Tag Archive for 'auflegware'

Kulturhund - Oh my GOD | DOG



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HUNDSTAGE

dog paw-printDass dem KULTURHUND an in|ad|ae|qu|ater Stelle ein kategorialer Platz eingeräumt ist , ist bekannt , obgleich wir mit diesem kynosophischen kulturellen Kapital bewusst sparsam umgehen .

An diesem historischen Tag , da es aus unserer Küchenlampe regnet ( das zur Reinigung eines toten Rohrs im einem Druck von 60 Bar ins System gejagte Wasser hat sich seinen eigenen Weg gesucht ) , trifft uns eine Meldung der Wiener “Rathauskorrespondenz” sozusagen ins Zentrum jenes Organs , welches auf die Wahrnehmung des Absurden ( unbewusst ) akkulturiert worden ist .

Alles liesse sich nicht behaupten , unser Immunsystem sei nicht etwa bereits vorbereitend korrodiert gewesen durch die stetige Hunde- News- Zufuhr speziell seitens der Kulturabteilung der - Dahinter steckt immer ein kluger Kopf - Frankfurter Allgemeinen Zeitung . Im Moment geht dort verbal und schlag zeilig seitig ziemlich viel “vor die Hunde” ( der Finanzmarkt ) , beziehungsweise kommt “auf die Hunde” ( Monsieur Sarkozy ) . Dies in den Hundstagen finanzpolitischer Überhitzung und rauchender Gehirne der Sanierer nur allzu verständlich .

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TOP DOGS

boxer pop art

( pic via Photofiddle flickr )

Auch der US- amerikanische Präsidentschaftswahlkampf trägt dazu das Seinige bei : Denn müssen die Kandidaten ihre “Menschlichkeit” speziell auch in der ( noch nicht olympischen ) Disziplin der TIERLIEBE beweisen . Wiewohl ideell der Pokal rechtmässig Österreichs NEUER KRONEN ZEITUNG gebührte , die die Spitzenkandidaten zur Nationalratswahl 2008 in ein direktes Stechen sandte - und siehe , es war wohlgetan : In der Parteigeschichte zwar auf historischem Tief , doch immerhin , hat der Sozialdemokrat Faymann sich nicht nur in der TIERECKE der KRONE bereits VOR der Wahl als tierliebst erwiesen , sondern dann prompt auch in der humanen Realwahl das sogenannte Rennen gemacht .

Kolumnist Günter Traxler hat Hans Dichands Pre- Election ( “Wen würden Tiere wählen ?” ) im STANDARD ( 27. 9. 2008 ) trefflich zur Sprache gebracht : “Tiere wählen Faymann” lautet das lapidar gefasst Resultat .

Wen würden Tiere wählen ?‘ wurde am Donnerstag über eine Doppelseite die Frage aufgerollt, deren Beantwortung das Schicksal Wilhelm Molterers besiegeln wird. Denn was sollte das verantwortungsbewusste Tier schon wählen außer Werner Faymann ?

7 Kandidaten stellen sich den “Krone”-Tierschutzfragen, und das Ergebnis: Von 35 möglichen Punkten erhält der SPÖ-Kandidat nicht weniger als 33. Werner Faymann geht in dieser Fragerunde als eindeutiger Sieger hervor. Bleibt zu hoffen, dass er seine Versprechen auch wirklich einhält. ( … )

Van der Bellen und Jörg Haider schneiden mit 26 beziehungsweise 27 Punkten respektabel ab, es folgt der Fritz mit 23 Punkten, darunter liegen Strache und Heide Schmidt mit 21 und 19 Punkten.

Wahrhaft erschütternd aber der ÖVP-Kandidat. Mit nur sieben von 35 Punkten hat er sich auf dem Status eines Tierquälers etabliert: Kaum Punkte gesammelt hat Wilhelm Molterer. Warum verweigert die ÖVP nach wie vor jegliche Problemerkennung im Bereich des Tierschutzes ? Und nicht nur in diesem. Angesichts einer solchen Kaltschnäuzigkeit kann man nur bellen: Wauwau, es reicht !

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CANINE CANDIDATE

Aicher Otl Waldi Olympia 19

( Otl Aicher : Waldi , Olympia 1972 via flickr )

Dass man es da nicht nur als der mächtigen Lobby des Bauernbundes verpflichteter ÖVP- Chef schwer hat , in einem Land der Schnitzel- essenden Tierliebhaber die immanenten Interessenkonflikte niederzuringen , erweist das Beispiel der USA . Dort bevorzugen nämlich die deklarierten Tierfreunde den GOP- Kandidaten John McCain , während - die FAZ berichtet - tierfrei vegetierende Haushalte eher Barack Obama vorziehen :

42 Prozent würden für den Republikaner stimmen und nur 37 Prozent für Obama, ergab eine Befragung der Nachrichtenagentur Associated Press und des Internetportals Yahoo. Zwar führt Obama mit 48 Prozent deutlich vor McCain (34 Prozent), wenn Amerikaner befragt werden, die keine Vierbeiner haben. Aber mit 63 Prozent bilden Tierhaushalte nun einmal die Mehrheit. Nach Schätzungen des amerikanischen Verbands für Haustierprodukte halten die Amerikaner rund 88 Millionen Katzen und 75 Millionen Hunde, ganz zu schweigen von den zahlreichen Nagern, Vögeln und Zierfischen, die ihnen Gesellschaft leisten.

Aber Abhilfe naht :

Künftig soll auch Barack Obama Volksnähe demonstrieren. Das zeigt sich schon darin, dass er auf dem am Montag beginnenden Parteitag in Denver einen Eisenbahner aus Indiana, eine Mutter aus Iowa und einen Lastwagenfahrer aus Michigan auftreten lässt - sie sollen als ‘einfache Menschen aus dem Volk’ dabei helfen, den Präsidentschaftskandidaten als Anwalt der kleinen Leute zu präsentieren.

Und damit der Senator das von den Republikanern gezeichnete Bild eines abgehobenen Politikers pariert, springt ihm nun sogar der Amerikanische Rassehunde-Club (AKC) zur Seite. Er hat eine Vorauswahl möglicher Begleiter des möglichen mächtigsten Mannes Amerikas getroffen. Ganz einfach war das allerdings schon deshalb nicht, weil die Töchter des Präsidentschaftskandidaten allergisch gegen Hundehaare sind - deswegen sollte ein hypoallergenes Tier gewählt werden. Auch muss der potentielle ‘First Dog’ seinen künftigen Repräsentationsaufgaben gewachsen sein. Ein Bullterrier wie Präsident Roosevelts Pete, der dem französischen Botschafter die Hose zerriss, hat offenkundig nicht das richtige Temperament.

