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||| WER GUT HÖRT , DER GUT FÄHRT | HÖRSPIELE , PLÖTZLICH | KUNST UND TOD IN VENEDIG | PROUST LESEN LASSEN !

WER GUT HÖRT , DER GUT FÄHRT

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Dass Weltliteratur via Hörbuch nicht die “Easy Listening”- Variante für Köpfe hinter Bügelbrettern darstellt , erweist die Auszeichnung , welche Winter & Winter für seine wahrhaft unzeitgemässen Sechzehn- Stünder venezianischer Fin- de- Siècle- Romane von Seiten der Deutschen Schallplattenkritik eben erhalten hat . Das langmütige Proust- Projekt des Hörverlags hält eben bei Teil Vier ( «Sodom und Gomorra» , 22 CDs ) und geriet umstandslos auf die hr2- Hörbuchbestenliste.

Sozusagen in Echtzeit hat der Berliner Schriftsteller Jochen Schmidt seine wohlproportionierte Komplett- Lektüre der “Recherche” in seinem Blog “Schmidt liest Proust” protokolliert und sympathische Alltagsfragmente einfliessen lassen : Lesen ist Arbeit und - wie jetzt in der prächtigen Buch- Edition @ Voland & Quist nachzulesen - vernögen zwanzig Seiten Proust pro Tag sehr wohl den Blick auf die Niederungen des Alltags zu verändern .

Letzteres gilt auch für die ( leider nur eine CD umfassende ) Kompilation der sekundenkurzen “Wurfsendungen” - welche Deutschlandradio Kultur seit zwei Jahren als plötzliche Hörpiele und absurde Interventionen per Zufallsgenerator in sein Tagesprogramm streut . Oft kopiert , nie erreicht : Kult mit absolutem Suchtpotential .

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HÖRSPIELE , PLÖTZLICH

icon listening whiteczz - Irritation und Invasion des Alltags durch surreale künstlerische Interventionen – diese in der experimentellen und Medienkunst geläufige Tradition wurde im Kultursender Deutschlandradio 2006 salonfähig . Mithin blitzen sechsmal täglich jäh jene surrealen Mikro- Hörspiele auf , die als “Wurfsendungen” längst legendär sind . Per Zufallsgenerator geworfen in das Tagesformat (Radiofeuilleton ) , werfen die sekundenkurzen Spots , Szenen und Situationen den Hörer aus dem gewohnten Trott und die Ratio lustvoll über den Haufen .

Produziert in Serien von acht bis zehn Folgen , kombiniert das Format des “plötzlichen Hörspiels” den Effekt der Überraschung mit demjenigen des Wiedererkennens , womit noch gar nichts über den oft nihilistischen Witz dieser partikularen Performances gesagt ist . Ob Comic- Charaktere wie die linkischen Hirningenieure Nano & Mü , oratorische Reflexionen zur Einsamkeit des Users vor dem Computer , Solo-Suaden , Ehegeplänkel , Airport- Durchsagen – was diese Mailboxnachrichten , Ratespiele , Telefonate und Wechselreden alle eint , ist die konsequente Konzentration auf die Situation des Sprechens . Mit diesem roten Faden , der sich durch die über 1.000 gesendeten Mini- Clips zieht , wird einerseits deren beliebige Kombinierbarkeit garantiert , zum andern ein Abdriften ins beliebig Kabarettistische verhindert .

Wenn nun 99 dieser akustischen Ausschnitte einer angewandten Psychopathologie des Alltagslebens auf CD erscheinen , mag man diese als Spielformen auf den Registern des ( Anti- ) Witzes geniessen . Faszinierender aber ist , dass hier das Sprachmedium “Radio” ein produktives Format dafür geschaffen hat , das Sprechen an sich und durch sich pfiffig zu reflektieren .

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KUNST UND TOD IN VENEDIG

icon listening blackczz - Dem ambivalent- dekadenten Glanz der “Serenissima” ist die zweite Hörbuch- Kollektion des Labels Winter & Winter gewidmet . Mit Mut zum visionären Schwulst wurden zwei vernachlässigte Venedig- Texte ausgewählt , die – in ihrer Zeit einst einflussreich – letztlich scheiterten am Unmass von Wollen und Form .

Ideologisch einander gegenläufig , koinzidieren Gabriele d’Annunzios “Das Feuer” ( “Il Fuoco” , 1900 ) und Franz Werfels “Verdi – Roman der Oper” ( 1924 ) nicht nur in der Wahl des Schauplatzes , sondern auch in der schicksalhaften Bedeutung , die Richard Wagners Tod in Venedig im Februar 1883 beigemessen wird .

