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Valerie Besl : Laudatio zur Verleihung des Reinhard Priessnitz-Preises 2008 an Angelika Reitzer



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Valerie Besl : “ein rascheln ist dort wo ich glaube zu sein” oder “Wie kann man überhaupt (noch) erzählen ?” [ 1 ]
Zur Verleihung des Reinhard Priessnitz-Preises 2008 an Angelika Reitzer

ORT NUR IM WORT

parallel welt“ein rascheln ist dort wo ich glaube zu sein” heißt es in einem der “vierundvierzig gedichte” von Reinhard Priessnitz, und es ist dieselbe Ahnung und dasselbe Misstrauen, die sich auch beim Lesen von Angelika Reitzers Texten einstellen. Texten, die aus der Skepsis der Autorin gegenüber Ort, Zeit, Handlung und meist auch Figuren entstehen.

Als “oszillierend”, “schwebend” wird das Erzählen von Angelika Reitzer bezeichnet, und auf der Suche nach einer bildlichen Entsprechung finde ich diese in einer Szene im Text “Super-8″ aus dem jüngsten Band “Frauen in Vasen“: Wenn eine Frau auf ihrem Zimmerfahrrad dem auf die gegenüberliegende Wand projizierten Leben entgegenfährt und dabei zu einem Teil der Projektion wird, die ungreifbar bleibt:

Das Bild franste aus oder das Gegenteil davon : in einzelnen dürren Fransen reichte das Schwarz in den Bildrand herein; [ Angelika Reitzer: Super-8 - In: Frauen in Vasen - Haymon Verlag, Innsbruck 2008, S. 262 ]

Dieses Ungreifbare des Erzählten als etwas klar Konturierbares entsteht bei Angelika Reitzer in der Überlagerung verschiedener Ebenen, die ihre Texte ins Mehrdimensionale öffnet, erweitert. Und so wie bei Priessnitz “das zu schreibende der beginn eines anderen [ist]” [ 2 ], schickt die Autorin den Leser ins Unterwegs, im Handgepäck als Kompass eine ganze Palette von Lebensentwürfen, die einem vom Erzähler angeboten werden und die als einzelne doch nicht mehr zu verwirklichen sind. Und darin liegt eine zentrale Begründung, die die Texte von Angelika Reitzer für mich unverzichtbar macht: Sie gibt Wirklichkeit als Wirklichkeiten wieder, gleichermaßen reflektiert und gebrochen. Oder, wie es bei Reinhard Priessnitz heißt:

literatur soll entfremdung darstellen, literatur soll tatsächlich entfremdung sein. [ 3 ]

Nie sind es daher linear erzählte Geschichten, sondern vielmehr dicht verwobene Stimmen, Ebenen und Möglichkeiten, es ist eine Literatur des Versuchs, niemals die einer Behauptung, ein Summen und Sirren, das in der Rezeption fortzusetzen, weiterzudenken ist. Und wieder dieses Bild: eine Frau auf dem Zimmerfahrrad, deren zerfranster Alltag, die prekäre Wirklichkeit zwischen Familie und Arbeit, sich an den Bildrändern mit der Projektion, der Fiktion von einem anderen Leben verzahnt. Als Leser findet man sich plötzlich in einer irritierenden Gleichzeitigkeit wieder, die Angelika Reitzer so meisterhaft zu schaffen versteht.

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MODERNE : UNTERWEGS

parallel weltAuch ihre Figuren sind stets unterwegs, unterwegs zwischen traditionellen, sicheren, weil vorgegebenen Lebensentwürfen hin zu den unerschöpflich scheinenden Möglichkeiten von Zwischenmenschlichkeit und Arbeitswelt. Früher, bei den Großmüttern, ist eine Ansichtskarte noch eine Geschichte,

gibt es immer nur einen Ausschnitt zu hören … Was nicht auf die Karte passt, findet in ihrer [der Großmutter] Erzählung keinen Platz. Das Dasein hat nur eine Seite, unter ungeklärten Umständen zwei, wie ein Blatt hinten und vorn. [ Reitzer: Blattgold - In: Frauen in Vasen, S. 115 ]

Das Leben der Enkelinnen sprengt diesen Rahmen, bleibt unerzählbar.

