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NEUES VON FREUNDEN



||| STAUB . GEFÄSSE | KLEVER BEWEGT | BEGRIFFSLIEFERUNG | UN COUP DE DÉS | ZEITRAUMZEIT | KLANGAPPARAT

COUP Plakat 1 300

Keine goldenen Worte an dieser Stelle zur Wahl und zum Entscheid des österreichischen Souveräns . Wenn von einem “Denkzettel” für die groseen Koalition geredet wird oder gar von deren “Abstrafung” , bleibt unerwähnt , dass die diesmal noch kompliziertere Regierungsbildung vermutlich noch länger währen wird , als dies 2006 der Fall war . Noch länger wird dementsprechend die Budgetierung des Jarhres 2009 in Anspruch nehmen , dass heisst , dass auch Kunst- und Kultursubventionen auf noch längere Zeit auf dem Spiele stehen .

So konzentrieren wir uns umso entschlossener auf die aktuelle Kulturproduktion : Wer weiss, wie lange und unter welchen Budgetfindungen es diese noch geben wird ?

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WIEN - STAUB . GEFÄSSE

czz-neuesvonfreunden Dichtung als befruchtete Sprache , die wiederum Blüten treibt und , von jeder Biene , die sie berührt , in Form des befruchtenden Blütenstaubs weitergegeben wirrd . In der Tat sehrt Poesie zwischen Auflesen und Niederschreiben niemals still . Wobei auch die zirkuläre Bewegung der Selbstbefruchtung aus bisher Geschriebenem nicht auszuschliessen ist .

staub.gefässe - gesammelte gedichte” lautet denn auch der neue Gedichtband , den Franz Josef Czernin heute , 30. 9. ( 19 H ) im Literarischen Quartier Alte Schmiede vorstellen wird . Frisch bei Hanser erschienen … und vom Hause aus auch mit einem Vorwort versehen , dessen Autor freilich noch mehr die Meinungen teilen dürfte als die diffizilen poetischen Gebilde des Dichters .

Ein kurzer Blick auf den Hanser- Verlagstext macht Sie sicher - und hat freilich mit dem Faszinosum der konzentrierter Sprach- und Formkraft Czernins eher wenig zu tun :

Franz Josef Czernin gilt über Deutschland hinaus als einer der ungewöhnlichsten Dichter unserer Zeit. Für “staub.gefässe” hat er zum ersten Mal eine umfassende Auswahl zusammengestellt, die alle Facetten seiner Dichtung wiedergibt. Martin Mosebach führt mit einem kritischen Text scharfsinnig in Czernins Schaffen ein. Ein umfangreiches und weitverzweigtes poetisches Werk wird so endlich in seiner ganzen Spannweite sichtbar gemacht.

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WIEN - KLEVER BEWEGT

czz-neuesvonfreundenNach dem Literischen Quartier macht der KLEVER- VERLAG am Mitttwoch , 1. Oktober im Literaturhaus ( 19 H ) Station , um dort dem an literarischen Blüten interessierten Wien gewisermassen den zweiten Strauss aus dem Programm des frisch lancierrten Verlags zu überreichen . Es lesen :

Zu Verlag , Autoren und Programm : www.klever-verlag.com

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BERLIN - BEGRIFFSLIEFERUNG

czz-neuesvonfreundenaus Berlin ist - wie gestehen , vor einigen Tagen schon , wieder eine “Begriffslieferung” eingetroffen , die man sich per Newsletter bei Monika Rinck und deren BEGRIFFSSTUDIO bestellen kann . Vom poetischen Pläsier einmal abgesehen , bieten diese Begriffe Erste und Letzte Hilfe , wenn einem - wie dieser Tage - das Wort im Munde versiegt , man also ( gut österreichisch formuliert ) mal wieder “schmähstad” ist .

2591 der geheime serviettenfriedhof dieser dachterrasse
2592 allbezogenheit
2593 peli-kolleg
2594 volkshochschule des irrsinns
2595 kurze flügelbeine ohne dritte gelenkung
2596 eine zollbude des todes
2597 pflastratengleiche wickeleien
2598 das waldige innere des symbols
2599 eine kalte, schnellfertige technik
2600 anti-schädigung
2601 wettergebissen
2602 umlautprall
2603 toaster treten
2604 die menschwerdung der dissonanz
2605 schreckliches blasen der wolkengeladenen auster
2606 the self-editorial board und das andere board
2607 ausbreitung des willens auf alles
2608 gedankenlose sensibilität
2609 der dämon der selbstüberraschung
2610 versöhnlich trakelnd
2611 ekbállein - rausschmeißen
2612 groteske sprachgeselligkeit
2613 via voodoo
2614 die blonde gipfelmaitresse
2615 verben in der vermeidung

Zwischen “2603 toaster treten” und “2615 verben in der vermeidung” wäre die hiesige Stimmung ganz gut charakterisiert .