Werfel zeichnet den zu Venedig weilenden Verdi in einer Schaffenskrise , die in der Konfrontation mit dem gefeierten “Zukunftsmusiker” zugleich gipfelt und überwunden wird : Als er sich nach Kämpfen der Selbstversicherung ( für die “Sinnlichkeit” und gegen die “Idee” ) dazu durchringt , den Gleichaltrigen aufzusuchen , kommt die Kunde von dessen tragischem Tod . - Für Stelio Effrena , d’Annunzios romaneskes Alter Ego , besiegelt der Tod des Meisters den Anspruch des Künstlers auf das geistesaristokratische Privileg . Aus der schwelgerischen Feier von Schönheit und Grausamkeit spricht das Selbstbild des Übermenschen ebenso unverbrämt wie von der Liaison mit Eleonora Duse . In tendenziöser Verzerrung des real gerade fünf Jahre betragenden Altersunterschiedes erscheint Stelio als ephebisches Genie und die Geliebte als alternde Diva - gerade noch strahlend vor dem Hintergrund des Untergangs .

Die denkwürdige Kreuzung der Fluchtpunkte – hier Werfel mit dem Plädoyer für Verdis “italianità” , dort d’Annunzios Wagner- Kult – tritt durch die parallele Publikation dieser Künstlerromane deutlich hervor und liefert ein präzises ideengeschichtliches Bild der Epoche zwischen Décadence und Faschismus . Mit Paul Herwig als elastischem Stelio und Wolfram Berger als ländlichem Werfel | Verdi wurden treffliche Sprecher gewählt :

Furchtlos bieten ihre Stimmen d’Annunzios Exaltationen und Werfels uferlosen Skrupeln die Stirn .

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PROUST LESEN LASSEN !

icon listening whiteczz - In der Bibliothek der ungelesenen Bücher nimmt Prousts “Suche nach der verlorenen Zeit” einen Spitzenplatz ein . Auch beherzte Kampfleser verirren sich in den Satzlabyrinthen oder verlieren die Lust am ätzenden Gesellschaftsporträt inmitten der mehrtausendseitigen Bleiwüste .

Wer indes bereit ist , den Purismus eigener Leistung beiseitezulassen und sich berufener Assistenz anzuvertrauen , muss auf die Kenntnis der “Recherche” nicht verzichten : Mit “Sodom und Gomorra” liefert Der Hörverlag nun bereits CD- Paket Numero vier jener integralen Lesung , welche der Sender Berlin- Brandenburg in einem herkulischen Unterfangen unternahm . Peter Matics ebenso nobles wie elastisches Organ dringt bis in die Kapillaren der Konstruktion , enträt jedoch nie jener – den mikroskopischen Absurditäten der kapriziösen Salons inhärente – Komik . Nämliches gilt für die Innensichten der Erzählerfigur , ganz Kind einer überfeinerten Décadence . Die blendend vorbereitete Lesung des Werks erweitert den Wahrnehmungsraum , indem sie dessen vertrackte Syntax mit den Beobachtungen und Bonmots glänzend vermählt .

Eine andere Methode zur Bewältigung des Mammutwerks hat der Dichter Jochen Schmidt gewählt : Als Marathonläufer bestens aufgestellt , hat er sich über Monate hinweg ein tägliches Lesepensum von zwanzig Seiten verordnet und die jeweilige Leseerfahrung rendu in einem Weblog protokolliert . Die Internet-Notate “Schmidt liest Proust” wurden nun in ein veritables Buch gegossen , das manch unkonventionelle Perspektive bietet : In diesem Fall ist es das betont subjektive und die Nöte eines jungen Autors mit verzeichnende Digest der “Recherche” , welches teils tiefe , teils pfiffige Erkenntnisse zeitigt .

Etwas sparsam wirkt die dem Band beigefügte CD : Schmidt hat definitiv mehr zu sagen, als eine Audio-CD von 64 Minuten erlaubt .

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AUS AKUSTISCHEM ANLASSlärm no radio KEIN KLANGAPPARAT

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AUDIO AKTUELL



||| POPLITERATUR IM LOOP | POESIE ALS MUZAK | SONATE IN URLAUTEN | RHAPSODE RANSMAYR | KLANGAPPARAT

icon listening whiteHerbst ist : Die Ernte einbringen . Herbst ist : Die Äpfel lagern . Herbst ist : Die Triebe stutzen . Herbst ist : Das Samen legen . Fürs neue Jahr . Herbst ist : Das grosse Einkochen . Für jetzt , für später . Nicht , dass wir derart hortikulturell und in arkadischer Subsistenz lebten . Aber wir borgen uns in|ad|ae|qu|at die Metaphorik für die Berge des “Zu Erledigenden’ . Da ist Hirnhitze hochlochend , bedarfs anderseits mannigfaltiger Hand- Arbeit . Zeit also , zu hören . Für Zeitgenossen , deren Chronometer vornehmlich in der Laufzeit einer handelsüblichen Musik- CD besteht , bietet Pitchfork eine ellenlange Liste der diesen Herbst zu vergegenwärtigenden Pop- , Rock- und Electronika- Ernte .

