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Bachmannpreis 2009 - Nachand 1 Nachschrift



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NACHAND NOCH EINMAL : SO SEHEN SIEGER AUS

Nachdem wir die Preisträger des Ingeborg- Bachmann- Wettbwerbs bereits gestern der in|ad|ae|qu|aten MITSCHRIFT angefügt haben , kann deren Wiederholung nun auch im Nachhinein nicht schaden . Lange hat es gedauert , bis für die diversen Preise absolunte Stimmenmehrheiten erzielt werden konnten , aber nachand - ein Austriazismus für nachher , schliesslich - hatte man eine gediegene Truppe an Preistragenden beisammen .

Und damit einen Cluster eher mänllicher , eher realistischer Erzähformen , deren mehr oder weniger offen liegender Erzählmotor betrieben wird mit dem Sprit von Krisen , sämtlich ins Private gekrempelt . Auffallend und für die betroffene Gebietskörperschaft höchst frustrierend : kein noch so klitzekleines österreiches Prosastückerl hat es aufs Podest geschaft -

Ingeborg- Bachmann- Preis 2009 an Jens PetersensBis dass der Tod” - Jury im 2. Durchgang 5 : 2

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NACHAND NOCH EINMAL : PRESSE ORTET EINE REVANCHE FÜR CÓRDOBA ‘78

Dass der gastgebende Literaturweltmeister ( Selbsteinschätzung ) keinen Preis erringen konnte , wird selbstredend von den österreichischen Medien als schmerzlich vermerkt . Indes sparen auch deutsche und schweizerische Kommentare nicht mit der Registierung lokaler , regionaler bzw. nationaler Auszeichnung . So vermerkt der für Spiegel Online adaptierte Agenturbericht , dass lediglich mit dem Sieger Jens Petersen aus Pinneberg / Hamburg ein “Restdeutscher” geehrt wurde :

Die anderen Preise, die am Sonntag im Rahmen der Bachmann-Lesungen verliehen wurden, gingen allesamt nach Berlin. ( SpOn )

Ein klein wenig anders rahmt die aus derselben Agenturmeldung gespeiste Darstellung der WELT das Siegerbild :

Alle fünf im Rahmen der 33. Klagenfurter Tage der deutschsprachigen Literatur vergebenen Preise gingen in diesem Jahr an Deutsche. ( DIE WELT )

Dass mit dem Ausstechen der traditionell am Sprachspiel oientierten österreichischen Vorzeigetexte durch “deutsche Realisten” ein heikles Thema der bilateralen literarischen Beziehungen auf dem Spiele steht , beweist die wiederholt Berufung auf den berühmten Fussball- WM- Sieg Östereichs gegen Deutschland 1978 in Córdoba :

Läuft das hier auf ein neues Córdoba hinaus ? ( WELT )

fragt Elmar Krekeler im Zuge seiner Live- Notizen in der WELT rhetorisch , wohingegen Sandra Kegel im zusammenfassenden FAZ- Artikel bereits ex post deklarieren kann :

Die Revanche für Córdoba . ( FAZ )

Ins Ästhetische übersetzt heisst dies innerhalb des genannten Artikels nichts weniger als Folgendes :

Längst hat der Realismus die einst in Klagenfurt tonangebende Experimentalliteratur verdrängt. ( FAZ )

Nicht unredlich wird das Tertium Comparationis von Sandra Kegel referiert :

Ästhetische Ideologiekämpfe werden nicht mehr ausgetragen, aber die literarischen Vorlieben der Juroren weichen zum Glück noch immer erheblich voneinander ab. In diesem Jahr tat sich in der Jury eine weitere, länderspezifische, nämlich deutsch-österreichische Front auf, dass schon das Wort von Córdoba die Runde machte. Während die Österreicher bei der WM 1978 gegen die Deutschen gewannen, waren sie nun die Verlierer. Die Autoren der Wiener Juroren Karin Fleischanderl und Paul Jandl gingen durchweg leer aus. ( FAZ )

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“BLANKES ENTSETZEN” Vs. “LIEBLICHKEIT : ZWEIFEL AN DER KOMPETENZ DER JURY

