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Deutscher Buchpreis 08 : Lost in Longlist



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DER PREIS WIRD HEISS

dbp 08 rlogoEs konnte nicht hingehen , dass die Leipziger jährlich einen Buchpreis zu vergeben hatten und nicht etwa auch das Superlativunternehmen der Frankfurter Buchmesse : Entsprechend wurde von der Marketingabteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 2005 der Deutsche Buchpreis ( dbp ) aus der Retorte geschüttelt und - in Analogie zum Booker Prize und zum Prix Goncourt - auf den “besten Roman deutscher Sprache“ ausgesetzt .

Nach Kräften aufsehenerregend erstellt man jährlich eine Longlist ( 2008 : 20. August ) mit 20 Titeln aus deutschen , österreichischen und schweizerischen Editionen , um diese dann im Laufe eines knappen weiteren Monats ( 2008 : 17. September ) auf eine sechs Titel umfassende Shortlist einzudampfen .

Zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse ( 2008 : 13. Oktober ) wird der von der Jury im Alleingang bestimmte Preisträger schliesslich und endlich mit Pomp und Gloria ausgerufen : “Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro.”

Nebenbemerkung für Buchhändler : Am 24. August endet die Bestellfrist für entsprechend themenorientierte Dekopakete

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LONGLIST- LESEBUCH : MARKETING , EINFLUSSFREI

dbp 08 rlogoDarüber hinaus gibt es diesjahr erstmanls ein “Lesebuch zur Longlist Deutscher Buchpreis 2008“ , herausgegeben von der Wirtschaftstochter des Börsenvereins , dem “MVB Marketing und Verlagsservice des Buchhandels GmbH” . Nach der desaströsen Verhaberung und Verhanserung des vorjährigen Auswahlverfahrens , legt man seitens des “Börsenvereins“- Marketings Wert auf die Feststellung:

Der Deutsche Buchpreis ist unabhängig, die Jury arbeitet ohne jede Beeinflussung von außen. Um dies zu verdeutlichen hat der Börsenverein entschieden, dass seine Wirtschaftstochter, die MVB Marketing und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, keine Druckkostenzuschüsse für die von ihr herausgegebene Publikation ‘Lesebuch zur Longlist Deutscher Buchpreis 2008′ erheben wird. ‘Es darf in keinem Fall der unberechtigte Eindruck entstehen, dass die Unabhängigkeit des Deutschen Buchpreises in Frage steht’, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. ( … )

Mit dem ‘Lesebuch’ soll eine breite Öffentlichkeit für die nominierte deutschsprachige Gegenwartsliteratur geschaffen werden. Es wird in Buchhandlungen kostenlos erhältlich sein. Das Lesebuch erscheint zeitnah zur Veröffentlichung der Longlist.

Aber leider , leider , meldet börsenblatt online eben :

Die Auflage ist leider vergriffen.

EDIT : Als Kompensation für den solcherart vergriffenen Lese [ buch ] -genuss hat man Edelfeder Wolf Schneider gebeten , in einem Roundabout für bb online die Stories Sämtlicher Werke flott zu paraphrasieren : Irgendwann stinkt , sit venia verbo , auch die eleganteste Eigenwerbung zum literarischen Himmel -

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DIE LISTE

dbp 08 rlogoNachdem wir die diesjährige Jury bereits zuvor eingehend vorgestellt haben , beschränken wir uns heute knallhart auf die Liste , unterwinden uns allerdings auch der Last einiger unmassgeblicher Kommentare .

Unter dem leicht irreführenden Titel “Offener und eigensinnig” veröffentlichte das Magazin “buchreport” am Vormittag des Stichtages die libidinös hoch besetzte Liste der 20 aus 161 Titeln gekürten Romane ( alphabetisch nach Autoren ) :

  1. Lukas Bärfuss : Hundert Tage ( Wallstein , März )
  2. Marcel Beyer : Kaltenburg ( Suhrkamp , März )
  3. Dietmar Dath : Die Abschaffung der Arten ( Suhrkamp , September )
  4. Karen Duve : Taxi ( Eichborn Berlin , Mai )
  5. Sherko Fatah: Das dunkle Schiff ( Jung und Jung , Februar )
  6. Olga Flor : Kollateralschaden ( Zsolnay , Juli )
  7. Norbert Gstrein : Die Winter im Süden ( Hanser , August )
  8. Peter Handke : Die morawische Nacht ( Suhrkamp , Januar )
  9. Iris Hanika : Treffen sich zwei ( Droschl , Januar )
  10. Martin Kluger : Der Vogel, der spazieren ging ( DuMont, Februar )
  11. Judith Kuckart : Die Verdächtige ( DuMont , August )
  12. Rolf Lappert : Nach Hause schwimmen ( Hanser , Februar )
  13. Norbert Niemann : Willkommen neue Träume ( Hanser , August )
  14. Karl-Heinz Ott : Ob wir wollen oder nicht ( Hoffmann und Campe , August )
  15. Hans Pleschinski : Ludwigshöhe ( C. H. Beck , August )
  16. Ingo Schulze : Adam und Evelyn ( Berlin Verlag , August )
  17. Uwe Tellkamp: Der Turm ( Suhrkamp , September )
  18. Uwe Timm: Halbschatten ( Kiepenheuer & Witsch , August )
  19. Martin Walser : Ein liebender Mann ( Rowohlt , März )
  20. Feridun Zaimoglu : Liebesbrand ( Kiepenheuer & Witsch , Februar )

Und noch ein erratischer Satz in ‘buchreport’- Verkürzung :

Laut Jurysprecher Rainer Moritz hat sich die Gegenwartsliteratur stärker geöffnet und zeige wieder ‘mehr Eigensinnigkeit’.

