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vienna demolition IX : a story in pictures - Zinshaus Herminengasse im Spiegel veröffentlichter Halbwahrheit



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Hermine 08 08 08 01 ( 8. 8. 2008 )

Wie ein kunsthistorisch notorisches Baudenkmal zwischen Strategien von Spekulanten und dem Taktieren von Stadtbeamten buchstäblich zerrieben wird , erweist das Beispiel des frühhistoristischen Zinshauses Herminengasse 2 | Obere Donaustrasse 61 . Wir haben den eben erst von der Wiener Zeitung gemeldeten Vorgang seit August beobachtet und bis dato in|ad|ae|qu|at dokumentiert .

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 8. 8. 2008 )

Erbaut 1868; viergeschossiges Zinshaus mit reich gegliederter frühhistoristischer Fassade; Balkon über Eingangsachse, an West-Ecke Runderker, Einfahrt mit Pilastergliederung, Vierpfeilerstiege.

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 8. 8. 2008 )

Was der “Dehio” als bemerkenswertes Baudenkmal notiert , wurde von der Liste schutzwürdiger Einzelobjekte des Bundesdenkmalamts ignoriert .

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U2- AUSBAU : “PROBLEMHAUS”

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 13. 9. 2008 )

Im Gegenteil wurde der massive Eckbau am Wiener Donaukanal zum “Problemhaus” erklärt , da sich dessen Eigentümer den Plänen der Verlängerung der U- Bahn U2 vom Schottenring in Richtung Prater widersetzte . Die Stadt , unter Zeitdruck , diese vom Stadtzentrum direkt an den Austragungsort der Fussball- EM führende Linie termingerecht zum Anpfiff fertigstellen zu müssen , beklagte im Jahr 2006 “Verzögerungen” öffentlicher Interessen durch private Querstände :

U2-Ausbau bis auf einen Bauabschnitt voll im Zeitplan
Im Bereich der Hochstrecke konnten die Wiener Linien bereits im Mai 2005 die Rohbauarbeiten abschließen. Die Tunnelvortriebsarbeiten zwischen Praterstern und Messe konnten trotz eines Wassereinbruchs im September 2005 ebenfalls termingerecht beendet werden. Selbst im Bereich der zukünftigen Station Schottenring - hier liegen die Stationsröhren direkt unter dem Donaukanal - sind die Wiener Linien absolut im Zeitplan.

Zwei Problemhäuser zwischen Donaukanal und Taborstraße
Zu Verzögerungen im Baufortschritt kam es im Bauabschnitt U2/2 “Taborstraße”, der im 2. Wiener Gemeindebezirk zwischen dem Donaukanal und dem Praterstern liegt. Hier legten sich die Eigentümer zweier Grundstücke im Bereich der Nickelgasse und im Bereich Obere Donaustraße | Herminengasse gegen die Untertunnelung ihrer Häuser quer. ( rk , 7. 6. 2006)

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 13. 9. 2008 )

Aus Perspektive der Wiener Stadtplanung wurde das Rechtproblem wie folgt dargestellt :

Aufwändiger Rechtsstreit brachte Verzögerung
Für den Bau einer U-Bahn-Röhre auf einem fremden Grundstück brauchen die Wiener Linien ein so genanntes Servitutsrecht. Wenn dieses Recht gegen entsprechende Entschädigungen von den Eigentümern nicht freiwillig eingeräumt wird, besteht die Möglichkeit, es über ein eisenbahnrechtliches Enteignungsverfahren zwangsweise zu erwirken. Die Wiener Linien haben diese Rechte in beiden Fällen durch zwei Instanzen (1. Instanz MA 64, 2. Instanz BMVIT) bereits Mitte 2005 erworben.