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POPLITERATUR IM LOOP

icon listening blackDass und wie der popliterarische Sektor oft erst spät im Medium “Hörbuch” einlangt - warum gibt’s eigentlich keine Rainald Goetz- Texte in diesem Medium ?! - ist an den um Jahre verzögerten Einspielungen etwa von Wolfgang Herrndorfs Erstling “In Plüschgewittern” ( Buch 2002 @ Zweitausendeins , Audiobook @ Roof Music 2008 ) oder Karen Duves straighten Crah- Text- Dummies ( “Keine Ahnung” , Buch 1989 @ surkamp , CD @ Eichborn 2007 ) etc. zu ersehen . “Alte Hadern” , wird man einwenden und nach der Gattung der von Volker Weidermann in der gestrigen FAS so zerzupften Jungliteraten fragen ( “Das deutsche Wollmausmassaker” ) - Offenbar legitimiert , talking about Major Labels , erst der Bucherfolg das Unterfangen einer auditiven Release des betreffenden Textes .

Bei erwartbaren Blockbustern wie Duves neuem eh- schon- wissen-Taxi” oder dem derzeit unvermeidlichen Sven Regener erfolgt die Veröffentlichung allerdings bereits parallel zur Hardcover- Ausgabe . Kommt Pop somit zu sich selbst oder frisst er sich just an dieser Stelle ( Pop will eat itself ) und gebiert dabei schieres Big Marketing ? - Jedenfalls borgt sich unser ( wie stets maximalanschlagszahl- gebremster ) Essay über das Hörbuch im popliterarischen Zeitalter den Titel vom besten Stück in Diedrich Diederichsens jüngster Aufsatzsammlung : Mit “Leben im Loop” aus “Eigenblutdoping” schlägt DDs theoriesteiler Journalismus jede literarische Abarbeitung am Zeitgeist in puncto Schnelligkeit und Schlagwortbildung um Längen . ( more …)

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POESIE ALS MUZAK

icon listening white Wo in der Pop- Musik noch der geringste Textrest als “lyrics” durchgeht und man im Radio jedes Stück Lyrik zwischen gefällige Klänge setzt , steht es um die Autonomie der Poesie nicht zum Besten . Ein unfreiwilliges Exempel für eine nach aussen popig effektheischende , innerlich aber sterile musikalische Auffassung moderner Dichtung gibt der Zyklus “Recitement, den der niederländische Filmkomponist Stephen Emmer mit beträchtlichem Aufwand ausrichtet.

Die Anthologie mit Autoren wie Charles Baudelaire , Gerard Manley Hopkins , Paul Theroux und Yoko Ono – gesprochen von Grössen wie Lou Reed und Richard Burton – ist dabei mindestens so beeindruckend wie das Originalton-Material von Jorge Luis Borges , Allen Ginsberg , Hugo Claus und einige Samples «Kurt Schwitters» . Hinsichtlich der Texte , Interpreten sowie mit dem Engagement des Studio- Superstars Tony Visconti bietet man auf, was gut oder teuer ist . Das adrett elegische Video «Passengers» (nach Paul Theroux , mit Lou Reed ) rundet die umfassende PR via YouTube ab .

Im Wesentlichen belaufen sich Emmers musikalische Adaptierungen der poetischen Texte allerdings auf “Easy Listening”-Arrangements unter reichlichem Einsatz synthetischer Geigen . Die dekorativen Klangbilder planieren den Eigensinn der Dichtung , so dass die Texte seltsam aseptisch anmuten . Zwar steht der Komponist nicht an , sein passables Genre- Repertoire auszuspielen , doch verharren diese Stimmungen durchwegs in polierten Klischees . Wo Baudelaire nach Serge Gainsbourg klingt und Borges wie Latino-Muzak , gibt sich das Sein gegenüber dem Design geschlagen . ( more … )

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SONATE IN URLAUTEN

icon listening blackEchten Schwitters - und zwar best practice - bringt die Werkausgabe des Zweitausendeins- Verlags zu Gehör . Die “Sonate in Urlautenwird hier erstmals in der einzigen erhaltenen Schwitters- Originalaufnahme präsentiert , ergänzt durch die augenfällige Tonspuranalyse einer späteren Fälschung im Begleitbuch .

Aus den Interpretationen ausgesuchter Vokalisten sind drei Gesamtdurchläufe der “Ursonate” zusammengestellt , welche das Auslegungsspektrum der hinsichtlich Tonhöhe , Lautstärke und Länge nicht annotierten Partitur in stupender Virtuosität vorführen : Gerhard Rühms gesangliche , Jaap Blonks dynamische und die theatralische Performance des A- Capella- Trios Exvoco kommunizieren den unzweifelhaften Sinn der Artikulationen jenseits des Lexikons .

Das “Urwerk dieser liebevoll edierten MP3- CD dreht mittels subtil selektierter Tondokumente eine kluge Tour durch Schwitters’ poetisches und oft humoristisches Œuvre . Mit Quellentexten und Kommentaren zu jedem der 71 Tracks komplettiert das Beibuch kompetent die exquisite Edition . ( more … )

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RHAPSODE RANSMAYR

icon listening white Ob nicht der gefeierte Rhapsode Christoph Ransmayr in manchen Stücken als Form des literarischen “Adult Pop” zu lesen wäre , bliebe - genauso wie die Fragen zu “Kitsch & Metaphysik” - zu diskutieren . Die besseren waren jedenfalls die frühesten Stücke , wo der Erzähler einen produktiven Dialog mit historischen Vorlagen aufnimmt : Sei es die (von Julius Payer minuziös überlieferte ) österreichisch- ungarische Nordpolar- Expedition 1872–1874 in “Die Schrecken des Eises und der Finsternis” , seien es Ovids “Metamorphosen” in “Die Letzte Welt.

