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Salon Littéraire | Liesl Ujvary : unser keller



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Salon Littéraire | Liesl Ujvary : unser keller

ist der keller des hauses johann straussgasse 10-14, wien, 4. bezirk, österreich, stand 24. 05. 2008. der keller ist weiträumig, aufgeräumt, von neonröhren beleuchtet. das haus gehört der genossenschaft familie, es wurde 1959/60 erbaut. seine ästhetik entspricht dem damaligen gemeindebaustil - das stiegenhaus ist in typischen mustern ausgemalt, die etwas über augenhöhe an begrenzungslinien enden. kunstdrucke, von bewohnern angebracht, italienische motive oder tiere aus dem tierschutzkalender, schmücken die stiegenabsätze. die hausverwaltung und viele bewohner sind auf die eine oder andere weise um eine heimelige gestaltung bemüht. ganz anders im keller. hier ist nichts geschönt, keine bildchen, keine verzierungen. obwohl der keller viel benutzt wird, dort befindet sich die waschküche, die abteile dienen als abstellräume für fahrräder, zur aufbewahrung von getränken und anderen sachen, ist er wie selbstverständlich eine fremde welt - roher verputz, grobes finish dominieren. trotz neonröhren wirkt der keller düster und verwinkelt. er ist verwinkelt, muss er doch platz bieten für 60 kellerabteile. in den mächtigen abflussrohren gluckst das abfliessende wasser. niemand hält sich länger als unbedingt notwendig im keller auf. vor rattengift wird gewarnt. bitte die kellertür immer absperren.

liesl ujvary, 07. 06. 2008

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Liesl Ujvary ( video und musik ) : unser keller

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Liesl Ujvary

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vienna demolition V : a story in pictures



||| WIEN , BESPIELT | MILITANTE KANTE | INZWISCHEN NISCHEN | SPIELPLATZ AM QUARTIER | VORHER - NACHHER | KLANGAPPARAT

WIEN , BESPIELT

Dezidiert untouristisch intendiert , bietet die vorerst finale Folge der in|ad|ae|qu|aten “Wiener Demolierungen” einige erheiternde Reize . Bis hin zum KLANGAPPARAT , den das ortsnahe Duo Schalldampfer in hedonistisch- viennensischer Interpretation des Modus “Techno” lieblich bespielt . |||

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MILITANTE KANTE

Freilich befinden wir uns hart an der Geländekante zwischen dem von den Nationalsozialisten 1943/44 mitten ins Karree der noch heute vom österreichischen Verteidigungsministerium genutzten Stiftskaserne gepflanzten Flakturm , dem mit Altwiener Vaniliisauce übergossenen Spittelberg- Viertel und dem Areal der ehemaligen Hofstallungen Fischer von Erlachs auf in vielerlei Hinsicht umkämpftem Boden .

Andersrum gesagt : Das gemeine Niveau von Ringstrasse über die zum ewigen Tête à Tête verurteilten Natur- und Kunsthistorischen Museen bis hin zu den einst anmutig vergammelten Hofstallungen , sprich : dem heute cleanen Museumsquartier springt an dessen nördlicher Grenze abrupt um 20 Meter bergan . |||

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INZWISCHEN NISCHEN

Die dort entlanglaufende “Breite Gasse” trug ihren Namen zu Zeiten zu Recht . In geradezu umgekehrter Relation : die geringe Tiefe der scharf an der Kante starrenden Häuserzeile . Man konnte das sehen , weil ein freies Grundstück ( vulgo “Hundeklo” ) neben dem alteingesessenen Bibelhaus einen reizvollen Durchschlupf in die darunterliegenden Zonen bot : Raum für Hintertreppengeher und Schmuddelkinder , die noch bis weit in die Epoche der Errichtung der Neubauten des Museumsquartiers in den ausgeweideten barocken Stall- Hallen tollen konnten . |||

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SPIELPLATZ AM QUARTIER

Mit dem zweistokwerkhoch luftig gestelzten und super- slim ( sechs Meter Tiefe ! ) ausgeführten Riegelbau von Carl Pruscha wurden Bibel haus zentrum , Stadtblick und Treppengänge in den urbanen Orkus gleichermassen bewahrt . Wie Ab- und Aufbruch an dieser Stelle ein bisschen spielplatzartig ineinandergreifen , dokumentieren die Bilder . |||

