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Salon Littéraire | Dieter Sperl : DIARY SAMPLES II



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Salon Littéraire | Dieter Sperl :

DIARY SAMPLES II

Copyright_Dieter Sperl

DIARY SAMPLES ist eine Ansammlung von Tagebuchaufzeichnungen; Gedankensplitter aus verschiedenen Begegnungen, Lektüren, werden nebeneinander gestellt, Zitate und Aphorismen mischen sich ein, Impulse, Wünsche, Ideen, Anregungen, Träume, Assoziationen und Intuitionen, sie schwingen miteinander, greifen sich an oder fordern sich wechselseitig heraus, schaukeln sich hoch, um vielleicht im nächsten Moment abzustürzen. Man kann auch bloß einzelne Teile befragen, sich darin vertiefen oder in nachlässigen, von Zufall bestimmten Lesebewegungen nach vorne und zurück switchen, oder mag versuchen, die semantischen Standorte der Einzelstücke, ihre diesbezüglichen Bewegungsmöglichkeiten und Wirkungsgrade in einem selbst auszukundschaften, um möglicherweise damit die Flugbahnen der eigenen Existenz variieren zu können.

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Einen Liter Wein gestern im Adlerhof, die Wiener Austria gewann 1:0 gegen Real Saragossa, der GAK gegen Wronci aus Polen gar mit 3:1. Ein Mann saß direkt beim Tresen auf einem Holzstuhl, trank ein Glas Wein, schlief ein und pisste sich die Hosen voll. Ein etwa fünfundvierzig jähriger Stammgast zeigte mir das Herkunftswörterbuch, welches er dem Adlerhof geschenkt hatte. Irgendwie kamen wir auf das Wort
überkandidelt zu sprechen. Kandieren, Früchte einzuckern, wurde im 17. Jh. dem von it. candi abgeleiteten verb it. candire einzuckern nachgebildet. Der Wirt und Besitzer des Adlerhofs wischte die Pisse weg, und der Mann blieb einfach verloren sitzen. Kurze Zeit später muss er – unbemerkt von uns – aufgestanden und nachhause gegangen sein.

Der Nachmittag steht ganz im Zeichen der Marille.

Du trägst schon fast jeden Tag eine andere Maske, um schließlich überhaupt nichts mehr zu verbergen, wenn du so weiter machst.

Ekstase: wurde im 16. Jh. aus dem kirchlat. Ecstasis (griech. Ekstasis, das Aus-sich-heraus-Treten, die Begeisterung) entlehnt. Als der berühmte christliche Zen-Meister Pater Lassalle seinen Zen-Meister, der das Erlebnis der Erleuchtung schon zwei oder drei Jahre nach seinen ersten Exerzitien hatte, fragte, ob man selbst mit Sicherheit feststellen könne, dass man die Erleuchtung erhalten habe, lachte dieser und antwortete: “Selbstverständlich. Man sieht hundertmal mehr als vorher.”

Kôsen Imakita: “…ich war wie tot…ein unbegrenztes Licht strahlte in mir…wie einer, der von den Toten auferstanden ist…da verstand ich alles…” Dôgen: “Leib und Seele sind mir ausgefallen.” Alles, was den Menschen ausmacht, ist also fort, verschwunden, es strahlt ein als unbegrenzt wahrgenommenes Licht, und es wird gesagt, dass sich in solchen Momenten die ursprüngliche Gestalt des Menschen zeige (Jap.
Kensho / Wesensschau). Sie ist ein Erlebnis des Absoluten und Unbegrenzten. Wie dies allerdings vorherrschend ausformuliert wird, hängt von der Artikulations- und aus der spezifischen Kultur kommenden Konstruktions- und damit einhergehend der Rezeptionsfähigkeit des einzelnen ab. “Die Erleuchtung kann an sich jeder Mensch haben, wenn er nur den richtigen Weg dazu geht. Sie ist in sich weder buddhistisch noch christlich noch mit einem anderen religiösen Erkenntnis notwendig verbunden. (…) Die Erleuchtung ist die Inbesitznahme einer geistigen Kraft, die jeder Mensch in sich hat, die ihm aber bisher verborgen war und daher nicht zur Verfügung stand. (…) Jeder benutzt dieselbe Kraft und vertieft und verstärkt damit seine Weltanschauung. Oder aber auch die Erleuchtung ist eine Intuition, eine intuitive Einsicht in den Wert unseres eigenen geistigen Wesens, ein Innewerden unserer eigenen Wirklichkeit…”

Ziemlich erschlagen aufgewacht, hatte M. im Traum immer etwas Marihuana in ihrem Hosensack, von dem sie hin und wieder naschte. Irgendwann hatte sie gesagt: “Die Strasse zur Anarchie ist heiß und staubig,” und schon war sie voller umtriebiger Aufgewecktheit. Wieso, fragte ich mich. Was spricht ein solcher Satz in ihr an? Ihre schundige immer schon auf staubigen Strassen daher geschlürfte undeutliche Lust gepaart mit einer schlechten Witz-Sucht? Und der Witz seinerseits befreit sie momentlang von den Logistiken der ihr entgegenkommenden Sach- und Verhaltensaufführungen, und für einen Augenblick befindet sie sich beinahe in einer Freiheit aufgehoben ? Alle Programme wären ausgefallen, niemand dächte an Havarie, sie befände sich im unendlichen Weltraum und hätte keine Angst, die in eine Zukunft dächte, die irgendwohin wollte, und könnte ihr Gesicht sorgenlos dem Wind anvertrauen? Oder alles wäre sich selbst anvertraut? Oder ich kapiere einfach nichts, und wieder tritt irgendein Programm aus dem wesentlichen Himmel direkt in mich hinein, reisst mir dir Hose runter und nimmt mich einfach, was möglicherweise sozialisationsgeschichtlich gesehen nicht allzu schwer erklärbar wäre, hätte man mehr Daten von mir?

Der Schriftsteller hatte begonnen, alle seine bisher getätigten Aufzeichnungen immer wieder zu lesen, weil er mit seinen darin verwendeten Ausdruckskräften nicht zufrieden war. Er arbeitete ausschließlich an sehr kleinen Sequenzen. Der Schriftsteller schrieb: Haus der Künstler. Maria Gugging. Fast gegenüber des Gebäudes: Zwei schon in den Winter geschickte Tennisplätze, Tennismeisterschaften für offenes Bewusstsein.

Von: ELTERn
HALLO IHR LIEBEN. ENSTATION RABAC. HEUTE RUBIN UND PULA. ESSEN UND WEIN
S. GUT. LB.GR.

