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Salon Littéraire | Benedikt Ledebur : LETZTE LOCKERUNGEN schnellzeichnungen & schnellgedichte 2



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Salon Littéraire | Benedikt Ledebur :

LETZTE LOCKERUNGEN schnellzeichnungen & schnellgedichte 2

Matthias Goldmann ( Translation ) : LAST ROUND OF LOOSENING UP - quick poems 2

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4

ha, ist das eine haltung,

oder doch nur ein hindernis

im, selbst den keinen helfenden

erinnerungen entsprechenden,

im freien geigenden neigungen

eigenen, geschwätz.

das schießt aus allen.

musik ist das

in keinen ohren!

kommt ordnen verordnen gleich?

ohne zwischenstück

tragen es die trägen am revers.

dem träger einen zopf,

weil ihm das fehlt,

was klänge assoziieren lassen.

auch steife krägen

lassen sich umdrehen.

es geht nicht, mehr, nicht ein,

vielleicht zweimal mit den beinen,

verdoppelt mit jeder drehung

das gestolper über die gangart,

die sich vergleichsweise leicht

in die vorhergegangenen reihen

mit unschuldiger miene drängt.

sachliches in die rippen?

was den muskel steuert

über achsen und neigung,

balken und krümmungen

zwischen magen, gaumen,

reihzehen und zahnreihen,

ist viel zu langsam. blei

maul und zunge, mal langsam,

in den himmel ragen die klippen

doch nicht, um zu bringen,

ein großmaul zu öffnen,

das singlahm die untere hälfte

mit müder gebärde besetzt.

klar schießt das ein, was

geschlossen werden musste.

nichts sollte verwirren!

der zwirn folgt wie hirn

dem näheprogramm.

absicht war das nicht,

aber abgeschaut, wie fast alles.

ha, is that a position

or just an obstacle? after all,

in hot air, which is specific even

to small inclinations that tell us

what’s what and correspond to

helpful memories erupting

from one and all out here,

that’s music to

no ears!

is description prescription?

without a middle piece,

the listless pin it to their lapel.

bearing a braid

for want of

an association with sounds.

stiff collars, too,

can be turned around.

it won’t work, not any longer.

once, maybe twice, using your legs,

doubled up at every turn,

tripping over a way of walking,

which is rather easily lined up

with previous occasions of

pushing on with an innocent look.

facts jab your ribs?

controlling muscles

through axis and inclination,

beams and bends

between stomach, palate,

rows of toes and teeth,

that’s much too slow. leaden

mouth and tongue, slowly my dear,

rocks tower into the sky

but not to bring forth,

to open a bigmouth covering

lower reaches with a lame song

and a tired gesture.

that clearly includes things

in need of closure.

nothing’s bound to confuse!

a thread following, much like

a brain, this contact program.

unintentional but learned

by watching, as most everything.

schnellzeichnung_copyright_Benedikt_Ledebur

5

nehmen anschauungen auch

in ihre klemmen, diene

mir keine dazu, deine

vorstellung umzuordnen.

daher gesagt, nicht getan!

natürlich das ende,

bedeutendes winken

mit individuellen grenzpfählen,

hängenden gärten,

die es den trägen angetan.

haben könnte etwas sein,

auch das. keine angst,

die mich bei der stange hält,

verlässt sich. auf tastende

versuche folgen frechere

einheiten: zum beispiel

eine ordentliche ohrfeige

dem skalierten hirn,

dem schnurbärtigen hohlkopf,

glotzenden überdruck,

schwachsinn in maßschuhen!

scham ist nur stilmittel,

eine masche im hinweisen.

fallhöhe, flaches vermögen

drehn am versilberten seil,

bis die eigene schwere

mit verwirkt, unverwertbar ist.

stich in die magengrube,

denn nicht mehr zu mögen

gilt falschen. hoffnungen,

fahren gelassen, einen

die so getäuschten. sinn,

taktisch eingesetzt,

übergibt sich in jede hülse,

er bricht den strahl

allen aufgeblasenen,

sobald er es satt hat

und deutlich sagt.

taking conceptions into

their tight spots, not rewarding

me with new ones that would

rearrange your performance.

said, therefore, not done!

in the end, of course,

signaling, waving

individual boundary posts,

from hanging gardens that the

listless have got under their skin.

having could be something,

too. lacking fear that

would make me stick it out,

to rely on. tentative efforts,

more brazen units

follow: for example

a box round the ears

for a scaled brain,

the mustached numskull,

overinflated gawking,

the feeble-minded sporting

custom shoes, shame being

merely a stylistic device, a ploy to

point out. height of fall, flat assets,

turning on silver-plated rope

until your own weight helps

to forfeit, proving unusable.

stab in pit of stomach,

no longer to want applies

but falls flat. hopes,

letting go of hot air

and the deceived. sense,

employed tactically,

thrown up into every case,

refracts a ray

to all the inflated,

as soon as he’s had enough

and clearly says so.

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6

zahl dich aus, bevor

ein anderer zähne zieht,

zieh dich an, bevor

dir dein loch gestopft,

stopf dich aus, bevor

es dich wild zerlegt,

leg es an, bevor

es dich ganz zerkugelt,

spreiz dich nicht, solange

es dir nicht steht,

lass dich gehen, solange

sie dich noch tragen,

trag sie aus, solange

du sie noch ballen kannst,

würg es raus, solange

es dir noch hochkommt,

stell sie ein, solange

du noch zahlen kennst,

brich sie ab, bevor

sie dir einer rüberzieht,

lass sie hinunter, solange

dir noch ein knopf aufgeht,

haue ab, bevor

sie sich über dich abhauen,

sieh dich vor, aus wahl

folgt geringere möglichkeit.

zwingen über den daumen

hat keine noch flachgelegt

in lesbares erkennen.

weglassen schon eher!

(was den damen genügt,

die zu allem amen sagen.)

try to pay off before

others draw on their teeth,

get dressed before they

plug your opening, stuff

yourself before you

are derailed into the wild,

pitch it wide before

you laugh your head off,

play hard only if it’s

something you can handle,

let yourself go as long

as they will carry you,

carry them to term as long

as you can clench them,

regurgitate as long as you

can bring it up again, carry

them on your payroll as long

as there’s money in the bank,

cut them loose before someone

chases them after you, let them

down as long as it all falls

into place, get lost

before they start laughing

their heads off about you,

watch out for choices

resulting in fewer choices.

forcing a rough guess has not

brought any of them down

into decipherable revelation.

rather leave it out!

(which will suffice for the ladies

who always say amen.)

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Benedikt Ledebur

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Salon Littéraire | Benedikt Ledebur : APHATISCHER MUSE REDE - Laudatio auf Brigitta Falkner



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Salon Littéraire | Benedikt Ledebur :

APHATISCHER MUSE REDE

Laudatio auf Brigitta Falkner anläßlich der Verleihung des österreichischen Förderungspreises für Literatur 2007 ( 11. 4. 2008 )

aphatischer muse rede
da pratermuschis eher
rar, DICHTERMÜH passé
satire - prüder schmäh
sprachs AUTRICHE MERDE
(spät sei der ruhm, ach)

aus: Brigitta Falkner, ABC, S.8,
heraus mit der sprache

Zwei Wege stehen offen, ein Werk und seine Autorin wirklich zu loben: entweder die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf einen Teil des Werks und zeigt durch genaue Analyse, daß, obwohl oder gerade weil der Interpretation genaue Grenzen gesetzt sind, ihr keine Grenzen gesetzt sind, oder sie weitet sich aus, versucht das ganze aufliegende Werk in den Blick zu bekommen, und zeigt durch angemessene Suchkriterien, wie das Finden bei einem solchen Angebot wenn, dann nur an der Nachfrage scheitern kann. Beide Wege leiden unter Mangelerscheinungen: der erste, weil er exemplarisch vorgeht, und, um die Fülle am Einzelnen zu zeigen, das Ganze, in das dieses eingebettet ist, ausblenden muß, der zweite, weil er einen grobmaschigen Filter voraussetzt, dem um des ganzen Willen viele Einzelheiten, und damit vielleicht auch das Wesentliche der einzelnen Stücke entgehen muß.

