Tag Archive for 'folter'

Gerty Schindel - Nürnberger | 1913 - 2008



 

“Liebe Mutti Bitte Erschrick Nicht Wenn Du Bin Ich” ( Robert Schindel)

 

Gerty Schindel Nürnberger+

Robert Schindel : Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt ( Rede, gehalten in Wien im Oktober 1992 )

Obwohl nie der Folter ausgesetzt, begleitete sie mich schon von Anbeginn. Eine enge Kampfgefährtin meiner Mutter sowohl in Frankreich als auch in Linz, Franzi, nahm mich ab 1949 immer im Sommer zu sich in ihr Haus nach Llienfeld an der Traisen. Dort erzählte sie mit bald Gutenachtgeschichten der besonderen Art. Denn diese Geschichten haldelten vom Pepi- Onkel, das war Josef Stalin, der gütig und seine Pfeife anrauchend na der Wand hing. Vom aufrechten Kampf der Kommunisten, der brutalen und mörderischen SS. Mein Kinderhimmel hing voller Hakenkreuze und Sowjetsternen. ( … ) Franzi erzählte und erzählte. Plötzlich gab es einen jungen Kommunisten namens Mottl, der im Verhör nackt auf eine heisse Kochplatte gesetzt worden sei und hernach alle verriert. Sie selber, Franzi, bekam Ohrfeigen im Wiener Landesgericht und schwieg. Gerty, also meine Mutter, so Franzi, wurde mit mir gefoltert Man schug meinen Kopf gegen den Schreibtisch des Verhörenden, ich war damals fünf Monate alt, brach mir die Nase, deshalb heute noch der Knick an der Wurzel. Doch Gerty schwieg eisern, erzählt Franzi. Ich ging zu meiner Mutter und fragte sie erstaunt, ob sie mich noch liebhat, und sagte ihr gleichzeitig, dass ich auch so ein Held sein möchte wie sie. Meine Muttter betreitet bis zum heutigen Tag, dass auch nur eine Silbe wahr ist an Franzis Geschichte ( …. ). Zur Folter gehörte das Schweigen darüber, beides war sehr präsent.

Gerty wuchs in einem leidlich fommen jüdischen Haus auf ( … ), sie entfloh mit fünfzehn aus dem Judentum in den Kommunistischen Jugendverband, die Partei wurde zu ihrer Heimat. Die Solidarität, sagte sie, war im Lager das wichtigste. Es war die Solidarität unter Genossen. ( …. ) Gerty fuhr mit einer Gestapoakte als Hochverräterin nach Auschwitz, als Schutzhäftling, durfte gar nicht über die Rampe nach links oder rechts gehen, sondern musste in diesem, dann in einem andern Lager auf ihre Hinrichtung warten. ( …

Gerty verlor ihre Heimat erst jetzt in diesen Jahren, doch der Gram wegen der politischen Misere tarierte mit ihrem Stolz auf den schriftstellernden Sohn, so lebt sie leidlich in der Welt, aber nicht ohne Freude.

© Robert Schindel , © Suhrkamp- Verlag

|||

Weiter lesen :

|||

BLOG 4 BURMA : Two Months after FREE BURMA.



||| OFFIZIELL : BURMA BLEIBT WATERPROOF | PINHEIROS ZIFFERN : AUSSENSICHTEN | APPPB & AAPP : INNER VIEWS | HUMAN RIGHTS WATCH : DER BERICHT | HRW : CALL FOR ACTION | NYT : DISKURSIVE SKEPSIS AN HEHREN VERLAUTBARUNGEN | MIKROMEDIA , KLEINE HOFFNUNGEN , PREISE | BURMESE SMILES | GRAZER GRANT | KLANGAPPARAT

czz blog4burma inadaequat

OFFIZIELL : BURMA BLEIBT WATERPROOF

Zwei Monate nach der blutigen Niederschlagung der Bürgerproteste ( und der Aufsehen erregenden Märsche der buddhistischen Mönche ) gegen die Militärjunta in Burma sitzt diese weiterhin stocksteif im Sattel , lässt ab und zu die Knute niedersausen und gibt sich wasserdicht gegenüber jedweden Appellen , Demarchen , Boykottdrohungen und Dialogangeboten seitens “des Westens” ( = UN , Menschenrechtsorganisationen , Regierungssprecher etc. ) .

