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Blog 4 Burma : Betroffenheits- PorNo ( Amstetten - Burma - Schwarzer )



||| I. DAS AMSTETTEN- BURMA- KAMPUSCH- ABC | II. ALICE IN BURMA UND MÄNNLICHE MAULSCHELLEN | III. BLOG 4 BURMA | IV. LINKS

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Im journalistischen Ringen um Superlative , was das Beschwören der humanitären und politischen Katastrophe in Burma betrifft - speziell nach dem Zyklon “Nargis” - , standen argumentative und metaphorische Entgleisungen förmlich auf der Einkaufsliste des Unvermeidlichen . Wobei dies freilich nicht nur für die Mainstream- Medien galt und gilt , wo Alice Schwarzers anti- imperialistisches Gejammere ihr prompt mehrere - männlich geführte Maulschellen ( Matussek und Folgen ) - eintrug , sondern auch für gewisse Blogs , die sich zum Vergleich mit anderen Ungeheuerlichkeiten hergaben . Resultat einer - wir betonen : freiwiliigen - Logorrhoe , wie sie Aufsehen erregende Inzidenzien stets hervorzurufen pflegen .

Wir haben diese unsägliche Dynamik des Meldens , Meinens und Vermutens in unserem vorigen Beitrag zum Thema “Burma” behandelt und die Konsequenz gezogen , in|ad|ae|qu|at für’s Erste einmal nicht weiter mitzusingen in der internationalen Kakophonie . Zu welchen Extremen selbige führt , sei an zwei Beispielen demonstriert .

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I. DAS AMSTETTEN- BURMA- KAMPUSCH- ABC

Burma Prison Art copyright Harn Lay at The IrrawaddyNachdem die Nachricht von den offenbar allzu österreichischen Manns- Volksbräuchen , sich Sex- und exploitation- Objekte in Verliesen unter Tag heranzuziehen mit dem “Fall Amstetten” ( und dem dadurch noch einmal durchlauf- erhitzten “Fall Kampusch” ) um die Welt gegangen war , sah sich das unter hoher akademischer Patronanz stehende Blog “BURMA DIGEST” dazu veranlasst , Parallelen zu ziehen zur zynischen Leibeigenschaft , in welcher die Entourage des Generalissimus Than Shwe eine ganze Bevölkerung hält .

What To Do About The Monsters Joseph Fritzl & Than Shwe” fragt man in polemischer Absicht , referiert die österreichischen Fälle unter besonderer Betonung der angeblichen Unwissenheit der je unmittelbaren lokalen und sozialen Umgebung der mutmasslichen Täter Fritzl und Prikopil :

Incredibly, Frau Fritzl and the neighbors never realized the truth until then. …. People shudder and shake their heads as to what to do about such monsters in their midst.

In bildlicher Parallelisierung des “73 year-old Austrian Monster Joseph Fritzl” sowie des “75 year-old Burmese MONSTER Than Shwe” werden die offensichtlichen Macht- und Kontroll- Freaks zu Vertretern ein und derselben Generation , welche sich - sei’s in Mitteleuropa , sei’s in Südostasien - ohne höhere Schulbildung während der Nachkriegszeit ihrerer respektiven Länder zu Popanzen emporgearbeitet haben . Gewürzt mit ein paar faschistischen Allusionen ( Österreich selbstredend sowie die von den während des Weltkriegs durch ihre besondere Brutaltiät notorischen japanischen Sonderkommandoos geschulten burmesischen Generäle ) verdickt sich die “argumentative” Suppe rasch zu einem “Burmese Hitler” .

Ein Schuft , wer sich da nicht erinnert fühlt an Hans Magnus Enzensbergers fatalen Vergleich Saddam Husseins mit Adolf Hitler im Februar 1991 …. und wie Günther Nenning den deutschen Parade- Intellktuellen postwendend in der ZEIT als “Ajatollah des Westens ” titulierte .