Angesichts der Arbeiten Brigitta Falkners habe ich mich für den zweiten Weg entschieden. Einer der Hauptgründe ist, daß viele davon aus Bild und Schrift bestehen. Über das, was sich (gleichzeitig) zeigen lässt, muß nicht viel und vor allem nichts Beschreibendes gesprochen werden. Aber nicht nur die Bilder und Layouts und wie sie von Falkner im Verhältnis zu den Schriftzeichen eingesetzt werden, fallen unter den Zeigemodus, sondern auch der Gebrauch der Schriftzeichen selbst. Die Weise, wie sie Falkner konkret werden lässt, und das heißt auch, auf das für die jeweilige Komposition Wesentliche reduziert, verweist Interpretation oft auf den Platz der Erläuterung, aber auf höflichste Weise, denn die Autorin macht diese Selbstbeschränkung dem Interpreten vor, indem ihre Arbeiten aufzeigen, wie rigoros sie sich selbst im Schaffensprozess ihren Konstruktionsprinzipien unterworfen hat. Dass es ihr damit ernst ist, zeigt sich, wenn sie in ihrem letzten Anagramm-Buch Bunte Tuben Conlon Nancarrow (1912-1997) zitiert, von dem es viele für menschliche Pianisten zu rasante Kompositionen für elektro-mechanische Selbstspielklaviere gibt: “Seit ich Musik schreibe, träume ich davon, die Interpreten loszuwerden.” In ihren Studien zum Anagramm Das Rosenbaertlein-Experiment kritisiert Renate Kühn die verkürzte Sichtweise, die mit dem Autor auch das schreibende Subjekt verabschieden will. Von Selbst geschehe gar nichts, und es sei ein Fehler, das Verfahren mit dem Schreibprozess zu verwechseln. Bei dem von Kühn initiierten und in Buchform publizierten Experiment, bei dem eine Gedichtzeile von Hans Arp zu anagrammieren war, hat neben Liesl Ujvary, Elfriede Czurda, Gerhard Rühm, Helmut Heissenbüttel und anderen auch Brigitta Falkner mitgemacht. Ihr Beitrag, der ein expressionistisch-surrealistisches Gelage vor dem Hintergrund einer schwarzen Messe evoziert, erzielt durch die Suggestion direkter Rede eine für ein solch formales Verfahren ungewöhnliche Dramatik, die mit ihrer Hintergründigkeit alle Arbeiten Falkners auszeichnet.

Als Orientierungshilfe soll Selbstbezüglichkeit die viel zu großen Schritte mitbestimmen, mit denen ich Falkners Arbeiten durchmesse, wie sie in den Einzelpublikationen ABC - Anagramme, Bildtexte, Comics (1992), Tobrevierschreiverbot: Palindrome (1998), Fabula Rasa oder Die methodische Schraube (2001) und Bunte Tuben: Anagramm (2004) vorliegen. Ich werde jene Stellen ansteuern, wo die Autorin über das Schreiben, über das Dichten spricht, bzw. ihre Haltung dazu besonders klar wird, und jene, wo sie sich selbst ins Bild bringt, die also in gewisser Hinsicht, z.B. in der Verwendung des eigenen Namens oder im Zeichnen bestimmter Züge, portraitierenden Charakter haben. Diese Orientierung ist nur bedingt hilfreich bei Schreibformen, die, wie das Palindrom, schon im Formalen ein hohes Maß von Selbstbezüglichkeit aufweisen. Streng-formale Verfahren stehen allgemein unter Verdacht, die auf Konventionalität beruhenden Bindungen des Signifikanten an das Signifikat zu lösen, und Texturen hervorzubringen, die sich in ihrer Konkretheit nur noch selbst repräsentieren. Aber gehen nicht auch die strengsten formalen Verfahren von Sprachmaterial aus, mit Sprachmaterial um, das durch Gebrauch und Definition hinsichtlich Bedeutung vorgeprägt ist?

Dieser Konkretheit mit Bedeutungslosigkeit verwechselnde Ansatz, den man leichthin den französischen nennen könnte und der seine surrealistischen und strukturalistischen Wurzeln nicht verleugnen kann, hat mit der Zeit im Literarischen eine gewisse ästhetische Schwäche zur Folge gehabt, nämlich jene, die dem Glauben entspringt, dass gedankenloses Anwenden eines Verfahrens schon zu gültigen Ergebnissen führt. Das Gegenteil davon und damit Sicherheit in ästhetischen Fragen und philosophischen Hintergründen führt, an semantisch selbstreferentiellen Stellen nachweisbar, Brigitta Falkner vor. Deswegen zeichnet ihre Arbeiten nicht nur höchste formale Konsequenz, sondern auch besondere Welthaltigkeit aus, erreicht mittels genauester syntaktischer Strukturierung. Die Satzzeichen sind in diesem Sinn konzentrierte Bedeutungsträger, und zwar in einem Maße, das die Alltagsprosa nicht kennt. Um tote Konventionen auszuhebeln und innere Zensuren zu umgehen, haben am Material haften bleibende Methodizität, wie sie die Oulipo-Bewegung propagierte, und assoziative Verfahren, wie sie die Surrealisten um Breton als écriture automatiqe, als “Denkdiktat ohne jede Kontrolle der Vernunft” praktizierten, ihre Berechtigung, und hatten sie im Literarischen vor allem, als Freuds Einsichten noch jung waren. Aber man sehe sich nur die rhetorische Sicherheit von Freuds Schriften an, oder wie stark das Denken, wie genau die Analysen der frühen Strukturalisten vom Schlag eines Jakobson oder Lévi-Strauss waren! Es verlangt genaues Arbeiten, damit die befreiende Wirkung von Tabubruch, Pointe und Ironie zum Tragen kommt, und dass die Achse der Selektion nicht zu vernachlässigen sei, gehört zu den strukturalistischen Grundeinsichten.

langsame_copyright_Brigitta_Falkner

( click to XL )

“das langsame verschwinden der buchstaben”, der Rebus gleich zu Beginn von Falkners ABC - Anagramme Bildtexte Comics, kann als paradigmatisch gelten, sowohl was die Verschränkung von Bild und Schrift betrifft, als auch in seiner Selbstbezüglichkeit, denn was gesagt wird, wird auch gezeigt. Dabei handelt es sich um zwei Arten von Verschwinden: jene Buchstaben, die durch die Piktogramme, bzw. Teile ihrer Benennung ersetzt werden, also wirklich nicht am Blatt stehen, und jene, die man sich von den Benennungen wegdenken muß, um die Botschaft zu decodieren, und die, wenn auch durchgestrichen, am Blatt stehen. Und damit sind auch gleich die zwei Orte miteinander ins Spiel gebracht, an denen Buchstaben verschwinden können, nämlich der, wo sie stehen, und der, wo sie gedacht werden.

Das auf den Rebus folgende heraus mit der sprache ist meines Wissens Falkners erstes Anagrammgedicht. Aus ihm stammt das Eingangszitat, das mir auch den Titel zur Laudatio geliefert hat. Da Anagrammieren zu den Techniken des Dichtens gehört, kann man “DICHTERMÜH passé” natürlich als Zweifel am eigenen Tun lesen; aber -wie ja auch das ironische “spät sei der ruhm, ach” zeigt - hält die Autorin damit zum Pathos sprachgläubiger Lyriker Distanz. Der programmatische aber zweideutige Titel des Gedichts - “heraus” kann ja, denkt man sich selbst dort, wo die Sprache sitzt, sowohl als “weg” wie “her mit ihr” verstanden werden, läßt an den Titel eines Leitartikels der Revolution surréaliste denken, der wahrscheinlich von Antonin Artaud stammt. Die ablehnende Haltung der Surrealisten gegenüber literarischem Gewäsch ist ja bekannt. Aphasie schließlich ist die radikalste Art des Verschwindens von Sprache, von der sich vor allem Linguisten Einsichten in ihre Natur erhoffen . Jakobson in Kindersprache, Aphasie und allgemeine Lautgesetze :

Für den Linguisten, der sich mit dem Entfaltetsein des Sprachgebildes befaßt, muß auch seine Geburt und sein Absterben viel Lehrreiches bieten.

