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Der Fokus auf LITERATUR mag zwar bedeuten , dass wir als Produzierende grundsätzlich Text- Sprachschöpfende einladen , doch darf ( deswegen sind , bleiben und gelten wir ja weiterhin als sog. “experimentell” ) im Zuge des Vortrags und bei der Bearbeitung die plane Textverständlichkeit durchaus korrodieren .

Gerade und bieder “herunter”- gelesene Texte bieten die üblichen Literaturformate hinlänglich - gar nicht zu reden von den Tausenden Hörbüchern , die ( mal auf exzellentem , mal unter jedem Niveau ) Werke im Take- Away-Format ( nicht selten auch zu entsprechenden Preisen ) anbieten . |||

RADIOKUNST : HÖRBUCH , ONDULIERT ?

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Was ist dann überhaupt noch der Unterschied zwischen einer radiophonen und einer Hörbuchproduktion ? - Beide werden in einem Studio geboren , oft unter Geburtshilfe of the Author’s ‘ Voice - beide sickern dann irgendwo und -wann einmal aus Lautsprechern . Sei’s Allzeit- Bereit beim Bügeln, im Kraftfahrzeug oder aus den i- Pod- Ohrpfropfen , sei es zu festgesetzter Stundes aus dem Radioapparat . Allerdings überbieten die Sender einander derzeit mit Stream- und podcast- Angeboten , so dass der Aspekt der ECHTZEIT einer Radioübertragung tatsächlich aus Bewusstsein und Aufmerksamkeit schwindet . ( Kategorie “Untergang des Abendlandes” , vol. 765 ) |||

FALSCHE FRAGEN

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So hat ein Jungredakteur eines Österreichischen “Feuilletons” das Prinzip der Autoren- Produktionen @ LITERATUR ALS RADIOKUNST einst auf den Punkt des grössten anzunehmenden Irrtums gebracht : Die Schriftsteller sässen eh fortwährend in ihrer einsamen Klause und seien glücklich , sich drei Tage lang in einem “echten” Radio- Studio austoben zu dürfen und schliesslich als Resultat sogar die auf CD gebrannte Aufnahme nach hause nehmen zu dürfen . Hörbuch im DIYS- Verfahren . |||

NÖTIGE KLARSTELLUNG

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An dieser Darstellung ist so ziemlich jede einzelne Silbe falsch . Den angewandten Gegenbeweis lieferte der Musiker und Schriftsteller DANIEL WISSER anlässlich unserer jüngsten Produktion . Zugegeben , wir benötigen solche Trägermedien : CDs , DATs , heute Audio- DVDs oder externe Festplatten . So sichern wir die volatilen Daten , sorgen für deren Archivierung , Weitergabe und Bestand . - Freilich ist mit der Produktion in 5.1 Surround- Sound seit nunmehr drei Jahren die Menge der Daten explodiert : Entsprechend aufwändiger wurde deren Bearbeitung , Sendung ( via Sat ) und Archivierung . In drei Formen der Darreichung tritt sie nun auf , diese LITERATUR ALS RADIOKUNST .

  • ON AIR : In Form der LIVE- Ausstrahlung in 5.1. via OE1DD , gleichzeitig in der ( nahezu ) simultan auf Stereo “heruntergerechneten” FM- Sendung [ reizvoll : die kleine Zeitverzögerung ! ] .
  • ON SITE : Via MP3 auf der entsprechenden LARK- Webseite .
  • TO GO : Erstellen wir selbstverständlich auch Kopien auf Datenträgern . Audio- CDs für die Stereo- , bzw. Audio- DVDs für die 5.1.- Version . Solcherart lassen sich die LITERATUR ALS RADIOKUNST- Produktion auch an anderen Orten und zu anderen Zeit aufführen . Hier läge ein WÜNSCH- DIR- WAS seitens der Kuratorin : Wenige Künstlerinnen und Künstler haben bisher die Möglichkeit genutzt , ihre LARK- Produktion als Zuspielung bei einer “Live- Lesung” zu verwenden . - Soweit uns bekannt ist , hat Franz Mon einmal “live” zum surround abgespielten Tondokument improvisiert . In dieser Hinsicht auf die konkrete AUFFÜHRUNG eines Radiokunst- Stückes gäbe es schöne und noch ungenützte Möglichkeiten : Einmal abgeschlossen , abgespeichert , gesendet , muss so ein Werk nicht zwingend “still stehen” . Es könnte weiter wachsen in Phasen und Transformationen , in neuen Räumen , dem Leben nach . |||

