Tag Archive for 'bad-net'

no blogo



||| I. BLOG - DEFINITION | II. BLOG- BASHING ANNO 2007 | III. “BLOG” ANNO ‘08 : DOPPELUNGEN | IV. BLOG & GELD | V. BLOG ALS KOPIERTE PASTE | VI. BLOG ZUR VERBUCHUNG DER TAGE | VII. BLOG IN FRIEDLICHER NISCHE | VIII. “BLOG” - ALSO WAS ? | IX. BLOG IN|AD|AE|QU|AT : CLAIM | KLANGAPPARAT | LINKS - RELATED

I. BLOG - DEFINITION

czz sprechblase iconKlassischer Weise beinnt man die Differzierung oder - in unserem in|ad|ae|qo|aten Fall - eines Begriff mit deren konsensuellen Definitionen :

Ein Weblog (Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch), meist abgekürzt als Blog, ist ein auf einer Webseite geführtes und damit öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal. Häufig ist ein Blog “endlos”, d. h. eine lange, abwärts chronologisch sortierte Liste von Einträgen, die in bestimmten Abständen umbrochen wird. Es handelt sich damit zwar um eine Website, die aber im Idealfall nur eine Inhaltsebene umfasst. Ein Blog ist ein für den Herausgeber ( “Blogger” ) und seine Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrungen als auch der Kommunikation dienen. Insofern kann es einem Internetforum ähneln, je nach Inhalt aber auch einer Internet-Zeitung. ( Wiki Deutsch )

Und für unsere Polyglotten :

A blog ( an abridgment of the term web log ) is a website, usually maintained by an individual, with regular entries of commentary, descriptions of events, or other material such as graphics or video. Entries are commonly displayed in reverse chronological order. “Blog” can also be used as a verb, meaning to maintain or add content to a blog.

Many blogs provide commentary or news on a particular subject; others function as more personal online diaries. A typical blog combines text, images, and links to other blogs, web pages, and other media related to its topic. The ability for readers to leave comments in an interactive format is an important part of many blogs. Most blogs are primarily textual, although some focus on art ( artlog ), photographs ( photoblog ), sketchblog, videos ( vlog ), music ( MP3 blog ), audio ( podcasting ) are part of a wider network of social media. ( Wiki Engslish ) |||

II. BLOG- BASHING ANNO 2007

czz sprechblase iconUnd jetzt ein kurzes Stück Geschichte : Das Jahr 2007 dürfte als Hoch- Zeit der konsequenten Denunzierung von Bloggern und deren Machenschaften von seiten der Printmedien in die Annalen einer Geschichte des Unnötigen eingehen . Mit aggressiven Falschdarstellungen dessen , was in einigen unter Tausenden Blogs angeblich völlig narzisstisch- nabelbeschaulich so abgeht , reagierten die Pritmedien auf den Typus jener Medien- Watch- Blogs , die es wagten , die Autorität von “Qualitätsblätterm” in Frage zu stellen . Mit solcher Anlasserregungen und Errengsanlässen wurde weitgehend übertüncht , dass die deutschen Printkonsortien viel zu spät den Braten jener Werbe- Etats rochen , von welchen online noch allerlei saftgie Brocken abzusäbeln waren . Wenn man aus den wohlbestallten Redaktionen nicht eben auf das Gros der in freiwilliger Selbstausbeutung recherchierenden Blogger feuerte - und zwar buchstäblich mit Kanonen auf Spatzen - , schoss man sich bald auf ein lohnenderes Objekt der Konfrontation kompakterer Begierden ein : Die Online- Strategien der öffentlich- rechtlichen Sender , deren Web- Präsenzen unmerklich über das Ziel einer legitimen “sendungsbegleitenden” Funktion hinauswucherten .

Man hätte dieses Jahr 2007 als ein Signal einer Irritation und Umorientierung verbuchen können : Sämtliche Blätter , vom Tagesspiegel über die taz bis zur NZZ , von der SZ bis zur FAZ haben inzwischen ihre online- Relaunchs vollzogen , unter dem Druck der entsprechend vorgepreschten New York Times die kostenpflichtigen Contents reduziert und ihre Web- Auftritte mit allerlei “interaktiven” Features” wie Leser- Polls , Fotostrecken und Videos adorniert . Seit die WAZ für ihre Filmchen eine Kooperation mit dem WDR eingegangen ist ( skandalös genug ! ) , laufen die Verhandlungen zwischen Zeitungsverlagen und den geschmähten ÖR- Sendern . Denn die Video- Contents ( Frage : Wer will die eigentlich in seiner Zeitung ? ) sind teuer , und “ohne” scheint’s dieser Tage nicht mehr zu gehen . Zudem hält sich jedes Blatt , welches auch online etwas auf sich zu halten vorgibt , seine Haus- und Hof- Blogger als nicht selten unterbezahte Mindesleister . Hauptsache , die Kosmetik stimmt . |||

III. “BLOG” ANNO ‘08 : DOPPELUNGEN

czz sprechblase iconOder es verhält sich andersherum und die angeblich so kritischen Blogger , deren Kampfnamen schon mit “Indiskrektionen” werben , sind biedere Journalisten und Dr. Jeckylls , die im Blog nur mal eben den Mr. Hyde heraushängen lassen . Nun , da die auf beiden Seiten vermeintlich Einflussreichen im Zweifelsfall ihre kleinen Geschäftchen miteinander pflegen , hätte man denken können , es sei endliich Ruhe eingekehrt und jeder sei “retour à ses pommes” . Dreht halt jeder an seinem Ding , wie es ihm gefällt und bastelt in seiner Nische . Wie die publizistischen Konvulsionen angesichts der Berlin- Blogger Konferenz re:publica 2008 erweisen , schwanken die Blätter noch heftig zwischen erdrückender Umarmung ( vgl. die FAZ- Homestory über die bekanntesten unabhängigen deutschen Blogger von Rang ) und dümmlicher Demontage ( Zwangsverpflichtung von redaktionell präparierten Praktikanten durch die SZ ) . |||

IV. BLOG & GELD

czz sprechblase iconAls Hintergrund- Muzak erklingt dazu das unausgesetzt geschäftigte Summen der kommerz- orientierten Blogger ( mit der problematischen Speerspitze des Blogvermarkters Adical , dessen Betrieber nicht zufällig auch die Initiatoren der re:publica sind ) und all jener Mikro- Adepten , die sich per Google- Werbeeinschaltungen ( AdSense ) , durch von der fragwürdigen Firma Trigami vermittelte Produkt- Rezensiönchen oder einfach im Gegentausch für Naturalien wie T- Shirts oder Energy- Drinks ihre Inhalte diktieren lassen . Symbolischer Bonus : Man darf sich als Teil jenes letzten Schreis der Reklame wähnen , der sich “virales Marketing” nennt . - Der Gegenchor erschallt von seiten der Anti- Kommerz- Fraktion , die z. B. die Cisco- und Yahoo- Kampagnen der bislang etwas lendenlahmen Adicalier als “Blutbloggen” anprangern . Nicht etwa , weil die Werber Blut und Schweiss vergossen hätten , die entsprechenden Aufträge zu akquirieren , sondern wei z. B. Yahoo Daten über Netz- Aktivisten an die Chinesische Regierung weitergab , die ihrerseits nicht lange fackelte und die betreffenden Personen umgehend kassierte . |||

V. BLOG ALS KOPIERTE PASTE

czz sprechblase iconAbseits dieser Fronten scheint ein Heer sprungbereiter Eiferer darauf zu warten , dass eine publikumswirksame Medlung hereinkommt , um diese per copy- und paste- Verfahren auf ihrer Seite zu platzieren . Sie alle spekulieren darauf , per Mitnahme- und Aktualitätseffekt möglichst viele Hits und Links zu lukrieren . Und voilà der Typus des Anhängers : ein führerloses Transportvehikel für Stapelware , stets auf der Suche nach einem wirkunngsträchtigen Zugfahrzeug . Bei der Sonderform des “Link- Journalism” erspart man sich sogar noch das langweilige Ritual des Kopierens . - Wer sich je gefragt hat , wie es den Nazis gelang , ein Volk zur Selbstgleichschaltung zu bewegen , mag das Gebaren solcher Opportunisten ein paar Tage lang betrachten . So wird allein in Deutschland jeden Tag und jede Stunde hundertfach und ohne Einschaltung eventueller Denk- oder Reflexionskräfte das wortwörtlich Selbe reproduziert . So weit also zum gerne zitierten emanzipatorischen Gedanken , via Blog liesse sich eine kritische Gegenöffentlichkeit installieren … |||