Im konkreten Fall

brach die seit Beginn schwelende Realismus-Debatte dann über Andrea Winkler herein, die in einem überorchestrierten Textklotz ein skrupulöses Ich sprechen lässt, das es kaum wagt, den Fuß ins Gras zu setzen. Wohl weil der erratische Wortfluss - etwas für hartgesottene Poststrukturalisten, wie Ijoma Mangold seufzte - sich jeglicher Kritik entzog, schoss die Jury sich auf Formfragen ein. In ganz andere Richtung experimentierte Caterina Satanik, die eine unerhört harmlose Rollenprosa einer Frau vorlegte, die ihrem Liebsten samt Hund nachweint. ( FAZ )

Dass Winkler mit dem - selbst für ihre ( sonst legitimen ) Begriffe - solipsistisch und sprachphilosophisch abstrus aufgeblasenen Mantra auf wenig Gegenliebe stiess , haben wir in der in|ad|ae|ae|qu|aten MITSCHRIFT ( Teil 3 ) ebenso angemerkt wie enorme Befremdung angesichts der arg “lieblichen” Aufnahme des als Schlusstext präsentierten Débuts der Wienerin Caterina Satanik . Entsprechend erleichtert konnten wir heute ähnliche “????”- Reflexe bei anderen Beobachtern regiatrieren :

Gerrit Bartels , welcher den deutsch- österreichischen Grabenkampf um eine mögliche zeitgenössische Erzähl- Ästhetik durchaus vermerkt , vermochte im Tagesspiegel die einhellige Schlussbegeisteung der Jury noch auf deren “Erschöpfung” zu schieben :

Was auffiel, waren die deutsch- österreichischen Streitereien, verkörpert durch Fessmann und Ijoma Mangold auf der einen und Jandl und Fleischanderl auf der anderen Seite. Die Deutschen, zuweilen assistiert vom Schweizer Alain Claude Sulzer, redeten dem Realismus das Wort, ohne gleich Forderungen nach Alltagsabbildung stellen zu wollen. Die Österreicher brachten dagegen die Moderne in Stellung: Sprach-Experimente wie den verunglückten Wir-Text von Stift und den noch verunglückteren Ich-Text von Andrea Winkler, bei dem man sich nach wenigen Zeilen fragte: Was erzählt die denn da?

Dass die Jury den läppischen Text von Caterina Satanik ungeschoren ließ, mochte an deren Status als Debütantin liegen, die noch nie etwas veröffentlicht hat, vielleicht auch an der Erschöpfung der Jury: Satanik war die letzte Vorleserin dieses Jahrgangs. ( Tagesspiegel )

Das “blanke Entsetzen” angehörs des hochgelobten literarischen Débuts gibt Harald Klauhs in der Presse Grund genug , fundamentale Zweifel an der Kompetenz der Jury anzumelden :

Vom Versagen der Bachmannpreis-Jury sprach das Fachpublikum nach der letzten Lesung von Caterina Satanik. Blankes Entsetzen breitete sich nach dem Lob der Jury für Sataniks Text … aus. Literatur auch, wollte man der 1976 geborenen Wienerin bereits nach dem ersten Satz zurufen: Ich streichle noch immer über das fell vom hund, hieß es da und täuschte mit Kleinschreibung eine Avantgarde vor, die der Text des Weiteren in keiner Weise einlöste. ( Die Presse )

Der deutsch- österreichischen Dauerkonfrontation zum Trotz konnte diemsal die Schweiz quasi einen Einwanderer- Sieg für sich verbuchen :

Ein Deutscher beschert der Schweiz literarische Lorbeeren ( NZZ )

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STATE OF THE ART

Mit Andreas Breitensteins Résumée des Wettbewerbas- Jahrgangs 2009 sei die Runde der traditionellen Klagen über den dortigen “state of the art” eröffnet : “Ein biederer Jahrgang” wird konstatiert :