Nun ist aber die Aufmerksamkeit der sich selbst als moralischen Massstab setzenden “West- | Welt- | Öffentlichkeit” kurz vor der weihnachtlichen “Sendepause” auf die Gipfel zu Lissabonn ( EU - Afrika ) , auf Bali ( Klima ) und Lissabon / Brüssel ( EU ) gerichtet sind , bleibt die Berichterstattung über Burma einigermassen aussen vor .

Da muss es schon als besonderer Twist of Things gelten , dass - Daburna hat’s entdeckt - die Junta ausgerechnet via Al Jazeera dieser “West- | Welt- | Öffentlichkeit” ausrichten lässt , sie halte die Empörung für “trivial” . Man sehe sich dazu das am selben Tag gepostete polemische Foto auf dem Blog des in London lebenden Exil- Burmesen Ko Htike an ! |||

PINHEIROS ZIFFERN : AUSSENSICHTEN

Eine der wichtigsten Nachrichten dieser Tage betrifft den Rapport des Menschenrechts- Emissärs Paulo Sergio Pinheiro vor dem Uno- Menschenrechtsrat : taz und NZZ berichten - FAZ , Welt , Spiegel schweigen sich aus . Man erinnere sich : Nach vier Jahren Einreiseverbot hatte sich Pinheiro im Auftrag des Rats vom 11. bis 15. 11. zum Lokalaugenschein in Burma aufgehalten . Direkt aus Genf der Korrespondentenbericht vom 11. 12. der NZZ : Menschen ohne Rechte in Burma und Darfur :

Bei der Niederschlagung der friedlichen Proteste gegen die Militärregierung in Burma im vergangenen September haben die Sicherheitskräfte exzessive Gewalt angewendet und mindestens 31 Personen getötet. Zu diesem Schluss kommt der Berichterstatter der Uno über die Menschenrechtslage in Burma, Paulo Sergio Pinheiro, im Bericht, den er am Dienstag in Genf dem Menschenrechtsrat vorlegte. Das Regime hatte den Tod von 15 Personen eingeräumt, darunter eines japanischen Journalisten. Pinheiro bezweifelt, dass unter den Toten keine Mönche seien, wie die Regierung behauptete. Besorgt erklärte sich Pinheiro darüber, dass in Rangun zwischen dem 27. und dem 30. September während der Nacht eine grosse Zahl von Leichen kremiert wurden, offenbar um ein Bekanntwerden der Opferzahlen zu verhindern.

Pinheiro hat der burmesischen Regierung eine Liste mit Namen von 16 Toten, die von der Regierung nicht gezählt wurden, sowie von 653 Häftlingen und 74 Vermissten übergeben. Pinheiro schreibt, im September und Oktober seien laut Schätzungen 3000 bis 4000 Personen verhaftet worden, von denen 500 bis 1000 bei der Niederschrift seines Berichts noch in Haft waren. Unter ihnen seien 6 Nonnen sowie 100 weitere Frauen. Bei den nächtlichen Razzien seien auch Angehörige von Gesuchten festgenommen worden, die als Geiseln benützt würden. 1150 schon vor den Demonstrationen inhaftierte politische Gefangene waren ebenfalls noch in Gefangenschaft. Die Regierung hatte ihrerseits angegeben, 2927 Personen festgenommen und bis auf 91 alle wieder freigelassen zu haben.

Pinheiro erklärte sich besorgt über das Bestehen geheimer Haftorte, im Besonderen über eine “Militärische Hundezelle” genannte Abteilung im berüchtigten Insein-Gefängnis in Rangun. Dabei handle es sich um neun winzige Isolationszellen, die weder Ventilation noch Toiletten hätten und von 30 Hunden bewacht würden.

