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Henryk M. Broder - eine Heimsuchung Hildegards von Bingen ?



||| HL. HILDEGARD | DER HILDEGARD- VON- BINGEN- PREIS | POLITICALLY INCORRECT | DIE ACHSE DES GUTEN : NEOCONS AUS DEM GEISTE ‘68 | KEIN SCHWEIN | … UND DIE HEILIGE HILDEGARD ? | KLANGAPPARAT

HL. HILDEGARD

Hildegard von BingenHildegard von Bingen ( ca. 1098 bis 17. 9. 1179 ) : In lexikalischer Verkürzung gilt die Heilige als einflussreiche Mystikerin , deren Visionen in illuminierten Büchern “Liber Scivias Domini” ,”Liber Vitae Meritorum” sowie “Liber Divinorum Operum” ) sowie als Streiterin wider die Verweltlichung des Klerus .

Die Äbtissin des Benediktinerklosters Rupertsberg bei Bingen ist heute noch am ehesten als Autorin der heute von Esoterikern gleichwie von Kulturhistorikern geschätzten natur- und volksmedizinischen Heilbücher “Causae et Curae” bzw. “Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum” ( “Buch über das innere Wesen [ Beschaffenheit und Wesen ] der Heilkraft ) der verschiedenen Kreaturen und Pflanzen” bekannt sowie für die von ihr überlieferte Sammlung geistlicher Lieder , “Symphonia armonie celestium revelationum” .

Wie mögen all diese aus Brockhaus , Meyer und Wikipedia kompilierte Daten mit dem Umstand zusammen hängen , dass ausgerechnet der bekennende Anti- Islamist, Anti- Zionist , ja bisweilen gar das Provokationsschlachtross eines jüdischen Antisemitismus reitende ex- linke Publizist Henryk M. Broder im Jahr 2008 den Hildegard- von- Bingen- Preis zugesprochen erhielt ?

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DER HILDEGARD- VON- BINGEN- PREIS

Hildegard von Bingen PreisDer “Tagesspiegel” , als dessen stets für kraftige Erregungen dienlicher Kolumnist Broder fungiert , berichtet am 18. 7. 2008 :

Mainz - Der Publizist und Schriftsteller Henryk M. Broder erhält in diesem Jahr den Hildegard- von- Bingen- Preis für Publizistik. Das teilte das Kuratorium des Preises am Freitag in Mainz mit. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird von der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz seit 1995 an Journalisten und Publizisten vergeben, “die sich in besonderer Weise verdient gemacht haben“. Der 61-jährige Broder arbeitet für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel und den Tagesspiegel und ist Autor mehrerer Bücher. Er erhält die Auszeichnung am 13. September in Mainz.

Im vergangenen Jahr ging die nach der Mystikerin und Gelehrten Hildegard von Bingen (um 1098 bis 1179) benannte Auszeichnung an den Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit, Giovanni di Lorenzo. Zu den bisherigen Preisträgern zählen auch der Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier, der Reporter und Buchautor Peter Scholl-Latour sowie die Fernsehmoderatorin Sandra Maischberger.

Wir komplettieren in|ad|ae|qu|at die Liste der bisherigen Preisträger :

Maybrit Illner , Claus Kleber , Harald Schmidt , Joachim Kaiser , Joachim Fest , Johannes Gross , Gabriele Krone-Schmalz , Walter Kannengiesser sowie Helmut Markwort . Letzterem - der als alleiniger Preisrichter fungierte - verdankt Broder übrigens bereits den Ludwig- Börne-Preis 2007 . Eine Entscheidung für den “geborenen Polemiker“ [ ? sofern dies ontogenetisch überhaupt möglich ist ? ] , welche Jedem , der auch nur eine Zeile Börne gelesen hat , sofort einleuchtet .

Hilfreich zum Verständnis des Zustandekommens der Kür eines einstmals originellen und streitbaren , mittlerweile allerdings zum unflätigen anti- islamistischen und -liberalen Hassprediger mutierten Publizisten mag dabei sein , dass das Wahlkuratorium des Hildegard- von- Bingen- Preises für Publizistik aus dessen bisherigen Preisträgern besteht . Schlagen wir die Satzung und Begründung des Preises nach , erfahren wir Folgendes :

Der mit 5.000 Euro dotierte Hildegard- von- Bingen- Preis zeichnet ein Lebenswerk oder eine große, umfassende publizistische Leistung aus. Er soll ‘die Pluralität im Chor der Meinungen’ fördern und Frauen und Männer ehren, die ‘nicht ohne Zivilcourage ihr Bild von der politischen, sozialen und kulturellen Welt‘ besonders markant weitergeben.

Gewürdigt wird damit eine herausragende, die Gesellschaft prägende publizistische Leistung.

Dabei verweist die Namensgeberin nicht nur auf den regionalen Bezug zu der den Preis auslobenden Körperschaft, sondern vor allem auf die zu ihrer Zeit Weg weisende publizistische Arbeit der Hildegard- von- Bingen im Hochmittelalter.

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POLITICALLY INCORRECT

PI logoDiese sogenannte “Pluralität der Meinungen” , vorgetragen in beispielloser “Zivilcourage” : Mehr noch in den per Print und im TV unter fremdredaktioneller Aufsicht publizierten Glossen und Suaden lässt sich des Broders Kern in allen Formen des lexikalischen und argumentativen UNTERGRIFFS studieren : Sowohl in Broders eigenem Kollektiv- Blog “Die Achse des Guten” als in dessen Gastkommentaren in Stefan Herres “Politically Incorrect” [ Policy : "Gegen den Mainstream" , "Proamerikanisch und -israelisch" , "Grundgesetz und Menschenrechte" und last , but surely not least : "Gegen die Islamisierung Europas" *] wird mit provokativem Unflat nicht gespart .

[ * Im November 2007 schreibt Stefan Herre : PI sei in den drei Jahren seines Bestehens "zum grössten politischen Blog in deutscher Sprache herangewachsen und informiert derzeit täglich 20.000 Leser. Das hat mir natürlich nicht nur Freunde, sondern auch erbitterte Feinde eingebracht. Aufgrund massiver Morddrohungen gegen mich, meine Familie und sogar meine Eltern, übergebe ich 'Politically Incorrect' an einen neuen Besitzer im Ausland. - Dafür meldet sich Herre per 1. 7. 2008 mit neuer HP und Lincoln Zitat cowboybehütet zu Wort : "Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem ihr die Starken schwächt ..." ]

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DIE ACHSE DES GUTEN : NEOCONS AUS DEM GEISTE ‘68

Achse des Guten logoIn der WELT hatte “Achse”- Koautor Hannes Stein 2005 sogar die Stirne , das Blog der Seinen

als “Zentralgestirn” der quasi in den Untergrund abgedrängten “Amerikafreunde” zu bezeichnen und die Community der pro- amerikanischen resp. : pro-israelischen Blogger als neues Samizdat auszurufen . So viel Gutheit in einem von Rot- Grün geschürten Klima des Anti- Amerikanismus ?! - Vgl. Dazu Philipp Dudek in der taz : Wohin sind denn hierzulande nur all die streitbaren Freunde der USA verschwunden ? Ins Internet , ach so.

Thomas Rothschild , dem die Aporien der Linken in dern zurückliegenden Jahrzehnten nicht verborgen geblieben sind , steuert eine unauferegte Herleitung der Neocons aus dem Geist von ‘68 anlässlich des Verleihung Börne- Preises an Broder bei :

Der Ludwig-Börne-Preis wird von jeweils einem einzigen Juror vergeben, und das war in diesem Jahr der Herausgeber und Chefredakteur des Magazins Focus, Helmut Markwort, dem man gewiss nicht zu nahe tritt, wenn man ihn als ausgewiesenen Verfechter eines militanten Konservatismus charakterisiert. ( …. )

Als ich Henryk M. Broder vor knapp 40 Jahren kennen lernte, trat er als wohltuend frecher, gescheiter Provokateur auf, der formidabel in die Landschaft der 68er-Rebellion passte. Er liebte es, Tabus zu brechen, vor allem die herrschenden Tabus der restaurativen Gesellschaft, in der sich alte Nazis ungeniert breit machten und Spießer das Sagen hatten. ( … )

Inzwischen aber hat sich in Broders Kopf ein bemerkenswerter Wandel vollzogen. Es existiert ein weit über Broder hinausgehendes Phänomen, das der genaueren Untersuchung bedürfte. In den Jahren des Nationalsozialismus, aber auch schon davor, gab es unter jüdischen Intellektuellen eine Tendenz, mit der Linken zu sympathisieren, ja in kommunistische Parteien und andere Organisationen der Arbeiterbewegung einzutreten, weil diese die konsequentesten Gegner der Nazis waren und somit auch des Antisemitismus unverdächtig zu sein schienen. Als dann der lange verdrängte Antisemitismus in der Sowjetunion und - im Zusammenhang mit dem Rajk- oder dem Slánsky-Prozess - in deren Satellitenstaaten erkennbar wurde, als sich zudem im Kalten Krieg die ursprünglich positive Haltung der UdSSR gegenüber Israel zu einer antizionistischen Position umzukehren begann, gerieten viele von diesen Juden in einen Loyalitätskonflikt.