Die Fachleute des AKC nahmen fünf Hunderassen in die engere Wahl. Nun sollen die Amerikaner ihren Favoriten für Familie Obama nennen. Zur Abstimmung auf www.presidentialpup.com stehen Zwergschnauzer und Pudel sowie die Rassen Irish Soft-Coated Wheaton Terrier und Bichon Frise.

Einen Monat nach dem zitierten Bericht kann der ‘American Kennel Club’ mit ersten Resultaten ( “Cast Your Vote for a Canine Candidate” ) aufwarten : “Americans Elect Poodle as Obama’s Top Dog” .

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HUNDESETAUTOMAT UND -BADEPLATZ

dog little mama

( pic via pop art machine )

In Wien , wo mit rund 50.000 offiziell Gemeldeten 8,333 ( periodisch ) Prozent von Österreichs 600.000 Hunden lebt , gestaltet sich das holde Miteinander von Mensch und Tier mitunter als Konfliktfall : Speziell , wenn es um die Bespielung der - bekanntlich sehr begrenzten - Freizeitflächen geht . Naherholungsgebiete wie das artifiziell geschaffene Areal der Donauinsel können sich da durchaus zur stellvertretenden Kampfzone ausweiten zwischen den legitimen Interessen von Mensch und Tier - allerdings auch zu derjenigen der populistischen Strategien diverser Parteien .

Der eingangs angesprochene Bericht der “Rathauskorrespondenz” über eine Fragestunde im Wiener Gemeinderat sei hierfür als Beispiel zitiert . Nicht zuletzt aber auch als nennenswertes Dokument des administrativ Absurden - in der Sache ebenso wie in deren Sprache .

Wien (RK). Die Sitzung des Wiener Gemeinderates am Mittwoch wurde mit der Fragestunde eröffnet.

In Beantwortung der Ersten Anfrage von GR Anton Mahdalik (FPÖ), ob die Einrichtung von Hundeverbotszonen auf der Donauinsel zurückgenommen würde, sagte StRin. Mag. Ulli Sima (SPÖ) nein, weil die neuen Regelungen allgemein sehr gut angenommen worden seien. Sie habe mit den Bürgerinitiativen gute Gespräche geführt. Sie kündigte die Installierung eines Hundebadeplatzes an, weiters die Anbringung von Hundesetautomaten. Auch die Einrichtung des Grillmeisters hält sie für ausbaufähig. Sie gab Nutzungskonflikte auf der Donauinsel zu, diese werde es aber immer geben. Die derzeitig Lösung halte sie aber für einen zufriedenstellenden Kompromiss.

“Was aber” , wird der Laie fragen , “ist ein HUNDESETAUTOMAT ?” - Die Antwort Wiens - Stadt der Dichter , Stadt der Musik - lautet in künstlerisch durchformter Reimweise : “Nimm ein Sackerl für mein Gackerl !

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Keine Konflikte , keine Querelen . Sondern apartes Schwappen zwischen Jazz , Dub und auch einigen straighten Laufmetern : “Mumbai” , die erste czz-hoerempfehlungSolo- auflegware des aus Uruguays Electronica- Szene in europäische Gefilde klingenden Nicolas Ovalle ( MySpace ) besticht durch entspanntes Zusammenspiel von akustischen und automatischen Instrumenten : Xylophon und Drumcomputer , Sax und Sequenzer . Das hat Tempo , das hat Witz . Und Stil . Ist pfiffige Performance und perfekte Performanz . Da capo , auflegware ! - CLICK LINK TO OPEN PLAYER AND LISTEN .

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Les Mots et les Choses | Inventar



||| HABSELIGKEITEN ? | BLACKOUT UND ERLEUCHTUNG | KLANGAPPARAT

HABSELIGKEITEN ?

Wie alle Theorie clean ist und blitzsauber , der Worte Klang allemal aparter als die Sachen : Mit diesem Phänomen ist konfrontiert , wer Wohnung wechselt , deutsch “umzieht” , schweizerisch “zügelt” oder österreichisch “übersiedelt” .

So wurde das Wort “Habseligkeiten” im Jahre 2004 aus insgesamt 23.000 Vorschlägen zum “schönsten deutschen Wort” gekürt . “Bewertet” , so der Pressetext , “wurden Klang , Inhalt und Begründung” :

Gefallen habe der Jury die ‘freundlich-mitleidige Konnotation’ . ( …. ) ‘Ausserdem ist es ein typisches deutsches Wort - zusammengesetzt aus zwei ganz gegensätzlichen Worten .’

“Wie selig , wie selig , ein Lexikograph zu sein” , möchte der freundlich- mitleidende Zeitgenosse rufen , der vor der konkreten Realität steht , eigenes Haben und Sein in neue Kubaturen überführen zu müssen .

Dem Spediteur ist nichts zu schwör und so formuliert er förmlich zu Beförderndes in Fasson von Listen lagernder Lasten .

inventar 01 ( click to XL )

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BLACKOUT UND ERLEUCHTUNG

Was Wunder , wenn der Mut kurzfristig sich verdunkelt ? - Erhellung und ( ganz Goethe- gemäss ) “Mehr Licht !” mag da der zweifellos versierte Verschleisser verheissen …

LADENPORTAL_Beleuchtungskörper_Wien_copyright_Christiane_Zintzen

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KLANGAPPARAT

Sind innenarchitektonische ( vulgo “Deko”- ) Fragen gemeinhin eine Sache der angewandt stofflichen wie semantisch- symbolischen Auslegung , czz-hoerempfehlunghat das deutsche Netlabel “auflegware” bislang nie lange gefackelt , Tanzbares aufs Parkett zu praktizieren . Nun , da die zwanzigste Auslieferung ( sprich “release” ) im Orbit ist , hat der deutsche DJ Marcus E. Henry ( MySpace | Blog ) aus dem gesamten Materiale des “Straightforward Electronic Sound” ein knapp zweistündiges Mix komponiert . Und bei Sonic Walker an bester Adresse platziert . Wer nicht die ewig erscheinende Buffering- Phase abwarten mag , möge das dralle Datenpaket doch gleich auf die Festplatte laden - “This is Auflegware” : Belebender Soundtrack zur Arbeit am psycho- physischen Ameublement . Und wundern Sie sich nicht , wenn die Nachbarn antanzen … - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST , DOWNLOAD OR LISTEN .