WISSERS WISSEN

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Nach den Produktionen mit Anja Ulter , Ann Cotten und Ulrich Schlotman hatten wir jetzt den Wiener Musiker , Verleger ( Der Pudel ) und Schriftsteller zu Gast und man wird nicht gerade behaupten dürfen , dass dieser Studio- erfahrene Mann nicht weidlich genutzt hätte , was Küche und Keller zu bieten haben . Vom schalltoten Sprecherraum bis hin zum grossen Hörspielsaal bleibt kein Klangraum ungenutzt . Mittels statischem Mic , mobilem Reportermikrophon ( Rückkopplungen nahe der Lautsprecher des Regie- Raums ) sowie dem Handy als einem praktikablen Instrument zur Echtzeit- Kompression von Stimme : Für eine monologisch dargebrachte tragisch- vergebliche Liebe zu einer Postsparkassen- Angestellten ein nachgerade ideales Instrumentarium . |||

ANTI ROMANTK

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Niemand beginnt am Anfang. Denn woher wüsste man,
dass es ein Anfang ist, wenn man nicht bereits die Mitte kennen würde?
Also beginnt man in der Mitte.
Anstatt am Anfang von Etwas,
beginnt man in der Mitte von Nichts.
Das ist gut. ( Daniel Wisser : Die Tür )

Wer Wisser für einen ramponierten Romantiker halten würde und seine Poesie für schaumgeborene Capuccino- Tristezza , der liegt nämlich ganz schön quer . Seit 1994 sind die Gebrüder Wisser ( Florian , Daniel ) , Thomas Pfeffer und Jürgen Plank in der Formation des ERSTEN WIENER HEIMORGELORCHESTRS ( EWHO ) zugange und haben sich auf den Tasten dieser zu Unrecht belächelten Floccati- Wohnzimmerbeschallungsapparate unbestrittenen Kultstatus erspielt . Zu hören und sehen ist das EWHO übrigens noch am 6. Dezember im Zuge der vorläufig letzten Aufführung von Peter Handkes Untertagsblues , wo das orgelnde Konsortium dem - die alte Publikumsbeschimpfung aufleben lassenden - Philipp Hochmair ungerührt Akkorde zu- und an diesem vorbei spielt .

Unser Mann im Studio verfügt demnach nicht nur über exzellenten Takt , sondern auch über eine phänomenale Stimme , deren obenhin austriakischer Duktus sich in überraschende Körnigkeiten aufzureiben vermag . Einmal wieder erweist sich die Chance und das eminente Glück - wie bei Ulrich Schlotmann ( bei welchem man bereits beim ersten Satz durch das Mic schier “niederknieen” möchte ) - einen solchen Autor im Studio zu “haben” . Was hier und unter diesen konzentrierten Bedingungen entsteht - ist in keiner Weise mit einer Live- Performance , einer üblichen Autorenlesung oder gar dem “einfühlenden” Herunternudeln eines Textes durch Schauspieler zu vergleichen .

