Tag Archive for 'elfriede-jelinek'

DOPPEL - SEEBLICK - Eine Postkarte



 

Gruss aus der Sommerfrische

dem Musen(h)ort Altaussee

DOPPEL - SEEBLICK

vom Bankerl der Verehrung

doppelseeblick_altaussee_kaiserin_elisabeth_und_elfriede_jelinek_copyright_Liesl_Ujvary

( click to XL , aufgenommen von Liesl Ujvary )

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KLANGAPPARAT

Längst fällig und den naturnahen Touch des Themas “Sommerfrische” gemäss , darf in|ad|ae|qu|at das Net- Sound- Projekt “Touch Radioczz-hoerempfehlungvorstellen : ein Podcast , ausschliesslich bespielt mit “Field Recordings” ( nicht notwendig allerdings stets plein air ) . Episode # 32 stellt den irischen “composer / sound recordist” Tom Lawrence vor und dessen wortlose Klangkomposition “Donadea Forest” . Das knapp 31 Minuten lange Stück besteht aus fünf Teilen , auf der Zeitachse angeordnet wie folgt :

  1. 00:00 - 04:27 - Castle Crow’s Cacophony
  2. 04:28 - 10:23 - January Gales
  3. 10:24 - 14:48 - Forest Rain ( ja , so viel regnet es auch in Altaussee )
  4. 14:49 - 20:36 - Forest Harmonics ( sampled forest chimes , forestry felling , and the ‘carbon chorus’ [ surrounding motorways ] )
  5. 20:37 - 30:47 - The Dawn Chorus

Mehr zu Lawrence und seiner Arbeit hier , eine ausführliche Vorstellung des in Rede stehenden Werks hier ( rtf | Word ) . Bring’ Frischluft in dein Heim und CLICK LINK TO LISTEN . |||

Jelinek Online : “NEID” am dicken Ende der Blogwurst



||| TAGBLATT UND “BLOGWURST” | VERZEHRENDER NETZ- TEXT | ABWEHRZAUBER UND WIEDERGUTMACHUNG | KALAUER MIT “AUFGABE” | WO BLEIBT DER “KLASSISCHE WERKBEGRIFF” ? | SÜHNE - SÜNDE : SCHÖPFUNGSAKT - KINDSWEGLEGUNG | KLANGAPPARAT | LINKS | RELATED

TAGBLATT UND “BLOGWURST”

pac_manDa nicht nur die Bock- sondern auch die “Blogwurst” derer Enden zwei hat, meldet sich das Feuilleton - nach anfänglichem Anbrat- Interesse vorigen Mai - nun pünktlich prêt à rapporter zum Finale des paradoxen Online- ist- gleich- “Privat”- Romans Elfriede Jelineks .

Von “A” ( dem akkurat akut anverwandelten “Dungeon Man” [ NYT ] von Amstetten ) über “B” ( dem buchfrei verbleibenden Verleger , als sei der Berlin- Verlag mit dem Totschläger Littells nicht börsenreif beschäftigt ) bis “Z” ( dem berühmten “Zitierverbot” ) : Die Presse ist prompt zur Stelle , wenn’s auch mal auf den Kulturseiten ein “Fait divers” zu vermelden gibt .

Die NZZ am 8. 5. , die SZ am 9. und die FAZ am 13. 5. Dass es seit Publikationsbeginn des Romans ein material- und reflexionsreiches Online- Forum ( JeliNetz ) gibt , bleibt in den Meldungen freilich konsequent aussen vor . “Internet” heisst demnach nicht nur der Wechselbalg einer irgendwie exhibitionistischen “Privatsache” , sondern auch der Ort privatim getätigter Lektüren .

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VERZEHRENDER NETZ- TEXT

pac_manIn der Verweigerung der Anerkennung eines medien- adaequaten Austauschs von An- und Einsichten rücken die ( durchwegs männlichen ) Referenten und Rezensenten die Online- Existenz eines literarischen Werks in den Bereich der Pornographie : Was nicht “über die Budel” ver- und handelbar ist , wird Objekt eines mit dem Ruch des Illegitimen behafteten Online- Voyeurismus . Wo die Text grenzenlos verfügbar sind , untersteht auch deren Lektüre keinem hergebrachten Komment und Reglement : Schon dieses Moment des Ausufernden und Unkontrollierbaren macht den Bild- Schirm- Text verdächtig .

Dem Philologen und Kritiker , gewohnt an den gedruckt unverrückbaren Text- Korpus , muss die diskrete Wandelbarkeit eines E- Textes geradezu frivol anmuten . Der proteische und tendenziell unendlich veränderbare Charakter eines solchen Werks lehrt den Publizisten buchstäblich das Fürchten : Nicht nur , weil rund 1.000 Seiten Fliesstext ein schwer übersehbares Gelände | Gewirk darstellen , sondern weil dessen Wandelbarkeit dem Kritiker grundsätzlich die Gnade des Letzten Wortes entzieht . So ein dämlich änderlicher Text kann nämlich seinerseits und postwendend buchstäblich zurückschlagen , indem er mehr oder weniger offensichtlich , auf die im Print festgestellten Anmutungen reagiert .

Um solche Rück- Schläge festzustellen , müsste man freilich den integralen Text unter ständiger Beobachtung halten wie ein “Alien” oder ein “gefährliches Tier” wird : Wer weiss , ob dieses Monstrum sich den Publizisten und seine tagesjournalistisch getrimmten Worte nicht eines Tages einverleibt und verschlingt ?

