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Audio aktuell : Klassisch abgründig & Heute Hören



||| NACH HALL IM RE- RUN | HEUTE HÖREN 1 | HEUTE HÖREN 2

Mag das Hörspiel unter allgemeinem Applaus endgültig im postdramatischen Genre angelangt sein ( die Kür der akustischen “Rimini Protokollierung” von Band Eins des Marx’schen “Kapitals” für den “Hörspielpreis der Kriegsblinden” sei ein nicht unulkiges Zeichen ) , schöpft die klug inszenierte Lesung aus dem Vollen des paradoxer Weise meist reduzierten “verdichteten” Textes .

NACH HALL IM RE- RUN

icon listening blackWenn unsere “aktuellen” Hinweise allesamt noch unter dem Erscheingungjahr “2007″ figurieren , so deutet dies auf den dankenswert langen Atem des pubplizierenden Organs sowie auf den geringen Raum für Rezensionen des Genres . Es sei . Immerhin ist mit der Kategorie der Hörbuch- Rezension wieder so etwas wie eine Art “Hörspielkritik” in die Zeitungen zurückgekehrt , wenn diese still zu Grunde gegangene Textsorte infolge des Audio- Book- Booms nicht überhaupt wiederbelebt wurde . Nichts Schlimmeres soll passieren -

Diesmal :

HEUTE HÖREN 1

icon listening whiteWer die bisherigen Sendetermine von “Karl Marx : Das Kapital, Band 1“. Von Rimini Protokoll ( Bernd Ernst , Helgard Haug , Stefan Kaegi , Daniel Wetzel , DLF / WDR 2007 ) auf SR 2 ( 1. 5. ) sowie auf RBB Kultur ( 2. 5. ) verpasst hat , mag sich im heutigen “Hörspiel- Studio” des ORF ( 20:31 Uhr , Ö 1 ) gütlich tun .

Die Begründung der Jury für die Zuerkennung des “Hörspielpreises der Kriegsblinden” möchte man angehörs des ziemlich zerstreut galoppierenden 50- Minüters zwar zart in Zweifel ziehen , doch bilde sich Eine Jede sein eigenes Urteil :

Ein weiteres grossartiges Stück der renommierten Gruppe “Rimini Protokoll” stellt auf erhellende Weise Experten des Alltags in einen artifiziellen Zusammenhang. Im Hör­spiel “Karl Marx: Das Kapital, Erster Band” erforschen Helgard Haug und Daniel Wetzel, wo in der Gesellschaft dieses Buch, das jeder kennt und kaum einer gelesen hat, seine Spuren hinterlassen hat. Menschen setzen ihr Leben in Beziehung zu dem Werk. Der eine hat es gründlich studiert, die andere damit geheizt. Ein Wissenschaftler, ein blin­der Plattensammler, ein früherer Maoist, ein Gewerkschafter, eine Prostituierte und andere erzählen von Habenwollen und Spielsucht, Anlagebetrug, von Menschen als Ware, Fetischen, vom Arbeitsalltag, vom Marxwein aus Trier, von Neokapitalismus und alter Ausbeutung.

Die authentischen Stimmen sind zu einem provokanten und zugleich kulinarischen Radio- Erlebnis komponiert. Brüche, Zusammenstöße, absurde Beziehungen und eine hintergründige Komik entstehen. Die Jury lobte diese zeitgemäße Weiterführung des Originalton- Hörspiels. Sie genoss subtilen Witz, scharfe politische Analyse, Geistrei­chelei, und schließlich und vor allem den akustischen Mehrwert. ( Hervorhebungen czz )

Zweifelsfrei und unbestritten ist , dass die Preisübergabe am 2. Juni erfolgen wird . |||

HEUTE HÖREN 2

icon listening blackMit All- und Nirgendsörtlichkeit der Handy- Telephonie beschäftigt sich nur - wie die Produktionsnotizen zur jüngsten Ausgabe von “Literatur als Radiokunst” erweisen - die jüngere Generation in Gestalt von Monika Rinck , sondern auch ein Altmeister . In der ( leider nur monatlichen ) “ars acustica”- Sendung des SWR2 steht heute ( 23:03 Uhr ) eine Ursendung des immer noch hoch agilen Mauricio Kagel auf dem Programm : “Erratische Blöcke ” -Radiostück aus akustischen Bildern ( Regie und Komposition : Mauricio Kagel , Produktion : SWR | HR 2008 ) .