VI. BLOG ZUR VERBUCHUNG DER TAGE

czz sprechblase iconSelbstvertändlich gibt es sie auch , die im Lexikonartikel genannten Online- Tage- Verbucher . Gleichwohl gehen sämtliche Bemühungen der theoretischen Bemühungen um die “traditionelle” ( “private” bzw. “literarische” ) Diaristik den Bach runter , wenn man das Bloggen einfach als Fortsetzung des Tagesbuchs mit anderen Mitteln interpetiert - wie dies in der aktuellen Ausstellung des Fankfurter Museums für Kommunikation derzeit geschieht ( “Absolut privat !? - Vom Tagebuch zum Weblog” ) . Dass ein Weblog die Ausstellung sekundiert , gehört mitlerweile zum Guten Ton jeder Öffentlichkeitsarbeit . Stichworte : “Corporate Blogging” , “Kundenbindung” und “Interaktivität” . Die Aufskünfte darüber , wer sich wann , wie und wo welche Speisen zum Munde führt , dürften inzwischen zum Teil nach Twitter abgewandert sein . In welchem dieser Medien hätte wohl Arthur Schnitzler seine pedantische erotische Buchhaltung durchgeführt ? |||

VII. BLOG IN FRIEDLICHER NISCHE

czz sprechblase iconUnd schiesslich die unüberschaubaren Weiten der bescheiden selbstgenügsamen Nischenblogs : Ob Kochen , Stricken , Katzen , Amateurfotografie , Paragleiten oder Magersucht . Sie dienen im besten Fall als ( Selbst- ) Verständigungsmedien der entsprechenden Interessensgruppen . Oder ruhen als kleine Kunstwerke in sich selbst in Anbindung an ein Magazin wie das Blog beton + garten . Na ja , egal . Tausende Beispiele dort draussen . Empfehlung : Kulturwissenschaftliche Technikforschung zu Enzenbergers notorischer “Kehre” … |||

VIII. “BLOG” - ALSO WAS ?

Wczz sprechblase iconovon sprechen sie also , die Blog- Kritiker , wenn sie das Wort “Blog” ge missbrauchen ? Ärgerlich genug , dass sich jeder Print- Journalist offenbar dazu bemüssigt fühlt , sein Mütchen an “den Blogs” zu kühlen , so besteht darüber hinaus keinerlei Bewusstsein hinsichtlich des Spektrums der verschiedenen Ge- und Missbrauchsformen dieses Mediums . |||

IX. BLOG IN|AD|AE|QU|AT : CLAIM

czz sprechblase iconDer langen Rede kurzer Sinn schlieest mit unserem in|ad|ae|qu|aten Claim : Wir erinnern einerseits an unsere Selbstvorstellung als Work in Progress zwischen den Genres

  • als sorgfältiger Publikationsort von Primärliteratur ( Salon Littéraire )
  • als kulturpublizistisches Archiv
  • als Aufbau eines Metadaten- Systems im Hinbick auf das Semantic Web
  • als konsequente Vorstellung von Netlabels , creative commons- Künstlern und deren musikalischen Ansätzen
  • sowie als fortlaufender Kommentar eines nicht näher bezeichneten Alter Egos zu diversen Auffälligkeiten in Stadtleben , Publizistik und Alltagskultur .

Als eines der ersten Mikromedien im deutschsprachigen Raum wurde in|ad|ae|qu|at bei der mEDRA , der multilingualen Europäischen DOI- Registrationsagentur ( in Kooperation mit dem MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels , einer Service- Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. ) angemeldet : Dort figuriert in|ad|ae|qu|at unter der Signatur doi:10.3246/ib.1000 als “Online Zeitschrift” und “-Verlag” . Entsprechend melden wir die literarischen Beiträge unserer “Salon”- Gäste per indvidueller DOI an und können damit deren ( der ISBN- Nummer analoge ) persistente Registrierung erwirken , inklusive Metadaten wie Copyright , Autor, Publikationsdatum und Textgenre .

“Netzliteratur” schwebt dann also nicht mehr entlang irgendwelcher unzuverlässiger URLs irgendwo im WWW herum , sondern besteht in kenntlich definierten und bindend registrierten Einzelwerken . Dass in|ad|ae|qu|at mit der Wahl des DOI- Registierung- Systems den zwischen Deutscher Nationalbibliothek und dem Deutschen Buchhandel ausgehandelten künftigen Standard für Netzpublikationen vorwegnahmen , konnten wir zum damaligen Zeitpunkt freilich in keiner Weise ahnen . |||

KLANGAPPARAT

Nachdem wir uns einige Tage und entlang etliche Relases am Profil des Netlabels l a r i d a e entlang getastet haben , verfallen wir zum Abschluss doch noch einmal auf eine frühe Arbeit des Label- Mitbegründers Photophob aka Herwig Holzmann aka Das Gritli Moser . Die Leserin wird dies nicht für sagenhaft einfallsreich halten , doch bleibt der gute Mann nun einmal der beste Musiker im Club . Weshalb wir einige , uns weniger plausibel czz hörempfehlung erscheinende Titel aus der Backlist übersprangen ( sorry : Geschmackssache , it’s up to you to discover ! ) und nun im September 2006 halten . Was uns auf “about the living things” ( 028 ) erwartet , widerspricht in allen Kategorien dem bis jetzt ( hier und hier ) vom nämlichen Künstler Gehörten : Statt aberwitziger Breakbeats und einer infernalischen Jagd hintersinniger Samples tauchen wir plötzlich in eine verhalten instrumentierte Erkundung organischer Flukturen . Womit dem oben diskursiv formulierten Plädoyer für die Tugend der Differenzierung hier ein sinnlich erfahrbares beigesellt sei . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. intro | 02. isopoda | 03. cyanophyceae | 04. nematoda | 05. phlebotomus papatasi | 06. nemobius sylvestris | 07. acari | 08. hyperia macrocephala |||

LINKS - RELATED

Die Messe . Der Markt . Der Preis . Das Buch - Leipziger Allerlei



||| “SELBSTFEIER” - GUT ZUM DRUCK | MAXIMALE ZAHLENPARADE : “BUCH TUT GUT” | “WAHNSINN” & “REBELLION” | VERMARKTLICHUNG ? | FOR THE RECORD : DIE JURY | FOR FURTHER READING : DIE JURY FÜR DEN DBP | KLANGAPPARAT | LINKS

Leipzig war . Und kein bisschen leise . Wer hätte das denn auch gedacht . Das Machbare wird dem Markt nach gemacht und , pardon , wo sollte dies besser von statten gehen auf einer Buchmesse . Einer Book Fair mit dem Fair- Trade- Abkommen , per maximalem Aufkommen von Autoren , Debattierclubs und Surround- Berichterstattung für ein optimales Ankommen der Ware “Buch” beim “Publikum” zu sorgen . Auch Verlag brauchen schliesslich ihr Auskommen . |||

“SELBSTFEIER” - GUT ZUM DRUCK

icon sign language blackAusgekommen ist der Angelegenheit keiner , der auch nur irgend lesefähig , ein Feuilleton oder eine Webseite mit Kultur- Charakter streifte . Die Berichterstattung zu Buchmessen- Festreden , Literaturpreis und anderen Feuchtgebieten des literarischen Lebens bot freilich manche Gelegenheit , die Agenden der Berichtenden themselves hervorzuheben . So wird das Rendering der Eröffnungsreden unter der Sigle der FAZ zur “Selbstfeier” … mitnichten etwa der Alphabetisierungsleistung von “Qualitätsmedien” , sondern …. jener raren Perle unter all jenen verderblichen Netzaktivitäten , die seit der Etablierung des FAZ- “Reading Room ” besteht . So berichtet Richard Kämmerlings mit leisem Spotte über die Eröffnungsreden , die Messeeröffnung sei

traditionell immer auch die ergriffene Selbstfeier eines aufgeklärten, liberalen Bildungsbürgertums, dem Sprache, Literatur und Bücher vor allem Mittel der Völkerverständigung sind, Konflikte dagegen immer nur als eine Art von höheren Übersetzungsproblemen gelten.