Den Bericht im Wortlaut ( pdf ) mag man via APPPB- Blog ( 14. 12. ) einsehen . |||

czz blog4burma inadaequat

APPPB | AAPP : INNER VIEWS

Die taz erweitert diese Angaben um die - hier bereits öfter zitierten - Informationen der Asia- Pacific Peoples Partnership on Burma” ( APPPB ) :

Für zahlreiche Beobachter dürften auch die UN-Angaben noch zu niedrig sein. Die genauen Zahlen sind nicht bekannt. Dissidenten hatten während der vergangenen Monaten stets von mindestens 200 Toten und 6.000 Verhafteten gesprochen. ( …. ) Indessen gehen Verhaftungen von Regimegegnern und Einschüchterungen des Mönchsstand weiter. Exilgruppen im benachbarten Thailand wie die “Asia-Pacific Peoples Partnership on Burma” ( APPPB ) erklärten, etliche Klöster in Städten wie Rangun und Mandalay stünden leer.

Die Assistance Association for Political Prisoners ( AAPP ) datiert die Liste der seit dem 19. August Inhaftierten laufend auf , derzeit kennt und nennt man 625 politische Häftlinge namentlich . Detailliert sind Karte und Verzeichnis politischer Detentionsanstalten einzusehen , weiters Dossiers zu Folter und Arbeitslagern . |||

czz blog4burma inadaequat

HUMAN RIGHTS WATCH : DER BERICHT

Den Dissidenten- Nachrichten schliesst ein heute in der New York Times erschienene Bericht fugenlos an : Myanmar Deaths Higher Than U.N. Estimate : Activists ( NYT , 14. 12 . ) , angeregt von einer vorangegangenen Reuters- Meldung über mögliche Demarchen Australiens . In Tat und Wahrheit referriert die NYT allerdings Daten , Beobachtungen und Zeugenberichte aus dem am 7. Dezember lancierten Portofolio von Human Rights Watch : Mit dem 140- seitigen Report Crackdown : Repression of the 2007 Popular Protests in Burma ( 7. 12. ) dürfte die derzeit aktuellste und umfassendste Darstellung des “Systems Burma” , der September- Proteste sowie der nachherigen und bis heute stillschweigenden Fortsetzung der Repressionen vorliegen .

In geraffter Fassung :

The ruling State and Peace Development Council (SPDC) claims that overall 2,927 people, including 596 monks, were “interrogated,”and almost all have been released. It says that nine people have been sentenced to prison terms, while 59 lay people and 21 monks remain in detention.

Human Rights Watch said that hundreds of protesters, including monks and members of the ’88 Generation students, who led protests until being arrested in late August, remain unaccounted for. Human Rights Watch noted that before the protests there were more than 1,200 political prisoners languishing in Burma’s prisons and labor camps.

“The generals unleashed their civilian thugs, soldiers and police against monks and other peaceful protesters,” said Adams. “Now they should account for those killed and shed light on the fate of the missing.”

Von einer “Amnestie” für “8.500 prisoners” ( wie von USA Today am 4. 12 . berichtet ) wird - Khaipi zweifelt zu Recht - bona fide kaum die Rede sein dürfen . |||

HRW : CALL FOR ACTION

In einer Analyse bringt die New York Times die Resultate des HRW- Reports auf den knochentrockenen Punkt : Months After Protests , Myanmar Junta in Control . Entsprechend lanciert HRW einen - den wie vielten schon ? - Call for Action :

Human Rights Watch criticized the lack of action by countries with good relations and influence on Burma, such as China, India, Russia, Thailand, and other Association of Southeast Asian Nations members. China has made it clear that it will not allow the UN Security Council to take up Burma in any meaningful way. Despite the killing of a Japanese journalist by Burmese security forces, Japan has reacted timidly.

“It’s time for the world to impose a UN arms embargo and financial sanctions, to hurt Burma’s leaders until they make real changes,” said Adams. “Countries like China, India and Thailand have the responsibility to take action to help hold the generals accountable and to end this long nightmare of military repression.” |||

NYT : DISKURSIVE SKEPSIS AN HEHREN VERLAUTBARUNGEN

Solchen Big Expectations setzt - wieder die NYT - ein desillusionierendes Zitat des ASEAN- Generalsekretärs , Ong Ken Yong , entgegen :

As if nothing had happened in Myanmar in recent months, Asean’s secretary general, Ong Keng Yong, said, “We don’t want to come across as being too confrontational in a situation like this.”