Mauricio Kagel über die Handy- Verhältnisse in Analyse und klangkünstlerischer Umsetzung :

Die diffusen Standorte, an denen man mittlerweile mit Hilfe der Mobiltelefone kommuniziert, sind längst keine privaten, sondern betont öffentliche Räume. Man könnte das als ein “Kontinuum der Monologe mit austauschbaren Folien” bezeichnen. Zu den wesentlichen Merkmalen der üblichen Verwendung gehören der Tempowechsel der Gespräche, ihre oft störende Lautstärke und die Dichte der gleichzeitig stattfindenden Telefonate.

Das Material der “Erratischen Blöcke” fusst auf realitätsnahen Situationen; dessen Darstellung verfolgt jedoch nicht das gleiche Ziel, sondern beschreitet genau den umgekehrten Weg: Durch Zuspitzung bestimmter Zusammenhänge wird auf eine andere, ebenso mögliche Wirklichkeit hingewiesen. Die Orte und Räume der akustischen Bilder wechseln oft mit der Geschwindigkeit eines Feuerwerks, dies entspricht auch der globalen Verwendung des Handys, die zu einer vielfältigen Polyphonie sui generis geführt hat.

Eine schnelle Abfolge der Informationen, Telefonsignale und musikalischen Ereignisse sind darum Grundmassstab der Montage; Durchsichtigkeit jedoch bleibt das wesentliche Ziel dieser Arbeit. Als Kontrast zu der dominierenden Transparenz der Textur finden im Verlauf des Stückes, und zwar in fast regelmäßigen Abständen, Verdichtungen von relativ kurzer Dauer statt; sie basieren hauptsächlich auf der Gleichzeitigkeit von verschiedenen Fassungen eines Abschnitts.

Eine Polyphonie der Richtungen und Bewegungen mittels Schritten, laufenden Rollbändern (wie in manchen Flughäfen üblich), Rolltreppen, Verkehrsmittel aller Art inklusive Pferdekutschen und Tretbooten wird unter anderem Grundlage der räumlichen Artikulation. ( Mauricio Kagel )

Eine schöne Stelle zur Parallel- Lektüre bietet sich in Philip Roths “Exit Ghost” , wo der gute Nathan Zuckerman nach zehnjähriger Abwesenheit das erste Mal wieder New York betritt und dort erstaunt eine Population von atemlos in Handy- Apparate monologisierenden Stadtbenützern antrifft … |||

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Das grossen BuchMesseN | Fair Y Tales



||| “HE WENT LIKE THAT , Spade said , LIKE A FIST WHEN YOU OPEN YOUR HAND .” - Gestern diese liebliche line des Sam Spade in Dashiell Hammett’s THE MALTESTE FALCON ( echt : in Buchform , gebunden ) gelesen und zum Motto erhoben für die Beobachtung der Ongoings am Main .

IN | FORMELLES

icon book Nach geballtem Email- plus- Papier- Post- Beschuss der Verlage ( “Besuchen Sie uns bei der Frankfurter Buchmesse , Halle x , Stand y zur Plauderei bei einem Glas z … “) sollte nun endlich Ruhe im Kanister herrschen und der Rest des Literatur- Vermarktungs- Explosiv- Materials sich in der Feuilleton- Schlacht verbrauchen . FAZ . NZZ . FR . SZ . WELT . taz . Für DRIVE- BY- MITredner / - READER gibt’s die Schnell- Schau polymorpher Pressemeldungen bzw. das Branchen- Blatt - - - den Rest erledigt Ihr Feed- Reader . Or you wanna join the informal Feuilleton- disscussion- group beside the coffee- dispenser ( Vienna’s Best instant coffee , and believe me , I DO know what I am talking about ! ) @ the Copy- Shop near Kirchengasse ( 1070 ) . |||

BLOGS

icon bookWeitere Info- Linien ergeben sich durch die redaktionellen Blogs der MSM ( etwa David Hugendicks seitenblick @ ZEIT , wir durften uns der gefühlten Stimmungsbilder des Herrn bereits anlässlich der Bachmannpreis- Berichterstattung erfreuen ) sowie durch das Marketinginstrument des offiziösen Buchmesse- Blogs . Aus Sicht des professionellen PR Bloggers ( aka Klaus Eck ) schwingt diese Form der CORPORATIVE COMMUNICATION schön mit dem Zeitgeist , gleichwohl mag Mancher Meister Ecks Liste der Blogger auf der Frankfurter Buchmesse ein wenig diffus finden .