Kein Autor war angetreten, dem Bürger das Handy aus der Hand zu fegen oder die Decke des ORF-Theaters zu sprengen, keiner liess die Lehrer um die Moral ihrer Schulklasse im Saal bangen, die ‘Krise‘ blieb unbehelligt, der Terror pausierte, und der Klimawandel war anderswo (die politische Invektive übernahm Josef Winkler in seiner Eröffnungsrede gegen Kärntner Kulturbanausentum, Politfilz und Abzockerei). Keiner schrie, keine weinte, nur einer ass Papier. Es gab einen auf die Situation gezirkelten Klagenfurt-Text, und nur einmal wurde es ärgerlich. Realistisches Erzählen aus der leicht verunsicherten Mitte des Alltags dominierte. Surreales war ebenso rar wie Historisches und Experimentelles. Fehlervermeidung war fast schon alles. Ein Plan mittlerer Schwierigkeit sollgemäss erfüllt, und schon gehörte man zu den Besten. ( NZZ )

Wibeke Porombka deklariert in der taz weitgehend “handzahme Texte” - jedenfalls im Vergleich zu Joesef Winklers Eröffnungsrede - , reflektiert allerdings auch eine systembedingte Uneinlösbarkeit von Erwartungen hinsichtlich des prominentesten aller Literatur- Wettbewerbe :

Wie ändert sich der Anspruch an Texte, wenn man sie beim Bachmann-Wettbewerb hört ? Auf der einen Seite wartet man auf etwas Besonderes, etwas Extremes womöglich, weil durch diesen Preis ja eben auch eine Messlatte für das gelegt wird, was man ganz grundsätzlich an zeitgenössische Literatur heranträgt. Es sind also immer auch symbolische und programmatische Entscheidungen, die hier getroffen werden. ( taz )

Allerdings waren auch manche der Voten von Juymitgliedern dazu angetan , als unfreiwillige “Selbstauskünfte” zu fingieren :

Jurorin Meike Feßmann etwa konnte sich deshalb nicht recht für den den Text “Bis dass der Tod” von Jens Petersen erwärmen, weil er ihr zu beklemmend und klaustrophobisch war. Das ist schon ein etwas eigenartiges Argument, zieht es doch den Umkehrschluss nach sich, dass gute Literatur sich dadurch auszeichne, angenehme Atmosphäre zu evozieren. In solchen Momenten war man dann fast am Niveau des Eröffnungsabends angelangt, auf dem der stellvertretende Bürgermeister von Klagenfurt sein Herz für die Literatur damit begründet hatte, dass man sich durch sie so schön von dem ganzen Stress des Alltags erholen könne. ( taz )

Ostentativ abgeklärt charakterisiert David Hugendick in der ZEIT das alljährliche Klagenfurter Klage- Ritual :

Jedes Jahr das Gleiche. Sobald der Sieger des Bachmann-Preises feststeht und sich der dreitägige Literaturbetriebsauflauf wieder verflüchtigt hat, wird man über Sinn und Unsinn des Wettbewerbs diskutieren. Gar, was er über den Zustand der deutschen Literatur verrät – besonders dann, wenn eine Vielzahl der Texte in Klagenfurt blass sind. So wie diesmal.

Glücklicherweise: Über den Zustand der deutschen Literatur sagt der Bachmann-Wettbewerb wenig aus. In Klagenfurt blickt man nur durch ein kleines Fenster auf die laufende Produktion. In diesem Jahr erwischte man die Luke zur Rumpelkammer, in der es selten schmuckvoll glänzte. Das kann uns ärgern. Aber es muss uns keine Sorgen bereiten. ( DIE ZEIT )

Stefan Gmünder weist im Standard notwendig auf die - von vielen Artikeln unkritisch nachgeplapperten - dümmlichen Eröffnungs- Worte des ORF- Programmdirektors Wolfgang Lorenz hin , die “Tage der deutschsprachigen Literatur” seien “die am längsten sich behauptende Castingshow ( ! ) des deutschen Sprachraums” . Freundlich fasst er die alljährlich kurzfristig aufgebauschte Sinnkrise des Wettbewerbs in das Bild einer quasi naturgesetzlich reiterierten Mischung aus Anziehung | Neugier und Abstossung | Verwerfung :