Womit auch die neuerlichen Sanktionsdrohungen Washingtons ebenso in ein relativierendes Licht gerückt werden wie die in den Thesenpapieren für den gestrigen EU- Gipfel in Brüssel formulierte einschlägige Absicht :

“the EU leaders were set to say they were ready to tighten sanctions on Myanmar if the country’s military rulers do not ease repression” .

Le Monde schreibt treffend von einem “Nervenkrieg” :

“La guerre des nerfs entre la junte birmane et les capitales occidentales soucieuses d’améliorer la situation politique dans ce pays” .

Man wird sehen , ob die ( vom Burma Digest am 13. 12. referierte ) zehn Tage vor den tahiländischen Wahlen von PPP- Politiker Samak Sundaravej in Aussicht gestellte internationale Burma- Konferenz reine Wahlkampofrhetorik gewesen sein wird : Sei er erst zum Premier gewählt , werde sich Sundaravej für die menschenrechtlichen Belange stark machen . |||

czz blog4burma inadaequat

MIKROMEDIA , KLEINE HOFFNUNGEN , PREISE

Das waren die sozusagen “grossen Nachrichten” . Auf der Kleinseite der NGOs und Blogs gibt es feinteiligere Beobachtungen - und dort auch den einen oder anderen Anlass , Engagement , Interesse und die Hoffnung - seien diese auch noch so gering - nicht leichtfertig fahren zu lassen .

Birma News United berichtet am 6. 12. von der Auszeichnung der in Oslo situierten Radiostation Democratic Voice of Burma ( vgl. Wiki ) mit einem der Menschenrechtspreise 2007 von Reporter ohne Grenzen .

Und noch eine Ehrung : Laut Mizzima News wurde am 13. 12. die Ärztin Dr. Cynthia Maung in Taipei mit dem von der Taiwan Foundation for Democracy gesponserten “Asia Democracy and Human Rights Award 2007” ausgezeichnet . Als Gründerin der Mae Tao- Klinik nahe der thailändisch- burmesischen Grenze habe sie dort seit Ende der 80er Jahre wertvolle medizinische und aufklärerische Arbeit geleistet . Aus dem Häuflein entschlossener Volunteers ist mittlerweile eine stattliche Klinik mit 200 Helfern sowie ein Zentrum für Menschenrechte , Demokratie und Konfliktforschung erwachsen . |||

BURMESE SMILES

Jotman , der - man erinnerere sich - kürzlich mit dem BEST WEBLOG AWARD der REPORTER OHNE GRENZEN ausgezeichnete Blogger von der Thai- Burma- Grenze , setzt inzwischen nicht nur seine Interviews mit Dissidenten fort , sondern legt parallell auch eine Serie fotografischer Portraits an . Der Titel : Burmese Smiles . Vier dieser Lächeln sind bereits online : A humble reminder that we are talking about REAL PEOPLE here , and not merely about politicians’ empty phrases and highbrow humanitarian concepts . Thank you , Jotman ! |||

czz blog4burma inadaequat

GRAZER GRANT

Selbstverständlich ist jene Front keineswegs beruhigt , deren Protagonisten hinsichtlich des vermeintlich mangelnden Wissens Engagements für Burma vor einem Tsunami der Blogosphäre warnen :

Heute, zwei Monate nach den Protesten ist nicht viel geblieben. Inzwischen haben die Posts das Niveau vor den Protesten wieder erreicht, wenn nicht sogar unterschritten .