In sämtlichen Fällen , so das Totschlag- Argument , handelt es sich um offensichtlich und offensiv falsch verstandene Vaterbilder ( und damit Gottesbilder ) : Der “Father Allmighty” als schlechtest möglicher Hirte der ihm anvertrauten Herde von Kindern , Völkern , Populationen .

…. consider all the people in Burma being mistreated by this Burmese Fritzl. There are not only the Burmese people, but also the ethnic Karens, Karennis, Kachins, Chins, Shans, Mons, Arakans and many more subgroups. ( …. ) The Austrian Fritzl abused his children but in the end allowed them to go to hospital for much needed help. The Burmese Fritzl, in contrast, abuses 54 million national children and refuses to permit any outside help for fear he will be arrested like Fritzl.

Indem die “Befreiung” der Fritzl- Tochter und das Eingreifen der Polizei kontrastiert wird mit der Ignoranz- und Defensivpolitik von Burmas ASEAN- Nachbarn gelangt die Polemik zu ihrer Pointe :

To Frau Fritzl and her neighbors, do not blame yourselves. You did not take part in the rape of the Fritzl children nor did you exploit them like pimps, hiring them to others. Think of the case of Burma where the neighboring countries DO know what is going on and yet for the past 20 years since the Nationwide Uprisings of 8-8-88, they have been aiding and abetting the Burmese Fritzl in return for economic gain. Thus, these neighors deserve to be called sons of A BITCH (ASEAN, Bengla, India, Thai, CHina) .

Gut , wird man einwenden , ein roher Klotz verdient nichts Anderes als einen rohen Hammer . Dass dieser “Aufruf zum Hinschauen” auf das , was in Burma geschieht , unter der Rubrik “Cartoons & Humour” figuriert , wird Manchen wundernehmen .

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II. ALICE IN BURMA UND MÄNNLICHE MAULSCHELLEN

alice schwarzer BILD kampagneKollege “Birma news united” hat den Kasus um Alice Schwarzers plötzlichen Aktionismus hinsichtlich der Rückeroberung des EMMA- Territoriums durch den Hinauswurf der nur zwei Monate zuvor als Chefredakteurin eingesetzten Lisa Ortgies trefflich in Zusammenhang gebracht mit der folgenreichen Burma- Kolumne der frisch gekürten Ludwig- Börne- Preisträgerin in der FAZ . Gleichwohl sei hier ein weiterer , in|ad|ae|qu|at|er Blick auf die weiblichen | männlichen Argumentations- und Reaktionsmuster geworfen .

Im Februar hatte die FAZ der Verleihung des Ludwig- Börne- Preises an Alice Schwarzer eine vergleichsweise breite Coverage eingeräumt : Schon dem Titel des entsprechenden Artikels mag man entnehmen , dass dies ohne Harald Schmidts Laudatio nicht der redaktionelle Fall gewesen wäre : Harald Schmidt ehrt das Sturmgeschütz Schwarzer . Nachdem Schwarzer im Juli 2007 in voller Montur des Slogans “JEDE WAHRHEIT BRAUCHT EINE MUTIGE, DIE SIE AUSSPRICHT” ausgerechnet für eine Kampagne des Boulevard- und Busenblatts BILD posiert hatte , sodann die doktrinäre EMMA der Töchtergeneration erst anvertraute , um sie dieser sofort wieder zu entreissen , schien es der FAZ offenbar angezeigt , der Feministin grossformatigen Raum zur freiwilligen Selbstdemontage zu gewähren .

In ihrem malerisch- gefühlvollen Essay “Warum Burma echte Freunde braucht” erfüllt Frau Schwarzer am 1. 6. in der FAz nicht nur jedes denkliche Klischee eines anderen , für die echten Menschen und deren einfaches Leben sensiblen Reisens , sondern plädiert im ZK- Ton eines mumifizierten Anti- Imperialismus , eine Erneuerung könne in Burma nur von innen heraus und durch echte ( vulgo die autochthone Kultur achtsam respektierende ) Beihelfer geschehen :

Versteht sich, dass das kleine Myanmar schon längst vom mächtigen Westen im Namen der Menschenrechte und Demokratie “befreit“ worden wäre, würde das mächtige China nicht die Faust darüber halten (und so ungestört in die eigene Tasche wirtschaften). Denn das alles ist ja weniger eine Frage der Moral, sondern mehr eine Frage der Macht.