Solch einem Konflikt ist Broder offenbar erlegen, als er in seiner deutschen Umgebung den “linken Antisemitismus” zu entdecken meinte. Nun wäre es borniert, wollte man leugnen, dass es auch unter Linken antisemitische Ansichten und Äußerungen gibt. Aber für Broder wurden sie - ungeachtet des ungebrochenen Einflusses alter und neuer Nazis - zum zentralen Objekt seiner Angriffe. Als er dann bald zur Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus gelangte, war es nur noch ein kurzer Weg zum Vorwurf des “jüdischen Antisemitismus” gegenüber Juden, die seine Einschätzung der Politik Israels nicht teilten. ( … )

Aber warum muss die Ablehnung des Antizionismus einhergehen mit einer bedingungslosen Apologie des Kapitalismus, den Broder in seiner Jugend durchschaut hatte? Warum muss sie einhergehen mit der Befürwortung sozialer Kälte, dem Kotau vor den USA und der Hetze gegenüber dem Islam? Gewiss wurden diese Begleitmelodien nicht in Hinblick auf den Luwig-Börne-Preis intoniert. Aber sie dürften ganz wesentlich dazu beigetragen haben, die Zuneigung von Helmut Markwort zu erobern. Die Zuneigung des Focus-Chefs für einen Mitarbeiter des konkurrierenden Spiegel immerhin. ( … )

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KEIN SCHWEIN

Aus der Perspektive einer jüngeren Generation sah dies die Netzzeitung schon etwas gelangweilter:

Und auch in der Vision von einem Islam-beherrschten Europa der Zukunft fällt ihm außer den zu erwartenden Verboten von Schweinefleisch, Sexkinos und Bikinis nichts ein. Ja, der Islam, im Moment entzündet sich hier sein Furor. Eine seiner Lieblingsgeschichten: Britische Banken haben keine Sparschweine abgeschafft aus Rücksicht auf Moslems! Die Story, die 2005 durch englisch-sprachige Medien geisterte, war eine schlichte Ente, vom australischen Fernsehsender ABC längst enttarnt.

Broder hat damit auch das kommerzialisierte Weblog ‘Die Achse des Guten’ bestückt, das er mit dem Autorenteam Maxeiner & Miersch betreibt. Die Achse trägt akribisch zusammen, was die katastrophalen Folgen von Gutmenschentum und Political Correctness für die zivilisierte Welt beweist. Die wirklich «Guten» munitionieren sich hier für ihre Schriften. Aktivster Sammler: Hendryk M. Broder.

Lassen wir die mit allen Mitteln der gegenseitigen Verstänkerung betriebene Privatfehde zwischen dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier ( 1 , 2 , 3 ) und der Fraktion “PI- DADG- Broder” ( 1 , 2 - Nachdruck bezeichnenderweise in der WELT , 3 ) als Profilierungsduell beiseite .

Auf ästhetisch wie intellektuell höchst differenten Niveaus beobachten Seiten wie “Der Spieglefechter” ( “Rechtspopulisten unter sich” , “Tabubruch reloaded” oder Erhard Arendts “… selber schuld , wenn Sie so schreiben Henryk M. Broder !” Broders ( blog- ) publizistische Umtriebe . Auch Thomas Knüwer ist in anderem Zusammhang die “sinkende Schamgrenze” Broders aufgefallen .

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… UND DIE HEILIGE HILDEGARD ?

Hildegard von Bingen Liber Divinorum OperumWarum allerdings ein Publizist , dessen ( satirisch getarnten ) Tiraden regelmässig weit unter die Gürtellinie greifen - so wird aus Jürgen Todenhöfers Versuch , den Irak- als Angriffskrieg vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen bei Broder die “Achse des Guten“- Schlagzeile : “Hodentöter will es wissen” , Sefan Niggemeier wid abwechselnd als “Schweinchen Schlau” , “die Laus die brüllte” tituliert .

Warum ein Journalist , welcher derart regelmässig mit faulen Eiern wirft , ausgerechnet mit dem nach einer grossen Ethikerin und Heiligen benannten Preis ausgezeichnet werden sollt , ist kein , sondern nimmt Wunder .

Vielleicht lässt sich da nur in Hildegards eigenen Worten replizieren . In der Sammlung “Heilwissen” schreibt sie “Vom Wasser” :

… Sumpfwasser, wo auch immer auf der Erde es sei, ist ganz wie Gift; denn es hat in sich die werthlosen und schädlichen Feuchtigkeiten der Erde und den giftigen Geifer der Würmer. Dies ist ganz schlecht zum Trunk und überhaupt zum Gebrauch der Menschen und kann nur zum Waschen dienen, wenn man es hierzu nehmen muss. Wer es aber aus gänzlichem Mangel an anderm Wasser trinken will, muss es vorm Genuss erst kochen und dann abkühlen lassen;

P. S. Ob die Auspreisung etwas mit Broders jüngster Konversion zum Islam ( ! ) zu tun haben könnte ? - Weiss der Teufel !

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KLANGAPPARAT

Lange vernachlässigt , endlich wieder zurückgefunden : Das japanische Netlabel BUMP | FOOT ( dessen generischem Splitmodell seither viele czz-hoerempfehlunggefolgt sind ) bringt mit “Tuesday Morning Huricane” eine ebenso nachdenkliche wie kraftvolle Vexation in die tristen Kulissen dieser sommerlichen Regentage . Instrumental International für Fortgeschrittene - mit selten geglücktem Einsatz digitaler Streicher . Schöpfer dieser Sounds einer urban tristesse mit sanften Achtziger- Alusionen ist Jupiter Makes Me Scream aka Kafka aka Karolis Buržinskas aus Litauen , der - tröstlich genug - Musik auffasst als eine fortschreitend zu erkundende “science of soul” . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Alinai ( 3:16 ) | 02. Picture ( 2:03 ) | 03. Routine ( 3:28 ) | 04. Sunshine Radio ( 3:52 ) | 05. This Girl ( 2:24 ) |||

Salon Littéraire | Benedikt Ledebur : APHATISCHER MUSE REDE - Laudatio auf Brigitta Falkner



Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Benedikt Ledebur :

APHATISCHER MUSE REDE

Laudatio auf Brigitta Falkner anläßlich der Verleihung des österreichischen Förderungspreises für Literatur 2007 ( 11. 4. 2008 )

aphatischer muse rede
da pratermuschis eher
rar, DICHTERMÜH passé
satire - prüder schmäh
sprachs AUTRICHE MERDE
(spät sei der ruhm, ach)

aus: Brigitta Falkner, ABC, S.8,
heraus mit der sprache

Zwei Wege stehen offen, ein Werk und seine Autorin wirklich zu loben: entweder die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf einen Teil des Werks und zeigt durch genaue Analyse, daß, obwohl oder gerade weil der Interpretation genaue Grenzen gesetzt sind, ihr keine Grenzen gesetzt sind, oder sie weitet sich aus, versucht das ganze aufliegende Werk in den Blick zu bekommen, und zeigt durch angemessene Suchkriterien, wie das Finden bei einem solchen Angebot wenn, dann nur an der Nachfrage scheitern kann. Beide Wege leiden unter Mangelerscheinungen: der erste, weil er exemplarisch vorgeht, und, um die Fülle am Einzelnen zu zeigen, das Ganze, in das dieses eingebettet ist, ausblenden muß, der zweite, weil er einen grobmaschigen Filter voraussetzt, dem um des ganzen Willen viele Einzelheiten, und damit vielleicht auch das Wesentliche der einzelnen Stücke entgehen muß.