Darüber hinaus musste allerdings nach der damals gültigen Rechtslage vom zuständigen Bezirksgericht die Höhe der Entschädigung für die Servitute festgestellt werden. Obwohl die Grundstückseigentümer versucht haben, alle rechtlichen Möglichkeiten auszunutzen, sind beide Verfahren inzwischen abgeschlossen. Im Falle der Liegenschaft Nickelgasse 5 ( … ) wurde der Beschluss über die Höhe der Entschädigungssumme im April 2006 zugestellt. Für das zweite Problemhaus in der Oberen Donaustraße 61 | Herminengasse 2 (hier sind beide Tunnelröhren betroffen) wurde das Verfahren mit der Festsetzung der Entschädigungshöhe am 1. Juni 2006 beendet. ( rk , 7. 6. 2006)

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 13. 9. 2008 )

Das Résumée kündete - unter Auslassung einiger entscheidenden Details - von einem erfolgreichen Ende :

U2 wird rechtzeitig fertig
Durch die Umstellungen im Bauablauf ist es gelungen, die durch den Rechtsstreit entstandenen Verzögerungen soweit aufzufangen, dass die Eröffnung des neuen U2-Teilstücks nach wie vor vor der Fußball-Europameisterschaft 2008 möglich ist. Um den geplanten Eröffnungstermin halten zu können, müssen allerdings in diesem Bauabschnitt auch in Zukunft alle weiteren Schritte extrem komprimiert erfolgen. So ist bereits jetzt eingeplant, alle noch nachfolgenden Arbeiten zum Großteil im Schichtbetrieb durchzuführen. ( rk , 7. 6. 2006)

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“VERKEHRSBERUHIGT” IN ZWIEFACHER PERSPEKTIVE

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 15. 10. 2008 )

In schöner Umschreibung einer aus dem Hausstreit erwachsenen Groteske verbucht die Stadt Wien nicht nur das Erfolgsprojekt der U- Bahnverlängerung , sondern auch die einwohnerfreundliche Schaffung PKW- verkehrsberuhigter , fussgängerfreundlicher Zonen plus Radweg- Bonus :

Station Herminengasse
An der Ecke Obere Donaustraße 61 | Herminengasse wurde ein neuer U-Bahn-Aufgang mit Stiegenanlage und Aufzug errichtet. Über den neuen U-Bahn-Aufgang gelangt man direkt auf den Vorkai des linken Donaukanalufers, ohne die Fahrbahn der Oberen Donaustraße queren zu müssen. Die Fahrbahn der Oberen Donaustraße musste in Richtung Donaukanal verschwenkt werden.

Über die Obere Donaustraße wurde eine neue Fuß- und Radwegquerung errichtet. Die Herminengasse wurde für den motorisierten Individualverkehr zur Sackgasse, um vor dem Stationsaufgang genügend Platz für Fußgängerinnen und Fußgänger beziehungsweise Radfahrerinnen und Radfahrer zu erhalten.

Im Zuge der Wiederherstellung der Oberfäche im Bereich der Station Herminengasse konnte auch ein Radweg entlang der Unteren und der Oberen Donaustraße im Abschnitt Aspernbrückengasse bis Rembrandtstraße realisiert werden. Der Radweg wurde als Zwei-Richtungs-Radweg auf Seite der Bebauung in Verlängerung des bereits 2004 gebauten Radweges an der Unteren Donaustraße angelegt. ( Webservice Stadt Wien)

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Die schön tönende Halbwahrheit ist bis in den Wikipedia- Artikel “Schottenring ( U- Bahn- Station )” vorgedrungen :

Mit der Verlängerung der U2 zum Stadion wurden auch auf der Leopoldstädter Seite neue Ausgänge geschaffen: einer führt neben der Staustufe Kaiserbad direkt auf den auf den Treppelweg entlang des Donaukanals, ein weiterer Ausgang unterquert die stark befahrene Obere Donaustraße und führt in die Herminengasse, eine verkehrsberuhigte Straße im 2. Bezirk.

Dass die Stadt Wien diese Verkehrsberuhigung nie wirklich im Sinne hatte , sondern durch falsches Taktieren sich letztlich gezwungen sah , durch einen solitären Separatbau auf der Fahrbahn Herminengasse , diese vom Fliessverkehr abzuschneiden , erweist die Archiv- Recherche der heutigen Ausgabe der “Wiener Zeitung” . Demnach war mit der Planung des U- Bahn- Ausgangs in der Sockel des Eckhauses Oberen Donaustraße 61 | Herminengasse 2 dessen Schicksal eigentlich bereits besiegelt .

