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WER GUT HÖRT , DER GUT FÄHRT

Logo Wurfsendung

Dass Weltliteratur via Hörbuch nicht die “Easy Listening”- Variante für Köpfe hinter Bügelbrettern darstellt , erweist die Auszeichnung , welche Winter & Winter für seine wahrhaft unzeitgemässen Sechzehn- Stünder venezianischer Fin- de- Siècle- Romane von Seiten der Deutschen Schallplattenkritik eben erhalten hat . Das langmütige Proust- Projekt des Hörverlags hält eben bei Teil Vier ( «Sodom und Gomorra» , 22 CDs ) und geriet umstandslos auf die hr2- Hörbuchbestenliste.

Sozusagen in Echtzeit hat der Berliner Schriftsteller Jochen Schmidt seine wohlproportionierte Komplett- Lektüre der “Recherche” in seinem Blog “Schmidt liest Proust” protokolliert und sympathische Alltagsfragmente einfliessen lassen : Lesen ist Arbeit und - wie jetzt in der prächtigen Buch- Edition @ Voland & Quist nachzulesen - vernögen zwanzig Seiten Proust pro Tag sehr wohl den Blick auf die Niederungen des Alltags zu verändern .

Letzteres gilt auch für die ( leider nur eine CD umfassende ) Kompilation der sekundenkurzen “Wurfsendungen” - welche Deutschlandradio Kultur seit zwei Jahren als plötzliche Hörpiele und absurde Interventionen per Zufallsgenerator in sein Tagesprogramm streut . Oft kopiert , nie erreicht : Kult mit absolutem Suchtpotential .

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HÖRSPIELE , PLÖTZLICH

icon listening whiteczz - Irritation und Invasion des Alltags durch surreale künstlerische Interventionen – diese in der experimentellen und Medienkunst geläufige Tradition wurde im Kultursender Deutschlandradio 2006 salonfähig . Mithin blitzen sechsmal täglich jäh jene surrealen Mikro- Hörspiele auf , die als “Wurfsendungen” längst legendär sind . Per Zufallsgenerator geworfen in das Tagesformat (Radiofeuilleton ) , werfen die sekundenkurzen Spots , Szenen und Situationen den Hörer aus dem gewohnten Trott und die Ratio lustvoll über den Haufen .

Produziert in Serien von acht bis zehn Folgen , kombiniert das Format des “plötzlichen Hörspiels” den Effekt der Überraschung mit demjenigen des Wiedererkennens , womit noch gar nichts über den oft nihilistischen Witz dieser partikularen Performances gesagt ist . Ob Comic- Charaktere wie die linkischen Hirningenieure Nano & Mü , oratorische Reflexionen zur Einsamkeit des Users vor dem Computer , Solo-Suaden , Ehegeplänkel , Airport- Durchsagen – was diese Mailboxnachrichten , Ratespiele , Telefonate und Wechselreden alle eint , ist die konsequente Konzentration auf die Situation des Sprechens . Mit diesem roten Faden , der sich durch die über 1.000 gesendeten Mini- Clips zieht , wird einerseits deren beliebige Kombinierbarkeit garantiert , zum andern ein Abdriften ins beliebig Kabarettistische verhindert .

Wenn nun 99 dieser akustischen Ausschnitte einer angewandten Psychopathologie des Alltagslebens auf CD erscheinen , mag man diese als Spielformen auf den Registern des ( Anti- ) Witzes geniessen . Faszinierender aber ist , dass hier das Sprachmedium “Radio” ein produktives Format dafür geschaffen hat , das Sprechen an sich und durch sich pfiffig zu reflektieren .

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KUNST UND TOD IN VENEDIG

icon listening blackczz - Dem ambivalent- dekadenten Glanz der “Serenissima” ist die zweite Hörbuch- Kollektion des Labels Winter & Winter gewidmet . Mit Mut zum visionären Schwulst wurden zwei vernachlässigte Venedig- Texte ausgewählt , die – in ihrer Zeit einst einflussreich – letztlich scheiterten am Unmass von Wollen und Form .

Ideologisch einander gegenläufig , koinzidieren Gabriele d’Annunzios “Das Feuer” ( “Il Fuoco” , 1900 ) und Franz Werfels “Verdi – Roman der Oper” ( 1924 ) nicht nur in der Wahl des Schauplatzes , sondern auch in der schicksalhaften Bedeutung , die Richard Wagners Tod in Venedig im Februar 1883 beigemessen wird .