Realismusdebatten wurden in diesen drei Tagen viele geführt, Sprachdiskussionen wenige. Bleiben wird vom 33. Bachmann-Preis Josef Winklers Eröffnungsrede, der angenehme Umstand, dass sich in Klagenfurt trotz allem alles um Literatur dreht - und ein ‘Was machen wir eigentlich alle hier ?‘ - Gefühl. ( Der Standard )

Weitere Wiederholungen , Variationen und “Etüden” ( Burkhard Spinnen ) dann im nächsten Jahr -

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KLANGAPPARAT

Natürlich hängt uns nach drei kondensierten Tagen Klagenfurt plus kollateraler Textproduktion und -Rezeption die Sprache einigermassen beim Halse heraus . czz-hoerempfehlungZwar kommen auch des Walisen Tom Ellis‘ ( MySpace ) gelassen instrumentirte Minimal- Tech- Tracks nicht immer ohne Sprach- Samples aus , doch bleiben deren Amplitude & Aussagekraft erträglich minimal .

Sonst bietet die bei trimsound erschienene “In Circles“- LP eine feine Dosis Langstreckensound aus diskret ineinanderfliessenden Strömen von Nu Jazz und Breakbeat , Dub- Anmutungen und geschmeidiger Elektronik .

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RELATED

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LinkListe , in|ad|ae|qu|at



czz linkliste

||| LITERATUR | NETZ , MEDIEN & VERLAGE | URHEBERRECHT , DIGITALISIERUNG , GOOGLEBOOX | CONTRA UND PRO AGGREGATOREN | RADIO & SOUND | SOCIAL NETWORKS | KLANGAPPARAT

LITERATUR

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NETZ , MEDIEN & VERLAGE

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URHEBERRECHT , DIGITALISIERUNG , GOOGLEBOOX

Mike-Mantero_You_re_doing_it_wrong

@ Mike Monteiro

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CONTRA UND PRO AGGREGATOREN

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RADIO & SOUND

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SOCIAL NETWORKS

Scott Hanson TWEET iso50

@ Scott Hanson

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KLANGAPPARAT

Eine selten konsquente Arbeit legt choenyi mit Antiqued Reliquaries beim Netlabel kreislauf vor . Aus jeweils einem breiten mono- tonen Chord entwickelt er verblüffende Seitenströme , czz-hoerempfehlungeingängige wie disharmonische Einsprengsel . Dies hat bereits mehr mit Neuer elektroakustischer Musik zu tun als mit dem , was man gemeinhin unter “Pop & Konsorten” zu rubrizieren gewohnt ist . Aufregend .

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Machen Sie sich Ihr BILD von der FAZ



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Michael Hanfelds infamer , rhetorisch die Häme nur mühsam verbrämender Hassartikel zur Einstellung des harmlosen Blogs “medienlese” ist aus demselben Garn gestrickt wie die sommerlichen Diatribe gegen die Internet- Aktivitäten der Öffentlich- Rechtlichen ( aka Novellierung des Rundfunkstaatsvertrags ) .

BILD FAZ

Ein weiteres und deprimierendes Beispiel des seit Schirrmacher herrschenden Kampagnenjournalismus , welcher sonst eher das Territorium des brutalsten Boulevards darstellt .

Nur zu gut , dass Hanfeld für’s Erste unrecht behalten soll , da “medienlese” dank der Mittel privater und freiwilliger Spender noch einige Zeit operabel bleibt .

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UPDATE

Peter Hogenkamp : Erfolgreiche Spendenaktion - Bis Oktober wird medienlese.com mit der Rubrik «6 vor 9» weitergeführt ( medienlese , 28. 4. 2009 )

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Medienumbrüche oder : BeStandhalten in paranoider Negation



||| REALISTEN VS. VISIONÄRE : WER GEWINNT ? | AUCH PARANOIKER HABEN FEINDE | KLANGAPPARAT

1949 Feb medium

Popular Science , Ausgabe Februar 1949

REALISTEN VS. VISIONÄRE : WER GEWINNT ?