Früher wusste ich bestimmt, dass es immer nur noch besser werden wird… Dass man alles haben könne - da haben wir uns getäuscht … Wir sind auf der Flucht.[ Reitzer: uzoud - In: Frauen in Vasen, S. 51f ]

Doch es sind keine Adoleszenzgeschichten, hier wird niemand erwachsen, hier kommt niemand irgendwo hin, weil kein Ziel zu benennen ist. Auch wenn es sich um Figuren handelt, die auf den ersten Blick mitten in einem glänzenden, erfolgreichen Leben zu stehen scheinen, zwischen Networking, Patchworking und Developing. Und doch ist das Unbehagen nicht wegzulächeln, bewegen sich die Protagonisten auf unsicherem Boden, entlang steiler Abbrüche. Wenn unter der heilen Oberfläche des Familienhauses im Text “Super-8” ein Heer von Ameisen unermüdlich den Verputz lockert, dann weiß man, wie es um das Fundament unseres Lebens, unserer Gesellschaft bestellt ist - ein System ohne solides Fundament, ein Netz aus kurzlebigen, locker geknüpften und leicht zu lösenden menschlichen wie ökonomischen Beziehungen. In einer solchen Gesellschaft muss man sich dekorativ präsentieren und arrangieren, um seinen Platz zu behaupten, als tragendes Teilchen dieses Konstrukts.

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ZERSPLITTERTE WIRKLICHKEIT

parallel weltIn diesem thematischen Fokus liegt eine weitere Konsequenz und Besonderheit im Schreiben von Angelika Reitzer: Kritik an gesellschaftspolitischen Verhältnissen wird nie mit erhobenem Zeigefinger geübt, nie entrüstet sich da ein Erzähler selbstgefällig, pathetisch oder moralisch. Weil es eben weder die eine noch die andere Seite gibt, weil Alltag, Lebenswelt und Arbeitswelt, die sich in immer schnellerem Tempo ineinander verheddern, zu komplex sind, um genau die eine, alles erklärende Position zu bieten. Folgerichtig beschreibt Reitzer nüchtern, präzise, aber dennoch höchst poetisch die Wirklichkeit als eine unendliche Summe von Einzelteilen. Gleichzeitig gelingt es ihr mit der ihr eigenen Kunstfertigkeit, exemplarisch unser Heute wiederzuspiegeln, eine Form für diese sich überlappenden Sequenzen zu finden. Weil sie Distanz schafft zwischen sich und dem Beobachteten, ihrem Blick eine Kamera vorsetzt, um das unmittelbar Wahrgenommene zu brechen, es in seine Elemente aufzulösen, um das Mögliche festzuhalten. Reitzer bedient sich filmischer Techniken, sie blendet auf, leuchtet aus, stellt scharf, um wieder auf ein anderes Detail zu schwenken, zu kippen, das sich dann plötzlich doch in der Unschärfe verliert. Und darin liegt vielleicht die Antwort auf die Frage, wie man heute überhaupt noch erzählen kann: Genau so, wie Reitzer es vorführt.

Der brüchigen Wirklichkeit steht die Sehnsucht der Figuren nach Eindeutigkeit gegenüber, eine verbleibende Ahnung, wie es sein müsste, sollte und vielleicht sogar könnte. Angelika Reitzer stellt dem in fast jedem ihrer Texte in “Frauen in Vasen” eine Vielzahl von Räumen zur Verfügung, einem Haus gleich. Das Leben als “Umkleidekabinen”, wie sie einen ihrer Texte betitelt: Im Unterwegssein verwandeln sich die Zimmer und Wohnungen zu einer einzigen Wohneinheit mit durchlässigen, hellhörigen Wänden, auf die in allen unterschiedlichen Lebensphasen doch nur die stets gleichen Wünsche projiziert werden. Vergangenes, Gegenwärtiges und Erträumtes greifen so ineinander, die Illusion der Kindheit als heimatlicher Zufluchtsort verblasst wie eine Erinnerung auf einem Foto, so sehr hält die Endlosschleife des nimmermüden Sicheinrichtens die Figuren gefangen. Es sind sachliche Befunde, die Angelika Reitzer darstellt, und sie verlieren auch im Ineinandergreifen der Szenen nie an Klarheit: Denn sie lässt das zu Beschreibende nie aus den Augen, ihre Literatur verkommt nie zum selbstverliebten Erzählfluss, oder, wie Priessnitz in “in stanzen” schrieb, zu “immer gleichen schriftsalaten”. Denn, nocheinmal Priessnitz:

das windig wirkliche in allen schriften
gestanzt von den instanzen der verwerfung
(es droht, ins tanzen fallend, abzudriften… [ 4 ]