Wenn es freilich um den Lobpreis der höchsteigenen Angelegenheiten geht , greift der Reporter die golden gesprochenen Worten und stemmt sie , diesmal ironiefrei , ausladend in Blatt .

Um die Bedeutung des Buches auch in Zukunft zu sichern, fällt jedoch neuen Medien wie dem Internet eine entscheidende Rolle zu. Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt zeigte sich fasziniert von der aktuellen Debatte um Jonathan Littells Roman “Die Wohlgesinnten”, die durch den Reading Room dieser Zeitung von einem Gespräch unter Experten zu einer öffentlichen Angelegenheit geworden sei: “Das Buch schlägt ein ganzes Land in seinen Bann, die Befürworter wie die Kritiker. Über nichts wird im Kulturbetrieb leidenschaftlicher gestritten als über Bücher. Ein größeres Kompliment kann man dem Kulturgut Buch gar nicht machen.” Das sei eine “große Chance” für den gesamten Buchmarkt: “Literatur wird durch diesen Reading Room noch lebendiger. Hier diskutieren Bücherleser miteinander, die sich ohne das Internet nie ausgetauscht hätten. Wer würde da noch behaupten wollen, dass die Papierkultur tot ist ?”

“Ergriffene Selbstfeier” : Fi donc ! - “Der Spiegel” warb zunächst für eigene Messeaktivitäten : “Altern , Apo , Alpha- Mädchen” . Das jedenfalls versprach man sich unter ” attraktivem Appeal” . |||

MAXIMALE ZAHLENPARADE : “BUCH TUT GUT”

icon sign language whiteDer “Tagesspiel” liess eine wahre Zahlenschlacht vom Stapel , einen body count der Buchkultur :

Rund 22.000 Besucher, vor allem Kinder, Jugendliche und Senioren, erkundeten die mit Büchern gefüllten Hallen, schmökerten in den Neuerscheinungen des Frühjahrs, lauschten Schriftstellern und sammelten Kataloge und Prospekte. Das “Frühlingsfest der Bücher”, auf dem sich auf rund 63.000 Quadratmetern mehr als 2000 Verlage aus fast 40 Ländern präsentieren, hatte am Mittwochabend mit einem Festakt im Gewandhaus begonnen. Erwartet werden rund 100.000 Besucher.

Ob die genannten “Kinder , Jugendlichen und Senioren” freilich jene Kaufkraft abgeben , nach welcher der Handel strebt , bleibe mal dahingestellt . Aber wozu gibt es die “Multiplikatoren” , die in Form vom “mehr als 2400 Journalisten aus rund 20 Ländern” angereist waren , “um über das größte Frühjahrs- Branchenereignis im deutschsprachigen Raum zu berichten” . - Ein paar Krümel dieser Coverage abzukriegen , gab für die “mehr als 2300 Aussteller” , die - der superlativische Stil kennt keine Gnade - “auf der wichtigsten deutschen Bücherschau des Frühjahrs ihre Neuerscheinungen” präsentierten , den Löwenanteil des “Prinzips Hoffnung” ab . Aber hallo , es gab ja noch einen weiteren Superlativ , geeignet , den Direktverkauf anzukurbeln :

Parallel findet mit “Leipzig liest” das größte europäische Literaturfestival in Leipzig statt: 1500 Autoren lesen bei rund 1900 Veranstaltungen auf dem Messegelände und in der ganzen Stadt.

Es wird Nachbericht des Tagesspiegels vorbehalten sein , das Bisherige sogar noch zu toppen : “129.000 Gäste” bedeuten exakt 29.000 mehr als die zuvor erwarteten 100.000 , auch die Menge der Aussteller ist seit dem vorangegangenen Bericht auf gezählte “2.345″ angewachsen . Rekord also in allen Kategorien : Sogar im beflissenen Abtippen von Agenturmeldungen . |||

“WAHNSINN” & “REBELLION”

icon sign language blackLive von den Saalschlachten mit aggressiven Fotografen gab der lokal situierte Paco @ “Umblätterer” von dem “kompletten herrlichen Lesungswahnsinn” Laut . Leicht wahnsinnige Züge trägt die Berichterstattung der “taz” : Einerseits sieht sie die Realperson des Lokalmatadors und Preisträgers des Leipziger Buchpreises irgendwie und “gefühlt” “überall zugleich” . Anderseits war die “überlebensgrosse” Plakataktion des S. Fischer- Verlags im Stadtbild auch ohne der - schon nachgerade mythischen - Szene des bierschwenkenden Preisträgers dazu angetan , für einen “überall zugleich”- Effekt zu sorgen :

Zum Marlboro-Mann reicht es nicht ganz. Aber zweimal hingucken musste trotzdem, wer ( .. ) die großformatigen Plakate sah, auf denen überlebensgroß Clemens Meyer neben seinem neuen Erzählungsband “Die Nacht, die Lichter” posiert. Eine eher ungewöhnliche Werbeaktion, die der Fischer Verlag seinem jungen Autor angedeihen ließ. Ob sie den letzten Ausschlag dafür gegeben hat, dass Meyer Konkurrenten wie Sherko Fatah oder Ulrich Peltzer im Rennen um den Preis der Leipziger Buchmesse abgehängt hat, darf man bezweifeln. Kaum fraglich indes, dass mit der Leipziger Plakataktion fortgesetzt wird, was Clemens Meyer in seinen Interviews nicht müde wird zu wiederholen: Er ist ganz nah dran an seiner Stadt und seinen Leuten.

“Ganz nah dran” musste zwangsläufig der NZZ- Redakteur an der Szene sein , zählte er doch zu den Juroren des Preises . Meyers triumphierende Bierschwenk- Geste evozierte für den Beobachter die “Siegerpose eines Boxers” unter wurde von diesem “nachsichtig unter Imagepflege und Profilierung der eigenen Marke ( Gefühl und Härte, Prekariat und Poesie )” verbucht . Was dem Gast aus der nüchternen Schweiz auffielt , war das Motiv der gereckten Faust : “Beinahe hatte die Geste etwas Rebellisches” . Und gemahnte damit an das Jahresthema “1968″ , formerly known as “Jugendrevolte” . Die Teach- Ins zum Thema figurieren dieser Tage eher im Format der Talkshow und Debattierzirkel . Titel : “Damals wilde Worte , heute milde Sorte ?”

Fäuste wurden nicht geschwungen; hier und da vielleicht in der Hosentasche geballt.

Kollege und Deutschland- Korrespondent Joachim Güntner wollte die stark von Charlotte Roches “Feuchtgebieten” beatmete Stimmung “für einmal einseitig” betrachten :

Überall Sex. |||

VERMARKTLICHUNG ?

icon sign language whiteDer bestens sellende Sex dient selbstverständlich lediglich zur Querfinanzierung für hochqualitative Literatur . Allerdings gibt es Manche , die Zweifel hegen . Ein paar notierenswerte Gedanken hat sich der Gallimard- Lektor Eric Vigne in seinem Buch “Le livre et l’éditeur” gemacht und mit der FR darüber gesprochen . De facto , so Vigne , sei das Verlagswesen längst in den Besitz grosser Medienkonzerne , die den the way of publishing eminent beeinflussen :

Alle Medienkonzerne werden strukturiert durch die Norm des Gegenwartkultes, des unmittelbaren Umsetzens von Themen und Produkten, des schnellstmöglichen Auszahlens der Investition. Ihre Zeitschriften konzentrieren sich daher auf die Bestseller, die sich sehr schnell verkaufen sollen und der großen Homogenität der Vertriebssysteme angepasst sind, die wiederum eher dazu da sind, die Verkaufszahlen der Bestseller in die Höhe zu treiben, als dazu, die breite und anhaltende Präsenz von anspruchsvollen Büchern zu gewährleisten.