Die TV-Station im Hintergrund meines Glücks erzählt von den Biografien der Fußball-Stars von Real Madrid, die zur Zeit von ihren expliziten Gegnern eher vorgeführt werden, aber sich nichtsdestotrotz dem Fernsehen verpflichtet fühlen. Ich bilde mit mir zusammen ein Ereignis, das aus der Leere kommt und eine bestimmte historische Wirklichkeit durchmisst, bevor es sich wieder zurückzieht, und der Marktplatz liegt allein in seiner Stille und trägt.

Copyright_Dieter Sperl

Mit nur wenigen Strichen auf einem Blatt Papier ein Gesicht erscheinen zu lassen, das von uns sogleich veröffentlicht wird, um sich Sekundenbruchteile später wieder zu verflüchtigen: Walter Schachner, der Trainer des Fußballvereins GAK, hat nach der 0:3 Niederlage seine Vereins gegen die Glasgow Rangers behauptet, dass seine Mannschaft, auch nach internationalen Maßstäben, bis zum Null zu Eins eine wirklich reife Leistung geboten hätte. Allerdings hätte sich im Anschluss daran Klasse und Qualität durchgesetzt . Der GAK hätte nur dann eine wirkliche Chance gehabt, wenn er sein Spiel über 90 Minuten hätte durchziehen können.

Ich hatte gestern Nacht eine Erleuchtung oder ich hatte einen Traum, in welchem ich eine Erleuchtung hatte, oder ich sprach einfach zu mir, dass ich eine Erleuchtung habe, ich war wach, sprach zu mir, das ist jetzt eine Erleuchtung , fühlte einen warmen Flow, der durch mich hindurch ging und sich ausbreitete, ich sagte, ich habe jetzt eine Erleuchtung, wusste zugleich, dass die Erleuchtung dem Körper entsprungen war.

An die Zeit meines Vaters: ich musste fünfzehn oder sechzehn gewesen sein, und mein Bauch hing bis zum Boden, wo die Zypressen wohnten, und ein Bauer im Kittel lief vorüber…

…dieses wilde ansatzlose Erzählen.

Der Basketballspieler Larry Bird von den Boston Celtics, der für einen Werbespot springen und einen Fehlwurf vortäuschen sollte, traf neun mal hintereinander den Korb, bevor er sich dazu durchringen konnte, danebenzuzielen.

Das Gehirn ist mehr an Wechsel und Bewegung interessiert als an statischen Phänomenen, so lassen sich immer mehr Durchschnittsbürger im Bann der Society-Prominenz in neue Lust- und Erkenntnismodelle einüben.

Ich befinde mich immer im Jetzt, auch wenn mir die Vergangenheit oder die Zukunft oftmals einen Vogel auf den Kopf setzt, erscheine ich permanent am Ausgang der Höhle, die im Halbdunkel hinter mir liegt, und wenn der Zen-Meister Claude Durix von seinem Meister Sengoku Roshi eines Abends im Kloster Obaku-San Manpuku-ji eine Schriftrolle geschenkt bekommen hat, auf welche zwei Fische gezeichnet sind, heißt das: Augen offen halten, sich niemals rückwärts bewegen, praktisch nie schlafen, zwei Fische, die dem Geschenk in ihrer absoluten Wachheit keine Richtung geben. Aber tun wir das in gewisser Weise nicht alle? Sind wir nicht genauso wach? Sind unsere Sorgen nicht bloß abstraktere Formen dieser Wachsamkeit, auch wenn sie bisweilen ununterbrochen herumwandern in Gehirnen, in denen, wie uns manchmal scheinen mag, zu viele Wege wichtig geworden sind.

“Sorgen kommen nicht als einzelne, sie kommen in ganzen Bataillonen, Gezeitenkräfte, Gebirgsketten, Eiszeiten, überforderte Politiker und Beobachter, und die Apokalypse bringt nun Blut und Zerstörung auch in den entferntesten Teil der Welt, den wir zu schätzen gelernt haben, seit wir dort unsere exotischen Ferien verbringen.”

“Warum sollte ich wach sein, wenn die Zeit wie ein Blitz vergeht?”

Claude Durix erzählte diesbezüglich, sein Meister habe einmal in einem Gespräch gemeint, er solle sich, soweit es ginge, keine Sorgen machen, einfach im Augenblick leben, welcher unendlich wäre, auch wenn die Zeit wie ein Blitz verginge. Alles, was gesagt worden sei, und alles, was noch gesagt werden würde, besäße weder Raum noch Zeit, es befände sich im inneren Leben, welche keine Grenzen kenne, in diesem Inneren jetzt, das niemals zu hoch gegriffen sei.

Den Sturm
treibt kein Verhängnis zur Eile

Doris und Susanne wollten mich besuchen. Es war ein schöner Tag, als sie die Strasse verließen und einen schmalen Weg entlang gehen mussten. Schließlich kamen sie zu einem großen Haus, in welchem ich wohnte. Dieses befand sich inmitten der Stadt, gleichzeitig aber auch außerhalb. Es stand auf einem Hügel, und man konnte viele kleine Häuser sehen. Als sie eintraten, verwandelte es sich in ein Schulgebäude, in welchem unzählige Tafeln herumstanden. Auf einer dieser Tafeln, die allesamt sehr schön geschmückt waren, stand geschrieben: Nur für Anfänger! Einige Birken waren vor dem Gebäude. Es regnete in langen Strichen, als hätte ich absichtslos das Universum geküsst, und alle meine besonderen Interessen waren plötzlich in einen Schweigmarsch getreten.

Leider ist mir heute nur eine Ahnung von meinen Träumen geblieben, eine Stimmung, Strömung, wie entrückte Wege am Horizont, etwas, das gerade um die Kurve ist, ein Regen, der augenblicklich aufgehört hat, und man sieht auf den leeren und absolut klaren Himmel. Und die jetzt
zugänglichen Strassen sind fast menschenleer.

Blumen sammeln an der Donau /
Sehr früh aufstehen /
Gehen /
Atmen /

So viele Dinge sind als Kelche getarnt an uns vorüber gegangen, dachte der Schriftsteller für einen Moment, knapp vor Einbruch der Dunkelheit, kalter Novemberwind, kräftige, ihn wärmende Stille in seinem Inneren und leichter Regen. Shakyamuni Buddha sagte: “Ohne einen Schritt zu tun, kommen wir bei unserer Bestimmung an.”

Alles was sie tun, scheint total durchorganisiert und minuziös geplant zu sein. Sie konsumieren mehr Tiere als alle anderen Fleischfresser auf der Erde zusammen. Das Individuum gilt ihnen nichts, der Superorganismus fast alles. Und sie verständigen sich so unglaublich schnell und in der Tat unmissverständlich .
Gewinnfrage: Wer ist die heimliche Weltmacht auf diesem unseren Planeten?

