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BLOG ACTION DAY 2008 : POVERTY | “Die Arbeitslosen von Marienthal”



BLOG ACTION DAY 2008 10 15

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ARMUT | ARBEITSLOSIGKEIT

Mag man über Sinn oder dessen Leere von international installierten Ge- oder Bedenk- Tagen rütteln und schütteln : Die BLOG ACTION DAY- Anregung , sich für einmal im Jahr mit gesellschaftlichen Fragen zu befassen , wird von den bisher regisrierten 9.325 Bloggern und Seitenbetreibern wohl in grösst möglicher Diversität beantwortet werden .

Das für den heutigen Donnerstag , 15. Oktober ausgegebene Thema “Armut” kommt unseren in|ad|ae|qu|aten Plänen auf halbem Wege entgegen da es doch gilt , den in der Reihe ABSCHIEDE 1938 - DIE VERNICHTUNG DES GEISTIGEN WIEN für heute angesetzten Vortrag des Soziologen Christian Fleck anzukündigen : “Wie viel Arbeit brauchen Menschen ? - Marie Jahoda und das Denken über Arbeit und Arbeitslosigkeit

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DIE ARBEITSLOSEN VON MARIENTHAL

marienthalUntrennbar mit dem Namen der grossen Sozialpsychologin und dem Begriff der Arbeitslosigkeit verknüpft ist natürlich jene bahnbrechende Studie über “Die Arbeitslosen von Marienthal” , die Marie Jahoda zusammen mit Paul Felix Lazarsfeld und Hans Zeisel von November 1931 bis Mai 1932 in jener niederösterreichischen Arbeiterkolonie ( Gramatneusiedl , Reisenberg ) durchführten , wo mit der Schliessung der Textilfabrik 1929/30 etwa 50 % der Bevölkerung arbeitslos und etwa 75 % der Familien von Arbeitslosigkeit betroffen waren . Damit brach den Arbeiterfamilien nicht nur die ökomischen Grundlagen zur Lebenshaltung weg , sondern allmählich auch soziale und psychische Gewissheiten .

Die Folgen des radikalen Umwertung der Werte “Geld” ( Mangel ) und “Zeit” ( Überfluss ) konnten bis zur totalen Apathie führen . All dies belegt eine reichhaltiges Web- Portal des “Archivs für die Geschichte der Soziologie” ( Uni Graz ) mit 11.900 Dateien und 91.000 Hyperlinks sowie neue “facts anf findings” in Reinhard Müllers im Studienverlag erschienem Buch : “Marienthal : Das Dorf - Die Arbeitslosen - Die Studie” ) .

Einen der zeit- und denknächsten Texte über die Studie , deren Methoden und Resultate haben wir mit einem Vortrag des Soziologen Paul Neurath - ( 1911 - 2001 ) , Sohn des Sozioalphilosophen und ISOTYPE- Bildstatistikers , Otto Neurath - gefunden . Statt mühselig zu paraphrasieren , was andere besser zu sagen verstanden , wollen wir Auszüge aus Neuraths Rede an dieser Stelle dokumentieren .

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DOKUMENTATION | PAUL NEURATH : “DIE ARBEITSLOSEN VON MARIENTHAL” - GESCHICHTE UND ERGEBNISSE EINER GRUNDLEGENDEN UNTERSUCHUNG - Vortrag auf der Alfred Dallinger Tagung des Instituts für Arbeiterbildung in Marienthal am 10. April 1991

1. EINLEITUNG
Marienthal 1933Es ist ein merkwürdiges Erlebnis für einen Soziologen, über eines der klassischen Werke der modernen Soziologie, “Die Arbeitslosen von Marienthal”, von Lazarsfeld, Jahoda und Zeisel, hier in Marienthal selbst zu sprechen, wo das Werk vor genau 60 Jahren entstanden ist. ( … )