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FILMISCHE SCHNITTE

parallel weltDie Konsequenz ist für Priessnitz die “unterminierung der normen und das überwinden von erwartungen”[ 5 ] ; dem auch Angelika Reitzer folgt: Ihrem Misstrauen gegenüber der Abbildungsfunktion der Sprache kommt sie bei, indem sie mit filmischen Schnitten Brüche sichtbar macht, Satzzeichen als Stolpersteine im Lesefluss platziert, frei stehende Doppelpunkte setzt, um Bedeutungen zu öffnen. Das verleiht ihrer Sprache einen unvergleichlichen Rhythmus, der eben nur scheinbar der Klang von Wirklichkeit ist:

So leben heißt : stückeln, die ganze Zeit, und vielleicht ist das eh das Einzige, das ich haben kann. [ Reitzer: Sonnenschirme - In: Frauen in Vasen, S. 13 ]

An das Ende ihre Texte wäre somit stets gedanklich ein Doppelpunkt zu setzen, oder ein Komma, als Fortsetzung, Wiederaufnahme, einer weiteren Zeit, eines weiteren Ortes, einer weiteren Geschichte.

“es ist ein rascheln dort wo ich glaube zu sein” denke ich beim Lesen von Angelika Reitzers Texten, und aus dem Misstrauen wird Neugier auf ihre Wirklichkeiten - und das soll Literatur sein und vermitteln: die Ahnung von Möglichkeiten.

Wien , 27. 10 . 2008 , Literaturhaus Wien

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[ 1 ] Angelika Reitzer, Interview - Anzeiger 07/2008
[ 2 ] Reinhard Priessnitz: der blaue wunsch - Priessnitz: vierundvierzig gedichte (= Werke, 1) - Literaturverlag Droschl, Graz 1987, S. 39
[ 3 ] Reinhard Priessnitz: literatur als entfremdung ( = Werke, 4: texte aus dem nachlass) - Literaturverlag Droschl, Graz 1994, S. 192ff
[ 4 ] Priessnitz: stanzen - In Priessnitz: vierundvierzig gedichte. ebda, S. 42
[ 5 ] Priessnitz: literatur als entfremdung, ebda, S. 192 ff

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Angelika Reitzer

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Valerie Besl

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KLANGAPPARAT

Geradezu zauberhafte Sounds sendet gerade mal wieder Detroit aus : Nein , die Rede ist hier nicht von Carl Craigs | Moritz Von Oswalds phänomenalerRecomposed“- Bearbeitung einiger der Partikel aus dem Material der 50- Spur- Aufnahmen , welche von Ravels Boléro czz-hoerempfehlungund Mussorgskys Bildern einer Ausstellung unter Herbert von Karajan eingespielt worden sind . Nein , wir nähern uns der lokalen Techno- Szene von Suburbia her , also auf den schmalen Pfaden der Netlabels und Creative- Commons- Lizenzen .

Hier umspielen uns etwas sanftere Gebilde , schwebend fast , doch nie , ohne den firmen Willen zum Beat zu verlieren . Was Chechnyan Love aka Samuel Qualls ( MySpace ) mit seiner LP ( ! ) “amalgamation” bei clear cut ( respektive @ Virb ) da liefert , ist vom Reinsten & Feinsten , weist dabei jeden Kitschverdacht weit von sich : Geniessen .

CLICK LINKS TO LISTEN . 01. intro | 02. florigen | 03. interior monologue | 04. specious present | 05. bang-bang principle | 06. essential contestability | 07. chiaroscuro | 08. tragedy of the commons | 09. convergent evolution | 10. dissociation of sensibility | 11. outro

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Play it again : FÜR den Bachmannpreis und WIDER die Literaturschulen - Eine Übertragung



||| IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE | IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG | “EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN | DEALS DER JURIEN | FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT | AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM | ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE

TDDL 2008 banner 300pxMusste man über Jahre hinweg lesen die stereotypen Stoss- Seufzer über den Bachmannpreis am ( Vorsicht : Wortspiel ! ) Wörther See und wie man sich abends bei Maria Loretto im berühmten Fischrestaurant unter den gruselig präparierten Fischköpfen an den Wänden ( Vorsicht : Bildwitz ! ) beim Gastmahle traf und wie dort oder auf den literaturjournalistischen Amateur- Fussballfeldern der Ehre es die Outsider den Insidern gaben

Musste man alljährlich lesen dieselben Protokolle von Outfits und Aussagen ( halbprivat ) , dasselbe Raunen über die echten , aus dem Genusse geistiger Getränke ergossenen Literaturbetriebswahrheiten …., so rächt sich das Feuilleton in diesem Jahr unisono mit Groll und Hohn für die Verknappung seiner Sport- und Spielwiese von zwei auf vier Tageslängen .