1949 Feb cropClay Shirkys viel beachteter Esssay zum Ende der Zeitung könnte uns - weit über die Grenzen der akuten Printkrise hinaus - zu denken geben . Zu Dokumentationszwecken sei in|ad|ae|qu|at ein Passus aus “Newspapers and Thinking the Unthinkable” zitiert :

The problem newspapers face isn’t that they didn’t see the internet coming. They not only saw it miles off, they figured out early on that they needed a plan to deal with it, and during the early 90s they came up with not just one plan but several. One was to partner with companies like America Online, a fast-growing subscription service that was less chaotic than the open internet. Another plan was to educate the public about the behaviors required of them by copyright law. New payment models such as micropayments were proposed. Alternatively, they could pursue the profit margins enjoyed by radio and TV, if they became purely ad-supported. Still another plan was to convince tech firms to make their hardware and software less capable of sharing, or to partner with the businesses running data networks to achieve the same goal. Then there was the nuclear option: sue copyright infringers directly, making an example of them.

As these ideas were articulated, there was intense debate about the merits of various scenarios. Would DRM or walled gardens work better? Shouldn’t we try a carrot-and-stick approach, with education and prosecution? And so on. In all this conversation, there was one scenario that was widely regarded as unthinkable, a scenario that didn’t get much discussion in the nation’s newsrooms, for the obvious reason.

The unthinkable scenario unfolded something like this: The ability to share content wouldn’t shrink, it would grow. Walled gardens would prove unpopular. Digital advertising would reduce inefficiencies, and therefore profits. Dislike of micropayments would prevent widespread use. People would resist being educated to act against their own desires. Old habits of advertisers and readers would not transfer online. Even ferocious litigation would be inadequate to constrain massive, sustained law-breaking. (Prohibition redux.) Hardware and software vendors would not regard copyright holders as allies, nor would they regard customers as enemies. DRM’s requirement that the attacker be allowed to decode the content would be an insuperable flaw. And, per Thompson, suing people who love something so much they want to share it would piss them off.

Revolutions create a curious inversion of perception. In ordinary times, people who do no more than describe the world around them are seen as pragmatists, while those who imagine fabulous alternative futures are viewed as radicals. The last couple of decades haven’t been ordinary, however. Inside the papers, the pragmatists were the ones simply looking out the window and noticing that the real world was increasingly resembling the unthinkable scenario. These people were treated as if they were barking mad. Meanwhile the people spinning visions of popular walled gardens and enthusiastic micropayment adoption, visions unsupported by reality, were regarded not as charlatans but saviors.

When reality is labeled unthinkable, it creates a kind of sickness in an industry. Leadership becomes faith-based, while employees who have the temerity to suggest that what seems to be happening is in fact happening are herded into Innovation Departments, where they can be ignored en masse. This shunting aside of the realists in favor of the fabulists has different effects on different industries at different times. One of the effects on the newspapers is that many of their most passionate defenders are unable, even now, to plan for a world in which the industry they knew is visibly going away.

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AUCH PARANOIKER HABEN FEINDE ( GEORGE TABORI )

1949 Feb cropUnd die Conclusio :

Society doesn’t need newspapers. What we need is journalism. For a century, the imperatives to strengthen journalism and to strengthen newspapers have been so tightly wound as to be indistinguishable. That’s been a fine accident to have, but when that accident stops, as it is stopping before our eyes, we’re going to need lots of other ways to strengthen journalism instead.

When we shift our attention from ’save newspapers’ to ’save society’, the imperative changes from ‘preserve the current institutions’ to ‘do whatever works.’ And what works today isn’t the same as what used to work. ( … )

For the next few decades, journalism will be made up of overlapping special cases. Many of these models will rely on amateurs as researchers and writers. Many of these models will rely on sponsorship or grants or endowments instead of revenues. Many of these models will rely on excitable 14 year olds distributing the results. Many of these models will fail. No one experiment is going to replace what we are now losing with the demise of news on paper, but over time, the collection of new experiments that do work might give us the journalism we need.