Und in Marienthal war die Situation noch viel ärger. Hier war - ich folge hier der Darstellung im Buch - 1830 eine Flachsspinnerei gegründet worden, der innerhalb weniger Jahrzehnte andere Abteilungen angegliedert wurden, bis sie zu einer der grössten Textilfabriken der alten Österreichisch-Ungarischen Monarchie wurde, mit auf dem Höhepunkt bis zu 1200 Arbeitern. Aber, als die Fabrik mit dem Zusammenbruch der Monarchie den grössten Teil ihrer Absatzgebiete in Ungarn und auf dem Balkan verlor, musste der Betrieb stark eingeschränkt werden. 1926 wurde die halbe Belegschaft entlassen und im Frühjahr 1929, noch ein gutes halbes Jahr vor dem Beginn der grossen Weltwirtschaftskrise, wurde der ganze Betrieb stillgelegt, die Turbinen verkauft, ganze Hallen niedergerissen - und damit praktisch der ganze Ort arbeitslos. Da aber wenige Monate darauf die Arbeitslosigkeit auch in Wien und in der ganzen Umgebung einsetzte, gab es für die Marienthaler auch keine anderen Ausweichmöglichkeiten mehr - sie blieben permanent arbeitslos.

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2. DIE UNTERSUCHUNG
Marienthal 1933Aber nun zur Arbeit selbst: Damals wurde natürlich viel über Arbeitslosigkeit geschrieben, aber zumeist über die Auswirkungen auf die Wirtschaft oder über das Schicksal der einzelnen Arbeitslosen und ihrer Familien. Den Autoren von “Marienthal” aber ging es eigentlich um etwas anderes. Was sie in der Einleitung betonten:

Vor allem ist unser Untersuchungsgegenstand das arbeitslose Dorf und nicht der einzelne Arbeitslose. ( Jahoda , Lazarsfeld & Zeisel , 25 )

Für diese Art der Untersuchung gab es damals noch kaum irgendwelche Vorbilder. Zwar gab es bereits die grossen Untersuchungen über die Armut in England um die Jahrhundertwende; aber die waren darauf ausgerichtet das blosse Ausmass der Armut selbst aufzuzeigen, um das Parlament zu veranlassen, die Armengesetzgebung zu reformieren. Ebenso gab es schon die ersten amerikanischen Community Surveys, wie z.B. eine über die elenden Arbeits- und Lebensbedingungen der Stahlarbeiter in Pittsburg, aber die waren auch mehr darauf ausgerichtet, die Mitbürger über die schlimmen Zustände zu informieren, damit sie ihrerseits die lokalen Legislaturen zu Reformen veranlassen mochten. ( … )

Ganz am Anfang hatten sie zu entscheiden, wie sie sich selbst den Marienthalern präsentieren würden, von denen sie ja sehr vieles, oft sehr persönliches über ihr Leben erfahren wollten. Die hätten aber kaum Verständnis dafür aufgebracht, wenn da ein paar Wiener Wissenschaftler dahergekommen wären, um sie zu beobachten, wie etwa ein Naturwissenschaftler Mikroben unter dem Mikroskop beobachtet. Es hätte ihnen auch selbst widerstrebt, Menschen in dieser Art als Forschungsobjekte zu betrachten. Wie sie selbst schrieben:

Es war unser durchgängig eingehaltener Standpunkt, dass kein einziger unserer Mitarbeiter in der Rolle des Reporters und Beobachters in Marienthal sein durfte, sondern dass sich jeder durch irgendeine auch für die Bevölkerung nützliche Funktion in das Gesamtleben natürlich einzufügen hatte. ( Jahoda etc , 28 )

Andererseits aber mussten sie nicht nur im Interesse der Wissenschaft strengste Objektivität bewahren, sondern auch, weil sie sich dessen bewusst waren, dass ihr Bericht, auch wenn er noch so objektiv und wissenschaftlich geschrieben war, letztlich auch eine Art von politischem Dynamit werden konnte. ( … ) Dazu auch wieder die Autoren selbst:

Verknüpft wurden die Einzelergebnisse nach Gesichtspunkten, die letzten Endes von dem Gesamteindruck bestimmt sind, den wir während unseres Aufenthaltes in Marienthal gewonnen haben. Aber das subjektive Moment, das jeder Beschreibung eines sozialen Tatbestandes anhaftet, haben wir auf ein Minimum zu reduzieren gesucht, indem wir alle Impressionen wieder verwarfen, für die wir keine zahlenmässigen Belege finden konnten. ( Jahoda etc , 25 )

Für den persönlichen Kontakt mit den Marienthalern und damit, wie sie oben sagten, keiner von ihnen nur als Beobachter dort auftreten konnte, veranstalteten sie z.B. eine grosse Kleideraktion mit Kleidern, Schuhen, Mänteln, usw., die sie in Wien sammelten, dabei besonders viel für die Kinder; hielten ärztliche Sprechstunden ab und ärztliche Reihenuntersuchungen aller Kinder; machten einen Schnittmusterkurs für Frauen, damit diese z.B. aus den nicht mehr brauchbaren Kleidungsstücken der Eltern noch welche für die Kinder zurechtschneidern konnten; einen Turnkurs für Mädchen; eine Erziehungsberatung für Mütter, mit denen sie bei der Gelegenheit auch deren eigene Probleme beraten konnten und noch vieles andere. Eine ihrer Mitarbeiterinnen, Dr. Lotte Danzinger, lebte sechs Wochen lang in Marienthal und leitete dort die Kleideraktion und vieles andere.

Selbstverständlich sammelte sie alles, was es an öffentlichen und privaten Daten über den Ort gab. Neben den Daten über die Bevölkerung und den amtlichen Daten über Arbeitslosen- und Notstandsunterstützung usw., Zahlen über den Umsatz beim Konsumverein, beim Wirt, beim Fleischhauer; Mitgliedschaften bei den politischen und unpolitischen Vereinen, die Zahl der Entlehnungen aus der Leihbibliothek, usw. usw.

Dazu kamen sehr detaillierte Aufzeichnungen, die einzelne Marienthaler für sie machten, wie z.B. genaue Haushaltsbudgets und Aufzeichnungen darüber, was sie zu den einzelnen Mahlzeiten gegessen hatten; oder Zeitverwendungsbögen, in denen sie jeweils durch ein paar Tage eintrugen, was sie in jeder Stunde des Tages gemacht hatten; Aufzeichnungen eines Lehrers darüber, was die Kinder zum Gabelfrühstück mit hatten; dazu ausführliche Aufzeichnungen über ihre eigenen Gespräche mit den Marienthalern; Schulaufsätze; die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchungen, und vieles anderer.

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3. EINZELNE ERGEBNISSE
Marienthal 1933Und nun zu den wichtigsten Ergebnissen. Dabei werde ich weniger von jenen Dingen sprechen, die Sie sich noch am ehesten selbst ausmalen können: dass die Menschen schlecht ernährt waren; dass einmal Verbrauchtes, wie Kleider und Schuhe, nicht mehr nachgeschafft werden konnten, sodass z.B. oft Kinder bei schlechtem Wetter nicht in die Schule gehen konnten, weil sie keine Schuhe mehr hatten, usw. und mich mehr mit jenen Ergebnissen befassen, die nicht unmittelbar sichtbar sind und gelegentlich allgemeinen Vorstellungen zuwiderlaufen.

So beginnt etwa das Kapitel “Die Zeit” wie folgt: “Wer weiss, mit welcher Zähigkeit die Arbeiterschaft seit den Anfängen ihrer Organisation um die Verlängerung der Freizeit kämpft, der könnte meinen, dass in allem Elend der Arbeitslosigkeit die unbegrenzte freie Zeit für den Menschen doch ein Gewinn sei.

Aber bei näherem Zusehen erweist sich diese Freiheit als tragisches Geschenk. Losgelöst von ihrer Arbeit und ohne Kontakt mit der Aussenwelt, haben die Arbeiter die materiellen und moralischen Möglichkeiten eingebüsst, die Zeit zu verwenden. ( Jahoda etc , 83 )

Es ist eine der berühmtesten Stellen in dem Buch, wie sie das dokumentierten. Zum einen beobachteten sie, mit der Uhr in der Hand, die Geschwindigkeit, mit der die Menschen die vom Fenster aus übersehbare 300 m lange Dorfstrasse entlang gingen und wie oft sie dabei zu längeren Gesprächen stehen blieben.