Die Rede einer aphatischen Muse wird also unter Sprachschwund leiden, und das muß, wenn man die Aufgabe der Musen darin sieht, Dichtende zum sprechen zu bringen, keinen Schaden bedeuten. Unterstellt man Falkners Gedichtzeile aber die rhetorische Figur der Synchisis, also der absichtlichen Verwirrung der Wortstellung, könnte man aphatisch auch der rede zuschlagen, es wäre also die Muse jener gemeint, die mit beschränktem Sprachmaterial nach Ausdruck suchen.

In kein sterbenswörtchen, dem längsten Anagramm aus ABC (19 Seiten), das die Ausgangszeile (den Titel) nicht nur in seiner buchstäblichen Zusammensetzung anagrammiert, sondern auch in seiner Bedeutung konterkariert, entwickelt Falkner dann mit viel direkter Rede - “he wirt! -sekt!” - und aus dem Genre Filmskript entlehnten Anweisungen für Kameraführung und Bildaufbau (”schwenk, [...], schnitt [...], wink-scene” ) die schon hervorgehobene, für ein Anagramm überraschende Dramatik. Dramatis personae sind neben werner, weber und erwin unter anderem rektor bense, der auch als wetterkoch auftritt (die Anspielungen auf den Düsseldorfer Theoretiker Max Bense, der die Hintergründe der Dichtung mathematisch aufzuarbeiten suchte, sind zahlreich: “winke, benses rechner tot! -”), und als Vertretung der Dichtung selbst, neben den Nebendarstellern schwitters und serner, benn, der natürlich einiges über sich ergehen lassen muß und sogar als schwester benn auftritt:

[...] er winkt: schöne
erektion! - schwester benn
nickt: “sehenswert.” bon! er
sekretiert. wer noch? benns
wecker steht. [...]

Die Verläufe entwickeln sich dank Enjambements ungehindert durch die anagrammatischen Einheiten, weil also kurze Sätze die Zeilenenden überlappen. Auch Binnenreime helfen im Formalen dem Fortgang, und im Semantischen der Einsatz von Homonymen, das heißt: gleicher Klang - verschiedene Bedeutung, an denen sich die Verläufe gabeln und quasi parallel laufen können (”kennwort, keen wort”, oder als aufgelöste mehrdeutigkeit: “wecken: iss!’” ). Daß es ad infinitum weiterlaufen könnte, suggeriert das hinsichtlich des anagrammierten Titels kein sterbenswörtchen paradoxe Anagramm, indem es wie zufällig mitten in einem Satz endet:

[…] werner steht
neben erwin: tok! (sechster
sinn?) er weckt bense. hört
er benns “herein!”? wo steckt -

Im ABC finden sich unter den Titeln word5/wechseln I und word5 / wechseln II, zwei doppelseitige Bildtexte, die in Fabula rasa in anderem Format und mit den die Codierungsmethode kaschierenderen Titel Schmutzige Tricks I & II wiederkehren. Falkner macht sich hier die Ersetzen-Funktion des Textverarbeitungsprogramms zunutze, um den Text, quasi als forciertes Lipogramm, zu verfremden und so den Zusammenhang von Bildgestik und Schriftzeichenstruktur einem Experiment zu unterziehen. Dazu die Autorin selbst:

Das ikonographische Szenario des Film Noir liefert die Vorlage für den Genre-Comic [...] Im Off-Kommentar findet das Licht- und Schattenspiel des Film Noir als zwielichtige Kunstsprache, eine nach den Regeln eines einfachen Chiffrierverfahrens (Substitution) generierte Pseudosprache, changierend zwischen Klartext und Chiffretext, seine lautliche Entsprechung: Etfusch ffiff tulk tii Luft umt tluf mik um Kimtelkuff.

Ich übersetze: Etwas pfiff durch die Luft und traf mich am Hinterkopf.

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Im Bildtext BILDE DEBIL … in dessen Bildteil eine schöpferische Hand, die à la Blumenberg die Lesbarkeit der Welt voraussetzt, in diese schreibt, während zwei Figuren, die in ihr zu leben haben, sich beschwingt aus dem Bild fortstehlen zu wollen scheinen, ist eine anagrammatische Ästhetica in nuce gegeben. Die letzte Zeile REGEL LEGER bildet den symmetrischen Sonderfall des Anagramms, ein Palindrom, von dem sich noch zwei bzw. drei weitere in ABC finden, und dem das ganze nächste Buch der Autorin, Tobrevierschreiverbot, gewidmet ist.

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Zuvor aber noch zur letzten Gattung von ABC, dem Comic. In Brigitta Falkner, ein Anagramm-Comix, ist der eigene Name, platziert wie die Autorenangabe, die Anfangszeile des Anagramms, das damit an die Tradition der Renaissance anknüpft, in der Anagramme überhaupt nur aus Namen gebildet wurden, um mit daraus permutierten gefälligen Aussagen deren Trägern zu huldigen. Den modernistischen Kontrapunkt dazu bildet die Verteilung des Anagramms über ein Comic, in dem sich Anagrammeinheit und Panel entsprechen. Hier tritt wieder La Révolution surréaliste ins Bild, in deren Nummer 12, Dezember 1929, René Magritte den Bildtext LES MOTS ET LES IMAGES veröffentlicht, in dem sich Magritte eben in Bild und Text auseinandersetzt, in welchem Verhältnis diese zueinander und zur Wirklichkeit stehen können:

Manchmal vertritt der Name eines Gegenstandes ein Bild [...] Ein Wort kann in der Realität den Platz eines Gegenstands einnehmen [...] Ein Bild kann in einem Satz den Platz eines Wortes einnehmen [...] Ein Gegenstand leistet nie das gleiche wie sein Name oder sein Bild [...].

Eine Paraphrase bzw. ein Paraimage auf Magrittes berühmtes Bild “Ceci n’est pas une pipe” findet sich in Falkners Anagrammcomics, und in zumindest drei Panels lässt sich, weil mit Brille, ein Selbstbildnis identifizieren: “Fan: Klar Brigitte!”

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Die Symmetrie, wie sie in den palindromischen Kompositionen von Tobrevierschreiverbot zum Tragen kommt (auch sie gehen dort - siehe Aha Poesie - über viele Seiten), demonstriert das doppelte UHU auf den Sportdressen im ersten Bild sehr deutlich. Die Symmetrieachse läuft zwischen ihnen. Auch Rektor Bense darf noch einmal auftreten, denn Symmetrien verfügen über Eigenschaften der mathematischen Gruppe, deren erste lautet: “Jede Verknüpfung zweier Elemente gehört selbst zur Gruppe”. (Diese mathematische Eigenschaft wird auch Abgeschlossenheit genannt.) So wie das Schriftbild von UHU symmetrisch (und ein Palindrom) ist, ist auch zwei mal UHU symmetrisch, bei dreimal bildet H die Symmetrieachse etc. Wenn die einzelnen Symmetrien aus den gleichen Elementen bestehen, kann man sie einfach sukzessive aneinanderreihen, damit eine neue Symmetrie entsteht.