Werfel zeichnet den zu Venedig weilenden Verdi in einer Schaffenskrise , die in der Konfrontation mit dem gefeierten “Zukunftsmusiker” zugleich gipfelt und überwunden wird : Als er sich nach Kämpfen der Selbstversicherung ( für die “Sinnlichkeit” und gegen die “Idee” ) dazu durchringt , den Gleichaltrigen aufzusuchen , kommt die Kunde von dessen tragischem Tod . - Für Stelio Effrena , d’Annunzios romaneskes Alter Ego , besiegelt der Tod des Meisters den Anspruch des Künstlers auf das geistesaristokratische Privileg . Aus der schwelgerischen Feier von Schönheit und Grausamkeit spricht das Selbstbild des Übermenschen ebenso unverbrämt wie von der Liaison mit Eleonora Duse . In tendenziöser Verzerrung des real gerade fünf Jahre betragenden Altersunterschiedes erscheint Stelio als ephebisches Genie und die Geliebte als alternde Diva - gerade noch strahlend vor dem Hintergrund des Untergangs .

Die denkwürdige Kreuzung der Fluchtpunkte – hier Werfel mit dem Plädoyer für Verdis “italianità” , dort d’Annunzios Wagner- Kult – tritt durch die parallele Publikation dieser Künstlerromane deutlich hervor und liefert ein präzises ideengeschichtliches Bild der Epoche zwischen Décadence und Faschismus . Mit Paul Herwig als elastischem Stelio und Wolfram Berger als ländlichem Werfel | Verdi wurden treffliche Sprecher gewählt :

Furchtlos bieten ihre Stimmen d’Annunzios Exaltationen und Werfels uferlosen Skrupeln die Stirn .

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PROUST LESEN LASSEN !

icon listening whiteczz - In der Bibliothek der ungelesenen Bücher nimmt Prousts “Suche nach der verlorenen Zeit” einen Spitzenplatz ein . Auch beherzte Kampfleser verirren sich in den Satzlabyrinthen oder verlieren die Lust am ätzenden Gesellschaftsporträt inmitten der mehrtausendseitigen Bleiwüste .

Wer indes bereit ist , den Purismus eigener Leistung beiseitezulassen und sich berufener Assistenz anzuvertrauen , muss auf die Kenntnis der “Recherche” nicht verzichten : Mit “Sodom und Gomorra” liefert Der Hörverlag nun bereits CD- Paket Numero vier jener integralen Lesung , welche der Sender Berlin- Brandenburg in einem herkulischen Unterfangen unternahm . Peter Matics ebenso nobles wie elastisches Organ dringt bis in die Kapillaren der Konstruktion , enträt jedoch nie jener – den mikroskopischen Absurditäten der kapriziösen Salons inhärente – Komik . Nämliches gilt für die Innensichten der Erzählerfigur , ganz Kind einer überfeinerten Décadence . Die blendend vorbereitete Lesung des Werks erweitert den Wahrnehmungsraum , indem sie dessen vertrackte Syntax mit den Beobachtungen und Bonmots glänzend vermählt .

Eine andere Methode zur Bewältigung des Mammutwerks hat der Dichter Jochen Schmidt gewählt : Als Marathonläufer bestens aufgestellt , hat er sich über Monate hinweg ein tägliches Lesepensum von zwanzig Seiten verordnet und die jeweilige Leseerfahrung rendu in einem Weblog protokolliert . Die Internet-Notate “Schmidt liest Proust” wurden nun in ein veritables Buch gegossen , das manch unkonventionelle Perspektive bietet : In diesem Fall ist es das betont subjektive und die Nöte eines jungen Autors mit verzeichnende Digest der “Recherche” , welches teils tiefe , teils pfiffige Erkenntnisse zeitigt .

Etwas sparsam wirkt die dem Band beigefügte CD : Schmidt hat definitiv mehr zu sagen, als eine Audio-CD von 64 Minuten erlaubt .

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AUS AKUSTISCHEM ANLASSlärm no radio KEIN KLANGAPPARAT

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Radio Cover



Das aktuelle Cover des New Yorker ist zu schön , daran gelassenen Sinnes vorbei zu gehen und zu sehen . Zusätzlicher Pluspunkt : Die Grafik enthält das Zauberwörtlein RADIO . Volltreffer also in die in|ad|ae|qu|ate Radio-PHILIE .