Die unerbittliche und scheinbar gemeinnützige Gedankenkraft meiner Vorfahren drängt manchmal durch meine Anwesenheit, dann kremple ich die Ärmel hoch und nehme eine Schaufel in die Hand.

Die Schritte, wo auch immer sie mich hintragen, achtlos und aufmerksam in Schwebe haltend, weisen und unterweisen mich stets auf das Nötigste.

Schreiben ist vielleicht die genauste Bewegung, die am weitesten von mir absieht.

Der Blick in unsere antrainierte Meinung ist so eindeutig definiert, dass wir mögliche Unstimmigkeiten nicht zur Kenntnis nehmen und den Augenschein unterdrücken.

“Hast du dich manchmal nach einer Frau gesehnt, nach Kind und Familie?”
“Zumeist dachte ich in brennenden Filmausschnitten, nur hin und wieder gelangte auch ein Weihnachtsabend in mich, damit gleichzeitig ein weicher und lautloser Schneefall, der tatsächlich bis zum heutigen Tag niemals mehr aufhörte. Diese Ahnung einer längst verlorenen Zeit. Peter Rosegger wanderte irgendwo mit seiner Laterne in der Winternacht. Im Haus waren alle Lichter an. Die Familie saß beieinander und wartete,
obwohl, eigentlich, wenn ich mich recht erinnere, wartete niemand, es gab nichts zu warten. Wir waren wie die Kerzen am Christbaum, die eine zeitlang zusammen brannten, bis sie - eine nach der anderen -, manche gleichzeitig, verloschen.”

“Je größer die Hoffnungen, umso gelungener ihr Sturz, der freie Fall, eine Katastrophe nach der anderen.”

Jeder Fernseh-Polizist belebt ununterbrochen seinen glaubhaften Gerechtigkeitssinn durch den vermehrten Einsatz unvergesslicher Szenen…

Fast zwangsläufig bleibt man häufig allein in den internationalen Straßenschluchten und Hotelzimmern, hängt sich Neonreklamen um den Hals, trinkt einen Espresso, und je mehr du gedenkst, dem Tod davonlaufen zu können, desto überzeugter ist er hinter dir her.

Immer waren da Einflüsterer, die mir die Welt erklärten, und ich kam mir sofort unnütz vor, und beschränkte mich darauf, das Eingeflüsterte weiter zu sagen. Die meisten dieser Einflüsterer wollten mich - im Hinblick auf ihre wohl erworbenen Wertvorstellungen und Lebensziele - nur besser und richtiger machen, und ich spürte jedes mal den Morgen einer neuen Mutlosigkeit herauf ziehen.

“Du und ich, wir bilden zusammen ständig ein ernst zu nehmendes Ereignis, wenn wir uns am Marktplatz treffen mit unseren Eigenheimen.”

“Aber im Kampf kommen wir letztlich immer in der Gegenwart an, die oftmals unsere Heimat genannt wird und alle für unser Leben nötige Kraft bereithält, auch wenn wir den Kampf verlieren mögen.”
“Da schiesst einer im Dunkeln einen gewaltigen Pfeil ins Dickicht, nachdem der Räuber längst geflohen ist.”

OLD SUN / auch der kalte Winter mit seiner Klarheit und Kindheit / naseweise.

Letzte Nacht reichte mir ein Geist seine Hand durch ein ebenerdig gelegenes Küchenfenster. Ich streckte ihm die meinige entgegen, als ich plötzlich aufgebracht realisierte, dass ich mich wehren musste und so sandte ich alle mir möglichen Abwehrkräfte durch meinen rechten Arm, um den Geist zurückzudrängen. Dafür war eine enorme Kraftanstrengung nötig. Vor dem Haus lag eine Regenrinne, die aus einem ausgehöhlten
Baumstamm bestand. Im Wasser konnte ich den Geist sehen. Solche Regenrinnen gab es, als ich noch ein Kind war, häufig auf dem Land. Sie wurden auch als Tränken für Kühe und Wild gebraucht. Davor erzählte ich einer Frau, der ich noch niemals zuvor begegnet war, dass ich eben erst die Nase meines Großvaters mütterlicherseits angenommen hätte. Es war dies eine große Nase, und ich hatte obendrein einen ziemlich unförmigen und verbeulten Kopf.

Das permanent anonymer werdende organisierte Verbrechen kennt keine Schlüsselfiguren mehr und kommuniziert als fluktuierendes Wesen lieber mit den Aktienströmen internationaler Finanzmärkte.

Der österreichische Kunststaatssekretär sagte in einem Gespräch mit einem Journalisten in etwa: Wir haben viele Stipendien, die die Einsamkeit der Autoren finanzieren, den Zugang zum Arbeitsmarkt können sie jedoch nicht regeln.

… und ich möchte heute das Fest der willkommenen Erinnerungen feiern !

Ich liebe die absolut klare und feuchte Herbstluft, die im Spätsommer am frühen Morgen über dem Land ruht, aber am meisten liebe ich jene über den Seen liegende.

Eine geistige Revolution ist keine des Lärms oder der Geschwätzigkeit, sondern eine der Konzentration, der Kontemplation und ständig größer werdender Wachheit und Bewusstheit, welche aus der Kraft absoluter Stille genährt wird. Für einen offenen, vielfältigen, klaren, sich ständig erweiternden Geist.

Gerne würde ich einmal einen Schweigemarsch organisieren. Zur Sammlung, um zu sehen, zu gehen, zu hören, gemeinsam, zu atmen. Solch eine Demonstration dürfte sich nicht gegen etwas richten, beispielsweise nicht gegen den Lärm der Welt, sondern sie sollte eine poetische Manifestation sein, die sich selber als Qualität - ohne Mehrwert und ohne verstecktes Ziel - ausdrücken und die nicht über den Augenblick hinausreichen sollte.

Schon seit Jahren verwandelt sich der Rathausplatz im Dezember in einen Adventkalender.

“Wilde Klarheit” des Artaud’schen Denkens: Dass es in uns viele umherirrende, entfesselte, befreite, sich ständig mit Energie und neuem Saft anreichende, ungezügelte, brennende, gefährliche, entschlossene und gegeneinander gerichtete Kräfte gibt, vor denen wir uns in Acht nehmen sollten.

Sie hielt vollständigen Blickkontakt .

Und Sie? Wollen Sie tatsächlich Ihren Urlaub mit Leuten verbringen, die es nicht einmal in einen einzigen Vorstand geschafft haben, die noch keine Start-Ups gegründet haben und die nirgendwo Aktienmehrheiten besitzen?