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ABWEHRZAUBER UND WIEDERGUTMACHUNG

pac_manMit Nennung der dem Werk einverleibten Kritik vollzieht Paul Jandl in der NZZ gleichsam einen Abwehrzauber :

Was Elfriede Jelinek den Lesern als “E. J.” sagen will, scheint klar. Die zarte Camouflage ist Kriegsbemalung, denn in “Neid” wird zwar einmal mehr mit Österreich abgerechnet, vor allem aber mit sich selbst. Die Schreibstube am Wiener Jupiterweg wird zum Echoraum all dessen, was die Kritiker der Schriftstellerin vorwerfen, während diese sagt: Geschenkt! Dass es im Werk der Jelinek wenig Handlung gebe, dass es ihm an erfahrbarer Wirklichkeit mangle, dass es sich wiederhole und verzettle, tausendmal: Geschenkt! – In die Familiengeschichte steigt der Roman herab und spart auch dabei nicht mit Selbstvorwürfen. Die beinahe pornografische Entblössung des eigenen Ich treibt ein Buch voran, das den “Neid” des Titels pro domo nimmt. Der Lebenssünde, “Ich” zu sagen, hat Elfriede Jelinek ihr Todsünden-Projekt gegenübergestellt. Neben den Romanen “Lust” und “Gier” ist der Neid eine Verirrung von offenkundiger Virulenz. Das Leben da draussen, das Leben, dem sich die Schriftstellerin entzieht, wird zum Gegenstand der Sehnsucht wie der Verachtung. Ganz privat, nur im Internet, rechnet Elfriede Jelinek mit ihrer Rolle als öffentliche Frau ab.

Burkhard Müller scheint mit seiner jüngsten Reaktion in der SZ förmlich um Wiedergutmachung seiner ersten Ausfälle vor einem Jahr bemüht : Sie mög sich hüten , die Autorin , hatte es damals geheissen , den Unlustfaktor ihrer Texte nicht auch noch durch eine unhandliche Publikationsform zu verstärken . Jetzt dahingegen begrüsst derselbe Redakteur Jelineks rasches Reagieren auf “Amstetten” ( “Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist die Feuerwehr, wenn alle anderen noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen” ) , ihre Tuchfühlung “Im Verlassenen ” auf Leib und Seele “Österreichs” sowie deren Ästhetisierung :

Elfriede Jelinek verliert keine Zeit damit, Töne des Entsetzens auszustoßen. Das haben inzwischen schon andere hinlänglich getan. Sie beginnt ihren Text “Im Verlassenen”, abrufbar auf ihrer Homepage, damit, dass sie das Besondere und das Allgemeine des Falls ins rechte Verhältnis bringt. Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält.” Das ist zwar als Prosa gesetzt, tänzelt aber wie von ungefähr in Richtung des gereimten Epigramms. ( SZ )

Hat man voreilig geurteilt ? Verkannte man das Visionäre in Jelineks Kassandra- Reden ? - Ein Journalist leistet , an der Monstrosität der Echtwelt gereift , förmlich Abbitte :

Jelinek hat viele, die sie in den letzten Jahren hörten oder lasen, durch die Gleichform ihrer Beschwerde ermüdet. Das mag zum Teil ungerecht gewesen sein, denn wenn das Übel sich nicht ändert, warum sollte es die Beschwerde tun? Es war Jelineks Art, der Welt, ihrer Welt, die Treue zu halten. Und doch liegt im Ermüdenden ein literarisches Problem.

Nun aber ergibt sich am zwar typischen, aber doch herausragenden Anlass die Gelegenheit zu zeigen, dass der fehlende Biss ihrer Texte, den man konstatiert hat, am Brei lag, mit dem sie es zu tun hatte, und nicht an ihren Zähnen. Jetzt hat sie ihren Brocken; und da erweisen sich ihre Zähne auf einmal als scharf. ( SZ )

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KALAUER MIT “AUFGABE”

pac_manAuch die formalen und textgenerativen Mittel wie der früher als “ermüdend” eingestufte Kalauer wird via München unter Umständen einer “echten Aufgabe” plötzlich rehabilitiert :

Also beschränkte sich Jelinek darauf, den Affekt, ganz sparsam, in den Doppelsinn eines einzigen Wortes zu verlegen, um unvermutet B hervorspringen zu lassen, wenn gerade noch A das Thema war. Aber nachdem man dieser Weiche eine Zeitlang beim Schalten zugesehen hat, wandelt sich das Unvermutete in das Erwartbare, und der Trick zieht nicht mehr. Hier aber zieht er plötzlich wieder, und zwar weil er eine echte Aufgabe bekommen hat. Das Bestürzende an den Entdeckungen von Amstetten lag darin, dass sich alles über so furchtbar lange Zeiträume erstreckt hat. ( … )

Darum ist die Rede vom “Ruf” Österreichs, wenn es um Dinge wie Amstetten geht, eine solche Perfidie. Es ist dieselbe Art von Rede, die das Verbrennen toter Babies als “Entsorgen” benennt und sich damit den logistischen Gesichtspunkt, die Sorge des Täters, zu eigen macht. Ein Ruf ist etwas, das aus der Kehle dringt, aber eben auch der gute oder schlechte, den man hat. Plötzlich kommen sich die beiden Bedeutungen, der Schrei und die Reputation, ganz nahe. Auf den Ruf bedacht sein, heißt den Schrei ignorieren. Darin eben liegt die allgemeine Tendenz, die der krasse Einzelfall offenbart. ( SZ )

Als Erste Hilfe und ultima ratio gegen die Sprachlosigkeit des Entsetzens - sowie der journalistischen Ratlosigkeit , wie das Unsägliche überhaupt ( noch ) zu covern sei - wird Elfriede Jelinek plötzlich wieder der Rede wert :