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VORHER - NACHHER

Als Bonus noch ein “Vorher - Nachher” , wie es die Geschichte der Bibelgesellschaft dokumentiert .

bibelhaus old copyright bibelgesellschaftbibelzentrum

Nextroom architektur versammelt die kontroversiellen publizistischen Debatten um Funktion und Form des Museumsquartiers - freilich mit Ausnahme der damaligen kulturkämpferischen Anti- Kampagne der Neuen Kronen Zeitung . Historisch eigentlich schade . |||

KLANGAPPARAT

Zu eben unheiligen oder gar Abbruch- Handlungen werden die sanften Anverwandlungen , denen das Wiener Duo Schalldampfer Begriff und Stil des “Techno” unterzieht , nicht eben anregen . Praktischerweise betätigt sich die musikalische Doppelconfercence zwischen Odd ( vulgo Stefan Eder ) und iRoy ( Karl H. Schönswetter ) zugleich als Netlabel und Blog unter dem selben Namen . Überhaupt haben es die eher dem angenehm czz hörempfehlungOhrgängigen denn den rastlosen Tanzmassen zuneigenden Musiker mit den Namen . Als Journalist lernt man zuerst , dass “Namen Nachrichten sind” . Bei Schalldampfer steht jeder Name für einen Track . Wie auf der eben erschienenen Two- Track EP namens KARLHEINZ die Stücke eben FLORIAN und HERRMANN heissen . CLICK NAMES TO LISTEN : Noch mehr Namen und andere Takte erhalten Sie an der MySpace- Theke . Warum auf der Heimseite “Salzburg” , im Social Net indes “Wien” steht , dass müssen Sie die diversen Herren schon selber fragen . |||

vienna demolition IV : a story in pictures



||| ALLGEMEINE KRANKENLAGE ( R ) | 100 JAHRE CLUSTER | INVESTOR’S CHOICE | ZU GRUND | KLANGAPPARAT

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ALLGEMEINE KRANKENLAGE ( R )

Ortstermin heute : Ein Steinwurf nordwestlich des Wiener Allgemeinen Krankenhauses . Ab 1902 von südlicher Richtung ( Spitalgasse : 1. & 2. Frauenklinik ) her errichtet , sollte dieses “Neue” AKH den zu eng gewordenen Josephinischen Bau an der Alser Strasse ersetzen . Der ursprüngliche Generalplan des frühen 20. Jahrhunderts sah eine vollständige “Pavillon”- Bebauung der 240.000 m² grossen Fläche bis hin zum Währinger Gürtel ( U- Bahn Station Michelbeuern ) vor . |||

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Zwei Weltkriege kamen dazwischen , ehe ein frischer Masterplan die Errichtung eines Zentralkrankenhauses an Ort und Stelle vorsah . Viele architektonische Stil- Ge- Schichten lagerten sich an : Im Zentrum freilich der riesige Doppelturmklotz ( und der Skandal um dessen vielzitiert geschmiertes Coming into Being ) . |||

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100 JAHRE CLUSTER

Bereits seit Bestehen der Pavillons des “Alten” Neuen AKH entstand ein pharmazeutisch- medizinisch- universitärer Cluster in unmittelbarer Nähe . Das Karrée Michelbeuerngasse - Prechtlgasse - Wilhelm-Exner-Gasse -Severingasse dürfte als entsprechender Annex in dieser frühen Phase erbaut worden sein . |||

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INVESTOR’S CHOICE

Zuletzt Niederlassung von chemisch- pharmazeutischen Betrieben , wurde der Block zugunsten eines Büro- und Wohnprojekts geschleift , Investitionsumfang : eine Milliarde . Stolz präsentiert die Firma Porr Projekt und Bauvorhaben , einige Fotos ( scroll down ) dokumentieren den Baufortschritt : “Shift happens” . |||

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ZU GRUND

Die solcherart zusätzlich mitten ins dicht bebaute Stadtgebiet gesetzten rund 150 Wohneinheiten wurden u. a. auch als Argument gegen die Umwidmung des Grüngrundes Sensengasse angeführt : Die angeblich “bürgernah” ( agenda 21 ) vollzogene Debatte um eine möglichen Bebauung wurde schliesslich ebenso zubetoniert wie der Grund . |||