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Das ist nicht der Fall, wenn sie, wie bei Sei fies - Tu erfreut, aus verschiedenen Elementen, sprich Buchstaben bestehen. Zwar bildet das f jeweils die symmetrische Achse - ein poetischer Zusatzgewinn - doch müsste man die symmetrischen Flügel von der Achse trennen, und rechts und links von der ersten Symmetrie anordnen, damit wieder eine Symmetrie entstünde; der semantische Gehalt ginge auf diese Weise verloren.

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Jedoch ist so die Methode des palindromischen Komponierens beschrieben, von einem Kern ausgehend wird sowohl am Anfang wie am Ende angefügt, damit die symmetrische Struktur entsteht, also nicht lineares oder sequentielles Denken, das vom Anfang bis zum Ende abläuft, sondern paralleles Denken, das von einer Mitte ausgeht. Eines meiner Lieblingspalindrome aus Tobrevierschreiverbot ist Eine Gehung, dem ein fokussiertes Foto der Rücken Rudolf Augsteins und Martin Heideggers, die gemeinsam einen Feldweg entlanggehen, gegenübergestellt ist.

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EINE GEHUNG

“… Nun? Nisch, Rudi?”
“Durchaus!”
“Eidos …”
“Nee: die Grosslage …”
“Wesen…”
“Ego…”
“Geschick …”
(Echo)
“Leben! O genau! Ach …”
So-Gesetztes.”
“Wahrung.”
“Nun …”
“Hä? Weg als nie-so.”
“Geh …”
“Ei, Seins-Sorge ist Sinn …”
“Ad rem …”
“… mir immer dann …”
“Ist sie gross?”
“Nie. Sieh …”
“Ego?”
“Seins-Lage. Wähnung nur.”
“Ha! Wo …”
“Gesetztes Ego.”
“Schau an! Ego? (Nebel) O check ich’s?”
“Ego-Genese. Weg als Sorge.”
“Ideen & so?”
“Dies auch, Rudi. Durch-Sinnung. Nu?”
“He! Genie …”

Die letzte Zeile, die von hinten gelesen zum Titelanfang führt, kann als berechtigtes Selbstlob gelesen werden. Und Anfang und Ende sind hier nicht metaphysisch aufgeladen, im Gegenteil: Falkner zeigt, dass, einen Sprachduktus (z.B. einen Jargon, der mit dem Wesen seinen Staat zu machen sucht) auf das Wesentliche zu reduzieren, auch heissen kann, ihn zu entlarven, d.h. seine Substanzlosigkeit zum Vorschein zu bringen. Aber was heisst hier “auf das Wesentliche”? Es wird nach anderen Kriterien, nämlich im Hinblick auf das zu bildende Palindrom, reduziert, und damit wird gezeigt, dass methodische Reduktion im Wesentlichen genügt, um Substanzlosigkeit freizulegen, bzw. jene Keime, die auf einen faulen Kern schließen lassen.

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“Zufall - gabs das?” hub Paul zum Klugschwatz an, “Zufall, Ahnung und Wahrtraum, sagt Gustav Jung -” / : just da …

Fabula rasa eröffnet mit dem Lipogramm Au! Die methodische Schraube. Lipogramme definieren sich dadurch, dass sie den verwendeten Wortschatz gemäß einer bestimmen Lautauswahl beschränken. Bei Brigitta Falkner wird diese Methode natürlich im Lipogramm selbst reflektiert: “… als Karl akkurat zu Ruth trat, Ruths Hand nahm (”Darf man?”) - - schnurgrad zum Punkt kam und kundtat, was alsbald (nach Karls Handkuß) als ‘Abmachung’ und Lautaussparungsgrundsatz galt …” Dazu die Fußnote, in der dieser Grundsatz nicht gilt: “Dieser Text basiert auf Karls Lautaussparungsgrundsatz, demzufolge ausschließlich die Vokale ‘A’ und ‘U’ verwendet werden dürfen.” Damit ist schon ein Teil der Textstruktur angesprochen, deren Panels sich vom schwarzen Hintergrund abheben. Am oberen Rand des Panels zeigt sich bei Bedarf ein Textfeld mit Schatteneffekt, in dem der Lautaussparungsgrundsatz gilt und wo die Ent- und Verwicklungen der Dreiecksgeschichte zwischen Paul, Karl und Ruth kommentiert, unter Umständen beschleunigt werden.

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Die typographischen Effekte von Groß- und Größtschreibung, Fett-, Kursiv- und Gesperrt-Setzung werden gezielt eingesetzt, Bilder kommen nur ganz sporadisch und als Abbildung gekennzeichnet vor. Neben grammatikalischen Schwergewichten wie Infinitiv fallen bei diesem Lipogramm so viele wichtige Bezeichnungen flach, daß, wie die Autorin selbst schreibt:

… der gewaltige Aufwand, mit dem hier Strategien zur Vermeidung von Regelverletzungen entwickelt werden, im grotesken Mißverhältnis zum oft läppischen Anlaß steht.

Einfache Beispiele für Transformationen: schnell wird zu flugs, Wein wird zu Purpursaft aus Burgund, Wasser zu Aqua pur, eins zu acht durch acht. Anders als der Anagrammtext ermöglicht die Textsorte Lipogramm- mit Fußnote! - das Zitat, und die Belesenheit Brigitta Falkners macht davon ausgiebig und in wirklich witzigen Assoziationen Gebrauch. Ich bringe nur eine Auswahl von Namen und Titel, die für Zitate und Anspielungen stehen: Krazy Kat, Mc Luhan, Lewis Caroll, Kafka, Lichtenberg, Abraham a Santa Clara, Aristophanes’ Die Frösche , Lenins “Was Tun?”, R. Queneaus Hundszahn, Schopenhauers Hund Buz, Swifts Gullivers Reisen, Grimms Wörterbuch, Havliks Lexikon der Onomatopöien, was den Film betrifft: Bressons “Balthazar au hasard” über einen geschundenen Esel, Lubitschs That Uncertain Feeling, Star Trek oder die Simpsons, aus Musik die Meistersinger von Nürnberg, aus der Werbung z.B.: “Durst macht Spaß”. Das Zitieren des Lipogramms selbst darf bei dem hohen Maß an Reflexivität nicht fehlen, und da die Panels durchnummeriert sind, können sie sich explizit aufeinander beziehen. Auch auf eigene frühere Methoden wird Bezug genommen, und da Verwicklung und Platztausch oft so schnell vor sich gehen, ist z.B. nicht gleich klar, wer da

… Hans Sachs aufschlug und - Zufall? Kabbala? - stracks das Anagramm aus Suada fand: “Du Aas …” -

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In Prinzip i wird die lipogrammatische Methode monovokalisch verschärft, dafür tritt zur Schrift wieder das Bild, in suggestiver Umrahmung eines fortlaufenden Filmbandes, wobei die meiste Schrift als Subtext unter den Bildfenstern steht, kommentierend “Birgit tritt ins Bild.” oder Dialoge wiedergebend:

“Spritzig ist wichtig!” spricht Sissi hitzig. Willi wird wild. Willi spricht im Infinitiv. “Infinitiv gilt nicht!” schimpft Sissi. Willis Blick wird grimmig. Stimmt: Prinzip i.

Nur drei mal wird die Bildfolge und auch das Prinzip durch Einschübe von der Breite einer Seite unterbrochen: durch eine Frage Philip K. Dicks: “Können wir das Universum als real betrachten, und wenn ja, inwiefern?”, durch eine eingeschobene Erklärung über Pidgin-English und eine Bezeichnung Prince Charles “fella belong Mrs. Quenn”, und durch einen Gedanken des Logikers Gottlob Frege:

Kein Ungedanke wird durch Verneinen zum Gedanken, so wie kein Gedanke durch Verneinen zum Ungedanken wird.