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IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG

picto TVIn chorisch harmonierenden Einzelstimmen wendet man sich gegen die Layoutierung der Show zu Zwecken und zu Gunsten der 3- sat- TV- Übertragung . Im fernsehgerechten Format , so der beleidigte Tenor ( Die Presse , taz ) , verwandle sich Literatur eben in jenes Ärgernis einer “prime time”- ( Der Standard ) , “Mittelstands-” ( DIE WELT ) , “Vita contemplativa”- ( FAZ ) und “Langweile”- ( NZZ ) Veran- oder -unstaltung , als welche sie sich anno 2008 den vor Ort Wesenden präsentierte .

Keiner mochte da einlenken , dass es eben die Fernsehübertragung sei , welcher die Juroren ihre Prominenz ( und guten Gagen ) danken , die im Besonderen allerdings dafür garantiert , dass Literatur im Feuilleton weiterhin für “der Rede wert” befunden wird . Anderseits gestattet just die Fernseh- Übertragung eine Teilhabe Vieler an einem lokalen “Event” : eine Zeugenschaft , welche die Lesungen selbst - allerdings auch die Leistungen der Jury , nicht zuletzt aber auch die Beurteilungen durch das Feuilleton - ÜBERPRÜFBAR macht .

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“EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN

picto TVSomit gerät die Oberhoheit der Kanzelrede und der exklusive Deutungsmacht des Feuilletons ins Wanken : Prompt reagiert das Feuilleton auf die solcherart “globalisierte” Information , indem es die Stadt Klagenfurt ebenso kleinredet und zur kleingeistig- protofaschistischen Provinz ( DIE WELT ) erklärt wie überhaupt den ganzen Bewerb inklusive der Juroren samt der von ihnen “vorgeschlagenen” und diskutierten Text- und Autoren- Funktionen .

Denn aber , hallo und sorry , möchten wir bescheiden daran erinnern , dass Klagenfurt noch immer ein Erbmöbelstück der “Gruppe 47″ ist und von deren berüchtigten Meetings , deren Lesungen und deren , jedem Widerspruch abgeneigten Ab- Urteilungen derer , die da lasen . Die , die da lasen , waren ( siehe : das Prinzip der “Einladung” bzw. der Juroren- Vorschläge ) selbstverständlich nur ein Teil “sie selber” . Der Löwenanteil war und bleibt allerdings das , womit sich ein Juror zu profilieren gedenkt , WEN er ins Rennen schickt und WAS er der Arena des Sammelkampfes vorwirft … zur Augenweide oder zum Frasse .

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DEALS DER JURIEN

TDDL 2008 banner 300pxWas das Juryprinzip ist in vielen verschwiegenen Versammlungszimmern , an Tagungstafeln und bei Konferenztisch- Kaffee aus Thermoskannen vollzieht , liegt in Klagenfurt vor Aller Augen . Deals , Kontrakte , Freundlichkeiten im Austausch gegen Imagepunkte , oder - bei Schlagseite des eigenen Kandidaten : der schnelle Seitenwechsel und Überlauf , der mit rhetorischer Verve überbrüht werden muss , damit der Sieger als selbstgekochtes Süppchen verkauft und vertreten werden kann .

Ja mei : All das ist hinlänglich bekannt . Was aber nun , wenn wir zugucken dürfen ( live dabei sein ! ) in der durch die Fernsehkameras und die hitzige Ausleuchtung nachvollziehbar unangenehm schwül- bedrückten Arena ? - Seit zwanzig Jahren weder im Besitze eines TV- Apparates noch des Animo , sich leiblich dem “Betriebsausflug” auszusetzen , hat in|ad|ae|qu|at das sogenannte “Wettlesen” stets via Feuilleton- Rapports und Insider- Witzen rezipiert . Und dabei Hunderte der oben genannten Fischessen , Fussballschweisstreibereien , Beschwipstheiten und Ausflügen ins lokale Puff nachlesen dürfen . Wenn im September dann oder im Oktober der jährliche Band “DIE BESTEN” bei Piper erschien , konnte und wollte sich eh Keiner mehr an das frühsommerliche Klagenfurt erinnern .

