||| I. ONLINE- PROTEST ALS DEMOTAINMENT | II. INTERNET ENEMIES | III. ADDIO UNESCO : WESSEN FEHLER ? | IV. FAULER “ERFOLG” | V. AND THE WINNER IS : SAATCHI & SAATCHI | VI. BLOG 4 BURMA INTERN | LINKS
I. ONLINE- PROTEST ALS DEMOTAINMENT
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Da ist er nun also über der Netzwelt auf- und wieder untergegangen , der von den “Reportern ohne Grenzen” lancierte “First Online Free Expression Day” inklusive einer “Online- Demonstration gegen Internetzensur” : Von Mittwoch , 12. 3. , 11 Uhr bis Donnerstag , 13. 3. , 11 Uhr konnte man man auf einem neben einer rotierenden Weltkugel platzierten Menü zwischen Burma , China , Nordkorea , Cuba , Ägypten , Eritrea , Tunesien , Turkmenistan und Vietnam wählen , um sich per Mausklick auf einen dortigen Demoplatz zu zoomen , aus einer weiteren Liste einen Slogan zu wählen und sich dann per Avatar in die wogende Menge zu werfen . Ein bisschen “gesichtslos” findet dies Netzpolitik.de . Dafür dürfen die Avatare in der possierlich primitiven Animation der Werbeagentur Saatchi & Saatchi immerhin ein bisschen wackeln . Irgendwie interaktiv . - Demotainment ? |||
II. INTERNET ENEMIES
( 12. 3. | 17:57 - click picture to enlarge )
Als weitere Teaser zum Anklicken der Seite der “Reporters Without Borders” ( Reporters sans frontières ) am bewussten Tag war die Publikation eines “Handbuchs für Blogger und Internet- Dissidenten” angekündigt worden sowie eine aktuell revidierte Liste jener Staaten , welche den Gebrauch des Internets als eines Mediums freier Meinungsäusserung einschränken ( “Internet Enemies” ) . Dass man es nicht ein einer puren Auflistung der betreffenden Länder belassen würde , war absehbar : Vielmehr wurden ausführliche Länderprofile erstellt , sowohl in darstellender Prosa als auch in einem Ziffern- Survey ( Population | Netz- User | Kosten Internet- Café | Monatseinkommen | private und öffentliche Provider | inhaftierte Blogger ) . Neu zu den den für die Demo wählbaren Staaten kamen nun Weissrussland , Äthiopien , Iran , Saudi- Arabien , Syrien , Usbekistan und Zimbabwe hinzu . Und genau diese dreizehn Länderprofile dürften für nicht unbeträchtlichen Ärger gesorgt haben . |||
III. ADDIO UNESCO : WESSEN FEHLER ?
( 13. 3. | 6:48 - click picture to enlarge )
Denn noch am Abend des Aktionstages musste die Organisation erfahren , dass die UNESCO von ihrer bisherigen Patronanz der Aktion zurücktrat . Die Veröffentlichung der aktuellen Liste von “Internet Enemies” habe seitens einiger der dort genannten Staaten zu “pressure” auf die UNESCO geführt . Damit verlor ROG zur Halbzeit der Aktion den Support und die Rechtfertigung durch eine international geachtete Instanz . Einerseits . Anderseits ist es - just im Rahmen dieser Aktion - natürlich eine tragische Farce , dass sich die “United Nations Educational , Scientific and Cultural Organization” dem Druck ausgerechnet jener antidemokratischen Kräfte beugt , gegen deren Realmacht sich die Online- Demonstration in einer ( pardon : ohnehin nur sehr symbolischen Weise ) wendet . Zur Erinnerung sei hier das Statement der UNESCO zum Thema der “Freien Meinungsäusserung” zitiert :
UNESCO promotes freedom of expression and freedom of the press as a basic human right, through sensitization and monitoring activities. It also fosters media independence and pluralism as prerequisites and major factors of democratization by providing advisory services on media legislation and sensitizing governments, parliamentarians and other decision-makers.
Allerdings gibt es mittlerweile auch ein offizielles Statement der Organisation zur Zurücklegung der Demo- Patronanz auf deren Heimseite zu finden ( von den Reporters without Borders allerdings nicht direkt verlinkt ) . Hier ist allerdings in keiner Weise von “pressures” seitens der angeprangerten Staaten die Rede , sondern lediglich vom irreführenden Gebrauch des UNESCO- Logos durch “Reporter ohne Grenzen” . Die Unterstützung der Aktion sei vorbehaltlich und als ideelle zugesagt worden . Auf den Seiten der ROG hätten Wording und Logo eine wesentliche stärkere Involvierung der UNESCO suggeriert . Diplomatischer O- Ton :
UNESCO reiterates its support for freedom of expression on the internet but felt compelled to withdraw patronage following the publication of information by RSF which did not follow the arrangements agreed upon between the two organizations concerning the event.
Following a request from RSF, made through the French National Commission for UNESCO , the Director-General of UNESCO Koïchiro Matsuura, in a letter dated 22 February 2008, granted UNESCO patronage to the international day. This letter clearly indicated, however, that the Organization could not “be associated with the activities envisaged for this occasion” by RSF. In its communications on the day, RSF published material concerning a number of UNESCO’s Member States, which UNESCO, had not been informed of and could not endorse. Furthermore, UNESCO’s logo was placed in such a way as to indicate the Organization’s support of the information presented.
