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Salon Littéraire | Hanno Millesi : DER NACHZÜGLER - Ich bin ein Freund der Realität



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Salon Littéraire | Hanno Millesi :

DER NACHZÜGLER - ICH BIN EIN FREUND DER REALITÄT

 

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ICH BIN EIN FREUND DER REALITÄT

Ich bin ein Teil des Waldes. Gebannt starre ich in vor Fruchtbarkeit strotzendes Dickicht. Weidmannsbeobachtungen. Wir sind Selbstversorger. Obst und Gemüse. Wie komme ich preisgünstig zu einem Duftgarten vor meiner Haustüre? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass Ratgeber und Bildbände zum Thema Pflanzen und ihrer Pflege etwa ein Zehntel der Auslage einnehmen. Sie beherrschen die untere Region. Knapp die Hälfte des Schaufenstervolumens hingegen wird von Büchern ausgefüllt, die der Zubereitung von Speisen gewidmet sind. Die Eigenheiten nationaler Geschmäcker, die Kunst des Grillens, Bratens, Dünstens, Schmorens, Würzens und Marinierens. Ratschläge berühmter Küchenmeister, weit gereister Feinschmecker oder ganz einfach Prominenter, die gerne kochen und essen. Zwischen den prächtigen Bänden hocken in Folie eingewickelte Nikoläuse. Einführung in die Kunst der Salate, des Currys, Theoretisches über Tapas, Soja, Muffins, Essays zum Wok, Wissenswertes über die Küche im alten Rom. Sinn und Deutung der Artischocke. Der Umgang mit dem Kürbis nach 1945. Paradigmen makrobiotischer Leckerbissen. Zur kritischen Theorie fettarmer Milchprodukte. Eine Welt aus Käse. Der Rest der Auslage ist dem Thema Gesundheit vorbehalten. Techniken der Abstinenz, alle Spielarten des Bäder- und Kurwesens, Verbote, an die Vernunft gerichtete Mahnungen, raffinierte Tricks, harte Bandagen. Charakteristika und Annehmlichkeiten spezifischer Hungerkuren, die Kunst der Wirbelsäulengymnastik, des Schlammbadens, Sonnenbadens, Schmorens, Abnehmens und Massierens. Ratschläge berühmter Ernährungswissenschaftler, weit gereister Gesundheitsfanatiker oder ganz einfach Prominenter, die gerne gesund leben und Sport betreiben. Zwischen den verschiedenen Büchern baumeln in Folie gewickelte Schokoladeengel. Auf einem besonders prächtigen Einband verspricht eine Frau, aus anderen Frauen im Handumdrehen Nichtraucherinnen zu machen. Daneben behauptet ein Mann, sein Erinnerungsvermögen durch die regelmäßige Einnahme eines Ginsengextraktes zu Spitzenleistungen getrieben zu haben. Dieser ganze Unsinn macht mich benommen. Ich muss irgendwohin ausweichen. Ehe ich in die Knie gehe, trete ich einen Schritt zurück, wodurch ein wenig Sonnenschein auf das Schaufenster fällt, die Titel der darin ausgestellten Bücher unleserlich macht und die Bilder auf ihren Umschlägen verzerrt. Ich erkenne nur noch Silhouetten, die in meinem zusammengekniffenen Blickfeld ineinander verschwimmen. Meine Augenflüssigkeit lässt Titel und Abbildungen von den ihnen zugedachten Positionen in andere rinnen. Alles gerät ins Wanken und plötzlich kommt direkt aus dem Zentrum dieses Wankens die Gestalt eines Mannes auf mich zu. Mit jedem Schritt wird er größer und voluminöser. All das ereignet sich blitzschnell und unaufhaltsam. Je deutlicher ich den Mann sehe, desto vertrauter kommt er mir vor. Eine ganz persönliche Niedergeschlagenheit blickt mich aus seinen Gesichtszügen heraus an. An dieser, ich möchte fast sagen Intimität würde ich ihn auch erkennen, selbst wenn ich ihn niemals zuvor gesehen hätte. Ein meinem Wahrnehmungsapparat eingeschriebenes Alarmsystem macht mich im entscheidenden Moment darauf aufmerksam.