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vienna demolition VI : a story in pictures ( student home yields senior hospital )



||| UMWIDMUNG | ZIERDE DES BEZIRKS | HINTERGRÜNDE | REPRISE | RELATED | KLANGAPPARAT

UMWIDMUNG

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Das ehemalige Studentenheim Alser Strasse 33 ( 1080 Wien ) wird demoliert , um dem Ausbau eines Seniorenspitals der benachbarten Privatklinik “Confraternität” zu weichen . Manifestation des demographischen Wandels ? - Oder nur ein weiterer Schritt der Usurpation des öffentlichen Stadtraums durch private player ? - Ein Schuft , wer diese Demolierung solcherart interpretiert .

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ZIERDE DES BEZIRKS

Das auf der Infoseite www.josefstadtwien.at vom Bezirksvorsteher Wien-Josefstadt , Heribert Rahdjian , formulierte Aviso kündet klar von einer Wendung zum Besseren :

Demnächst begonnen wird mit dem Abbruch des seit längerem leerstehenden ehemaligen Studentenheims Alserstraße Nr 33, das dem Neubau der “Confraternität“ und einem Seniorenspital weichen muss. Das Gebäude ist schon lange keine Zierde dieses Bereichs. Nach der ziemlich plumpen Aufstockung des uralten früheren Hotels “Zum Goldenen Hirschen“ vor etwa 40 Jahren und der Verwendung als Studentenheim, war später noch einige Zeit das Soziologieinstitut der Universität dort beheimatet. Die bisher im Gebäude verbliebene Trafik wird die Abbruchs- und Neubauzeit in einem Container auf dem ausreichend breiten Gehsteig überdauern und dann wieder ins neue Haus einziehen. Eine lebende große Stadt braucht auch Erneuerung, ich begrüße derartige Innovationen, hoffe auf zügige Bauabwicklung und möglichst geringe Störungen für die Wohnbevölkerung.

Abbruch_Alser_Strasse_33_copyright_christiane_zintzen

( Rückseite Demolierungszone , vom Garten der “Confraternität” aus )

Abbruch_Alser_Strasse_33_copyright_christiane_zintzen Confraternität

( Die “Confratenität” )

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HINTERGRÜNDE

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“Die Presse” referiert auf ihren Universitätsseiten Geschichte und Schicksal des Gebäudes in jokosem Ton (Alser Straße 33 : Das Ende der Sangria-Partys im Studentenheim ) :

30 Jahre lang war das Gebäude in der Alser Straße 33 ein Studentenheim, nun weicht der graue Bau einer Privatklinik

Fünf Stockwerke Schmucklosigkeit in mausgrauem Anstrich. Man muss drin gewohnt haben, um das Haus zu mögen. Wenn Passanten das Gebäude je aufgefallen ist, dann wohl negativ. Unscheinbar wirkt der Bau, der derzeit noch an der Ecke Skodagasse/Alser Straße steht, dennoch nicht. Dazu ist er zu klotzig, fast könnte man sagen: zu hässlich.

Ab heute, Montag, werden sich die Bagger ihren Weg durch die Eingangstüre des einstigen Studentenheims bahnen. Und langsam aber sicher beginnen, den klobigen Bau Stück für Stück abzutragen. Zunächst soll ein Parkplatz entstehen, später möchte die Confraternität, eine Privatklinik nebenan, einen Zubau errichten.

“Die Sanierung wäre zu teuer gewesen”, sagt Paul Slupetzky, technischer Geschäftsführer der Österreichischen Studentenförderungsstiftung, die das Heim über 30 Jahre lang betrieben hat. Es war ein Heim mit dem Komfort der 1970er Jahre – ausgestattet mit (größtenteils) Zweibettzimmern, Toiletten am Gang, Etagenküchen. “In den letzten Jahren“, erinnert sich Slupetzky, “war das Heimleben nicht mehr intakt“. Das sei an der hohen Fluktuation der Bewohner gelegen, viele von ihnen waren Studierende aus dem Ausland. 2004 kam dann der Auszug, das Heim wurde geschlossen. “Ohne Sentimentalitäten“, sagt Slupetzky. Er werde dem Haus nicht nachtrauern. ( … )

Vom Hotel zum Studentenheim

Bevor die Studenten in das Haus einzogen, beherbergte die Alser Straße 33 andere Gäste, solche, die noch häufiger wechselten: Das Haus war ein Hotel und Restaurant namens “Zum Goldenen Hirschen“. Übrigens ein Stammlokal des Schauspielers Hans Moser. Damals war das Gebäude freilich noch ein liebliches, zweistöckiges Biedermeierhaus.

Anfang der 1970er Jahre erwarb die Studentenförderungsstiftung das Gebäude. Um das Haus als Heim nutzen zu können, entschloss man sich zur Aufstockung. Eine dreistöckige Stahlbetonkonstruktion mit niederen Decken und kleinen Fenstern wurde über den Altbau gestülpt. Architektonisch wahrlich keine Glanzleistung, doch im Inneren der Betonfestung ging es fortan mindestens genauso lustig wie im einstigen Wirtshaus zu. Tausende Studenten haben über die Jahre in den 130 Betten genächtigt, in den Sozialräumen und Etagenküchen gefeiert. ( … )

Im Sommer 2004 brachen schließlich die letzten Tage des “Alserheims“ an. Das Heim wurde geschlossen, das Mobiliar kam nach Ungarn oder auf den Sperrmüll. Ein letzter neuer Mieter zog in das verlassene Gebäude: Ein neuer Trafikant übernahm das Geschäft im kleinen Zubau links im Erdgeschoß. “Ein leeres Haus ist kein guter Geschäftsstandort“, sagt der Mann, der den Neubau schon nicht mehr erwarten kann. Seit ein paar Monaten ist ein Container sein Ausweichquartier. “Es ist nicht schade drum“, ist alles, was ihm zum Abbruch einfällt. Das neue Haus werde “sicher schöner“.

Punks auf Wohnungssuche

Einmal noch hatte das leer stehende Haus in letzter Zeit Besuch. Am 18. Mai 2007 besetzten rund 30 Punks das Gebäude und forderten ein eigenes Haus – eine “Pankahyttn“. Nach ein paar Stunden zogen die Punks unverrichteter Dinge wieder aus. Und die Pankahyttn wurde schließlich nicht in der Alser Straße 33, sondern erst dieses Jahr in der Johnstraße im 15. Bezirk bezogen.

