Tag Archive for 'award'

LinkListe , in|ad|ae|qu|at



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czz linklisteEs wird - so geht die Rede - immer weniger verlinkt . Statt die während einer Abwesenheit nachgeholte Re- Lektüre via Twitter zu verzwitschern , mag doch auch in unregelmässigen Abständen das freundliche Ritual des Verlinkens praktiziert werden . Auf dass auch die 140- Zeichen- Abstinenzler einige der in|ad|ae|qu|at als lesens- und bemerkenswert befundene Artikel mit- und nachzuvollziehen vermögen .

LITERATUR

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NETZ & MEDIEN

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SOZIALE NETZWERKE

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KLANGAPPARAT

Wird unter “Links” gemeinhin eine “Verknüpfung” im Netz verstanden , czz-hoerempfehlungbleibt auch die Assoziation zum “wandernden Schatten” ( der Verlinkung von verlinkten Links im virtuellen Raum ) nicht fern .

Da mag die Werkschau des St. Petersburger Solisten Waveform ganz gut passen , welche eben unter dem Titel “Moving Shadow” bei deepindub erschienen ist . Zwölf Tracks - das sind eine Stunde und 19 Minuten - relaxter Dub ohne Prätention .

Das mag man sich schon gefallen lassen .

CKLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) .

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“Preissegen” ? - Vom pittoresken Preisregen auf aride Zonen exzeptioneller Textproduktion



||| FLORIANA 2008 | H. C. ARTMANN- PREIS 2008 | PREISE DER STADT WIEN | AUSSCHREIBUNG DER STADT WIEN | BUNDESMINISTERIN VERTEILT “WÜRDIGUNGSPREISE” ZUR ERÖFFNUNG DER ‘BUCH WIEN’ | BUCH.08 - SCHWEIZER BUCHPREIS | NOCH FRAGEN … ? - PREIS- EINREICHUNG LEIPZIG ‘09 | GEWINNER DES 16. OPEN MIKE | KLANGAPPARAT

staub_und_oelbestaendig_copyright_Christiane_Zintzen

( Auch für Literaturpreise der Fall ?! )

czz lorbeer-awardDass sich mit Literaturpreisen die Preis- Geber ( bzw. -Verleiher und - Verschleisser ) midestens ebenso schmücken wie die in die Rolle von “glücklichen” , “verdienten” und “würdigen” Preis- Empfängern gedrängten Literaturproduzierenden ist als Ritual eines feudalen Literaturbetriebs längst bekannt .

Nun gibt es allerdings einen wahres Preisgewitter anzuzeigen , welcher als fruchtbaren Landregen die notorische leeren Kassen mancher Laureaten füllt , sondern - eingekleidet ins Stadtkostümchen - auch dazu dienlich sein mag , den Beginn der ersten , allerersten BUCH WIEN zu promoten .

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FLORIANA 2008

czz lorbeer-awardDa alles Gute bekanntlich dem Weiten Land entspringt, seien zunächst die gestern verkündeten Preisträger der zweieinhalb Tage lang über die Bühne der heiligen Hallen des Stiftes St. Florian ( OÖ ) gegangenen Literatur- Biennale FLORiANA offenbart . Aus 117 Einreichungen hat die Jury neun Autoren und Autorinnen ausgewählt, die sich der Jury und einem interessierten Publikum an diesen zwei Tagen präsentiert haben.

And the Winners are :

Der Förderpreis für oberösterreichische Autoren geht an einen Text, der im lexikalischen Stil die Geschichte eines fiktiven Schriftstellers und seines fiktiven Science-Fiction-Romans entwickelt. Der Autor treibt ein raffiniertes ironisches Spiel mit dem Genre literarischer Utopien. Er siedelt die Entstehungszeit seines Textes nicht in der Gegenwart, sondern in der Zukunft an, wodurch eine doppelte utopische Spiegelung von Zukunft und Vergangenheit entsteht. Dafür erhält Christoph Aistleitner den Förderpreis für oberösterreichische Autoren in der Höhe von € 1.500.- ( … ) .

Der dritte Preis der FLORIANA geht an einen Text, der in bester österreichischer Tradition radikaler Sprachkritik bildhaft den ökonomischen Tauschwert von Liebesbeziehungen verhandelt. Wie Ideen und Wertvorstellungen von uns Besitz ergreifen können, wird mit Begriffen aus der Biologie veranschaulicht, die im Bild der Tulpe aufblühen. Lisa Spalt erhält den dritten Preis der FLORIANA, in der Höhe von € 2.000.- ( … ) .

