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“Preissegen” ? - Vom pittoresken Preisregen auf aride Zonen exzeptioneller Textproduktion



||| FLORIANA 2008 | H. C. ARTMANN- PREIS 2008 | PREISE DER STADT WIEN | AUSSCHREIBUNG DER STADT WIEN | BUNDESMINISTERIN VERTEILT “WÜRDIGUNGSPREISE” ZUR ERÖFFNUNG DER ‘BUCH WIEN’ | BUCH.08 - SCHWEIZER BUCHPREIS | NOCH FRAGEN … ? - PREIS- EINREICHUNG LEIPZIG ‘09 | GEWINNER DES 16. OPEN MIKE | KLANGAPPARAT

staub_und_oelbestaendig_copyright_Christiane_Zintzen

( Auch für Literaturpreise der Fall ?! )

czz lorbeer-awardDass sich mit Literaturpreisen die Preis- Geber ( bzw. -Verleiher und - Verschleisser ) midestens ebenso schmücken wie die in die Rolle von “glücklichen” , “verdienten” und “würdigen” Preis- Empfängern gedrängten Literaturproduzierenden ist als Ritual eines feudalen Literaturbetriebs längst bekannt .

Nun gibt es allerdings einen wahres Preisgewitter anzuzeigen , welcher als fruchtbaren Landregen die notorische leeren Kassen mancher Laureaten füllt , sondern - eingekleidet ins Stadtkostümchen - auch dazu dienlich sein mag , den Beginn der ersten , allerersten BUCH WIEN zu promoten .

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FLORIANA 2008

czz lorbeer-awardDa alles Gute bekanntlich dem Weiten Land entspringt, seien zunächst die gestern verkündeten Preisträger der zweieinhalb Tage lang über die Bühne der heiligen Hallen des Stiftes St. Florian ( OÖ ) gegangenen Literatur- Biennale FLORiANA offenbart . Aus 117 Einreichungen hat die Jury neun Autoren und Autorinnen ausgewählt, die sich der Jury und einem interessierten Publikum an diesen zwei Tagen präsentiert haben.

And the Winners are :

Der Förderpreis für oberösterreichische Autoren geht an einen Text, der im lexikalischen Stil die Geschichte eines fiktiven Schriftstellers und seines fiktiven Science-Fiction-Romans entwickelt. Der Autor treibt ein raffiniertes ironisches Spiel mit dem Genre literarischer Utopien. Er siedelt die Entstehungszeit seines Textes nicht in der Gegenwart, sondern in der Zukunft an, wodurch eine doppelte utopische Spiegelung von Zukunft und Vergangenheit entsteht. Dafür erhält Christoph Aistleitner den Förderpreis für oberösterreichische Autoren in der Höhe von € 1.500.- ( … ) .

Der dritte Preis der FLORIANA geht an einen Text, der in bester österreichischer Tradition radikaler Sprachkritik bildhaft den ökonomischen Tauschwert von Liebesbeziehungen verhandelt. Wie Ideen und Wertvorstellungen von uns Besitz ergreifen können, wird mit Begriffen aus der Biologie veranschaulicht, die im Bild der Tulpe aufblühen. Lisa Spalt erhält den dritten Preis der FLORIANA, in der Höhe von € 2.000.- ( … ) .

Der zweite Preis der FLORIANA geht an eine Geschichte von Hingabe und Unterwerfung, der verführerischen Nähe von Begehren und Gewalt: ein Text von immenser Sprachwut, der eine beträchtliche Sogwirkung entwickelt. Michala Falkner erhält für ein wüstes Liebesidyll den zweiten Preis der FLORIANA, dotiert mit € 3.000.- ( ….) .

Der erste Preis der FLORIANA geht an einen Text, der sich in hochkomplexer Weise der Entwertung von Sprache ästhetisch auseinandersetzt. Das Thema des Textes ist Gewalt. Der Autor verknüpft mit rhythmischer Dringlichkeit Motive, Bilder, Begriffe zu einem dichten Textgewebe. Für dieses Sprachkunstwerk erhält Ulrich Schlotmann den ersten Preis in der Höhe von € 7.000.- ( … ) .