Diesem “Gegenwartskult” steht die Produktionsweise diametral entgegen :

Es wird heute geschrieben, aber auf der Grundlage einer Reflexion oder Perspektivierung der Vergangenheit, die in die Zukunft weist. Das Buch ist also im Futur ebenso wie im Perfekt oder im Konditional geschrieben. Die Kommunikationsbranche gründet dagegen auf dem Bild, der reinen Gegenwart, und kümmert sich weder um die Zukunft noch um das Erbe der Vergangenheit.

Im “Börsenblatt online” erinnert Jochen Jung - bekannt als Verleger und elegant schöngeistiger Kolumnist - trotz allem an die Realität und Notwendigkeit des Marktes . “Leipzig = Marktmaschine” lautet die Gleichung hinter all dem TamTam und ChiChi :

Und wenn die phänomenale Lese- oder richtiger: Zuhörlust der Leipziger auch dieses Jahr wieder zu fast 1.000 Veranstaltungen führen wird, dann nicht nur, um der Eitelkeit der Autoren und dem Wissensdurst der Leipziger Genüge zu tun, sondern um sie zum Kaufen zu animieren ( …) . Tatsächlich sind der Geist und das Geld unversöhnlich. Aber eben das ist ja der Motor, der für die Spannung sorgt, aus der heraus die Buchwelt ihren Antrieb bezieht. Dass da etwas zusammengebracht werden muss, was nicht zusammengebracht werden will, das ist die Herausforderung.

Scheinbar Unversöhnliches Zusammenzwingen muss auch , der die Gretchenfrage nach der Zukunft von literarsichem Content stellt : Dass “Buch oder Netz ?” als Killerfrage funktionert und entsprechende Killerphrasen triggert , ist hinlänglich bekannt.

Eher konsensuell wollte dies freilich der “Börsenverein” mt einem Teach- In Panel gehalten wissen : Die Debatte über “Bücher, die die Welt beweg(t)en” erregte weniger durch ein letztlich zusammengebasteltes Plädoyer für das “Sowohl als auch” von Net und Papierpublikationen , sondern vor allem durch die Aufmischung des Personals für “Tradition” ( Autor Michael Kumpfmüller ) und “Fortschritt” ( Helge Malchow , Kiepenheuer & Witsch ) durch den Werbeblog- Startupper aus der ZIA , Sascha Lobo . Man lese die Kommentare - sowie einen diesmal zu Hochform auflaufenden Hal Faber . |||

FOR THE RECORD : DIE JURY

icon sign language blackInwieweit die Zusammensetzung der Jury aus den Namen der üblichen Verdächtigen besteht , mag “chacun à son goût” ermessen . Wir listen hier ( for the record ) simpel die Namensliste .

Die bisherigen Juroren : Ulrich Greiner ( Die Zeit ) , Michael Hametner ( MDR Literatur ) , Uwe Justus Wenzel ( NZZ )

Neu im Team : Ina Hartwig ( FR ) , Elmar Krekeler ( Literarische Welt ) , Kristina Maidt-Zinke ( SZ ) , Volker Weidermann ( FAS )

    Es ist nicht eben schwer , zu erkennen , wer sich hier in belletristischen Belangen ( = Preis an Clemens Meyer ) durchgesetzt hat . Die Bemerkungen der FR zur schiefen “Wiedergutmachung” halten mit Indizien für eigene Präferenzen nicht eben hinter dem Berg :

    Überhaupt ließ sich auch in diesem Jahr wieder herrlich über Mechanismen von Jury-Entscheidungen und Preisvergaben spekulieren - und auch dafür ist der Preis schließlich da. Clemens Meyer, vor zwei Jahren mit seinem gefeierten Roman “Als wir träumten” leer ausgegangen, reüssiert nun mit der kleinen Form. Das leuchtete nicht jedem ein. Muss es auch gar nicht.

    Das Augenfällige in diesem Jahr ist der Umstand, dass die Jury ein Versäumnis nachholte, um ein anderes zu begehen: Sie nominierte Ulrich Peltzers Roman “Teil der Lösung”, einen Herbsttitel, der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises in Frankfurt unverständlicherweise fehlte, um im Gegenzug und ebenso unverständlicherweise in einem qualitativ insgesamt eher schwachen Frühjahr Marcel Beyers Roman “Kaltenburg”, ein so kluges, spannendes und bewegendes Buch, wie es nicht oft geschrieben wird, zu ignorieren. |||

    FOR FURTHER READING : DIE JURY FÜR DEN DBP

    icon sign language whiteÀ propos “Deutscher Buchpreis” : Die dramatis personae der Jury ‘08 wurde bereits Mitte Februar bekannt gegeben . Am 20. 8. soll die Longlist stehen ( 20 Titel ) , ab 17. 9. die notorisch heiss debattierte Shortlist ( 6 Titel ) . Als Vorabendprogramm zum Start der Frankfurter Buchmesse ziehen sie dann am 13. 10. mit der endgültigen Entscheidung blank . Wie man sich unschwer erinnern wird , gingen die 37.500 Euro im Vorjahr an “Die Mittagsfrau ” Julia Franck .

    Christoph Bartmann ( Leiter der Abteilung Kultur und Information des Goethe- Instituts ) , Martin Ebel ( Kulturredakteur beim “Tages- Anzeiger ) , Meike Feßmann ( freie Kritikerin ) , Jens Jessen ( Feuilletonchef der ZEIT ) , Manfred Keiper ( Andere Buchhandlung , Rostock ) , Rainer Moritz ( Leiter des Literaturhauses Hamburg ) , Michael Schmitt ( Redakteur bei “Kulturzeit” , 3sat )

      Ob die Statuten dies Jahr besser erfüllt und das Wahlverhalten weniger ausschliesslich “hansert” , als dies im Vorjahr der Fall war , wird sich weisen . Warten wir’s ab . |||

      KLANGAPPARAT

      Damit dies kein komplettes Montagsmodell bleibt und alles nur “Laus über die Leber” bzw. -Tran : Den besten Sound für sämtliche Tageszeiten czz hörempfehlungsowie eine Tiefenreinigung der Laune zeitigt eines der besten Mixes der besten Mo- na - te . Die vom vm Magazin XLR8R ( sprich : “accelerator” ) verabreichte Mixtur “Dubstep Goes South” beinhaltet heitere Dubanwandlungen , resche- Beat- Sprints , sämtlich dazu angetan , den Tiger wieder in den Tank zu zaubern . DJ und Producer Bruno Belluomini schenkt ein und spart nicht mit Eigenbau aus feinsten Lagen . Und fährt und fährt und fährt . Oder weniger treudeutsch und markig : Dis ’s reel fun , Dudes ! - CLICK LINK TO “DUBSTEP GOES SOUTH” SEE PLAYLIST AND LISTEN . |||

      LINKS

      “Die FAZ- Gesinnten” im READING ROOM



      ||| AVANT PROPOS | MANN DER MACHT | READING ROOM : RR ZUR SS | KEIN AUSBLICK | ANMERKUNGEN | BLOG REACTIONS | KLANGAPPARAT

      FAZ READING ROOM 000 Header

      AVANT PROPOS & DISCLAIMER

      Von Literatur im engeren Sinn , von deren Poetik oder gar Qualität ist im Folgenden dezidiert NICHT die Rede . |||

      MANN DER MACHT

      FAZ READING ROOM detailEin Mann , ein Macher . Wie er in der Zeitung steht . Wie er Zeitung macht . Wie er ein gediegen vielfältig komponiertes Feuilleton zur Speerspitze eines - bis dahin nur in den Tiefebenen von BILD betriebenen - Kampagnenjournalismus verwandelt . Von der radikalen Umschaltung des “Kultur” auf die sogenannten “Lebenswissenschaften” , dem Coup des Abdrucks eines Teils der Genomsequenz am 27. Juni 2000 ( 1 ) bis hin zum journalistischen Grosseinsatz gegen Web 2.0 , Blogger und - ceterum censeo - die Öffentlich- Rechtlichen . ( 2 )

      Mittels Kehren , Drehungen und Wendungen lässt der Herr DAS SEINE zum Erreichen der Meinungsführerschaft geschehen . Zur Usurpation der Themen um eine erneute Revision der NS- Zeit sowie des konservativen Widerstandes kann es schnell mal geschehen , dass heute recht ist , was noch gestern wortreich verworfen .