Der zweite Preis der FLORIANA geht an eine Geschichte von Hingabe und Unterwerfung, der verführerischen Nähe von Begehren und Gewalt: ein Text von immenser Sprachwut, der eine beträchtliche Sogwirkung entwickelt. Michala Falkner erhält für ein wüstes Liebesidyll den zweiten Preis der FLORIANA, dotiert mit € 3.000.- ( ….) .

Der erste Preis der FLORIANA geht an einen Text, der sich in hochkomplexer Weise der Entwertung von Sprache ästhetisch auseinandersetzt. Das Thema des Textes ist Gewalt. Der Autor verknüpft mit rhythmischer Dringlichkeit Motive, Bilder, Begriffe zu einem dichten Textgewebe. Für dieses Sprachkunstwerk erhält Ulrich Schlotmann den ersten Preis in der Höhe von € 7.000.- ( … ) .

Mit Ulrich Schlotmann und Lisa Spalt wurden nicht nur zei aus dem “Salon Liittéraire” @ in|ad|ae|qu|at bekannte Kräfte auserkoren , sondern auch zwei lebhafte Sprach- Sound- Setzer , welche - Lisa Spalt 2000 , Ulrich Schlotmann 2007 - ihre Texte gehörig in Radiokunst übertragen haben .

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H. C. ARTMANN- PREIS 2008

czz lorbeer-awardEbenfalls nur jedes zweite Jahr vergibt die Stadt Wien den nach dem 2000 verstorbenen Poeten H.C. Artmann benannten Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik :

Nach Peter Waterhouse ( 2004 ) und Ferdinand Schmatz ( 2006 ) geht der mit € 10.000 dotiert Preis disjahr an Oswald Egger . - auch dieser übrigens ein “Literatur als Radiokunst“- Veteran , dessen Produktion “tuning , stumm” im Jahr 2004 den Karl Sczuka-Förderpreis des SWR 2004 errang . ( rk )

Die Verleihung findet Anfang 2009 in der Alten Schmiede statt.

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PREISE DER STADT WIEN

czz lorbeer-awardWohl nicht ganz zufällig im terminlichen Weichbild der neu etablierten BUCH WIEN überreichte der Wiener Kulturstadtrat im Wiener Rathaus im Rahmen einer Gala die Preise der Stadt Wien für das Jahr 2008 - Kategorie “Synergie unter Bedingungen der Aufmerksamkeitsökonomie” .

Die Preise der Stadt Wien werden jährlich sozusagen polydisziplinär vergeben und sind mit je € 8.000 dotiert . Ein Novum ist , dass die einzelnen Preisträger nicht mit je individuellen Laudationes von Fachkollegen bedacht werden ( zum berüchtigten Null- Honorar ) , sondern , dass alle Zwölf mit einem einzigen rhetorischen Streich gewürdigt und -ehrt wurden .

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AUSSCHREIBUNG DER STADT WIEN

czz lorbeer-awardGleichzieitg lädt die Stadt Wie bereits jetzt zur Bewerbung um die entsprechenden Auszeichnungen anno 2009 ein :

Die Stadt Wien stiftet alljährlich zu vergebende Preise für hervorragende Leistungen in den Bereichen Musik (Komposition), Literatur, Publizistik, bildende Kunst, Architektur, Wissenschaften und Volksbildung in der Höhe von je 8.000 Euro bis zu einem Gesamtbetrag in der Höhe von 96.000 Euro. Sie werden als Würdigung für das bisherige Lebenswerk verliehen, das geeignet ist, die Bedeutung Wiens und Österreichs als Pflegestätten der Kunst, Wissenschaft und Volksbildung hervorzuheben. Mit dieser Ehrung können Einzelpersonen und Teams ausgezeichnet werden. Es sind jedoch Leistungen ausgeschlossen, die bereits mit einem Preis der Stadt Wien ausgezeichnet wurden.