Was kann, was soll man zu Amstetten sagen? Man braucht schon einen Ton, der trägt. Den hat Elfriede Jelinek. Er ist, wie eine Berufsfeuerwehr, wohlgeübt, und wenn plötzlich die Katastrophe ausbricht, weiß die Feuerwehr im Unterschied zu den übrigen Passanten, die bloß die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, genau, was sie zu tun hat. ( SZ )

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WO BLEIBT DER “KLASSISCHE WERKBEGRIFF” ?

pac_manSolche thematischen Schnittstellen an | mit der ausserliterarischen ( Skandal- ) Realität , wertet Hubert Spiegel lediglich als Ephemera und Fortsetzung des Immergleichen unter Berücksichtigung frischer Datenlagen . Was den FAZ- Redakteur weitaus mehr irritiert , ist die “Aushöhlung des klassischen Werkbegriffs” durch stete Veränderlichkeit im Netz :

Offenbar hat Elfriede Jelinek im Internet die Arbeitsbedingungen gefunden, die ihr am ehesten gemäß sind: Frei von jeglichen Verwertungszwängen herrschen hier autonome Innerlichkeit und Privatheit in ihrer denkbar öffentlichsten Form. So ist ein Werk entstanden, das die Mittel des Blogs benutzt, um nahezu sämtliche Fesseln des Romans abzustreifen. ( … ) Denn Änderungen sind jederzeit möglich. Damit tritt ein, was Autoren Traum und Albtraum zugleich ist: Kein Text ist jemals fertig. Alles bleibt vorläufig, fließend, in potentiell jederzeit zu beschleunigender Bewegung. ( … ) So wird die Aushöhlung des klassischen Werkbegriffs, die in Elfriede Jelineks Schaffen immer schon angelegt war, im Netz auf die Spitze getrieben. ( FAZ)

Die - für jeden Jelinek Kenner selbstverständlich nur cum grano salis zu lesende - Nachbemerkung “Unvollständige oder fehlerhafte Sätze bitte (jeder für sich selbst) ergänzen bzw. korrigieren” wird von Hubert Spiegel beim Wort genommen und als Zeichen dafür , dass das “Lektorat … an die Leserschaft übergegangen” sei . Mit dem “klassischen Werkbegriff” geht somit auch die “auctoritas” | Autorität des Autors den Bach der Blogrolle hinunter und reisst die ( “klassische” ) “Sinnstiftung” gleich mit :

Wo die Sinnstiftung an sich schon als Machtausübung verstanden wird, wo jede Organisation des Textes unter dem Verdacht der hierarchischen Handlung steht, wird Flüchtigkeit als Freiheitsgewinn verbucht: “Mir gefällt der Gedanke, dass jeder, der will, sich etwas von mir herunterladen kann, es irgendwo zerstreut, ein paar Seiten, auch auf dem Handy konsumiert, und dann verschwindet es wieder im Netz. Es ist da, für jeden”, sagt Elfriede Jelinek über ihr Projekt, “und gleichzeitig weg, das gefällt mir”. Dass der Roman sich nicht zwischen zwei Buchdeckeln materialisieren darf, könnte man fast als Sühne dafür nehmen, dass auch dieser Text seine Existenz einem Schöpfungsakt verdankt. ( FAZ )

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SÜHNE | SÜNDE : SCHÖPFUNGSAKT | KINDSWEGLEGUNG

pac_manDas Motiv der “Sühne” wurde bereits von Paul Jandl in der NZZ angesprochen . Dort war es allerdings auf Jelineks “Rolle als öffentliche Frau” gemünzt . Elfriede Jelinek hat sich über die Jahre hinreichend und ausführlich über die problematische Rolle der “öffentlichen Frau” geäussert . Aus der praktischen Erfahrung , dass diese von einer Öffentlichkeit , in welcher ( wie in den zitierten Artikeln ) “der Mann” das Sagen hat , als unangemessene Ermächtigung wahrgenommen wird, hat Jelinek ihr mediales , diskursives und literarisches “Fort | Da”- Spiel entwickelt . Es muss da nun doppelt paradox anmuten , wenn jetzt von Seiten des FAZ- Autors der Vorwurf ertönt , die Frau als Schriftstellerin negiere ihren “Schöpfungsakt” .

Da dieser “Schöpfungsakt” spätestens seit der Genesis dem Gott , dem Mann , dem Autor vorbehalten ist , muss es sich wohl um im eigentlichen Sinne um die weibliche Sünde der “Kindsweglegung” handeln …

“geschlechterdings” ( Gerhard Rühm ) gerät selbst im Zeitalter der Männerforschung noch so Manches in auf- reizender Fehlleistung durcheinander .

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KLANGAPPARAT

Wir haben ihn vermisst . Nun aber ist er wieder da : DJ Tom Larson ( @ MySpace ) mit einem seiner die Grenzen von Raum und Zeit korrodierenden czz hörempfehlungMixes . Diesmal mit “Elektronischen Schallwellen” @ Loopzilla . Womöglich nicht ganz frisch , aber nahezu klassisch . Go with the flow , knappe sechsundsiebzig Minuten und wieder … und wieder … CLICK LINK TO LISTEN STREAM . |||

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LINKS

RELATED

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EDIT 20. 5. :

  • Eine Immission obiger Auslassungen wurden im “Blogblick” der Netzeitung gesichtet . Gewissermassen das “dicke Ende” im Anhang .