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KUNST - WIEN - UN COUP DE DÉS

czz-neuesvonfreundenUn coup de dés jamais n’abolira le hasard´..” Stéphane Mallarmés , den üblichen Verssatz sprengendes und weit in die Seite ausgreifendes Poem ( 1897 - hier in Originalgestalt ) wurde von der neuen Ausstellung in der Generali Foundation als Titel wie Motto geborgt :

Die Schau “UN COUP DE DÉS - Bild gewordene Schrift - Ein ABC der nachdenklichen Sprache” wurde programmatisch in den Zwischenraum ziwschen Wort und Schrift , sammlungspolitisch allerdings auch in der Interzone zwischen der bestehenden Sammlung und deren Desiderata platziert :

Eine Sammlung, die sich durch den Fokus auf Konzeptkunst, institutionskritischer Kunst und der Kunst der Postavantgarde auszeichnet, richtet ihr Interesse naturgemäss auf das subversive Potential von Sprache – in ihrer ideologiekritischen Dimension ebenso wie in ihrer poetischen Sprengkraft. Und hier trifft man auf Marcel Broodthaers. Um Broodthaers und Stéphane Mallarmé, den Ahnen der avantgardistischen Poesie, herum und in unterschiedlichem Bezug zu ihnen gibt es ein reiches direktes oder indirektes Verweissystem zu den in der Ausstellung gezeigten Werken.

Bis 19. November sind demnach allerlei bildwörtlich | wortbildliche Werke in der Generali Foundation zu sehen :

Robert Barry , Lothar Baumgarten , Marcel Broodthaers , Theresa Hak Kyung Cha , Rodney Graham , Ulrike Grossarth , Jaroslaw Kozlowski , David Lamelas , Ewa Partum , Gerhard Rühm , Klaus Scherübel , Dominik Steiger , Ana Torfs , Peter Tscherkassky , Joëlle Tuerlinckx und Ian Wallace .

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KUNST - WIEN - ZEITRAUMZEIT

czz-neuesvonfreundenMit nicht weniger als 100 Werken von 70 Künstlerinnen und Künstlern feiert das Künstlerhaus seinen 140. Geburrtstag ( in der Tat scheint so ein Anniversarium nicht die schlechteste Gelegenheit , über die Sphären von Raum & Zeit nachzudenken ) . Die Ausstellung “ZEITRAUMZEIT” umfasst Rauminstallation , Echtzeit- Projekte , Malerei , Skulptur , Film , Fotografie , Licht , Klang , Interaktionen und Performances … etwa von ( um nur einige - und einige Freunde - zu nennen :

Alien Productions , Barbara Doser , Heinz Gappmayr , Sabine Groschup , Silvia Maria Grossmann , Lore Heuermann , Angelika Kaufmann , K.U.SCH. , Olga Neuwirth , Hubert Sielecki , Peter Tscherkassky , Robert Adrian X A + Norbert Math oder Leo Zogmayer.

Begleitend geht ein “interdisziplinäres” Symposium am 16. und 17. 10. über die Bühne , wo - Stichwort “Überwindung von Raum und Zeit” auch Netzwerkfragen zur Sprache kommen . Aus und im dem Rahmenprogramm erklingen gleich zwei Sendungen des ORF- Kunstradio , zusätzlich wird am 9. 10. ( 20 H ) der vom “Kunstradio” edierte Band “RE-INVENTING RADIO. ASPECTS OF RADIO AS ART” ( Revolver Verlag Frankfurt 2008 ) groschuppräsentiert .

Die Sendungen :

 

 

 

( click to XL )
[ Sabine Groschup : VOGELZEITRAUM ]

Die Ausstellung “ZEITRAUMZEIT” wird am 4. 10. 2008 ( 18 H ) - d. h. während der “Langen Nacht der Museen” - eröffnet und ist bis 2. 11. zu sehen .

EDIT : Der Katalog “zeitraumzeit - Das Phänomen des Zeitraums Jetztzeit” ( hg. im Auftrag des Künstlerhauses von Brigitte Pamperl und Barbara Höller ) ist im Folio- Verlag erschienen .