Die Entscheidung über die Vergabe der Preise erfolgt nach freiem Ermessen durch unabhängige Jurys und ist unter Ausschluss jedes Rechtsmittels gültig. ( … ) Bewerbungen sind mit einem ausführlichen Lebenslauf und Unterlagen, die die bisherige Tätigkeit in geeigneter Form darstellen, an die Kulturabteilung der Stadt Wien (1082 Wien, Friedrich-Schmidt-Platz 5), die auch weitere Auskünfte unter der Rufnummer 4000/84766 erteilt, bis zum 31. März des Folgejahres zu richten.

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BUNDESMINISTERIN VERTEILT “WÜRDIGUNGSPREISE” ZUR ERÖFFNUNG DER ‘BUCH WIEN’

czz lorbeer-awardWohl um den national- offiziösen Rang der aus der Retorte gezauberten Messe BUCH WIEN ( einem aufgebauschten Update der bislang eher drögen “Buchwoche” im Rathaus ) zu akzentuieren , gab sich Bundesministerin Schmidt zur Eröffnung der ( hoffentlich nicht der Agonie des Linzer LITERA- Unterfangens nachgeratenden ) BUCH WIEN höchstselbst die Ehre , folgende Preise und deren Träger zu verlautbaren :

Das Interessanteste an solchen Presse- Aussendungen ist selbstverständlich der Blick auf die personelle Besetzung der Jurien “hinter” den einzelnen Auszeichnungen …

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BUCH.08 - SCHWEIZER BUCHPREIS

czz lorbeer-awardMit der Terminierung auf 17. bis 23. 11 nimmt die BUCH WIEN ( formerly known asBuchwoche” ) sozusagen dier BuCH.08 ( formerly known as BuchBasel ) die Klinke aus der Hand .

Nun wurde - in schagfertiger Reaktion auf die tendenzielle Vernachlässigung schweizerischer Geistes- und Verlagsprodukte beim “Deutschen Buchpreis” ( remember : Frankfurter Buchmesse ?! ) - ein “Schweizer Buchpreis” ausgelobt und am Sonntag auch promt einem maximmal allen CH- Clichés spottenden Prosawerk zuerkannt ( sFr.50.000.- ). Fairerweise sei an dieser Stelle indes nicht verschwiegen , dass sich der in Rede stehende Titel auch bereits auf der shortlist des dbp fand .

Rudolf LappertsNach Hause schwimmen” ( Hanser | HörbucHHamburg ) erzählt im multiperspektivischenen Patchwork von den ungebutterten Seiten juvenilen Lebens und das mit einem im besten Sinne angloamerikanischen Drive , dass man sich bei dessen Letüre immer wieder neu vergeswissern muss , dass kein übersetztes Werk vorliegt .

Matt Ruff könnte dem in Irland lebenden Schriftsteller für sein Werk Pate gestanden haben … entstanden ist jedenfalls ein neuer Holden Caulfield , wenngleich die Erzählung manche Verschlankung vertragen hätte …

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NOCH FRAGEN … ? - PREIS- EINREICHUNG LEIPZIG ‘09

czz lorbeer-awardWer jetzt keinen Preis hat findet keinen mehr … Dies gilt dringlich auch für entsprechende Aspirationen hinsichtlich der Frühjahrsmesse zu Leipzig :

Noch bis zum 30. November können Verlage ihre Neuerscheinungen in den Kategorien ‘Belletristik’, ‘Sachbuch und Essayistik’ sowie ‘Übersetzung’ für den ‘Preis der Leipziger Buchmesse 2009′ einreichen.

Am 12. März, dem ersten Tag der Leipziger Buchmesse, soll die mit insgesamt 45.000 Euro dotierte Auszeichnung an herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen verliehen werden.

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NACHTRAG : DIE GEWINNER DES 16. OPEN MIKE

czz lorbeer-awardDie Gewinner des 16. open mike- Wettbewerbs der Literaturwerkstatt Berlin stehen fest !

Aus über 650 eingegangenen gültigen Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wählten sechs Lektoren aus renommierten Verlagen die 22 Autoren und Autorinnen aus, die am 15. und 16. November 2008 beim Wettbewerb in der Wabe in Berlin ihre Texte vortrugen. Die Juroren Thomas Glavinic, Monika Rinck und Feridun Zaimoglu ermittelten die Gewinner.