      • WER meldete die Skepsis an , als es hiess , für den Film VALKYRIE solle Tom Cruise in der Rolle Stauffenbergs an der historischen Walstatt des Bendlerblocks drehen ? ( 3 )
      • WER verwarf diese Skepsis zwei Monate später angesichts der historischen Chance , der Existenz des ( konservativen ) Widerstandes via Hollywood “weltweit” Publizität zu verschaffen ? ( 4 )
      • WER hielt , zwei weitere Monate waren ins Land gezogen , die Courage- Bambi- Laudatio auf Neo- Stauffenberg und Alt- Scientologen Cruise ? ( 5 )
      • WER verteufelte in seiner Rede bei der Entgegennahme des Jacob- Grimm- Preises für Deutsche Sprache 2007 die Wirkung des Internets auf Jugendliche nachgerade als “Körperverletzung” ? ( 2 ) |||

      READING ROOM : RR ZUR SS

      FAZ READING ROOM detailWER richtet jetzt just einen online only READING ROOM ein , um Text ( 6 ) und Thema des umstrittenen Romans LES BIENVEILLANTS | DIE WOHLGESINNTEN noch vor Erscheinen des Buches am 23. Feburar für die Bilanzen der FAZ zu kapern ?

      Es lohnt sich , kurz in die Zürcher Chronik eines angekündigten Bestellers zu blicken .

      Das multimediale Online- Design des FAZ- RR vor dunkelm Hintergrund und unter allgeorisch zitierendem Header ist der Spezialseite , welche der Berlin- Verlag unter der Adresse www.diewohlgesinnten.de für Jonathan Littell eingerichtet hat , nicht eben unähnlich :

      WIE der Zeitungsmacher das Interesse an den WOHLGESINNTEN legitimiert , liest man seit 2. 2. im RR der FAZ ( 7 ) :

      FAZ READING ROOM detailSeid ihr überhaupt sicher“, heißt es am Beginn des Buches, das mit Anspielungen auf Ernst Jüngers “MARMORKLIPPEN” einsetzt, “dass der Krieg vorbei ist? In gewisser Weise ist der Krieg nie vorbei, oder er ist erst vorbei, wenn das letzte Kind, das am letzten Tag des Krieges geboren wurde, wohlbehalten begraben ist, und auch danach lebt er in dessen Kindern und in deren Kindern fort, bis sich das Erbe allmählich verflüchtigt“. ( … )
      Was ist das für ein Buch? Es ist zunächst, und dafür spricht fast alles, ein Buch von einer unerhörten Präzision. Littell hat die Quellen in einer bislang beispiellosen Weise in sein Werk integriert: von Goldhagen (den er ablehnt) bis zu Christopher R. Browning, von Albert Speer bis zu Ernst Nolte, von Joachim Fest bis Ian Kershaw. Es ist enorm. Doch man kann vorhersagen, dass sich die Rezeption in Deutschland von der französischen schon allein deshalb unterscheidet, weil das gebildete deutsche Lese-Publikum viele dieser Fakten kennt, insgesamt über genauere Kenntnisse der historischen Vorgänge verfügt. ( … ) Deutsche Leser werden beeindruckt sein von der Bändigung der Fakten in den kunstvoll übereinanderliegenden Schichten des Romans; aber sie werden nachdrücklicher die Frage nach der Hauptfigur stellen. Ist das der Täter? (…)
      Dieses Werk stiftet Streit. Ihn wollen wir führen. Eben deshalb, weil uns das letzte Wort nicht einfällt. Den Vorabdruck in der Zeitung werden wir im Internet erstmals mit dem “F.A.Z. Reading Room” begleiten. Der Reading Room ist ein Diskussionsforum, das nicht nur die tägliche Folge des Fortsetzungsromans im Internet präsentiert, sondern den Text auch als Audiodatei und als Video Stream verfügbar macht, gelesen von dem Schauspieler Christian Berkel. Es ist ein Forum für unsere Leser, der Ort, an dem sie über das Buch diskutieren und miteinander ins Gespräch kommen können. ( … )

      Wir sind berührt und entfremdet von dem Werk, das mit den Namen weniger das Schicksal vieler wieder aufruft. Es sollen viele sein, die darüber diskutieren.

      WIE der Meinungsmacher die plötzliche Wendung zum permeablen Netz via READING ROOM argumentierte , liest man in dessen Entrée seit 3. 2. ( 8 ) :

      FAZ READING ROOM detailDer F.A.Z. Reading Room ist das multimediale Diskussionsforum zum exklusiv vorabgedruckten Fortsetzungsroman der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In seiner diskursiven Vielfalt, seiner Textnähe und Aktualität ist der Reading Room eine ideale Diskussionsplattform für alle Literaturinteressierten, die sich am Gespräch über die wichtigen Bücher unserer Zeit beteiligen wollen.

      Dabei steht der Reading Room auf zwei Säulen: Er ist zunächst ein Forum für Leser, der Ort, an dem Sie über unseren Fortsetzungsroman diskutieren und miteinander ins Gespräch kommen. Neben dem Leserforum haben wir ein Expertenforum eingerichtet, ein Podium, auf dem Historiker wie Götz Aly und Ulrich Herbert mit Literaturwissenschaftlern, bekannten Publizisten und Redakteuren der F.A.Z. über den Roman sprechen und streiten wollen. Ihre Beiträge können von allen Nutzern kommentiert werden. |||

      KEIN AUSBLICK

      In 18 Folgen soll es so nun also via Text , Audio , Video , Expertenmeldungen und Leserfragen gesittet im READING ROOM zugehen : Dezidiert tritt in|ad|ae|qu|at vom aufgelegten Beobachterposten beiseite . Mögen nervenstärkere Kräfte den READING ROOM- Watch besorgen . Umblaetterer , bitte übernehmen ?! - |||

      FAZ READING ROOM 01

      ANMERKUNGEN

      1 ) Mike S. Schäfer : Aktuelle Humangenomforschung in der Mediendebatte ( Gen-ethischer Informationsdienst , Jg. 20 )

      2 ) Frank Schirrmacher : Wir brauchen eine Debatte [ Rede zur Verleihung des Jacob- Grimm- Preis für Deutsche Sprache 2007 ] ( SZ , 29. 10. 2007 sowie u. d. Titel Wie das Internet den Menschen verändert , FAZ , 30. 10. 2007 )

      Das Netz ist auch ein Medium, das in steigendem Maße Nicht- oder Fastnichtmehrlesen ermöglicht, und wer das nicht glaubt, schaue sich die Verfilmung von Archiven bis zu Gebrauchsanweisungen auf Youtube an. Jetzt aber verändern sich die Gehirne. In welchem Ausmaß das geschieht, ist selbst der Forschung noch nicht klar: Fest steht, dass der ikonographische Extremismus, dem die Jungen und Jüngsten im Internet ausgesetzt sind, wie eine Körperverletzung wirkt. ( … ) Die Sprache dieser ersten Internetgeneration ist beängstigend roh, sie kommt aus den Bildern und handelt von den Praktiken, die diese Protagonisten in irgendwelchen Nischen gesehen haben. ( … ) Dies ist kein Kulturpessimismus. Gerade diese Beispiele zeigen, warum die Zeitungen gebraucht werden und was geschieht, wenn man die vermittelnden Instanzen der großen Zeitungen ignoriert.