Angesichts der Arbeiten Brigitta Falkners habe ich mich für den zweiten Weg entschieden. Einer der Hauptgründe ist, daß viele davon aus Bild und Schrift bestehen. Über das, was sich (gleichzeitig) zeigen lässt, muß nicht viel und vor allem nichts Beschreibendes gesprochen werden. Aber nicht nur die Bilder und Layouts und wie sie von Falkner im Verhältnis zu den Schriftzeichen eingesetzt werden, fallen unter den Zeigemodus, sondern auch der Gebrauch der Schriftzeichen selbst. Die Weise, wie sie Falkner konkret werden lässt, und das heißt auch, auf das für die jeweilige Komposition Wesentliche reduziert, verweist Interpretation oft auf den Platz der Erläuterung, aber auf höflichste Weise, denn die Autorin macht diese Selbstbeschränkung dem Interpreten vor, indem ihre Arbeiten aufzeigen, wie rigoros sie sich selbst im Schaffensprozess ihren Konstruktionsprinzipien unterworfen hat. Dass es ihr damit ernst ist, zeigt sich, wenn sie in ihrem letzten Anagramm-Buch Bunte Tuben Conlon Nancarrow (1912-1997) zitiert, von dem es viele für menschliche Pianisten zu rasante Kompositionen für elektro-mechanische Selbstspielklaviere gibt: “Seit ich Musik schreibe, träume ich davon, die Interpreten loszuwerden.” In ihren Studien zum Anagramm Das Rosenbaertlein-Experiment kritisiert Renate Kühn die verkürzte Sichtweise, die mit dem Autor auch das schreibende Subjekt verabschieden will. Von Selbst geschehe gar nichts, und es sei ein Fehler, das Verfahren mit dem Schreibprozess zu verwechseln. Bei dem von Kühn initiierten und in Buchform publizierten Experiment, bei dem eine Gedichtzeile von Hans Arp zu anagrammieren war, hat neben Liesl Ujvary, Elfriede Czurda, Gerhard Rühm, Helmut Heissenbüttel und anderen auch Brigitta Falkner mitgemacht. Ihr Beitrag, der ein expressionistisch-surrealistisches Gelage vor dem Hintergrund einer schwarzen Messe evoziert, erzielt durch die Suggestion direkter Rede eine für ein solch formales Verfahren ungewöhnliche Dramatik, die mit ihrer Hintergründigkeit alle Arbeiten Falkners auszeichnet.

Als Orientierungshilfe soll Selbstbezüglichkeit die viel zu großen Schritte mitbestimmen, mit denen ich Falkners Arbeiten durchmesse, wie sie in den Einzelpublikationen ABC - Anagramme, Bildtexte, Comics (1992), Tobrevierschreiverbot: Palindrome (1998), Fabula Rasa oder Die methodische Schraube (2001) und Bunte Tuben: Anagramm (2004) vorliegen. Ich werde jene Stellen ansteuern, wo die Autorin über das Schreiben, über das Dichten spricht, bzw. ihre Haltung dazu besonders klar wird, und jene, wo sie sich selbst ins Bild bringt, die also in gewisser Hinsicht, z.B. in der Verwendung des eigenen Namens oder im Zeichnen bestimmter Züge, portraitierenden Charakter haben. Diese Orientierung ist nur bedingt hilfreich bei Schreibformen, die, wie das Palindrom, schon im Formalen ein hohes Maß von Selbstbezüglichkeit aufweisen. Streng-formale Verfahren stehen allgemein unter Verdacht, die auf Konventionalität beruhenden Bindungen des Signifikanten an das Signifikat zu lösen, und Texturen hervorzubringen, die sich in ihrer Konkretheit nur noch selbst repräsentieren. Aber gehen nicht auch die strengsten formalen Verfahren von Sprachmaterial aus, mit Sprachmaterial um, das durch Gebrauch und Definition hinsichtlich Bedeutung vorgeprägt ist?

Dieser Konkretheit mit Bedeutungslosigkeit verwechselnde Ansatz, den man leichthin den französischen nennen könnte und der seine surrealistischen und strukturalistischen Wurzeln nicht verleugnen kann, hat mit der Zeit im Literarischen eine gewisse ästhetische Schwäche zur Folge gehabt, nämlich jene, die dem Glauben entspringt, dass gedankenloses Anwenden eines Verfahrens schon zu gültigen Ergebnissen führt. Das Gegenteil davon und damit Sicherheit in ästhetischen Fragen und philosophischen Hintergründen führt, an semantisch selbstreferentiellen Stellen nachweisbar, Brigitta Falkner vor. Deswegen zeichnet ihre Arbeiten nicht nur höchste formale Konsequenz, sondern auch besondere Welthaltigkeit aus, erreicht mittels genauester syntaktischer Strukturierung. Die Satzzeichen sind in diesem Sinn konzentrierte Bedeutungsträger, und zwar in einem Maße, das die Alltagsprosa nicht kennt. Um tote Konventionen auszuhebeln und innere Zensuren zu umgehen, haben am Material haften bleibende Methodizität, wie sie die Oulipo-Bewegung propagierte, und assoziative Verfahren, wie sie die Surrealisten um Breton als écriture automatiqe, als “Denkdiktat ohne jede Kontrolle der Vernunft” praktizierten, ihre Berechtigung, und hatten sie im Literarischen vor allem, als Freuds Einsichten noch jung waren. Aber man sehe sich nur die rhetorische Sicherheit von Freuds Schriften an, oder wie stark das Denken, wie genau die Analysen der frühen Strukturalisten vom Schlag eines Jakobson oder Lévi-Strauss waren! Es verlangt genaues Arbeiten, damit die befreiende Wirkung von Tabubruch, Pointe und Ironie zum Tragen kommt, und dass die Achse der Selektion nicht zu vernachlässigen sei, gehört zu den strukturalistischen Grundeinsichten.

langsame_copyright_Brigitta_Falkner

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“das langsame verschwinden der buchstaben”, der Rebus gleich zu Beginn von Falkners ABC - Anagramme Bildtexte Comics, kann als paradigmatisch gelten, sowohl was die Verschränkung von Bild und Schrift betrifft, als auch in seiner Selbstbezüglichkeit, denn was gesagt wird, wird auch gezeigt. Dabei handelt es sich um zwei Arten von Verschwinden: jene Buchstaben, die durch die Piktogramme, bzw. Teile ihrer Benennung ersetzt werden, also wirklich nicht am Blatt stehen, und jene, die man sich von den Benennungen wegdenken muß, um die Botschaft zu decodieren, und die, wenn auch durchgestrichen, am Blatt stehen. Und damit sind auch gleich die zwei Orte miteinander ins Spiel gebracht, an denen Buchstaben verschwinden können, nämlich der, wo sie stehen, und der, wo sie gedacht werden.

Das auf den Rebus folgende heraus mit der sprache ist meines Wissens Falkners erstes Anagrammgedicht. Aus ihm stammt das Eingangszitat, das mir auch den Titel zur Laudatio geliefert hat. Da Anagrammieren zu den Techniken des Dichtens gehört, kann man “DICHTERMÜH passé” natürlich als Zweifel am eigenen Tun lesen; aber -wie ja auch das ironische “spät sei der ruhm, ach” zeigt - hält die Autorin damit zum Pathos sprachgläubiger Lyriker Distanz. Der programmatische aber zweideutige Titel des Gedichts - “heraus” kann ja, denkt man sich selbst dort, wo die Sprache sitzt, sowohl als “weg” wie “her mit ihr” verstanden werden, läßt an den Titel eines Leitartikels der Revolution surréaliste denken, der wahrscheinlich von Antonin Artaud stammt. Die ablehnende Haltung der Surrealisten gegenüber literarischem Gewäsch ist ja bekannt. Aphasie schließlich ist die radikalste Art des Verschwindens von Sprache, von der sich vor allem Linguisten Einsichten in ihre Natur erhoffen . Jakobson in Kindersprache, Aphasie und allgemeine Lautgesetze :

Für den Linguisten, der sich mit dem Entfaltetsein des Sprachgebildes befaßt, muß auch seine Geburt und sein Absterben viel Lehrreiches bieten.

Die Rede einer aphatischen Muse wird also unter Sprachschwund leiden, und das muß, wenn man die Aufgabe der Musen darin sieht, Dichtende zum sprechen zu bringen, keinen Schaden bedeuten. Unterstellt man Falkners Gedichtzeile aber die rhetorische Figur der Synchisis, also der absichtlichen Verwirrung der Wortstellung, könnte man aphatisch auch der rede zuschlagen, es wäre also die Muse jener gemeint, die mit beschränktem Sprachmaterial nach Ausdruck suchen.

In kein sterbenswörtchen, dem längsten Anagramm aus ABC (19 Seiten), das die Ausgangszeile (den Titel) nicht nur in seiner buchstäblichen Zusammensetzung anagrammiert, sondern auch in seiner Bedeutung konterkariert, entwickelt Falkner dann mit viel direkter Rede - “he wirt! -sekt!” - und aus dem Genre Filmskript entlehnten Anweisungen für Kameraführung und Bildaufbau (”schwenk, [...], schnitt [...], wink-scene” ) die schon hervorgehobene, für ein Anagramm überraschende Dramatik. Dramatis personae sind neben werner, weber und erwin unter anderem rektor bense, der auch als wetterkoch auftritt (die Anspielungen auf den Düsseldorfer Theoretiker Max Bense, der die Hintergründe der Dichtung mathematisch aufzuarbeiten suchte, sind zahlreich: “winke, benses rechner tot! -”), und als Vertretung der Dichtung selbst, neben den Nebendarstellern schwitters und serner, benn, der natürlich einiges über sich ergehen lassen muß und sogar als schwester benn auftritt:

[...] er winkt: schöne
erektion! - schwester benn
nickt: “sehenswert.” bon! er
sekretiert. wer noch? benns
wecker steht. [...]