Tatsächlich kommt mir der Mann nicht entgegen, sondern nähert sich mir von hinten. Zuweilen reicht mir allerdings die Spiegelung in einem Schaufenster um zu wissen, wann es soweit ist. Ich fühle mich von diesem Mann und seinem unorthodoxen Auftauchen geradezu erlöst. Er erspart es mir, länger in die Auslage der Buchhandlung starren zu müssen, vor der ich aus Gründen der Tarnung gewartet habe. Man kann ja längst nicht mehr einfach nur herumstehen. Egal wo. Das erregt Aufsehen. Menschen erregen sogar Verdacht, wenn sie in Autos sitzen, deren Motoren abgestellt sind. Mir fällt das immer erst ein, sobald ich irgendwo angekommen bin, und es gilt, möglichst unauffällig abzuwarten. Am ehesten wird so etwas alten Menschen gestattet. Sie dürfen sich auf Bänke setzen und vor sich hinstarren, denn sie könnten von einer plötzlichen Erschöpfung oder einer unverarbeiteten Erinnerung aus dem reichen Fundus ihres langen Lebens überrascht worden sein. Niemand wundert sich, wenn alte Leute beschäftigungslos herumsitzen und scheinbar in sich hineinblicken. Aber ein Mann in meinem Alter erregt Verdacht, sofern er keiner Beschäftigung nachgeht und nicht zumindest das Angebot in einer Auslage betrachtet. Deswegen suche ich mir vor Ort ein Schaufenster, in das ich dann starre. Irgendetwas findet sich meistens. Mit der Buchhandlung habe ich aber besonderes Pech gehabt. Üblicherweise meide ich Buchhandlungen. Ihr Angebot macht mich wütend oder verursacht mir heftige Übelkeit. Je nachdem. An Tagen voller Selbstbewusstsein und guter Laune macht es mich zornig, reicht mein Selbstbewusstsein jedoch nicht aus, fühle ich mich von ihrem Angebot gedemütigt. Dabei bin ich davon überzeugt, dass im Inneren auch ernst zu nehmende Titel zum Verkauf angeboten werden. Bücher, die aus hehren Motiven verfasst wurden und deren Lektüre möglicherweise sogar lohnt.

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Jedenfalls ist es mir schon seit längerem nicht mehr möglich, eine Buchhandlung zu betreten. Und das obwohl ich von all den Problemen gehört habe, mit denen Buchhandlungen heutzutage kämpfen. Die übermächtige Konkurrenz seitens der Internetanbieter und Versandanstalten mit ihren immensen Lagerkapazitäten, nicht zu vergessen die Tankstellen, Drogerien und Postämter, die leicht verkäufliche Titel längst in ihr Angebot aufgenommen haben. Gegen den in mir aufkeimenden Zorn können diese Argumente allerdings nicht das Geringste ausrichten. Heute handelt es sich um einen Tag im Zeichen des Selbstbewusstseins. Meine Toleranz gegenüber allem, was an solchen Tagen meinen Erwartungen nicht gerecht wird, ist gleich Null.

Erst der Anblick dieses Mannes, ein Anblick, der mir gleichsam aus dem einsehbaren Teil der Buchhandlung entgegenströmt, drängt diese Widerwärtigkeiten in den Hintergrund. Um meinetwillen entflieht er dem deprimierenden Arrangement, zieht meine strapazierte Aufmerksamkeit auf sich und nimmt sie im Vorbeigehen mit sich fort.

Sobald ich den Kopf zur Seite gedreht habe, betrachte ich seine gesamte Gestalt wie sie an mir vorüber schreitet. Dann sehe ich ihn von hinten, eine zwar dezente, aber alles andere als raffinierte Duftwolke in der Nase, unter deren Einfluss seine unmittelbare Umgebung offenbar steht.

Er ist eher klein gewachsen, allerdings keineswegs untersetzt und bewegt sich mit schlanker, geradezu flinker Geschmeidigkeit wie ein Wiesel oder ein vergleichbares Nagetier der zweiten Reihe. In sich gekehrt, verbissen, hässlicher, wenigstens nüchterner als der Kontext, dem er auf merkwürdige Weise entsprungen ist. Über seine Kleidung lässt sich nicht viel sagen. Mit diesen Dingen kenne ich mich nicht aus. Ich merke mir Farben, Muster und natürlich jedwede Auffälligkeit. Was modern ist, darf man mich allerdings nicht fragen, auch nicht, ob exklusive Materialien verarbeitet wurden. Soweit reicht mein Interpretationsvermögen nicht. Schließlich bin ich kein routinierter Beobachter, kein professioneller Zuschauer, sondern ein Schriftsteller. Ich wäre also in der Lage mir einiges zusammenzureimen, meine Fantasie könnte einer Coverfigur auf einem der Buchumschläge Leben einhauchen, ihr Gelegenheit geben sich zu bewegen und von dem Einband herunterzukommen. Hier, außerhalb der Buchhandlung, habe ich es allerdings mit richtigen Personen zu tun. Menschen, die weder meiner Inspiration entsprungen sind, noch meinen Vorstellungen entsprechend handeln. Viel eher beanspruchen sie meine gesamte Aufmerksamkeit und zwingen mich, ihnen auf den Fersen zu bleiben.

Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen das Bedürfnis verspüren, anderen Menschen zu folgen. Sie könnten sich dazu berufen fühlen oder jemandem blindlings und unter Umständen sogar überallhin nachgehen, es könnte sich um Nachfolger handeln, Gefolgsleute, Folgeerscheinungen, Statistiker, Sicherheitsleute, schlicht Neugierige oder welche, die Schlimmes vorhaben und nur auf eine günstige Gelegenheit warten. Unheimlich wird es, wenn Menschen anderen - mitunter Wildfremden - aus einem inneren Zwang heraus folgen. Irgendetwas, eine unwiderstehliche Kraft, die sie nicht benennen können, zieht sie an, lässt ihnen keine Ruhe, ehe sie sich in das fremde Leben gedrängt haben, das dabei ist, ohne ihr Zutun abzulaufen. Diese Menschen glauben möglicherweise, etwas von sich im anderen zu entdecken, sie sind davon überzeugt, dem Unbekannten ginge es genauso, wäre er im Augenblick nicht damit beschäftigt, vorüberzugehen und daher ausgewählt zu werden, anstatt selbst auszuwählen und seinerseits die Verfolgung aufzunehmen. Wenn Schriftsteller andere Menschen und zwar wirkliche Menschen verfolgen, kann das ebenfalls mehrere Ursachen haben. Vielleicht benötigt, was die Schriftsteller sich ausgedacht haben, eine Gegenprobe unter Berücksichtigung der Spielregeln der Realität. Oder ihre Inspiration zwingt sie, in regelmäßigen Zeitabständen von völlig Fremden in Situationen gebracht zu werden, in die sie sich aus eigenem Antrieb niemals begeben hätten. Ich habe keine Ahnung. Diese Form von Literatur interessiert mich nicht. Ich verfolge andere Menschen weder aus beruflichem Ehrgeiz und schon gar nicht zum Vergnügen.

Wie aber verhält es sich bei ihm? Hinter was oder wem ist er her? Zweifellos ist der Zeitpunkt, das zu beurteilen, noch nicht gekommen. Meine Erfahrung auf diesem Gebiet ist genauso beschränkt wie mein psychologisches Einfühlungsvermögen. Ich verfüge über ein gewisses Maß an Sensibilität in dieser Hinsicht, eine solche ist für meine Arbeit unentbehrlich. Angesichts der Verhaltensweisen fremder Menschen bin ich jedoch vorsichtig. Schließlich erfinde ich ja auch keine Fantasiefiguren - Herrn X, Frau Y - und statte sie zu allem Überdruß mit einem erfundenen psychologischen Programm aus. Bei mir kommt alles aus der Wirklichkeit, ist Wirklichkeit. Keine vorübergehende Projektion aus der Märchenwelt, keine sprachlichen Krücken um einen ach so originellen Inhalt schmackhaft zu machen. Die meisten begnügen sich ohnedies damit. Ich hingegen arbeite an der Realität, an der Natur des Menschen. Ich bin Avantgardist. Sofern eine solche Bezeichnung heute noch legitim ist. Oder sollte ich statt legitim verständlich, aussagekräftig oder annehmbar sagen?

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Es genügt mir nicht, irgendwelche Geschehnisse zu ergrübeln, sie mit Zeitbezügen zu spicken und mit ausgeklügelten Spannungsmomenten aufzuladen. Meine Texte sind ebenso real wie der vor mir gehende Mann, wie der Ort, an den mich meine Bestimmung, ihm nachzugehen, bringen wird. Sie sind ebenso real wie meine Strategie, unbemerkt auf ihn zu warten und im entscheidenden Moment an ihm dranzubleiben.