Mit Ulrich Schlotmann und Lisa Spalt wurden nicht nur zei aus dem “Salon Liittéraire” @ in|ad|ae|qu|at bekannte Kräfte auserkoren , sondern auch zwei lebhafte Sprach- Sound- Setzer , welche - Lisa Spalt 2000 , Ulrich Schlotmann 2007 - ihre Texte gehörig in Radiokunst übertragen haben .

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H. C. ARTMANN- PREIS 2008

czz lorbeer-awardEbenfalls nur jedes zweite Jahr vergibt die Stadt Wien den nach dem 2000 verstorbenen Poeten H.C. Artmann benannten Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik :

Nach Peter Waterhouse ( 2004 ) und Ferdinand Schmatz ( 2006 ) geht der mit € 10.000 dotiert Preis disjahr an Oswald Egger . - auch dieser übrigens ein “Literatur als Radiokunst“- Veteran , dessen Produktion “tuning , stumm” im Jahr 2004 den Karl Sczuka-Förderpreis des SWR 2004 errang . ( rk )

Die Verleihung findet Anfang 2009 in der Alten Schmiede statt.

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PREISE DER STADT WIEN

czz lorbeer-awardWohl nicht ganz zufällig im terminlichen Weichbild der neu etablierten BUCH WIEN überreichte der Wiener Kulturstadtrat im Wiener Rathaus im Rahmen einer Gala die Preise der Stadt Wien für das Jahr 2008 - Kategorie “Synergie unter Bedingungen der Aufmerksamkeitsökonomie” .

Die Preise der Stadt Wien werden jährlich sozusagen polydisziplinär vergeben und sind mit je € 8.000 dotiert . Ein Novum ist , dass die einzelnen Preisträger nicht mit je individuellen Laudationes von Fachkollegen bedacht werden ( zum berüchtigten Null- Honorar ) , sondern , dass alle Zwölf mit einem einzigen rhetorischen Streich gewürdigt und -ehrt wurden .

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AUSSCHREIBUNG DER STADT WIEN

czz lorbeer-awardGleichzieitg lädt die Stadt Wie bereits jetzt zur Bewerbung um die entsprechenden Auszeichnungen anno 2009 ein :

Die Stadt Wien stiftet alljährlich zu vergebende Preise für hervorragende Leistungen in den Bereichen Musik (Komposition), Literatur, Publizistik, bildende Kunst, Architektur, Wissenschaften und Volksbildung in der Höhe von je 8.000 Euro bis zu einem Gesamtbetrag in der Höhe von 96.000 Euro. Sie werden als Würdigung für das bisherige Lebenswerk verliehen, das geeignet ist, die Bedeutung Wiens und Österreichs als Pflegestätten der Kunst, Wissenschaft und Volksbildung hervorzuheben. Mit dieser Ehrung können Einzelpersonen und Teams ausgezeichnet werden. Es sind jedoch Leistungen ausgeschlossen, die bereits mit einem Preis der Stadt Wien ausgezeichnet wurden.

Die Entscheidung über die Vergabe der Preise erfolgt nach freiem Ermessen durch unabhängige Jurys und ist unter Ausschluss jedes Rechtsmittels gültig. ( … ) Bewerbungen sind mit einem ausführlichen Lebenslauf und Unterlagen, die die bisherige Tätigkeit in geeigneter Form darstellen, an die Kulturabteilung der Stadt Wien (1082 Wien, Friedrich-Schmidt-Platz 5), die auch weitere Auskünfte unter der Rufnummer 4000/84766 erteilt, bis zum 31. März des Folgejahres zu richten.