Wenn der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ( wie jüngst zu Leipzig ) oder das Grossfeuilleton`einer FAZ ( wie in der Gross- Offensive gegen die Internetaktivitäten der öffentlich- rechtlichen Sender ) einerseits als Werte- Erhalter gebärden , gleichzeitig aber wie wildgewordene Ego- Shooter auf alles , was sich “im Netz” bewegt , schiessen , wird vernachlässigt , dass es “das Netz” - über die Funktion einer Infrastruktur hinaus - nicht gibt .

Es mag “das Netz” als Interface und Schnittstelle zu Information | Konsumption | Distraktion oder Konzentration geben : Real aber ist relevant , welchen Gebrauch wir davon machen . Und hier ist Jeder Produzierende nicht minder involviert wie jeder Konsumierende ( in Selbstverantwortung und derjenigen für seine Kinder ) . Wir können uns durch unsere 263 unterschiedlichen RSS- Feeds mit derzeit 556 ungelesenen Meldungen kirre machen lassen genauso wie durch den Strom der Tweets und Blips . Wir können aber genausogut einige Tage verstreichen lassen und beherzt die “Delete“- Taste betätigen : Nichts erfrischender , als wenn der wimmelnde Andrang der Meldungen und Meinungen auf Knopfdruck verschwindet .

In dieser Weise haben wir jahrelang mit bis zu einem halben Jahr Verspätung des quartalsmässig angelieferten Feuilleton- Stapels der ( für uns zu kostspieligen ) Print- FAZ gelesen : Es mag zwar weiterhin die Faszination des Gedankens , die Neuigkeiten von Morgen bereits heute zu kennen , geben : Wesentlich wahrnehmungserleichternd ist die Nachlese der Aufregungen von Vorgestern . Schöne Schule der “pattern recognition” was an- und abschwellende Bocksgesänge von Erregungen und Kampagnen anbelangt .

Genau so lässt sich das Netz auch nutzen : Der Bildschirm gibt dann den Zeit- Rahmen ab , in welchem sich diverse Personen ( ja , gar diverse Persönlichkeits- Anteile in uns selbst ) different und ( dis ) kontinuierlich verorten : Dem Echtzeit- Junkie der ungefilterte Strom der Updates , Feeds und Tweets , dem Historiker die Hypes und Hypothesen von gestern .

Egal , ob man “das Netz” als potenziell moralische Anstalt nutzt oder zum bedingungslosen Exhibitionismus , Voyeurismus , zur Selbst- Relativierung oder zum Ego- Marketing : Irgendetwas werden die Menschen auch in Zukunft benötigen , das sie sich im Zug , in U- Bahn als Schutz vors Gesicht halten können . Von daher hat das klassische Blatt , sei es das Periodikum , sei es das Buch , gute Überlebensschancen . Und die sollte man nicht an die “Gratiszeitungen” verschenken . Sie kommen uns nämlich teurer zu stehen , als wir denken .

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KLANGAPPARAT

Diskret bis zum Rande des Verschwindens im weissen Rauschen von Raum und Zeit hält der Este Null Tripp seine musikalishen Findungen , die er lieber selbst komponiert als aus dem Universumczz-hoerempfehlung der Samples abzurufen . Die atmungsaktive , knapp 20- minütige “Odav Tekno“- ep ist beim japanischen Netlabel bumpfoot erschienen ( im Sektor “bump” für Mininmales ) . CLICK LINK TO LISTEN ( WMP ).

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NEUES VON FREUNDEN



||| BUCH - KRITIK - SWR- BESTENLISTE FEBRUAR | WIEN - VERLAG |WIEN - BUCH | WIEN - WIEDERBEGEGNUNG | WIEN - AUSSTELLUNG - AKTIONISMUS | KLANGAPPARAT

Günter_Brus_Selbstübermalung_copyright_Günter_Brus_courtesy_ MUMOK_Galerie Westlicht