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KLANGAPPARAT

Es gibt sie noch die guten Mixes und Manufakturen , denen man blind vertraut . In Audio- Angelegenheiten ist dies natürlich die falscheste Metapher seit es Schokolade gibt . Eben : Die Marke , der Mann , der’s stets versteht , streichzarte Mixes zu fabrizieren , wohltemperiert , perfekt dekantiert und auch im Abgang nachhal(l)tig . Nachdem jetzt schon Jeder weiss , auf wessen Einspielungen wir anspielen , brauchen wir den Namen Tom Larsons ( @ MySpace ) gar nicht mehr zu nennen . In 400+ Online- Tagen haben wir den Langstreckenbandelkramer mit dessen diversen Produktlinien wie à la Deep Series oder Klänge der Nacht bereits mehrmals präsentiert . Sei’s @ Deepindub , Dreiton , Sonic Walker oder Mixotic : Larsons Klangräume gestalten sich stets diskret , schaffen mehr Raum als sie nehmen . Die “tiefen” Referenzen an die Melancholie widersprechen dabei in keiner Weise der spezifischen Helligkeit der Larson’schen Atmosphären . - Aber , Aber : Genug geredet und zurück zur Serienschaltung . Eben ist Part 3 der Reihe “minimal auch ohne schal” bei loopzilla erschienen . Da das Web des Labels momentan nicht ereichbar ist , müssen wir für’s Erste auf einen Zwischenträger linken . Wird zu geeigneter Zeit ins Richtige redigiert .  Et voilà : Die guten Jungs wollten ihre Seite offenbar für das Saturday- Night- Fever optimieren . Optimal . CLICK LOOPZIILA TO LISTEN  ( mit oder ohne Schal ) . |||

SOME STREETs | SOME ART



Was stünde nicht alles auf der Agenda … Was wollte man nicht alles servieren … Welche Wellen von Weh wollte man nicht ventilieren … Neofeudale Sitten im Kulturbetrieb , Ohnmacht der ökonomischen Verhältnisse , Opportunismus- Falle “Blogging” …. ::: allesamt aus den Kategorien “Herzkranzgefäss- Fandango” , “Magenkrampf” und “Kampf gegen Windmühlenflügel” .

BETTER WALK IT OFF . WATCH OUT . AND CONTINUE THE QUEST FOR VIENNA STREET ART . Motto :

Freut euch des Lebens , / weil noch das Lämpchen glüht , / pflückt das Mauerblühmchen , / ehe dieses verblüht .

Versteht sich , dass Schablonen- Sgraffiti längst im common sense angekommen sind . Das schnelle Medium “Blog” ist für die Erfassung und “Ausstellung” dieser temporären Kunst geradezu ideal . Seiten wie die The Wooster Collective , graffiti research lab , fubalu | things found along the way oder urbanophil.net laden zur internationalen Synopsis von Motiven , Formen und Vorlieben . In loser Folge wird in|ad|ae|qu|at sein MUSÉE IMAGINAIRE mit solchen objets trouvés bespielen .

scraff ratte02 MSG 1070

Proudly presenting : Noch einmal THE RAT von fatal error ( diesmal aus top- down- Perspektive : 1070 Wien ) .

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Auf RAT folgt CAT ( 1050 Wien ) …

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… und auf CAT ein ganzes Rudel von HUNDEN ( 1010 Wien ) .

scraff affe MSG 1070

Was hat das alles mit dem AFFEN zu schaffen ? ( 1060 Wien )

Links :

Auf unserer akustischen Tour durch die jüngeren Feinmechanik- Releases bei Thinner / Autoplate stoppen wir heute am Bahnhof urbaner czz hörempfehlungVerlorenheiten : Die Klangespinnste des Münchener Pianisten Philipp Weigl weben ihre feinen Netze im Temperament eines shady grey . Mit dem Drummer Michael Hoffmann hat Weigl den 17- Minüter Examples Of A Medusa ( apl048 ) eingespielt : Sogar das Wagnis des Gesanges bleibt schwebend und bestätigt das fragile Versprechen von “Surreal Lyrical Vignettes” . Sehr Nachsommer . Und sehr innig . Click Track to Listen : 01. Country Lane ( 7:36 ) , 02. Home ( 4:59 ) , 03. Winters Tale ( 4:45 ) |||

“Trinkt, O Augen”



für Margherita Spiluttini
Laudatio zur Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien, 18. September 2007

Augen , meine lieben Fensterlein ,
Gebt mir schon so lange holden Schein ,
Lasset freundlich Bild um Bild herein :
Einmal werdet ihr verdunkelt sein !