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REPRISE

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Das ehemalige Studentenheim Alser Strasse 33 wird demoliert , um dem Ausbau eines Seniorenspitals der benachbarten Privatklinik “Confraternität” zu weichen . Manifestation des demographischen Wandels ? - Oder nur ein weiterer Schritt der Usurpation des öffentlichen Stadtraums durch private player ? - Honni soit qui mal y pense

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Als Ausgleich zur drastischen Demolierungszone bieten wir heute in|ad|ae|qu|at subtile musikalische Zwiegespräche zwischen distinkt Gezupftem , czz-hoerempfehlung präzise Perkussivem sowie elektronisch Abgedumpftem und spitzen Claphands an : Was Annèke Laurent ( MySpace ) mit seiner “Sipdub bliss EP” da präsentiert , ist eine kleine , feine Erkundung klanglicher Texturen . Eine Etüde an Resonanzen und Klangmaterialien . Ein Exempel zwischen komprimiertem und hallig ausgreifendem Klangraum . Kurzum : Das Meisterstück unter den bsher einundzwanzig Releases des Netlabels auflegware . Gratulation ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Sims Dupp [ 06:14 ] | 02. Smulgh [ 07:18 ] | 03. Plouw [ 07:35 ] | 04. Plouw ( Thomas Marlow’s la música moderna ascensor rmx ) [ 07:17 ] | 05. Sims Dupp ( Janos Pimp Dupp rmx ) [ 07:16 ] |||

Lesen und Lesen lassen



||| I. FLUT UND PERLEN | II. MEDIEN , HANDVERLESEN | III. EUROZINE | IV. UMBLÄTTERER | V. BONAVENTURA & LESEMASCHINE | VI. LESEZEICHEN | KLANGAPPARAT

I. FLUT UND PERLEN

czz presseschau presse amtsgericht stadeMag sich die kulturpessimistische Rede über die “Informationsflut” ( die ~ unbewältigbare ) auf Buchmarkt , im Presse- und Journalwesen in stereotypem Kreislauf ereifern : Längst gibt es zahhlrecihe Rezensions- und Referatmagazine , wo fleissige Vorkoster ihres Amtes walten und praktikable Übersichten zu Feuilleton , Esayistik und allerlei Buchwerk anlegen . Allen voran hat der “Perlentaucher” bereits im Jahr 2000 die Eignung des WWW zur Präsentation von Résumées der Feuilletons der wichtigsten deutschsprachigen Tageszeitungen entdeckt - lange bevor deren Inhalte jederzeit frei im Netz abzurufen waren .

Ein Team ausgeschlafener Vor- Leser war wochentags zu unbürgerlichen Zeiten zugange , um bis 9 Uhr früh die “Feuilletonrundschau” fertig zu stellen : pünktlich zum Frühstück des Zeitgenossen und Kulturmenschen . Eine “Bücherschau des Tages ” hatte bis 14 Uhr die wichtigsten Rezensionen assembliert , was - “steter Tropfen” usw. - zu einer mittlerweile unverzichtbaren Buchdatenbank mit 35.000 Einträgen führte . Deren eigentliche Qualität liegt indes weniger in dieser Breite , sondern vielmehr in der Tiefenperspektive : organisch gewachsen , entwickeln die “Substrate” der in den diversen Besprechungen zu einem einzelnen Titel publizierten Ansichten und Meinungen ihren “Mehrwert” erst in der synoptischen Zusammenschau . Womit tendenziell ein Apparat zur Vefügung stünde für eine “Kritik der Kritik” …

All dies ist - ebenso wie die wöchentliche “Magazinrundschau” und die mittlerweile hinzugekommenen Rubriken “Medienticker” und “Aus den Blogs ” - ebenso weidlich bekannt wie der Gerichtshändel mit FAZ & SZ , die in den Resumées - genauer : in deren Weiterverkauf an den Onlinebuchhändler Libri.de - eine unrechtmässig merkantile Ausschlachtung Verwertung fremden geistigen Eigentums sahen . Vorigen Dezember scheiterten die Zeitungen damit vor dem Oberlandesgericht Frankfurt in zweiter Instanz .

Damit wurden Abstracts und Artikelzusammenfassungen bis auf Weiteres als eigenständige Werkschöpfung anerkannt . Für Feuilleton- und Watch- Blogger bedeutet dies einstweilen eine gute Nachricht , für die professionelle institutionelle Publizistik indes - so die FR in einem via “Börsenblatt online” konservierten Kommentar - einen “Flurschaden” : Instrumentiert durch das einstmalige Argument- Inventar wider den “Häppchenjournalismus” wird das journalistische Urheberrecht eingeklagt sowie - originelle Idee - eine Art finanzieller Rückvergütung von seiten des Zweitverwerters von Inhalten an deren Erstersteller gefordert :

Man interessiert sich für das Prospekt und nicht für die Ware, für das Testergebnis, nicht den Test. Im Schnelldurchlauf durchs Feuilleton wird die Urteilskraft, der Blick auf Argumente, Differenzen, Nuancen eingeebnet.
Auch wenn der Bundesgerichtshof das Frankfurter Urteil noch revidieren kann: den Zeitungen bleibt nichts anderes übrig, als sich auf ein Geschäft mit dem Internet einzulassen. Denn im Internet wird zu viel resümiert, abgeschrieben, geklaut. Da ist der Perlentaucher im Vergleich sogar eine Service-Adresse mit Qualität. Wäre der Austausch finanziell geregelt, dann könnte man die Kritiken ruhigen Gewissens vollständig lesen und sich ein Urteil bilden. |||

II. MEDIEN , HANDVERLESEN

czz presseschau presse amtsgericht stadeBis auf Weiteres ( = mögliche Revision ) können also auch kleinere bzw. private Zeitschriften- und Feuilletonbeobachter sorglos ihrer Schau- und Analyselust fröhnen und auch Blogger ruhigen Blutes ihre Digests komponieren . Bahn frei also für Blogs wie “medienlese” , dessen Rubrik “6 vor 9″ dem “Perlentaucher” täglich um sechs Minuten mit Hinweisen auf bemerkenswerte Artikel der Tagespresse zuvorkommt . Darüber hinaus fasst man in den ausführlicheren Features diverse Presseerzeugnisse wie “BLICK” , “Österreich” oder Online- Spekulationsobjekte wie “zoomer” nicht eben mit Samthandschuhen an , zeigt sich allerdings auch bereit , etwas halbgaren Pulbikumsmagazinen wie der Zeitschrift “hörBücher” durchaus Wohlwollen entgegenzubringen . Dezent und stets lesenswert : Der schweizer “Medienspiegel” . Zum Beispiel mit Tipps , via Suchmaschinen und Torrents against all odds auf kostenpflichtige Zeitungsartikel zuzugreifen . Und wer unterzieht sich schon gerne der ewigen Log- In- Prozdur ?!