Doch kein Vertun: Wäre ich Burmesin, ich würde selbstverständlich zur Opposition gehören und hoffen, dass diese alten Knochen so bald als möglich verschwinden! Dass das Land endlich aus seiner Erstarrung erwachen und durchatmen darf. Aber ebenso sicher wäre ich - wie fast alle, mit denen ich gesprochan den folgenden Tgen en habe - strikt gegen jegliche westliche Intervention und für die Bestärkung der innerburmesischen Kräfte für Erneuerung.

Normalerweise wäre es die Aufgabe einer sorglichen Redaktion , selbst Gastautoren vor deren eigenem Hang zur Selbstdemontage zu bewahren . Ein paar Mails , ein Telefonat , sanfte Änderungsvorschläge . Was auch immer hinter den Kulissen abgelaufen sein mag : Wie sehr man Schwarzer in das offene Messer des Skandals - noch schlimmer aber : dasjenige der Lächerlichkeit - laufen liess , erwiesen die an den Folgetagen nachgesandten relativierenden Artikel der eingesessenen Redakteure Michael Hanfeld ( Das grösste Übel , 3. 6. ) , Alexander Marguier ( Die Plattmacherin , 7. 6. ) und den Korrespondenten Jochen Buchsteiner ( Welche Hilfe für Burma ? , 7. 6. ) - Angesichts dieser gesammelten Anwürfe der Weltfremdheit , des Dogmatismus sowie der Vernachlässigung der journalistischen Sorgfaltspflicht hätte es der eilend- ätzenden Replik des Matthias Matussek ( Alice im Wunderland | Gefühliger Kitsch der Armutsverherrlichung , SpOn , 1. 6. ) kaum mehr bedurft .

So folgt denn - neben Zurechtweisung und Belehrung - Bekenntnis auf Bekenntnis . Wobei Matussek nicht minder subjektiv “menschelt” als Schwarzer , welcher er eben dieses gefühlige Stilmittel vorwirft :

Auch ich habe die schwimmenden Märkte auf dem Inle-See bepaddelt und natürlich habe ich mir auch die Pagoden-Landschaft des “mythischen Pagan” nicht entgehen lassen. Burma ist schön, aber ich habe gelitten darunter, dass Familienväter gezwungen waren, mich anzubetteln, und dass sie immer erst dreimal über die Schulter schauten, bevor sie sich dazu durchrangen. Und ich fand es ekelhaft, wie sich jeder kleine Uniformierte mit Schlagstock spreizte und die Angst genoss, die er auslöste.

Nein, mir ist nicht aufgefallen, dass im rauen Norden “die Menschen nicht so goldhäutig und heiter sind wie im Süden”, da haben Sie wohl einfach genauer hingeschaut. Aber schon damals, tatsächlich, waren alle “angefixt von den Kyats und Kugelschreiber verteilenden Touristen”.

Ich würde allerdings nicht zynisch von “anfixen” reden. Ist derjenige, der einen Kugelschreiber benötigt, suchtkrank? Ist es nicht einfach ein Skandal, dass der Lametta-behängte Schieberhaufen, der das Land aussaugt, noch nicht mal für Schreibgeräte sorgen kann, mit denen Ärzte ihre Rezepte, Kaufleute ihre Listen, Kinder ihre Hausaufgaben notieren können ?