An Blog 4 Burma wird sich diese Behauptung jedenfalls nicht bewahrheiten . Remember ? - You may subscribe our Common RSS- Feed - |||

KLANGAPPARAT

Teil Zwei des Netlabel- Portrait von [ schall ] , den Electronica- Äquilibristen zwischen Deep Downs und Fine Floats . Die vorletzte Release [schall_003] ist mit der EP Depart auch eher in bester rezenter Erinnerung . Bitte dringend die Heimseite aufrufen und das entzückende Cover betrachten . Etherlink aka Tuomo Korhonen weist leider derart czz hörempfehlungmannigfaltige Namensvettern in finnischen Netzen auf , dass man sich dort dem “Hobbymusiker” nicht wirklich zu nähern vermag : Hier läge ( pardon ! ) noch eine kleine Bringschuld seitens des sympathischen Labels … However : Auch ohne dem guten Mann ins Gesicht und rofil zu blicken , geben Cover und Musikalien doch hinreichend Visitkarten für zarte Gespinste - ätherisch und sozusagen “between Dusk and Dawn” . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. depart | 02. overdrive deck | 03. canvas | 04. floating bodies ( outro ) |||

LINKS

The Shock Doctrine



Sieben Länder , acht Sprachen , ein Buch : Die Globalisierungsgegnerin Naomi Klein lanciert ihr neues Buch “The Shock Doctrine - The Rise of Disaster Capitalism” ( dt. Die Schock-Strategie - Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus , S. Fischer ) global und synchron . Also rechtzeitig am Vorabend des Allgemeinen 9/11- Gedenkens (vgl. NYT) .

Als Schocker und Teaser liess man einen Kurzfilm vom Stapel , welcher nicht eben mit drastischer Dramaturgie geizt . Produziert von Alfonso Cuarón ( “Children of Men” ) wurde das spekulative , gleichwohl ästhetisch bemerkenswerte Stück sofort in die offiziellen Selektionen der Filmfestivals von Venedig und Toronto aufgenommen .

Naomi Klein / Alfonso Cuarón : The Shock Doctrine ( 9:46 )

Interessantes Credit im Abspann des Films : Design and Animation by Foreign Office .

So aufgeregt die behände auf der Klaviatur der Aufmerksamkeitsökonomie spielende Promotion von Buch und Film daherkommt, so hysterisch reagiert die SZ mit einem Sofort- Verriss, den sie sicherheitshalber gleich doppelt - im “grossen Feuilleton” und für die Kids @ jetzt.de- plaziert .

Aber worum geht es ? - Der Fokus richtet sich auf die Überwältigungsstrategien der Macht , um fundamentale Public Service- Dienste an private Firmen outzusourcen und somit dem kapitalistischen Profit auszuliefern . Das alles im Schlagschatten von Katastrophen und an der Schock- starren Öffentlichkeit vorbei .
Bürgerrechte und -Sicherheit gehen ( da deren Garantie teuer ist und selten gewinnträchtig ) sozusagen “flöten” . Stichworte : 9/11 , New Orleans, Homeland Security und die zu 70% von Unternehmen bewerkstelligte Counterintelligence Field Activity (Cifa ) .

Anders , als es die verwerfende Argumentation Roman Jacobis in der SZ wahr haben möchte , ist die “Lara Croft der Antiglobalisierungsbewegung” mit ihrer “Verschwörungstheorie” nicht alleine . SZ- Kollege Heribert Prantl weist im jüngsten FOLIO für den Bereich der “inneren” vs. “individuellen” Sicherheit auf ähnliche Tendenzen hin . Ebenso die ( hier ist das Wort angebracht ) schockierende Reportage von American RadioWorks über die US- Gefängnis- “Industrie” , welche zu Wohl und Gewinn von spezialisierten Unternehmen sozusagen Gefangene produziert ( Corrections, Inc. ) . Andernfalls lässt man den Polizei- Departments freie Hand - ja , ermuntert diese sogar - , durch Beschlagnahmung von Diebsgut und Drogenkonten Zusatzeinnahmen bzw. ihr Basis- Budget zu lukrieren .

Dass die Autorin von “No Logo” nicht eben die feine Klinge führt, ihren Argumenten die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen , demonstriert das Video hinlänglich .