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KLANGAPPARAT

Zum Thema ” staub.gefässe” bietet sich ( siehe Bienen ! ) ein Blick auf Neuigkeiten beim Netlabel insectorama natürlich an : Und siehe höre - es czz-hoerempfehlungwar wohlgetan : Die “Progetto del Menga“- EP des Florentiners Madame Wish ( aka Mattia Pea Tuliozi ) spannt feine - diesmal leicht lateinamerinaisch gefärbte - rhymthmische Netze , vor welchen sehr entschlossene melodische Akkorde ihre listigen Spiele treiben . Da möchte man sich doch mal gerne in einem Insektentänzchen üben : 01. Chettaidicardo | 02. Palline | 03. Piccola dolche serpe | 04. Telefonino - CLICK LINKS TO LISTEN

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vienna demolition VII : a story in pictures - Exit ‘Alserheim’



||| ANALOGIE DES HUMANEN | STAND : ENDE JUNI | FALL : ENDE JULI | RELATED | KLANGAPPARAT

ANALOGIE DES HUMANEN

Ohne falsche Gefühlsseligkeit sei hier in|ad|ae|qu|at behauptet : Wer im Labyrinth eines Hauses nie einen Organismus hat gesehen , teilte nie das animistische Weltbild des frühen Menschen und des Kindes . Gaston Bachelard mit seiner “Poétique de l’Espace” , der Walter Benjamin der “Einbahnstrasse” - sie haben die Parallelen von Keller , Treppen , Gängen , und “hochherrschaftlich möblierten” Repräsentationsräumen mit dem hierarchischen bzw. subversiven Winkeln des ( Un- ) Bewussten erkannt und benannt .

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STAND : ENDE JUNI

Als wir Ende Juni das verwaiste Studentenwohnhaus ( im Volksmund ‘Alserheim‘ ) an der Alserstrasse in Wiens teurem achten Bezirk zuletzt streiften , stand noch die Karkasse zu betrachten . Die Bagger hatten sich bislang - und wie üblich - damit begnügt , dem Gebäude nur jene Wunden zuzufügen , welche einer künftigen Ausweidung dienlich schienen .

Abbruch_Alser_Strasse_33_Juni_2008_copyright_Christiane_Zintzen

Wie schon an einem halben Dutzend “Fuhrwerkerhäusern” beobachtet , erfolgt das brutale Entrée der Bagger zunächst durch das Auf- und Ausreissen der Tor- ( vulgo Mund- ) Öffnung , bevor man sich von hinten an das allmähliche Ausweiden der Innereien macht .

Abbruch_Alser_Strasse_33_Juni_2008_copyright_Christiane_Zintzen

Zuviel Aufsehen soll dieser Prozess ja nicht erregen : Schliesslich steht ja seinem Ende ja meist eine weitere weitere Enteignung des öffentlichen Raums zugunsten merkantiler oder privater Interessen . In diesem Fall : Die Transformation eines aus der öffentlichen Hand ( mit- ) finanzierten Studentenheim in ein Privatspital für ältere Menschen .

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FALL : ENDE JULI

Exakt einen Monat später ist das Werk vollbracht .

Abbruch_Alser_Strasse_33_Juli_2008_copyright_Christiane_Zintzen

Abbruch_Alser_Strasse_33_Juli_2008_copyright_Christiane_Zintzen

In pessimistischer Lesung ist nichts weiter als ein Materialhaufen zurückgeblieben , dessen Bestandteile - Steine , Holz , Metall - nun sogfältig zum entsorgen sortiert zu werden haben . Diese neue Notwendigkeit zur Mülltrennung hat auch das Ende der berühmten “Abriss- Birne” eingeleitet : Heute wird quasi zärtlich und buchstäblich in slow motion Stück für Stück de- konstruiert .

Abbruch_Alser_Strasse_33_Juli_2008_copyright_Christiane_Zintzen

ben zi bena , ( Knochen zu Knochen , )
bluot zi bluoda , ( Blut zu Blut , )
lid zi geliden , ( Glied zu Gliedern , )
sose gelimida sin ( so geleimt sie seien )

Abbruch_Alser_Strasse_33_Juli_2008_copyright_Christiane_Zintzen

In Umkehrung der “Merseburger Zaubersprüche” wollen hier keine zerbrochenen Knochen wieder aneinandergefügt , sondern das Rohmaterial für spätere Verwendung zu- und vorbereitet sein : “Recyklen” bzw. “Rezyklieren” nennt man dies auf Neudeutsch . Bei den begehrten Brickstones vom Ende des 19. Jahrhunderts geht man mittlerweile so weit , die unversehrten Exemplare mit “k. & k.”- Doppeladler- Stempel aus den ehemaligen Drasche- Ziegeleien am Wienerberg aufzusammeln und auf Paletten zu stapeln : Begehrtes Auf- Bau- Material für zahlungskräftig- stilbewusste Nostalgiker .