Ich bin experimenteller Schriftsteller. Diese leicht antiseptisch klingende Bezeichnung hat sich die Gesellschaft für Menschen mit meiner Perspektive ausgedacht. Wer nun annimmt, es handle sich dabei um eine Verhöhnung, hat nur teilweise Recht. Jeder kann nachlesen, dass sich diese Definition von einer Herangehensweise ableitet, zu deren Charakteristika es gehört, Sprache, vielmehr Text dazu einzusetzen, die Welt und ihre Wirklichkeit sowie den phänomenalen Zusammenhang, der zwischen beiden besteht, erfahrbar zu machen. Denn, was ist die Welt anderes, als eine von sprachlichen Zeichen begründete Ordnung? Und entwickelt sie sich nicht entlang unendlich vieler Impulse und Motive des Sprachdenkens weiter? Ich verwende die Sprache nicht, um von der Welt und ihren Bewohnern zu erzählen, sondern um sie zu vervollkommnen, um einen ihrer vielfältigen Aspekte mit meiner kaum hörbaren Stimme begreiflich zu machen; das immense Feuerwerk, das die ganze Zeit über um uns herum abbrennt, einen Sekundenbruchteil lang aufblitzen zu lassen. Mehr darf ich mir nicht erwarten, aber das reicht, um mich vom Großteil der Schriftsteller und Schriftstellerinnen, all jener, die sich mit einem gewissen Wohlgefallen als solche ansprechen lassen, zu unterscheiden. Im Gegensatz zu den Dichtern, den Erzählern, Schwärmern, Symbolisten, Metaphorikern und Brütern, bediene ich mich einer Methode, die man im Allgemeinen mit der Wissenschaft verbindet. Ich gehe experimentell vor. Ich stelle der Realität Fragen, um etwas über sie und damit über uns, ihre Insassen, herauszufinden. Die Bedingungen, unter denen ich die Wirklichkeit sprachlich untersuche, habe ich im Vorfeld exakt definiert. Im Grunde könnten all meine Untersuchungen beliebig oft wiederholt werden, wiewohl es selten Gelegenheit dazu gibt. Leser interessieren sich nur bedingt für meine Ergebnisse und die meiner Kollegen. Das liegt im Wesen der Sache. Auch die Ergebnisse von Wissenschaftlern sind zumeist ausschließlich einem eingeweihten, einem handverlesenen Publikum zugänglich. Wenigen gelingt es, einen größeren Interessentenkreis anzusprechen, ohne sich zu diesem Zweck an eine plumpe, eine populärwissenschaftliche Herangehensweise zu verkaufen. Denjenigen, die sich dazu herablassen, wird im Allgemeinen die Bezeichnung Wissenschaftler aberkannt. Leider geschieht das nur noch in den seltensten Fällen; dabei wäre es durchaus gerechtfertigt.

Über einen beschränkten Interessentenkreis zu verfügen mag seine Vorteile haben - beispielsweise kann ich davon ausgehen, dass, wer sich mit diesen Dingen auseinandersetzt, bereit ist, von sich aus etwas beizusteuern, anstatt sich im Zustand der Entspannung bedienen zu lassen -, für eine nahezu verschwindende Anzahl von Interessierten zu arbeiten ist allerdings deprimierend. Zumal es sich bei den wenigen zum Teil um Kollegen handelt, also um Menschen, die sich der Literatur in ganz ähnlicher Weise verschrieben haben, jedoch vorübergehend in die Rolle des Zuhörers schlüpfen. Sie veranschlagen das als Akt der Solidarität, versehen mit einem Anspruch auf gelegentliche Gegenleistung. Dabei sind ausgerechnet die selbst ernannten Fachleute am leichtesten zu beeindrucken. Sie erkennen die Leistung, während Laien zunächst nichts verstehen und mit einem gewissen Recht fragen, was das alles eigentlich soll.

Unter denjenigen, die man richtiger Weise als Schriftsteller bezeichnet, agiere ich an vorderster Front. Gemeinsam mit Gleichgesinnten schlage ich eine Bresche ins Dickicht, wo andere dann Promenaden und Avenuen anlegen, auf denen man bequem flanieren kann. Wir geben die Richtlinien vor, kümmern uns um die heiklen Angelegenheiten, um das, was noch oder solange es noch heikel genannt werden kann.

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Dabei haben sich zwei Phänomene herauskristallisiert und als unumgänglich erwiesen. Zum einen schätze ich die Entstehung einer jeweiligen Arbeit mindestens so hoch, wenn nicht sogar höher ein als das so genannte Ergebnis. Das Ergebnis begreife ich bereits als Phase eines neuen, eines weiterführenden Werkes. Diese Sichtweise integriert mich und damit den Menschen als Maß und Moment auf individuelle Art in mein Werk.

Zum anderen ist mir klar geworden, dass es nahezu unmöglich ist, von den Erträgen experimenteller Literatur zu leben. Stipendien stellen meine Haupteinnahmequelle dar. Gelegentlich kommt ein Preis hinzu. Mit dem Preis wird die herausragende Qualität einer meiner Arbeiten belohnt oder die Tapferkeit, derartige Lebens- und Arbeitsbedingungen über mich ergehen zu lassen. Um meinen Lebensunterhalt zu sichern, bin ich gezwungen, dazuzuverdienen. Einzig und allein aus diesem Grund übernehme ich Aufträge wie diesen. Damit möchte ich nicht unbedingt sagen, dass ich darunter leide, gelegentlich einer zweiten Erwerbstätigkeit nachzugehen. Aus eigenem Antrieb würde ich mich jedoch nicht darum bemühen. Zweifellos gibt es Schlimmeres. Etwa ein finanzielles Desaster, das es mir schlichtweg verbieten würde, meine fortwährende Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten voranzutreiben. Was ich nebenbei mache, ist wenigstens abwechslungsreich. Es hat mit Menschen zu tun, und man weiß nie, was als nächstes kommt. Bis zu einem gewissen Grad ist das mit der Situation des Künstlers vergleichbar, dem die bedingungslose Auseinandersetzung mit einer Thematik Eindrücke offenbart, die in keiner Weise vorhersehbar sind. Wer sich auf die Kunst einlässt, findet sich mitunter in den unmöglichsten Situationen wieder. Bedingt trifft das auch auf mich zu, befände ich mich doch wohl kaum in unauffälligem Abstand zu einem wieselflink Richtung U-Bahn gehenden nicht mehr ganz so jungen Mann, sofern ich werktagsüber in einer Amtstube oder hinter einem Bankschalter Dienst täte.