Für die “BILD” ist ohnehin das “BILDblog” zuständig , welches - wie das aufs kritische Korn genommene Brutal- Boulevard- Blatt - zu den meistgelesenen seiner Gattung zählt . Dies provoziert natürlich seinerseits Kritik …. und so druckt das Springer- Blatt “Die Welt” mit Gusto jene ( frei nach Thomas Bernhard formuliert ) “Erregung” nach , welcher der paradierende Provokateur Henryk M. Broder ursprünglich auf seinem Privatblog “Die Achse des Guten ” unverblümt vom Stapel gelassen hatte .

III. EUROZINE

czz presseschau presse amtsgericht stade Mit solchen Aufregern hält sich “Eurozine” , das gediegen auf Vielfalt bedachte “Magazin der Magazine” kaum auf : Entsprossen 1998 aus einem Netzwerk von ( mittlerweile 70 ) europäischen Kultur- , Literatur- und Denk- Zeitschriften , bietet “Eurozine” nicht nur ein laufend aktualisiertes Portal mit allerlei Lektüre- Verführungen ins Reich antipopulistischer Periodica , sondern bietet darüber hinaus die Möglichkeit , anregende Magazin- Digests oder ausgewählte Aufsätze mittels separaten RSS- Feeds zu abonnieren . Nichts da also …. mit Reissern, Räuberpistolen , Schnellschüssen oder Lifestyle- Kurzware : Hier ist die Nachhaltigkeit des Nachdenkens gefragt .

So erreichen uns John Clark’s Bemerkungen zur “Acting up“- Methode des “Allzeit- bereit”- Philosophen Slavoj Zizek aus dem britischen “The Humanist” . Für die slowenische Szene erschliesst sich der Artikel unter dem Titel “Ali nas varietejski filozof vlece za nos ?” . - Womöglich ist ja auch das Englische nicht Jedermanns Sache : Folglich ist es Martin Halas Darstellung des chiesischen Medienwandels sowohl im englisch in der Zeitschfit “Transit” abgedruckten Original als auch in der deutschen Fassung “Von der Wandzeitung zum Blog : Meinungs- und Gedankenfreiheit in China heute ” zu lesen .

Umgekehrt erschliessen sich deutschsprachige An- und Aufsätze in Form englischer Übersetzungen dem internationalem Interesse : Von Jürgen Habermas’ “Die Dialektik der Säkularisierung” (”The dialectic of secularization” ) aus dem “Blättern für deutsche und internationale Politik” ) bis hin zu selbständigen Beiträgen von Eurozine- Redakteuren wie Simon Garnett , der sich vergleichend mit den Reaktionen des deutschen Feuiletons auf aktuelle Gewaltakte von Jugendlichen mit Migrationshintergrund einerseits und anderseits mit der RAF- Debatte befasst ( “Citizen Victim - The migrant youth , the RAF terrorist , and the German feuilletons ” ) .

Die neuen Ausgaben der assoziierten Zeitschriften werden regelmässig präsentiert - und dies selbst bei Offline- Magazinen mit vollständigen Inhaltslisten . Solcherart ist über die Jahre ein exquisites Archiv gewachsen , welches Topics , Themen und Theorien aus Zeitschriften von A wie “A Prior Magazine” ( Belgien ) , “Akadeemia” ( Estland ) , “Arche” ( Weissrussland ) , “Artistas Unidos Revista” ( Portugal ) bis Z wie “Zeszyty Literackie” ( Polen ) . Klassiker wie “du” [ hmmm : die letzte indizirte Nummer datiert mit 12 | 2007 : ein Votum gegen Walter Kellers neue Ägide ?! ] , “Merkur” , “Mittelweg 36” , “osteuropa” und “Wespennest” inklusive . Finanziert wird dieses für den User kostenfreie Angebot von europäischen und staatlichen Institutionen sowie von Sponsoren aus der Privatwirtschaft … |||

IV. UMBLÄTTERER

czz presseschau presse amtsgericht stadeAus der Not des physischen Armausrenkens bei der vergleichenden Lektüre jener grossformatigen Papier- Erzeugnisse , hinter welchen die klugen Köpfe stecken , hat ein Leipziger Fähnlein Feuilleton- Fachleser eine deklarierte Tugend gemacht : Dem literarischen , kritischen und essayistischen Ausfältelungen des Feuilletons , seinen Höhen und Niederungen gleicherweise lustvoll zugewandt wie assortierten Regionen der Popkultur , ist es dem Blog “Der Umbätterer” innert weniger Jahre gelungen , singuläre Features zu entwickeln : So etwa wurde die “Best of Feuilleton”- Jahresabrechnung 2005 von satt.org auf den “UBL” übersiedelt und gewährt nichts Weniger als einen amüsanten Rückblick auf die jeweils herrschenden Zeit- ( Un- ) Geister verflossener Jahre .

Nicht Wenige unter den habituellen Feuilleton- Selbstlesern werden sich angesichts dieser Listen mit “mémoires involontaires” konfrontiert sehen : So können wir uns in|ad|ae|qu|at noch bestens erinnern an den UBL- Favoriten 2005 : Stephan Maus : “Beim nächsten Glas wird alles besser – Leider kein wirklich anonymer Alkoholiker” ( über Augusten Burroughs “Trocken !” , SZ , 8. 4. 2005 ). Die “Best of 2006” erinnern u. a. an Hubert Winkels’ treffliche Kategorisierung der Fronten im Streit um Volker Weidermanns “Lichtjahre” in “Emphatiker und Gnostiker” ( ZEIT , 30. 3. 2006 ) . Auch die Cuvée 2007 wartet mit einem schlagwortprägenden Klassiker auf : Henning Sussebach : “Bionade- Biedermeier” ( ZEITmagazin LEBEN , 8. 11. 2007 ) .