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“Voyage au bout de la nuit” , 4. Folge : Zurück im Sumpf der Pariser Vorstadt - Armendoktor , Irrenarzt



||| I. REPRISE | II. VORSTADT : IM SUMPF | III. VERGEGENWÄRTIGUNG STATT VOYEURISMUS | IV. BINNENROMAN DER HENROUILLES | V. FALLGESCHICHTEN : VOM ERZÄHLEN | KLANGAPPARAT | HINWEISE - Photographien : Eugène Atget ( click to XL )

I. REPRISE

Atget Eugène Figaro PopulaireWir erinnern uns : Nach dem Morast der Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges , dem Sumpf der Kriegsgewinnler im sicheren Pariser Hinterland ( > Folge 1 ) , dem Schlamm Afrikas ( > Folge 2 ) und dem “concrete jungle” New Yorks ( > Folge 3 ) war Bardamu in der Stahlstatt Detroit gelandet : Die Auflösung der Grenzen - ja : der Idee - des Individuums tritt hier lediglich in einen neuen Aggregatzustand . Was im Krieg der Kollektive Truppenkörper , im Hinterland die Spielfigur in einem gesamtgesellschafltichen “Lug- und Trug- Abkommen” und in den Tropen eine tendenziellle Verwesung bei lebendigem Leibe gewesen war , figuriert nun im klassisch maschinenstürmerischen Motiv des Rädchens im Getriebe einer Riesenmaschine .

In seiner “Reise bis ans Ende der Nacht” setzt Louis-Ferdinand Céline Station nach Station , Aggregat für Aggregat , Soziotop für Soziotop seinen romanesken Anschauungsunterricht in Sachen “Zertrümmerung des abendländischen Subjekts” fort . Unter den jeweils herrschenden Verhältnissen , so der Chronist Ferdiand Bardamu aka Louis-Ferdinand Céline , ist das angeblich nach Gottes Ebenbild geschaffene Wesen fähig , sämtliche Gestalten anzunehmen : Vom Wurm und Parasiten bis hin zum pur Mechanischen . Hatte ein ästhetizistisches Ich vom Schlage Rainer Maria Rilkes angesichts des “Chocs” urbaner Massemenschen und Menschenmassen noch gefleht …

O Herr, gib jedem seinen eignen Tod.
Das Sterben, das aus jenem Leben geht,
darin er Liebe hatte, Sinn und Not

… streicht Céline solche humanistischen Hoffnungen mit jeder Szene , Folge , Episode erneut durch . Dass dies viel weniger zynisch geschieht , als dies gemeinhin angenommen wird , liesse sich an unzählingen Zitaten belegen : Denn es ist ein Teil der Radikalität dieses Romans , dass die Idee des “eigenen” Todes gegen alle Evidenz und gegen alle Verhältnisse das eigentliche Movens ist , welches den Chronisten in sämtlichen realen und sozialen Sümpfen am Leben erhält . Wir kommen darauf zurück .

II. VORSTADT : IM SUMPF

Atget Eugène Rue de la Montagne Sainte GenevièveZurück aus den USA , dem faul gewordenen Traum eines sinnlicheren , freieren Lebens , ergeht es Bardamu in Paris nicht wesentlich anders als vielen Auswanderern vor und nach ihm :

Aus der Neuen Welt zurückzukommen, das bringt gar nichts! Man findet das lose Ende der Zeit genauso wieder, wie man es hat hängen lassen, schmierig, ungewiss.

Allerdings hat er aus Detroit jenen stählernen Appell mitgebracht , sich selbst zum Produkt zu schmieden . Also absolviert er in kürzest erzählter Zeit den Rest seines einstmaligen Medizinstudiums und lässt sich als Armenarzt in der ( fiktiven ) Vorstadt La Garenne- Rancy nieder . In den Schilderungen dieser deprimierenden Viertel , dessen stereotypen Tiden von Auszug und Heimkehr der Berufstätigen , besonders allerdings der fauligen Stasis derjenigen , die als Kleinunternehmer , Conciergen , Schmalspur- Huren , verwahrloste Alternde , Suffmütter und Prügelväter samt Progenituren dort leben , bleibt das Bild des Sumpfes vorherrschend .

Die Häuser lassen einen nicht los, zugeschmutzte, langweilige Fassaden ( … ) . Die Farbe des Himmels ist in Rancy dieselbe wie in Detroit, dünner Qualm überweht die ganze Ebene ( …. ) . Schrottige Gebäude, die im schwarzen Matsch am Boden kleben. Niedrige und hohe Schornsteine, es sieht aus wie an der See, von fern gesehen, die Pflöcke im Schlamm. Und da drin sitzen wir.

Wenn man in Rancy wohnt, bemerkt man nicht mal, dass man traurig geworden ist. an hat keine Lust mehr, was Besonderes zu machen, das ist es. Vor lauter sparen an allen Ecken und Enden ist einem jede Lust vergangen.

In der Tat verliert der Doktor unter solchen Umstanden rasch jede Illusion einer einigermassen integren Existenz . Als Armenarzt ohne dem nötigen Durchsetzungswillen , auch bei vergeblichen - nicht selten von den kleingläubigen “Angehörigen” der Kranken direkt verhinderten - Visiten an das fällige Honorar zu gemahnen , sind Ruf und Barschaft bald allgemein “unten durch” . Gelegenheit galore , in den tristen Hinterhof der kargen , halb als “Praxis” leerstehenden , Wohnung zu starren .