Abbruch_Alser_Strasse_33_Juli_2008_copyright_Christiane_Zintzen

Im Fall des in den siebziger Jahren neu aus- und umbauten ehemaligen Biedermeierhauses ( samt Wirtshaus “Zum Goldenen Hirschen“ ) scheint freilich wenig rettenswert . Schuld nur der minoren Baumaterialien der Epoche ?

Abbruch_Alser_Strasse_33_Juli_2008_copyright_Christiane_Zintzen

Neu und überraschend - wir wollen auch eine positive Perspektive nicht verhehlen - freilich der Durchblick und die frische Einsicht in Stadtzusammenhänge , welche der unansehnliche Klumpen bisher verstellt . -

Abbruch_Alser_Strasse_33_Juli_2008_copyright_Christiane_Zintzen

Aber keine Sorge : mit frischen Mischmaschinen und erigierten Kränen wird man solchen Ein- Sichten in die Verfasstheit des Stadtkörpers demnächst schwer materiell entgegentreten .

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Abgesehen von unserer grundsätzlichen Neigung zu Tunes & Texturen , wie sie das trefflich benannte Netlabel insectorama regelmässig zu Ohren czz-hoerempfehlungbringt , haben wir uns heute - zugegeben - vom thematisch in|ae|qu|aten Titel der Release Numero 027 hinreissen lassen : Mit der “Transition“- EP legt der ( nicht weiter zu identifizierende ) Franzose mit Künstlernamen Alter nicht nur einen vollendeten Pleonasmus hin , sondern auch eine hinreichend mechanistische Auffassung eines technoiden Umgangs mit Sequenzern und Loops : Was nicht heissen soll , dass die melodischen Motive nicht auch swiftend melancholische Momente anspielten . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. transition | 02. lanscape | 03. after rain | 04. strass |||

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GRÜNDONNERSTAG , zitiert : Perverse Fusswaschung



||| GRÜN- DONNERSTAG | PERVERSER GOTTESSTAAT : SUTTNER ÜBER DES KAISERS FUSSWASCHUNG 1863 | KLANGAPPARAT | LINKS & ANMERKUNGEN

GRÜN- DONNERSTAG

Es ist bezeichnend , wie stark sich die Bezeichnungen für den heutigen “Gründonnerstag” in den verschiedenen Sprachen ( somit : Kulturen ) unterscheiden : Die Franzosen halten’s mit “Jeudi Saint” kühl laizistisch . In der englischen Bezeichnung “Maundy Thursday” schimmert wortgeschitlich immerhin noch das Ritual der Die Fusswaschung ( Mandatum ) durch ( * ) .

Zur Worterklätrung des deutschen “Gründonnerstag” hat sich - neben der liturgischen Fabre Grün und dem rituellen Gebrauch gewisser Kräuter - weitestgehend die volksetymologische Deutungsart aus dem Wort “Greinen” ( ahd. gri-nan , mhd. grînen , “winselnd , weinend den Mund verziehen“) durchgesetzt . ( ** ) |||

Karlskirche_Seitenkapelle_copyright_christiane_zintzen

PERVERSER GOTTESSTAAT : SUTTNER ÜBER DES KAISERS FUSSWASCHUNG 1863

Eine der eindrücklichsten Schilderungen des Gründonnerstags- Rituals lesen wir bei Bertha von Suttner : Anders als man dies heute glauben möchte , hat sich die spätere Friedensnobelpreisträgerin seit frühesten Jahren mit den jeweils revolutionärsten , politischen und naturwissenschaftlichen Theorien der Zeit befasst : Sie muss eine der ersten Frauen gewesen sein die Darwins “On the Origin of Species” ( Die Entstehung der Arten , 1959 ) las und damit dem gottgläubigen common sense widersagte . Damit musste sie früher oder später in Konflikt geraten mit der Idee des österreichischen Kaiserhauses als einer gottgewollten Ordnung .

Dass freilich auch in der katholizistisch legitimierten feudalen Ordnung manches “heilige” Ritual zur blossen Farce verkam , hat Bertha von Suttner in einer Passage ihres ( oft grundlos verlachten ) Romans “Die Waffen nieder !” mailiziös geschildert . Kurz zum Zeithintergrund : Der blutigen Schlachten gegen die Italienischen Reichsteile 1859 war eben vorüber , noch stand das Armageddon von 1966 bevor . Die Beschreibung der grausam zugerichteten Soldaten auf den Schlachtfeldern von Königgrätz dürfen sich ( zieht man den Zeitstil , Sentiment , das Register der emphatischen “Frauensprache” ab ) durchaus mit Curzio Malapartes Kriegsbildern messen .