Aus Zitat und Variation , Rekonstruktion und Imagination fliesst ein unzweifelbares Drittes ( … zu diskutieren … ) , welches besonders hervortritt , wenn Ransmayr selbst liest . Hier raunend , dort rau , stets aber viril und präzise artikulierend , setzt der Autor seine Texte effektvoll in Szene . Im besten Fall – so bei der Neueinspielung der “Letzten Welt – begleitet eine entschiedene Regie (Harald Krewer ) den allzu wirkungssicheren Interpreten und steuert manchem Manierismus entgegen . ( more … )

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KLANGAPPARAT

Einen mittlerweile alten Bekannten haben wir im heutigen KLANGAPPARAT zu Gast ( bisher eins , zwei , drei & vier ) : Und - schau , schau , hört , czz-hoerempfehlunghört - wen bringt der unter Pseudonym ( ? ) und from L.A. ( ? ) agierende Norman Fairbanks heute ins deutschsprachige Poplikum zurück ?! -

Na nett : “I’m the operator with my pocket calculator …” tönt’s aus dem fingierten GPS- System und hat sich KRAFTWERK quasi per Tenori- On in die ( vor ) letzte Generation elektronischer Klangsteuerung gebohrt . Wiedererkennungseffekte in kuscheligen Traumsuppenklangflächen wärmen das Herz doch um eine ganze Umdrehung mehr - “L.A. Machine Part 1” ( 32:18 ) | “Part 2” ( 28:44 ) - CLICK LINKS TO LISTEN .

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Audio Aktuell



||| Selten gelingt’s , sozusagen per Divination auf den ersten Click einen dem Thema des täglichen Eintrags gemässen KLANGAPPARAT zu erhaschen : Aber da wir ja heute über Echt- Welt- Texte beispielsweise zu Elias Canettis “Stimmen von Marrakesch” handeln , lag der Aufruf der Seite des in Orléans situierten - laut Eigendefinition aber auch “marokkanischen” - Netlabels Fresh Poulp Records sozusagen auf unter der Maus- Hand , um die monatliche Revue sogenannter ‘Hörbücher‘ musikalisch zu eskortieren .

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CANETTI , KAFKA - RADIKAL MUSIKALISCH

icon listening white Wie es klingt , wenn fundamentale Texte der Moderne in den Resonanzraum charismatischer Künstler geraten , erweist die in allen Aspekten der Audio- und Bibliophilie liebevoll gestaltete “Bibliothek der Töne” des Mandelbaum Verlags . Kraftwerk und musikalischer Nukleus der Sprach-Musik-Kompositionen sind Peter Rosmanith als Produzent und Multi- Perkussionist sowie der Akkordeonist Otto Lechner .

Zusammen mit der Schauspielerin Anne Bennent , die die Bretter der Weltbühnen zugunsten von kleineren Räumen kompromissloser Selbstbestimmung verliess , hat man sich der “Stimmen von Marrakesch” angenommen , Elias Canettis Bericht über die Erfahrung der Fremdheit in Form der Undurchdringlichkeit sprachlich- klanglicher Kakophonie . Der Vektor vom Eigenen ins “Fremde” wird dabei einerseits durch das Neu- Arrangement des Textes akzentuiert , anderseits durch die allmähliche Ablöse von europäischen Klangfarben ( Prévert- Chansons , Mozarts “Entführung” ) zu exotischen Melodien und Instrumenten ( Vienna Rai Orchestra ) . Solche melodischen Exotik hält Anne Bennent jene innere Fremdheit entgegen, mit welcher sie Canettis Text exzellent spricht , diesen aber nicht “spielt” . Die reine Stimme - und darin mündet ja Canettis Erzählung - ist und bleibt das undurchdringlich “Andere” .

Einen notwendig umgekehrten Weg geht Otto Lechner mit seiner sehr persönlichen Adaptierung ausgewählter Kafka- Texte . Der Titel “nicht einmal gefangen* zitiert mit einem Aphorismus jene Dialektik von offensichtlicher Freiheit und Selbstgefängnis , welche so charakteristisch ist für Kafkas Konstellationen . Lechner , der sich als blinder Musiker die Texte durch auditives Auswendiglernen des von Freunden auf Kassette Vorgelesenen aneignet , kennt und benennt deren inkommensurablen Sinn inwendig .