Und es bedarf wahrlich keines besonders forschenden Blicks um den baulichen , hygienischen , olfaktorischen und menschlichen Schlamm “là bas” wahrzunehmen . Die Unausweichlichkeit solcher Wahrnehmung wird durch die Voranstellung eines - bemerkenswerten - akustischen Hinterhofportraits akzentuiert . Im Unterschied zum Augenschein , von welchem wir uns abwenden , den wir verdrängen können , sind wir akustischen Ereignissen unablässig ausgeliefert . Hier also eine phantastische Passage in Sachen “Stadtklang” :

Sämtliche Schreie und Ausrufe aus den zwanzig umliegenden Wohnungen purzeln hier unten zusammen, krachen auf den Boden, federn wieder hoch, bis hin zu den verzweifelten Piepsern der kleinen Vögelchen von den Conciergen, die vor sich hin schimmelnd dem Frühling hinterhertschilpen, den sie in ihrem Käfig nie wieder erleben werden, bei den Klos, die hier unten alle nebeneinander liegen, da ganz hinten im Schatten, mit ihren immer schief in den Scharnieren hängenden, sperrangelweit offen stehenden Türen. Hundert männliche und weibliche Suffköppe bevölkern diese Ziegelbauten und würzen die Geräuschkulisse mit ihrem prahlerischen Zank, ihren gelallten, herausplatzenden Flüchen, besonders am Samstag nach dem Mittagessen. Das ist der innigste Augenblick des Familienlebens. Die haben hübsch einen in der Krone und provozieren einander mit Worten, Papa schwingt den Stuhl wie ein Holzfäller die Axt, das muss man gesehen haben, und Mama ein glimmendes Holzscheit wie einen Säbel! Wer schwach ist, nichts wie in Deckung! Immer auf die Kleinen. Die Ohrfeigen klatschen alles an die Wand, das sich nicht wehren und nicht mit gleicher Münze kontern kann: Kinder, Hunde und Katzen. Beim dritten Glas Wein schon ( …. ) ist der Hund dran, dem wird mit dem Absatz ordentlich auf die Pfote gelatscht. ( …. ) Schallendes Lachen, wenn er sich winselnd wie ein Abgestochener unterm Bett verkriecht. Das ist das Startsignal. Nichts stimuliert angeschwipste Frauen so sehr wie das Leid von Tieren ….

III. VERGEGENWÄRTIGUNG STATT VOYEURISMUS

Atget Eugène Rue Saint-SauveurWas im Modus eines geradezu Jelinek’schen Sprachrausches in böser Folgerichtigkeit anhebt , nimmt seinen - weiterhin vorwiegend akustischen - Gang :

Alles hat einmal ein Ende. Das ist nicht immer der Tod, oft etwas anderes und schlimmeres, vor allem, wenn Kinder betroffen sind. Da wohnten gewisse Mieter genau auf der Höhe über dem Hof, wo das Dunkel zu Zwielicht wird. Wenn Vater und Mutter allein waren, an den Tagen, an denen es wieder mal so weit war, dann stritten sie erst ausgiebig, bis es plötzlich für längere Zeit still wurde. Es bahnte sich an. Erst mal riefen sie ihre kleine Tochter, liessen sie kommen. Die wusste schon Bescheid. Sie flennte sofort los. Die wusste, was ihr blühte. Der Stimme nach zu urteilen, war sie gut zehn Jahre alt. Erst nachdem ich das einige Male mit angehört hatte, begriff ich, was die beiden mit ihr machten.

Die folgenden Details häuslichen Missbrauchs scheinen uns weniger von Belang ( > P. S. ) als jener Zwang zum Zuhören , von welchem Bardamu / Céline im Folgenden Kunde gibt : Es handelt sich dabei um einen akustischen Sog der Gewalt , welcher einer des auditiven Dechiffrierens ist - ein verzweifelnder Versuch , des Unglaubliche und doch offenbar allgewaltig Banale zu verstehen . Eine Geisteshaltung , welche uns am ehesten mit dem englischen Begriff “to realize” zu bezeichnen wäre …. in etwa also ein Vergegenwärtigen , welches fundamental von den Erwartungshaltungen des Voyeurismus geschieden ist .

Ich versagte völlig. Ich konnte nichts unternehmen. Ich hörte nur einfach zu, wie sonst auch immer, überall. Aber ich glaube, es gab mir sozusagen Kraft, das anzuhören, Kraft zum Weitermachen, eine seltsame Kraft, und das nächste Mal, dann würde ich noch tiefer steigen können und Schmerzenslaute hören, die ich noch nicht gehört hatte, die ich mir bislang nicht vorstellen konnte, denn es ist, als würde es hinter dem, was man kennt, immer noch weitere Schmerzenslaute geben, die man noch nicht gehört und noch nicht verstanden hat.

Hier ist beileibe nicht “lediglich” vom ärztlich- sezierenden Bewusstsein des Chronisten die Rede : Einerseits bereitet dieses “vexierte Hinhören ” auf die unzähligen Fallgeschichten vor , welche Bardamu in diversen Wohnungs- und Familienhöllen antreffen wird . Zum Andern manifestiert sich hier ein Letzrest einer humanistischen Hoffnung auf “Verstehen” , ja , wenn nicht überhaupt der Idee eines “Dahinter” . Dass hinter all der Misere , Gewalt , Krankheit , Verderbtheit und Tod es doch noch eine Stimme , einen Sinn , ein irgendwie Integrierendes gäbe .