Die Gewinner :

  • Sonia Petner - geboren 1979 in Waldenburg ( Polen ) , arbeitet als Übersetzerin und Journalistin in Berlin . Organisiert Lesungen und Diskussionen . Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien
  • Svealena ( Svea Lena ) Kutschke - geboren 1977 in Lübeck , studierte Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis in Hildesheim . Sie las beim 14. Open Mike und nahm 2006 | 07 an der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto Stiftung teil . Lebt in Berlin .
  • Thien Tran - geboren 1979 in Ho Chi Minh- Stadt ( Südvietnam ) , lebt seit 1982 in Deutschland . Studium der Germanistik , Philosophie und klassischen Literaturwissenschaft an der Universität zu Köln . 2003 Praktikant im Tropen Verlag . Veröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften und Anthologien ( u.a. Versa , Artic , Sprachgebunden , Das Gedicht , Floppy Myriapoda , Carpe Plumbum , Intendenzen . Zuletzt: Neubuch, hrsg. von Ron Winkler 2008 ) . 2006 Nominierung für das Rolf Dieter Brinkmann- Stipendium , Studienabbruch . Neben Lyrik auch Buchrezensionen . Lebt und arbeitet in Köln .
  • Johanna Wack - geboren 1979 in Hamburg . Studiert in Hamburg Ökotrophologie . Ist Mutter von Marlene ( geb. im Mai 2007 ) . Schreibt seit einigen Jahren Kurzgeschichten , die sie u. a. auf Poetry Slams vorträgt . Auftritte in Funk und Fernsehen , Veröffentlichungen in Anthologien und in der Tagespresse .

Die Gewinner gehen direkt im Anschluss auf Lesereise :

Die Wettbewerbstexte des 16. open mike sind als Anthologie im Allitera Verlag erschienen - Deutschlandradio Kultur sendet am Sonntag den 23. 11. um 0.05 Uhr die Reportage “16. open mike”.

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KLANGAPPARAT

Dass DJ Dusty seine der dark side of the moon zuneigenden Track- Sequenzen tatsächlich aus der Antarktikis sendet ( wie auf der MySpace - Seite behauptet ) , dünkt uns bereits des Strom- und Equipment- czz-hoerempfehlungAufwandes wegen als Mystifikation . Im treibendem Amalgam von periodischer Achtziger- Jahre- Kälte und akut pulsierenden , hitzigen Heartbeats des Trance scheint dieser Kryptiker indes mitten unter uns zu siedeln .

Auf der Webseite des Netlabels intoxik lassen sich die vier Tracks von “Domino” live streamen . Für den unabhängigen - und , believe me , vielseitig verwenbaren Hausgerbrauch , bietet sich das Download eines taktvoll obsessiven Bonustracks . Heftige Empfehlung .

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donaueschinger musiktage 2008 | finale : eine FR- presse- perle



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LOGO LITERATUR ALS RADIOKUNAls Anhang und Abschluss zum hellhörigen Geschehen am Schwarzwaldrand : Hans- Klaus Jungheinrich feingetuned in der ‘Frankfurter Rundschau‘ über Festival , dessen Geist und poetisches Preisen . In|ad|ae|qu|at dokumentiert .

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HANS- KLAUS JUNGHEINRICH : DONAUESCHINGER MUSIKTAGE - DIE WUT DER BLASMUSIK ( FR , 21. 10. 2008 )

Eine schon traditionell gewordene Podiumsdiskussion als Entrée der Donaueschinger Musiktage blieb 2008, obwohl lauter kluge Leute beteiligt waren, zwar belanglos, aber ein dabei geäußerter Gedanke von Enno Poppe verdient Beachtung. Der 39-jährige Erfolgskomponist beschrieb seine Arbeit des Tönesetzens als “Forschung”, als eine nahezu wissenschaftliche Tätigkeit. Und ihre Wichtigkeit manifestiere sich nicht im Hervorbringen von Meisterwerken. Nicht ohne Pfiffigkeit lenkt Poppe den Hörer von der immer latent erwarteten Epiphanie des außerordentlich Gelungenen ab. Nach einer (fast schon wieder durchlöcherten) ästhetischen Grundsatzentscheidung gegen das “Kunst-Werk” in der Spätphase der Moderne ist Poppes Haltung die scheinbar ideologiefrei pragmatische eines Töneerfinders, der sich gegen Kunsturteile wetterfest macht.