Es hätte eines zwei Tage später willig nachwassernden Spiegel- Résumées von Thorsten Dörting ( Schwarzers Burma- Missgriff : “Verantwortungslose Polemik” , SpOn , 3. 6. ) kaum mehr bedurft , um das Mass der unter männlichem “Mitleid” nur unzureichend verdeckten Desavouierung einer erfahrenen Publizistin voll zu machen : Sekundiert von den erwartbar hämischen Belgeitmusik der SZ ( Stefan Klein : Sind so liebe Wasserbüffel , 3. 6. ) hat hier ein konzertierter Missbrauch des Themas “Burma” stattgefunden , um eine wegen “Urlaub” voraussehbar abwesnede und deshalb nur eingeschränkt satisfaktionsfähige Gegnerin gründlich zu demontieren . Was nicht heisst , dass wir in|ad|ae|qu|at nicht etwa entsetzt gewesen wären vom Courths-Mahler- Stil , in welchem Schwarzer “Authentizität” , “Betroffenheit” und abstruse politische Konzepte unrein vergor .

Die Frage wäre nur : Ist diese Selbstdemontage aus freien Stücken geschehen oder hat man den längst fälligen Esel absichtlich auf Eis geführt ? - Interessant , dass es - im Tages- Anzeiger ( Simone Meier ) wie in der SZ ( Cathrin Kahlweit ) - ausschliesslich Frauen sind , die diesen Hang zur “Selbstdemonatage” in einem weiter gefassten Kontext reflektieren .
Edit : AFi macht uns eben auf Ulrike Baureithels bemerkenswerten Essay über das “System Schwarzer” in der “woz” ( ! ) aufmerksam . Take this quote and go for it [ womit wir uns freilich schon ein ziemliches Stück weit vom ursprünglichen Thema dieses Beitrags entfernen : es lebe die Abschweifung ! ] :

Hätte die nun mit Heuchlertränen begleitete Lisa Ortgies ein bisschen in den Archiven gewühlt, wäre sie auf einen offenen Brief aus dem Jahre 1980 gestossen, in dem 32 ehemalige Mitarbeiterinnen der «Emma», darunter Christina von Braun, Christiane Ensslin, Claudia Pinl und Cillie Rentmeis­ter, Alice Schwarzer «Respektlosigkeit» gegenüber der Arbeit ihrer Kolleginnen, Selbstherrlichkeit und Dogmatismus vorwarfen. ( …. ) Aber Alice Schwarzer ist eben mehr als irgendeine ziemlich unangenehme Chefin, mehr als eine nach «männlicher» Räson operierende Unternehmerin und mehr als eine fragwürdig urteilende Journalistin - Alice Schwarzer ist das Synonym für Feminismus made in Germany, und gäbe es so etwas für politische Marken, müsste hinter ihrem Namen das eingetragene Warenzeichen erscheinen.

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III. BLOG 4 BURMA

Während der publizistischen Kakophonie der einander überbietenden Daten , Dokumente und Dossiers in Folge des Zyklons “Nargis” ( Videos @ Daburna ) sowie der paranoiden Abwehr “westlicher” Katastrophenhilfe durch das Regime ist das Netzwerk “Blog 4 Burma” ein wenig leiser getreten : Es bedarf keiner Kopisten dessen , was in den Schlagzeilen steht . Den Bloggern aus Deutschland , Frankrecih , Spanien , aus der Schweiz und Österreich ist es eher darum zu tun , den wechselnden Moden der Berichterstattung zum Trotz standzuhalten und kontinuierlich über verschiedene Aspekte der Kultur und Politik - nicht zulezt aber auch über die Diskurse , welche in den Mainstream Media gerade kursieren - zu berichten . So erörtert Kathy die Möglichkeiten , Than Shwe wegen “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” anzuklagen .

Kathy ( en francais ) , Birmania libre ( in spanischer Sprache ) und Jonas Lanter ( auf Deutsch ) erinnern an den Geburtstag der ( noch immer unter Hausarrest stehehnden ) Dissidentin Aung San Suu Kyi am 19. Juni ( 1945 ) . Birma News united hat ein Portrait der regierungskritischen Zeitung “The Irrawaddy” in der ARD- Mediathek entdeckt sowie einen ersten Überblick über das Diskursdrama um “Alice in Burma ” zusammengestellt .