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FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT

picto TVNun aber hat das Netz auch für fernsehfrei lebende Zeitgenossen die “Zugänglichkeit” zu diesem eminenten Ereignis der Eliten von Feuilleton und Sozial- Performanz ermöglicht . Und solche “Zugänglichkeit” zu höherer - menschlicher , kultureller , emotionaler - Bildung gilt mittlerweile als Menschenrecht . Na gut , machen wir von solcher “Zugänglichkeit” via “Stream on Demand” Gebrauch und vollziehen “Klagenfurt” im totalen Echtzeit- Selbsttest und unter verschärften Bedingungen von sukzessiver Mitschrift und Fortverlinkung mit : Vierzehn Stunden lang an Bildschirm und Tasten , plus Mittagspausen usf.

Hier das Testergebnis : Auch unter den eingeschränkten Erwartungen , was ein Stream- Bild an Qualität vermitteln kann , ist der visuelle Faktor erbarmungslos kläglich . Im Chiaroscuro eines nur spotmässig ausgeleuchteten Studios verhindern abstruse Kamera- Totalen eine Konzentration auf den logisch zu fokussierenden Sprecher . Tritt selbiger allerdings - egal , ob gebeugter Autor , gestikulierender Juror oder bräselnder Moderator - ins Bild des Nah- Objektivs , erstarren die Talking Heads hinter der dick aufgetragenen und unvorteilhaft angestrahlten Maske . Da man Menschen , welche man schätzt und kennt , nur ungern in solcher Ensor’schen Masken- Übermalung betrachtet , verlegt man sich bald aufs Abblenden . Und siehe : Man beginnt zu HÖREN . ZUZUHÖREN sogar .

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AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM

TDDL 2008 banner 300pxUnd statt des blauen Studios erleben wir das blaue Wunder der Verwandlung eines “Literaturwettbewerbs” in ein HÖRSPIEL in Echtzeit : Mit den klassischen Chargen , Beschleunigungen und Retardierungen , Strophe und Refrain , Solo und Chor sowie viel lokal gefärbter Sprachmusik . Da treten die ausgestellten ( literarischen ) TEXTE als ebenso subjektive STIMMEN und CHARAKTERE auf wie das Geplänkel der Juroren , deren ebenso ausgestellten Bekenntnis- TEXTE und kulturtheoretische ROLLENPROSA . Solcherart sind wir - auch über manche Mühen der Textebenen ( aller Fraktionen ) hinweg - in den Genuss eines selten so unterhaltsam vernommenen HÖRSPIELS gekommen .

Fazit : Wenn schon das Radio sein Selbstbewusstsein als AKUSTISCHES Medium hinter Internetbildchen , LOGO- Optik und visuellen User- Interfaces am Handy verleugnet , wird man fortan das live übertragene , respektiv netz- gestreamte oder ON DEMAND abgespielte TV- BILD als neues Radio gebrauchen . BILD AB , TON AUF : Lass es jazzen , Mann , horch hin und maule nicht .

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ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO

picto TVUnd WENN man sich zu Klagenfurt bzw. in den Redaktionsstuben postum seit Jahren über die ( Vorsicht ! ) “gut gemachten , aber …“-Schreibstücke beklagt , dies Jahr erstmals auch über die ( Vorsicht ! ) “gut vorgelesenen , aber …“-Texte , dann schliesse man doch bitte endlich und einfach die VEBs der Literaturschulen und entlasse deren renommierte Lehrer , welche eben die SERIENTEXTE und -BEFINDLICHKEITEN mitproduzieren , über die sie und ihre Kollegen dann öffentlich mäkeln . Sorry : Bei diesem Betriebsspiel werden Menschen verbraucht … Der Rest der Argumentation ist unter der Kategorie “Germany’s Next Topmodel” bzw. “Deutschland sucht den Superstar” ( DSDS ) nachzulesen . Oder hiesse es doch nicht noch besser : “Dschungel-Camp - Ich bin ein Star – holt mich hier raus” ?!