Die Verläufe entwickeln sich dank Enjambements ungehindert durch die anagrammatischen Einheiten, weil also kurze Sätze die Zeilenenden überlappen. Auch Binnenreime helfen im Formalen dem Fortgang, und im Semantischen der Einsatz von Homonymen, das heißt: gleicher Klang - verschiedene Bedeutung, an denen sich die Verläufe gabeln und quasi parallel laufen können (”kennwort, keen wort”, oder als aufgelöste mehrdeutigkeit: “wecken: iss!’” ). Daß es ad infinitum weiterlaufen könnte, suggeriert das hinsichtlich des anagrammierten Titels kein sterbenswörtchen paradoxe Anagramm, indem es wie zufällig mitten in einem Satz endet:

[…] werner steht
neben erwin: tok! (sechster
sinn?) er weckt bense. hört
er benns “herein!”? wo steckt -

Im ABC finden sich unter den Titeln word5/wechseln I und word5 / wechseln II, zwei doppelseitige Bildtexte, die in Fabula rasa in anderem Format und mit den die Codierungsmethode kaschierenderen Titel Schmutzige Tricks I & II wiederkehren. Falkner macht sich hier die Ersetzen-Funktion des Textverarbeitungsprogramms zunutze, um den Text, quasi als forciertes Lipogramm, zu verfremden und so den Zusammenhang von Bildgestik und Schriftzeichenstruktur einem Experiment zu unterziehen. Dazu die Autorin selbst:

Das ikonographische Szenario des Film Noir liefert die Vorlage für den Genre-Comic [...] Im Off-Kommentar findet das Licht- und Schattenspiel des Film Noir als zwielichtige Kunstsprache, eine nach den Regeln eines einfachen Chiffrierverfahrens (Substitution) generierte Pseudosprache, changierend zwischen Klartext und Chiffretext, seine lautliche Entsprechung: Etfusch ffiff tulk tii Luft umt tluf mik um Kimtelkuff.

Ich übersetze: Etwas pfiff durch die Luft und traf mich am Hinterkopf.

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Im Bildtext BILDE DEBIL … in dessen Bildteil eine schöpferische Hand, die à la Blumenberg die Lesbarkeit der Welt voraussetzt, in diese schreibt, während zwei Figuren, die in ihr zu leben haben, sich beschwingt aus dem Bild fortstehlen zu wollen scheinen, ist eine anagrammatische Ästhetica in nuce gegeben. Die letzte Zeile REGEL LEGER bildet den symmetrischen Sonderfall des Anagramms, ein Palindrom, von dem sich noch zwei bzw. drei weitere in ABC finden, und dem das ganze nächste Buch der Autorin, Tobrevierschreiverbot, gewidmet ist.

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Zuvor aber noch zur letzten Gattung von ABC, dem Comic. In Brigitta Falkner, ein Anagramm-Comix, ist der eigene Name, platziert wie die Autorenangabe, die Anfangszeile des Anagramms, das damit an die Tradition der Renaissance anknüpft, in der Anagramme überhaupt nur aus Namen gebildet wurden, um mit daraus permutierten gefälligen Aussagen deren Trägern zu huldigen. Den modernistischen Kontrapunkt dazu bildet die Verteilung des Anagramms über ein Comic, in dem sich Anagrammeinheit und Panel entsprechen. Hier tritt wieder La Révolution surréaliste ins Bild, in deren Nummer 12, Dezember 1929, René Magritte den Bildtext LES MOTS ET LES IMAGES veröffentlicht, in dem sich Magritte eben in Bild und Text auseinandersetzt, in welchem Verhältnis diese zueinander und zur Wirklichkeit stehen können:

Manchmal vertritt der Name eines Gegenstandes ein Bild [...] Ein Wort kann in der Realität den Platz eines Gegenstands einnehmen [...] Ein Bild kann in einem Satz den Platz eines Wortes einnehmen [...] Ein Gegenstand leistet nie das gleiche wie sein Name oder sein Bild [...].

Eine Paraphrase bzw. ein Paraimage auf Magrittes berühmtes Bild “Ceci n’est pas une pipe” findet sich in Falkners Anagrammcomics, und in zumindest drei Panels lässt sich, weil mit Brille, ein Selbstbildnis identifizieren: “Fan: Klar Brigitte!”

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Die Symmetrie, wie sie in den palindromischen Kompositionen von Tobrevierschreiverbot zum Tragen kommt (auch sie gehen dort - siehe Aha Poesie - über viele Seiten), demonstriert das doppelte UHU auf den Sportdressen im ersten Bild sehr deutlich. Die Symmetrieachse läuft zwischen ihnen. Auch Rektor Bense darf noch einmal auftreten, denn Symmetrien verfügen über Eigenschaften der mathematischen Gruppe, deren erste lautet: “Jede Verknüpfung zweier Elemente gehört selbst zur Gruppe”. (Diese mathematische Eigenschaft wird auch Abgeschlossenheit genannt.) So wie das Schriftbild von UHU symmetrisch (und ein Palindrom) ist, ist auch zwei mal UHU symmetrisch, bei dreimal bildet H die Symmetrieachse etc. Wenn die einzelnen Symmetrien aus den gleichen Elementen bestehen, kann man sie einfach sukzessive aneinanderreihen, damit eine neue Symmetrie entsteht.

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Das ist nicht der Fall, wenn sie, wie bei Sei fies - Tu erfreut, aus verschiedenen Elementen, sprich Buchstaben bestehen. Zwar bildet das f jeweils die symmetrische Achse - ein poetischer Zusatzgewinn - doch müsste man die symmetrischen Flügel von der Achse trennen, und rechts und links von der ersten Symmetrie anordnen, damit wieder eine Symmetrie entstünde; der semantische Gehalt ginge auf diese Weise verloren.

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Jedoch ist so die Methode des palindromischen Komponierens beschrieben, von einem Kern ausgehend wird sowohl am Anfang wie am Ende angefügt, damit die symmetrische Struktur entsteht, also nicht lineares oder sequentielles Denken, das vom Anfang bis zum Ende abläuft, sondern paralleles Denken, das von einer Mitte ausgeht. Eines meiner Lieblingspalindrome aus Tobrevierschreiverbot ist Eine Gehung, dem ein fokussiertes Foto der Rücken Rudolf Augsteins und Martin Heideggers, die gemeinsam einen Feldweg entlanggehen, gegenübergestellt ist.

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EINE GEHUNG

“… Nun? Nisch, Rudi?”
“Durchaus!”
“Eidos …”
“Nee: die Grosslage …”
“Wesen…”
“Ego…”
“Geschick …”
(Echo)
“Leben! O genau! Ach …”
So-Gesetztes.”
“Wahrung.”
“Nun …”
“Hä? Weg als nie-so.”
“Geh …”
“Ei, Seins-Sorge ist Sinn …”
“Ad rem …”
“… mir immer dann …”
“Ist sie gross?”
“Nie. Sieh …”
“Ego?”
“Seins-Lage. Wähnung nur.”
“Ha! Wo …”
“Gesetztes Ego.”
“Schau an! Ego? (Nebel) O check ich’s?”
“Ego-Genese. Weg als Sorge.”
“Ideen & so?”
“Dies auch, Rudi. Durch-Sinnung. Nu?”
“He! Genie …”

Die letzte Zeile, die von hinten gelesen zum Titelanfang führt, kann als berechtigtes Selbstlob gelesen werden. Und Anfang und Ende sind hier nicht metaphysisch aufgeladen, im Gegenteil: Falkner zeigt, dass, einen Sprachduktus (z.B. einen Jargon, der mit dem Wesen seinen Staat zu machen sucht) auf das Wesentliche zu reduzieren, auch heissen kann, ihn zu entlarven, d.h. seine Substanzlosigkeit zum Vorschein zu bringen. Aber was heisst hier “auf das Wesentliche”? Es wird nach anderen Kriterien, nämlich im Hinblick auf das zu bildende Palindrom, reduziert, und damit wird gezeigt, dass methodische Reduktion im Wesentlichen genügt, um Substanzlosigkeit freizulegen, bzw. jene Keime, die auf einen faulen Kern schließen lassen.