Doch nun zurück zur berüchtigten Fusswaschungs- Szene , welche das Wiener Kaiserhaus und seine Schranzen alljährlich dem - streng selektierten - Volke bietet . Hier Bertha von Suttners ausgezeichneter Augenzeugenbericht ( vermutlich 1863 , kursive Hervorhebungen czz ) :

Am folgenden Tag entschloß ich mich doch, der Fußwaschung beizuwohnen. Etwas nach zehn Uhr, schwarz gekleidet, wie es sich für die Karwoche ziemt, begaben wir uns, meine Schwester Rosa und ich, in den großen Zeremoniensaal der Burg. Daselbst waren auf einer Estrade Plätze für die Mitglieder der Aristokratie und des diplomatischen Korps vorbehalten. Man war da also wieder unter sich und teilte rechts und links Grüße aus. Auch die Galerie war dicht gefüllt: gleichfalls Bevorzugte, welche Eintrittskarten erlangt hatten – aber doch etwas “gemischt”, nicht zur “Creme” gehörig, wie wir da unten, auf unserer Estrade. Kurz, die alte Kastenabsonderung und -bevorrechtung – anläßlich dieser Feier der symbolisierten Demut.

Karlskirche_Seitenkapelle_Detail_fuss_copyright_christiane_zintzenIch weiß nicht, ob den anderen irgendwie religiös-weihevoll zu Mute war; aber ich erwartete das Kommende mit ganz derselben Empfindung, mit welcher man im Theater einem angekündigten Spektakelstück entgegensieht. Ebenso gespannt, wie man da – nachdem die Grüße von Loge zu Loge getauscht, den aufzurollenden Vorhang ansieht, schaute ich nach der Richtung, wo die Chöre und Solisten des bevorstehenden Schaugedränges erscheinen sollten. Die Dekoration war schon aufgestellt – nämlich die lange Tafel, an welcher die zwölf Greise und zwölf Greisinnen Platz zu nehmen hatten.

Ich war doch froh, gekommen zu sein; denn ich fühlte mich gespannt, was immerhin eine angenehme Empfindung ist ( … ) ; was ich zu sehen erwartete und wünschte, waren die kaiserlichen und pfründnerischen Mitwirkenden der angesetzten Feier. ( … )

“Sie kommen, sie kommen!” rief Rosa, mich anstoßend. “So sieh doch hin … Wie schön! Wie ein Gemälde!” Es waren die Greise und Greisinnen, angetan in altdeutsche Tracht, welche jetzt hereingeleitet wurden. Die jüngste von den Frauen – so hatten die Zeitungen berichtet – war achtundachtzig, der jüngste von den Männern fünfundachtzig Jahre alt. Runzlich, zahnlos, gebückt; – ich konnte Rosas “Ach wie schön” wahrlich nicht bestätigt finden. Was ihr gefiel, war jedenfalls die Verkleidung. Diese stimmte eigentlich auch vortrefflich zu der ganzen, von mittelalterlichem Geist durchwehten Zeremonie. Die Anachronismen hier waren wir, in unseren modernen Kleidern und mit unseren modernen Begriffen – wir paßten nicht in dies Gemälde.

Nachdem die vierundzwanzig Alten ihre Sitze an der Tafel eingenommen hatten, trat eine Anzahl goldgestickter und ordengeschmückter, zumeist ältlicher Herren in den Saal: – die Geheimen Räte und Kammerherren; viele bekannte Gesichter – auch Minister “Allerdings” befand sich darunter. Zuletzt folgten die Geistlichen, welche bei der feierlichen Handlung fungieren sollten. Jetzt also war der Einmarsch der Statisten vorüber und die Erwartung des Publikums auf das höchste gespannt. ( … )

In der Tat: der Kapell – will sagen der Oberzeremonienmeister holt seinen Stab und gab das Zeichen, daß das Kaiserpaar nahe. Dies versprach nun allerdings einen lohnenden Anblick, denn abgesehen davon, daß es das höchste war – war es sicherlich eins der schönsten Paare im Lande. Mit Kaiser und Kaiserin zugleich waren auch mehrere Erzherzöge und Erzherzoginnen hereingekommen, und jetzt konnte die Feier beginnen. Truchsessen und Edelknaben trugen die gefüllten Schüsseln herbei, und der Monarch und die Monarchin stellten dieselben vor die sitzenden Alten hin. Das war wieder mehr Gemälde als je. Das Geräte und die Speisen und die Art der Pagen, dieselben zu tragen, erinnerte an verschiedene berühmte Bilder von Festgelagen im Renaissancestil.