Es zeigte sich, dass die Frauen im Durchschnitt etwa 1 1/2 mal so rasch gingen und nur halb so oft zu längeren Gesprächen stehen blieben wie die Männer. Weil eben die Frauen, zum Unterschied von den meisten Männern, immer noch eine Menge sinnvoller Tätigkeiten zu verrichten hatten. Vor allem so etwas wie drei Mahlzeiten, und wenn das nicht mehr ging, wenigstens zwei Mahlzeiten am Tag auf den Tisch zu stellen, alle möglichen Hausarbeiten zu verrichten Kleider und Wäsche, so gut es ging, zusammenflicken, usw. Auf die Strasse gehen bedeutete darum für Frauen zumeist irgendeine Besorgung machen, wie z.B. eine Kleinigkeit zum Essen beim Kaufmann besorgen gehen - Vorratswirtschaft gab es ja schon lange nicht mehr; oder die Kinder in die Schule bringen, usw. Während für die Männer “auf der Strasse sein” zumeist nur mehr bedeutete, nicht allein zu Hause zu sitzen, sondern allein oder mit anderen auf der Strasse herumzustehen oder spazieren zu gehen, nur um die Zeit totzuschlagen.

Zum anderen aber waren es die Zeitverwendungsbögen. So heisst es etwa bei einem: 9-10 zu Hause gewesen; 10-11 an der Ecke des Hauses gestanden; 11-12 gegessen; 12-1 geschlafen; 1-3 nach der Fischa spazieren; 3-4 bin zum Treer gegangen; (Anmerkung der Autoren: der Kaufmann Treer ist 300 Schritte weit weg); 4-5 um Milch gegangen; usw. oder bei einem anderen die inzwischen berühmt gewordene Eintragung: “10-11 einstweilen wird es Mittag”; 11-12 (Leer); 12-1 1 Uhr wird gegessen, da die Kinder erst aus der Schule kommen, usw. ( Jahoda etc , 84 f ).

Nachdem sie alle diese Eintragungen in den verschiedenen Zeitverwendungsbögen sorgfältig in einer Tabelle zusammenfassten, stellten die Autoren lapidar fest:

Das Nichtstun beherrscht den Tag: Kleine Beschäftigungen wie mit dem Radio oder Basteln machen kaum 2 % der Zeit aus. ( Jahoda etc , 88 )

Um festzustellen, dass langdauernde Not die Menschen zermürbt, dazu hätte es weiter keiner sorgfältigen Untersuchung bedurft. Auch nicht um festzustellen, dass nicht alle Menschen auf die gleiche Notlage gleich reagieren - die einen halten länger durch und bleiben womöglich noch durch lange Zeit optimistisch, während andere früher aufgeben und verzweifeln. Die Autoren waren aber nicht so sehr daran interessiert, zu untersuchen, wie sehr Unterschiede in der Haltung allenfalls von Unterschieden in den Persönlichkeiten der Einzelnen bestimmt wurden, sondern daran, wie offenbar Unterschiede in der Haltung weitgehend durch ja immer noch bestehende Unterschiede im Einkommen bestimmt wurden - sofern man Arbeitslosen- bzw. Notstandsunterstützung noch als “Einkommen” bezeichnen kann.

Dazu zunächst einige Übersichtszahlen:

Marienthal 1933Marienthal hatte damals, im Herbst 1931, als die Untersuchung begann, knapp unter 1500 (1461) Einwohner in knapp unter 500 (478) Familien, von denen 93 noch mindestens ein Familienmitglied in Arbeit hatten, - etwa die Hälfte davon (56) in Orten der Umgebung, 15 in Wien und 22 im Ort selbst, darunter der Bürgermeister, der Gemeindesekretär, 3 Gendarmen, der Fleischhauer, der Wirt, 6 Mann bei Aufräumungsarbeiten in der Fabrik und ein paar andere; 18, zumeist ehemalige Eisenbahner, lebten von Abfertigungen oder Pensionen. Alle anderen, 367 von 478 Familien, waren total arbeitslos. Die meisten bezogen noch Arbeislosen- oder Notstandsunterstützung. 9 Familien waren entweder schon total ausgesteuert oder hatten überhaupt keinen Anspruch auf Unterstützung. Wovon sie lebten? Der Bericht sagt lakonisch “vom Betteln und Stehlen”. Der nachstehende Absatz mag eine Andeutung von der Situation geben:

Selbst die Behörden versuchen in Marienthal nicht mehr, den Schein aufrecht zu erhalten, als ob man von der Unterstützung, die man bekommt, oder sogar nicht bekommt, leben könnte. Wenn Katzen und Hunde verschwinden, fällt es den Besitzern gar nicht mehr ein, eine Anzeige zu erstatten. Man weiss, dass sie von irgend jemandem gegessen wurden und forscht nicht nach den Namen…selbst bei kleinen Kohlendiebstählen auf der Bahn drückt man beide Augen zu … ( Jahoda etc , 41f )

Nach einer im Buch sehr detailliert beschriebenen Skala teilten die Autoren die insgesamt 478 Marienthaler Familien ein, in etwa 1/4 (112), die noch “ungebrochen” waren, etwa 2/3 (330), die “resigniert” und 11, die “verzweifelt” und 25, die bereits völlig “apathisch” waren.

Zum Vergleich nach dem Einkommen berücksichtigten sie, dass Männer im Durchschnitt etwas mehr verbrauchen als Frau und Kinder und berechneten das “Einkommen” nicht einfach pro Kopf, sondern pro Verbrauchseinheit pro Monat. Und zwar stellten sie für einen Mann 1.0 Verbrauchseinheit, für eine Frau 0.8, für Jugendliche zwischen 14 und 21 ebenfalls 0.8 und für Kinder unter 14 Jahren 0.6 Verbrauchseinheiten in Rechnung.

Zum besseren Verständnis für die nachfolgenden Angaben über das Einkommen sei festgehalten: Um 1 S bekam man damals etwa 1 1/2 kg Mehl, oder 1 kg Malzkaffe, oder 2 kg getrocknete Bohnen, oder 1/2 kg Pferdefleisch oder 2 1/2 Liter Milch, usw. Die Mieten in den Werkswohnungen rangierten von 3 S pro Monat für Vorraum und Zimmer bis zu 7 S für ZimmerKüche-Kabinett. Arbeitslose zahlten für Wohnungen von 4 S aufwärts um 1 S weniger.

Es zeigte sich: “Ungebrochene” Familien hatten im Durchschnitt 34 S pro Verbrauchseinheit pro Monat zur Verfügung; “resignierte” hatten 30 S, die “Verzweifelten” hatten nur mehr 25 und die “apathischen” Familien hatten gar nur mehr 19 S pro Verbrauchseinheit pro Monat. Wozu der Bericht bemerkt:

Die Bedeutung dieser Tabelle liegt nun nicht bloss darin, dass sie einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Stimmungslage und ökonomischer Lage im Durchschnitt ergibt. Sie lässt auch abschätzen, von welchen Gelddifferenzen die Haltung bereits beeinflusst wird, an welcher Stelle das subjektive Gefühl der Erträglichkeit aufhört… Schon eine Differenz von monatlich 5 S heisst, nur mehr mit Saccharin kochen können, oder doch noch Zucker verwenden; die Schuhe in Reparatur geben können oder die Kinder zu Hause lassen müssen, weil sie nichts mehr an den Füssen haben; heisst, sich gelegentlich eine Zigarette um 3g leisten können, oder immer nur Stummel auf der Strasse aufklauben; 5 S mehr oder weniger, das bedeutet die Zugehörigkeit zu einer anderen Lebensform. ( Jahoda etc , 96 )