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“Zufall - gabs das?” hub Paul zum Klugschwatz an, “Zufall, Ahnung und Wahrtraum, sagt Gustav Jung -” / : just da …

Fabula rasa eröffnet mit dem Lipogramm Au! Die methodische Schraube. Lipogramme definieren sich dadurch, dass sie den verwendeten Wortschatz gemäß einer bestimmen Lautauswahl beschränken. Bei Brigitta Falkner wird diese Methode natürlich im Lipogramm selbst reflektiert: “… als Karl akkurat zu Ruth trat, Ruths Hand nahm (”Darf man?”) - - schnurgrad zum Punkt kam und kundtat, was alsbald (nach Karls Handkuß) als ‘Abmachung’ und Lautaussparungsgrundsatz galt …” Dazu die Fußnote, in der dieser Grundsatz nicht gilt: “Dieser Text basiert auf Karls Lautaussparungsgrundsatz, demzufolge ausschließlich die Vokale ‘A’ und ‘U’ verwendet werden dürfen.” Damit ist schon ein Teil der Textstruktur angesprochen, deren Panels sich vom schwarzen Hintergrund abheben. Am oberen Rand des Panels zeigt sich bei Bedarf ein Textfeld mit Schatteneffekt, in dem der Lautaussparungsgrundsatz gilt und wo die Ent- und Verwicklungen der Dreiecksgeschichte zwischen Paul, Karl und Ruth kommentiert, unter Umständen beschleunigt werden.

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Die typographischen Effekte von Groß- und Größtschreibung, Fett-, Kursiv- und Gesperrt-Setzung werden gezielt eingesetzt, Bilder kommen nur ganz sporadisch und als Abbildung gekennzeichnet vor. Neben grammatikalischen Schwergewichten wie Infinitiv fallen bei diesem Lipogramm so viele wichtige Bezeichnungen flach, daß, wie die Autorin selbst schreibt:

… der gewaltige Aufwand, mit dem hier Strategien zur Vermeidung von Regelverletzungen entwickelt werden, im grotesken Mißverhältnis zum oft läppischen Anlaß steht.

Einfache Beispiele für Transformationen: schnell wird zu flugs, Wein wird zu Purpursaft aus Burgund, Wasser zu Aqua pur, eins zu acht durch acht. Anders als der Anagrammtext ermöglicht die Textsorte Lipogramm- mit Fußnote! - das Zitat, und die Belesenheit Brigitta Falkners macht davon ausgiebig und in wirklich witzigen Assoziationen Gebrauch. Ich bringe nur eine Auswahl von Namen und Titel, die für Zitate und Anspielungen stehen: Krazy Kat, Mc Luhan, Lewis Caroll, Kafka, Lichtenberg, Abraham a Santa Clara, Aristophanes’ Die Frösche , Lenins “Was Tun?”, R. Queneaus Hundszahn, Schopenhauers Hund Buz, Swifts Gullivers Reisen, Grimms Wörterbuch, Havliks Lexikon der Onomatopöien, was den Film betrifft: Bressons “Balthazar au hasard” über einen geschundenen Esel, Lubitschs That Uncertain Feeling, Star Trek oder die Simpsons, aus Musik die Meistersinger von Nürnberg, aus der Werbung z.B.: “Durst macht Spaß”. Das Zitieren des Lipogramms selbst darf bei dem hohen Maß an Reflexivität nicht fehlen, und da die Panels durchnummeriert sind, können sie sich explizit aufeinander beziehen. Auch auf eigene frühere Methoden wird Bezug genommen, und da Verwicklung und Platztausch oft so schnell vor sich gehen, ist z.B. nicht gleich klar, wer da

… Hans Sachs aufschlug und - Zufall? Kabbala? - stracks das Anagramm aus Suada fand: “Du Aas …” -

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In Prinzip i wird die lipogrammatische Methode monovokalisch verschärft, dafür tritt zur Schrift wieder das Bild, in suggestiver Umrahmung eines fortlaufenden Filmbandes, wobei die meiste Schrift als Subtext unter den Bildfenstern steht, kommentierend “Birgit tritt ins Bild.” oder Dialoge wiedergebend:

“Spritzig ist wichtig!” spricht Sissi hitzig. Willi wird wild. Willi spricht im Infinitiv. “Infinitiv gilt nicht!” schimpft Sissi. Willis Blick wird grimmig. Stimmt: Prinzip i.

Nur drei mal wird die Bildfolge und auch das Prinzip durch Einschübe von der Breite einer Seite unterbrochen: durch eine Frage Philip K. Dicks: “Können wir das Universum als real betrachten, und wenn ja, inwiefern?”, durch eine eingeschobene Erklärung über Pidgin-English und eine Bezeichnung Prince Charles “fella belong Mrs. Quenn”, und durch einen Gedanken des Logikers Gottlob Frege:

Kein Ungedanke wird durch Verneinen zum Gedanken, so wie kein Gedanke durch Verneinen zum Ungedanken wird.

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Falkner beweist, daß Monovokalismus nicht daran hindert, aufgeblasene philosophische Diskurse durch den Kakao zu ziehen:

Grinzing. Sinn wird Irrsinn, nichtig wird / wichtig; Willi spricht, Sissi trinkt, schlicht / wird diffizil. Witz wird Irrwitz, himmlisch / wird irdisch, Sissi wird schwindlig … // “… in sich stimmig, hinsichtlich Nichts ist / Nicht-nichts wirklich, sprich: sichtlich / nicht wirklich wirklich, mithin sinnwidrig / richtig, irrsinnig diffizil im Hinblick…” // Willi spricht, Willi trinkt. Hirnrissig wird / richtig, schlimm wird schicklich, fiktiv /wird wirklich … // Ist Willis Irrsinn klinisch? sinnt Sissi. // Spinnt Willi schlicht?

Die Kategoriensprünge und grammatikalischen Nivellierungen wie in: “himmlisch wird irdisch - Sissi wird schwindlig”, die in den Texten Brigitta Falkners ständig stattfinden, sind mitverantwortlich für ihren Witz und Teil der Strategie, formale Eigenschaften und referentielle Bezüge so lange auf die Spitze zu treiben, bis sie ineinander überzugehen scheinen.

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Der Titel des zuletzt erschienenen, vierzigseitigen Anagramms Brigitta Falkners Bunte Tuben hat sich von den 21 (bzw. mit aufgelösten Umlauten 23) Zeichen der Anfangszeile losgemacht und führt die Methode exemplarisch vor. Dass sich der Tuben-Code nicht auf bunte Deco beschränken wird, lässt schon die Beiläufigkeit und das offene Ende der Anfangszeile vermuten: “Zwo Stündchen brüten: die”, die schwerlich am historischen Anfang des anagrammierenden Prozesses gestanden haben wird. Nichts entkommt dem satirischen Biss, den Brigitta Falkner in dieser philosophischen Erzählung mit kriminalistischer Allegorisierung entwickelt, Denken wie Dichten wenden “uns den Uni-Wertesten zu”. Die Heuristik dieses intelligenten Permutierens ist schwer zu fassen. Aber diese muss es geben, denn mit 23! (Faktoriell, also 23mal22mal21mal … mal2) als Anzahl der Möglichkeiten lässt sich mit Selektion allein nichts mehr erzählen. Auch über diesbezügliche mögliche Antworten macht sich die Autorin lustig, schon gar wenn sie inspirativ ins Religiös-Metaphysische abheben:

O ZEICHEN & WUNDER! Betstunde / beendet! - (”Doch zuerst nun …” wie / ein Buch - zwo Stunden - redete / er! (wuszten ein Buch-Ende: TOD!)): / “- Codes werden zu Buntheiten, / bunt zu deren Wesenheit & Code!”

Studenten, Dozenten, Dichter, Editoren, Burschen, Brünette und die Neue , die das universitäre System irritiert:

scheu bittend der Neuen zwo / Wörtchen zusende, die bunt / wuchernde Tubenzone: id est / Witzebene (unterdes du noch / ‘Werde-Uni-Dozentchen’ übst) / nun suchend betrete, die zwo / Tuben sehe, Witz-Decoder nun / bedienend - [...]

Im Vergleich zu früheren Anagrammen haben sich vor allem die Eigennamen verabschiedet, die Ironie ist begrifflicher, der Witz noch trockener geworden.