Die Wiener Linien wollten in und unter diesem Haus an der Ecke zur Herminengasse die Treppen und Lifts zur U2-Station Schottenring sowie einen Zugang unter der Fahrbahn zum tiefer liegenden ‘Vorkai’ – einem künftigen Vergnügungsstreifen – unterbringen. Im Jahr 1999 wurde der Baubeginn für die Strecke Schottenring-Stadion für das Jahr 2002 angekündigt. Im Juni 2003 folgte der erste Spatenstich. ( … )

Die U-Bahn-Bauer veröffentlichten 2003 | 04 ihre Detailzeichnungen zum U-Bahn-Zugang Herminengasse. Damit war der Segen des Magistrats für den Abbruch und die ‘Verwertung’ mit einem Neubau noch deutlicher vorgezeichnet. Mitkalkuliert war auch die Vertreibung der letzten Mieter (’Bestandfreimachung’) durch eine Enteignung wegen öffentlichen Interesses – was billiger kommt, als ihnen akzeptable Ersatzwohnungen anzubieten. ( WZ , 24. 10. 2008)

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Nun kommt - als zusätzlicher Twist - die spezielle Agenda der konservativen “Wiener Zeitung” ins Spiel : Im Zuge der Agitation gegen die sozialdemokratische Stadt ver planung wird die Episode mit dem Eckhaus nicht dessen möglichen Erhalts wegen erzählt , sondern als Geschichte einer verpassten Gelegenheit , die Immobilie 2004 zu erwerben , selbst abzureissen und die bauliche Ausgestaltung des Grundes selbst zu kontrollieren . Stattdessen kaufte die Wiener Bauträger-GmbH Consentia die Liegenschaft 2004 und zwang den U- Bahn- ausgang damit buchstäblich “auf die Strasse” :

Hätte die Stadt Wien 2004 selber das ganze Haus erworben, wäre sie heute nicht blamiert. Im März 2005 wurde der ‘Sonja’-Tunnel (benannt nach der Patin Sonja Wehsely) angestochen – die Verbindung unter dem Donaukanal in die Donaustraße. Aber es fehlten die Verträge mit dem Hauseigentümer, bei dem der Tunnel enden sollte. Zulange wurde von den Beamten taktiert, und zuletzt ist der Stadt die Zeit davongelaufen und der Deal geplatzt.

Die Wiener Linien mussten sich mit ihrem Ausgang Herminengasse in die Fahrbahn zwängen. Der patzigen Steinverkleidung sieht man an, dass sie nicht mit dem sonstigen Stationendesign abgestimmt ist. Das sensible Umfeld von Otto Wagners ‘Schützenhaus‘ ist überdies durch einen Beton-Tubus gestört, durch den Luft in den Untergrund gesogen wird. ( WZ , 24. 10. 2008)

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 15. 10. 2008 )

Mit der Referenz auf Otto Wagners berühmtes Wehrkrangebäude und dessen denkmalschützerisch “sensibles Umfeld” kommt das genehme Selbstbild des “Jugendstil- Wien” auf den Tisch . Damit sind Frühhistorimus , Demolierungsdrang und der - de facto positive - Aspekt der Verkehrsberuhigung im Wohnviertel von ebendemselben gewischt . Und die Geschichte vom “armen alten Haus” erweist sich als lediglich sentimentaler Teaser .

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KRIEG , KRITIK , KRISE

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Der nicht namentlich gezeichnete ( allem Anschein nach vom dem kürzlich zur Architekturkritik ( ! ) in die Redaktion geholten Literaturkritikers Hans Haider verfasste ) Artikel polemisiert primär gegen den Beamteapparat und die planerische Impotenz des “Roten Wien” : Wo , so der Tenor , eine als städtebauliches Statement gar nicht so üble Investoren- und Neuprunk- Architektur entstehen könnte , kappen die Deppen vom Amt alles Kühne .