Karlskirche_Seitenkapelle_Detail_fuss_copyright_christiane_zintzenKaum aber waren die Gerichte aufgestellt, so wurde die Tafel wieder abgeräumt, eine Arbeit, welche – gleichfalls als Zeichen der Demut – die Erzherzöge verrichteten. Hiernach ward die Tafel hinausgetragen, die eigentliche Effektszene des Stückes (was die Franzosen “le clou de la pièce” nennen) – die Fußwaschung – begann. Freilich nur eine Scheinwaschung, wie das Mahl nur ein Scheinmahl gewesen. Auf dem Boden knieend, streifte der Kaiser mit einem Tuch über die Füße der Greise hinweg, nachdem der ihm assistierende Priester aus einer Kanne scheinbar Wasser darübergegossen, und so rutschte er vom ersten bis zum zwölften Pfründner, während die Kaiserin – die man sonst nur so majestätisch hochaufgerichtet zu sehen bekommt – in derselben demütigen Stellung, in welcher sie ihre gewohnte Anmut übrigens nicht verliert, die gleiche Prozedur an den zwölf Pfründnerinnen vornahm. Die begleitende Musik, oder, wenn man will, den erklärenden Chor, bildete das gleichzeitig vom Hofburgpfarrer vorgelesene Evangelium des Tages.

Gern hätte ich auf einige Augenblicke mitempfinden mögen, was in dem Geiste dieser Alten vorging, während sie so dasaßen, in der seltsamen Tracht, von einer glänzenden Menge angegafft, den Landesvater, die Landesmutter – Ihre Majestäten – zu ihren Füßen … Wahrscheinlich wäre es gar keine klare Empfindung gewesen, die ich danach gefühlt hätte, wenn mir der gewünschte momentane Bewußtseinstausch gewährt worden wäre, sondern ein verwirrter, geblendeter Halbtraum, ein zugleich frohes und peinliches, verlegenes und feierliches Gefühl, ein vollständiges Stillstehen der Gedanken in den ohnehin unwissenden und altersschwachen armen Köpfen. ( … )

Die ganze Zeremonie war schnell zu Ende und gleich darauf leerte sich der Saal. Zuerst zog sich der Hof zurück; hierauf entfernten sich alle anderen Mitbeteiligten, und zugleich auch das Publikum von Estrade und Galerie.

“Schön war’s, schon war’s!” flüsterte Rosa mit einem tiefen Atemzug.

Ich antwortete nichts. Eigentlich hatte ich keine Ursache, die Verwirrung und Gedankenarmut der Festgreise zu bemitleiden, war mir doch selber das Verständnis der eben stattgehabten Feier ein ziemlich verschwommenes ( … ) .

Karlskirche_Seitenkapelle_Detail_fuss_copyright_christiane_zintzenDoch wir gelangten nicht so schnell zum Ausgang, als ich gewollt hätte. Zuerst hieß es doch, mit fast sämtlichen Estradezuschauern, welche gleichzeitig mit uns ihre Plätze verließen, Hände schütteln und ein paar Phrasen tauschen. Man blieb da im Stiegenhause in einer großen Gruppe stehen und es gab einen förmlichen Morgenraout. “Grüß’ dich, Toni.” – “Bonjour, Martha.« – “Ach, Sie auch da, Gräfin?” – “Bist du für den Ostersonntag schon vergeben?” – “Guten Tag, Durchlaucht, vergessen Sie nicht, daß wir Sie morgen abend zu einer kleinen Tanzerei erwarten.” – “Warst du gestern bei den Dominikanern in der Predigt?” – “Nein, ich war im Sacré cœur, wo meine Töchter eine Retraite machen.” – “Die nächste Probe zu unserer Wohltätigkeitsvorstellung ist Dienstag um zwölf Uhr, lieber Baron, seien Sie ja pünktlich.” – “Die Kaiserin hat wieder superb ausgesehen.” – “Hast du bemerkt, Lori, wie der Erzherzog Ludwig Viktor immer zu der Götter-Fanny herüberschielte?” – “Madame, j’ai l’honneur de vous présenter mes hommages.” – “Ah,c’est vous, marquis … charmée.” – “I wish you good morning, Lord Chesterfield” – “Oh, how are you? Awfully fine women, your Empress.” – “Haben Sie schon eine Loge gesichert für die Vorstellung der Adelina Patti? Ein ganz wunderbarer aufgehender Stern …” – “Die Nachricht von der Verlobung des Ferdi Drontheim mit der Bankierstochter soll sich also doch bestätigen – es ist ein Skandal!”