Mit der Einführung eines “Sonntagstauchers” - einer ässerst genüsslichen Sonntagspresseschau - ist den “Umblätterern” ein bislang unbesetztes Okkupatonsgebiet aufgefallen und ein veritabler Coup gelungen . Für diese privat engagierten Vor- Lese- Leistungen wurde das Mikromedium kürzlich im “Börsenblatt” ( Printausgabe 14 | 2008 ) ausdrücklich gewürdigt ( und noch VOR den spät auf das Genre aufgesprungenen FAZ- “Reading Room” gestellt ) :

Auch “Der Umblätterer” ist ein Non-Profit- Unternehmen. Gestartet wurde das literarische Themen- Blog im Mai 2007 von sieben jungen Feuilleton- Afficionados, die es nach dem Studium an der Leipziger Universität in alle Himmelsrichtungen verstreute. Nach dem Vorbild moralischer Wochenschriften des 18.Jahrhunderts beschäftigt sich das selbst ernannte “Consortium Feuilletonorum Insaniaeque” unter seinem Wappentier, dem Maulwurf, vor allem mit den Feuilletons und Kulturseiten der meinungsbildenden Zeitungen und Magazine, aber auch mit Online- Medien, Filmen und amerikanischen TV-Serien [ ... ] . “Wir lieben das Medium”, sagt Frank Fischer, der für das Berliner Online- Magazin satt.org schon 2005 und 2006 eine Feuilleton- “Best-of”- Liste kompilierte und unter dem Pseudonym Paco so etwas wie der Spiritus Rector des “Umblätterers” ist. “Wir halten das deutschsprachige Feuilleton für eine Errungenschaft, die auf der Welt ziemlich einmalig dasteht und wollen seine Grenzen ausloten.” Für Fischer und seine Freunde heißt das vor allem: Meinungsfreudigkeit und exemplarisches Ausschreiten noch ungenutzter Möglichkeiten des Netzes. Während die manischen Freizeit- Leser mit Versuchsballons wie einem “Spiegel”- oder “Sonntagstaucher” ( frech kommentierte Zusammenfassungen des ab Samstagabend als E-Paper zugänglichen “Spiegels” oder von ausgewählten Sonntagsblättern ) den etablierten Kollegen vom “Perlentaucher” womöglich künftige Vermarktungsmöglichkeiten aufzeigen, ist die englische Synopsis von Matusseks “Kulturtipp”- Blog eher etwas für Hardcore- Fans.
Sind die Umblätterer Kulturwissenschaftler mit zu viel Zeit ? “Ein gewisser Hang zum Wahnsinn spielt bei uns schon rein”, gibt Frank Fischer zu. “Aber gerade das Feuilleton ist ja ein Medium, in dem dieser Wahnsinn Platz hat”. Kommentare aus der Blogosphäre sind selten – dafür gibt es häufiger freundliches Feedback aus den Redaktionsstuben in Hamburg, Frankfurt und München: Solche Leser wünscht man sich.

Bei allem Respekt vor den Bemühungen des Buchhändler- Branchenblattes , seine Klientel über Kosmos und Genre des “Blog” empfehlend zu belehren , sind die kleinen Indizien eines kategorialen “Kannitverstan” unschwer zu übersehen : Die Frage nach dem “Zuviel” an Zeit , welche noch dazu auf die nicht remunerierte Arbeit des Bloggens verwendet wird , mag ebenso von einer gewissen Befremdung zeugen wie die Bezeichnung von Matusseks Video- Manifestationen als “Blog” . Wo doch sogar Wikipedia weiss :

Seit dem 16. Oktober 2006 veröffentlich Matussek wöchentlich ein Vlog namens Matusseks Kulturtipp auf Spiegel Online.

Na , egal . Das Lob bleibt dessenungeachtet würdig und recht . Trotzdem können wir es uns in|ad|ae|qu|at nicht verkneifen , auf einen unserer “UBL”- Favoriten der jüngeren Zeit hinzuweisen : “Walsers Propaganda- Krawatte ” . |||

V. BONAVENTURA & LESEMASCHINE

czz presseschau presse amtsgericht stadeZugegeben : Unser Hang zum Enzklopädischen kollidiert mit der nicht minder ausgeprägten Liebe zu Einzelheiten . Weshalb wir - um die Sendezeit nicht hoffnungslos zu überziehen - im folgenden noch einige der veröffentlichenden Vor- Lesenden so kurz wie freundlich streifen : Unter den literarischen Lese- Chronisten zählt “Bonaventua” ( “Lektüren eines Nachtwächters” ) fraglos zu den Inspiriertesten , scheint überdies aus einem geradezu enzyklopädischen Wissen zu schöpfen , so dass der Kommentator sich etwa auch eines in Belletristik verpackten Schachproblems elegant annehmen kann : Unzeitgemäss im besten Sinn !

Zeitgeistiger verhält sich da schon die “Lesemaschine” , schon wortwörtlich kenntlich als Ableger der notorischen “Riesenmaschine” . Autoren wie Jochen Schmidt ( der sein Proust- Blog- Chronik “Schmidt liest Proust” kürzlich abschloss und bei Voland & Quist demnächst als Echtbuch herausbringt ) berichten von ihren Lektüren , genauer gesagt : von den jeweils per Seitenziffern indizierten Tagespensen . Was soviel bedeutet , dass der Blog- Leser seine eigenen Lektüren hinsichtlich Gegenstand und Tempo dem Vor- Lesenden angleichen könnte und die jeweiligen Eindrücke ver- bzw. abgleichen . Erinnert uns im Übrigen stark an die “reading assignments” der US- Colleges ( tja , das waren 150 Seiten mindestens pro Tag ) : Heutzutage würden wir den tatsächlichen Vollzug der Studi- Lektüren via Blog oder Online- Forum überprüfen …

Beispiele aus der “Lesemaschine” : Jochen Schmidt liest : Liebe als Passion ( Niklas Luhmann ) , André Fromme liest : Esra ( Maxim Biller ) , Sascha Lobo liest : Der ewige Spiesser ( Ödön von Horvath ) , Kathrin Passig liest …. natürlich auch und weitere unvermeidliche Feuchtgebiete . |||

VI. LESEZEICHEN

czz presseschau presse amtsgericht stadeNet- Mags , Foren oder Gemeinschaftsblogs : Auch Primärliteratur liest bzw. legt sich online vor . Freilich mit enormen Qualitätsunterschieden . Die man diplomatischer auch als solche des “literarischen Geschmacks” bezeichnen könnte . Mit dem “Forum der 13” , “der goldene fisch” , “lyrikline” , “poetenladen” oder - werbeästhetisch von Don Dahlmann verpackt - @ “mindestens haltbar” . Die “shortlist” verzeichnet mitunter unter ihren culture cuts sogar kastrationsangstfrei lesende männer und der behutsame Blütenleser figuriert ( in Kooperation mit “Perlentaucher”- “Medienticker” und “Titel“- Magazin ) mit Hörspiel- , TV- und Buchhinweisen seit Kurzem auch in Form eines Blog namens “Lesewoche” : Chapeau zur trefflichen Empfehlung von Silvia Bovenschen’schens hintersinnig komponierten Erzählkreis “Verschwunden” -

Das Literaturblog- Kombinat “litblogs.net” wurde als eine der in|ad|ae|qu|aten Herbergen bereits vorgestellt , NEU ist ein vierteljährlich erscheinendes Digest , welches als “Lesezeichen” direkt aufrufbar und ergo selbstverständlich auch via RSS abonnierbar ist . Hier führt freilich kein Redakteur die strenge Schere , sondern ein Jedes gibt , was ihm als zeichenweise tauglich dünkt .