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LINKS

  • Tilman Rammstedt erhält Bachmann-Preis - Der deutsche Autor Tilman Rammstedt hat den renommierten Ingeborg-Bachmann- Preis gewonnen . Der 33-jährige Schriftsteller wurde im österreichischen Klagenfurt für seinen Roman “Der Kaiser von China” ausgezeichnet . Rammstedt wagte etwas , das in Klagenfurt selten goutiert wird : Humor ( Elmar Krekeler , DIE WELT , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis 2008 : Darauf haben wir gewartet ( Oliver Jungen , FAZ , 29. 6. 2008 )
  • Vom Dienstbotenelend der Literatur - Der 32. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb - Mit einer Grossvater- Geschichte holt sich der Berliner Tilman Rammstedt den Ingeborg- Bachmann- Preis 2008 . Seine Erzählung ist komisch , wo die Qualität der sonst noch vorgetragenen Texte fast tragisch ist . Selten zuvor war die Literatur in Klagenfurt so durchschnittlich wie diesmal ( Paul Jandl , NZZ , 30. 6. 2008 )
  • Neuigkeiten aus Klagenfurt - Öl im Getriebe - Beim diesjährigen Ingeborg- Bachmann- Wettbewerb haben sich die Schriftsteller , die Jury und das Publikum auf die Bedingungen des Fernsehens eingelassen ( Dirk Knipphals , taz , 30. 6. 2008 )
  • Das Jahr der Freundlichkeit - Der 32. Bachmann- Preis ging an den in Berlin lebenden Tilmann Rammstedt - Markus Orths und Patrick Findeis hatten Chancen . Eine Entscheidung , unentschieden ( Cornelia Niedermeier , Der Standard , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis : Ein Tyrann als komischer Held - Tilman Rammstedt gewinnt mit seinem schwarzhumorigen “Der Kaiser von China“ in Klagenfurt . Er setzte sich bei Jury und Publikum durch ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )
  • Literatur , im Wörther See versenkt - Beim Wettlesen zum Bachmann-Preis wird alles den Erfordernissen des TV , der Marke untergeordnet . Ein Text ist aber kein Waschmittel ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Ein Eintauchen in buchstäbliche Liquid Levels gestattet das herrlich verhaltene LOOPZILLA- MIX Numero 60 . Fern von jeder hochsommerlichen czz-hoerempfehlungBeach- Life oder Sonstwie- Fröhlichkeits- Frenesie , bleibt das “Sofa Mix” cool abgedimmt im gangbaren Takt , ohne ins loungig- Beliebige abzudriften : Daniel P. aka “Project Swirl” bedient sich mit seiner exquisiten Mischung aus Releases von Netlabels wie yukiyaki , Thinner , unfoundsound oder clear-cut allerdings nur beim Feinsten . - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN . |||

Heisse ( n ) Dank -



||| BADE HEISS | LOVE’s LABOUR 01 | LOVE’s LABOUR 02 | KLANGAPPARAT

Da das Offline- dem Online- Leben in vielen Kategorien masslos hinterher hinkt und schnöde Leiblichkeiten sich dem besten Willen semi- fiktiver Schreibkräfte heftig in den Weg werfen , muss akut leider den Grillen der Grippe nachgegeben werden . |||

Bade heiss

Zwei bis drei LOVE’s LABOURS sind allerdings dringend anzubringen , bevor Geist und “Leiberl” ( Elfriede Gerstl ) hinsinken und im heiss- heilenden Bade erweichen . |||

LOVE’s LABOUR 01

Die lieblich- sympathisierenden Worte sind - dessen seien deren Urhebern nach Kräften versichert - keine VERGEBLICHE LIEBESMÜH’ . Sie stammen bezeichnender Weise ausschliesslich von Co- Bloggern ( wie Rüdiger @ News Headquarter , Pete @ Kakanien Senior Ed. , AFi @ Wort- & Sinngleiche & Birma News Utd. , Olivier @ Bloguer , kap @ adaequat , Uwe @ shortlist ) , denen die regelmässige Selbstbezwingung im Ringen um Wort , Topic , Form so unwohl wie wohlvertraut ist . Dem Longtail des ungefragt unremunerierten “Schmierfinkens” (( frei nach der Anfang November von Michael Konken , Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten Verbandes , gehaltenen Rede )) gibt jedes Feedback den erquickenden Kick . |||