Copyright_Dieter Sperl

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||| I. BLOG - DEFINITION | II. BLOG- BASHING ANNO 2007 | III. “BLOG” ANNO ‘08 : DOPPELUNGEN | IV. BLOG & GELD | V. BLOG ALS KOPIERTE PASTE | VI. BLOG ZUR VERBUCHUNG DER TAGE | VII. BLOG IN FRIEDLICHER NISCHE | VIII. “BLOG” - ALSO WAS ? | IX. BLOG IN|AD|AE|QU|AT : CLAIM | KLANGAPPARAT | LINKS - RELATED

I. BLOG - DEFINITION

czz sprechblase iconKlassischer Weise beinnt man die Differzierung oder - in unserem in|ad|ae|qo|aten Fall - eines Begriff mit deren konsensuellen Definitionen :

Ein Weblog (Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch), meist abgekürzt als Blog, ist ein auf einer Webseite geführtes und damit öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal. Häufig ist ein Blog “endlos”, d. h. eine lange, abwärts chronologisch sortierte Liste von Einträgen, die in bestimmten Abständen umbrochen wird. Es handelt sich damit zwar um eine Website, die aber im Idealfall nur eine Inhaltsebene umfasst. Ein Blog ist ein für den Herausgeber ( “Blogger” ) und seine Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrungen als auch der Kommunikation dienen. Insofern kann es einem Internetforum ähneln, je nach Inhalt aber auch einer Internet-Zeitung. ( Wiki Deutsch )

Und für unsere Polyglotten :

A blog ( an abridgment of the term web log ) is a website, usually maintained by an individual, with regular entries of commentary, descriptions of events, or other material such as graphics or video. Entries are commonly displayed in reverse chronological order. “Blog” can also be used as a verb, meaning to maintain or add content to a blog.

Many blogs provide commentary or news on a particular subject; others function as more personal online diaries. A typical blog combines text, images, and links to other blogs, web pages, and other media related to its topic. The ability for readers to leave comments in an interactive format is an important part of many blogs. Most blogs are primarily textual, although some focus on art ( artlog ), photographs ( photoblog ), sketchblog, videos ( vlog ), music ( MP3 blog ), audio ( podcasting ) are part of a wider network of social media. ( Wiki Engslish ) |||

II. BLOG- BASHING ANNO 2007

czz sprechblase iconUnd jetzt ein kurzes Stück Geschichte : Das Jahr 2007 dürfte als Hoch- Zeit der konsequenten Denunzierung von Bloggern und deren Machenschaften von seiten der Printmedien in die Annalen einer Geschichte des Unnötigen eingehen . Mit aggressiven Falschdarstellungen dessen , was in einigen unter Tausenden Blogs angeblich völlig narzisstisch- nabelbeschaulich so abgeht , reagierten die Pritmedien auf den Typus jener Medien- Watch- Blogs , die es wagten , die Autorität von “Qualitätsblätterm” in Frage zu stellen . Mit solcher Anlasserregungen und Errengsanlässen wurde weitgehend übertüncht , dass die deutschen Printkonsortien viel zu spät den Braten jener Werbe- Etats rochen , von welchen online noch allerlei saftgie Brocken abzusäbeln waren . Wenn man aus den wohlbestallten Redaktionen nicht eben auf das Gros der in freiwilliger Selbstausbeutung recherchierenden Blogger feuerte - und zwar buchstäblich mit Kanonen auf Spatzen - , schoss man sich bald auf ein lohnenderes Objekt der Konfrontation kompakterer Begierden ein : Die Online- Strategien der öffentlich- rechtlichen Sender , deren Web- Präsenzen unmerklich über das Ziel einer legitimen “sendungsbegleitenden” Funktion hinauswucherten .

Man hätte dieses Jahr 2007 als ein Signal einer Irritation und Umorientierung verbuchen können : Sämtliche Blätter , vom Tagesspiegel über die taz bis zur NZZ , von der SZ bis zur FAZ haben inzwischen ihre online- Relaunchs vollzogen , unter dem Druck der entsprechend vorgepreschten New York Times die kostenpflichtigen Contents reduziert und ihre Web- Auftritte mit allerlei “interaktiven” Features” wie Leser- Polls , Fotostrecken und Videos adorniert . Seit die WAZ für ihre Filmchen eine Kooperation mit dem WDR eingegangen ist ( skandalös genug ! ) , laufen die Verhandlungen zwischen Zeitungsverlagen und den geschmähten ÖR- Sendern . Denn die Video- Contents ( Frage : Wer will die eigentlich in seiner Zeitung ? ) sind teuer , und “ohne” scheint’s dieser Tage nicht mehr zu gehen . Zudem hält sich jedes Blatt , welches auch online etwas auf sich zu halten vorgibt , seine Haus- und Hof- Blogger als nicht selten unterbezahte Mindesleister . Hauptsache , die Kosmetik stimmt . |||

III. “BLOG” ANNO ‘08 : DOPPELUNGEN

czz sprechblase iconOder es verhält sich andersherum und die angeblich so kritischen Blogger , deren Kampfnamen schon mit “Indiskrektionen” werben , sind biedere Journalisten und Dr. Jeckylls , die im Blog nur mal eben den Mr. Hyde heraushängen lassen . Nun , da die auf beiden Seiten vermeintlich Einflussreichen im Zweifelsfall ihre kleinen Geschäftchen miteinander pflegen , hätte man denken können , es sei endliich Ruhe eingekehrt und jeder sei “retour à ses pommes” . Dreht halt jeder an seinem Ding , wie es ihm gefällt und bastelt in seiner Nische . Wie die publizistischen Konvulsionen angesichts der Berlin- Blogger Konferenz re:publica 2008 erweisen , schwanken die Blätter noch heftig zwischen erdrückender Umarmung ( vgl. die FAZ- Homestory über die bekanntesten unabhängigen deutschen Blogger von Rang ) und dümmlicher Demontage ( Zwangsverpflichtung von redaktionell präparierten Praktikanten durch die SZ ) . |||

IV. BLOG & GELD

czz sprechblase iconAls Hintergrund- Muzak erklingt dazu das unausgesetzt geschäftigte Summen der kommerz- orientierten Blogger ( mit der problematischen Speerspitze des Blogvermarkters Adical , dessen Betrieber nicht zufällig auch die Initiatoren der re:publica sind ) und all jener Mikro- Adepten , die sich per Google- Werbeeinschaltungen ( AdSense ) , durch von der fragwürdigen Firma Trigami vermittelte Produkt- Rezensiönchen oder einfach im Gegentausch für Naturalien wie T- Shirts oder Energy- Drinks ihre Inhalte diktieren lassen . Symbolischer Bonus : Man darf sich als Teil jenes letzten Schreis der Reklame wähnen , der sich “virales Marketing” nennt . - Der Gegenchor erschallt von seiten der Anti- Kommerz- Fraktion , die z. B. die Cisco- und Yahoo- Kampagnen der bislang etwas lendenlahmen Adicalier als “Blutbloggen” anprangern . Nicht etwa , weil die Werber Blut und Schweiss vergossen hätten , die entsprechenden Aufträge zu akquirieren , sondern wei z. B. Yahoo Daten über Netz- Aktivisten an die Chinesische Regierung weitergab , die ihrerseits nicht lange fackelte und die betreffenden Personen umgehend kassierte . |||