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DAS WOHLBEFINDEN, ZU DEM DIE KUNST VERHILFT, KÖNNTE DARAUF ZURÜCKZUFÜHREN SEIN, DASS DAS KUNSTWERK EINEN ANLASS DARSTELLT, JENES DURCH ZWECKLOSIGKEIT GESTEIGERTE VERSTEHEN ZU EMPFINDEN, DAS ALS ERFAHRUNG SPONTANEN UND UNREFLEKTIERTEN EINKLANGS MIT DER WELT GLÜCK AUSMACHT

Zuweilen stimmt es mich traurig, dass sich fast gar nichts aus dem Zusammenhang meines Nebenerwerbs für meine eigentliche Beschäftigung nutzen lässt. Weder gehe ich einem trendigen Handwerk nach, das einem meiner Texte als zeitgemäßer Hintergrund dienen könnte, noch lerne ich das Denken der Menschen zu durchschauen. Ich verdienen noch nicht einmal ausreichend Geld, um auf eine Nebenbeschäftigung verzichten zu können.

Einem Traum zufolge, von dem ich in unregelmäßigen Abständen heimgesucht werde, ließe sich der eine oder andere Erfahrungswert, den ich mir im Rahmen dieser Nebenbeschäftigung erworben habe, jedoch beim Kampf um eine adäquate Position innerhalb der literarischen Szene eines Tages - anders als bisher - nützen. Es handelt sich um ein nicht näher definiertes Engagement; stellen wir uns eine literarische Guerillatruppe vor. Ein paar Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die offenbar die Nase voll haben, beschließen, eine verbitterte Vereinigung zu gründen. Unter einem wortgewaltigen Slogan starten sie eine Reihe von aberwitzigen Aktionen mit dem Ziel, die literarische Allgemeinheit wachzurütteln. Kalamitäten wie die von Jahr zu Jahr schrumpfende Summe, die der Staat für die Belange der literarisch Tätigen bereitstellt, Ungerechtigkeiten bei der Vergabe von Stipendien, geschmackliche Missgriffe diverser Verlagsprogramme, das geradezu peinliche Hofieren so genannter Stars, die immergleichen Kommentare der immergleichen selbst ernannten Intellektuellen, aber auch die Trostlosigkeit seminarartiger Literaturveranstaltungen mit dummen Wortmeldungen und ebenso dummen Enthaltungen und die Nichtbeachtung anspruchsvoller künstlerischer Leistungen könnte ich mir als Motivation hinter ihren Aktionen vorstellen. Podiumsdiskussionen, Preisverleihungen, Langweilerinnen- und Mistkerllesungen werden gestürmt und alle Teilnehmer gedemütigt, es sei denn sie schlagen sich rechtzeitig auf die Seite der Guerilleros und verleihen ihrer jahrelang aufgestauten Wut in Form von anspornenden Zurufen Ausdruck. Ich denke an konspirative Anschläge: Hohe Funktionäre und Funktionäre, die sich selbst hoch einschätzen, werden kurzfristig gekidnappt und mit einer gut lesbaren Botschaft fotografiert, die ihrem wahren kulturellen Niveau gerecht wird. Dann verabschieden wir sie mit einem Fußtritt. Wir stören festliche Akte, die sich staatlicher Obhut erfreuen und versenden Video- und Internetbotschaften, die wir honorigen Machtausübern unter Androhung von Gewalt abgerungen haben. Ich denke, dass der Zuwachs an Sympathisanten einer solchen Bewegung enorm wäre. Einige Sympathisanten würden möglicherweise in der Öffentlichkeit nicht zu ihrer Sympathie stehen, einander aber in diskreten Augenblicken zuzwinkern. Man würde davon sprechen, dass man wahrlich nicht als Parteigänger bezeichnet werden könne, die Ziele dieser … , dieser … nicht ganz zu Unrecht aufgebrachten Menschen allerdings in einzelnen Fällen nachvollziehbar finde. Selbst die ewigen Fragensteller würden ihre befremdeten Mienen mit der Zeit ablegen und einem vagen Anzeichen der Zustimmung auf ihren Gesichtern Platz einräumen. Allmählich würde man sich uns gewogen zeigen, bis irgendwann der Durchbruch käme, und keiner, der literarisch etwas auf sich hält, es sich länger leisten könnte, nicht irgendwie zu verlautbaren, dass er mehr als nur im Geiste mit uns sei. Von Menschen, die das Richtige wollen, aber die falschen Methoden einsetzen, würden wir zu welchen werden, die das Richtige wollen und denen keinerlei Mittel zur Verfügung stünden, als die, die sie für richtig hielten.