IV. BINNENROMAN DER HENROUILLES

Atget Eugène Die Bannmeile Bewohner der Bannmeile an der Porte d'ItalieZu den kompositorischen Eigenwilligkeiten Célines zählen nicht nur die atemberaubenden Raum- und Zeitsprünge , Anachronismen und sprachspielerisch böse kalauernd benannte fiktive Orte , sondern auch die Aggregierung mehrerer potenzieller Romane in einem einzigen . Die Geschichte der Familie Henrouille wäre ein solcher - unter anderen Umständen separat zu betrachtender - Binnenroman , welcher etwa Mitte des Buches anhebt und sich über die folgenden allerdings zunehmend unablösbar und fatal in Bardamus Geschichte verwebt .

Es würde zu weit führen , an dieser Stelle auf die anfänglich an so etwas wie Sympathie oder Mitleid appellierende Story von den Kleinen Leuten einzugehen , die ihr Leben lang brav und bieder an der Abzahlung ihres in die Pampa gesetzten Häuschens arbeiten , während ringsherum die Mietskasernen und Fabriken aus dem Boden schiessen .

Die wirkliche Katastrophe bahnt sich allerdings erst an , als nach der Abdienung der Hypothek die Energien des bislang bescheiden unauffälligen Ehepaars nicht mehr auf ein einziges Ziel konzentriert sind , sondern frei schweifen . Vom Versuch , die greise Schweigermutter in ein Heim abzuschieben bis hin zu einem fatalen Mordanschlag mit unerwünschten Konsequenzen bleibt fortan kein Auge trocken .

Dass hier ausgerechnet das rätselhafte Alter Ego Bardamus - eine Figur mit dem sprechenden Namen Robinson - hinein verwickelt wird , sein Augenlicht verliert , samt Schwiegermutter nach Toulouse abgeschoben wird , von wo der mittlerweile zum Heiratskandidaten mit wiederkehrender Sehkraft Avancierte später in die von Bardamu geleitete Irrenanstalt flieht … wird unsere Serie über diesen Monsterroman im nächsten ( und letzten Teil ) beschliessen .

V. FALLGESCHICHTEN : VOM ERZÄHLEN

Atget Eugène Interieurs Zimmer eines Arbeiters Rue de RomainvilleDie Wohnungen , in welche Bardamu alas Arzt gerufen wird , sie bieten im Grunde sämtlich das nämliche Bild . Kreischende , schreiende , ihr eigenes Leid beklagende Angehörige ( laute Céline : zumeist Weiber ) , die sämtliche Aufmerksamkeit fordern . Daneben der Kranke , das Kind , der Greis , in Agonie . Krank , so das Fazit , sind nicht die physiologisch Leidenden . Krank ist deren selbstsüchtige Umgebung , besessen von lautstarken Konvulsionen der Ego- Hysterie . Drastisch im Fall einer jungen Schönen , die nach dem soundsovielten Abtreibungsversuch in der elterlichen Wohnung buchstäblich verblutet , derweil sich die um den Familenruf besorgte Mutter in kreischendem Selbstmitleid ergeht .

Will meinen : Selbst angesichts der Leiber und ihres Leids handelt Bardamu / Céline immer wieder vom Sprechen und vom dem , was ( überhaupt ) zu reden wäre . “Man sollte sich da keine Illusionen machen”, wird notiert , ” die Leute haben einander nichts zu sagen, sie reden jeder nur über das eigene Leid, das ist nichts Neues” . Gleichwohl scheint im Reden , wird an anderer Stelle insinuiert , noch ein Residuum dessen zu schlummern , was man ebenso als “Hoffnung auf Mit- Teilung” bezeichnen könnte wie auch als eine Form von “Erlösung” :

So enden unsere Geheimnisse, wenn wir sie ins Freie entlassen, vor ein Publikum. Es gibt ins uns und auf der Erde und vielleicht auch im Himmel an Schrecklichem nur das, was noch nicht gesagt ist. Ruhig werden wir erst sein, wenn alles gesagt ist, ein für alle Mal, dann endlich werden wir schweigen und keine Angst mehr vorm Schweigen haben. Dann ists geschafft.

Als wäre das Gerede ein Fegefeuer der Unerlösten und dauerte ein Leben lang , ehe endlich ein Schweigen - DAS Schweigen - in Reichweite gelangt . Wie irdisch- physiologisch sich dieser quälende Vorgang des Redens ausnimmt , exemplifiziert Bardamus medizinischer Blick ausgerechnet am Close- Up auf das Sprechorgan eines Geistlichen , welcher Bardamu ein weiteres Mal dazu bereden will , endlich ein Attest für den Alterirrsinn der Mutter Henrouille auszustellen . Auf dass man das Weiblein endlich in ein Heim abschiebe .

Ich hatte mich an solcherlei genaue Beobachtungen gewöhnt, ich tat das sogar gern. Wenn man sich zum Beispiel mit der Art und Weise beschäftigte, wie die Wörter gebildet und hervorgebracht werden, brechen unsere Sätze unweigerlich unter der Scheusslichkeit ihrer sabbrigen Bühne entzwei. Der mechanische Aufwand, den wir für ein Gespräch treiben müssen, ist viel komplizierter und mühsamer als für die Ausscheidung. Dieser Kranz aus vorgestülptem Fleisch, der Mund, wie er da zuckt beim Pfeifen und Atmen, wie er sich anstellt, um allerlei schleimige Töne durch das stinkende, kariöse Gehege zu schaffen, die reinste Strafe!

Wenn Bardamu / Céline den BIOS auf solche Weise vor die sogenannte “Kultur” rückt - “schliesslich sind wir nichts als Säcke voll lauwarmer, halb verfaulter Innereien, und darum haben wir mit den Gefühlen immer so unsere Schwierigkeiten” - steht er dem physiologischen Blick des Arztes Gottfried Benn nicht sehr ferne “Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch” ….