Khaipi berichtet die Verhinderung des freien Webverkehrs in seiner Heimat durch die Unterbindung von von Proxy-Servern ( leider derzeit nicht erreichbar ) , adaequat erwägt die Optionen unpolitischer Hilfe bzw. einer Humanitären Intervention . Zur Erinnerung : Breaking News über “92% Zustimmung für Verfassung nach Referendum im DDR-Style ” .

Olivier sammelt getreulich Links , Tag für Tag , und das seit fast sieben Monaten ( The real disaster in Burma , Le Myanmar prend des mesures préventives contre les catastrophes naturelles , Foreign Doctors Leave Cyclone-hit Burma en partie … ) . Und das Alles frei Haus per RSS- Feed .

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IV. LINKS

I.

II.

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related articles @ in|ad|ae|qu|at

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Dauernd Frauen empowern



||| DAUERND FRAUEN EMPOWERN | NETGLEICHE | “FEMINISTISCHES PARADIES” | HANG ZUM PRIVATEN | “TRISTESSE D” VS US- LAND OF THE FREE | RIVVA und “WENN FRAUEN BEIM KACKEN IM NETZ SURFEN” | AUCH FRAUEN KAKOFONIEREN | KLANGAPPARAT | LINKS + ANMERKUNGEN

DAUERND FRAUEN EMPOWERN

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrIst es ein Komödie , ist es eine Tragödie , dass Frauen offenbar dauernd empowered werden müssen . Der am Doppel-X- Chromosom von Bloggern orientierte Blogine- Award 2007 sorgte im Mai für breites Gekreische beiderlei Geschlechts und diskreditierte sich zuletzt mit einem very unladylike Hickhack zwischen den Bestplatzierten . Selbstredend war dem Finale das übliche Stimmenheischen von Public Votings voran gegangen . Auf’s Offensichtlichste hat sich die ganze Angelegenheit selbst diskreditiert.

Aber siehe : Da tritt die taz jüngst mutig vor die bloggende Leser- und Männerwelt hin und votiert : Für mehr Frauen Power im Netz : Blogs statt Bikinibilder. Wau ! - Dass es der Autorin Meredith Haff am 7. Februar eventuell nicht lediglich um die Blogweltbverbesserung an und für sich ging , sondern auch um ein Stück Preview- PR für ihr in Co- Autorinnenschaft mit Susanne Klingner und Barbara Streidl verfasstes und im März bei Hoffmann und Campe angekündigtes Buch Wir Alphamädchen - Warum Feminismus das Leben schöner macht ging , darf angenommen werden . Zitat Verlagstext :

Cool, schlau, schön – das sind die neuen Feministinnen. Sie wollen alles: Kinder und Karriere, Intellekt und Sex, Verantwortung und Freiheit. Nicht die Männer sind ihre Feinde, sondern die ungerechten gesellschaftlichen Strukturen; und die gilt es zu bekämpfen – mit den Männern. |||

NETGLEICHE

Haffs Thesen zu Nutzen und Vorteil von Frauenblogs starten mit der ( an und für sich fragwürdigen ) Behauptung “Nirgendwo ist die Chance auf Gleichberechtigung so gross wie im Internet” , um daraus den feministischen Imperativ abzuleiten : “In Deutschland müssen Frauen endlich damit anfangen, sie auch wirklich zu nutzen.”