Und so schwirrte es hin und her. Ein unbefangener Horcher hätte diesen Gesprächen wohl kaum angemerkt, daß sie der Nachstimmung einer eben verrichteten Demutsandacht entsprangen.

Genaue Beobachtung plus sarkastische Découvrierung der Comédie humaine : Dies weist nicht minder auf Balzac zurück wie auf Karl Kraus voraus . Innerhalb der Ökonomie ihres Tendenzromans errichtet die Suttner das Schaubild einer in Worten und Werten degenerierten Gesellschaft , um die Schrecken der Schlachtfelder anno ‘66 nur umso deutlicher hervortreten zu lassen : Ein grossartiges Sück Literatur über den - wohl nicht nur damals - realexistierenden gesellschaftlichen Wahnsinn und die Bigotterie . |||

KLANGAPPARAT

Skeptische Finsternis tönt aus der ACCESS POINT EP aus einer unserer Liebelingsquellen , insectorama . Auch ohne den an und für sich nötigen czz hörempfehlungSubwoover erklingt hinreichend beunruhindes Klang- Material gegen die üblichen Verbindlichkeiten . Selten so zu vernehmen , die basslastigen und eine die gerade Tanzbarkeit durch unvorhersehbarer Interventionen trefflich störenden Tracks von CK2 . Eventuelles Remedium gegen die Routinen , seien diese nun gründonnerstäglich oder nicht . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. access point | 02. core granules | 03. blowfish from wolfgang lake | 04. carbamox | 05 . molybdan |||

LINKS

( * ) The word Maundy is derived through Middle English, and Old French mandé, from the Latin mandatum, the first word of the phrase “Mandatum novum do vobis ut diligatis invicem sicut dilexi vos” ( “A new commandment I give unto you, That ye love one another; as I have loved you” ) , the statement by Jesus in the Gospel of John (13:34) by which Jesus explained to the Apostles the significance of his action of washing their feet. The phrase is used as the antiphon sung during the “Mandatum” ceremony of the washing of the feet, which may be held during Mass or at another time as a separate event, during which a priest or bishop ( representing Christ ) ceremonially washes the feet of others, typically 12 persons chosen as a cross-section of the community. ( Wiki )

( ** ) Siehe das Deutsche Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm zu “Gründonnerstag” und “greinen” . |||

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BOBs | Best of The Blogs : Foto Finale



||| FÄLLE UND FALLEN | THE WINNERS | STATISTIK | RÉSUMÉE DER VERANSTALTER | NOCH FRAGEN ? | KLANGAPPARAT | LINKS | KOMMENTARE

FÄLLE UND FALLEN

bobs blueTja , der Fortsetzungsroman über Fälle und Fallen der Fragwürdigkeiten hinsichtlich der FAVORITEN- Findungs- Verfahren des BEST OF THE BLOG- Award mag mit der heutigen Siegerehrung als abgeschlossen gelten . Als aparter Schlüsselroman zum Wettbewerbs- , Auspreisungs- und Jury(un)wesen stellen wir ihn ins Regal : Kommt dort alphabetisch ordentlich noch vor dien Kulturbetriebs- Krimis “Deutscher Buchpreis” und “Grimme Online” zu stehen . Zweifellos werden sich im Laufe der Zeit weitere Fallgeschichten hinzu gesellen : Ausgestattet mit einem erstaunlichen Hang zur Selbstentblössung , drängen sich diese Fälle heran und so sind wir um zureichenden Nachschub nicht bang . |||

THE WINNERS

bobs blueGewinnerin des “prestigious” BEST WEBLOG Award ist Xenia Awimovas sympathisches Text- Bild- Blog aus Minsk , Foto- Griffoneurei ( aka “Photo- Maniac” ) . Lieb .