Wie schön , dass es da die wachsamen Augen der bloggenden Literaturwelt gibt , die sich keinen Kehlmann als WELT- X für ein K U nstwerk vormachen lassen . Das nachgerade klassische Literatur- Café bedenkt die Zuerkennung des Deutschen Buchpreises an Julia Franck mit dem raffiniert vieldeutigen Wörtchen “erwartungsgemäss” , bevor man morgen , 10. 10 . , mit dem Buchmesse-Podcast 2007 anhebt . netbib ( “Der kurioese Bibliotheksbote worinnen zu finden sind allerley newe Zeitungen” , # 43 ) castet übrigens ab morgen auch . ||| Update und Corrigendum : Die werten Kollegen podcasten leider NICHT live von der Fairy Fair , Sorry , ein Fall von in ad|ae|qu|atem WISHFULL THINKING . |||

Aus Buchhändlerperspektive bietet sich Dorian Popas Blogeintrag für ein Butterbrot an [ sorry , Dorin ] , bzw. man setzt sich zu dero Herren Antiquarii vom ZVAB- Blog . Mal sehen , was die , die’s ja wissen müssen , zum Thema BEST AGER - JUNGBRUNNEN DES BUCHMARKTES zu sagen haben . Ob das beliebte Blog über Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn freilich die Zielgruppe 50+ glücklich erreicht , bleibt fraglich . - Was soll’s , gibt sich StyleSpion doch angenehm pragmatisch : Sucht Euer Book By It’s Cover . |||

NOBEL | WELT | PREISE

icon bookJa , auch über die Nobelpreis- Frage ( wieder ein Donner am -stag ) darf man ich Gedanken machen , so man nicht bereits RAS DE BOL hat von sonderbaren Preisen und Orden . Von der Farce des Deutschen Buchpreises durften wir bereits berichten , nun nimmt Daniel “Keck” Kehlmann auch noch den WELT- Preis entgegen . Als , sozusagen , WELT- Vermesser von Größe und Komik deutscher Kultur . Auf gut deutsch : Für die Re- Installierung eines nicht- de|kon|struktiven Erzählens . Schnurre runter , wie man’s wieder mag . Neue Betulichkeiten ( Kehlmann , Mosebach ) und die Grossen Geschichten ( Geiger , Köhlmeier ) . Weshalb auch Julia Frank den Deutschen Buchpreis zugesprochen bekam und nicht etwa die mit zersetzender Ironie begnadete Katja Lange- Müller ( BÖSE SCHAFE , Kiepenheuer ) .

Frische Gesichter ( und stets neu direkt vom Coiffeur ) punkten PR- mässig besser . Besonders , wenn MANN ( sorry , Dudes , so isses ) der Anmassung weiblicher Literatur- Befähigung den beruhigenden Nachsatz “und Mutter zweier Kinder” hinterher schicken kann . Beim STERN klingt das dann wie folgt :

Sie ist 37, Mutter zweier Kinder und lebt in Berlin: Julia Franck heißt der neue Star am deutschen Literaturhimmel. Die Autorin wurde für ihr Werk “Die Mittagsfrau” mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Wir übergeben nun an Jurorin und Jury- Sprecherin Felicitas von Lovenberg , welche die RAISON für diese NICHT- HANSER- ENTSCHEIDUNG auf den tief empfundenen Punkt bringt :

Zur Begründung erklärte die Jury, Francks Buch überzeuge durch sprachliche Eindringlichkeit, erzählerische Kraft und psychologische Intensität. “Die Mittagsfrau” sei “ein Roman für lange Gespräche”. Die Jury habe sich mit großer Mehrheit für diesen Roman entschieden, hieß es weiter. “Das Buch hinterlässt Spuren”, sagte Jury-Sprecherin Felicitas von Lovenberg. ( Tagesspiegel )

In der entsprechenden FAZ- Meldung wird diese Sprecherin und FAZ- Autorin übrigens nicht namentlich genannt . - “Lange Gespräche” also , hm , hm , hm , bis zur Verleihung des Hanser- Büchner- Preises am 27 . Oktober . - Frau von Lovenberg wird berichten . Sicher . Exklusiv .