In der extended version liest sich das wie folgt :

Das Internet gehört zu den wenigen Sphären, in denen sich Frauen und Männer theoretisch gleichberechtigt aufhalten können. Die körperlichen Verhältnisse - Formen, Kraft, Stimmlage - die in der Realität zu einer Aufteilung und Gegenüberstellung der Geschlechter führen, treten in den Hintergrund. Jeder kann heute auf einer virtuellen Ebene seine Geschlechtszugehörigkeit und auch andere Aspekte seiner Identität beliebig ändern, ohne dass es irgendwer bemerken würde. Strukturelle Diskriminierung findet im Netz bisher kaum statt. Die Machtverhältnisse dort sind bei weitem nicht so stark gefestigt wie in Wirtschaft oder Politik. |||

“FEMINISTISCHES PARADIES”

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrUnter Umständen der etwa Gender- paritätischen User- Verteilung , begünstigt durch technisch niedrigschwellige und geschlechtsneutrale Social Network Services ( MySpace, Facebook , StudiVZ ) wäre , so Haff , “eine besonders individuelle und autonome Selbstdarstellung” von Frauen möglich . Frau träumt gar von einer Art “feministisch- gleichberechtigtem Paradies” .

Aber ach : Die Mädels stellen sich auf den einschlägigen Seiten lediglich in ihrer “Sexyhaftigkeit” dar :

Bikinibilder, Dirndldekolletés und massig Hüftknochen, Knackärsche und Schulterblätter füllen die Fotoalben der Netzwerknutzerinnen.

Nicht jede verfügt eben über die ( PR- ) Power einer Madonna Ciccone , welche die medial gängige “Sexual Persona” ( Camilla Paglia , Anm. 1 ) in den 90er Jahren sowohl bestätigte als auch gleichzeitig über- und damit hintertrieb . Was können und mögen die Jahrgänge 80+ wohl noch von solchen dekonstruktivistischen Gender- Konzepten wissen ? - Es sei ihnen unbenommen , ihre eigenen Subversionen ( wieder ) oder neu zu erfinden . |||

HANG ZUM PRIVATEN

Blogmässig bleibt alltagspraktisch realexistierend allerdings die Sprech- , Schreib- und Posting- Situation des Privaten . Und die ist selten Blogchart- fähig . eben - und jetzt folgt der zweite Streich - Frauen anders schreiben . Kommt Ihnen eventuell bekannt vor , das Stereotyp von den “female soft & social topics” vs. “male facts & figures” ? - Die Fakten des sozio- kulturellen Lebens werden unerschrocken bei deren Namen genannt :

Frauen und Männer bloggen unterschiedlich. Männer verbreiten im Netz Nachrichten und persönlichen Auslassungen zu Themen wie Politik, Technik, Wirtschaft oder Sport. Frauen tendieren zu Themen, die nach traditionellem Verständnis eher im geheimen Tagebuch oder im Gespräch mit Freunden verhandelt werden: Gefühle, Gesundheit, Haushalt, meist aus einer persönlichen Perspektive. Klar ist das auch wichtig - aber der Informationswert für die Allgemeinheit ist da recht begrenzt. Es gibt keine Geschlechterdichotomie der Interessen. Frauen interessieren sich genau so für Politik oder Ökologie wie Männer und sind in gesellschaftlichen Bereichen ebenso engagiert wie diese. Trotzdem zeigen sie das kaum. |||

“TRISTESSE D” VS US- LAND OF THE FREE

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrDer Vergleich mit der amerikanischen Szene - allen voran das Schlachtschiff von Arianas HUFFINGTON POST - sowie rundherum alle möglichen genderpolitisch orientierten Netzwerke ( WIMN’s Voices , Feministe , the f- blog , bitch Ph. D. ) hinkt . Und das gewaltig : Just der Blick auf Rivva demonstriert ja augenfällig , wie wenig selbständig die deutsche Blogosphäre zu denken und schreiben gewillt ist . Wie das Ringen um Klicks , Aufmerksamkeit und Traffic fundamental verschieden ist zu einer subjektzentrierten , allenfalls kommunitaristischen bzw. neighbourhood- oder grass- roots Mentalität .