I.
AIGA airport arrow left up“Lasset Bild um Bild herein” : Der Mensch als Schauender . Der Künstler als Kamera . Gottfried Keller hat diese Verse “visueller Poesie” gedichtet . Derselbe Gottfried Keller , der mit dem “Grünen Heinrich” ein beredtes Zeugnis abgab für die anhebende Krise “realistischer” Repräsentation .

Dieser merkwürdig moderne und zerrüttete Entwicklungsroman ist durch und durch aus Motiven des Augenscheins gewebt : Sehen als Erkennen , Schau als Glück . Dies gilt auch für den KAIROS der BEGEGNUNG mit dem ästhetischen Artefakt : Geistesblitz und Schock , plötzliche Erkenntnis , Sinnlichkeit und Gewissheit .

Die Fotografie ist die klassische Metapher für diesen KAIROS . Erfasst mit der Hand am Auslöser . Stillgestellt und ausgeliefert auf empfindlichem Material . Materialisierung , welche ihrerseits sofort Gegenstand wird und damit Geschichte .

Als eminent selektiver Ab- Druck einer ganz bestimmten Realität zu einer ganz bestimmten Zeit verlässt die Fotografie in der Sekunde ihres Entstehens das, was sie bildlich fasst.
Nun zieht sie eine - ihre - eigene SPUR.

II.
AIGA airport arrow left upSeit den frühen 80er Jahren legt Margherita Spiluttini solche fotografischen FÄHRTEN :
urbane Situationen, bauliche Charaktere, Verfasst- und Beschaffeheit von Landschaft . Dezidiert stets der Hinweis auf den Eigen- Sinn ihrer SICHT DER DINGE . Die schöpferische Notwendigkeit von Subjektivität . Zwischen steinernen Realitäten und der fotografischen Realitäts- Falle hat THE WO/MAN WITH THE CAMERA über die Grenzen der Genres hinweg den SPIELRAUM der Architektur- Fotografie erweitert .

Uns als Betrachtenden gewährt Margherita Spiluttinis Werk ein erhellendes Sehen . Wir sind so frei , bei ihr Bilder zu finden, nach welchen wir nie zu suchen wussten . IMAGES ILLUMINÉS , deren Entschiedenheit uns momentan ein- und nachhaltig erleuchtet : HINTER die Sekunde ihres Gesehen- Habens können wir nicht zurück : Sie haben uns die Augen geöffnet . So , wie uns Johann Sebastian Bachs “Wohltemperiertes Klavier” die Ohren aufgetan hat . Oder Miles Davis’ “Bitches Brew” .

Drei Werkgruppen mögen daran erinnern , DASS und WIE Margherita Spiluttini uns das Sehen lehrte .
· Da wäre 1. , die fotografische Bestandaufnahme für und in dem Führer ARCHITEKTUR IN WIEN .
· Da sind 2. , die in der Ausstellung NACH DER NATUR 2002 versammelten Landschafts- Aufnahmen.
· Da gibt es 3. , das von Margherita Spiluttini nach multiplen Kriterien komponierte Katalog- Kunstwerk RÄUMLICH / SPACIOUS . Eben erschienen als Komplement zur Ausstellung ATLAS AUSTRIAE .

III.
AIGA airport arrow left up“300 sehenswerte Bauten” : Listig spielt das 1984 von der ÖGA herausgegebene Brevier ARCHITEKTUR IN WIEN mit dem konservativ- affirmativen Begriff der Sehens- Würdigkeit . Geschürzt zu 14 topographischen Knoten und in je chronologischer Reihung treten Wiens Bauwerke in Text und Bild auf den Plan . In ihrer strikt seriellen Anordnung erstellen die EN FACE- Aufnahmen eine Typologie von Proportionen, Idiomen und Formen .

Von Dietmar Steiner : Zu jedem Bauwerk ein knapper Paragraph . Text , Daten , Kommentar . Von Margherita Spiluttini : Je ein Bild . 300 aus 500 Aufnahmen , unternommen 1982 und 1983 . Pro Seite : Fünf Gebäude , Legenden und Konterfeis . Gleiche Grösse . In S/W .