Wie liest sich das nun im O- Ton ? - Der GUARDIAN präsentiert einen “exklusiven” Auszug ( nicht zuletzt, um eine Diskussion mit der Autorin am 13. September in London anzukündigen ) :

But far from shaking their determination to weaken the public sphere, the security failures of 9/11 reaffirmed in Bush and his inner circle their deepest ideological (and self-interested) beliefs - that only private firms possessed the intelligence and innovation to meet the new security challenge. Although it was true that the White House was on the verge of spending huge amounts of taxpayer money to launch a new deal, it would be exclusively with corporate America, a straight-up transfer of hundreds of billions of public dollars a year into private hands. The deal would take the form of contracts, many offered secretively, with no competition and scarcely any oversight, to a sprawling network of industries: technology, media, communications, incarceration, engineering, education, healthcare.

What happened in the period of mass disorientation after the attacks was, in retrospect, a domestic form of economic shock therapy. The Bush team, Friedmanite to the core, quickly moved to exploit the shock that gripped the nation to push through its radical vision of a hollow government in which everything from war fighting to disaster response was a for-profit venture.

It was a bold evolution of shock therapy. Rather than the 90s approach of selling off existing public companies, the Bush team created a whole new framework for its actions - the war on terror - built to be private from the start. This feat required two stages. First, the White House used the omnipresent sense of peril in the aftermath of 9/11 to dramatically increase the policing, surveillance, detention and war-waging powers of the executive branch - a power-grab that the military historian Andrew Bacevich has termed “a rolling coup”. Then those newly enhanced and richly funded functions of security, invasion, occupation and reconstruction were immediately outsourced, handed over to the private sector to perform at a profit.

Zurück zum Video : Die Elektro- Schock-”Therapie” ist , wie die footage suggeriert , keine historische Verirrung , sondern bekanntlich längst wieder gängige Praxis innerhalb der klinischen Psychiatrie - wenn auch freilich unter dem euphemistischen Begriff der Elektrokrampftherapie ( EKT ) . Kontext und Hintergrund ist die Konjunktur des biologistisch- neuronalen Ansatzes ( im Gegensatz zur kognitiven Psychotherapie) und einer exzessiven Psychopharmaka- Industrie ( Referenz : Edward Shorter : Geschichte der Psychiatrie ) . |||

Ad Folter : Siehe den kürzlich erschienenen Bericht Hubertus Breuers über “alternative Verhörmethoden” ( Foltern fürs Vaterland ) sowie die jüngste Resolution der American Psychological Association ( APA ) gegen Ausschluss ihrer Mitglieder bei Guantanamo- Verhören . Der SF- Chronicle kommentiert und nennt die Methoden :

For the first time on record, the resolution lists specific treatment that the association opposes, including mock executions, water-boarding, sexual humiliation and induced hypothermia.

Einen Einblick in das von der US Air Force im Jahr 1961 edierte Handbuch The Manipulation of Human Behavior ( MOHB vulgo Instruction Manual for Psychological Torture ) kann man sich nun per online- download verschaffen : Hier ging es freilich darum , die eigenen Truppen für den Fall einer Gefangenschaft vorzubereiten .

Stichworte : The Physiological State of the Interrogation Subject , The Effects of Reduced Environmental Stimulation on Human Behavior , The Use of Drugs in Interrogation, The Potential Uses of Hypnosis in Interrogation , The Experimental Investigation of Interpersonal Influence ( siehe Jean Amery : Die Tortur ! ) , Countermanipulation through Malingering = Simulation , czz ) . [ via neurophilosphy , PsyBlog , gulli ] |||

Links und Quellen :

Zur allgemeinen Entkrampfung sei nun die Fortsetzung des netlabel- Portraits von / mit / zu We Love Minimal verabreicht . Bekanntlich zählen wir zuruck und gelenagen hiermit zu Release Numero 003 , derczz hörempfehlung äusserst entspannten EP Meister der Magie von ( Alexander ) Kaufmann und ( Markus ) Ferdinand , ihrerseits Betreiber des Frankfurter Labels Kaufe Musik . Unaufgeregte und organische ( so dies im geraden Takt überhaupt möglich ) Sequenzen - ganz ohne Songreste oder Störungen durch etwelche Melodie . Click to listen , four in one @ archive : 01: Meister der Magie [6.11] | 02: Drum ‘n’ Kääs [7.37] | 03: Everlast Ninja [7.37] | 04: Tragende Teile [6.30] |||