Darüber hinaus mag das aber auch als eine wesentlich allgemeinere, auch heute noch gültige Erkenntnis der Marienthaler Studie anzusehen sein: da Arbeitslosenunterstützungen überall nur durch eine bestimmte, gesetzlich festgelegte Zeit ausbezahlt werden - manchmal mit in bestimmten, ebenfalls gesetzlich festgelegten Zeitabschnitten erfolgenden Kürzungen, ist anzunehmen, dass mit fortschreitender Verschlechterung ihrer Lage, wenn nicht alle, so doch die meisten Betroffenen, die einen langsamer, die anderen rascher, die oben beschriebenen Stadien durchlaufen dürften: von anfänglich noch “ungebrochen” zu “resigniert” und schliesslich zu “verzweifelt” oder “apathisch”. ( more , pdf )

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KLANGAPPARAT

Reichlich über Seinsweisen von “Zeit” zu denken geben die liquiden Minimalkompositionen des St. Peterburgers waveform : Die sechs Tracks des czz-hoerempfehlungMinialbums “Soul Flight” ( deepindub ) benehmen sich garantiert nicht narrativ oder schicken sich in ein amientes Illustrieren . Ein flacher Fächer von Akkorden , geprenkelt von mehr oder weniger als solchen kenntlichen Perkussions- Elementen . Ein Sound , gerade noch am Rande der tabula rasa , aber fraglos nicht arm im Geiste . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) .

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Soziale Lage | Künstlersozial … | Precarity of the Creative



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KO - INZIDENZEN

( click graphs to enlarge )

Fragebogen subjektives befinden detail

Mitunter kommt es zu sonderbaren Ko- Inzidenzen : Für Freitag , 18. Januar 2008 haben sich drei To- Do’s angelagert , die seltsam vom Ähnlichen sprechen , jedes indes auf seine Manier und in ( derzeit noch ) kaum kommunizierenden Röhren :

Fragebogen einkommen plus minus

WAS TUN ?

? Sich anhand der anzuempfehlenden IFK- Vorträge mit theoretischem Rüstzeug versehen :

  • Rolf Lindner : Unterschicht - Eine Gespensterdebatte ( 14.15 )
  • Wolfgang Maderthaner : Anspruchsvolle Schäbigkeit - Zur Wiener Unterschicht um 1900 ( 17:00 )
  • Lutz Musner : Prekarisierung und Überforderung - Leben jenseits der Arbeitsgesellschaft ( 17:45 )

Fragebogen belastung

? Nachher zur IG- Versammlung , um sich mit den aufdatierten , up- oder downgegradeten “Rechten & Pflichten” live zu vernetzen ?

Fragebogen beruflich privat

? Zum Wohle zum Wissen über Kulturarbeiter und zu eventuell präziseren Abklärung “unserer” Arbeits- und Lebensverhältnisse die Ärmel aufkrempeln und sich durch den Fragebogen hangeln ?

Fragebogen ideel finanziell

ODER GANZ EINFACH

Weiterarbeiten und Wiedernichtverzweifeln an Selbstverwaltung , Abrechnung , Verlagsprogrammen , Artikeldienst und Blog’s Labours’ Love ?

Fragebogen subjektives befinden gesamt

KLANGAPPARAT

In Zweifelsfällen bietet das russische Netlabel electrosound stets brauchbare Klangware zum Takten des Durchhaltens : Harmonisch freundliche Restwärme aus Indie- Guitar- Rock- Zeiten um 1990 im electro- ambienten Glasharmonika- Gewande . Straighte Drums , Sphärenklänge , Mini- Jazziges , Rap- Sprengsel , czz hörempfehlungund Funk- Fussel : Gitarrist + Bassist Morkva ( Sergey Moskovkin , ex- Jermook ) , des Post- Rocker Eugene Frankevich ( Silence Kit ) und der Elektroniker Ambidextrous ( = Nick Zavriev , aka Jermook , Dream Mechanics, Light Under Water) haben sich unter dem Namen des Letzteren zusammen getan und den tröstlichen Fünfunddreissigminüter A & M gestaltet . Muss ja nicht immer alles aus dem Urgrunde des Seins gerissen sein . - CLICK TO LISTEN STREAM |||

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