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LITERATUR ALS RADIOKUNST | Michael Hammerschmid im ORF- Studio | Produktionsnotizen



||| IM BUNKER : LITERATUR ALS RADIOKUNST . KEIN HÖRSPIEL | HÖRSPIEL , TRADITIONELL | MICHAEL HAMMERSCHMID | “KEIN HÖRSPIEL” : BRÜLL- UND FLÜSTERTÜTE | MASTERING | DICHTER ( IM ) DIALOG - “CECI N’EST PAS UNE PIPE” | SENDETERMIN | KLANGAPPARAT | LINKS

IM BUNKER : LITERATUR ALS RADIOKUNST . KEIN HÖRSPIEL

Studio1__copyright_Christiane_ZintzenDrei Tage Abtauchen ins Studio , drei Tage Hochkonzentration im Bunker von schalltoten Räumen zw. im “Raumschiff Enterprise” des grossen Regieraumes Numero drei im Wiener Funkhaus : Mit Ausnahme der Digitalisierung und ihrer neuen Tools hat sich die Produktion von Radiowerken seit den dreisiger Jahren wohl nicht sehr verändert . Von der Einsamkeit des Sprechers in seinem gläsernen Käfig bis hin zu der per Bullauge in Sichtkontakt hockenden Meute von Regie und Tonmeistern .

Literatur als Radiokunst” ( @ ORF- KUNSTRADIO ) zielt allerdings nicht auf die Produktion von traditionellen Hörspielen . Ebenso wenig auf eine mithilfe der Technik aufpolierte Autorenlesung . Solche Formate gibt es hinlänglich . Vielmehr basiert die seit 1999 bestehende Reihe “Literatur als Radiokunst” auf einer zunächst gar puristisch anmutenden “Spielregel” : Als Klangmaterial für das rund 15- minütige Stück darf lediglich die Stimme des Autors herangezogen werden . Keine Musikzuspielungen , keine fremden Quellen . Also auch keine der oft unsäglich illustrierenden Alltagsgeräusche , wie man sie heutzutage meist von speziellen Effekt- CDs bezieht . |||

HÖRSPIEL , TRADITIONELL

Funkaus_Regieplatz_1_copyright_Christiane_Zintzen

Im traditionellen Hörspielbetrieb liefert der Autor sein Manuskript an den Sender ab . Muss froh sein , mit seinem Text überhaupt “genommen” worden zu sein . Von den folgenden Produtionsschritten der Regie- Konzeption , Besetzung und konkreten Realisierung seines Werks bleibt der Autor meist völlig ausgeschlossen . Was durchaus seine Logik hat und sein Gutes : Genauso wie ich mit einem Zeitungsartikel meinen Text den Redakteuren überantworte und dem pragmatischen Ablauf des Zeitungsmachens . Dort hat die grundsätzlich zur narzisstischen Kränkung neigende Autoren- Stimme nun wirklich wenig verloren . Beim Hörspiel indes ist der Autor mit der Aneignung seines Werks durch die künstlerische Interpretation der Regie konfrontiert : Was nicht selten zu Frustrationen auf seiten des Autors führen kann , dessen “innere Stimmen” beim Verfassen der Partitur ja so anders klangen als im fertigen Hörspiel - wenn der Text also durch die “Maschine” von Regie , professionellen Sprechern und der Zugabe von Soundeffekten hindurch gegangen sein wird . |||

MICHAEL HAMMERSCHMID

Hammerschmid 01Studio1__copyright_Christiane_ZintzenMit dem jungen Wiener Michael Hammerschmid haben wir diesmal einen Autor im “Literatur als Radiokunst“- Studio , der bereits über eine beachtliche Backlist an Hörspielen verfügt ( siehe LINKS ) . Das Setting von “Literatur als Radiokunst” fordert nun allerdings dem Autor die Eigenleistung ab , seinen eigenen Text nach seinen eigenen Kriterien zu verwirklichen und zu gestalten . -

Keine leichte Aufgabe für Jemanden , der die Studioarbeit oft eben so wenig kennt wie das Potenzial der eigenen Stimme . Tonmeister und Kuratorin können dabei lediglich als Berater und “Geburtshelfer” unterstützend wirken .

Die Stimme , die Stimme und nichts als die Stimme : Es gilt also schon im Prozess der Aufnahme nicht nur auf die Akkuratesse der Artikulation zu achten , sondern dem Autor / Sprecher eine mögliches Varietät von Stimmlagen abzutrotzen . Diese Aufnahmen werden und bleiben dann das Material , aus welchem das Hörstück in vielen kleinen Schritten angelegt , experimentell transformiert und schliesslich durchkomponiert wird . |||

“KEIN HÖRSPIEL” : BRÜLL- UND FLÜSTERTÜTE

HammerschmidStudio1__copyright_Christiane_ZintzenDa Michael Hammerschmieds programmatisch untertiteltes Stück “KEIN HÖRSPIEL” sein soll , gleichzeitig aber doch eine Art minimaler Dialog ziwschen dem Ich des fiktiven ( ? ) Autors und einem ( fiktiven ? ) Alter Ego stattfinden soll, bedient sich Tonmeister Martin Leitner schon bei der Aufnahme einiger von scheinbar “einfacher” , doch umso originellerer Kunstgriffe zur Diversifikation der Lesarten : Die Zuspielung von lautem Rauschen via Kopfhörer bringt den Sprecher unweigerlich dazu , seinen schönen Leseton aufzugeben und über den ( nur in seinen Ohren tobenden Lärm ) hinweg zu brüllen .