Liebe zum konkreten Wissen, also philosophische Tiefe im wahrsten Sinne des Wortes, ist allen Arbeiten Brigitta Falkners eingeschrieben. Ihr spezielles Wissen um die Funktion des Formalen und daß nicht die Beschränkungen der Methode, sondern entweder Methodenlosigkeit oder Beschränkung auf die Methode Beliebigkeit erzeugt, macht die Genauigkeit, mit der ihre Bezugsysteme und Geschichten konstruiert sind, mit der von Kalkülen vergleichbar. In diesem Sinn bekommen Stellen, die man in der dramatischen Entwicklung des Textes als gnadenloses Abkanzeln eigener Figuren liest, allgemeingültigen literaturkritischen Charakter; nocheinmal aus dem Lipogramm Au!:

… fad und abundant fand Urs Babs’ Lautsalat, bar Anfang und Schluß; das Drama summa summarum zu lang: am Blatt zu unscharf und blaß, nur Anflug, Hauch, Schraffur -, als Schwank zu schmuck und glatt, als Stand-Up-Drama zu schlapp und flau (als Traktat zu prall und bunt); als ‘Hausfrau-zuckt-aus-und-murkst-Mann-ab’-Saga zu schwatzhaft und kraus (und als Rundfunkdrama zu gaga), zu abstrus und halbgar war Babs’ Suada…

Kalkülen, denen, wie wir seit Scheitern des Hilbert-Programmes wissen, ja auch im Formalisierbaren Grenzen gesetzt sind, fehlt als reinen Konstrukten der Witz der Anwendung. Dieser ist den Arbeiten Falkners inhärent, im Wissen um die Geschichte und Transformierbarkeit des verwendeten Materials und im Gegeneinander Ausspielen der verwendeten Medien und angenommenen Bedeutungen. Zu den wahren Prinzipien des Gestaltens zählt neben der Ökonomie, nicht mehr zu benützen als für die gewählten Zwecke notwendig ist, eben zu wissen, wie die Zwecke so in Schach gehalten werden können, dass sich zeigt, wie Codierungen funktionieren. Diese Prinzipien setzen sich bei Brigitta Falkner nicht nur mithilfe ihrer elementaren Methoden bis ins kleinste Detail durch, von der Interpunktion bis zum unscheinbarsten, locker gesetzten Strich; diese zum Gelingen führenden Prinzipien ziehen sich auch durch alle von Falkner eingesetzten Verwendungsarten von Sprache, ganz im Sinne von Wittgensteins Es gibt keine Metasprache, Fußnoten miteingeschlossen (1).

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(1) Siehe die dem Anagramm entsprechende Fußnote in Bunte Tuben, 2004, S.81: ” … Er schwebt: ‘Die Oden …‘ Unten zu / den Netz-Buchsen deute, worin / Dioden wesen. Buch zu. Netter / Wunsch. Deute: Interzone …” (ebd.)”

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Benedikt Ledebur

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Brigitta Falkner

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NEUES VON FREUNDEN



||| PREISE IM KREISE & WEITERES LESEN | OFF ROAD : “TRACKER- DOG” | AUSSTELLUNG “MATRIX” | KULTURWISSENSCHAFTEN : THE GREAT WAR | KULTURWISSENSCHAFTEN : “TRAFIK” | KLANGAPPARAT

TRACKER DOG ( Aktion “TRACKER- DOG”)

PREISE IM KREISE & WEITERES LESEN

czz neues von freundenMit Jubel und Trubel dem erhebenden Pfingstfest hinterher : Beim Meraner Lyrikpreis hat die hier wohlbekannte “telefontext“- und “Literatur als Radiokunst“- Autorin Monika Rinck am Samstag den zweiten Rang errungen !

Unter den Texten der neun zur Face- to- Face- Lesung eingeladenen Finalistinnen | Finanllisten wurden vier mit Preisen bedacht : Den Lyrikpreis Meran der Südtiroler Landesregierung ( 8.000 Euro ) erhielt Martina Hefter , Monika Rinck wurde als Numero Zwei mit dem “Alfred Gruber Preis der Stiftung Südtiroler Sparkasse” ( 3.500 Euro ) bedacht . Die vielfach ausgezeichnete Lyrikerin Uljana Wolf konnte als Numero drei den Medienpreis des RAI-Senders Bozen ( 2.500 Euro ) für sich verbuchen .

Wir gratulieren wie stets in in|ad|ae|qu|ater Manier und freuen uns bereits auf die Lesung , die Monika Rinck am 17. 6. in Wiens Literarischem Quartier Alte Schmiede aus ihrem jüngsten Gedichtband “Zum Fernbleiben der Umarmung” ( kookbooks 2007 ) geben wird . ( 20:00 Uhr ) |||

Mit Ann Cotten tritt eine weitere Preistragende , ihres Zeichens ebenfalls “LARK“- Autorin und Gast des “Salon Littéraire” auf den Plan . Wie angekündigt , wird sie heute das George Saiko- Reisestipendium im Rahmen einer kleinen Zeremonie im Literatursalon der Östereichischen Nationalbibliothek entgegen nehmen . Es laudotioniert Wendelin Schmidt- Dengler , es liest die Preisträgerin ( Oratorium , 19 Uhr , N. B. : warm anziehen !)

Die Autorin wird dann wieder am 24. 6. in Wien im Kontext eines zweisprachigen Dichter- und Übersetzerworkshops “Türkei - Österreich” im Literarischen Quartier zu hören sein : Zusammen mit u. a. Anja Utler , Lisa Spalt und Texten wie dem hier im “Salon” bereits vorgestellten Ömer Sisman ( in der Übertragung von Sara Heigl ) . in|ad|ae|qu|at und “Salon” werden sich beizeiten allerdings noch ankündigend und textvorstellend türkisch - deutsch zu Thema und Veranstaltung melden .

Von der jungen und “transdisziplinären” Literaturgruppe “WORTWERFT” ging in diesem Medium bereits die Rede gewesen , speziell von Maria Seisenbacher : Die Autorin führt morgen im Literarischen Quartier ihre Texte “pur” vor , ganz ohne die @ “Wortwerft” sonst üblichen musikalisch- visuellen Surroundings . ( 19:00 Uhr ) |||

OFF ROAD : “TRACKER- DOG”

czz neues von freundenWer die Wochenenden die Stadt und den Trubel der Festwochen und für einen hellen Tag lang der eigenen Entscheidungsfreiheit entfliehen will , kann in Niederösterreichs Mostviertel nicht nur auf seine Kunst- und Natur- Rechnung kommen , sondern buchstäblich auch auf den Hund : Ganz ohne doppelten Boden und Fakes und Finten läuft dort an sämtlichen Mai- Wochenenden das Projekt “TRACKER- DOG” des Theatervereins “meyerhold ultd.” ( siehe Titelbild ) : Renate Pittroff hat sich einen sportlichen Um- Gang im Schnittpunkt von “Land Art” und Soziokultur ausgedacht und dafür eine Runde zuverlässiger Hunde engagiert . Wir , das p. t. Publikum müssen nur noch zugreifen ( nämlich deren Leinen ) und uns vom Hundetier durch die liebliche Landschaft geleiten lassen . Allerdings geschieht dies nicht unbeobachtet : Ausgestattet mit einem GPS- Sender im Hunde- Halsband , wird unsere jeweilige Tour akkurat aufgezeichnet und schliesslich zusammenfassend kartiert . - “Ein Hund , sein Mensch , ein Sender ; klare Verhältnisse also .” - Ein Buch ( “Anleitung zum Schnüffeln” ) wird am 4. Juli die Resultate im Stadtmuseum St. Pölten dokumentieren : Auf dass wir auch zukünftig unsere Wege ganz ohne Führung und der eigenen Nase nach finden ! - Nächste Termine : Samstag und Sonntag , 17. / 18. 5. , 3300 Ardagger , MostBirnHaus , Ardagger Stift 9 , ab 10:00 Uhr . |||

AUSSTELLUNG “MATRIX : Geschlechter | Verhältnisse | Revisionen”

czz neues von freundenDa jetzt soviel von Damen die Rede war und von “Kunst” und dem fragwürdigen Begriff der “Natur” sei auch gleich auf die exzeptionelle Exhibition des “Museums auf Abruf” ( MUSA ) hingewiesen : “MATRIX : Geschlechter | Verhältnisse | Revisionen” zeigt ( noch bis 7. 6. ) Positionen von rund 40 KünstlerInnen aus den letzten vier Jahrzehnten werden im Hinblick auf Geschlechter / Verhältnisse . Das “Gender”- Thema wird dabei allerdings nicht auf die feministische Frage reduziert ( siehe den ausgezeichneten NZZ- Bericht über die New Yorker Ausstellung “WACK ! Art and the Feminist Revolution” ) , sondern es kommen beide Geschlechter in ihren Inszenierungen bzw. deren Reflexion in künstlerischen Selbstdarstellungen in Betracht . Zu sehen sind Werke u. a. von a room of one’s own , Andy Chicken , Carla Degenhardt , Ines Doujak , VALIE EXPORT , Oliver Hangl , Matthias Herrmann , Edgar Honetschläger , Birgit Jürgenssen , Elke Krystufek , Friedl Kubelka , Marc Mer , Lois Renner , Hans Scheirl , Christoph Schmidberger , Stefanie Seibold und Magda Tothova . |||

KULTURWISSENSCHAFTEN : THE GREAT WAR

czz neues von freundenAm Mittwoch , den 15. Mai gitbt es im “Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften” ( IFK ) ein internationales Panel zu dem auch weiterhin noch immer nicht in allen Aspekten ausgeloteten Thema des “Ersten Weltkriegs” und dessen Einflüssen | Auswirkungen auf die anhebende Moderne :

The First World War left millions - civilians and soldiers - maimed or dead. In its wake, empires toppled, monarchies fell, whole populations lost their national identities as political systems, and geographic boundaries realigned. Manners, mores, codes of behavior, literature and the arts, education and class distinctions - all underwent a radical change. Internationally renowned scholars will discuss present and future research approaches for the cultural history of the First World War.