Forschung und Experiment also. Bei aller Begrenztheit, Brüchigkeit dieses Ansatzes ist dessen Berechtigung gerade in Donaueschingen unumstritten. Kultstatus genießt das immer überlaufenere Herbst-Wochenende, weil es hier um nichts anderes geht als um die Vorstellung brandneuen Klangmaterials. Das Uraufführungsforum lässt einer besonnenen, resümierenden Rückschau auf exempla classica jüngst vergangener Jahrzehnte kaum eine Chance. Dank einer Finanzaufstockung der Siemensstiftung waren die Konzertaktivitäten 2008 opulenter denn je; und kaum vernehmbar auf diesem Zauberberg die Notschreie der Bankenkrise aus dem Tiefland.

AUF LYRIK GEBAUTE RADIOKUNST

Dem Aspekt des Forschens entsprach am allerbesten vielleicht ein Radiohörstück des Österreichischen Rundfunks (ORF), das den Karl-Sczuka-Förderpreis zugesprochen bekam. Die Lyrikerin Anja Utler benutzte in “suchrufen, taub” ausschließlich Wortmaterial, das sie in Silben zerlegte, permutierte, rhythmisierte. Das Spiel mit dem immer wieder aufblitzenden und gekappten Wortsinn, der zerstückelten Grammatik, wurde räumlich erfahrbar als die vervielfachte Autorinnenstimme, die der spröden Zweidimensionalität der Textzeile und Buchseite entkam und technisch hergestellte Plastizität erlangte. Im Endeffekt geht das nicht sehr über “konkrete Poesie” à la Dada oder Rühm hinaus, doch gegenüber historischen Reminiszenzen überwiegt doch der Eindruck einer erfrischten, neugierigen Annäherung, einer Forschung, die gleichsam von anderer Seite zu ähnlichen Ergebnissen kommt, wie sie bereits vorliegen.

Eine auf Lyrik gebaute Radiokunst mag hermetisch und nur für eine spezielle Ästhetenzartheit attraktiv sein. Das Forschungsinstrument des israelisch-schwedischen Komponisten Dror Feiler scheint eher der Hammer zu sein. Zwei seiner Brachialstücke unter dem Brecht-Motto “Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit” rahmten als mächtige (P)Feiler die Musiktage und rammten sich schmerzhaft in die Gehörgänge eines seltsamerweise wenig durch Popmusiklautstärken gestählten Publikums. In den “Cantos de la columna vertébral” zeigt Feiler einen Videofilm mit kolumbianischen Rebellen (von hinten, damit man ihre Gesichter nicht erkennen kann). Zu klassenkämpferischen Lesetexten handhabt Feiler selbst ein schrilles Sopransaxophon in frenetischem Dauerfortissimo. Der mit der Video- und Text-Botschaft kombinierte Lärm ist - vor allem, da er vom Autor selbst produziert wird - sprechender “Kommentar” genug, andererseits aber doch zu verfremdend, um als altmodischer Agitprop zu funktionieren.

Ähnlich das als Schlussveranstaltung zelebrierte Feiler-Stück “Müll” unter stumm-mahnender Beteiligung eines neben dem Podium postierten Müllautos und der martialisch in den Saal einziehenden städtischen Blasmusik. Deren Emanationen muteten indes äußerst gesittet an im Vergleich zu dem wüsten Durcheinander, das vom Klangforum Wien und zwei unentwegt emphatisch röhrenden Vokalsolisten zu hören war - Texte von César Vallejo wurden dabei nur zum Anlass ihrer Zermalmung herangezogen. Schwer zu trennen ist bei Feiler die pure Lust am anarchischen, gar chaotischen Bramarbasieren und der Impuls einer politischen Radikalität, der nur noch in Chiffren spontaner Gewaltförmigkeit ein Ausdrucksmedium für Verzweiflung und Wut zu finden glaubt. Jedenfalls stellt sich Feiler als ernst zu nehmender “Forscher” auf dem Gebiet der politischen Ästhetik dar, einer heute weniger denn je abgetanen Sache.

Experimentell zugange waren die Musiktage auch mit einer neuen Veranstaltungsform, die dem Druck der Uraufführungsquantitäten gehorchte und am Haupttag ein siebenstündiges Mammutprogramm erbrachte. Die Gefahr einer öden Magazinierung wurde dabei geschickt gebannt, weniger durch die Gegenüberstellung dreier hochkarätiger Instrumentalensembles (des ensemble modern, des Klangforum Wien, des Ensemble Intercontemporain), die der Kritikerkollege Gerhard R. Koch hellsichtig als Variante der “Drei Tenöre”-Auftritte erkannte, eher durch die interessante Praxis der Doppel-Uraufführung einiger ausgewählter Stücke durch verschiedene Klangformationen.