Die Wahrnehmung , an Wiens reale und symbolische Grössenordnungen gewohnt , gibt sich schockiert : Den ausgreifenden und respektheischenden Kubaturen der Macht wird kein Quäntchen mehr Raum zugewiesen als der vermeintlich bescheidenen Funktion .

Solcherart macht ARCHITEKTUR IN WIEN den demokratischen - wenn nicht gar antiautoritären - Geist der 60er und 70er fruchtbar für eine Bestandsaufnahme des Vorhandenen . Zugleich legt dieses Brevier der eben anhebenden Postmoderne ein Inventar bereit : Einen Katalog bestehender Formen , Figuren und Fantasien als Grundlage für zukunftsträchtiges Bauen im Kontext der historisch überdeterminierten Stadt .

Wie Bodo Helles 1983 erschienene STADTSCHRIFT mochten Manche den Band ARCHTEKTUR IN WIEN als Indiz ansehen für ein neues Bewusstsein von Urbanität : Eine Urbanität, die in den frühen 80ern aufregend rau und roh sein konnte . Eine Urbanität , welche die Stadtlandschaft ansah als Raum für Exkursionen in die noch nicht völlig durchformte Makro- und Mikrostruktur . Die Glättung und Färbung der Oberflächen - - sie sollten erst später erfolgen . Ebenso wie der Neue Narzissmus , die Städtekonkurrenz und die Architektur des Spektakels .

IV.
AIGA airport arrow left upSzenenwechsel : Ausstellung und Werkkomplex NACH DER NATUR . Zu sehen 2002 im Technischen Museum Wien . Plus Katalog . Untertitel : “Konstruktionen der Landschaft” . Im Unterschied zu ARCHITEKTUR IN WIEN , wo die Gebäude- Portraits ihre Objekte in strikter Zentralperspektive fokussierten , befinden wir uns nun im WIDE OPEN.

Alpine Kulturlandschaft , die so herum liegt . Rundherum . Durch und durch erschlossen .

NACH DER NATUR ist skeptische Reflexion auf den Abbild- Realismus - gefasst in das Wort für die alte Lehrdisziplin des Zeichnens “nach der Natur” . Zugleich ist NACH DER NATUR ein POST NATURAM : “Natur” ist - seit sie so heisst - ohne kulturelle Durchformung nicht zu haben .

Im Wissen um die Aporien jeder Annäherung an NATUR fasst Margherita Spiluttinis rahmender Blick Szenen und Situationen nach den klassischen Regeln der Komposition . Dramatische Diagonale . Die Wucht der Symmetrie . Die Wärme der Flächen ruhiger Betonwände und Wiesengründe . Im Kontrast zu den kalten Falten , Kanten und Graten von Felswerk und Steinbruch .

Kulturbauten “im Gebirg” : Trassen , Terrassen , Tunnels , Röhren , Kanäle . Hier ist die Werkstatt des oft anonym bleibenden Ingenieurs und Baumeisters . Kaum je betritt der AUTOR- ARCHITEKT je das Terrain . An diesem gut sichtbaren Punkt berühren wir das Leitmotiv von konstruktivem Ingenium im Unterschied zum expressiv Künstlerischen . Ein eminentes Thema , spricht man von Margherita Spiluttini , Tochter eines Gebirgs- Baumeisters , geschult an den bildgebenden Verfahren der Medizin .

Unwillkürlich und ebenso schockhaft katapultiert uns manche Anmutung dieser höchst körperlichen Landschaften in eine assoziative Nähe zur Medizin . Dann mögen wir uns mitten in einer Intensivstation wiederfinden . Tunnel- Röhren , Abfluss- Systeme wie Katheter . Klaffende Steinbrüche . Leitungen , Läufe und Schläuche wie Adern . Serpentinen , Lawinenverbauungen wie Bandagen . Brücken als Krücken und Stützen .

Allerdings drängt sich dieses Paradigma nicht notwendig auf . Wer es sehen mag , tut dies nicht aufgrund einer tendenziösen Agenda . Sondern im stillen Spiel von Linien und Formen , Strukturen und Texturen .