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Falkner beweist, daß Monovokalismus nicht daran hindert, aufgeblasene philosophische Diskurse durch den Kakao zu ziehen:

Grinzing. Sinn wird Irrsinn, nichtig wird / wichtig; Willi spricht, Sissi trinkt, schlicht / wird diffizil. Witz wird Irrwitz, himmlisch / wird irdisch, Sissi wird schwindlig … // “… in sich stimmig, hinsichtlich Nichts ist / Nicht-nichts wirklich, sprich: sichtlich / nicht wirklich wirklich, mithin sinnwidrig / richtig, irrsinnig diffizil im Hinblick…” // Willi spricht, Willi trinkt. Hirnrissig wird / richtig, schlimm wird schicklich, fiktiv /wird wirklich … // Ist Willis Irrsinn klinisch? sinnt Sissi. // Spinnt Willi schlicht?

Die Kategoriensprünge und grammatikalischen Nivellierungen wie in: “himmlisch wird irdisch - Sissi wird schwindlig”, die in den Texten Brigitta Falkners ständig stattfinden, sind mitverantwortlich für ihren Witz und Teil der Strategie, formale Eigenschaften und referentielle Bezüge so lange auf die Spitze zu treiben, bis sie ineinander überzugehen scheinen.

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Der Titel des zuletzt erschienenen, vierzigseitigen Anagramms Brigitta Falkners Bunte Tuben hat sich von den 21 (bzw. mit aufgelösten Umlauten 23) Zeichen der Anfangszeile losgemacht und führt die Methode exemplarisch vor. Dass sich der Tuben-Code nicht auf bunte Deco beschränken wird, lässt schon die Beiläufigkeit und das offene Ende der Anfangszeile vermuten: “Zwo Stündchen brüten: die”, die schwerlich am historischen Anfang des anagrammierenden Prozesses gestanden haben wird. Nichts entkommt dem satirischen Biss, den Brigitta Falkner in dieser philosophischen Erzählung mit kriminalistischer Allegorisierung entwickelt, Denken wie Dichten wenden “uns den Uni-Wertesten zu”. Die Heuristik dieses intelligenten Permutierens ist schwer zu fassen. Aber diese muss es geben, denn mit 23! (Faktoriell, also 23mal22mal21mal … mal2) als Anzahl der Möglichkeiten lässt sich mit Selektion allein nichts mehr erzählen. Auch über diesbezügliche mögliche Antworten macht sich die Autorin lustig, schon gar wenn sie inspirativ ins Religiös-Metaphysische abheben:

O ZEICHEN & WUNDER! Betstunde / beendet! - (”Doch zuerst nun …” wie / ein Buch - zwo Stunden - redete / er! (wuszten ein Buch-Ende: TOD!)): / “- Codes werden zu Buntheiten, / bunt zu deren Wesenheit & Code!”

Studenten, Dozenten, Dichter, Editoren, Burschen, Brünette und die Neue , die das universitäre System irritiert:

scheu bittend der Neuen zwo / Wörtchen zusende, die bunt / wuchernde Tubenzone: id est / Witzebene (unterdes du noch / ‘Werde-Uni-Dozentchen’ übst) / nun suchend betrete, die zwo / Tuben sehe, Witz-Decoder nun / bedienend - [...]

Im Vergleich zu früheren Anagrammen haben sich vor allem die Eigennamen verabschiedet, die Ironie ist begrifflicher, der Witz noch trockener geworden.

Liebe zum konkreten Wissen, also philosophische Tiefe im wahrsten Sinne des Wortes, ist allen Arbeiten Brigitta Falkners eingeschrieben. Ihr spezielles Wissen um die Funktion des Formalen und daß nicht die Beschränkungen der Methode, sondern entweder Methodenlosigkeit oder Beschränkung auf die Methode Beliebigkeit erzeugt, macht die Genauigkeit, mit der ihre Bezugsysteme und Geschichten konstruiert sind, mit der von Kalkülen vergleichbar. In diesem Sinn bekommen Stellen, die man in der dramatischen Entwicklung des Textes als gnadenloses Abkanzeln eigener Figuren liest, allgemeingültigen literaturkritischen Charakter; nocheinmal aus dem Lipogramm Au!:

… fad und abundant fand Urs Babs’ Lautsalat, bar Anfang und Schluß; das Drama summa summarum zu lang: am Blatt zu unscharf und blaß, nur Anflug, Hauch, Schraffur -, als Schwank zu schmuck und glatt, als Stand-Up-Drama zu schlapp und flau (als Traktat zu prall und bunt); als ‘Hausfrau-zuckt-aus-und-murkst-Mann-ab’-Saga zu schwatzhaft und kraus (und als Rundfunkdrama zu gaga), zu abstrus und halbgar war Babs’ Suada…

Kalkülen, denen, wie wir seit Scheitern des Hilbert-Programmes wissen, ja auch im Formalisierbaren Grenzen gesetzt sind, fehlt als reinen Konstrukten der Witz der Anwendung. Dieser ist den Arbeiten Falkners inhärent, im Wissen um die Geschichte und Transformierbarkeit des verwendeten Materials und im Gegeneinander Ausspielen der verwendeten Medien und angenommenen Bedeutungen. Zu den wahren Prinzipien des Gestaltens zählt neben der Ökonomie, nicht mehr zu benützen als für die gewählten Zwecke notwendig ist, eben zu wissen, wie die Zwecke so in Schach gehalten werden können, dass sich zeigt, wie Codierungen funktionieren. Diese Prinzipien setzen sich bei Brigitta Falkner nicht nur mithilfe ihrer elementaren Methoden bis ins kleinste Detail durch, von der Interpunktion bis zum unscheinbarsten, locker gesetzten Strich; diese zum Gelingen führenden Prinzipien ziehen sich auch durch alle von Falkner eingesetzten Verwendungsarten von Sprache, ganz im Sinne von Wittgensteins Es gibt keine Metasprache, Fußnoten miteingeschlossen (1).

estärsche_copyright_Brigitta_Falkner

( click to XL )

(1) Siehe die dem Anagramm entsprechende Fußnote in Bunte Tuben, 2004, S.81: ” … Er schwebt: ‘Die Oden …‘ Unten zu / den Netz-Buchsen deute, worin / Dioden wesen. Buch zu. Netter / Wunsch. Deute: Interzone …” (ebd.)”

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Benedikt Ledebur

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Brigitta Falkner

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Salon Littéraire | Benedikt Ledebur : LETZTE LOCKERUNGEN , schnellzeichnungen & schnellgedichte 1



Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Benedikt Ledebur | Matthias Goldmann ( Translation )

LETZTE LOCKERUNGEN schnellzeichnungen & schnellgedichte 1

LAST ROUND OF LOOSING UP - quick poems 1

schnellzeichnung_01_copyright_Benedikt_Ledebur

1

mit einem ruck

springt die rübe an:

los geht´s!

jeder sack kann das übrigens.

einen über die rübe:

gehört das zusammen?

schneide die ringe,

zickzack und zahl,

übe! beuge es.

zieht eine linie

zum gegenüber,

sieht sie.

ein satz über die brüstung,

ohne grund,

was der fall voraussetzt.

ein stück noch,

dann fass das ende,

ausschlag den boden ihm,

auf die maserung achte.

neuen verbindungen

zähne wachsen.

wie weit, als ob netze

diese zentner hielten,

kämme die gletscher fletschten,

damit ausfranst im freien

der aussicht reifen,

drehen im fall,

dass die fahrt endlich anfängt.

gleich den höhen von oben,

stechen messer die skalen,

schwellen dem krähen

erweiterte gefässe,

gestutzte flügel,

statt sturz in den absprung:

zieh leine endlich,

kürzeste linie

im fall, dass es aufprallt,

grundlos fassende

verfaltet im schirm.

a jolt

to the noggin:

let’s go!

besides, any jerk can do that.

a bonk on the noggin:

does that go together?

cut these rings,

zigzag and number,

practice! flex it.