Die Rezitation mit der Ziehharmonika auf melodisch illustrierende oder rhythmisch skandierende Weise begleitend , erschliesst der hellhörige Improvisator die intensive Kraft Kafka’scher Kurzformen . Sekundenkurz blitzt ein Volkslied durch das bleiernen Ambiente von “Ein Landarzt” , insistierende Ostinati illustrieren das mechanische Kreisen der Zirkusreiterin und die “Dampfhämmer” des Applauses “Auf der Galerie” und in die grausame Parabel “Der Geier” sickert ganz leise die Weise “Oh Haupt voll Blut und Wunden” . In Lechners musikalischen Assoziationen bewahrheit sich das Diktum Walter Benjamins, Musik und Gesang seien bei Kafka “ein Pfand des Entrinnens” . ( credits … )

* Nicht vorenthalten können und wollen wir indes den titelgebenden Text des Otto Lechner- Kafkaniaden . Die Notiz entstammt dem Konvolut “Er - Aufzeichnungen aus dem Jahre 1920 ” :

Mit einem Gefängnis hätte er sich abgefunden. Als Gefangener enden - das wäre eines Lebens Ziel. Aber es war ein Gitterkäfig. Gleichgültig, herrisch, wie bei sich zu Hause strömte durch das Gitter aus und ein der Lärm der Welt, der Gefangene war eigentlich frei, er konnte an allem teilnehmen, nichts entging ihm draußen, selbst verlassen hätte er den Käfig können, die Gitterstangen standen ja meterweit auseinander, nicht einmal gefangen war er. ( Hervorhebung czz )

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UNERHÖRTES KAFKANIEN

icon listening blackKein anderes Medium manifestiert den Wandel der Kafka- Rezeption so deutlich wie das akustische . Als sinnlichste und unmittelbarste unter den Interpretationen bleibt die Vorlesung nicht lediglich Angelegenheit von Fertigkeit und Auffassung des Sprechers , sondern transportiert jeweils auch die historische Stimmung der gerade geltenden Be- Deutung des Kafka’schen Werks .

Lag in den fünfziger bis achtziger Jahren der Fokus der Radio- und Schallplattenproduktionen auf den enigmatisch- existenzialistisch aufgefassten Kurztexten , so hat sich das Interesse in jüngerer Zeit den Romanen zugewandt . Dies dankt sich einerseits der Entwicklung von praktischen und potenten Datenträgern ( CD , MP3- CD ) , geht andererseits aber parallel einher zu dem geschärften Interesse für einen “alltäglicheren” Kafka und dessen kulturell- biographischen Horizont. Welten liegen zwischen Gustav Gründgens‘ knapp einstündiger Lesung von Schlüsselstellen aus dem “Prozess” ( 1961 , DG ) und den achteinhalb Stunden , in welchen Christian Brückners energische Komplettlesung der Figur des K. einen so überraschenden wie plausiblen Dreh ins Aufsässige und fatal Lässige gibt ( Zweitausendeins ) .

Ob als interessante Verfremdung gedacht oder als Reverenz an K.s erotisch zwielichtige “Helferinnen” : Katharina Thalbachs metallisch changierendes Timbre akzentuiert den Aspekt jener Anzüglichkeit , die den Diatriben des Gerichts zutiefst eingewirkt ist ( GoyaLit ) . Eine nicht minder erhellende Lesart bietet Peter Matics akkurat punktierte Version ( DG ) : Vermitteln Gründgens’ verschliffene Konsonanten den Eindruck des gehetzt Nervösen , lässt Matics stoische Musikalität ein wenig Altösterreich durchschimmern .

Die Produktion des rbb ist Teil der eminenten Romanedition , welche die Deutsche Grammophon den Repertoireaufnahmen ( Reihe “Wortwahl” ) zur Seite stellt : Insbesondere der Fragment gebliebene Amerika- Roman ( “Der Verschollene” ) ist in Peter Simonischeks Intonation frisch zu entdecken . Angehaucht von den leicht ländlichen Anklängen , die der Sprecher seiner Kärntner Herkunft dankt , belebt sich Kafkas lapidare Sprache durch eben jene Dialektik von Beengung und Befreiung , von welcher der Text ja auch explizit berichtet . “Das Schloss” schliesslich erscheint - getaucht in Ulrich Matthes‘ charakteristisch “hohlwangigen” Ton - als das, was es stets war : Banger Alptraum , verzweifelt fern und atembenehmend nah . ( credits … )

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KLANGAPPARAT

Kurz aber … umso besser und einige Male im Kreise zu drehen : Die Ende Juli erschienene EP “El Plan B OST” des Pariser Multi- Musikanten Rafael czz-hoerempfehlungAragón aka Rafiralfiro ( MySpace ) lässt auf engstem Raum sozusagen alle Register spielen . Eingerahmt von cölestinen Harfenklängen ( wenn’s denn eine wäre ) , gibt es heftig modernistische Streicher mit Tangoausklang ( Tango Agitato ) , trügerischen Frieden ( Berceuse Carnivore ) und - wie zu sehen und zu vernehmen : ein gutes Quantum an Sprach- und Spielwitz . Am besten auf die Release- Seite gehen und dort den Stream hören . - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND TO LISTEN TO STREAM .