      • dazu Christian Stöcker : Das Internet ist an allem schuld ( SpOn , 29. 10. 2007 )
      • dazu Replik Frank Schirrmacher : Heisere Stimmen aus der journalistischen Sahelzone ( SpOn , 31. 10. 2007 )
      • Dass aus alldem von SPIEGEL ONLINE reaktionäres Bewusstsein konstruiert wird, ist letztlich egal. Dass nur die “Druckerpressen das Abendland retten” können oder das “Internet an allem schuld sei”, steht nicht nur nicht in meiner Rede - ich wüsste keinen Menschen auf der Welt, der diesen Quatsch glauben sollte. Das ist Polemik, aber besonders gut finde ich sie nicht. Das ist ein Kampf gegen Vogelscheuchen, der Leserkommentare erzeugt, aber nichts mehr mit den Tatsachen zu tun hat.
        Was also wurde in der Rede kritisiert? Die pornografischen und kriminellen Bild- und Filminhalte, die Nachrichtenenten, die Boulevardisierung der “News” und deren prägende Wirkung auf Kinder und Jugendliche. Außerdem: der Aufkauf von Zeitungen nach den Maßgaben der Rendite. Starke Qualitätszeitungen sind ein Gegenmittel gegen die absolute Welt des Internet.

        3 ) Frank Schirrmacher : Cruise als Graf von Stauffenberg : Die unmögliche Mission ( FAZ , 9. 7. 2007 )

        Zwischen Ron Hubbard und Stefan George liegen - um jedes Missverständnis auszuschließen - Lichtjahre. Der George-Kreis war keine Hunderte-Millionen-Dollar-Industrie und auch kein Instrument finanzieller Bereicherung. Und dennoch wäre er heute im Überwachungsbereich des Sektenbeauftragten und - denkt man an die von George 1933 zugestandene „Ahnherrschaft“ der „neuen nationalen Bewegung“ - auch des Verfassungsschutzes.

        4 ) Frank Schirrmacher : Stauffenberg-Film - Tom Cruise im Bendlerblock ( FAZ , 15. 9. 2007 )

        Denn dass der Film von Bryan Singer und Tom Cruise ein globales Publikum erreichen wird, daran kann kein Zweifel bestehen. Hunderte Millionen Menschen werden zum ersten Mal in ihrem Leben erfahren, dass es Widerstand gegen Hitler gab. Wie die Dinge stehen, werden sie es dank der Techniken Hollywoods auch nicht mehr vergessen – der Film wird nicht nur ein Film über Stauffenberg, er wird ein Film über den deutschen Widerstand, seine Gewissensnöte, seine Tragik und auch, in wenigen Sequenzen nur, ein Film über die Verlassenheit der Nina von Stauffenberg. ( ..) Der Film zielt auf Deutschland selbst: Uns Deutschen mangelt es vielleicht nicht am Wissen über den 20. Juli, womöglich aber an der Emotion, ja dem Mitgefühl mit den damals handelnden Personen. Gelingt der Film, wird der Bendlerblock in Berlin von einem Ort des staatlichen Gedenkens zu einem der meistbesuchten Mahnmale des Landes, zu einem Ort jedes Einzelnen werden können.

        5 ) Frank Schirrmacher : Ein Mann der Courage . Laudatio auf Tom Cruise ( FAZ , 30. 11. 2007 )

        Tom Cruise nahm sich nämlich eines Themas an, das mir sehr am Herzen liegt, nicht zuletzt, weil sich mein Vorgänger als Herausgeber der F.A.Z., Joachim Fest, viele Jahre sehr intensiv damit beschäftigte: Ich spreche vom deutschen Widerstand gegen Hitler. Es hat mich immer bedrückt, dass es beinahe unmöglich war, das Ausland darauf aufmerksam zu machen, dass es auch innerhalb Deutschlands Menschen gab, die ihr Leben riskierten, um sich den Nazis zu widersetzen.

        6 ) Genauer : Die ersten 120 Seiten von insgesamt 1381 in der Übersetzung von Hainer Kober .
        7 ) Seid ihr überhaupt sicher , dass der Krieg vorbei ist ? - Eine Werkeinführung von Frank Schirrmacher
        8 ) “Was ist der Reading Room ?FAZ READING ROOM 02

        BLOG REACTIONS
        Pourquoi je ne ferai pas de chronique sur Les bienveillantes ( Chroniques du jour d’après via Olivier ) , Goncourt : Littell aurait préféré ne pas ( La République des Livres ) , FAZ- Schirrmacher , das Internet, das Abendland und der Untergang ( Kulturwissenschaftliche Technikforschung ) , Der “FAZ”-Herausgeber und der Scientologe ( Indiskretion Ehrensache | Rivva ) , Getrennt marschieren , vereint schlagen - Die FAZ leistet der Süddeutschen Zeitung Schützenhilfe bei der Web 2.0- Polemik ( Wissenswerkstatt ) , Ob Frank Schirrmacher gerade Selbstzweifel bekommt ? ( Indikretion Ehrensache ) , Frank Schirrmacher und der Rassismus der Minderheit ( A. Posener , WELT ) , Die Doppelzüngigkeit der FAZ ( FXMBR ) |||

        KLANGAPPARAT

        TAKE SOME TRAX OF TECHNO TO KLEAN YOUR BRAIN : So etwas lässt sich freilich viel poetischer formulieren . Vor allem , wenn man als Produzent solcher kathartischen Kräfte figuriert . H. P. Lovecraft , Salvador Dali und die Strugatski- Brüder stehen für surreal abjekte Hirnbilder , wie sie der Russe HUGOBOY ( vulgo Eugene Chebykin , MySpace ) mit seinen Klängen assoziiert . In der Eigenwerbung klingt dies dann wie folgt : “Streams of czz hörempfehlungsounds carry you away to a fairy tale in which millions ends , and you are simultaneously both the protagonist and the author of this fairy tale.” - Interessante Position für einen Techno- DJ aus Kurgan / Sibirien , der einsam an seinen Reglern dreht … würde der Spruch doch viel eher auf das neue Mitmach- Märchen des FAZ- READING ROOM passen ?! - Anyway . Bereits die Techno- Doppelhaushälfte des japanaischen Labels BUMP | FOOT bürgt für Qualität , welche allerdings im Genre des Techno nicht notwendig in den Körnungen muikalischer Differenziertheit besteht . Schon eher in klaren taktischen Profilen mit originell eingelagerten Spielen . Und das vermag die EP 8TH FLOOR ( bump 055 ) zweifelsfrei zu bieten . Und noch ein Plus : Vorliegende Tunes sind als hurtige Schulung in Sachen Sturheit beim täglichen Menschärgeredichnicht ziemlich dienlich ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. 8th Floor (6:10) | 02. Flea’s Adventure (5:49) | 03. The Way Home (6:12) | 04. Olympiade 80 (4:57) | 05. Tinto Brass (6:54) | 06. Ketaminimal (6:15) | TT 36:17 |||

      IN GUTER VERFASSUNG ? | Wenn - Dann



      ||| GUTER VERFASSUNG ? | WENN ( 1 ) | WENN ( 2 ) | WENN ( 3 ) |WENN ( 4 ) |WENN ( 5 ) | WENN ( 6 ) |WENN ( 7 ) | WENN ( 8 ) | DANN ( 1 ) | WENN ( 9 ) | DANN ( 2 ) | LINKS : VERFASSUNGSKLAGE | “GRUNDRECHT AUF INFORMATIONSFREIHEIT” | MERKEL GRENZT | FAZ- KAMPAGNEN | ÖR RUNDFUNKSTAATSVERTRAG | WIE IMMER : PRINT VS BLOG |||

      GUTER VERFASSUNG ?