Auf gut deutsch hiesse dies , die ROG hätten ihre journalistische Sorgfaltspflicht vernachlässigt zugunsten einer zugkräftigeren PR für ihr Anliegen . Aussage steht nun gegen Aussage , wobei bei gleichermassen bedrückend anmuten : Eine im Interessenkonflikt feige zurückweichende UNESCO bzw. Reporter ohne Grenzen publizistischer Akkuratesse … |||
IV. FAULER “ERFOLG”
( 13. 3. | 11:03 - click picture to enlarge )
Gebracht hat der ganze Zauber von interaktiver Befriedigung bei der Second- World- Demo und aufgeblasener UNESCO- PR indes wenig : 21.843 User hatten bis 14. 3. an der Aktion teilgenommen : Das sind ganze 18.157 weniger als bei der Vorgänger- Demo 2007 . Dabei hatte man im diesjährigen Aufruf stolz verkündet :
This time we can do even more to make this new protest a success and to put pressure on the governments that try to muzzle what should be space where people can express their views freely.
Die offensichtliche Halbierung der Anzahl der aktiv demonstrierenden User wird - ebenso “selbstverständlich” wie journalistisch unschön - von “Reporter ohne Grenzen” dahingegen zum Erfolg umformuliert :
“This cyber-demonstration has shown the public’s growing interest in online free expression” , the press freedom organisation said.
Wenn nun die Demo- Spielwiese weiter freigeschaltet bleibt und ergo weiterhin die Möglichkeit zur Einspruchnahme besteht , stellen “Reporter ohne Grenzen” dies quasi als “Verlängerung wegen grossen Erfolges” dar . Die Aussage vom “growing interest” ist und bleibt - auf diese spezielle Aktion bezogen und wie die Ziffern zeigen - schlicht und einfach dies : unwahr . |||
V. AND THE WINNER IS : SAATCHI & SAATCHI
( 12. 3. | 18:03 - click picture to enlarge )
Dass es mit der Usability im Argen lag , die Flash- Banner schwer integrierbar etc. , sei nur nebenbei bemerkt . Viel schwerer wiegt der Umstand , dass man zur Teilnahme an der Demo lediglich einen Namen , Wohnort und Herkunftsland in ein Formular einzutragen hatte . Keinerlei Confirmation ( etwa e- mail- Adresse ) wurde abgefragt . Man konnte also - wie von in|ad|ae|qu|at aus rein journalistischem Interesse ausprobiert - mehrmals und unter fiktiven Namen demonstrieren . So gesehen , ziehe man von den 21.843 offiziellen Stimmen drei “investigative” ab .
Den wirklichen Erfolg einer Image- Werbung dürfte die Werbeagentur Saatchi & Saatchi eingefahren haben : “Design by Saatchi & Saatchi Interactive” steht gut sichtbar auf der Bottom Line zu lesen und linkt direkt auf die Seite der französischen Filiale . Die Aktion der “Reporter ohne Grenzen” kam gerade rechtzeitig , um auf die internationale “Lovemarks“- Kampagne der Agentur aufmerksam zu machen . Prompt folgt am 13. ( sic ) März und ausgerechnet in der “taz” ein Interview mit Kevin Roberts , dem weltweiten CEO der Agentur , zum Start der “Lovermarks”- Lancierung in Deutschland . “Burma” und “Menschenrechte” , gebrandet als “Lovemarks” : Das wär’ doch was -
( Anzahl der Burma- Votings zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels : 3.620 . ) |||
VI. BLOG 4 BURMA INTERN
Unser neues Netzwerk- Mitglied Kathy hat das Burma- Länderprofil der “Reporters sans Frontières” en francais publiziert , Olivier stellt auf seinem Drittblog das Netzwerk “Blog 4 Burma” vor ( ja , auch weiterhin kann man unseren internationalen Feed abonnieren … ) . Breaking News sieht und zieht die Parallelen zwischen den akuten Ereignissen in Tibet und denjenigen in Burma … mit dem feinen Unterschied freilich , dass es in Tibet die chinesischen Besatzer sind , die das Volk knechten , während dies in Burma bereits die eigene Regierung nach Kräften erledigt . Adaequat bringt Basics zu Medien und Meinungsfreiheit in Burma . Von Andreas stammt der bei Olivier ventilierte Hinweis auf die Plattform BurmaWatch . Simon schliesslich wird heute um ca. 19:20 in der Sendung “Trackback” ( Radio Fritz ) einen kurzen Rückblick auf die Aktion- “Free Burma” geben und dabei auch das Konzept von “Blog 4 Burma” erläutern . |||
LINKS
III.
- UNESCO withdraws patronage for Online Free Expression Day ( Reporters without Borders , 12. 3. 2008 )
- UNESCO on : Freedom of Expression
- UNESCO Statement on the withdrawal of patronage of the International day for freedom of expression on the internet , organized by Reporters Without Borders ( UNESCO , 12. 3. 2008 )
IV.
- Cyber-demonstration : more than 21.000 join in protest on Reporters Without Borders website against online censorship ( Reporters without Borders , 14. 3. 2008 )
- Wednesday 12 March : launch of Online Free Expression Day plus repeat of last year’s “24-hour online demo” ( Reporters without Borders , 5. 3. 2008 )
V.
- Saatchi & Saatchi-Werbechef Roberts : “Akademiker sind zerstörerisch” - Krieg , Konsum , Kommunikation : Kevin Roberts , Chef der Werbeagentur Saatchi & Saatchi , will als radikaler Optimist zur Marke werden . Seine Botschaft : All you need is love ( Interview Anke Richter , taz , 13. 3. 2008 ) |||












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