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Audio : Viel !



||| ENTWARNUNG | HÖRBÜCHER : CHIFFRES D’AFFAIRES UND MISS- GEBRAUCHS- ANLETUNG IM ECHTLEBEN | ZU TOD , LEBEN UND DEM , WAS DAZWISCHEN LIEGT | FOOD FOR THOUGHT : KULINARIKER IM ‘TROCKENEN’ STUDIO | KLANGAPPARAT

ENTWARNUNG

icon listening blackWer kennt es nicht , das angstvolle Bangen , wenn dein Lieblingswirt dichtmacht oder auch nur der bevorzugte Servierkörper von einem Tag auf den andern verschwindet ? - Keinen wesentlich anderen Nerv treffen jene Ängste , welche ins Wissbare kriechen , wenn es sich einen Lieferanten überlebensnotwendiger Musikalien ( seien diese nun gerührt oder geschüttelt ) handelt . Was Tom Larson , Selbst- Entwerfender Free- Lancierer auf allerlei Kanälen - anbelangt , kann endlich ENTWARNUNG gegeben werden : Nach einigen kryyptischen Vor- Zeichen auf wohlinformierten Blogs und wiederholt vergeblichem Passieren der inzwischen offenbar an Meistbietende weitergegebenen Heimseite , taucht der gute Mann plötzlich wieder auf und setzt auf Mixotic seine “Klänge der Nacht” fort , als wäre nichts gewesen . Dies als Vorwegnahme des KLANGAPPARATS , was insoferne nicht der Wahrheit entspricht , als heute auschliesslich Audiophones auf dem Menueplan steht .

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HÖRBÜCHER : CHIFFRES D’AFFAIRES UND MISS- GEBRAUCHS- ANLETUNG IM ECHTLEBEN

icon listening whiteMögen sich die Marketingstrategen der Hörbuchverlage ob der ins Einstellige abstürzten Wachstumsraten der betreffenden Warengruppe auf dem deutschen Markt das verbliebene Resthaar raufen : Die Schweiz und Österreich gelten noch als Entwicklungsländer , war die Zuwächse und Po( e )tentiale betrifft . Mit allerlei Messen will man die Massen mobilisieren , eine Drückung der Mehrwertsteuer und 15 auf sieben Prozent wird als Silberstreif an den Absatzhorizont der ( imho ) meist überteuerten Silberlinge projiziert . Dass wir in|ad|ae|qu|at jederzeit für das Qualitätssegment des meist belächelten Mediums plädieren , dürfte mittlerweile durchgesickert sein . Fach- und Sachinteresse an jedweder akustischen Inszenierung von Stimme , Timing , Atmosphäre spielen da keine mindere Rolle als die Faszination an den Varietäten der von der Vox Humana in den akuten Lebensraum hinein gesprochenen Literatur .

Dass die Augen dabei frei schweifen und die Hände frei greifen können , erhöht nicht selten den Reiz : Siehe die Türe , deren Renovierung volle vier Durchläufe der Integrallesung von “Moby Dick gedauert hat - zu “Lebertran” assoziieren wir seitdem stets den beizenden Duft von Aceton , Thomas Glavinics verzichtbare Literaturbetriebssatire ( “Das bin doch ich . Roman” , Lesung Thomas Maurer [ ! ] ) hat das in vivo - Experiment an der verbliebenen Topfpflanze ebenso wenig überlebt wie diese : beide wurden gnädig der städtischen Müllentsorgung überantwortet .

Schade wars definitiv um Franz Kafkas “Verschollenen” ( vor Zeiten als “Amerika” tituhliert ) , dessen mit leicht ländlichen Anmutungen von Peter Simonischek angestimmte Audiofassung …. wenn schon keiner Boston Tea- Party , so doch einer über die aufgebreiteten Datenträger sich ergiessenden Earl Grey- Kippfigur zum feuchten Opfer fiel . Merke : Bei Gelegenheit das Fraunhofer Institut für angewandte Materialforschung anfragen , was da schädlicher gewesen war : Bergamotte, Hitze oder - schlicht die Milch .

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ZU TOD , LEBEN UND DEM , WAS DAZWISCHEN LIEGT

icon listening blackVon Leben und Tod , bezeihungsweise vom allmählichen Verfertigen von Verstehen und Vergessen ging die vorwöchige Audio- Text - Auswahl : Dank Hörbuch war auch die Angst davor genommen , den langjährigen Lese- Lebens- Gesellen - personifiziert von Philip Roths Nathan Zuckerman - mit “Exit Ghost” endgültig verlieren zu müssen . Man kennt das ja : Das schmerzliche “Winnetou III“- Syndrom … Aber der Autor ist einfach viel zu klug und sein Protagonist erotoman genug , nicht so leicht vom Leben zu lassen -

Während des vergangenen Jahrzehnts hat der heute 75- jährige Philip Roth sein literarisches Alter Ego Nathan Zuckerman allmählich aus der Rolle des Handelnden in die Position des Beobachters bugsiert : Seit der “amerikanischen Trilogie” figurierte der Selbandere zusehends als Chronist von Alter , Verfall und Tod seiner fiktiven Altersgenossen . Hatte “Jedermann” ( 2006 ) das Spiel vom Sterben des reichen Mannes erst einmal eröffnet , war die Bühne vorbereitet , von der nun auch Nathan in “Exit Ghost” abzurufen stand .