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BUNDESMINISTERIN VERTEILT “WÜRDIGUNGSPREISE” ZUR ERÖFFNUNG DER ‘BUCH WIEN’

czz lorbeer-awardWohl um den national- offiziösen Rang der aus der Retorte gezauberten Messe BUCH WIEN ( einem aufgebauschten Update der bislang eher drögen “Buchwoche” im Rathaus ) zu akzentuieren , gab sich Bundesministerin Schmidt zur Eröffnung der ( hoffentlich nicht der Agonie des Linzer LITERA- Unterfangens nachgeratenden ) BUCH WIEN höchstselbst die Ehre , folgende Preise und deren Träger zu verlautbaren :

Das Interessanteste an solchen Presse- Aussendungen ist selbstverständlich der Blick auf die personelle Besetzung der Jurien “hinter” den einzelnen Auszeichnungen …

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BUCH.08 - SCHWEIZER BUCHPREIS

czz lorbeer-awardMit der Terminierung auf 17. bis 23. 11 nimmt die BUCH WIEN ( formerly known asBuchwoche” ) sozusagen dier BuCH.08 ( formerly known as BuchBasel ) die Klinke aus der Hand .

Nun wurde - in schagfertiger Reaktion auf die tendenzielle Vernachlässigung schweizerischer Geistes- und Verlagsprodukte beim “Deutschen Buchpreis” ( remember : Frankfurter Buchmesse ?! ) - ein “Schweizer Buchpreis” ausgelobt und am Sonntag auch promt einem maximmal allen CH- Clichés spottenden Prosawerk zuerkannt ( sFr.50.000.- ). Fairerweise sei an dieser Stelle indes nicht verschwiegen , dass sich der in Rede stehende Titel auch bereits auf der shortlist des dbp fand .

Rudolf LappertsNach Hause schwimmen” ( Hanser | HörbucHHamburg ) erzählt im multiperspektivischenen Patchwork von den ungebutterten Seiten juvenilen Lebens und das mit einem im besten Sinne angloamerikanischen Drive , dass man sich bei dessen Letüre immer wieder neu vergeswissern muss , dass kein übersetztes Werk vorliegt .

Matt Ruff könnte dem in Irland lebenden Schriftsteller für sein Werk Pate gestanden haben … entstanden ist jedenfalls ein neuer Holden Caulfield , wenngleich die Erzählung manche Verschlankung vertragen hätte …

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NOCH FRAGEN … ? - PREIS- EINREICHUNG LEIPZIG ‘09

czz lorbeer-awardWer jetzt keinen Preis hat findet keinen mehr … Dies gilt dringlich auch für entsprechende Aspirationen hinsichtlich der Frühjahrsmesse zu Leipzig :

Noch bis zum 30. November können Verlage ihre Neuerscheinungen in den Kategorien ‘Belletristik’, ‘Sachbuch und Essayistik’ sowie ‘Übersetzung’ für den ‘Preis der Leipziger Buchmesse 2009′ einreichen.

Am 12. März, dem ersten Tag der Leipziger Buchmesse, soll die mit insgesamt 45.000 Euro dotierte Auszeichnung an herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen verliehen werden.

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NACHTRAG : DIE GEWINNER DES 16. OPEN MIKE

czz lorbeer-awardDie Gewinner des 16. open mike- Wettbewerbs der Literaturwerkstatt Berlin stehen fest !

Aus über 650 eingegangenen gültigen Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wählten sechs Lektoren aus renommierten Verlagen die 22 Autoren und Autorinnen aus, die am 15. und 16. November 2008 beim Wettbewerb in der Wabe in Berlin ihre Texte vortrugen. Die Juroren Thomas Glavinic, Monika Rinck und Feridun Zaimoglu ermittelten die Gewinner.