Da wir nun einmal fünf ( plus einen Bass- Effekt- ) Kanal zur Verfügung haben , können wir die Stimme schön im Raum verteilen : Front Center für “gerade Erzählung” , Doppelung und simultan gegenläufige Drehung der Stimmspur über die fünf Kanäle , Halbsatz- Dialoge Mitte rechts - Mitte links ( “Wie Ohrfeigen” ) und - ach ja , dann gab es auch noch unseren schönen neuen “Alien” . |||

DAS ALIEN ( “E. T.” ) - MITTIG

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Zum Ausprobieren des niegelnagelneuen Superstars unter den statischen 5.1.- ( bis 7.1. möglichen ) Mikrophonen gab es etliche Rundtänze um diesen zentral- positionierten “Seehundkopf” aufzuführen . Normalerweise postiert man ja sechs Einzel- Mono- Mics ausserhalb der Szene : Quasi in naturalistischer Abbildung | Analogie zur Klangwiedergabe , deren Lautsprecher meistens dezentral ( “surround” ) positioniert sind . Obwohl die Aufnahme also im Kreisinneren erfolgt , ertönte das Ergebnis wiederum in der Aussenzone . Experimente mit zentrisch positionierten Boxen böten sich ebenso an wie die Ausnützung der Tatsache , dass grosse Rundumräume keiner weit gesteckten Mikrophonierung mehr bedürfen …. Funktion eventuell noch am ehesten mit dem KUNSTKOPF zu vergleichen , welcher mittlerweile aus der Mode gekommen scheint ( wir vermuten mal : wegen dessen weitgehend “naturalistischem” und damit rasch reizlos werdenden Gebrauch ) . |||

HOLOPHONE

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Interessant beim Herumspielen mit dem HOLOPHONE war die Beobachtung , dass das Gerät den direkten Schalleinfall geringer verstärkt als Hinter- bzw. Nebengrundgeräusche ; man erinnere sich an das Handy , welches jeden vorbeifahrenden Lastwagen dem Nah- Sprech bei weitem vorzieht . D .h . , ferne im Raum aufgenommenes Stimmengewirr , Schritte , ja sogar das Rascheln der Kleider wurden von HOLOPHONE weit eindringlicher übertragen als jede Mund- zu- Mund- Beatmung . Wie weit sich dieser Gain noch regulieren lässt : Dies müssen wir ein ander Mal ausprobieren . |||

KOOPERATION ( STEREO )

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Feed und Feedback . Notwendige Momente völliger Kopf- und Ohrenlähmung . Stippvisiten , Überfälle : Kuratoren , Kollegen , Kiebitze . “Wohlmeinende” Ratschläge , ungefragt : Ohne Willen zur Kooperation , ohne die Fähigkeit , den Anregungen Anderer zuzuhören und ohne die Souplesse , auch mal eine vermeintlich “suprige Idee” einfach fahren zu lassen , wäre eine solche Produktion undenkbar .

Hier : Wissers “Vorwissen” , sein aus Fragilem und schwer lotbarem Trivialen eigentümlich gewebter Text , seine Bereitschaft , bei unzähligen Neu- und Wiederaufnahmen mit seiner Stimme nicht zu geizen . Dort : Die tonmeisterliche Kundigkeit , Geduld und Experimentierfreude unserer Soundmasterin Anna Kuncio .

So ( sagen wir mal als Kuratorin und Producerin selbstredend befangen ) könnte sendefähige Literatur möglich gemacht werden , welche vielleicht den Tag überdauert . Oder die 14:40 Minuten ihrer Ausstrahlung via FM ( stereo ) und Sat ( 5.1.) . Die genauen Daten folgen . |||

WITH A LITTLE HELP … WIE LANGE NOCH ?

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Dass eine so aufwändige Produktion Geld kostet , ca se va en soi . Derweil geniessen wir für unser - mit 2008 ins neunte Produktionsjahr gehendes - Projekt Unterstützung seitens des ORF , der ( GAV ) Grazer Autorinnen Autoren Versammlung ( Honorare ) sowie von Seiten des Literarischen Quartiers Alte Schmiede , wo wir am 6. März alle vier Produktionen des Jahres 2007 in Anwesenheit ihrer Kreatoren präsentieren dürfen . Selbstverständlich rundum beschallt - per eigens vom ORF herbei geschaffter 5.1- Apparatur .