Das Reden der “Irren” , welche Bardamu nach Aufgabe seiner Praxis und Zwischenstationen in einer TBC- Klinik sowie in einem Cabaret schliesslich in Vigny-sur-Seine betreut , ist von anderem Charakter . Die Selbstgenügsamkeit der geschlossenen Kopfkosmen produziert - ein Ausnahmefall in diesem sprachmächtigen Roman über den Ekel am “Gerede” - immerhin weder Lüge noch Aggression :

Wenn sie das taten [ Spazierengehen im Park des "Sanatoriums" , czz ] , hielten sie den Kopf so komisch auf den Schultern im Gleichgewicht, als hätten sie unablässig Angst, etwas von seinem Inhalt zu verschütten, falls sie stolpern sollten. Drinnen prallten jede Menge kuriose und hüpferische Dinge aneinander, an denen sie ganz fürchterlich hingen. Von diesen ihren geistigen Schätzen erzählten die Irren nur unter allerlei furchtsamen Verrenkungen oder mit herablassendem, gönenrhaftem Gebaren, in der Art hochmächtiger, buchstabengenauer Verwaltungsbeamter. Nicht für ein Königreich hätte man diese Leute aus ihren Köpfen rausbekommen. Ein Verrückter hat keine anderen Gedanken als jeder andere gewöhnliche Mensch auch, aber bei ihm sind sie sicher im Kopf eingesperrt. Die Welt dringt in diesen Kopf nicht vor, und das genügt.

Wer jetzt denkt , den “Irren” würde als einziger Instanz in diesem “Buch der Sümpfe” die Gnade einer gewissen “Reinheit” zuerkannt , wird auch dieses romantische Klischee verabschieden müssen . Denn der oben zitierte Absatz schliesst wie folgt :

So ein abgeschlossener Kopf wird wie ein See ohne Zufluss, ein grässlicher Gestank.

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KLANGAPPARAT

Bouge de là” : MC Solaars legendärer Track aus der 1991 herausgebrachten CD “Qui sème le vent récolte le tempo” scheint uns gar nicht so czz hörempfehlung schlecht zu Louis-Ferdinand Célines Vorstadt- Argot und Gossenszenen zu passen . Der Song , so viel sei verraten , beschliesst eine liquide gestimmte Mixstrecke von rund 45 Minuten : Das “Year Zero Mixtape” aus dem Hause XLR8R ( sprich : “accelerator” ) besticht - einmal wieder - durch Stil … und besteht durchwegs aus den 1993er Favoriten des Teams . Deshalb der nun schon zweite Auftritt der magazinalen Musikalien in Wochenfrist . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST & LISTEN |||

HINWEISE

related

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P. S. , 4. 5. : Selbstredend sind diese deutlichen Hinweise auf familiäre Gewalt mitnichten ohne Belang : Man mag sie in diesen Tagen der weltweiten Erregung über die österreichischen “Bunker”- bzw. “Kellerfälle” als historische Indizien für den alltäglichen Missbrauch zur Kenntnis nehmen . Schon Céline räumt kräftig mit der Ideologie der heilen Familie auf . Die im trauten Heim vollzogene Schändung des “Fleischs von meinem Fleisch” - von der FAS als aktuelles Zeitzeichen für die “Privatisierung der Hölle” interpretiert - : nicht nur in dieses Werk der Weltliteratur ist sie seit langem eingeschrieben .

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Salon Littéraire | Michael Hammerschmid : wenn es so wäre



Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Michael Hammerschmid :

wenn es so wäre

 

du_schlucht_schreiber_copyright_Michael Hammerschmid

 

( zeichnung : der schlucht schreiber )

 

wenn es so wäre, dass das einzige, was man hat, wenn man nichts hat,

die zeit ist, die man dennoch nie hat, und gerade dann, wenn man sie

am wenigsten hat, sich erfinden kann, wäre es also besser so,

keine geregelten tage zu haben, auch wenn man sich die arbeit hätte vorstellen können,

wären da nicht die träume gewesen, die einen nach langen wanderungen

am grat der ungewissheit endlich wieder hinauslotsten, wo man lieber

wie fallend lebt, wer weiß warum. abendlich müde, wach.

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Michael Hammerschmid

geboren am 23. 10. 1972 in Salzburg . Studium der Deutschen Philologie und Theaterwissenschaft in Wien . Promotion zu Johann Karl Wezels skeptischer Poetik . Forschungsarbeit zum Werk Ernst Jandls . Seit 2001 Hörspiele , Gedichte , Liedtexte und Prosa , eine Übersetzung sowie verschiedene essayistische und wissenschaftliche Publikationen zur Literatur .

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Buchpublikationen

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Radiophonie | Hörspiele

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CD

  • Nicky Swing and The Slaves of Beauty : Fahnenrauch ( lyrics , keyboards ) - 2002

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Texte im Netz

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Links

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RADIO | JELINEK | REMIX : Making Of



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Wie wir in|ad|ae|qu|at in den Strudel der bewegten Bilder gerieten , war gestern Thema . Heute verlieren wir vollends die Unschuld und landen in der Tautologie . Dazwischen servieren wir das kurze Protokoll einer allmählichen Verfertigung von animierter Typographie beim Schrift- Bilden . Kurz : What was VIDEO and NOW became pure pixel- ANIMATION .

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KADER @ VEGAS

Schrift- Tafeln - so die Erkenntnis beim Erstellen des 40- Minuten Videos EINATMEN - AUSATMEN | Elfriede Jelinek in Figuren Der Radiophonie - eignen sich zum Erstellen von Footage : Statische Kader in Reihung und allmählicher Transformation via ( Über- ) Blendung .