      Ob wir in guter Verfassung sind ? - Danke der Nachfrage . Man hat da so seine Zweifel . - Während ( bislang ) 13.000 deutsche Bürger vor dem Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz zur Vorrats - Verrats- Daten- Speicherung einkommen , fordert die stimm freudige SPD nun plötzlich volltönend die verfassungsmässige Festschreibung des Grundrechts auf Information. |||

      picto TV pubWENN ( 1 )

      Wenn die Öffentlich- rechtlichen Sender sich nur daran halten wollten , die Grundversorgung der Bevölkerung mit Informationen zu garantieren . Dann wird das grundsätzlich akzeptiert . Sollen halt Qualität machen , die dort , und Quote obendrein . So lange sie freilich hübsch fein aus dem Radioapparat schallen oder den neu angeschafften Flatscreen bespielen . Wie kakophonisch erhoben sich Zeter und Mordio , als die ÖR ankündigten , ihre Programme ( “Angebote” ) fortan ins Netz auszuweiten . Sämtliche Blätter rauschten Sturm : Der vom Steuern- und Gebührenzahler ( überteuert ) alimentierte “Staatsfunk” könnte doch den Knabenmorgen der Zeitungszukunft im Netz verderben . |||

      picto TV pubWENN ( 2 )

      Wenn man angesichts der weit verbreiteten politischen Interventionitis auch allzu leicht vergisst , dass die ÖR- Medienanstalten kein “Staatsfunk” sind , möchte man sich doch noch einmal kurz zurück an jene Zeit erinnern , da “Radio” synonym mit “Volksempfänger” war . - Wird man nun , da die Bundeskanzlerin höchstselbst ARD und ZDF in ihre ( Online- ) Schranken verwies , wieder vom “Staatsfunk” zu reden haben ? |||

      picto TV pubWENN ( 3 )

      Wenn dieser Reglementierung statt gegeben wird , wird einmal wieder jener Kampagnenjournalismus gesiegt haben , den speziell die FAZ seit Monaten betreibt . Getarnt zunächst unter der “bürgernahen” Agenda , die unzarten Methoden der GEZ- Eintreiber aufzuzeigen , polemisiert das Blatt seither in stetig steigender Frequenz gegen die Online- Pläne der Sender . Den Vogel schoss freilich Michael Hanfeld am Freitag voriger Woche ab , als seine Vermeldung des Merkel’schen Machtworts - in blauem Kasten - den triumphierenden FAZ NET- Aufmacher gab . Eben noch rechtzeitig , den Update des Online- Designs ( sprich : “Relaunch” ) des Blattes vorzubereiten . |||

      picto TV pubWENN ( 4 )

      Wenn bei den Online- Offerten der ÖR- Anstalten die rechte Hand oft nicht weiss , was die linke unterlässt , liegt dies - wie wird anhand ORF- ON mehrmals dokumentierten - an einer eigentümlich eingeschränkten Kommunikationskompetenz im Internen . Auch gilt die Arroganz dieser Elefanten als legendär . Hier gäbe es dezidiert Kritik- und Handlungsbedarf . Nicht minder liegt hinsichtlich der Verseuchung von Form und Content mit Werbung liegt Etliches im Argen . Wer aber , liebes Print mit deinen “Redaktionellen Beilagen” , deinem versteckten und offenen PAID CONNTENT , werfe da den ersten Stein ? |||

      picto TV pubWENN ( 5 )

      Wenn als gesichtert und common sense gilt , dass die Zukunft journalistischer Printprodukte im Bi- , Tri- bis x- Medialen liegt ( Print , Audio , Video , *Bildstrecken* ) : Wer würde mit Gewissheit sagen , dass Netzangebote öffentlich- rechtlicher Medien notwendig den Print- Konkurrenten das Wasser abgraben ? - Oder geht es im Grunde doch nur um das Eine : Den Online- Werbemarkt ? - In der Tat : Der Netspace ist ( fast ) unbegrenzt , das Reservoir der Werbebudgets um so limitierter . Zitat : “Bedroht sind auch die Portale der Tageszeitungen.” ( SZ ) |||

      picto TV pubWENN ( 6 )

      Wenn man mir das Recht auf Information schon unbedingt zu Füssen meiner Staats- Bürgerschaft legen will - Right On : Dann wären Nichtbesitz eines TV- Geräts oder ein empfangsschwacher Radioapparat kein Hindernis mehr , an öffentlich- rechtliche Informationen ( für welche ich indirekt und direkt ja doch bezahle ) zu gelangen . |||

      picto TV pubWENN ( 7 )

      Wenn es so ist , dass Kontrolle der Inhalte und Formatierungen öffentlich- rechtlichen Medien bei den demokratischen Instanzen des “mündigen Bürgers” ( in Bürgerjournalismus , Leserbriefen , Blogs ) liegt , bei eigens eingerichteten Kontrollorganen und nicht zuletzt bei der “freien” Presse : Wer kontrolliert und korrigiert dann : Jene Presse , die als “Erkenntnis” ausgibt , was de facto Eigeninteresse ist . Wer kontrolliert und korrigiert dann : Den Kampagnenjournalismus ? |||

      picto TV pubWENN ( 8 ) | DANN ( 1 )

      Wenn dem so ist : DANN haben wir Blogger auch keine Chance . Teils , weil deren Gutteil selber hinter den Werbebatzen her ist und sich auch dem Feuilleton als schmiegsam erweist : “Düpiere keinen potentiellen Abnehmer deines Mediendienstes” ( T 2 ) . Teils , weil es just sogenannt freie Blogger sind , die auf der Jagd nach Links und Hits die immer gleichen Meldungen reproduzieren , insoferne sie nicht überhaupt ihre “heise- oder sonstwas“- Feeds automatisch in ihre Blogzonen katapultieren : Ein bemerkenswerter Hang zur Selbstgleichschaltung . |||

      picto TV pubWENN ( 9 )

      Wenn letztlich die Fronten zwischen den sogenannten Profis in den Print- Online- Redaktionen und den “User-” aka “Loser- generated Content” ( Stern ) -Generatoren auf derartig absurde Weise zementiert sind bzw. die Argumente der Blogger entweder stillschweigend übernommen oder bewusst marginalisiert werden :

      picto TV pubDANN ( 2 )

      Dann rede man uns nicht von schönen Idealen der Freiheit des Ausdruckes , der Information und der Kommunikation . Makulatur produzieren können wir - wie Beispiel zeigt - selber . |||

      LINKS

      VERFASSUNGSKLAGE

      “GRUNDRECHT AUF INFORMATIONSFREIHEIT”

      MERKEL GRENZT

      FAZ- KAMPAGNEN

      ÖR RUNDFUNKSTAATSVERTRAG

      Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat das Gebot der Staatsferne und der Unabhängigkeit. Deshalb werden – bis auf die als Staatssender ebenfalls öffentlich-rechtlich organisierte Deutsche Welle – die Sender nicht durch Steuern finanziert wie bei einem echten staatlichen Rundfunk. Öffentlich-rechtliche Sender und die Landesmedienanstalten, die den privaten Rundfunk kontrollieren, finanzieren sich durch Rundfunkgebühren, die jeder Bürger, der ein Empfangsgerät bereit hält (Fernseher, Radio und neuartige Rundfunkempfangsgeräte), monatlich über die GEZ entrichten muss. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern hat Deutschland die sechsthöchsten Fernsehgebühren in Europa.

      Darüber hinaus hat er zur weiteren Finanzierung die Möglichkeit, in seinen Hauptprogrammen bis 20.00 Uhr einen Anteil an Werbung auszustrahlen. Außerhalb dieser Zeit ist jedoch Sponsoring möglich. ( … ) Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat den so genannten öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen, der in dem jeweiligen Landesrundfunkgesetz verankert ist. Danach müssen die Programme den Zuschauern umfassend und ausgewogen Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung anbieten. Dabei sind auch bestimmte journalistische und ethische Prinzipien einzuhalten. ( 1 )

      BAU : PRINT VS BLOG

      Continue reading ‘IN GUTER VERFASSUNG ? | Wenn - Dann’

      User- Generated vs. MSM | Von Äpfeln und Birnen



      Nun ist es wieder einmal verbucht und verbrieft : Mainstream Media ( MSM ) , Ressort- Journalismus und hierarchische Arbeitsteilug generieren einen konsistenteren Content als “User generated” Networks . Das - - nota bene von Journalistenschulen und -Interessensvertretungen betriebene - - Project for Excellence in Journalism ( PEW ) knallt uns die Asse harter Fakten so auf die Platte , dass diese und wir Leser erbeben . Die Darstellung erfolgt selbstverständlich gänzlich ohne Tendenz :

      If someday we have a world without journalists, or at least without editors, what would the news agenda look like ? How would citizens make up a front page differently than professional news people ? If a new crop of user-news sites - and measures of user activity on mainstream news sites - are any indication, the news agenda will be more diverse, more transitory, and often draw on a very different and perhaps controversial list of sources, according to a new study.