Günter Brus - Selbstübermalung © Günter Brus , MUMOK - Galerie Westlicht

BUCH | KRITIK | SWR- BESTENLISTE FEBRUAR

czz-neuesvonfreundenLassen wir’s uns den kleinen Sieg von Blog- Literatur und Poesie auf der Zunge zergehen , wenn die Vorabmeldung der SWR- Bestenliste Februar mit Nico Bleutges zweitem Gedichtband “Fallstreifen” ( Platz vier ) und dem aus in Buchform gegossenen Blog “[ Jochen ] Schmidt liest Proust” ( Platz sechs ) zwei nicht alltägliche Publikationen gekürt worden sind . Über Bücher und Hypes in kritkfernen Zeiten lässt sich angesichts Thomas Bernhards “Meine Preise” räsonieren : Literaturbetrieb als Text , Literaturmarketing im Metatext etwa der double- bind- Strategie der FAZ , Bernhards Invektiven gegen die feudalen Gesten von Preisverleihern ( Nachfolger der Lehensgeber ? ) einerseits als Vorabdruck zu bringen , diese aber dann kurz vor dem realen Erscheinen des Buches in einem ebenso lächerlichen wie infamen Erguss Maxim Billers wiederum in die Relativierungsschleife zu schicken . Und Kehlmann , natürlich , dessen “Ruhm” zwecks Umgehung einer verbalradikal formulierten Sperrfrist mehr ver- interviewed und ge- homestoried wurde , denn kritisch rezensiert .

SWR- Bestenliste Februar 09

1. Thomas Bernhard - Meine Preise - Suhrkamp
2. Peter Adolphsen - Das Herz des Urpferds - Nagel & Kimche
3. Daniel Kehlmann - Ruhm - Rowohlt
4. Nico Bleutge - Fallstreifen - C. H. Beck
5. Walter Kappacher - Der Fliegenpalast - Residenz
6. Jochen Schmidt - Schmidt liest Proust - Voland & Quist
7. Wilhelm Genazino - Das Glück in glücksfernen Zeiten - Hanser
8. Marion Poschmann - Hundenovelle - Frankfurter Verlagsanstalt
9. Philip Roth - Empörung - Hanser
10.-11. Gabriela Avigur-Rotem : LOJA - Suhrkamp ex aequo Fernando Vallejo - Blaue Tage - Suhrkamp

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WIEN | VERLAG

czz-neuesvonfreundenMit gutem Grund als erster in einer lockeren Serie mit Portraits von Wiener Verlagen steht die “Fröhliche Wohnzimmer- Edition” . Das ( kürzlich in “Literatur als Radiokunst” listig zu Wort gekommene ) Lebens- Werk- und Editionsprojekt von Ilse Kilic und Fritz Widhalm hat einen Moment über die coolen Achtziger , postmodernen Neunziger in die transmedialen Nuller Jahre gerettet , welches man in den Siebzigern einmal “Autorensolidarität” nannte . ( Trotzdem gestatten wir uns an dieser Stelle auf das korrekter Weise gebotene Gender “I”- zu verzichten . ) Auf Fritz Widhalms Bericht darüber , wie man einen Klein- und Autorenverlag durch den Wellengang changierender Parolen der Kulturpolitik navigiert , darf man gespannt sein .

Ilse Kilic liest aus dem Sammelband “ein sonntag” ( 2008 ) , Christine Huber aus “über mass und schnellen” ( 2006 ) . Aus dem Sammelband “zwei bisschen” ( 2008 ) sind Günter Vallaster und Wolfgang Helmhardt zu hören - zu sehen dazu die Zeichnungen von Ilse Kilic und Fritz Widhalm zur genannten Anthologie .

Edition “Das Fröhliche Wohnzimmer” - Literatisches Quartier Alte Schmiede - Mittwoch , 28. 1. , 19 H

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WIEN | BUCH

czz-neuesvonfreundenFraglos aus den Zonen der verbuchbaren Sicherheiten hinaus begibt sich die Schriftstellerin und Performance- Künstlerin Michaela Falkner mit ihren dem Extremen zueilenden Worten und Taten der Selbst- Exposition . Angesicht ihres eben bei Residenz erschienen Prosabuches “Kaltschweissattacken” mag man sein Literaturverständnis einer heftigen Frottage aus Sex und Gewalt in Familienbanden unterziehen : Prosaische Bruchstücke eines Zerbrechens der narrativen Lineatur . - Interessante Intertexte ergeben sich durch die männliche Violenz- Figur namens Ivan zu Ingeborg Bachmanns “Malina ” , über dessen feministische Rezeptionsmuster sich ebenfalls trefflich diskutieren liesse .