Aber wie lange noch ? - Wäre man paranoid veranlagt , könnte man Indizien zunehmender Lustlosigkeit der fördernden Instanzen bemerken . Aber da wir ja glücklich frei sind von jedweder Anwandlung dieser Art , basteln wir bereits munter an der Künstler- und Playlist für’s kommende Jahr . Antragsformular nicht vergessen ! |||

KLANGAPPARAT

Hörproben ERSTES WIENER HEIMORGEL ORCHESTER

czz hörempfehlungAUTO PLAY CD ( plagdichnicht 2005 ) :

01. anton ( excerpt ) | 02. oliven und schafkäse ( excerpt )| 03. mit den dritten fall ( excerpt ) |||

LINKS ( MONO )

radio | on air on line on site



||| Time for some Sunday Late Night Art Radio Show Propaganda ::: LITERATUR ALS RADIOKUNST / Summer Edition , ORF_1_ Kunstradio, Sonntag, 24. 6. 2007 , 11.05pm - 11.45pm [ via UKW , via live- stream Oe1 , webcast KUNSTRADIO , Dolby Digital Surround (5.1.) OE1DD ]

radio brunMit Ann Cotten und Anja Utler präsentiert die Reihe LITERATUR ALS RADIOKUNST im KUNSTRADIO zwei kompromisslose junge Temperamente der zeitgenössischen Literatur : Die für ihre fundamentale Materialpoesie ausgezeichnete Dichterin ANJA UTLER schwingt sprachlich den Radiowellen nach . In “suchrufen, taub” erkundet und wendet sie die blind aus den Lautsprechern dringenden Brechungen der Beschallung .

Was indes geschieht, wenn sich das Ich aus dem Bild - folglich Sender und Weltempfänger - verliert , demonstrieren die Sprach-Schreck-Momente von ANN COTTEN : Das minimalistisch- metaphysische Spiel auf der “parkbank” nimmt den Dreh zwischen Schmerz und Scherz .

radio brunZum Making of siehe fest wochen , werk wärts und radius radio . ||| Zum Sofort- , Vor- und Nachhören ||| Anja Utler : “suchrufen, taub” (11:43) > play stream [ Text + Stimme : Anja Utler , Ton : Anna Kuncio ] ||| Ann Cotten : “parkbank” (16:00) > play stream [ Text + Stimme : Ann Cotten , Ton: Martin Leitner ] |||

Stay tuned - switch to the German netradio Netz Klang , das sich seinerseits aus freien Produktionen der netlabels united peist . Die Bravo czz hörempfehlung Bravado mixes @ Tobi Tobsucht pushen wir sofort on the blogroll . go for the issue 24/07 ::: Die Playlist beschert uns manche c/o in|ad|ae|qu|at Genannte wie taron trekka - oktober (intoxik 026) oder intelec - antártida (miga 019) . Sogar die prononcierten Lieblinge à la broque ( phonout - woza (broque 033) hallen im Netz Klang wieder . - - - Thanks to Christian K. für das CARE- Paket mit frischem wie gut abgelegenem oderaufbrot , wir zitieren aus den “gesammelten werken” , oderaufbrot # 39: “Warum willst du Regenmusik hören, wenn es doch endlich Frühstück geworden ist ? ” - “Bei uns im Ort gibt es 5 katholische Tabellen . ” - Gruss an das Exelhemd . Jetzt aber zum Anregen des Appetits die jüngste Netz Klang- playlist : markojux - babelfiche - eric brandy remix (pinksilver 007b) - strumplästen - laban (mmmph 019) - taron trekka - oktober (intoxik 026) - u. v. a. m. So much for the show . Dig in . Enjoy . |||