LOVE’s LABOUR 02

Selbstverständlich werden wir die Bilanzen des vergangenen Jahres in die Tasten klappern . User- und Zugriff- Zahlen , Traffic- Ziffern , Countries , most pop search terms & and erfolgreichste Topics . Den kühlen Kopf dafür müssen wir aber erst wieder kriegen : Dann kriegt Ihr’s : FireStats auf Weiss , heisse Kurven kommen als Xtra- Bonus hinzu . |||

KLANGAPPARAT

Der heutige Klangapparat mag als “LOVE’s LABOUR 03″ hingehen , ist selbiger doch von feinster Natur Kunst . Irren wir nicht fiebrig , so war das pflegliche ( Net- ) Label Clear Cut Records an dieser Stelle bereits zu Gast . Mit der Netrelease 009 ist ein veritables Electronika- Meisterwerk ( und das in voller LP- Länge ) anzuzeigen : Die Zuspielung erfolgt aus Stockholm , czz hörempfehlung wo Tobias Lilliehorn die Skalen seiner Spuren in so dichte Schleifen und Schlingen legt , dass sich daraus suggestive Klangskulpturen und imaginäre Landschaften entwickeln . Scheinbar einfache Patterns beleben sich in anliegenden und abebbenden Dynamiken , Schüben von gains und attacks . Man darf dieses Album gerne bei dessen Titelwort COMMUTER nennen und nehmen : In Aufsicht auf eine durchurbanisierte Welt ziehen die Waggonschlangen vielzähliger Züge ihre vorgezeichneten Bahnen , ständiges Streaming auf Autobahnen , Zubringern , COMMUTER- Wegen . Random Patterns der in den integralen Flow eingehenden Einzelbewegungen : Regel und / oder Abweichung , Genie und / oder Genre , der Beat of Life in staunenswert fremdbekannten Formen … - Lilliehorns Kreationen wären am ehesten als “bionisch” aufzufassen , ergo Nomisch : hoch elegant ! CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. mahonia | 02. sweat | 03. elements | 04. messages | 05. lilly | 06. people | 07. the sun | 08. dahlia ( in bloom ) | 09. visco city |||

Von Büchern und Pülchern



Da sich beretis der Titel Denen nicht unmittelbar im linguistischen Kleinklima Wienerischer Idiomatik Befindlichen eventuell nicht prima vista erschiessen mag , hier die Tripel- Traduction von “Pülcher” in den hochdeutschen Tunichtgut , den frankophonen voyou sowie den angloamerikanischen crook .

BRUS Meinung und DeinungIm thematischen Targetting auf - dreimal recht geraten - die Hotlist der Bachmannpreis- Lese- Teilnehmer ( mit 14 : 4 männiglich männlich ) wird es - mit Elke Heidenreich ( im Focus verlautet ) auch in Klagenfurt “Nie wieder ekelhafte Altmännerliteratur!” geben , was maximal für die Vortragenden gilt , mit Einschränkungen für die Juoren . Das Corino- Vorspiel hat sich ja hinlänglich herum gesprochen . Zu recht markiert da ein nettes Wirtschaftsmagazin den Kampf ums ( literarische ) Dasein als Ego- Shooting ohne rücksicht auf verluste , was durchaus auch für die Kämpfe um die Deutschsprachige Literatur in der noch ingrimmig ums teutsche Volkstum ringenden Kärntner Südmark gilt .

Nur gut , dass wir den 1996er TDDL - Teilnehmenr Richard Obermayr sicher und schicklich zu Gast bei Subkontent in Tokyo wissen . Bevor also das allgemeine Meinen , die grösseren und kleineren Gemein(t)heiten in genau einem Monat samthart über Lesepodium und Bilschirme gehen , gälte es noch auf eine Kulturtechnik hinzuweisen , von deren Notwendigkeit alleine die bereits jetzt kiloweise aus dem berstenden Briefkasten quellenden Din A 4 Postillen der Vorschauen auf Verlagsprogramme 2007 / 2008 überzeugen .