Gründe genug , über den eigenen Tellerrand hinauszublicken , wird ( nebst Buffet von Schokoladenkuchen an Schnaps ) nicht zuletzt das Gespräch mit der alerten Kunsthistorikerin Johanna Schwanberg bieten : “Schnittstellen Sprache | Text sowie Körper | Performance im Werk von Michaela Falkner” .

Michaela Falkner - Literaturhaus - Mittwoch , 28. 1. , 19:30 H

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WIEN | WIEDERBEGEGNUNG

czz-neuesvonfreundenIm erinnerlich höchst heissen Juni 1997 war der deutsch- georgische Schwiftsteller Giwi Margelaschwili ( home ) schon einmal in der Alten Schmiede zu Gast : Seine onto- textologischen Wiener Vorlesungen zur Literatur ( pdf ) unter dem Titel “Zur Ontologie der Lese- Lebewesen oder zwei Erkundungen der Biblio- Biosphäre” sind uns ebenso in lebhafter Erinnerung wie die auratische Erscheinung des Autors .

Am Freitag kehrt er mit seinem 1991 erschienen autobiographischen Roman “Muzal” an diesen Ort zurück sowie mit seinem jüngeren ( jetzt gütlich vom Verbrecher- Verlag betreuten ) Werk “Officer Pembry” ( 2007 ) , welcher dem in Berlin Lebenden wieder einmal das bescherte , was er von seiten des deutschen Literaturbetriebs stets lediglich in Einzelschüben erfuhr : Aufmerksamkeit . ( Ob vom 2008 erschienenen “Tod eines alten Lesers” die Rede sein wird , bleibt dahingestellt . )

Welcome back to Viennna , diesmal im kalten Januar . Doch wird dieser Margelaschwilis Switching zwischen diversen Realitätsebenen wohl wenig Abbruch tun .

Giwi Margelaschwili - Literatisches Quartier Alte Schmiede - Freitag , 30. 1. , 19 H

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WIEN | AUSSTELLUNG | AKTIONISMUS

czz-neuesvonfreundenDass der Wiener Aktionismus in diversen ( leider wenig koordinierten ) Kontexten seit einigen Jahren in Aufmerksamkeit und Aufarbeitung steht , zeigen die Ausstellungen im Mumok , Peter Gorsens gesammelte Essays ( ritterbooks ) , erwies allerdings kürzlich auch das Symposium “RITUAL. MACHT. BLASPHEMIE - Kunst und Katholizismus in Österreich seit 1945 ” .

Die Galerie WestLicht. Schauplatz für Fotografie beschäftigt sich nun mit dem methodischen Ansatz der Fotografie im Wiener Aktionismus von 1962 bis 1966 , womöglich erstmals in dieser Konzentration auf das Medium in Österreich : “Der chirurgische Blick . Inszenierte Fotografie - Wiener Aktionismus” zeigt früheste authentische Abzüge , erstmalig öffentlich gezeigte Vintage- Prints und eine materialreiche Dokumentation .

Der chirurgische Blick - Galerie Westlicht - 20. 1. - 22. 3. - Di , Mi , Fr 14 - 19 H , Do 14 - 21 H , Sa , So , Fei 11 - 19 H

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KLANGAPPARAT

Aktionismus und Nonlineares , Feinteiliges und Drohgebärden - das Spektrum des Musikers czz-hoerempfehlungOliver Stummer ( MySpace ) aka Tomoroh Hidari spannt sich zwischen den Polen , riskierend , sich zwischen alle Stühle zu setzen : Gothic und Alpines , Break Beat , Dub , idm und wie diese Stühle alle heissen . Muss man - wie kürzlich live in der Wiener Arena - halt tanzen , wenn “Gott tot” ist und die Stilfrage polymorph heftig . - CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM .

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