New Yorker Cover 2007 06 18

In der WELT findet ad Radio gerade wieder ein Immermehr | Immerweniger statt ::: Immer weniger Hörer fürs Alte Radio ( tja , das unselige Format ) , immer mehr Hörer im Netz ( Comeback der Sparte ) . Keine Ursache , sich eventuell betreffs journalistischer Schnellschüsse zu alterieren , der Artikel ist solid recherchiert . In Sprachgestalt allerding ein Fall für’s das hier schon bekannte und gerne genannte Immermehrblog . - Interessant heben auch die Kommentare an . Sachlich - jedenfalls am Tagesanfang mit Tim Renner ( c/o Motor FM ) selbst - am Draht . Passt . À propos ::: SaveNetRadio . ||| Von der Medien- und Werbe- Legende einer “Renaissance des” / eines “Comebacks des Hörens” sprachen wir schon . ||| Der britische Maler David Hockney dreht rhetorisch den Spiess einfach um und behauptet , die I- Tuner brächten in stetiger Lullung ihrer Augen nicht mehr auf . Sähe man ja schon an ihrem miesen Outfit . Der Guardian- Art- Blogger Jonathan Jones findet das nicht eben amusing . Good Call . |||

Noch einmal zurück zum New Yorker , in welchem zu publizieren ja seit jeher als Pedigree gilt . Das nimmt der sympathische Clan des The Science Creative Quarterly zum Anlass , genormte Badges für Facebook und Meetings zu entwerfen . Damit man sich innerhalb des scientific Fähnlein Fieselschweifs ohne grosse Worte Prima Vista versteht . - Piktogramme ? - Versteht sich , dass in|ad|ae|qu|aut auch in diesem -PHILIE- Gebiet nichts kaltwerden lässt . Der Rest ist QUOTE - bis zur Musik- Zuspielung .

SQ Badge new Yorker published yes

The “I’ve been published at the New Yorker” badge.
In which the recipient has published a science piece at the venerable New Yorker. Pretty much means the recipient has to pay for drinks in subsequent meetings.

SQ Badge new Yorker published no

And the “I’ve been rejected by the New Yorker” badge.
In which the recipient doesn’t have a problem accepting aforementioned free drinks.

SQ Badge I blog science

The “I blog about science” badge.
In which the recipient maintains a blog where at least a quarter of the material is about science. Suffice to say, this does not include scientology.

SQ Badge published in science or nature

The “worship me - I’ve published in Nature or Science” badge.
In which the recipient has research published at Nature or Science.

SQ Badge I bdo science without damage

The “I’ve done science with no conceivable practical application” badge.
There are probably more who are deserving of this badge than you would expect.

SQ Badge I bhave eaten research FORK

The “I’ve eaten what I study” badge.
Recipients have prepared their object of study as a cuisine item for eating. Hopefully, the minority of MD’s are ineligible for this one. [ À propos hat uns Oliviers Le Monde- Blog zum Fressen gern . Jetzt suchen die Franzosen eine Blogine : Qui sera Miss Blog 2007 ? ]

SQ Badge Büroklammer

The “MacGyver” badge.
In which the recipient has demonstrated that his/her science communciation prowess was handy in simplifying a potentially challenging scenario. For example, was able to escape from unjustified prison term, with the clever use of a paper clip and WD-40. You know, that kind of thing. (Note that display of badge must be accompanied by explanation). |||

in|ad|ae|qu|at goes for the Papr Clip . Von der anderen Hemispärer der Welt tönte da russische Netlabel electrosound.ru herüber . Und zwar mit IDEEN DER czz hörempfehlungLAUTEN ART ( Ideas Aloud ) aus der Werkstatt des Duos Monokle aka Two Volts Brothers aus Archangelsk . Bumm , das fährt bluesig satt im Sound über Bachs Toccatae monumental ab . Von wegen “russische Seele” ! - Die Disko- Spieluhren erinnern an den Soundtrack of a past ( passed ) Future. Ein Schwesteruniversum , durch welches E. T. A. Hoffmann per Krasnaja Strela fetzt . 01 Monokle Tucha , 02 Monokle Personal Decline , 03 Monokle M4 , 04 Monokle Surprised Condition ,
05 Monokle M12 , 06 Monokle All At Once , 07 Monokle Iceberg , 08 Monokle Mood Mosaic .

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