Verstrickt in platonischer Leidenschaft zu einer jungen New Yorker Amateur- Literatin , revoltiert der notorische Erotomane ein letztes Mal gegen die Knechtung durch den lumpigen Leib . Wie kräftig es um die literarische Potenz des Alternden steht , erweist der genial geführte Dialog , den er in den stillen Stunden ausdenkt , bevor er wieder in seine einsamen Berkshires flieht .

Da sich dieser finale Zuckerman- Roman aus zahlreichen Anspielungen auf frühere Werke speist , lohnt es , selbigen in den famosen Ausgaben des Hörverlags nachzulauschen . Unübertrefflich gestaltet Peter Fitz in “Jedermann” und “Exit Ghost” das ganze Spektrum von Lust , Wut und Resignation . Getragen vom Eros wacher Vitalität , kommt dieser Sprecher der literarischen Stimme des grossen Erzählers staunenswert nahe . So lassen sich akustisch jene Geister rufen , welche Roth ersann . ( more …)

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icon listening whiteVom allmählichen Herausgleiten aus der allgemein akkordierten ‘Realität’ des Lebens handelt Irene Disches tragikomische Etüde “Der Doktor braucht ein Heim” , vulgo , was einem auf den Wellen der im Kopf zusammenströmenden Flüsse von Erleben und Erinnern dahintreibenden alerten “Altersheimer” so widerfährt : Zweifellos eine anhand neuer Diagnose- und Krankheitsprofile aufdatierte Form des alten “Traum - und Wirklichkeits- Motivs -

Energisch verbittet er sich die Unterstellung , er sei mit seinen neunzig Jahren eventuell etwas “desorientiert” . Im Gegenteil scheint der “Doktor” sein bisheriges Leben als Biochemiker fortzusetzen . Sein innerer Monolog erzählt von “Konferenzen” an der Universität , wo er mit den Kollegen plaudert . Was kann er dafür , wenn sich eine impertinente Frauensperson bei seiner Ex- Gattin beschwert , der alte Herr störe den Betrieb der Notaufnahme ?!

In solchen Schocks manifestieren sich die Kollisionen der inneren Wirklichkeit des “Altersheimers” mit der äusseren Realität . Meisterlich assembliert die Erzählerin Irene Dische die Menschen und Stationen aus dem Leben ihres Helden zu Mischgestalten und fliessenden Topografien . In zwingender Logik legen sich im Kopfinnenraum des “Doktors” die Orte und Epochen wie durchscheinende Negativbilder übereinander : Die geliebte Frau wohnt auf der anderen Seite des Flusses , mag dieser nun der Hudson River sein, die Donau zu Wien oder der Seret im galizischen Drohobycz . Sonderbar nur , dass diese ( vor Jahren geschiedene ) Frau , deren Telefonnummer ihm als Rest von Alltagswissen geblieben ist , ihn partout nicht heimholen will . Statt “wagnerianischen” Apfelstrudel serviert sie dem Greis vielmehr die bittere Erinnerung , wie Mutter und Schwester im heimatlichen Drohobycz durch die Verbrechen der NS- “Banditen” zugrunde gegangen sind .

Die Tragödie des allmählich in seine innere Vorstellungswelt hineingleitenden Menschen : von Martin Wuttke als matt gegen ein unsichtbares Fenster flatternder Schmetterling gestaltet , von Irene Dische mit Zärtlichkeit , Situationskomik und Momenten des blitzartigen Aufleuchtens schlimmer Erinnerung erzählt . ( more …)

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icon listening blackDass wir nicht kapieren , was das sei , “der Tod” und was mit dem vor uns liegenden leblosen Wesen geschehen ist , bleibt so lange Plattitüde , als bis wir selbst vor dem Malheur stehen : Ulf Nilsson hat aus unserer Flucht in Geschäftigkeit und Pragmatik ein kaum vierzigminütiges Kinderhörspiel komponiert , das in Text wie Musik gewissermassen alle Register zieht : zuzumutem auch und vor allem Menschen , die das empfohlende Mindestalter der Zielgruppe weit überschritten haben -

Viel wird über den Tod geredet , doch oft wenig gesagt . Da kommt ausgerechnet ein Kinderhörspiel ( “Die besten Beerdigungen der Welt” ) daher , um in knappen 40 Minuten einen heiteren Katalog von Begegnungen mit dem Undenkbaren zu entfalten . Dabei handelt Ulf Nilssons Geschichte vom Treiben dreier Kinder an einem Sommertag zunächst von einer toten Hummel .

Flugs gründet die forsche Ester eine Firma und fortan wird sorgfältig in Zigarrenkistchen gebettet , was sich in Wald und Rain an sterblichen Überresten findet . Spitzmaus , Hamster , Heringe aus Mutters Kühlschrank : Alle erhalten sie eine formvollendete Bestattung .