Die Gewinner :

  • Sonia Petner - geboren 1979 in Waldenburg ( Polen ) , arbeitet als Übersetzerin und Journalistin in Berlin . Organisiert Lesungen und Diskussionen . Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien
  • Svealena ( Svea Lena ) Kutschke - geboren 1977 in Lübeck , studierte Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis in Hildesheim . Sie las beim 14. Open Mike und nahm 2006 | 07 an der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto Stiftung teil . Lebt in Berlin .
  • Thien Tran - geboren 1979 in Ho Chi Minh- Stadt ( Südvietnam ) , lebt seit 1982 in Deutschland . Studium der Germanistik , Philosophie und klassischen Literaturwissenschaft an der Universität zu Köln . 2003 Praktikant im Tropen Verlag . Veröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften und Anthologien ( u.a. Versa , Artic , Sprachgebunden , Das Gedicht , Floppy Myriapoda , Carpe Plumbum , Intendenzen . Zuletzt: Neubuch, hrsg. von Ron Winkler 2008 ) . 2006 Nominierung für das Rolf Dieter Brinkmann- Stipendium , Studienabbruch . Neben Lyrik auch Buchrezensionen . Lebt und arbeitet in Köln .
  • Johanna Wack - geboren 1979 in Hamburg . Studiert in Hamburg Ökotrophologie . Ist Mutter von Marlene ( geb. im Mai 2007 ) . Schreibt seit einigen Jahren Kurzgeschichten , die sie u. a. auf Poetry Slams vorträgt . Auftritte in Funk und Fernsehen , Veröffentlichungen in Anthologien und in der Tagespresse .

Die Gewinner gehen direkt im Anschluss auf Lesereise :

Die Wettbewerbstexte des 16. open mike sind als Anthologie im Allitera Verlag erschienen - Deutschlandradio Kultur sendet am Sonntag den 23. 11. um 0.05 Uhr die Reportage “16. open mike”.

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KLANGAPPARAT

Dass DJ Dusty seine der dark side of the moon zuneigenden Track- Sequenzen tatsächlich aus der Antarktikis sendet ( wie auf der MySpace - Seite behauptet ) , dünkt uns bereits des Strom- und Equipment- czz-hoerempfehlungAufwandes wegen als Mystifikation . Im treibendem Amalgam von periodischer Achtziger- Jahre- Kälte und akut pulsierenden , hitzigen Heartbeats des Trance scheint dieser Kryptiker indes mitten unter uns zu siedeln .

Auf der Webseite des Netlabels intoxik lassen sich die vier Tracks von “Domino” live streamen . Für den unabhängigen - und , believe me , vielseitig verwenbaren Hausgerbrauch , bietet sich das Download eines taktvoll obsessiven Bonustracks . Heftige Empfehlung .

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Salon Littéraire | Dieter Sperl : DIARY SAMPLES



Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Dieter Sperl :

DIARY SAMPLES

copyright Dieter Sperl 01copyright Dieter Sperl 02

DIARY SAMPLES ist eine Ansammlung von Tagebuchaufzeichnungen; Gedankensplitter aus verschiedenen Begegnungen, Lektüren, werden nebeneinander gestellt, Zitate und Aphorismen mischen sich ein, Impulse, Wünsche, Ideen, Anregungen, Träume, Assoziationen und Intuitionen, sie schwingen miteinander, greifen sich an oder fordern sich wechselseitig heraus, schaukeln sich hoch, um vielleicht im nächsten Moment abzustürzen. Man kann auch bloß einzelne Teile befragen, sich darin vertiefen oder in nachlässigen, von Zufall bestimmten Lesebewegungen nach vorne und zurück switchen, oder mag versuchen, die semantischen Standorte der Einzelstücke, ihre diesbezüglichen Bewegungsmöglichkeiten und Wirkungsgrade in einem selbst auszukundschaften, um möglicherweise damit die Flugbahnen der eigenen Existenz variieren zu können.

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Meine Heimat ist dort, wo ich mich gerade aufhalte, um zu überleben.

Nach dem Aufwachen dachte ich: Auf keinen Fall an die gestrigen Lebensfahrgemeinschaften anschließen - Glockengeläute zu Allerheiligen, es ist sieben Uhr in der Früh, leichter Regen, Wind von Norden her kommend - haben sich alle aus jenem mich am Vortag überzeugend durch den Tag manövriert habenden Bewusstsein zurück gezogen.