drawing a line

to an opposite,

she sees.

a leap over the window breast,

on no grounds, taken

for granted in this case of

descent. a last stretch left,

then hold on to the end,

kick out his flooring

but mind the grain.

growing the teeth

of new connections.

so far, as if nets were

holding these hundredweights,

glaciers were bearing their combs,

adding fringes to the outdoors,

letting vistas mature,

falling and turning,

finally out on a ride.

like heights from above,

knifes stuck into scales,

puffing out to crow,

vascular widening,

clipped wings,

taking off instead of plunging:

get out of here,

across the shortest line,

in this case, towards an impact,

hold on for no reason,

folded into an umbrella.

schnellzeichnung_02_copyright_Benedikt_Ledebur

2

ein axiom, das leicht

aus der art geschlagen,

ein verfinstertes beispiel

zusätzlicher charade,

sollte das spiel bei chiasmus

und wette nicht genügen

für die weitere deutung.

das ansammeln großer zahlen

gehe nur deutlich zu

auf das allgemeine einerlei

größtmöglicher sicherheit.

das sich gleichbleibende

ist in der ferne egal,

stammeln und spucken

mit kernen aus genossenem

trifft da noch eher

die gesetzte grenze.

gebieten, die mir halt

bieten, entkommen irren

unter durchädertem joch

beinahe selbst, die spinnen

sich netze zu,

ständig in ketten.

nur halb steigt auf

der leiter der abteilungen,

nimmt, was stellt sie darin,

die mangel an sich leiden

können, dar langem grübeln.

das bein nach vor geworfen,

dem nutzen hinten nach,

orten noch die verbindlichsten

unde ihr glück, peilen

gehörnt unter qualen die quellen

an, reißen am schlingernden

weg ein stück,

bis der sich dem suchen löst

in verwertenden aus täuschen,

mit muster erstickender uhr.

phantasmen, die ich-vögel

spreizen, schwingen im warten

am x-fachen abzählreim,

alle ausflüge koordinierend,

bis sich die ypsilonachse biegt,

unter dem unbändigen, das

alles zu fall bringt.

an axiom, a little

wayward at that,

a darkened example,

additional charade,

if a game of chiasmus

and a bet won’t do

to add further interpretation.

piling up large numbers,

clearly walking towards

overall monotony,

maximum certainty.

the self-same, making

no difference far away,

stammering and spitting

leftover seeds and pits,

hitting, rather,

set limits.

my areas of support

escape me, wandering

under a veined yoke,

almost themselves, spinning

nets at each other,

in chains all the time.

promoted halfway,

head of departments, she

takes to her appearance as

it may suffer hardships

despite lengthy brooding.

kicking a leg out

to chase a profit,

the friendliest places

and happiness, aiming,

cuckolded, in great pain,

at sources, ripping at a

stretch of rolling road,

until it gives way to searching

and use that does the trick,

patterns of a stifled clock.

phantasms, these i-birds

spread, soaring while waiting for

umpteenth counting-out rhyme,

coordinating all outings

until the y-axis bends

under unbridled forces that

bring it all to grief.

schnellzeichnung_03_copyright_Benedikt_Ledebur

3

im prinzip weit

ausgeholt, alles in allem

überschlagen, ausgehöhlt,

bis auf neuralgische punkte,

die, zu elementen verbunden,

als mögliche verkettungen

zu beliebten schemen führen.

angezapft also das fass -

ende der vorstellung -

vom überfluss angezipft.

wenn etwas gesicht hat,

steigt chiffriert seichtes,

sei es ich oder nicht,

bis zum zeilenspiegel. weil

ein signal nie lang ist,

versagt der narziss an

der eigenen schreibweisse,

schloss, was verbunden

auftrat umsonst

(gewisser massen),

auf vorhänge. so steht es

eben dort. neben anderen

räten und schlägen,

schliess vor richtungen

nie die augen, oder:

auf die optik!

basically, it goes a long

way back, all in all

i tripped over myself, drained,

stripped, all sore spots,

which, connecting elements

to a possible chain of events,

lead to patterns that are high

in demand, drawn from the cask -

the show is over -

bored stiff by abundance.

when something shows face

encoded shallowness rises

whether it be me or my

word-wrapped character train.

because a signal is never long

narcissus gives way

to his own spelling.

lock what’s connected,

has occurred in vain

(in a way)

onto curtains. that’s

what it reads. aside from

other advice and blows,

never close your eyes when

faced with directions, or:

the book’s telling cover!


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Benedikt Ledebur

geboren 1964 in München , lebt in Wien . Studium der Theologie in Fribourg , Informatik und Philosophie in Wien . Literaturkritik , Aufsätze und Gedichte in diversen Zeitschriften wie Kolik , Zwischen den Zeilen , Schreibheft . Blog : POEMS .

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NEUES VON FREUNDEN



||| WIDMUNGEN | TEXTE DES MONATS | STEILE POETIK @ STEIGER @ HOHENLOHE | PARALLELEN : TIERE & MÄRCHEN | NACH- SATZ INS OFFNE | KLANGAPPARAT

Selbstporträt als Schriftstellerin mit achtbeinigem Tisch copyright Gundi Feyrer

( Gundi Feyrer : “Selbstporträt als Schriftstellerin mit achtbeinigem Tisch” )

WIDMUNGEN

czz neues von freundenEine poetisch dicht gepackte Woche taktet mit Lesungen auf sowie mit einer einer virtuellen Anthologie und dem Paradoxon einer “versteckten” Exposition . So beschäftigt sich die jüngste Ausstellung in Bernhard Kathans immer- und nirgendspräsentem “Hidden Museum ” mit dem bemerkenswert gefundenen Thema der “Widmungen” , welche als Dank , in Anerkennung , allerdings auch als dezidierte Verortungen in vielen Büchern dem “Haupttext” vorangestellt sind . Jeder der 35 Frames | Fallbeispiele triggert eine Geschichte , welche - wie im berühmten Beispiel von Franz Kafkas Widmung des Erzählbandes “Ein Landarzt ” ( 1919 ) an den gefürchteten Vater - von komplizierten Ambivalenzen erzählen .

Widmungen sind zumeist etwas höchst Privates, sie können aber auch Gegenstand eines öffentlichen Diskurses werden. Als 1960 Hannah Arendts Buch “Vita activa - Oder vom tätigen Leben” erschien, schrieb sie Martin Heidegger : “Du wirst sehen, daß das Buch keine Widmung trägt. Wäre es zwischen uns je mit rechten Dingen zugegangen - ich meine zwischen, also weder Dich noch mich -, so hätte ich Dich gefragt, ob ich es Dir widmen darf; es ist unmittelbar aus den ersten Marburger Tagen entstanden und schuldet Dir in jeder Beziehung so ziemlich alles.” Hannah Arendt dachte wohl auch daran, dass Martin Heidegger in der 1941 herausgegebenen Neuauflage von “Sein und Zeit“, das Werk erschien erstmals 1927, die an seinen Mentor Edmund Husserl gerichtete Widmung gestrichen hatte: “Edmund Husserl in Verehrung und Freundschaft” zugeeignet. ( Bernhard Kathan ) |||

TEXTE DES MONATS

czz neues von freundenGewissermassen versteckt , doch via Internet aufzufinden ist Liesl Ujvarys virtuelle Anthologie der “Texte des Monats” . Man beachte den feinen Unterschied : Hier werden selbstredend mittelbar Autorinnen und Autoren vorgestellt , doch geschieht dies vornehmlich aus der Perspektive eines bestimmten Textes und dessen Kommentierung . Mit April und Mai ist die Reihe immerhin schon zu den stattlichen Nummern 19 und 20 vorgerückt - Dokument einer über zwei Jahre hinweg konsequenten Konzeption und Durchführung . Standen im April mit # 19 die hoch präzis ins Sprachmaterial gesetzten Gedichte ( “Aufbrüche” , 2004 ) der Wahlberlinerin Katharina Schultens ( Jahrgang 1980 ) im Fokus der Vorstellung , tritt mit der Mai- Ausgabe # 20 die Arbeit der in vielerlei Kunstformen versierten Gundi Feyrer ( Jahrgang 1956 ) auf den Plan :

Und loderndes, anderes Leuchten: ich zweifle daran, ob ich überhaupt existiere (sicher, denn, nehme ich ein Glas in die Hand, fällt es nicht herunter, sondern bleibt wackelnd in der Luft stehen. Gäbe es mich nicht, würde man sagen, es schwebe).