“Da tritt der Österreicher vor ihn hin” : Nicht im Grillparzer’schen Wortlaut , sondern in dessen Geiste beobachtet Cornelia Niedermeier ( @ Standard ) mit einem Bonmot die feudal inszenierte BUBBLE des Deutschen Buchpreises :

Bescheidenheit fehlt dezidiert im Kanon der Tugenden des Deutschen Buchpreises. Sein Selbstbild charakterisiert am Treffendsten der Ort, den der Börsenpreis des Deutschen Buchhandels, Initiator der Auszeichnung, für deren Verleihung wählte: Der Kaisersaal im Frankfurter Römer, jener Ort, wo einst die Kurfürsten des Hl. Römischen Reiches deutscher Nation zusammentraten, um einen aus ihrer Mitte zum Kaiser zu krönen. Gotische Spitzbögen rahmen den Saal, darin ihre Gemälde, all die Ottos, Heinrichs, Leopolds und Friedrichs blicken ölig-ernsten Blicks auf Gottfried Honnefelder, den Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Kaisermacher der deutschsprachigen Literatur von heute. ( Der Standard )

icon bookBuchkaiser hin , glückliche Mütter her : Der Vorgeschichte von Jury und deren Zusammensetzung , abstruser Shortlist und Hanserei war nicht eben dazu angetan , Auszeichnung , handelnde Personen und Verlage ins Licht hoffnungsfroher Morgenröte zu rücken . Wir erwähnten beiläufig die ( männiglich formulierte ) Häme gegen Sigrid Löffler und deren im Editorial der LITERATUREN sowie im Deutschlandfunk berechtigte Kritik an Form , Formation und Funktion des WOULD- BE- BOOKER- Preises . Uwe Wittstock in der WELT :

2006 hat sich Sigrid Löffler dafür eingesetzt, den Heine-Preis für Völkerverständigung an den Milosevic-Verehrer Handke zu vergeben und vehement für die Freiheit geistiger Abenteurer gestritten. Umso mehr müsste sie jetzt den reaktionären Romantiker Mosebach verteidigen. Wenn sie ihm dennoch nach oberflächlicher Gesinnungsprüfung den rein literarischen Büchnerpreis missgönnt, muss man darin nicht mehr sehen als den Versuch, ihre Zeitschrift zur Buchmesse ins Branchengespräch zu bringen.

“Fatal , fatal , bemerkte Schlich / paffte und entfernte sich ” . Karl- Markus Gauss , kritisiert als “Lobbyist für die österreichische Literatur” in Personalunion von Autor , Kritiker und Juror , fühlt sich - zur Freude der PRESSE - persönlich verfolgt . “Fatal , fatal” , Skandal , Skandal .

icon bookVielleicht wäre es geichwohl von Interesse , die so übel vermerkten Argumente der Mosebach- Mäklerin ( Hubert Spiegel | FAZ ) in Ruhe durchzugehen . Nach Erledigung des Deutschen Buchpreises ( “Mit Literaturqualität hat das nichts zu tun” ) ist nun der Mosebach- Büchner- Preis dran : “Das hat etwas Perverses” . Ca se va en soi .

Pervers allerdings , wie rasch sich die Sender jetzt reissen um eine Interview- Partnerin , welche mit ihren pointiert formulierten Vorbehalten Hörer und Web- Hits bringt : Dann kann sich Print wieder alterieren , wir Blogger wiederum ( in|ad|ae|qu|at inklusive ) rennen dem Mainstream MEANstream watchend und quatschend nach usw. usw. usf . usf .

Kein Wort mehr über die Buchmesse . Wir folgen den Freaks und konzentrieren und ab heute auf den Mike Tyson- Index . Nach Strich und Faden k. o. oder schlicht nach Punkten . - Was hatte SAM SPADE doch anfangs gesagt ?! ::: “HE WENT LIKE THAT , Spade said , LIKE A FIST WHEN YOU OPEN YOUR HAND .” - Eben . |||

Musik ? ? ? - Das AUCH NOCH ? ? ? ::: Ihr habt es so gewollt und wir wissen nicht , wie verdient . WIR aber dürfen uns jetzt endlich redlich czz hörempfehlungeinem weiteren SONIC WALKER- MIX hingeben : Distinkte Töne in klarer Kalimba- Manier . File also under Mbira . Bringt allenfalls Ordnung ins Gedärm und Licht ins literaturbetrieblich verfinsterte Hirn . MINIATURAS , mixed and brought 2 You by Mexican Master IN VITRO . Now . Click . Here . - Ha le lu ja . |||

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