Zum Thema “Cultural history of the Great War - new venues for research” , gibt es Impulsreferate von Michael Geyer ( University of Chicago ) , Jay Winter ( Yale University ) , Kommentare von Bernd Hüppauf ( New York University ) und Gerhard Hirschfeld ( Universität Stuttgart ) , die Moderation übernimmt Helmut Konrad ( Universität Graz ) . Reichsratsstrasse 17 , 18:00 - 20:00 Uhr . |||

KULTURWISSENSCHAFTEN : “TRAFIK”

czz neues von freundenUnter dem mehrdeutigen Titel “TRAFIK” ( Wiener Arbeitsgespräche zur Kulturwissenschaft ) startet am 16. 5. ein vieldeutiger und ungewöhnlicher Eröffnungsworkshop . Langfristig soll es , etwa zweimal pro Jahr ,

in Wien gelingen, WissenschaftshistorikerInnen, Kultur- und MedienwissenschaftlerInnen und verwandte InteressentInnen aus den verschiedensten Institutionen an wechselnden Orten in der Stadt zur TRAFIK zu versammeln, um gemeinsam über grundlegende Fragen der gemeinsamen Arbeit zu diskutieren.

Der Starttermim am Donnerstag ( merke : 14:00 - 20:00 Uhr ) wird auf sympathische Weise konkret , indem man - unter Mitwirkung des Saalpublikums - von ganz konkreten Gegenständen handelt . Kurz : Wir sind eingeladen , “einen Gegenstand mitzubringen , der – klein genug , um in einer Zigarettenschachtel [ ! ] Platz zu finden – den Raum der jeweils eigenen Forschung informiert, organisiert , infiziert , strukturiert” . Was wäre dies im Bezug auf das Projekt “in|ad|ae|qu|at” ?! - Eine Maus oder gleich die unzähligen , während der nächtlichen Abfassung der Postings verrauchten Zigarretten selber ?!

Den Auftakt der TRAFIK 01 bildet eine Einführung der Initiatoren in aktuellen Debatten um die materielle Kultur der Wissenschaften. Im
Hauptteil der Veranstaltung sollen die Dinge gleichsam selbst zu Wort kommen. Wir werden die Dinge auf mehreren Labor/Ausstellungs-Tischen anordnen, umsortieren, klassifizieren. Jeder Teilnehmer sollte seinen Gegenstand kurz vorstellen (5-7 min) und dazu beitragen, ihn gemeinsam mit den Gegenständen und Geschichten der anderen in möglichst einleuchtende/überraschende/verstörende Zusammenhänge zu bringen. Es geht also nicht um klassische Referate, sondern darum, gemeinsam und mit den Dingen zu argumentieren und diskutieren.

Intiitert und begleitet wird diese Initial- “TRAFIK” von Thomas Brandstetter , Karin Harrasser , Benjamin Steininger und Christina Wessely . Keynote und Résumée von Joseph Vogl . Ort : 1050 , Werkzeug H , Schönbrunnerstr. 61 , 14.00 bis 20.00 Uhr . |||

KLANGAPPARAT

Den Preisen gemäss fröhliche Töne wollen wir heute mit der emtzückenden EP “Music For Grassbar II” des in Paris lebenden Dub- Meisters Roots czz hörempfehlungIsta Posse ( MySpace ) anschlagen : Der Hüpfer in den falschen Mon- und frischen Maientag aus dem Haus des sympathischen Crossover- Netlabels Fresh Poulp ( MySpace ) aus Orléans . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. 513 JahStreet Dub | 02. Burn Mi Dub | 03. Roots Rockers Dub | 04. Brung Di Kutchee Dub |||

Gütiger Grimme 08 : Die Nominierungen



||| LOOK BACK IN ANGER - RESET | MENÜ 1 : INFORMATION | MENÜ 2 : WISSEN UND BILDUNG | MENÜ 3 : KULTUR UND UNTERHALTUNG | MENÜ 4 : SPEZIAL | KOCHREZEPT : STATEMENT DER NOMINIERUNGSKOMMISSION | FAZIT | KLANGAPPARAT

LOOK BACK IN ANGER - RESET

grimme online award nominiert 2008Goldes Wert wieder einmal die Grimme- Online- Award- Nominierungen : Nach einigem Ingrimm im Vorjahr über Inzüchteleien zwischen Juroren und Bewerbern an der Heimfront sowie über brutales Buhlen einzelner Content- Anbieter um die Publikumspreisgunst durfte man anno 2008 mit einem förmlichen Reset rechnen .

Manches mag allerdings eher darauf hindeuten , dass die Nominées schön gleichmässig nach Opportunitäten ausgewählt wurden : jeder Ziel- Rand- und Mittelgruppe ihr Töpfchen unters Deckelchen . Die “Best of the Blogs” sind in noch frischer Erinnerung ….

Was die Nominierungskommission heroisch aus “fast 1.900 Vorschlägen von Anbietern und Internetnutzern … ausgewählt” hat , auf dass das p. t. Publikum “bei unserem Medienpartner TV Spielfilm aus den nominierten Websites Ihren Favoriten für den Publikumspreis … auswähle” , ist grösstenteils nicht eben von schlechten medialen und finaziell unterbutternden Eltern .

Nun kann der Run auf das , was schon gestalterisch gut und teuer ist bzw. mit ideellem oder humanitärem Mehrwert ( de facto : ehrbar , aber chancenlos ) glänzt , losgehen . “Vox populi vox Mitmach” mag sich bis 8. 6. , 24.00 Uhr melden . |||

MENÜ 1 : INFORMATION

grimme online award nominiert 2008

MENÜ 2 : WISSEN UND BILDUNG

grimme online award nominiert 2008

  • einestages ( direkt ) - Mitmach- Geschichte von SPIEGEL ONLINE : Oral History im Zeitalter der elektronischen Diffundierung . Und Der Spiegel grinst
  • kids-hotline ( direkt ) - Jugend Counceling online : Man kennt ja die Probleme …
  • Kinder-Reiseführer ( direkt ) - bestens alimentiert vom SWR Kindernetz . Keine Kunst : Kinder ( und Tiere ) wirken im Journalismus immer .
  • neuneinhalb ( direkt ) - diesmal ein WDR- Angebot , Stichwort “Medienkompetenz” für Kinder und Jugendliche , Webseite zur gleichnamigen FS- Sendung . ÖR- Anbieter Numero Zwei unter insgesamt Vier : Teil eines insgesamt massiven medienpolitischen Statements im Hinblick auf die hysterische Debatte um öffentlich- rechtliche Expansionen im Netz .
  • Weltreligionen ( direkt ) - wieder WDR , ÖR- Anbieter Numero Drei , Thema von hoher symbolischer Dignität .
  • zeitzeugengeschichte.de ( direkt ) - politische Pädagigik , Numero Zwo : Jugendliche in Oral History ( auch Numero Zwo )- Interviews mit NS- Zeitzeugen . Symbolisch wertvoll , praktisch chancenlos . |||

MENÜ 3 : KULTUR UND UNTERHALTUNG

grimme online award nominiert 2008

MENÜ 4 : SPEZIAL

grimme online award nominiert 2008

Hobnox.com ( direkt ) - A/V- Portal mit Angebot von xtra Tools : Kategorie “Praktikables Angebot eines Community- Building” oder “Beware of Freeconomics” ?

  • Sandra Schadek – ALS ( direkt ) - Aus dem Leben mit der degenerativen Krankheit ALS : Statt es selber schreiben zu müssen , borgen wir uns Kollegenworte :”Wenn eine schwer erkrankte Person über ihre Krankheit im Internet schreibt, ist jeder Kritiker auf verlorenem Posten.”
  • ZDFmediathek ( direkt ) - Öffentlich- Rechtliches Numero Vier von Vier : Im Sinne des Namenspatrons des Preises ein dezidiertes medienpolitisches Statement , gerufen ins Schlachtfeld um derzeitige und zukünftige Netzräume . |||

KOCHREZEPT : AUS DEM STATEMENT DER NOMINIERUNGSKOMMISSION

grimme online award nominiert 2008

Im achten Jahr des Grimme Online Award, nach dem Sichten hunderter Online-Angebote in Text, Bild und Ton, kann die Nominierungskommission vermelden: Das Entdecken qualitativ hochwertiger, innovativer Angebote im Web ist nicht leichter geworden.

Wie schwer das Finden ist , erweisen die geradezu exotischen Nominierungen ( FAZ , ZDF , Spiegel , Geo … ) .