( … )

Natürlich brauchte man auch diesmal auf die liebgewordene Kategorie des “Meisterwerks” nicht zu verzichten. (Man begegnete ihr in zwei Séancen des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, exzellent geleitet von Pierre Boulez bzw. Sylvain Cambreling.) Auf sehr verschlungene Weise näherte sich ihr der 77-jährige portugiesische Komponist Emanuel Nunes in seinem großen Orchesterwerk “Mort et vie de la mort”, Extrakt einer immens dimensionierten Oper nach Goethes “Märchen”, eine Musik der existentiellen Erfahrung und unbeirrbarer persönlicher (auch musiksprachlicher) Standhaftigkeit. Ähnlich subjektiv, wenn auch weniger von durchgängigem Passionston gezeichnet Isabel Mundrys “Ich und Du”.

Konträr dazu vermittelte Enno Poppe leichthändige Meisterschaft in seinem Stück “Altbau”, in dem sich phantasievoll mutierende Klischeefiguren in bequem bezugsfertigem Orchesterklang einhausten. Es war dann aber doch schön, dass der Kompositionspreis des SWR-Sinfonieorchesters nicht diesem geschmeidigen Opus verliehen wurde, sondern dem mehr als 40 Jahre alten “Quintet for Groups” des 82-jährigen Amerikaners Ben Johnston, eines urig-kernigen Vertreters der anarchischen Musikforscherecke von Ives, Ruggles und Partch. Johnston versteht sich hier aber auch als ein minuziösen Klängen Nachlauschender, etwa in den zeitweise dominierenden Parts der im Vierteltonabstand gestimmten zwei Klaviere und zwei Harfen. Forschung und Meisterwerk schließen einander nicht aus.

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LINK

  • FR- Link ( erfahrungsgemäss nicht persistent )

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RELATED

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donaueschinger musiktage 2008 | track one : Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst



||| RADIOKUNST IN SPORTIVEM AMBIENTE | THOMAS MEINECKE & DAVID MOUFANG | ANJA UTLER | FAZIT | DIE PREISE | DIE WERKE | DIE JURY | DIE SENDUNGEN | LINKS | RELATED

RADIOKUNST IN SPORTIVEM AMBIENTE

sczuka logo turnhalle

Hoch hinaus - mit sportlicher Erdung

Den diskreten Charme von Schulsport- und Turnhallen durfte geniessen , wer den beiden Veranstaltungen zum Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2008 beiwohnte . Mit dieser informellen Verortung wurden ebenso akustisch praktikable wie auch für Skeptiker niederschwellig aufzusuchende Räume gewählt . Und damit - wie SWR- Intendant Bernhard Hermann im Zuge seiner Rede zur Verleihung der international renommierten Auszeichnung für avancierte Werke der Radiokunst hervorhob - sei ein weiterer Schritt buchstäblich in Richtung auf ( künftige ) Hörerschichten vollzogen .

Hermann erinnerte dabei an den kürzlich verstorbenen Wort- Kunst- Komponisten Mauricio Kagel , im Jahr 1970 Laureat des seit 1955 vom SWR ausgelobten Preises :

Zuvor war die Preisverleihung ein hausinterner Akt in den Diensträumen des Intendanten in Baden- Baden [ gewesen ] . So auch noch im Jahr 1970, als Kagel selbst zum ersten Mal den Karl- Sczuka- Preis bekam, der sich damals gerade von einem ‘Preis für Hörspielmusik’ zu einem ‘Preis für radiophone Produktion’ zu wandeln begann. Kagels Preiswerk, “(Hörspiel) - Ein Aufnahmezustand” war das Signal für eine neue Ära des Preises und es stand für den Aufbruch des so genannten Neuen Hörspiels. Nach der Preisverleihung schlug Kagel dem damaligen SWF- Intendanten Helmut Hammerschmidt vor, den [ Preis ] mit den Donaueschinger Musiktagen zu verbinden - und so ist es nun seit 1972 schöne Tradition, ihn hier zu überreichen .