Bis eines Tages einer oder eine von uns die Nerven verliert und ein Staatspreisträger oder Festspieleröffnungsredner dran glauben muss. Irgendeine Beschaffungsaktion gerät aus dem Ruder, Kampfgefährten tauchen in schicken Klamotten auf oder fahren rassige Schlitten. Die Parolen, die uns gestern noch zusammengeschweißt haben und unsere Augen feucht werden ließen, geraten nach und nach in Vergessenheit. Es könnte dazu kommen, dass Schriftsteller die Gewalt - von uns sozusagen salonfähig gemacht - irgendwann gegeneinander einsetzen. Konkurrenzkämpfe, Denunziationen, Ausschreitungen unter Leseratten und Buchklubmitgliedern. Eines Tages brennt ein verstaubtes Veranstaltungslokal und Anwesende kommen ernsthaft zu Schaden, weil sie während einer im Grunde verzichtbaren Lesung eingeschlafen sind und sich deswegen nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Spaß bei Seite, einer solchen Gruppe würde ich mich ohne zu zögern anschließen, und ich glaube, dass die Zeit dafür reif wäre. Nun bin ich allerdings kein Initiator, ich bin keiner, der eine solche Bewegung selbst ins Leben ruft, dazu fehlt es mir an Überzeugungskraft. Ich könnte das niemanden auf eine Art und Weise erklären, die ihm die Notwendigkeit einer solchen Gruppierung plausibel erscheinen lässt. Je mehr ich selbst darüber spreche, desto größer werden meine Zweifel. Viel lieber wäre mir, davon zu hören und mich den Leithammeln anzuschließen. Ich bin keine Führernatur. Es passt besser zu meinem Charakter, anderen zu folgen. Andererseits hätte ich allerhand beizutragen. Das Auskundschaften von Plätzen und Menschen, das Beobachten entscheidender Abläufe. Ich weiß außerdem, wie man mit eingeschüchterten Menschen redet, wiewohl das nicht zu meinen hervorragendsten Begabungen zählt.

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DAS EXPERIMENT ALS ÄQUIVALENT FÜR DIE ENTSCHLÜSSELUNG DER REALITÄT IST EIN WIRKSAMES INSTRUMENT DER SUBVERSION

Was das Beobachten von Menschen betrifft, verfüge ich mittlerweile über jede Menge Routine. Nach außen hin mache ich einen unauffälligen Eindruck, als verfolgte ich meine ganz persönliche Linie. Da ich weiß, dass eine Zielperson im Normalfall keine Ahnung davon hat, dass jemand hinter ihr her ist, gelingt es mir - glaube ich -, einigermaßen souverän, meine wahren Absichten zu verbergen. Zu heiklen Situationen kommt es lediglich, wenn die Zielperson Unvorhergesehenes tut, zum Beispiel plötzlich stehen bleibt, von einer momentanen Eingebung veranlasst in ihrem Bewegungsfluss inne hält. Mir bleibt dann kaum eine andere Möglichkeit als zu improvisieren, eine Vorgehensweise, die ich aus tiefstem Herzen verabscheue. Sowohl im Zusammenhang mit meiner literarischen Arbeit wie auch, was meine Nebenerwerbstätigkeit betrifft.