Begeisterung am Regieplatz : So artikuliert und “trocken” hat noch kaum wer gebrüllt und geschrieen - denn die Tatsache , dass sich der Sprecher wegen des “Lärmes” selbst nicht hören und korrigieren kann , führt zu einer nahezu Klaus Kinski- mässigen Stimmführung von hoher Intensität .

Desgleichen geschieht im Modus der gesenkten Stimme beziehungsweise des Flüsterns : Weiterhin das grausame Rauschen via Headset im Ohr , bitten wir den Sprecher , ein schlichtes Bühnen- Mike unmittelbar an die Lippen zu führen - auf diese Weise wird der Vortragende erneut der subjektiven Kontrolle seiner üblichen Diktion beraubt . - Wir dahingegen erhalten dichte Tonspuren von Intimität , ganz ohne psychologisches “Meaning” sowie mit herrlicher Übersteurung durch den anbrandenden Atem . Der Einsatz solcher aufnahme- technischer List würde bei einem professionellen Sprecher / Schauspieler freilich wenig nützen : Letzterer spräche seinen Text genau wie einstudiert und against all odds in den Kasten . Für weniger wirkungssichere Sprecher sind solche ( im unterirdischen und fensterlosen Studio vollzogenen ) Torturen im Hinblick auf das so gewonnene Stimm- und Klangmaterial dahingegen äussert fruchtbar . |||

MASTERING

Hammerschmid_LeitnerStudio1__copyright_Christiane_ZintzenFlugs wird nun in den Schneideraum und zum ProTools- Bearbeitungsprogramm gewechselt . Noch bleiben zwei Tages zum Durchhören und allmählichen Verfertigen von “ENDE GUT , ALLES GUT - KEIN HÖRSPIEL” . Hier beginnt die Goldschmiedearbeit , die insgesamt 14 Szenen ( die Vollversion muss aus Gründen der verfügbaren Sendezeit Federn lassen ) einzeln anzulegen : Im Rhythmus , im Raum und schliesslich im 5- Kanal- Panorama . Dabei verfährt Tonmeister Martin Leitner - man erinnere sich an die Produktionen mit Ann Cotten und Ulf Stolterfoht - in seiner höchst diskreten Weise : Die dialogischen Stimmen werden nicht einfach auf die Kanäle Links- vorne bzw. Rechts- vorne gelegt , sondern lediglich auf den Center und - um ein Stückchen verrückt - nach links vorne . Damit wird der Tatsache des Inneren Dialogs sehr viel besser Rechnung getragen als dies das klassische Ping- Pong zwischen Links und Rechts je vermitteln könnte .

Szene für Szene erhält mittels sanft eingesetzten Filtern und fast subliminalen Delays einen je eigenen “Raum” zugewiesen . Nun kommen auch die diversen “Schrei-” und Flüsteraufnahmen trefflich zum Zug : Der Wechsel der Sprech- Intensitäten ist stärker als jedes realistisch- psychologisches Rollenspiel im Dialog dazu angetan , Grundstimmungen wie “Einsamkeit” oder “Verzweiflung” zu vermitteln . |||

DICHTER ( IM ) DIALOG - “CECI N’EST PAS UNE PIPE”

Leitner Martin P3Ob akustischer Marker zur Trennung von Szenen , ob Verfremdungseffekte via diverser Plug- Ins von Filtern , Moogs und Kompressoren : Jede einzelne Entscheidung wird zwischen Autor und Tonmeister penibel diskutiert , bis auf Zehntelsekunden genau . Auf dies Weise entdeckt der Autor seinen Text und dessen Potenziale nicht selten neu . Auf diese Weise kann auch gewährleistet werden , dass der Verfasser seine Klangvorstellungen im dichten Dialog mit dem Tonmeister optimal realisiert .

“ENDE GUT , ALLES GUT - KEIN HÖRSPIEL” konnte unter genannten Umständen in ein diskretes Szenario der Aussparungen überführt werden , wo die Stille zwischen den Worten eine mindestens ebenso grosse Rolle spielt , wie die erratisch gesetzten Dialoge selbst . “ENDE GUT , ALLES GUT - KEIN HÖRSPIEL” von Michael Hammerschmid funktioniert damit analog zu René Magrittes Pfeifenbild “CECI N’EST PAS UNE PIPE” . “Kein Hörspiel” wird selbstverständlich ein Hörspiel bleiben - wenngleich in einer höchst artifiziellen , das Genre reflektierenden Form . Dass wir mit Text und Werkstück zugleich einen Essay sowie einen Zyklus von Gedichten vor uns haben , steht freilich auf einem andern Blatt . |||

SENDETERMIN - to be announced

KLANGAPPARAT

“Never change a winnig team” : Was für die konkrete Radioarbeit gilt , trifft auch auf gewisse Soundlieferanten in oft schöner Regelmässigkeit zu : czz hörempfehlungBei Sonic Walker debütiert DJ Insignifiant eben mit seinem ersten Net ( label )- Mix : Die Suite strebt tanzbar straight forward , behält sich allerdings mit broque’s Granlab und Markus Masuhr durchaus komplexe Klangkörper vor . Nice Choice ! - SEE TRACKLIST 4 “NETMIX1” AND LISTEN TO STREAM . |||

LINKS