Kein wirkliches oder “wahres Ich” sondern viele, alle; täuschend und springend, vom einen zum anderen. Von einer Person zur anderen schwimmen, mit einer Person zu anderen schwimmen; Ablehnung oder einfach Unfähigkeit, Maske oder Person oder gar Persönlichkeit zu zeigen, auftreten zu lassen.

Die textuell tendenziell endlose Spirale der Selbstreflexion manifestiert sich allerdings auch in winzigen skulpturalen Arbeiten , vermittels derer die Autorin einen nicht unheiteren Blick “von aussen” auf die eigene Raum- Person wirft . Siehe das “Selbstporträt als Schriftstellerin mit achtbeinigem Tisch ” in unserem Header . Ob die Autorin am kommenden Mittwoch aus dem für Juni @ Passagen angekündigten Prosaband “Die Wolldecke” lesen wird ?! - In die Galerie Hohenlohe gehen und - hören ! |||

STEILE POETIK @ STEIGER @ HOHENLOHE

czz neues von freundenDrei Tage vor der Finissage der hier in|ad|ae|qu|at schon einmal zur Sprache gebrachten Personale zum Werk des Schöpfers zahlloser Bizarrerien , Dominik Steiger , tritt Mittwoch Abend eine Phalanx ausgezeichneter Poeten zusammen mit Gundi Feyrer zur Galerie- Lesung an . Angesichts des strengen Werks des kürzlich mit dem “Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik” ausgezeichneten Franz Josef Czernin sowie des im Januar mit dem “Peter- Huchel- Preis für Lyrik” geehrten Ulf Stolterfoht erweist sich die jüngst von der FAZ unternommene Erregung hinsichtlich des angeblich geradezu kreativitäts-zernichtenden Literaturpreis- Monsuns ( “Autorenförderung ? Hungert sie aus !” , 30. 4. ) als halbwahr- halbgares Fast- Food unter den Zeitungsenten . Vierter im Bunde der Lesenden : Schnellsprechmeister und “Partikelchenjongleur” Christian Steinbacher . Galerie Hohenlohe , 19:00 Uhr . |||

PARALLELEN : TIERE & MÄRCHEN

czz neues von freundenZwei Gassen parallel und zur gleichen Zeit ist im Literarischen Quartier Alte Schmiede ein Meister der hochkomisch melancholischen Neurose am nimmermüd sprachspielerischen Wort : Ingomar von Kieseritzky höchstselbst hält eine Vorlesung “Über Tiere - Beispielsammlung zu Obsessionen , Vorlieben , Animositäten , Liebesverhältnissen , Phobien und Idiosynkrasien gegen Mensch und Tier” . Das Schöne bei IvK : Es darf gelacht , allerdings auch nachgedacht werden . Mittwoch , 19:00 Uhr . Horrible Terminkollision mit der Hohenlohe’schen Manifestation : Kieseritzkys Neuröschen versus Steigers Kosmöschen !

Donnerstag steigen dann am nämlichen Ort einige dem p. t. in|ad|ae|qu|aten Publico Wohlvertraute in den nämlichen Ring , um allerhand selbstrefliv Poetisches über das Neurosensystem der gesellschaftlichen Private- Public- Partnership unter dem Titel “Das Märchen vom Individuum” ans Licht zu bringen . Da der Setzer dieser Zeilen hier die Veranstaltung moderiert ( so kein schwarzes Loch sich inzwischen manifestiert ) , zitieren wir in eigener Sache :

Der abendländischen Tradition des Epischen , der märchenhaften Moralität und der romanesken Entwicklungsgeschichte ist das “Bild vom Individuum” eingeschrieben . Unteilbar Eins ( mit sich ) zu werden , lautet das Ziel jener Geschichten von Bildung und krisenhafter Individuation , wie sie gerne gelesen werden . Die prosaischen Ansätze, welche mit neuen Arbeiten von Lisa Spalt ( “Grimms” , Ritter 2007 ) und Herbert J. Wimmer ( “Kühlzack & Flexer . Aggregat” , Manuskript ) in einen “Textdialog” treten , verweigern den Komfort sinnig gerundeter Figuren . Unter Umständen des Simultanen , Simulierten und “Multitask”- Flexiblen bleiben das “Ich” und seine Narrative eine ständig neu zu behauptende Konstruktion .

Lisa Spalt führt die Idealfiguren ihrer Märchenmodelle auf den Wortlaufsteg kosmetischer Konstitutionen und Konstruktionen : “Blut ist im Schuh” jeder weiblichen Model- Legende . Der Spiegel als zentrale Schnittstelle zwischen Ich und Selbstwahrnehmung bildet eine wesentliche Achse im finalen Part von Herbert J. Wimmers “Kühlzacks Proto-Memoiren - Selbstauslöser im Spiegelstadion” . Doppelungen , Verkehrungen , Verschränkungen führen in ein Spiegelkabinett von Sprachspiel und Kognitionskrise : Wie wäre “ein Ganzes” zusammenzufügen aus den splitternden Teilchen? – Zum Beispiel im narrativen Syntagma der “Erinnerung” ? – Die Genrebezeichnung “Memoiré” verspricht lediglich “Proto-Memoiren” und rekurriert auf Freuds Bild des Puzzle-Spiels . |||

NACH- SATZ INS OFFNE

czz neues von freundenSo , jetzt ist es heraussen . Nachdem ein PDF- Dokument zu einer hier anzukündigen Tagung uns permanent den Browser abschiesst , nützen wir den dadurch gewonnenen Freiraum , um auf eine Neuerscheinung hinzuweisen , deren erstmalige Präsentation am Montag über die Bühne ging : Benedikt Ledebur hat seinem in der feinen “edition schwarzes quadrat” ( onomato press ) erschienenen Gedichtband “Genese” mit einer CD- Fassung der berückenden “Literatur als Radiokunst“- Produktion “St. Paul’s Cathedral | John Donne” bestückt . Ist aber leider auf der Verlagsseite noch nicht online . Hinweise hinsichtlich allfälliger Änderungen werden gerne entgegen genommen - |||

KLANGAPPARAT

Genau vor einem Jahr haben wir unsere bedingungslos hingerissene Neigung zum Netlabel broque und sind mit Granlabs “Leuchtfeuer ” bei Release czz hörempfehlungNumero 032 “eingestiegen” : Seither gehört “broque” zur Rubrik “Neues von Freunden” wie die Butter auf “oderaufbrot” ( = broque ‘zine- Filiale ) . Genau 365 Tage danach haben wir heute die Ehre , erneut eine muntere Feinklügelei der Granlaboristen zu präsentieren : Man steht mittlerweile bei Release Numero 041 und begrüsst “the first days of spring” . Da sei kein schnödes Wort mehr verloren - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. a drypoints griffs | 02. mazer | 03. neons | 04. sneaked suffer | 05. hazy night |||

NEUES VON FREUNDEN



||| TRARA UND FEIERSTUNDE | UNTER HAUT STADT | KOSMÖSCHEN STEIGER | VON DENEN TRÄUMERN UND DEREN GEBILDEN | MUSIK : -MANN & -MANN | URBANES KULTURWISSEN | KLANGAPPARAT

TRARA UND FEIERSTUNDE

czz neues von freundenBevor wir überhaupt anheben , holen wir erstmal tief Luft & Lust für ein fröhliches “Trara” : Am heutigen Tage werden Die “Förderpreise für Literatur 2007″ …. wie man so sagt …. “verliehen” : Und zwar an den Prosaisten pointilistischer Wahrnehmung , WOLFGANG HERMANN sowie an die listige Sprach- und Bild- Maschinistin BRIGITTA FALKNER . Verleihungsfeier und Zeremonie inklusive . Da möchten wir à propos das längst zum Klassiker avancierte Palindrom der legendären Lakonikerin in schönster Bildlichkeit gratulierend zitieren .