Ausgehend von Pierre Bayards köstlichem Essay Comment parler des livres que l’on n’a pas lus ? macht sich das Fähnlein Fieselschweif französisch bloggender Buchhändler praktische Gedanken nicht nur zu Konversations- Mustern über fingierte Lektüren , sondern auch - - - vorsicht , jetzt wird’s philosophisch - - - darüber , ob man ein Buch je “wirklich gelesen” haben kann. Borges’ Pierre Ménard, Autor des Don Quixote grinst schon herüber : :: Kommt sofort auf die inadäquate Blogroll !

BRUS Meinung und DeinungGegen das Meinen , das Gemeine, mitunter auch gegen das Gemeinte haspelten ja auch Karl Valentins Kamikaze- Sprachkaskaden an. Da sich der Geburtstag des “Avantgardisten und Musikaktivisten” am 4. Juni zum 125 . Mal jährt ( und zum 49. Mal dessen Tod infolge einer Unterernährungs- Lungenentzündung ) , stellt Michael Lentz eine erfreulich trockene und unverwitzelte Hommage ins FAZ- Netz . Was in den restlichen Blättern darüber gedacht , gemacht und aufgemacht wird , darf man ( etwa im SPIEGEL ) selber lesen .

Angemerkt sei legilich hier und auch in eigener Sache , dass Lentz 2000 mit der H. C. Andersen- Paraphrase Tell Me / Erzähle ein heftig virtuoses Stück Literatur als Radiokunst im Studio 4 des ORF- Funkauses produzierte . Einen MP3- Auszug bieten wir Ihnen hier . [ In case of Invalid Source >>> back to the link of Tell Me / Erzähle .]

Bevor wir uns nun in die “Namen sind Nachrichten”- Kurve der Bachmannpreis Kombattanten werfen , sei noch auf das pittoreske Bild- Leitmotiv dieser Notizen hingewiesen ::: Die Zeichnung stammt von Günter Brus und illustriert einen nicht minder betrachtenswerten Artikel , welchen der Alt- Aktionist unter dem Titel Meinung und Deinung ins aktuelle DATUM gesetzt hat . - Die Frage , warum ausgerechnet Poeten und Dichter eine öffentlichkeitsrelvante Meinung zu Diesem oder Jenem besitzen oder gar “vertreten” sollen , stellte sich jüngst angesichts einer FAZ- Befragung von Schriftstellern wie Monika Maron, Christiph Hein und Jenny Erpenbeck zu Schäubles “Schnüffelkonserven” ante Heiligendamm .

Nun aber zu ultimativen Liste der Bachmaniacs , deren further Details man höflich in den Veranstalter- Unterlagen ansehen mag . Folgen also ( remember very basic rule of journalism ? ::: “Namen sind Nachrichten” ) die Vortragenden sowie in Klammern deren Fürsprecher . Knallhart alphabetisch .

BRUS Meinung und DeinungJörg Albrecht ( Ilma Rakusa ) , Martin Becker ( Klaus Nüchtern ) , Christian Bernhardt (Klaus Nüchtern.) , Jan Böttcher ( Ijoma A. Mangold ) , Andrea Grill ( Daniela Strigl ) , Björn Kern ( Karl Corino ), Peter Licht ( Iris Radisch ) , Jagoda Marinic ( Martin Ebel ), Milena Oda ( André V. Heiz) , Kurt Oesterle ( Karl Corino ), Ronald Reng ( Martin Ebel ) , Silke Scheuermann ( Ursula März ), Fridolin Schley ( Ijoma A. Mangold.) , Jochen Schmidt ( Ursula März ) , Lutz Seiler ( ilma Rakusa ) , Thomas Stangl (Iris Radisch ), Michael Stavaric ( Daniela Strigl ), Dieter Zwicky ( André V. Heiz ).

Wie sagte Karl Valentin ::: “Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.”

Deshalb hält inadäquat jetzt ausdrücklich die Klappe und czz hörempfehlungverabreicht leitet diskret die musikalische Sättigungsbeilage in Form der EP Conception des aus Warschau nach Henscheid ( nicht zu Eckhard ! ) gesiedelten Tepresto . Als Release Numero 5 des netlabels clear-cut legt der 29-Jährige einen diskreten Herz- Schrittmacher hin , wobei die Eigendefinition bemerkenswert vom warm Fühlsamen ins sinister Depressive glitcht ::: “tepresto stands for a sentimental, warm and intelligend sound, often the listener gets accompanied by depressive feelings .” - Nicht diskutieren - ausprobieren ::: 01 conception , 02 electrotriebwerk , 03 hypnotized .