Die Rollenverteilung der Kinder führt unversehens ein in mögliche Haltungen gegenüber dem Tod . Während Ester sich um das Pragmatische kümmert , ist deren kleiner Bruder für Trauer zuständig und für die “Warum ?”- Frage . Das namenlos bleibende Ich gibt den Verblichenen je ein kleines Poem mit auf den Weg . Und es sind just diese unreinen Reime , in denen der Autor undogmatisch die verschiedenen Vorstellungen über das Jenseits versteckt : Von “Kurzes Leben – Langer Tod” über “Schlafes Bruder” bis hin zur Hoffnung auf ein Wiedersehen eines «Himmels» ( nicht nur für Heringe ) . In sparsamer Munterkeit präsentiert die Sprecherin Fritzi Haberlandt dieses Inventar zwischen Nihilismus und Transzendenz .

Seine Vollendung erfährt dieses kleine – beileibe nicht nur für Kinder bereichernde – Meisterwerk durch eingängige Beispiele aus der musikalischen Rhetorik der Trauer : erdiger Blues , Streicher- Largo und als Finale der Vollklang der Orgel , vom Kirchenmusikdirektor zu St. Michaelis in Hamburg intoniert . ( more …)

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FOOD FOR THOUGHT : KULINARIKER IM ‘TROCKENEN’ STUDIO

icon listening whiteEine feine Menue- Folge hat der HR 2 Kultur für sein Sommerprogramm des intimen Radio- Gesprächs- Formats “Doppelkopf” ein- und angerichtet : “Am Tisch mit ….” bleibt auch nach der Ausstrahlung der aktuellen Sendung als Podcast zuhanden und im Form von MP3- Dateien speicherbar . - Da darf Vincent Klink natürlich ebenso wenig fehlen ( über gutes Brot und die verlorenen Tugenden des traditionellen Wirts ) wie die - zugegeben ! - erfreulich erfrischende Sarah Wiener . Auch wenn man deren TV- Appearance ebenso wenig kennt wie diejenige des Herrn der “Wielandshöhe” : selbst dessen arg “ver- Drosteten”Häuptling eigener Herd” muss man ebenso wenig mögen wie die säuerlichen “Nachgesalzen“- Kolumnen in der ZEIT ( das “Journal Culinaire” ist allerdings durchwegs zu empfehlen ) . Den bewunderten Stilisten Jürgen Dollase ( FAZ ) wird man indes von einer ganz neuen Seite kennen lernen : oder wusste jemand von dessen fliegendem Wechsel vom fastfood- genährten Rockmusiker zum Grossmeister trefflich verbalisierter Mundinnenforschung ?

Wie - dank Karl Ludwig Schweisfurth - aus der “Herta” [ ! ] - Massenwurstmaschine der , tja , achtsam- ökologische Betrieb der Herrmannsdorfer Landwerkstätten wurde oder was Margarethe Zülch , die hochbetagte Grande Dame aus einer 90 Jahre alten Frankfurter Kaffeerösterei und -Verschleissstelle ( “Cafe Wackers” ) zu erzählen weiss , wird nicht nur jene interessieren , denen Siebecks Ingwer längst ( um es schön österreichisch zu sagen) “bei den Ohren herauswächst” .

N. B. “Doppelkopf” funktioniert übrigens auch im allgemein als “unkulinarisch” verworfenen Mono … Zum Gucken beim Lauschen gibt’s “subkulinaria” : allerdings nur in Köln und @ shortlist - culture cuts .

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KLANGAPPARAT

Wie angekündigt also der unserer profanes Erdenleben in elegante Takte tauchende DJ Tom Larson : Nach längerem Sich- Rar- Machen liefert der czz-hoerempfehlunggute Mann wieder eine seiner gelassenen , doch subkutan gut durchpulsten Mischungen bei den Mixoticern ab . Da es sich um die “Klänge der Nacht” ( vol 5 ) - Schiene handelt ( welche Larson durchwegs in der Lesart von “Zimmerlautstärke” bedient ) , geht es mal wieder im besten Sinne um das im Kreis der Lampe einsam nachtwachende Individuum im Dialog mit sich , seiner Arbeit und was das sonst noch an Trabenten im solipsistischen Kosmos schwebt . Anregen , ohne aufzuregen , oder die Kunst der präzise gehandhabten basalen Stimulation : Wir stehen nicht an , diese Leistung als jene Injektion von “Qualität” ins Leben der Bohème des Prekariats zu erkennen und zu nennen , weil mensch ja von irgendwas leben muss . Selbst wenn dies sich mitunter auf die kalorischen Kicks der vom Dort ins Hier zirkulierenden musikalischen Vibrationen reduziert : Böse Menschen kennen , wie wir wissen , keine Lieder und vermögen diese auch nicht zu geniessen . Würden ergo auch nie zur Halbzeit des Larson’schen Achtzig- Minüters vordringen , wo sich die Beatz bestens in die augustäischen Ambiancen einschwingen . Glüclicherweise gestattet der Stream ( im Unterschied zum podcast ) keine Shortcuts . Folglich und -sam sei der Mix also schön von Alpha nach Omega zu hören . Und die Off- Stimme aus Funk und Fernsehen würde jetzt mit anzüglich belegter Stimme flüstern : “Es lohnt sich.” - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

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