Zudem neigt man in der Epoche der Grossen Koalitionen zu Paar- Bildungen ( der Grimme- Nominierungsliste als Online- Arche Noah ) :

Im Bereich Zeitgeschichte zeigen große Onlinemedien ( “einestages” ) wie kleinere Projekte ( “zeitzeugengeschichte.de” ) , wie sehr sich das Internet auch als Medium der Erinnerung eignet, zum Festhalten von Biografien, zum Sammeln von Dokumenten der kleinen und großen Geschichte und zum Austausch darüber.

… beziehungsweise die ex aequo- Nominierung je eines öffentlich- rechtlichen und privaten Online- Video- bzw. On Demand- Formats : “ZDFmediathek” versus “Hobnox.com” ; … beziehungsweise die ex aequo- Nominierung von zwei politischen Blogs , je einer gegen Druck von rechtsunten ( “Störungsmelder” ) bzw. von rechtsoben ( “netzpolitik.org” ) . Aber so funktionieren Jurien eben .

Medien- material- ästhetisch verbrämt ( “spannende Entwicklungen gab es dabei vor allem auf zwei Gebieten … : Online-Video und Nutzerbeteiligung”) wird des Users Voice auf den Sockel gehoben , soferne diese in einem volkserzieherischen oder pädagogischen Framework paternalistisch eingebettet erklingt :

Jugendmedienprojekte schaffen eine Plattform für selbstgedrehte Videos von Jugendlichen und vernetzen sich europaweit ( “ROOTS&ROUTES TV” ); Kindernachrichten-Programme geben ihre Zuschauern Tipps für eigene Beiträge ( “neuneinhalb” ); Schulklassen stellen ihren Heimatort im Netz vor (”Kinder-Reiseführer”). So sind wir auch für die kommenden Jahre gespannt auf weitere Angebote, bei denen die Nutzer nicht bloß Publikum bleiben.

Last but not least ein gegen jeden Einwand gefeites Plädoyer für das Individuum und den “menschlichen Faktor” :

Sandra Schadek schreibt über ihr Leben mit einer fortschreitenden Krankheit des motorischen Nervensystems - konkret: Amyotrophe Lateralsklerose. Sie gewährt einen reflektierten Einblick, ohne journalistische Mittler, dafür mit Rückkanal; das Ergebnis ist exemplarisch. |||

FAZIT

grimme online award nominiert 2008Symbolisch “wasserdicht” in alle Richtungen des Wahren Schönen Guten , liegt das Urteil der Jury klar auf Seiten der Big Player : Auch hier schön paritätisch auf öffentlich- rechtliche und privatwirtschaftliche Konzerne aufgeteilt . Kurz : Das Publikum hat die Wahl , keine Wahl zu haben . |||

KLANGAPPARAT

Talking about Freeconomics : Nach dem coup de génie der instrumentalen czz hörempfehlungGhosts I-IV ( Februar ) rücken NIN exakt drei Monate später mit einer weiteren Versuchung der freien Lizenz zum Nehmen / Geben heraus : “The Slip” ist am 5. 5. online erschienen , zwei Monate vor dem Vertrieb der gewerblich erwerbbaren Hartkopie : “as a thank you to our fans for your continued support, we are giving away the new nine inch nails album one hundred percent free” , lässt Trent Reznor die hörenden Völker wissen . Here we go und dies mit griffig- grimmiger Energie - CLICK HERE TO LISTEN STREAM . |||

“Buchlieblinge” nach österreichischer Art



||| NIEDLICH BRUTAL | DIE KREATIVEN GEWINNER … | … UND DIE WIRTSCHAFTLICHEN | KLANGAPPARAT

NIEDLICH BRUTAL

icon buchlieblinge oesterreichAuch die österreichische Buchlandschaft zeigt sich - in der und für die Perspektive der “Heimatfront” - in jener besonderen Vermählung von “Gemütlichkeit und Brutalität” , wie sie Franz Schuh nicht müde wird zu benennen . Wo - ferne dem teutschen Feuilleton - dem eher lektürefernen österreichischen Volk “Literatur” nahe gebracht werden soll , müssen Publikumspreise schon so niedliche Namen tragen wie “Buchlieblinge” , um den totalen Schulterschluss der Marktgiganten zu kaschieren . An sämtlichen Linien fehlt es dabei keineswegs an Vorwürfen der “Verhaberung” , also der gegenseitigen Alimentierung unter gewissen Protagonisten innerhalb der ohnehin schmalen Population der Buch unter sich Ausmacher .

So wurden am Vorabend zum “Welttag des Buches” die Ergebnisse der als “Volkes Wahl” ausgegebenen “Buchlieblinge” vergeben . Organisiert vom Buchvermarkter Schwarzer in Kooperation mit der Österreichischen Wirtschaftskammer und dem neuerdings auf “Leserförderung” ausgerichteten “bm:ukk” ( Claudia Schmied ) die im Zeitraum vom 31. 1. bis 15. 3. 2008 angeblich abgegebenen 63.000 Stimmen für Lieblingsbücher , LieblingsautorInnen und LieblingsbuchhändlerInnen ausgewertet .

Ziel der zum dritten Mal ausgerichteten Aktion , laut Veranstalter :

Ziel des Wettbewerbes ist es, die Lieblingsbücher der jeweiligen Buch-Kategorien zu ermitteln. Als höchste Maxime gilt dabei, die TeilnehmerInnen in keiner Weise einzuschränken – weder durch vorgegebene Titel, noch durch Selektionen von Fachjurys, bestimmte Erscheinungszeiträume oder ähnliches. Gewählt werden soll, was gerne und damit auch viel gelesen wird. Prämiert werden somit letztendlich die Bücher, die AutorInnen und die Verlage, die Leselust vermitteln.
Teilnahmeberechtigt sind alle Österreicherinnen und Österreicher. Eine Stimmabgabe ist mittels Teilnahmeschein aus dem Buchliebling-Magazin möglich, durch eigene Teilnahmescheine, die Sie in den Partner-Buchhandlungen [ Error 404 , czz ] erhalten, oder über direktes Online-Voting auf Buchliebling.com . |||

DIE KREATIVEN GEWINNER …

icon buchlieblinge oesterreichAnd the winners are ( wie im vorigen Jahr relativ kurz und schmerzlos rapportiert - die Votings sprechen hinreichend für sich ) :

… UND DIE WIRTSCHAFTLICHEN

icon buchlieblinge oesterreich“Verlag des Jahres” : ecowin . Die Basics zu dem auf Sachbücher österreichischer Autoren spezialisierten Verlag finden sich auf Wikipedia , laut “Wirtschaftsblatt” ( Juni 2007 ) stieg das EGT “bei 1,64 Millionen Euro Umsatz ( plus 44 Prozent ) um 84 Prozent auf 281.600 Euro . Die Eigenkapitalquote des Zehn-Mann-Unternehmens beträgt 35,5 Prozent. Und das ohne einen Cent von der öffentlichen Hand … ”

Ueberreuter , der andere Big Player im Lande zählte Anfang 2007 mit Rang 78 zu den 100 grössten deutschen Verlagen . Umsatz 2006 : 15,1 Mio. Euro . Pichler , Teil der Styria Medien AG , rankte zum selben Zeitpunkt auf Platz 87 . Umsatz 2006 : 12 Mio. Euro . Allerdings inklusive eines Imperiums aus “8 Tageszeitungen , 16 Wochenzeitungen, 20 Magazinen, 16 Kundenmagazinen (MCA), 14 regionalen Magazinen, 28 Magazinen in Kroatien, Slowenien und Serbien ( Adria Media ), 2 Supplements, 11 Online Diensten, 3 Radio-Sendern, 3 TV-Sendern, sowie 8 Buchverlagen” ( Wiki ) .

Mit den Voten für die “Lieblingsbuchhandlung” ( Morawa Wollzeile , Wien ) sowie für den “Lieblingsbuchhändler” ( Bernhard Spießberger , Thalia Mariahilfer Stasse , Wien ) wurde den Klein- und Literaturbuchhandlungen eine ebenso deutliche Absage erteilt wie im Buchsektor den Klein- und Autorenverlagen . Aber erlaubt ist eben , was - werbebudgetmässig - gefällt .

Dass mit “Thalia” für den aggressivsten Aufkäufer von zentrumsnahen Privat- und Kleinbuchhandlungen ausgezeichnet wurde , mag nicht eben im Sinne der weitgehend klein- und mittelbetrieblich strukturierten Wirtschaft Österreichs sein …. “Morawa Buch und Medien” wurde vom “buchreport” im März 2008 als zehntgrösstes Unternehmen der Branche gerankt ( Haupthaus Wollzeile + 22 Filialen : 47, 6 Mio. Euro Umsatz 2006 ) , die “Thalia Holding GmbH” als Numero Eins ( 271 Verkaufsstellen , 801 Mio. Euro Umsatz 2007 , + 25 % ) . Solche “Buchlieb linge” lässt man sich gerne loben . |||

Edit 30. 4. :