Mit ein bisschen Glück befindet sich in solchen Fällen eine Telefonzelle, ein Kiosk, irgendein Ort, an dem ich Zuflucht finden kann, in unmittelbarer Nähe. Es ist schon vorgekommen, dass mir keine andere Möglichkeit blieb, als an einer Zielperson vorbeizulaufen, sie zu überholen als verfolgte ich in Wirklichkeit mein eigenes Ziel oder zumindest jemand anderen. Ein älterer Herr, der auf meiner Liste stand, wurde eines Tages von einem rücksichtslosen Radfahrer umgefahren. Alles andere als weiterzugehen schien mir zu riskant, was mir eine Reihe missmutiger Blicke eintrug und im Endeffekt für mehr Aufsehen sorgte, als ich jemals hätte erregen können, wäre ich stehen geblieben, um dem alten Mann aufzuhelfen. Unter Druck kann ich nicht klar denken und treffe die falschen Entscheidungen. Von der Situation im Straßenverkehr habe ich ja bereits erzählt. Man muss sich das so vorstellen: Ich folge einer Zielperson mit Sicherheitsabstand, sie überquert die Straße, ich hinterher, wofür ich die letzten Momente der Grünphase nütze, um weder zu ihr aufzuschließen noch den Abstand, sollte die Ampel auf Rot springen, zu groß werden zu lassen. Ich betrete den Zebrastreifen etwa in dem Moment, in dem sie an der anderen Straßenseite angekommen ist. Plötzlich macht sie kehrt und läuft wieder zurück, als habe sie festgestellt, dass es sich um den falschen Zebrastreifen handelt. Was kann man in einer solchen Situation schon machen? Ich setze meinen Weg also fort, drehe erst auf der gegenüberliegenden Straßenseite um, warte, bis es neuerlich grün wird und sehe währenddessen der Person, hinter der ich her bin, dabei zu, wie ich sie aus den Augen verliere. Um ein Beobachten handelte es sich in diesem Moment nicht mehr. Eher um einen Anblick, ein Betrachten, wie man auch von einem Kunstwerk, das man betrachtet, verhöhnt werden kann. Unabhängig davon, ob das der Intention des Werkes beziehungsweise des Künstlers entspricht.

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Hanno Millesi

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Hanno Millesi , Der Nachzügler , erscheint am 29. September im Literaturverlag Luftschacht , Wien 2008

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Franz Mon - Sichtbare Sprache



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BEVOR ES SCHWINDET

Franz Mon abstrakt

[ Franz Mon : abstrakt ]

Im Zeitalter von Photoshop , After Effects sowie des ubiquitären Layouts eines durchdesignierten Alltags scheint die “visuelle poesie” der fünfziger bis siebziger Jahre längst gegessen . Anders und nach einem Diktum Elfriede Gerstls formuliert : Seit den sechziger Jahren sahnt speziell die Reklame systematisch die Erkundungen und Experimente der Avantgarden ab .

Im Kontext des “Radical Advertising” - wie im NRW- Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf bis 18. August zu sehen - sieht die klassische Avantgarde oft “alt” aus . - Um die Verfasstheit des jetzt scheinbar so Selbstverständlichen zu erkennen , ist ein ‘back to the roots’ unabdingbar .

Das hat weniger mit Kunst- Nostalgie oder einer Verklärung des “Avantgarde”- Begriffes zu tun als mit der Sicherung eines vorgängigen Quellcodes , dessen gefällige Interfaces unsere Zeitgenossenschaft illustrieren . Dies betrifft optische Gestaltungen ebenso wie akustische : Wer die frühen Artikulations- und Mundhöhlenerkundungen Franz Mons oder Henri Chopins einmal wahrgenommen hat , wird sich von neuerdings als “radikal” verbratenen Sound- , Kunst- und Musikdarbietungen weniger beeindrucken lassen . Beziehungsweise wird in den Stand gesetzt sein , diese historisch zu kontextualisieren und kulturgeschichtlich zu verorten .

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ZU SEHEN : IN ERLANGEN

Franz Mon Hommage A Karl Valentin

[ Franz Mon : Hommage à Karl Valentin ]

In Korrespondenz zum Erlanger Poetenfest wurde in der Städtischen Galerie die Ausstellung “Franz Mon – Sichtbare Sprache | Verbale , visuelle und akustische Texte” eingerichtet :

Franz Mon, 1926 in Frankfurt geboren und bis heute dort lebend, gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Konkreten Poesie. Er schreibt verbale, visuelle und akustische Texte. Seine visuellen Arbeiten wurden seit 1963 in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, u.a. auch 1970 auf der Biennale in Venedig, gezeigt. Die retrospektive Schau zeigt Arbeiten aus allen Phasen und Bereichen seines Schaffens, darunter viele Arbeiten, die hier erstmals öffentlich zu sehen sind. Gezeigt werden u. a. die Mappenwerke ‘Makulatur’ und ‘Knöchel des Alphabets’, Arbeiten aus den Serien ‘Doppelporträts’, ‘zentrierte Collagen’ und ‘versalcollagen’, eine Auswahl aus den ‘Schreibmaschinentexten’, den ‘ideografischen Texten’ und den Schreibtexten ‘Papiergüsse’, Textfahnen und Textplakate, Diaprojektionen und akustische Installationen, ausserdem Bücher und Buchobjekte.