Frau Navratil am Bahnhof von Z. an einem klirrend kalten Tag. Jeder Gesichtsausdruck gewinnt immer mehr an Klarheit, die eine um sich greifende Ausgelassenheit und tief entschlossene Ernstheit besitzt, als ob meine Hände von selbst fliegen könnten und mit dem Körper eine Reisegemeinschaft bildeten…

Als ich vor Jahren eine Verhaltenstherapeutin aufsuchte, wollte ich von ihr, dass sie mich zu einem glücklichen Menschen umprogrammiert, was ihr vermutlich auch gelungen wäre, hätte ich nur eine deutlichere Vorstellung davon gehabt. Deshalb musste ich den unter meinem Namen eingeschlagenen Weg weiter gehen.

Mach jede Bewegung zu deinem ganzen Ausdruck.

Jeder Augenblick, der auf mich zutritt, ist noch nie gelebt worden zuvor, solcherart frei von Vorstellungen und zugleich ewig während.

(wenn ich dich verliere, langsam)

Unterschiedliche Aggregatzustände: Flüssige Texte, hölzerne Gedanken, Wörter aus Stein, dichte Gewebe, Sätze, die als Zuschauer applaudieren…

Der in Peru geborene hohe Initiierte und Schamane K’anchaq Uma Juan sagte, dass auch unsere Emotionen Lebewesen sind, auch sie haben ihre Freunde, ihre Familie und es sind dies Kräfte, die in uns auftreten, sich weiter entwickeln oder auch nicht. Emotionen können wachsen und sich dabei verändern, denn es sind Wesenheiten, die zu einem ganz bestimmten Zweck erschaffen werden. Es gibt auch Momente, in denen sich solche Wesenheiten befreien und über die jeweiligen Menschen zu herrschen beginnen. Damit beginnt die eigentliche Katastrophe.

Dieses Sein und dieses Wollen sind eins.

Fantasie ist jener Moment, in welchem man einen fremden Menschen anschaut und plötzlich Teil einer anderen Geschichte wird, sich glücklich, offen und frei fühlt und nicht mehr hineingezwängt in das eigene Lebenskonzept, das sich täglich von neuem aufführen muss.

Den ganzen Schwindel der laufenden Selbsterregungen durchschauen.

Du bist bloß hier, weil du derzeit keine anderwertig eindeutig gerichteten Handlungsmuster besitzt, und das ist schön so in diesem Augenblick, auf diese Weise nämlich komme ich ins Spiel und bin froh und glücklich zugleich. Denn jetzt hängt die Entscheidung für das Kommende nicht mehr nur von dir ab, sie ist nun ein vermehrter Lichtstrahl, der mir ins Gesicht fährt, und damit meine vom Himmel aufgezeichneten und in die Gesellschaft hinein veräußerten Gesten mit einem Mal erweitert.

Zum Schluss meiner Meditation war ich temperamentvoll und unerwartet bei einer Bekannten namens Petra und deren Mann im Bett. Den Menschen die Angst vor dem Sterben nehmen, dachte ich, während ich mich im schwitzenden rinnenden Rhythmus ihrer beiden Körper bewegte, denn es ist dies unser Zuhause, in welchem wir unausgesetzt wirken

Jeder hat seine Bedeutung zu spielen, die im Grunde seine ganz überwiegende Lebensauffaltung ist. So stehen wir manchmal auf der besonderen Seite der Lebenskraft und winken ausgelassen den vorbei fliegenden Passagierflugzeugen zu.

Wenn du begreifst, was das Leben ist, ist es für nichts wirklich zu spät.

Dunkelheit / Liebesbriefe / Erinnerungen. Eine Laterne beleuchtet ein paar Meter des zu gehenden Weges. Ein Schamane spricht in meinem Traum in der kalten Winterluft. Dieses Sein und dieses Wollen sind eins .