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Zwichentitel 04 Radio Apparat

So weit , so Sony VEGAS : Hier geht es zunächst um Synchronisierung von Bildspuren zur vorher gemischten Tonspur . Standbilder . Leerbilder, Blendbilder .

vegas screenshot

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STATIK @ VEGAS

Wie Exempel zeigt : Der Faktor “Zeit” spielt hier in seiner schieren Erstreckung eine entscheidende Rolle . Die visuell spartanische Index- Ästhetik von “Schrifttafeln” zur Tonspur bleibt dem literarischen Wort als einer statischen Entität verhaftet . Gutenberg- Galaxis pur : Video und Index sollten - so die Präsupposition - dem besseren Verständnis der und Konzentration auf die Tonspur dienen . Text also kurz aufblenden , abblenden . Leere Frames . Von Betrachtern nicht notwendig im Sinne von Quellentreue oder medien- und diskurshistorischem Nachweis verstanden , sondern oft sogar im Sinne einer Schriftinstallation in der Tradition der Konkreten Poesie .

EINATMEN - AUSATMEN | EXZERPT


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DYNAMIK WANTED

Aber so ist es nun einmal . Only by doing you modify your preconceived notions . Ausserdem war da die verhängnisvolle Begegnung mit den Typographischen Animationen der Young- Hae Chang Heavy Industries : Präzises Timing , optischer Impact . Oder : Wie die Buchstaben laufen lernten . Einzeln . Womit wir bei einem entscheidenden Punkt anlangen : Die Einheit von “Satz” und “Wort” löst sich auf in eine Anzahl von Buchstaben , welche wie Einzelobjekte zu “bearbeiten” sind . Wirkungsästhetisch gedreht : Die Buchstaben entwickeln Eigendynamik , characters mit Charakter , Typen mit individuellen behaviours , paths & attributes . Enter the Cosm of Adobe After Effects . |||

jelinek screen tapete toolbars-1

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KEY FRAMES @ AFTER EFFECTS

Nun kreiert man ab ovo , d. h. von Pixel auf . Was in dieser harten Form natürlich insofern nicht ganz zutreffend ist , als das Programm ja 150 verschiedene Fonts anbietet . Und natürlich 10 mal so viele prefab- Effekte wie BLOCK DISSOLVE , MOTION TILE , TEXT BOUNCE , LOOPY LOOP … Allerdings - und Jeder , der einmal mit Photoshop gearbeitet hat , kennt das Problem , dass es fast einfacher ist , ein Zeichen selbst zu kreieren , als auch nur ein Hundertstel der Presets adaequat zu applizieren .

Aber zeichne mal was from the scratch mittels Bézier- Kurve ! - Anyway : Mit der Verformung von Fonts lässt sich schon ganz gut anfangen . Weiters - und jetzt wird’s heikel - : Den verschiedenen Sprecherstimmen und -positionen werden spezifische Fonts zugeordnet . Warum “heikel” : Eine eher intuitive Angelegenheit . Kulturspezifisch und persönlich determinierte Assoziationsfelder zu bestimmten Schrifttypen , etc . However , that’s our choice :

  • Elfriede Jelinek = OCR A STD 72 , weiss

  • Klischees & Zuschreibungen = Forte 96

  • Paratexte = Century Gothic Bold

  • Sprecherin czz = Courier New Bold Rot 48 - Position Fusszeile

  • Gelbe French Script MT 128 ( “Tapete” , Banderole “Klavierspielerin” )

  • Gelb ist gleichzeitig die “redaktionelle” Farbe : Kommentar , Blende , Morphing .

österreich pfad

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ANIMATION

Die Animation von Zeichen erfolgt entlang von frei bestimmbaren Pfaden ( paths ) . Gleichzeitig wirken Effekte wie TYPE IN , CARD WIPE , AUTO SCROLL HORIZONTAL auf diese Animationen ein . Dabei kann jeder einzelne Effekt wiederum durch zahllose modulierbare Parameter ( expressions ) gesteuert werden . You may get lost in all those sub- menues and hidden entry- fields .

Only by doing you modify your preconceived notions . Die Animation von Schrift- Zeichen unterliegt derselben Versuchung durch die Mimesis wie jede andere Gestaltungsform . Harte Farben an “harten” Schnitten ( gelb ) , Fülliger Fünfziger- Jahre- Font für gefühlige Österreich- Klischees , Blau für “neutrale” Piktogramme .

zierleiste pfad

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TAUTOLOGIE ?

Im Reich der Zeichen , bemerken wir - in der Rolle der Roten Courier - ist Unschuld eben nicht zu haben . Sie verlässt uns nie , die Tautologie .

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KLANGAPPARAT

Quer durch elektronische Zeiten und archaische Räume geschallt : Dem aus den melancholischen Weiten von Mama Russia ins britische Oxfordshire emigrierten Ainm aka Ilya Kovalev sind die Bleeps der Spielkonsolen gleich unmittelbar wie die Permafrost- Trance . Wer wüssteczz hörempfehlung dies besser als seine Electronica- Landsleute vom russischen ElectroSound- Netlabel : Places and Names ( es37 ) wirft charismatische Leuchtfeuer aus dem Irgendwo … inklusive - wir bleiben beim Thema - animalisch- mimetischer Solmisation . Optima Thule eben . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Charlemagne’s Palestine | 02. A Song of Pilgrimage | 03. Bethania | 04. Tagerrhabat | 05. Byzantine Electricity | 06. Optima Thule |||