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ZU HÖREN : WÖRTER VOLLER WORTE

Franz Mon vetri

[ Franz Mon : vetri ]

Heute , 29. August , 19 Uhr , Markgrafentheater, Erlangen : Lesung Franz Mon und Gespräch mit Klaus Ramm

Für Franz Mon ist die Sprache ein offenes Gelände für künstlerische Grenzüberschreitungen in alle Richtungen: Sein Werk ist eines der konsequentesten, weiträumigsten und auf untergründige Weise bis heute einflussreichsten Werke der deutschen Nachkriegsliteratur. Mons Poetik nimmt die Sprache so ernst wie kaum eine andere: ‘Das Realitätsschlamassel ist auch ein Sprachschlamassel’. Im Widerspiel mit den von Franz Mon gelesenen Texten versucht der Literaturwissenschaftler und Verleger Klaus Ramm, der Poetologie von Franz Mon auf die Spur zu kommen.

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HÖREN UND SEHEN VERGEHEN

Franz Mon Mortuarium

[ Franz Mon : Mortuarium ]

Leider schon nach Ende der zeitlich äusserst knapp gehaltenen Schau - 22. bis 28. August ( ! ) wird Sonntag , 31. 8. , um 19 Uhr im Theater in der Garage das HR- Hörspiel “ausgeartetes auspunkten” ( pdf HörDat , 2007 ) aufgeführt . Der einleitender ist freilich filmisch : “Schuhe besetzen ein Haus” ( SR , 1983 ) : Immerhin spricht Franz Mon selbst zur Einführung .

Eine scheinbar ganz einfache Spielanleitung bildet das Gerüst, auf dem die Stimmen der vier Sprecher dieses vom Hessischen Rundfunk 2007 urgesendeten Hörspiels (Eva Garg, Chris Pichler, Markus Meyer und Peter Lieck) alle schauspielerischen Freiheitsgrade haben. Ihre Stimmen „verdichten/verwandeln/verzaubern/vertuschen das Gesagte“. Franz Mon hat das 40-minütige Sprachspiel selbst realisiert. Zwei der vier Premieren-Schauspieler variieren das Hörspiel live unter der Anleitung von Franz Mon. Der Abend wird eingeleitet von dem 9-minütigen Film ‘Schuhe besetzen ein Haus’ von Franz Mon, Saarländischer Rundfunk, Redaktion Kunst und Wissenschaft Klaus Peter Dencker.

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FRANZ MON IM ORF- KUNSTRADIO

Franz Mon sternförmig

[ Franz Mon : sternförmig ]

Als wir im ORF- Kunstradio als erster europäischer Sender mit 5.1- surround- Produktionen ins Studio und auf Sendung gingen , schien es uns angemessen , Franz Mon als einen der Pioniere des stereophonen “Neuen Hörspiels” ( Ende der sechziger Jahre ) als einen der ersten Gäste zu laden . In Parallelaktion zu einem “Radiokunst”- Seminar am Germanistischen Institut der Universität Wien entstand die Produktion “Käm’ ein Vogel geflogen” , wo der damals Achtzigjährige sehr munter das von ihm eingelesene modulare Textmaterial per Joystick durch den Rundum- Raum jagte . Wir servieren die knapp sechzehnminütige Arbeit aus gegebenem Anlass ( und leider in reduzierter Klangqualität ) im heutigen KLANGAPPARAT .

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Franz Mon über seine 5.1- Surround- Produktion “Käm’ ein Vogel geflogen” ( Ursendung : 17. 7. 2005 ) für die Reihe “Literatur als Radiokunst” im ORF- Kunstradio :

Ich mache seit über vierzig Jahren radiophone Stücke, die für mich czz-hoerempfehlunggenau so wichtig sind wie die geschriebenen, weil ich ganz früh entdeckt habe, dass meine Stimme mit zur Substanz meiner poetischen Arbeit gehört. Die eigentliche radiophone Arbeit konnte beginnen, als die Stereophonie erfunden wurde – das war in den späteren 60er Jahren. Seitdem habe ich rund 14 Hörspiele machen können, die auf der Basis der Stereophonie zu realisieren waren. Für mich war es ein enormes Erlebnis jetzt, die neue Technik – Dolby Digital Surround – kennen zu lernen und praktizieren zu dürfen. Wir begeben uns da in eine Dimension der Stimmerfahrung und Stimmproduktion, die auch von der Stereophonie nicht erreicht werden konnte, weil ich als Sprechender wie als Hörender in einem akustischen Zentrum bin, das homogen ist mit meiner Stimmleistung und Stimmfähigkeit. In diesem Sinne haben wir das Stück ‘KÄM’ EIN VOGEL GEFLOGEN’ konzipiert und realisiert: ein Stück, das mit den Beweglichkeiten, welche die neue Technik erlaubt, arbeitet und dadurch Stimmqualitäten und Worterfahrungen ermöglicht, die bisher nicht zugänglich waren.

Franz Mon : “Käm’ ein Vogel geflogen” ( 15:44 , MP3 / WMP , Produktion ORF 2005 , Technik : Anna Kuncio )

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