Viele Schriftsteller haben ein Muster, die Welt zu begreifen, zu erzählen, sie darzustellen, auf sie hinzuweisen, in sie hineinzugehen produziert und dieses auch in unterschiedlichen Dichten veräußert. Durch Koordinieren und Weiterentwickeln verschiedener Diskurse entsteht etwas gänzlich Neues, das, so vermute ich, den Menschen einmal grundsätzlich mit einem Sprung größerer Autonomie anfüllt.

“Die ganze Welt und ich selber kamen mir wunderbar alt und jung vor, Erde und Erdenleben wurden mir plötzlich zum Traum, und es war mir, als sei mir alles ganz leicht verständlich und zugleich wieder völlig unerklärlich.” (Robert Walser)

Alles scheint nur solange seinen gewohnten Gang zu gehen, als niemand im Weg steht, der ebenfalls seinen gewohnten Gang gehen möchte, den beide sodann gemeinsam zu sehen bekommen.

In den Sprachakt Kräfte einpflanzen, die in uns eindringen, etwas vertiefen oder in Frage stellen, Kräfte, die uns herausfordern, beflügeln und uns umarmen. Hypothese: Solche Sprachakte bilden die lebendigsten Momente.

Alle Sätze, die wir miteinander wechseln, sollten nur für diesen Augenblick, jetzt, ihre Gültigkeit haben, und der Grad ihrer Bedeutung sollte sich an der Offenheit, der Beweglichkeit und Leichtigkeit, insgesamt ihrer Freiheit bemessen, die sie erzeugen können.

“Leeres und aufnahmebereites Herz.” (Shunryu Suzuki)

An M.: Ich habe mir in den letzten Jahren, so glaube ich, wesentliche Persönlichkeitsanteile bewusst gemacht und weiter entwickelt, andere wiederum ziemlich vernachlässigt. Indessen denke ich nun, dass ALLES WAS ICH IN GROBEN ZÜGEN ALS INDIVIDUUM BIN die weitere Entwicklungs- und Ausdifferenzierungsreise antreten soll. Beispielsweise gibt es da Muskeln auf meinem Rücken, ich würde dich bitten, sie in eine Bewegung überzuführen, um meine Seele zu kitzeln, schrieb ich, es war November, und dieser Monat gefällt mir fast überall auf der Welt.

Auf einem Hausdach ging ein Schriftsteller zu seiner Lesung, sah den Himmel, der leer hing über ihm, das Publikum klatschte, der Schriftsteller setzte sich an den Tisch, stellte drei Armbanduhren vor sich auf, das Publikum klatschte, der Schriftsteller rückte die Armbanduhren ein wenig von sich weg, starker Wind. Im selben Moment sah er einen weinroten Doppeldeckerbus fieberhaft einen Hang herunterkommen, an dessen Rückseite drei an Stricken angebundene Kühe mitgeschliffen wurden, der Bus kam in eine Ebene, die Kühe schleuderte es nur so in die Wiese, in der sie sich ausbreiteten, sodass sie plötzlich weitaus größer waren, und der Schriftsteller konnte sie spüren, als ob er mit seinen Fingern über ihr Fell gestrichen wäre. Das war der Beginn von Allerseelen.
Eine alte Frau im Vorbeigehen: “Man muss leider die Eitelkeit aufgeben. Sonst wandeln wir umher in unseren für uns selbst auffälligen Abenteuern.”

Sätze kommen und gehen lassen, ihre operationale Effektivität begrüßen.

Keinen Satz wegstreichen, ohne auf ihn je gewartet zu haben.

Der Augenblick anerkennt keine Autorität.

Um halb zwei Uhr in der Früh bin ich durch einen einzigen Trommelschlag geweckt worden.

Es ist lächerlich, wie mich heute eine Lebensangst im Griff hat, die in mich eingedrungen ist und die mich in Berechnungsschritten zu lähmen beginnt.

Hinter der schlichten und anspruchslosen Weite seiner Gedanken verbarg sich eine jähe und zwingende Tiefe.