V. BLOG ALS KOPIERTE PASTE

czz sprechblase iconAbseits dieser Fronten scheint ein Heer sprungbereiter Eiferer darauf zu warten , dass eine publikumswirksame Medlung hereinkommt , um diese per copy- und paste- Verfahren auf ihrer Seite zu platzieren . Sie alle spekulieren darauf , per Mitnahme- und Aktualitätseffekt möglichst viele Hits und Links zu lukrieren . Und voilà der Typus des Anhängers : ein führerloses Transportvehikel für Stapelware , stets auf der Suche nach einem wirkunngsträchtigen Zugfahrzeug . Bei der Sonderform des “Link- Journalism” erspart man sich sogar noch das langweilige Ritual des Kopierens . - Wer sich je gefragt hat , wie es den Nazis gelang , ein Volk zur Selbstgleichschaltung zu bewegen , mag das Gebaren solcher Opportunisten ein paar Tage lang betrachten . So wird allein in Deutschland jeden Tag und jede Stunde hundertfach und ohne Einschaltung eventueller Denk- oder Reflexionskräfte das wortwörtlich Selbe reproduziert . So weit also zum gerne zitierten emanzipatorischen Gedanken , via Blog liesse sich eine kritische Gegenöffentlichkeit installieren … |||

VI. BLOG ZUR VERBUCHUNG DER TAGE

czz sprechblase iconSelbstvertändlich gibt es sie auch , die im Lexikonartikel genannten Online- Tage- Verbucher . Gleichwohl gehen sämtliche Bemühungen der theoretischen Bemühungen um die “traditionelle” ( “private” bzw. “literarische” ) Diaristik den Bach runter , wenn man das Bloggen einfach als Fortsetzung des Tagesbuchs mit anderen Mitteln interpetiert - wie dies in der aktuellen Ausstellung des Fankfurter Museums für Kommunikation derzeit geschieht ( “Absolut privat !? - Vom Tagebuch zum Weblog” ) . Dass ein Weblog die Ausstellung sekundiert , gehört mitlerweile zum Guten Ton jeder Öffentlichkeitsarbeit . Stichworte : “Corporate Blogging” , “Kundenbindung” und “Interaktivität” . Die Aufskünfte darüber , wer sich wann , wie und wo welche Speisen zum Munde führt , dürften inzwischen zum Teil nach Twitter abgewandert sein . In welchem dieser Medien hätte wohl Arthur Schnitzler seine pedantische erotische Buchhaltung durchgeführt ? |||

VII. BLOG IN FRIEDLICHER NISCHE

czz sprechblase iconUnd schiesslich die unüberschaubaren Weiten der bescheiden selbstgenügsamen Nischenblogs : Ob Kochen , Stricken , Katzen , Amateurfotografie , Paragleiten oder Magersucht . Sie dienen im besten Fall als ( Selbst- ) Verständigungsmedien der entsprechenden Interessensgruppen . Oder ruhen als kleine Kunstwerke in sich selbst in Anbindung an ein Magazin wie das Blog beton + garten . Na ja , egal . Tausende Beispiele dort draussen . Empfehlung : Kulturwissenschaftliche Technikforschung zu Enzenbergers notorischer “Kehre” … |||

VIII. “BLOG” - ALSO WAS ?

Wczz sprechblase iconovon sprechen sie also , die Blog- Kritiker , wenn sie das Wort “Blog” ge missbrauchen ? Ärgerlich genug , dass sich jeder Print- Journalist offenbar dazu bemüssigt fühlt , sein Mütchen an “den Blogs” zu kühlen , so besteht darüber hinaus keinerlei Bewusstsein hinsichtlich des Spektrums der verschiedenen Ge- und Missbrauchsformen dieses Mediums . |||

IX. BLOG IN|AD|AE|QU|AT : CLAIM

czz sprechblase iconDer langen Rede kurzer Sinn schlieest mit unserem in|ad|ae|qu|aten Claim : Wir erinnern einerseits an unsere Selbstvorstellung als Work in Progress zwischen den Genres

  • als sorgfältiger Publikationsort von Primärliteratur ( Salon Littéraire )
  • als kulturpublizistisches Archiv
  • als Aufbau eines Metadaten- Systems im Hinbick auf das Semantic Web
  • als konsequente Vorstellung von Netlabels , creative commons- Künstlern und deren musikalischen Ansätzen
  • sowie als fortlaufender Kommentar eines nicht näher bezeichneten Alter Egos zu diversen Auffälligkeiten in Stadtleben , Publizistik und Alltagskultur .

Als eines der ersten Mikromedien im deutschsprachigen Raum wurde in|ad|ae|qu|at bei der mEDRA , der multilingualen Europäischen DOI- Registrationsagentur ( in Kooperation mit dem MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels , einer Service- Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. ) angemeldet : Dort figuriert in|ad|ae|qu|at unter der Signatur doi:10.3246/ib.1000 als “Online Zeitschrift” und “-Verlag” . Entsprechend melden wir die literarischen Beiträge unserer “Salon”- Gäste per indvidueller DOI an und können damit deren ( der ISBN- Nummer analoge ) persistente Registrierung erwirken , inklusive Metadaten wie Copyright , Autor, Publikationsdatum und Textgenre .

“Netzliteratur” schwebt dann also nicht mehr entlang irgendwelcher unzuverlässiger URLs irgendwo im WWW herum , sondern besteht in kenntlich definierten und bindend registrierten Einzelwerken . Dass in|ad|ae|qu|at mit der Wahl des DOI- Registierung- Systems den zwischen Deutscher Nationalbibliothek und dem Deutschen Buchhandel ausgehandelten künftigen Standard für Netzpublikationen vorwegnahmen , konnten wir zum damaligen Zeitpunkt freilich in keiner Weise ahnen . |||