V.
AIGA airport arrow left upWieder stossen wir auf Wort und Wert von Spiel und SPIELRAUM . Spielraum zwischen den künstlerischen Ressourcen “Ratio” und Intuition . Spielraum zwischen dem Subjekt HINTER der Kamera und dem Objekt DAVOR . Unter dem schwarzen Tuch der Sucherabdeckung bleibt die Künstlerin während ihres Dialoges mit dem Gegenstand VOR den Linsen der Grossformat- LINHOF verborgen . - Black Box ? Beichtstuhl ? Traumdeutung ? - Wie auch immer der uneinsehbare Spielraum beschaffen sein mag : HIER flektiert sich das Abbild zum Inbild .

Den Begriffen von Spiel und Spielraum eignet in unserer Kultur etwas Infantiles . Verdacht auf Unordnung , Unernst , Unsitte . Skandal ökonomischer Abundanz . - Dabei ist jedes Spiel eine hoch komplexe Abfolge von Einzelentscheidungen . In dieser Hinsicht ist Margherita Spiluttini eine bekennende Agentin des Sprachspiel- Konzepts von Ludwig Wittgenstein , dessen Haus sie eingehend fotografierte .

Der eben vom AZW herausgegebene Werkkatalog RÄUMLICH - SPACIOUS widmet dem PALAIS STONBOROUGH ein ganzes Kapitel . In diesem Buch- Kunstwerk manifestiert sich ein weiteres Leitmotiv von Spiluttinis Fotografie : Es ist die Lust am Spielerischen , die Hingabe an die Verführungen des Visuellen . Linien und Flächen . Strukturen , Figuren und Muster . Korrespondenz , Dissonanz . Das Serielle . Das Singuläre . Die Faktur einer Farbe . Der Fund einer Form . Spiegelungen, Transparenzen .

RÄUMLICH / SPACIOUS ist eine durchgeformte Dokumentation der fotografischen Mitschrift eines Vierteljahrhunderts . In dem, was dieser Katalog zeigt , aber auch in dem , wie er es zeigt, ist dieses BUCH- KUNSTWERK ein DISCOURS DE LA METHODE . Explizit implizit führen die Kapitel dieses Katalogs verschiedene Verfahren vor , wie aus den unendlich möglichen IMAGES À TROUVER einzelne Bilder zu verwirklichen sind. Aufzulesen . Auszulesen . Aufzunehmen .

Und siehe da : Margherita Spiluttini hat unsere Augen , unser Hirn und unsere Phantasie hinreichend vorbereitet , die Chiffren- Schrift dieser Bilder und ihrer Komposition zu entziffern . Sie hat dieses , ihr Bildungs- Werk undogmatisch und sehr diskret geleistet . Das Pathos der Disziplin , die Strenge des Denkens im Federkleid der Ironie .

VI.
AIGA airport arrow left upMargherita Spiluttini hat in und mit dem Material Wiens gearbeitet , sie hat mitgeschrieben an der Geschichte der Ansichten und Einsichten . Wäre man jetzt pathetisch , dann würde man sagen : Ihr ATLAS AUSTRIAE hat ikonische Meilensteine platziert mitten hinein in unsere MAP OF MIND .

Aber wir sind nicht pathetisch und sagen es deshalb nicht . Das würde Magherita nämlich nicht billigen . Deshalb will ich mit den letzten Versen von Gottfried Kellers “Abendlied” schliessen .

Doch noch wandl’ ich auf dem Abendfeld ,
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt ;
Trinkt , O Augen, was die Wimper hält ,
Von dem goldnen Überfluss der Welt !
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Links :

Ganz gut zum Strukturen- Thema der Architektur und ihrer Fotografie will sich Teil Zwei unserer kleinen Revue der jüngstes Releases bei Thinner / czz hörempfehlungAutoplate fügen : Mit # 097 , Blüte Seines Lebens , bringt Das Kraftfuttermischwerk eine gehörig poetische Attitüde in Anschlag . Dass dies mitnichten Grund zur Panik ist , weiss , wer die Thinner- Soundsphäre kennt und nennt . Strukturen , Muster , Patterns : selbander in schwingenden Schleifen . Fläche an Fläche , taktische Raster . Kräuselnder Stream . Absolut high- rotation- fähig ! - Click Track and Listen : 01. Fluss Ins Nichts ( 6:02 ) | Blüte Seines Lebens ( 7:08 ) | Blütenstau In Basel ( 5:15 ) [ ... hier hat Margherita Spiluttini übrigens etliche Werke von Herzog & de Meuron fotografiert ... ] | Shadows On Wooden Beaches ( 4:45 ) |||