      Ebenso selbstverständlich und ebenso ohne jeden Bias tönt die Paraphrase seitens des FAZ- Netzökonomen Holger Schmidt :

      Iphone statt Irak: Was Nutzer wirklich lesen . Wenn es eines Tages keine Journalisten mehr gäbe, wie würden dann die Nachrichten aussehen? Welche Auswahl treffen die „Bürgerjournalisten” ?

      picto aepfel birne

      Was also hat aber das PEW und wie herausgefunden ? - Während in der Vergleichswoche 24. bis 29. Juni die Themen “Irak” und “Immigrations- Debatte” in den MSM vorherrschten , glänzten als meist empfohlene Highlights ausgewählter User- Foren ( Digg , Del.icio.us , Reddit + Yahoo News ) Stories über iphone und Nintendo . Im Folgenden zitieren wir einige Facts and Findings und gestatten uns eine kurze Beschlagwortung :

      • The news agenda of the three user-sites that week was markedly different from that of the mainstream press. Many of the stories users selected did not appear anywhere among the top stories in the mainstream media coverage studied. And there was often little in the way of follow-up. Most stories on the user-news sites appeared only once, never to be repeated again in the week we studied.

      ( User- generated : Volatilität der Themen vs. MSM : Konsequente Fortführung )

      • The sources user news sites draw on are strikingly different from the mainstream media. Seven in ten stories on the user sites come either from blogs or Web sites such as YouTube and WebMd that do not focus mostly on news.

      ( User- generated : Unprofessionelle bis zweifelhafte Quellen )

      • The three user news sites differed from one another in subtle ways. Reddit was the most likely to focus on political events from Washington, such as coverage of Vice President Cheney; Digg was particularly focused on the release of Apple’s new iPhone; Del.icio.us had the most fragmented mix of stories and the least overlap with the News Index.
      • On Yahoo News—even when picking from a limited list of stories Yahoo editors had already pared down—users’ top stories only rarely matched those of the news professionals.

      ( User- Vorlieben vs. News- Index )

      • There were mostly similarities in what people are most likely to email each other versus what they recommend or view on Yahoo News. But there were some differences. Most Recommended stories focused more on “news you can use” such as advice from the World Health Organization to exercise one’s legs during long flights; the Most Viewed stories were often breaking news, more sensational in nature, with a heavy dose of crime and celebrity; and the Most Emailed stories were more diverse, with a mix of the practical and the oddball.

      ( User- Vorlieben : Praktisches und Sensation )

      • Despite claims that the Web would internationalize consumers’ news diets, coverage across the three user-news sites focused more on domestic events and less on news from abroad than the mainstream media that week. Yahoo News, both on its main news page and three most popular pages, meanwhile, stood out for being decidedly more international that week.

      ( User- generated : WWW = Wenig Welt Wissen )

      Dass hier methodisch Äpfel mit Birnen verglichen werden , liegt auf der Hand : Da die Prominenz bestimmter User- generated News mit den Vorlieben ihrer Leser steigt , entsteht das Bild einer auf blosse Faits divers und Räuberpistolen ausgerichteten Berichterstattung . Hätte man die entsprechenden Ressorts der MSM ebenfalls nach der Anzahl tatsächlicher Leser ausgewertet , erschiene die Opposition “harte” vs. “softe” & “bunte” News weniger krass . Ohne diese Entzerrung bleibt ein schiefes Bild . Simples wie irrelevantes Spiel mit statistischen Ziffern , kommentiert der E- News- Profi Mathew Ingram . Oder , wie es Clicked- Autor Will Femia unter dem Titel WE REPORT, YOU’RE STUPID formuliert :

      The Project for Excellence in Journalism has managed to kick up a bit of dust from the equine corpse of the bloggers vs. journalism argument with an odd bit of straw man-ism seasoned with a dose of red herring.

      picto aepfel birne

      Sarkastisch der ex- Harvard Business Review- Redakteur und Autor für NYT , Guardian ect. , Nicholas G. Carr :

      So what happens when “the people formally known as the audience,” as the citizen journalism hypesters like to say, take charge of the dissemination of news? ( …) When you replace professional editors with a crowd or a social network, you actually end up accelerating the dumbing-down of news. News becomes a stream of junk-food-like morsels. The people formerly known as the audience may turn out to be the people formerly known as informed.

      Auch Andreas Göldi ( Beobachtungen zur Medienkonvergenz ) greift auf die Metapher des Essens zurück , um die Nowendigkeit der Verabreichung manchen sauren News- Apfels seitens professioneller Journalisten zu illustireren :

      Aber mal im Ernst: Ein bisschen sind diese Präferenzen ja schon beunruhigend. Wie kann eine demokratische Gesellschaft funktionieren, wenn die Stimmbürger nur noch solche nichtpolitischen (und nichtwirtschaftlichen und nichtkulturellen) Themen mitverfolgen ? Vielleicht sind “wichtige” News ja ein bisschen wie gesundes Essen: Es schmeckt nicht unbedingt, aber man sollte es trotzdem konsumieren, weil sonst was fehlt. Und oft braucht man jemanden, der einen dazu motiviert oder gar sanft zwingt. Traditionelle Newsmedien sind genau so aufgebaut: Erst gibt’s mal gesundes, aber wenig schmackhaftes Gemüse (Politik), dann was Nährstoffhaltiges (Wirtschaft und Kultur) und zum Schluss folgt als Belohnung das Dessert (Lifestyle, Vermischtes etc.).

      Eine schöne Bescherung . Aber auch eine schöne Bestätigung in Argument und Metaphorik : Es ist Herbst . Ernte . Dank . Für Äpfel und Birnen .

      picto aepfel birne

      Links :

      Related :

      • Debatte : “Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? - Printmedien im Wandel” ( newsroom ) ( onlinejournalismus )
      • Google Groups übersieht Neuigkeiten ( Heise )
      • EinNordung der deutschen Blogsphäre ( Robert Basic )

      Einen Erntedank gibt’s mit Klang und Tanz gibt’s auch beim soundsicheren netlabel Thinner / Autoplate . Aus den jüngsten Releases werden wir dieser Tage einige reife Früchte pflücken . Und servieren , wenn’s genehm ist . Wenn krill.minima ( aka Martin Juhls ) just in Dortmund einen czz hörempfehlungUrlaub Auf Balkonien anbietet , könnte uns das als Phäaken schon ganz schön skeptisch stimmen . Das tagging dieser Release 098 mit dem Genre “Minimal Dub” klingt da ein klein wenig lockender . Und - ach ! Man möchte ein Rilke sein , um diese letzten und lässig wärmenden Strahlen des Indian Summer poetisch zu beschwören  … Blick auf Apfel- oder Birnbaum , die Blätter zittern leicht in der Brise , “befiehl den letzten Früchten, voll zu sein” . Psychohygiene pur , lieblichste basale Stimulierung und ein wenig Schaum auf dem Most . Click Tracks to Listen : 01. Sommerdellen (3:39) | 02. Knuspermarsch (5:57) | 03. Heizkörper Lauschen (4:26) . Es gibt zwar noch fünf weitere Köstlichkeiten , doch wir wollen - aus oben ersichtlichen Gründen - nun andächtig in|ad|ae|qu|at bei Track Numero 04. innehalten . Der Titel : Apfelbaumgrund (6:55) |||