Edit : Mittels Lotrees Kommentar nähern wir uns dem Sinn einer solchen Kompilation auf’s Erfreulichste an , welcher da wohl lauten könnte : “Wahlverwandte bitte melden !” - Also voilà : “Lottrees Journal . Leben . Schreiben . Lesen .” Literaturnachrichten aus eher näher denn fern , Gerüchte , Preise und allerlei Hinweise . P. s. : Auch über “Schriftsteller heute” lässt sich dann & wann twittern . “Chaqu’un … ” , halten’s wir’s mit der der Strauss’schen “Fledermaus” , ” … à son goût !” - |||

KLANGAPPARAT

Ist es der launische April oder was treibt die Netlabels derzeit an , so viel in den Wind Gespieltes zu lancieren ?! - Wenig Intensitäten , kaum czz hörempfehlungCharakterbeats . Da stossen wir , just bevor wir den Mut endgültig sinken lassen , auf ein interessant instrumentiertes kleines Stück aus dem Hause auflegware . Als “Trip around Midnight” tituliert , spielt sich Tosol (aka Marc Sims ) immerhin so lange mit seinen Midis , bis Apartes herausklingt . Den billigen “clap- hands” überhören wir geflissentlich , ermuntern uns trotzdem am Pitchen und Synkopieren . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Rent a Trend | 02. Format 2000 | 03. Before I get Drugs *Fluff Edit* | 04. Better Bass | 05. Init Score |||

Audiokultur - aktuelle Artikel



DIE SCHÖNE NEUE WELT DES HÖRENS : SO UNÜBERSEHBAR WIE UNÜBERSICHTLICH – AUDIOITERATUR AUF ALLEN KANÄLEN

Wo in den neunziger Jahren beim Rundfunk noch massiv Wortproduktionen abgebaut wurden , boomt heute eine neue Hörkultur . Zwischen Radiosendern und Audioverlagen ist Kooperation angesagt

NZZ , 12. 3. 2007 - Christiane Zintzen

RCA his masters voice original photoViel war während der vergangenen Jahre von der «Konjunktur» , ja gar von einer «Renaissance des Hörens» die Rede . Die Trend-Rhetorik inspirierte sich an den Wachstumsraten des Hörbuchmarktes , den Zugriffsziffern der Downloadportale und den Selbstdarstellungen der Radiosender . Der Existenzkampf der Anbieter in der Konkurrenz von Kanälen , Medien und Streams verursacht eine PR-Kakofonie , welche allerdings eher dazu beiträgt , den Endverbraucher , Kunden und User zu verunsichern und zu verwirren .

Dieser gute alte Hörer mag über das Spektakel heiteren Geistes hinwegsehen . Mit einer Backlist von 20 000 Titeln und 2000 jährlichen Novitäten mutet der Hörbuch- Berg womöglich unüberwindlich an , doch hat man ja auch mit einem Vielfachen an Buchneuerscheinungen zu leben gelernt . Zudem bremste die Wachstumsrate der «Warengruppe Hörbuch» im Jahr 2007 mit nur 2,6 Prozent erstmals deutlich aus bisher zweistelligen Höhen ( 2006 : 17,4 Prozent , 2005 : 14,1 Prozent ) auf einen kargen Wert ab . Ob dies der Branche , die allzu rasch expandiert hat , Ansporn sein könnte , sich auf Basisqualitäten in der – oft klanglich wie editorisch mangelhaften – Produktion zu besinnen , ist fraglich .

MAGAZINE , LISTEN , PORTALE , PREISE

RCA his masters voice labelBekannt ist , dass es starken Nachholbedarf in der Ausbildung von Buchhändlern gibt . Spezialseminare und Fachtreffen bringen Endverkäufern die neue Materie näher , wobei nicht selten grosse Anbieter als Sponsoren auftreten . Die Leipziger Buchmesse offeriert einen «Crashkurs : Hörbücher besser verkaufen» , der Arbeitskreis Hörbuchverlage organisiert «Hörbuch backstage : Wie ein qualitativ hochwertiges Hörbuch entsteht» . Was überhaupt unter «Qualität von Hörbüchern» zu verstehen wäre , will das seit Mai 2007 sechs Mal pro Jahr in hochglänzender Aufmachung erscheinende Zielgruppenmagazin «HörBücher » erörtern .

Das betont «unabhängige» Magazin bietet nur eine Option zur Orientierung im Dickicht der Novitäten . Webportale wie «Die Hörothek» schaffen breiten Überblick . Preise und Auszeichnungen lenken die Aufmerksamkeit auf herausragende Titel . Publikumspreise des Buchhandels ( «Hörkules» , «Hörkulino» ) formulieren Verbrauchervoten zusätzlich zu den Daten der Bestsellerlisten . Eher den traditionellen Qualitätsstandards öffentlichrechtlicher Wortproduktion entsprechen die Empfehlungen der monatlichen HR-2-Bestenliste . Deren Fachjuroren küren zusätzlich ein «Hörbuch des Jahres» . Diesmal wurde für eine exzellent komplexe Produktion optiert : Karl Bruckmaiers vielschichtige Lese-Inszenierung von Peter Weiss’ «Ästhetik des Widerstandes» errang darüber hinaus und wenig später den “Deutschen Hörbuchpreis” ( BR / DHV ) .

RADIO UND HÖRBUCH

RCA his masters voice original photoPopulismus ist solchen Entscheiden nicht anzukreiden . Vielmehr verweisen sie auf die traditionell hohe Kultur von «Wort-» und Hörspielproduktionen der öffentlichrechtlichen Anstalten . Das Verhältnis zwischen Hörbuchverlagen und Sendern ist – nach anfänglicher Verunsicherung – mittlerweile in den Hafen produktiver Wechselseitigkeit eingelaufen . Als die Hörbuchverlage Mitte der neunziger Jahre von der knarzenden Kassette auf die praktikable CD umstiegen und der Audiomarkt schnell an Terrain gewann , war in den Funkhäusern gerade Sparzwang angesagt . Formatradio und private Konkurrenz schienen die Reduktion des gesprochenen Wortes nahezulegen .