Ob Schulsporthallen - wie von Bernhard Hermann des Weiteren angedeutet ( “Sport ist in der Regel ein beliebtes Schulfach” ) - freilich bei allen Beteiligten für notwendig positive Assoziationen sorgen , muss ( nach Ergebnissen einer informellen und nicht repräsentativen Umfrage unter den künstlerisch Beteiligten ) fraglich bleiben . In Rechnung mag man freilich gerne stellen , dass sich Methoden und Manöver der schulischen Körperertüchtigung im Laufe der vergangen dreissig Jahre vermutlich vom schieren Drill und der Demütigung pubertierender Leiber glücklich fortentwickelt haben .

Die Bodenmarkierungen der Basketballhalle erwiesen sich jedenfalls als nachgerade ideale Guidelines für einen grosszügig dimensionierten 5.1. - Raumbeschallungs- Aufbau , wie für die Wiedergabe von für Anja Utlers knapp 12- minütigem Hörstück “suchrufen , taub” nötig . Es ist bemerkenswert , dass die Produktion aus der Reihe LITERATUR ALS RADIOKUNST des ORF- Kunstradio das erste Mehrkanal- ( Surround Sound- ) Preiswerk in der Chronik dieser Auszeichnung darstellt .

An zwei aufeinander folgenden Vormittagen wurden die Preiswerke - einmal im Kontext der eigentlichen Preisverleihung und den Laudationes sowie ein weiteres Mal gefolgt von einem Gespräch mit deren Schöpfern , resp. dem in beachtlicher Menge erschienenen Publikum ( 9:30 H ! ) vorgeführt . Ein radikal auf die Stimme , deren Poesie und räumliches Splitting reduziertes Kurzstück wie Anja Utlers knapper Zwöfminüter hatte es selbstredend ein wenig schwer , gegenüber der von saftigen Grooves und kräftigen Basslines getragenen Gemeinschaftsarbeit Thomas Meineckes und David Moufangs ( “übersetzungen | translations” - 52 Minuten ! ) zur Wirkung zu kommen .

Was die beiden Preiswerke weiters unterschied , war , dass der Hauptpreis an ein vielseitig medienkunst- , sound- und radioerfahrenens Duo ging , der Förderpreis an das radiophone Erstlingswerk einer poetischen Einzelgängerin .

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THOMAS MEINECKE & DAVID MOUFANG

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David Moufang , Thomas Meinecke , Hans Burkhard Schlichting

Jurysprecher Frank Kaspar rekapitulierte die seit Moufangs Realisierung der Hörspielfassung von Meineckes Roman “Tomboy” ( Buch 2000 , suhrkamp | Hörspiel , BR 1998 ) zehn Jahre lang währende Zusammenarbeit des Duos , wobei er als Novum von “übersetzungen | translations” die fortgeschrittene Durchdringung von “Sprache” und “Sound” hervorhob :

Die Ausgangsidee war, einmal nicht von von einem schon vorhandenen Text auszugehen, sondern ein Stück von vorneherein aus dem Zusammenspiel von Sprache und Musik zu entwickeln. Das gesamplete Sprach- Material sind hier einzelne Buchstaben: Thomas Meinecke hat die Tastatur seiner Schreibmaschien auf das Keyboard eines Symthesizers übertragen, indem er im Hörspielstudio des Bayerischen Rundfunks alle Buchstaben des Alphabets - einmal in deutscher und einmal in englischer Aussprache - in allen 12 Tönen der Tonleiter gesungen und aufgezeichnet hat. Seine Stimme liegt auf Taste, als er in David Moufangs Aufnahmestudio nach Heidelberg kommt.

Aus diesen Samples lassen sich zehn relativ willlkürlich | spontan gewählte lexikalische Sigifikanten ( von “Glockenblume” | “daffodil” bis hin zu “Henry Kissinger” ) synthetisch in frei verfügbaren Rhythmen und Klangfarben buchstabieren und ergeben im Mix mit elektronischen und analogen Klängen einen organischen musikalischen Flow : Linguistik als tanzbares Mantra bis hin zur Auflösung semantischer Gehalte im quasi instrumentalen Loop .