Allerdings , und dies sei nur nebenbei bemerkt , wackeln auch in der US- Blogosphäre althergebrachte Clichés : Are Men Really More Competitive Than Women ? fragte Melissa Lafsky kürzlich im NYT- Blog Freakonomics . |||

RIVVA und “WENN FRAUEN BEIM KACKEN IM NETZ SURFEN”

Bezüglich der Bloglandschaft KENNZEICHEN D erklingen mittlerweile lesenswerte kritische Stimmen , welche am Beispiel des ehrenwerten News- Aggregators RIVVA den Hang der deutschen Blogospäre zur freiwilligen Selbstgleichschaltung diagnostizieren . Die sich daran knüpfende und in bemerkenswert kultiviertem Ton geführte Diskussion darf da als Fortschritt  gewertet werden ( Anm. 2 ) . Allerdings sind es durchwegs Männer , die sich an die Kommentarschwänze hängen .

Dies trifft in bemerkenswerter Weise zu auf das von Herren lancierte Damen- Portal Nouvelles ( Treiss @ turi ) : “Hallo , liebe Gründer ( ja, nicht Gründerinnen )” begrüsst Anke Groener die neue Business- Idee das frauliche Anliegen des freshmen- Mediums , um mit dem Hinweis auf die gute alte Emma und einem Satz zu schliessen , welcher weite Web- Karriere machen wird :

Kleiner Tipp: Das gibt’s schon. Nennt sich EMMA und macht das seit 30 Jahren. Und zwar ohne magere Blondinen auf dem Klo zu zeigen, die beim Kacken im Netz surfen.

Was der letzte Halbsatz bei männlichen Bloggern ausgelöst hat , lässt sich via Rivva in Text ( beim Weiter- Klicken auch im Bild ) nachvollziehen . |||

AUCH FRAUEN KAKOFONIEREN

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrAuch eine bekannte Blog- Publizistin wie Mercedes Bunz leistet mit ihren Modemagazin- Charts dem Image der Frau als Vernunftwesen einen Bärendienst . - Ja , darf die denn das ? - Einfach auf Fun und Satisfaktion zu machen ? -

Also kehren wir noch noch ein letztes Mal zurück zur push- up- Aufgeregtheit einer Meredith Haff : “Weibliches Bloggen” muss ja nicht notwendig das Geschlecht als Fahne vor sich her schwenken , um eventuell sogar interessanten , wenn nicht gar relevanten Content zu generieren . Und kann durchaus Feminismus drin sein , auch wenn selbiger nicht auf der Bedienungsanleitung steht . Schön , dass es Plastikmaedchen , Maedchenblog , Genderblog gibt . Oder die Maedchenmannschaft von Haff- Co- Autorin Susanne Klinger . Weiters Anjas Blog: “Lesen statt Putzen” , FRAU MACHT ZUKUNFT u. s. f.

Also Pardon , und bitte ohne Jammerton , sei die bescheidene Frage gestattet : Warum sollten Frauen nicht als ganz normale Netizens über Alles und Fälliges berichten ? - Frau wird sich nicht gleich auf die Schamlippen getreten fühlen müssen , wenn sie ihren Part zur Kakofonie von Inhalten ( Anm. 3 ) beiträgt , eventuell manches skeptische Wort hizufügt und dafür nicht sofort einen Sonderpreis für “Produktionen aus geschützter Werkstätte” beansprucht ? |||

KLANGAPPARAT

Nuur keine falsche Harmonieversprechen gibt DJ Subppilot ( MySpace ) ab , wenn er uns durch sein mit vielerleit Beats und Sound- Scherbenczz hörempfehlung gespicktes knapp einstündiges Mix schickt . Gleichwohl bleibt das LIGHT AT THE END OF THE TUNNEL stets sichtbar , denn der gute in Mailand geborene und in Stockholm lebende Mann weisss offenbar , wo und wie er seine Hörerinnen haben will. Also : Den Dienstags- Speed um ein paar Takte hinaufschrauben und einen o(h)rdentlich sportlichen Gang einlegen . Vorbild natürlich Ritchie Hawtin . CLICK LOOPZILLA TO LISTEN ( TT : 58:27 ) . |||

LINKS + ANMERKUNGEN

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