KLANGAPPARAT

Nachdem wir uns einige Tage und entlang etliche Relases am Profil des Netlabels l a r i d a e entlang getastet haben , verfallen wir zum Abschluss doch noch einmal auf eine frühe Arbeit des Label- Mitbegründers Photophob aka Herwig Holzmann aka Das Gritli Moser . Die Leserin wird dies nicht für sagenhaft einfallsreich halten , doch bleibt der gute Mann nun einmal der beste Musiker im Club . Weshalb wir einige , uns weniger plausibel czz hörempfehlung erscheinende Titel aus der Backlist übersprangen ( sorry : Geschmackssache , it’s up to you to discover ! ) und nun im September 2006 halten . Was uns auf “about the living things” ( 028 ) erwartet , widerspricht in allen Kategorien dem bis jetzt ( hier und hier ) vom nämlichen Künstler Gehörten : Statt aberwitziger Breakbeats und einer infernalischen Jagd hintersinniger Samples tauchen wir plötzlich in eine verhalten instrumentierte Erkundung organischer Flukturen . Womit dem oben diskursiv formulierten Plädoyer für die Tugend der Differenzierung hier ein sinnlich erfahrbares beigesellt sei . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. intro | 02. isopoda | 03. cyanophyceae | 04. nematoda | 05. phlebotomus papatasi | 06. nemobius sylvestris | 07. acari | 08. hyperia macrocephala |||

LINKS - RELATED

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WEBLITERATUR : EIN HYPE …

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereEs muss irgendwann gegen Ende der 80er Jahre und ergo mitten im Web 1.5 gewesen sein : Als “Globalisierung” noch kein Unwort war und infinite Informationsströme nicht Synonym für Attention Deficit Disorder . Die Nerds out there im bläulichen Licht ihrer Konsolen verstanden sich als Synapsen eines superhumanen Hirns . Das Global Village bot neben den gesellschaftlichen Utopien von Dezentralisierung und Partizipation , der Hoffnung auf die ( dann tatsächlich eingetretenen ) Flexibilisierung von Tages- , und Lebensläufen auch eine Menge Treibstoff für Theorie- strotzende Triebabfuhr . Noch war man nicht “Schwarmintelligenz” , sondern Elite , Bleifuss fest auf dem “Diskurs” . Schliesslich galt es , mit babylonischen Neologismen , entlehnten Epistemen und laufend aufdatierten Projektdesigns Kredit zu kriegen in den realen und symbolischen Ökonomien .

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… UND SEINE FOLGEN

Als das Web Zwei Null plötzlich schnöde für Jedermann da und Rainald Goetz’ “Abfall für Alle” gedruckt , gebunden und teils schon wieder beim Antiquar gelandet war : Wo sind sie geblieben , die Apologeten des Hyper- , Meta- , Ultra- und Infra- Literarischen , respektive : des exquisiten Kadavers einer genuinen Netz- Literatur ? - Projekte wie “PooL” sehen heute nachgerade archäologisch aus , Protagonisten des Hypertext- Hypes haben sich einträglicheren Geschäftsmodellen wie readme zugewandt . Geblieben sind praktikable Online- Anthologien wie lyrikline.org , lyrikwelt.de oder lyrikkritik , Serviceportale wie Bluetenleser und das zeitweilig belachte Marbacher Literaturportal . Geblieben sind die Online- Schaufenster von Frischtext- Print- Periodica . Geblieben sind aber auch Kollektiv- Text- und Tagebücher wie Nensch . Geblieben die in sich geschlossenen kommunizierenden Gefässe wie Forum der 13 oder der goldene fisch .

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BLOGS , LITERARISCH

Geblieben ist allerdings auch eine Fülle “literarischer” Weblogs : Meist Ego- Shooter , welche mit mehr oder weniger Ernst teils in in strengen Kammern oder auf den Registern eines “erweiterten” Literaturbegriffs spielen . Gilt den Einen das ICH als hyperbolischer Weltenspiegel , splittern sich Andere knirsched oder grinsend in Partialsubjekte auf : also ganz wie in der belletristischen Echtwelt . Unter solchen Umständen ist es praktisch , wenn sich notorische Mono- Publisher

  1. zu einem Netzwerk der unterschiedlichen Temperamente und Performanzen zusammen schliessen sowie
  2. sich und einander je eine Definition des individuellen Verständnissen “literarischen” Bloggens abnötigen .

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POETOLOGISCHE POSITIONEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollerePunkt eins wurde mit litblogs.net ins Leben gerufen . Und Punkt zwei liegt mit Ausgabe 5 der Zeitschrift spa_tien in gedruckter Form vor . Der jetzt fällige DISCLAIMER folgt promt : Wenn sich in|ad|ae|qu|at seit kurzem zu den Benetzten zählen darf , so geschah dies nicht aufgrund ästhetischer Präferenzen oder literarischer Sekten und Schulen . Entsprechend stiessen wir erst längst nach Redaktionsschluss des vorliegenden Heftes hinzu . Nicht zum Liebesdienst , nicht als Eigenwerbung taugen unsere kurzen Bemerkungen zur diskursiven Selbstdarstellung “literarischer” Blogger : Die Überprüfung manch vollmundiger Thesen anhand der tagtäglich ins Web fliessenden Texte sei dem p. t. Lesenden selbst vorbehalten . Wir nehmen es jetzt strikt alphabetisch .

Manche der Selbstaussagen zum eigenen Blog- Werken wurden ihrerseits in bewusst poetischer Desinvolture gehalten , dass diese sich einer diskursiven Paraphrasierung ( vulgo theoretischen Einordnung ) entziehen . In diesem Sinne mag sich der Leser der spa_tien selbst ein Bild machen von den immanenten Poetiken , wie sie Helmut Schulze für sein Blog PARALLALIE oder Andreas Louis Seyerlein zu AIRMAIL formulieren .

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NON- EGO & ALLMÄHLICHE VERFERTIGUNG

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollere HARTMUT ABENDSCHEIN ( *1969 ) ist - zusammen mit Markus A. Hediger ( *1969 ) - Begründer von litblogs.net sowie Herausgeber der “spa_tien - zeitschrift für literatur” . In den diskursiven Überlegungen zum Thema praktiziert Abendschein die auch für sein Blog TABERNA KRITIKA charakteristische Form des ( fiktiven ) Dialogs . Was , nebenbei bemerkt , weniger “literarisch” anmuten muss , als es auf den ersten Blick wirkt : Die Vorliebe deutscher “A- Blogger” , einander gegenseitig zu interviewen , kann mittlerweile als notorisch gelten . Abendschein indes markiert Abstand zum trügerischen ICH des “Webtagebuchs” - ebenso allerdings zu den “trackback”- Techniken des Community- und Authority- Building :

hören sie mir doch bitte damit auf ! als machte ein link ein weblog aus ! die ganze diskussion um links und kommentare und trackbacks, pingbacks undsoweiter. lächerlich. ( … ) aber fakt ist: ich schreibe. das können sie gar nicht wegdiskutieren. und ja: ich benutze da so ein system. ob ich da nun verlinke oder auch nicht. überhaupt: das lesen und schreiben. eine einzige verlinkung. da braucht man gar kein <a href=”"></a>zu setzen.nein. das macht der leser oder die leserin selbst.