SEI FIES copyright Brigitta Falkner

( Brigitta Falkner ) |||

UNTER HAUT STADT

czz neues von freundenWas einem unter urbanen Umständen so unter die Haut gehen kann : Bizarre Burlesken und obskure Dramen , wie sie die “interdisziplinäre” Literaturgruppe WORTWERFT sieht … und sinnenfreudig transmedial heute Abend darbietet : UNTER HAUT STADT . Am Wort : Maria Seisenbacher ( “Keine Delikatessen” ) , Hermann Niklas , Roland Steiner , Clemens Marschall und Daniel Krcal ( musikalisch aka Hano Aaruk ) | An der Bontempi : Rokko Anal | Am Bild : GOTO und Daniel Krcal . Aber eigentlich heisst das ja heutzutage “Vizuals” . Und die hat GOTO schon bei Shows von ambient animal oder mord gezaubert . Schau , schau und hör genau : Im Denkraum , 1050 Wien , Bacherplatz 11 / 2 , 20 Uhr . |||

KOSMÖSCHEN STEIGER - AUSSTELLUNG + LITERATURSYMPOSIUM

czz neues von freundenDitto am Freitag anhebend , sich allerdings standesgemäss in ein wunderliches April- Weekend weitend : Eine von kundigen Stimmen instrumentierte Exploration des welteinmaligen künstlerischen Kosmos DOMINIK STEIGERS - umstellt von dessen bildnerischen Arbeiten in der Galerie Hohenlohe . Wo sich schon jedes simple Attribut für diesen Eigenweltkünstler anbietet , werden uns kluge Interpreten mit Worten versehen . Die klingenden Namen der Er- Steiger bizarrer Emergenzen auf den Time- Table gebreitet :

  • Freitag , 11. April , 10.30 –13.00 Uhr
    • Jörg Drews : Der Kalauer ist der Witz des Plastik-Zeitalters - Zur Ästhetik der schiefen oder ausbleibenden Pointe
    • Mechthild Rausch : Small is beautiful - Zur Poetik des Kleinen in Dominik Steigers frühen Texten
  • 15.00 –17.30 Uhr
    • Gisela Steinlechner : ziertischlerarbeit mit bettler als statist - Dominik Steigers Kulturcollagen
    • Cathrin Pichler : Zum bildkünstlerischen Werk von Dominik Steiger
    • Filme und Lieder von Dominik Steiger
  • Samstag , 12. April , 10.30 –13.00 Uhr
    • Thomas Eder : Sich in die Dinge denken - Der Poet als Gedankenleser am Unbelebten
  • 15.00 –17.30 Uhr

VON DENEN TRÄUMERN UND DEREN GEBILDEN

czz neues von freundenMontag und Mittwoch bieten sich als lohnenswerte Close- Ups literarisch avancierter Vermessungen von Traumwelten an . Montag liest FRIEDERIKE MAYRÖCKER liest aus ihrer neu erschienenen Prosaarbeit “Paloma” ( Suhrkamp 2008 ) , einer - so Otto A. Böhmer kürzlich in der “Zeit” - träumerischen “Drangsalseligkeit” .

Mittwoch geht es am gleichen Realort - dem Literarischen Quartier Alte Schmiede - dann adaequat weiter mit der Präsentation der frischen Lieferung der Zeitschrift FREIBORD ( 143 / 144 ) zum Thema : LITERATURTRÄUME – TRAUMLITERATUR , herausgegeben von GERHARD JASCHKE und ELFRIEDE GERSTL . Texte und Beiträge zum Träumern liefern die Herausgeber sowie ( u. a. ) Friedrich Achleitner , Richard Anders , Lucas Cejpek , Antonio Fian , Anselm Glück , Christine Huber , Elfriede Jelinek , Angelika Kaufmann , Ilse Kilic , Margret Kreidl , Friederike Mayröcker , Andreas Okopenko , Peter Rosei , Gerhard Rühm , Julian Schutting , Fritz Widhalm , herbert j. wimmer … Welcher der Genannten am 16. 4. ab 19 Uhr nun tatsächlich in corpore anwesend sein wird und liest … Der Programmtext verhält sich in dieser Hinsicht träumerisch kryprisch : “mit Lesungen der Mehrzahl der Autorinnen und Autoren” . |||

MUSIK : -MANN & -MANN

czz neues von freundenMit Bonus- Konzerten für die Nickelsdorfer Jazzgalerie gehen deren hochnoble “Konfrontationen” auf Reisen und gastieren zwei 1A- Formationen am Sonntagabend im Ragnarhof ( 1160 , Gundsteingasse 12 , 20:00 ) : Das erste Set gibt das Duo CHRISTOF KURZMANN ( loop , voice ) & BERNHARD FLEISCHMANN ( drums , electronics ) . Noch Fragen ?! - Der zweite Streich erreicht uns aus der Free- Ecke mit dem langjährige Cecil Taylor- Partner MARCO ENEIDI ( sax ) , Philipp Quehenberger ( keyb ) , DD Kern ( drums ) aka LIPCODIE ENQUKE , feat. BULBUL . “Hochexplosiv” , notiert - höchst nachvollziehbar ! - die weiterführende Prosa . |||

URBANES KULTURWISSEN

czz neues von freunden“Städte” , so der Kulturwissenschafter HELMUTH BERKING , “lassen sich an ihrem Gang erkennen wie Menschen” . Einige Antworten zu der ( warum eigentlich ? ) “unverschämte Frage : Was ist die Stadt ?” sind am Montag , 14. April im IFK ( Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften ) zu vernehmen . Unverschämt fragen dürfen dann aber auch die p. t. Zuhörerinnen und Stadtbenutzer . 1010 Wien , Reichsratsstrasse 17 , 18:00 Uhr . - Lektüre im Kontext : Die Macht des Lokalen in einer Welt ohne Grenzen ( Campus 2006 ) . |||

KLANGAPPARAT

Ultimativ urban , gleichwohl nach atmosphärischen Weiten greifend : In unserem Portrait de Netlabels l a r i d a e klettern wir nun die release- Liste retour und land bei den Schwebungen von ambic2 aka Guy Andrews : Elf czz hörempfehlung titel müsst ihr sein , um Londons Nebel in “As The Snow Fell” zu übersetzen . Man möchte aber nur den Fehler begehen , die flächigen Gespinste als gar zu abgehoben zu präjudizieren : Zwischen den Nebelfetzen schimmern hinreichend feines melodisches Fleisch ( Track 9 ! ) und bassline- Sehnen hervor . Müssen wir jetzt die Metapher wirklich total ausschlachten und auch noch das Knochengerüst insistierender Beats herbei zitieren ?! - Wir denken : Nein . CLICK TRACKSTO LISTEN : 01. Storm’s Theme | 02. To Wake, To See | 03. Night-13 | 04. Close Of Day | 05. When Father Cries | 06. This Day Goes Nowhere | 07. December’s Shadows | 08. Sleep Cycle | 09. Beside You | 10. Dust Below The Ground | 11. It Snowed The Day We Died | P. s. For further listening sei auf die Anfang 2007 herausgekommene Release des Künstlers verwiesen : “under these stars , we´ll sleep again” ( laridae 031 ) |||