Schon der leiseste Gedankenflug kann töten, wenn er nur genug Kraftkonzentrat in sicht trägt. Sämtliche Bewusstseinszustände und -kräfte sind sich laufend verändernde Schöpfungen einer kosmischen Ganzheit. Der Schamane ist einer der Meister des Absurden, des Akausalen und Unobjektiven, verkürzt Räume telepathisch und huldigt der Kommunikation mit allem Sein, schreibt Holger Kalweit.
“Allein die Menschenwesen sind an einem Punkt angelangt, wo sie nicht mehr wissen, wozu sie leben. Sie wissen ihr Gehirn nicht mehr zu gebrauchen, und sie haben das geheime Wissen ihres Körpers, ihrer Sinne und ihrer Träume vergessen. Sie machen keinen Gebrauch mehr von dem Geist, der einem jedem von ihnen eingegeben wurde.”

Jeder unserer geistigen Filme muss in präzisen und hoch energetischen Aufträgen operieren…

Es war jemand an der Tür, ich wollte absperren, um sicher zu gehen, aber ich fand keinen Schlüssel, und hätte mich auch nicht wirklich zum Schlüsselloch getraut. Schließlich stürzte ich überfallsartig zur Tür hin, schrie Hööhöö und spuckte mit aller Kraft auf die Glasscheibe, hinter welcher ich eine alte mich anvisierende Frau ausmachen konnte.
Meine Eltern hatte ich auch eingeladen. War es ein Künstler-Heim? Damit sie dort vorübergehend gratis wohnen konnten? Es war mir peinlich, da sie durch das komplette, schon sehr alte und ziemlich abgewirtschaftete Haus schlapfen mussten, um zu den Duschen zu gelangen.

Das Verhalten darf uns keinen Verstiegenheiten überlassen, die man uns später anhängen könnte.

Auch der Regen muss auf Visionssuche gehen.

Und draußen auf den Gehsteigen… ich hätte gerne das Geräusch des Schneeschaufelns gehört und ich war geneigt, zum Fenster hinaus zu sehen, in einen dichten Schneefall hinein, der mich überall hin hätte tragen können. Ein stilles rhombusartiges Sonnenstück erschien an der Wand rechts neben der Tür, das in jenem Moment, als ich es mit einzigartiger Freude bemerkte, sofort verschwand. Es muss wohl sehr scheu gewesen sein. Etwas muss immer dabei sein, das wahrhaftig universell über jeden gerade formulierten Satz hinaus treibt, eine Art von Leere als Botenstoff, unmissverständlich spürbar, sichtbar in jeder Bewegung, jedem Ausdruck, absolut, offen, beweglich, sie erst gibt uns die Freude und die Fremde in die Hand, und sie ist meine Haltung, die immer umfangreicher wird.

“Wenn du jetzt mitgehst, verändert sich dein Leben ausnahmslos.”

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Dieter Sperl

Geboren 1966 in Wolfsberg / Kärnten . Lebt in Wien . Studium Deutsche Philologie und Philosophie in Graz .

  • 1989 bis 1993 Mitorganisator zahlreicher Veranstaltungen und Mitherausgeber der dem Experiment verschriebenen Literaturzeitschrift perspektive
  • 1992 - 2000 Gründer und Mitherausgeber der literarischen Theorie- Reihe edition gegensätze ( i. e. )
  • 1995 Konzeption der Veranstaltung Neue Medien Schreiben in der Kunsthalle in Hall / Tirol im Rahmen von “am Anfang war” von Richard Kriesche
  • 1996 Kurator von Gehdicht , Lyrik im öffentlichen Raum , veranstaltet von KUNST IM ZENTRUM , Wiener Neustadt 1996
  • Gemeinsam mit Paul Pechmann Kurator für Literatur der Landesausstellung comm.gr2000az
  • 2005 Konzeption und Betreuung des wöchentlich erscheinenden LITERARISCHEN FENSTERS @ Wiener Zeitung
  • Seit Ende 2005 Literaturredakteur in der Zeitschrift ST/A/R
  • Konzeption von schriftwechsel , Binnenzeitschrift für diversitäre Erzählformen
  • Literaturtipps für readme.cc

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