Da kam die Hausse des Hörbuchs gerade recht , um augenfällig den Wunsch eines ( sogar zahlenden ! ) Publikums nach akustischer Sprachware aufzuzeigen . Häuser wie der 1993 in Kooperation mit prominenten belletristischen Qualitätsverlagen ( Suhrkamp , Hanser , Rowohlt ) gegründete Hörverlag ( DHV ) boten sich den Radiostationen zur Aufbereitung von Archivalien und zum Vertrieb von Wortproduktionen auf CDs an . Inzwischen spielen die CD- Verlage nicht nur eine wichtige Rolle bei der Wieder- und Weiterverwertung hochwertiger Lesungen und Hörspiele , sondern ermöglichen durch Kooperationsmodelle sogar Radiowerke , welche die Sender im Alleingang weder finanziell noch ästhetisch gewagt hätten .

BRANDING UND MERCHANDISING

RCA his masters voice labelDie in die Dürregebiete von Randsendezeiten und «low budget» gescheuchte Hörfunksparte «Wort» fand zu neuem Selbstbewusstsein . Die Sender-Logos von BR, HR , WDR , SWR , Deutschlandradio Kultur , NDR und DRS haben sich als Markenzeichen für Qualität etabliert . Akustische Sonderreihen von Zeitschriften wie «Der Spiegel» ( Audio-Verlag ) verleihen den betreffenden CD-Editionen ein gewisses Image , garantieren Marketing und sind als Multimedia- Erweiterungen des Print- Geschäftes willkommen . In legendären Sphären schwebt der Erfolg der Hörbuchreihen des reichweitenstärksten Frauenmagazins : Von den insgesamt 24 Titeln der zwei «Brigitte»-Staffeln «Starke Stimmen» ( Random House Audio ) wurden pro Titel durchschnittlich 100 000 Stück verkauft . «Petra» zog im Frühjahr 2007 mit von «Scharfen Stimmen» gelesenen Erotika nach ( Hoffmann und Campe ) , «Geo» und «Geolino » kooperieren seit 2007 in je zwölfteiligen Reihen ( «Abenteuerliteratur» ) mit Random House Audio . Freilich entsprechen längst nicht alle dieser Cross- Marketing- Produkte dem guten Ruf , den sie eigentlich befördern sollten .

MARKTMACHT , REAL

Solche Schnelldreher suchen und finden ihren profitablen Markt jenseits der Empfehlungslisten und der Kritik . Gleiches gilt für das Gros der auditiven Krimi- , Ratgeber- und Konsumliteratur aus Häusern wie Lübbe- Audio oder Radioropa . Auch die 6000 deutschsprachigen Hörbücher des Marktführers unter den digitalen Portalen , Audible.de , illustrieren das Auseinanderklaffen von realem Markt und dem schmalen Segment der in der publizistischen Öffentlichkeit präsenten Titel . Ganz zu schweigen von der Gratisware , die im Netz abzurufen ist . Enthusiasten wie die Macher von Vorleser.net oder Mindcrushers.de haben es auf diese «freie» Weise auch zu professionellen Aufträgen gebracht . Gleichzeitig stellen auch Verlage wie Argon und Random House Audio Gratisdownloads als «Teaser» ins Netz : Wer sich auf diesem Wege erstmals durch das Genre «Hörbuch» fesseln lässt , könnte dereinst bereit sein , auch gutes Geld dafür auszugeben .

RADIOVIELFALT

RCA his masters voice original photoDem Zug der Zeit in Richtung Netz und zur nutzerdefinierten Auswahl von Inhalten mögen sich auch die öffentlichrechtlichen Sender nicht verschliessen . Abonnierbare Podcasts stellen bevorzugte Sendungen ausserhalb der Sendezeiten zur Disposition . Hörspiele können – freilich bei reduzierter Klangqualität – noch eine gewisse Zeit nach der Sendung im Netz abgehört werden , wobei auch Live- Streams von ARD- Hörspielen möglich sind . Dabei helfen die ausgezeichneten Programmlisten bei Blütenleser.de . Auch die unentbehrliche Datenbank «Hördat» lässt sich nach Wochenprogrammen abfragen : Sie listet für die Woche vom 10. bis 16. 3. nicht weniger als 53 Hörspiele bei ARD , DRS und ORF .

Eine schöne neue Welt des Hörens also ? – Für den Konsumenten , User , Hörer stimmt dies gewiss . Dabei gerät leicht aus dem Blick , dass all die , welche als Autoren , Sprecher und Regisseure am Zustandekommen dieser Vielfalt mitwirken , oft unter finanziell und rechtlich prekären Umständen werken . So mag man es als Signal nehmen , dass sich freie Radioregisseure vorigen Dezember in einem Verband ( VdHR ) versammelt haben , um ihre «Interessen in künstlerischer , perspektivischer und wirtschaftlicher Hinsicht» zu wahren . Mit Walter Adler und Leonhard Koppelmann als Initiatoren sind keineswegs ewig Zukurzgekommene am skeptischen Wort , sondern zwei prominente Hörspielregisseure . |||

KLANGAPPARAT

Eine echt elegante EP trägt Lady Annèke Laurent ( MySpace ) über die Labelnennung auflegware in den hörmöglichen Frühling : Tief schwingend , czz hörempfehlungwürden wir mal sagen , mit minimaler Phrasierung im Kontrast zu fast schon funky gesetzten Akzenten . Auch Blues- Reminszenzen steh’n der Berlinerin nur all zu gut . Die feinen Seiden von e- Piano- Klängen federn , ja : und auch die dezente Latino- Posaune wird uns jetzt in|ad|ae|qu|at nicht dazu bringen , Alles über “The Hip Back” auszuplaudern . - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Touken ( 05:16 ) | 02. My Jacket ( coffemamas ) ( 6:12 ) | 03. The Hip back ( 4:00 ) |||

SIEHE AUCH

Der Rhythmus des Widerstandes . Mehr Sprachoper als Hörspiel - Peter Weiss’ opus magnum in gelungener CD- Edition ( NZZ , 1. 6. 2007 ) |||

REZENTE REZENSIONEN

Roth , Doderer : Kakaknien - elegisch bis szenisch ( NZZ , 7. 3. 2008 )
Günter Eichs “Träume”: Böse Hörbilder ( NZZ , 7. 3. 2008 )
Werner Bräunigs “Rummelplatz” - Nach 40 Jahren ( NZZ , 7. 3. 2008 ) |||