Für den Autor bietet das Blog Raum für jene “kleinen formen”, welche sich sukzessive in- und miteinander “verschalten” . Das Blog also als Medium , dem Druck des “grossen Wurfs” zugunsten von “Materialklumpen” zu entkommen oder , nach Kleist : “Über die allmähliche Vernetzung des Schreibens mit dem Schreiben ” allmählich “Werk” zu werden .

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PRAXIS ABSEITS DER INSTITUTIONEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereFür die in Wien lebende Juristin , Künstlerin und Autorin NEDA BEI ( * 1952 ) stellt die Usability des Weblogs zunächst eine pragmatische Form dar , “das schreiben [ zu ] retten” : Einerseits im Sinne einer “kleinen alternative zum grossen redaktionssystem einer statischen website” . Das “tröpfelnde verfassen neuer texte” vermag als Praxis und Ritual das “Weiterschreiben” eventuell sogar gegen die konkreten Anfechtungen des Echtlebens zu verteidigen . Auch gegen die Ein- und Auschlussmechanismen , Abhängig- und Gefälligkeiten des manifesten Literaturbetriebs :

werde ich nunmehr gefragt , ob ich noch schreibe , kann ich als kleinkapitänin auf mein logbuch verweisen.

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CHANCE TO CONNECT , ICH IN RELATION

Wie Abendschein interessiert sich auch MARKUS A. HEDIGER ( *1969 ) für die Diversifikationen und differenten Valenzen von Wort und Wert des ICH im Medium des Blogs ( HANGING LYDIA ) . Daher die - zunächst - virtuelle Kontaktaufnahme mit dem ICH- kargen Abendschein , daher aber auch die Faszination an der forcierten Fiktiv- ICH- Positionierung im Blog von MICHEAL PERKAMPUS . Hediger versteht sein eigenes Agieren als jeweils relatives - sei’s als Minimaldifferenz zur VernICHtigung eines Alter Ego , sei es in der offensiven Adoption eines künstlichen Schreib- ICHs im Rahmen des kapitelweise abwechselnd von HEDIGER und PERKAMPUS entstehenden Romans :

Seit einigen Monaten schreiben P. und ich an einem gemeinsamen Buch. Kapitel für Kapitel, abwechselnd jeweils, er eines, dann ich, dann wieder er. Wie kraftvoll P.-s Präsenz bis in dieses Projekt hineinwirkt , zeigt sich an den Kapiteln, die ich bisher schrieb: Da fallen die Grenzen, für mich bislang Unvorstellbares bricht in den Text hinein, es ist phantastisch.

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MASSE UND MASSAGE

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDass der Schriftsteller ALBAN NIKOLAI HERBST ( *1955 ) sein ICH durchaus autoritativ und im Sinne eines Ego- Branding setzt , ist jedem Besucher des Blogs DIE DSCHUNGEL.ANDERSWELT bekannt . Die emphatische ICH- , Werk- und Blog- Konzeption des Autors manifestiert sich unverholen in der Form seines “Beitrags” für die spa_tien- Anthologie : Herbsts “Thesen zu einer möglichen Poetologie des Weblog” erscheinen in Form eines 2005 gehaltenen Vortrags . Das Signal ist klar : Die Rede über das eigene Blog gilt dem Autor als hinreichend “wertig” , dass sich jede “Anpassung” bzw. Redaktion im Hinblick auf den Publikations- Kontext anno 2008 erübrigt .

Es ist hier @ in|ad|ae|qu|at nicht der Ort , die weit ausgreifenden Bögen einer auf - teils sehr diskutable Prämissen gestützten - Argumentation nachzuzeichnen . Nur einige Stichwörter : Das Blog beerbt die historischen Avantgarden im Zusammenspiel von Künstler und “Maschinisten” . Das sich im Blog technisch ( re ) produzierende Schreiben verliert die “Sakralität” der an der herkömmlichen Genieästhetik orientierten Literatur : “Das Internet aber ist, weil es profan ist - noch profan - geschichtslos” . Um diesen kalten und ahistorischen Leerraum mit Mythen , Märchen , Verheissungen zu möblieren , bedarf es des künstlerischen “Opfers” . Das Wort vom “Märtyrer” fällt und der Name der “Al Quaida ” ( ? ) .
Anders als der monadisch in seiner Klause vor dem leeren Blatt Papier eingekapselte Künstler driftet der literarische Weblogger in einem interaktiven ( “kybernetischen” ) Raum , wo durch Kommentare und Chats Momente von “Unmittelbarkeit” zustossen . Der literarische Blogger im Inter- Net schreibt in einer “Zwischenwelt” . Das Medium generiert und reflektiert das Kunstwerk mit ( siehe Kittlers “Aufschreibsysteme” plus Kritik ) .

Ich verstehe unter einem literarischen Weblog insofern nicht ein Weblog, das literarische Texte veröffentlicht, also Statthalter eines Printmediums im Netz ist, sondern eine Publikationsform, die sich selber zum poetischen Gegenstand macht, indem auch die sie basierende Technologie poetisiert und in die Gestaltung einbezogen wird: Sie ist ebenso Romanfigur wie jemand, über und/oder von dem erzählt wird. Dies schließt an eine der Grundbewegungen der ästhetischen Moderne an: Der Prozess der Entstehung wird selber zum Material des Kunstwerks.

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DISEMBODIED ONLY

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereJÖRG MEYER ( *1964 ) gibt sich dekonstruktivistisch und attribuiert dem Blog- Text ( PÖDGYR ) einen selbst- und subjektgenerierenden Willen . Die laut- und sprachspielende Ironie sei nicht auzuschliesen , wenn es über eine “disembodied texture” heisst :

Nur im TEXT.ÜBER.DEN.TEXT entsteht also überhaupt die frage: was ist was ? muss nicht nur das out.ohr im text er-tauben, sondern auch der leser verschwinden im/aus dem text ? dann, erst dann, wäre NUR.NOCH.TEXT. das wäre UR.KNALL. bloß: aus dem ur.knall entsteht sofort wieder materie. erstmal strahlung, aber dann daraus gleich wieder KÖRPER. Die im/vom text artikulierte sehnsucht, im text zu verschwinden ist die sehnsucht eines körpers, der ja andererseits im text gar nicht sein kann, nur als figur. Text, der nur noch text ist (also die autonome asymptote überschritten), der nicht mehr gelesen zu werden braucht, ist dabei eine rein akademische frage ( … ) . was im text, hinter dem text, verschwinden will, ist der körper. Der körper des out.ohrs, dessen, der “sich” als ingenieur.voyeur beschaut, sich wundert usf. die alte sehnsucht, NUR NOCH GEIST zu sein.