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So biedert sich die Geschichte um die Schleifung des frühhistoristischen Hauses zunächst einem konservativen Leserkreis an , um dann jäh umzuschwenken in eine Apotheose der zukunftsträchtigen Kräfte freier Show- und Investorenarchitektur .

Der Donaukanal war in den letzten Kriegstagen 1945 eine Frontlinie zwischen der Roten Armee (die vom Westen her anrückte!) und SS-Verbänden. An den beiden Kais blieb wenig alte Bausubstanz erhalten. Neubauten prägten in grauem Durcheinander aus allen Dezennien die links- und rechtsufrige Kai-Line. Seit zehn Jahren wird am Donaukanal optisch aufgerüstet. Raiffeisen und die OPEC leisteten sich ein bescheidenes Face-liftig, Hans Hollein baute für die Fellner-Brüder den ‘News’-Tower, Dieter Henke und Marta Schreieck setzten der Zürich-Versicherung ihren “K 47“-Kubus auf das Dach des Neubaus, dem der 1911 vollendete ‘Kai-Palast’ weichen musste. Fritz Neumann [ korrekt : Heinz Neumann , czz ] gelang das bisherige Glanzstück am Donaukanal, der UNIQA-Tower. Jean Nouvel verbaut derzeit den Platz, von dem die Bundesländer-Versicherung gewichen ist.

Für die Planung von Fritz Neumann [ korrekt : Heinz Neumann , czz ] an der Oberen Donaustraße 61 will die Consentia-GmbH noch keine konkrete Nutzung angeben. Wohnungen, Büros, ein Hotel? Die spürbaren Krisenzeichen machen die Entscheidung schwierig, heißt es. Die Hülle aber steht fest, doch nur innerhalb der vom Magistrat vorgegebenen Höhenlinien, denn Neumanns Dachaufsatz, in Korrespondenz zu “K 47″, wurde nicht genehmigt. Weil dieser Akzent fehlen wird, setzt sich die Linie der belanglosen Nachbarschaft ohne Störung fort. Die für den Gesamteindruck entscheidende Fassade soll aus doppelwandigen Glaslamellen gefügt werden und damit ein Spiel mit dem sich außen und innen verändernden Licht in Gang bringen.

Doch nicht so bald! Noch immer prozessieren Stadt Wien und Consentia um Entschädigungen, denn die U-Bahn-Trasse quert auch das ganze Grundstück. Gutachter und Gegengutachter beziffern statische Dauerschäden und die Wertminderung, da wegen der U-Bahn nicht die vorgeschriebene Zahl von Tiefgaragenplätzen gebaut werden können. Weil Bewegung in den Untergrund kam, muss seine Beruhigung abgewartet werden. Darum wird vorerst Gras über die Abbruchnarben wachsen und ein gutes alten Haus vergessen werden. Nur die Autofahrer fluchen über die Schikane im einst geraden Straßenlauf. ( WZ , 24. 10. 2008)

Architektur , öffentlicher Raum , Stadtgestaltung : In welchem Masse auch der Diskurs darüber immer ein politischer ist , dessen werden sich die verkehrsberuhigten Nachbarn und Betrachter der Abbruchstelle peinlich inne . Kein Text ohne Tendenz , keine Antwort ohne Halbwahrheiten .

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Aber jetzt ist sie da , die neue broque , die fesche Webseite , wie vorgestern angesagt . Juno6 ( aka Stefan Schultz ) gibt mit der ep czz-hoerempfehlungterra australis” einen gut geerdeten Mix aus Ambient, Field Recordings und versonnener Klangbastelei . Und ist ein Hinhorchen . Und ist ein Staunen . Neugierige vierzig Minuten aus Fleisch und Fisch , Mensch und Ding , Stadt, Land und den Schreiern derer , welche sich über unseren blöden Köpfe höhnend emporflattern . 01. terra australis | 02. uretic urgent | 03. come back to me | 04. whippersnapper | 05. h8 - CLICK TRACKS TO LISTEN .

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