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ANJA UTLER

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Gruppenbild mit Anja Utler

Im Effekt des lautlichen , morphologischen und semantischen Aufbrechens und Neuformierens von Wort- und Sinngestalten sind - man vernimmt’s mit Erstaunen - Meinecke | Moufangs und Anja Utlers Arbeiten einander näher als es groovende Fülle und konzentrierter Takt zunächst vermuten lassen : Auch Anja Utlers Stück ist ausschliesslich im Hinblick auf eine audiophone Realisierung entstanden und wurde - den Möglichkeiten der fünfeinhalb Surround- “Stimmen” entsprechend - in eine quasi Mallarmé’sche Partitur gefasst .

Die Stimme spricht , unterbricht , doppelt und synkopiert den Wortlaut in verschiedenen Sprachen , hart an der Grenze von Einzelsilbe bzw. -Laut . Auch in “suchrufen , taub” entstehen also Loops , wenngleich unregelmässiger und irritierender getaktet als die am repetitiven Techno orientierten Sequenzen von “übersetzungen | translations” . Wobei das ( auch noch im Stereo- Downmix vernehmliche ) “Wandern” der Stimme im räumlichen Spektrum der Arbeit zusätzliche Dynamik verleiht .

… und tatsächlich hat gerade die Souveränität und Präzision, mit der Anja Utler die Möglichkeiten der räumlichen Gestaltung für ihr Radiostück genutzt hat, in der Jury grosse Zustimmung gefunden. ‘Der Körper, an dem die Strömungen des eigenen Munds vielleicht aufbrechen, verbleibt im Raum des Ungesehenen und Ungehörten‘, schreibt Anja Utler selbst zu ihrem Stück: ‘Er gibt nicht direkt Laut, aber er treibt Laute hervor.’ Die Genauigkeit, mit der sie sprachlich die Balance hält zwischen Konkretion und Abstraktion, mit der sie physische Details benennt aber die Körper dann doch durch Ausweichbewegungen der Beschreibung selbst auf offener Bühne verbirgt, macht die grosse Qualität dieses Textes aus, der mit dem exakten Timing ihres Vortrags überzeugend ins Radio findet.

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FAZIT

sczuka turnhalle

Raum für auditives Team- und Timing- Training

Was hier im Metadiskurs nach “strenger Kammer” tönt , nimmt sich als konkretes Hörerlebnis absolut plausibel aus . Und so fanden im Turnsaal zu Donaueschingen zwei Werke zusammen , deren Inspirationen und kulturelle Bezüge wohl differenter nicht sein könnten , als deren Ergebnis indes jeweils eine distinkte auditive Erkundung der Fundamente der Wörtlichkeit steht . Ein Schürfen im Bergwerk der gesprochenen Sprache .

Hier hat eine Jury für einmal “nicht aus jedem Dorf einen Hund” gewählt , um diversen Ansprüchen zu genügen , sondern zwei Arbeiten auserkoren , welche auf differenten Wegen zu korrespondierenden Ergebnissen gelangen .

Mit Ausnahme der problematischen Relation der höchst unterschiedlichen Abspielzeiten - hier 11:49 und dort 52:09 - hätte man sich kein besseres Team im Trainingsraum radiophoner Rede wünschen können . Auch für künftiger Hörer aller Generationen wäre es produktiv , beide Werke auch weiterhin in Korrespondenz wahrnehmen zu dürfen . Voraussetzung dafür wäre freilich - Gentlemen’s first ! - , die Spieldauer beider Werke einander anzunähern .

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DIE PREISE | DIE WERKE

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LITERATUR ALS RADIOKUNST | Karl- Sczuka- Förderpreis 2008 an die Lyrikerin Anja Utler



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Wie berichtet , geht der vom SWR ausgerichtete Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel und Radiokunst an Thomas Meinecke & David Moufang .

Den Förderpreis erhält die LITERATUR ALS RADIOKUNST- Produktion “suchrufen , taub” der Lyrikerin ANJA UTLER . Im Jahr 2004 war bereits die der genannten Reihe produzierte Produktion OSWALD EGGERS - “tuning , stumm” - mit diesem Preis ausgezeichnet worden .

Die Preisverleihung findet am 18. Oktober als öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2008 statt . Die integrale Vorführung der ausgezeichneten Werke erfolgt an zwei Terminen :

Das ORF- KUNSTRADIO hat dazu Informationsseiten in deutscher und englischer Sprache eingerichtet :

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