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LIVE- ACT MIT FRISCHEN IMPERATIVEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDie 1963 in Teheran geborene Autorin SUDABEH MOHAFEZ verfügt über Romanerfahrung , orientiert sich für ihre ZEHN ZEILEN allerdings an den genuinen Darstellungs- und Rezeptionsbedingungen des Mediums “Blog” . Im Unterschied zum üblichen Publizieren via Lektorat , Satz , Marketing und einem Verlag als “Panzer” um Buch und Autor biete das literarische Bloggen einen “Live- Schreibact vom Feinsten” . Produktive Komponenten dabei sind :

Die betont rasche Niederschrift innerhalb einer Viertelstunde sei reizvoll als selbst gestellte Aufgabe , biete zudem eine Art kontinuierliches Schreibtraining . Auch der Fokus auf optimale optische Strukturierung ( “auf einen Blick” ) sei - im Unterschied zur Grossnarration - ein lohnender Mehrwert . Im Verzicht auf die unendliche Korrektur und Revision tritt das Moment der “Improvisation” zu Tage : Performanz mit direkter Resonanz . Schliesslich böten die Inspiration und Zitation von im Netz gefundenen “Fremdtexten” schöne Möglichkeiten für intertextuelles Spiel :

Ideen teilen, Zugänge schaffen und Lesens- und Sehenswertes voicen .

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SPIELMODELL “AUTONOMIE” IM “KÜNSTLICHEN PARADIES”

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDass dem Blog des Schriftstellers , Musikers und Schauspielers MICHAEL PERKAMPUS ( *1969 : P-’s VERANDA ) ein histrionisches Moment eignet , liegt auf der Hand . Kraftvoll plädiert der neue “Jedermann” für eine autonome Alternative zur Verwertungs- und “Geldmaschnine” der Verlage . Via Weblog komme Literatur ( “Lassen wir die Diskussion darüber, was Qualität bedeutet, einmal links liegen ” ) ohne die Zwischenfilter von Redaktoren , Lektoren direkt an die Leserin , den Leser . Welchen wiederum hinreichend Autonomie zugestanden wird , selbst über ihre Lektüren zu entscheiden :

Wenn also der Autor entscheidet, was er anbietet, dann entscheidet nicht zuletzt der Leser, was ihm gefällt und vertraut in erster Linie sich und dem Autor und nicht einem Verleger und einem Verlag. Beide, Leser und Autor, werden in diesem Zu stand der Freiheit völlig autark.

Ein weiteres Argument für das literarische Bloggen besteht für PERKAMPUS in der Offenlegung der oft noch provisorischen Form , in der Dokumentation des Schreibprozesses mit all seinen Stufen von Visionen und Revisionen . Dass diese ( nicht unbedingt mit “unmittelbar” gleichzusetzende , czz ) Öffnung seitens des Autors durchaus exhibitionistische Momente - und symmetrisch dazu beim Leser voyeuristische Freuden - aufweisen kann , mag zum Reiz des Spielmodells “literarisches Blog” durchaus beitragen : Pro domo et mundo gesprochen , wäre die Blogosphäre mit all ihrer Illusionistik , Ortlosigkeit und “Möglichkeitsform” ( Musil ) ein postmodernes “künstliches Paradies” .

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“WIR” - WO ANDERS ?

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereBeim Text- und Bildblog LOGBUCH ISLA VOLANTE ist sicher nur , dass gar nichts sicher ist . Weder , ob das Autorenkürzel Rittiner & Gomez ( *1960 ) sich auf eine oder mehrere Autoren bezieht ( in der Fiktion des Blogs handelt es sich konsequent um ein “WIR” ) , noch , ob die virtuos ge- und bezeichneten Reisen Vision , Fiktion , Erinnerung oder Realitätsreste darstellen . Hier zielt das Begehren nach Autonomie nicht nur auf die literarischen Türhüter , sondern auch auf deren Kollegen im Kunstbetrieb , vulgo Ausstellungsmacher und Kuratoren .

Wir konnten also einerseits kontinuierlich an einem Projekt arbeiten und waren andererseits frei für Experimente und neue Wege. Durften uns an das Malen und Schreiben herantasten, ohne ständig den Launen und Spekulationen des Kunstmarktes ausgesetzt zu sein. Es sollte ein Logbuch sein und kein privates Tageb uch werden, also Aufzeichnungen einer - wenn auch nur virtuellen - Insel und des öffentlichen Lebens dieser Insel. Was uns auch faszinierte, war die Verbindung von zwei Handwerken, dem Schreiben, Zeichnen und Malen auf Papier und der digitalen Welt des Internets.

Als “Überraschung” und Anregung zu neuen Versuchsanordnungen stellten sich unverhoffte “Gastschreiber” ein , welche die ISLA VOLANTE- Phantasien auf ihre Weise fort spannen - umgekehrt allerdings auch die visuellen / visionären “Gastspiele” auf anderen Blogs . Dass ein derartiges Publizieren nicht lediglich Erweiterung des EGO , sondern durchaus als angewandtes Benchmarking der eigenen Arbeit verstanden werden kann , wird auf feine Art formuliert :

Die Arbeiten, die wir für andere Blogs realisierten, sind auf alle Fälle sehr lehrreich, da wir zwar ohne Wettbewerbsbedingungen arbeiten können, aber trotzdem erkennen, ob unsere Bilder auch in der neuen Umgebung Bestand haben. Zu guter Letzt hat ein Blog noch einen entscheidenden Vorteil gegenüber all den “realen ” Werken: ein Druck auf die Delete-Taste, und es ist für immer weg.

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POETISCHER MOTOR WIEDER FLOTT

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereIn schöner Freimütigkeit gesteht der Autor und Journalist BENJAMIN STEIN ( *1970 ) die Überwindung einer lähmenden Lese- und Schreibkrise durch das Blogprojekt TURMSEGLERein :

Bevor ich aufgehört habe zu schreiben, habe ich aufgehört zu lesen. Wer nicht sprechen mag, hat keinen Verlust durch Schweigen. Nicht mehr zu lesen aber - zumindest was Dichtung betrifft - ist ein Verlust. Ich möchte wieder beginnen. Mit diesen Worten begann der erste Beitrag meines Weblogs TURMSEGLER. ( … ) Ich möchte wieder beginnen. So stand es da. Und das traf zu. Ich bezog es zunächst auf das Lesen. Aber dahinter steckte der Wunsch, mit der Dichtung auch als Sprechender wieder zu beginnen.

Entschieden gegen jede Anmutung der Unterstellung , ein literarisches Blog sei eine Form der Selbsthilfe , präsentiert STEIN seinen poetischen Neubeginn im spezifischen Modus und Medium des Blog als “poetischen Motor” :

Ich lese und schreibe und habe Vergnügen daran. Der poetische Motor schnurrt. Metronom und Stichwortgeber verrichten ihren Dienst hinter den Kulissen in einer Selbstverständlichkeit, die es vor dem Verstummen nie gab.

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