Der BEST PODCAST geht nach Deutschland , und zwar an den in München lebenden Exilpirmasenser Deef und dessen Gefühlskonserve . Wobei der Autor allerdings seinem Erstaunen Ausdruck verleiht , keine Verständigung seitens des Veranstalters erhalten zu haben . Von einer Einladung zur Berliner Preisverleihung war schon gar keine Rede . - Nun ja , dafür war das Zeitfenster zwischen der Deadline für User- Votings ( 15. 11. ) und Preis- Verleihungs- Zeremonie ( 15. 11. ) wohl ein bisschen knapp geraten …

Dem gleich in mehreren Kategorien nominierten Blog Behindertenparkplatz über die Widrigkeiten einer wenig barrierefreien Welt wurde der BEST WEBLOG GERMAN zuerkannt . Auch hier hat die - in mehrlei Weise betroffene - Journalistin und Preistragende erst via Trackbacks von ihrer Ehre erfahren . Ein Mail seitens der Deutschen Welle war auch hier offenbar nicht mehr drin .

bobs blueMehrfach nominiert und dem FRANZÖSISCHEN FACH zugeschlagen : Juror Gilles Klein @ Le Phare ( ein Le Monde- Co- Blogger von Olivier ) hat seinen Kandidaten Cédric mit dessen Actualités de la république démocratique du Congo erfolgreich durchgebracht .

BEST WEBLOG ENGLISH : Ein Fundraising- Blog “to provide laptops for disabled American soldiers” : VALOUR-IT - Voice-Activated Laptops for our Injured Troops . Das Blog ist Begleitmedium zum umfangreichen Hilfsprogramm der sogenannten Soldiers’ Angels : Einem non- profit und volunteer- Hilfsprojekt , initiiert von der Mutter eines versehrt aus dem Irak heimgekehrten Soldaten . Remember the pictures ? - in|ad|ae|qu|at berichtete . Man fühlt sich an das berüchtigte Scharpie- Zupfen der Mädchen und Frauen während z. b. des preussisch- österreichischen Krieges 1866 erinnert ( Bertha von Suttner lohnenswert wieder zu lesen ! ) , wenn man bei den Angels von einem Sewing Team liest , deren Freiwillige “Blankets of Hope” ( “for the wounded” ) , Handschuhe , Schals nähen . Ein Card Team versendet Ermunterungsbriefe … Europa , du spiegelst dich wieder .

bobs blueDer Preis von REPORTER OHNE GRENZEN geht - BLOG 4 BURMA- NETWORK bitte herhören ! - an Jotman.com , eine anonym geführte Blog- Chronik über Burma :

Presently blogging the Burma crisis from a town on the Thai- Burma border , these are my topics :

  • Original, first-hand reports - 2007
  • The “hidden crisis” of October
  • Protest timeline |||

STATISTIK ( DOKUMENTATION )

More than 7,000 Blogs were nominated for The BOBs 2007 in ten languages (German, English, Chinese, Spanish, French, Persian, Arabic, Russian, Dutch and Portuguese) and over the past month over 100,000 online votes have been cast for the User Awards. The winner of those awards will be announced shortly. |||

RÉSUMÉE DER VERANSTALTER ( DOKUMENTATION )

Another year, another successful competition!

We here at The BOBs would like to thank all the users, jury members, sponsors and of course all the Bloggers around the globe whose creativity and diligence make the world a more interesting place to live in.

See you in 2008 ! |||

NOCH FRAGEN ?

?bobs blue Was denn - neben Ehre und Traffic - nun tatsächlich zu gewinnen stand ? - Antwort ( frei ins Österreichische übersetzt ) : “Na no nah , ‘nen Nano !” - Verlost unter den Voters . Die Sachspenden für die Einzelpreise liefen ferner unter Werbung . Xenia Awimova wird sich über einen Laptop freuen . |||

KLANGAPPARAT

||| Zeit , wieder ein wenig längere Wege zu gehen : Mit dem Ersten Schnee kommt auch Sonic Walker , dessen Electromeister 3.0- Mix via Konsumprodukt anhebt , als wäre das Erste Wiener Heimorgel Orchesterczz hörempfehlung zugange . Anders , als der Klang des Nom de Plume und Soundcharakter es nahelegen , verbirgt sich hinter dem deutschen Produktnamen der Spanier Alejandro Remeseiro . Wenn schon nichts wirklich ist , wie es scheint , dann bietet Harald Walkers Grossraummix von der Dauer einer Stunde hinreichend Gelegenheit , sich an allerhand zu gewöhnen . Auch an die merkwürdige Kälte , welche diese Tech- Takt- und Akkord- Rudimente aushauchen : Bekanntlich soll sich just der Fröstelnde mit kaltem Schnee einreiben . Mit magnetic ist aber auch ein früher insectorama- Sampler an Bord , zwei Takes der Electrodrei aus Bonn repräsentieren trefflich das Label auflegware . CLICK ELECTROMEISTER TO LISTEN : 3.0 STREAMIN’ . |||

LINKS