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DIE VERLAGE

dbp 08 rlogoSchön paritätisch hat man je zehn Titel aus den Frühjahrsprogrammen und Herbstproduktionen der Verlage ausgewählt . Die Streuung über die Verlage scheint breit , reduziert sich indes bei näherem Hinsehen ein wenig :

  • Wallstein - 1 Titel ( Bärfuss zuvor bei Suhrkamp )
  • Eichborn - 1
  • Hoffmann und Campe - 1
  • C. H. Beck - 1
  • Berlin Verlag - 1
  • Rowohlt - 1 ( Walser zuvor bei Suhrkamp )
  • Jung und Jung - 1
  • Droschl - 1 ( Hanika zuvor bei Suhrkamp )
  • DuMont - 2
  • Kiepenheuer & Witsch - 2
  • Suhrkamp - 4 ( Gstrein , jetzt Hanser , zuvor bei Suhrkamp - Tellkamp , zuvor bei Rowohlt , jetzt bei Suhrkamp )
  • Hanser + Zsolnay : 3 Hanser + 1 Zsolnay - 4

Da Zsolnay dem deutschen Hanser- Verlag angehört , ertreckt sich das Spektrum der gekürten Roman- Verlag auf insgesamt 12 Verlage , davon mit Jung und und Jung sowie Droschl zwei österreichische . Schweizer Verlage sind nicht vertreten …. aber die haben ja jetzt ihren eigenen Buchpreis -

In Prozenten :

  • deutsche Verlage : 83,3 %
  • österreichische Verlage : 16,6 %
  • schweizerische Verlage : 0 %

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DIE AUTOREN

dbp 08 rlogo16 männliche Autoren wurden erkoren , vier weibliche , was einem Verhältnis von 4 : 1 entspricht . Nach Nationalitäten ( hinsichtlich Herkunft , nicht Lebensmittelpunkt oder Nationalpass ) : 16 Deutsche , drei österreichische , zwei schweizerische und ein türkischer Autor .

Interessant auch die Generationenverteilung , wobei die 1960er- Jahrgänge eindeutig vorne liegen ( 10 ) , gefolgt von den 1950ern ( 4 ) , ex aequo je zwei 1070er und 1940er Jahrgängen . Einsam grüsst aus den 1920ern und der späten Goetheliebe : Martin Walser .

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DIE THEMEN

dbp 08 rlogoWas aber wird da so preis- und zeitgeistvergächtig erzählt ? - Eine kurzer Rundblick durch die Mördergrube der Klappentexte . Das Buch , welches nach Lektüre dieser Textsorte noch irgend lesenwert erscheint , verdient vielleicht tatsächlich ein genaueres Hinsehen . Los geht’s : Tortur pur !

Die Geschichte eines moralischen Irrtums, der in Ruanda eines der größten Verbrechen des Jahrhunderts ermöglichte. Der Roman zweier Menschen, die im Chaos ihrer Zeit um ihre Unschuld kämpfen. Ruanda, April 1994, in Kigali wütet der Mob. David, Mitarbeiter der Schweizer Entwicklungshilfe, hat das Flugzeug, mit dem die letzten Ausländer evakuiert wurden, abfliegen lassen. Er versteckt sich hundert Tage in seinem Haus, vom Gärtner mit Nahrung versorgt und mit Informationen über Agathe, Tochter eines Ministerialbeamten, die der Grund für sein Bleiben ist. Die vergangenen vier Jahre ihrer Liebe ziehen ihm durch den Kopf …

Ludwig Kaltenburg, geboren 1903, Biologe, arbeitet Ende der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts in Posen. Dort begegnet er zum ersten Mal dem Ich-Erzähler, zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind. Im Gefolge des Zusammenbruchs des “Dritten Reichs” flüchtet der Junge mit seinen Eltern nach Dresden. Dessen Bombardierung im Februar 1945 überlebt er und beginnt ein Studium der Ornithologie, das ihn erneut in engen Kontakt zu Kaltenburg bringt. Der kann in Dresden ein eigenes Institut gründen und sich internationales Renommee erwerben.

Wie erfahren die beiden Wissenschaftler, der angehende und der erfolgreiche, die Gründung und Konsolidierung der DDR in Dresden … ?

Das Zeitalter, das wir kennen, ist längst eingeschlafen. Wo einmal Europa war, gibt es nur noch drei labyrinthische Städte, die eher gewachsen sind, als dass sie erbaut wurden. Die Welt gehört den Tieren. Fische streiten über Sodomie, Theologinnen mit Habichtsköpfen suchen in Archiven nach Zeugnissen der Menschheit, und Cyrus Golden, der Löwe, lenkt den Staat der drei Städte. Als ein übermächtiger Gegner die neue Gesellschaft bedroht, schickt er den Wolf Dimitri als Diplomaten aus …

  • Karen Duve : Taxi ( Eichborn Berlin , Mai )

Eine ziellose Jugend, eine spießige Familie, eine frustrierende Ausbildung - da kommt die Annonce “Taxifahrerin gesucht” schon fast wie die Rettung schlechthin daher. Auch wenn Alex Herwig leider ein Gedächtnis wie ein Sieb hat. Trotzdem büffelt sie Straßennamen und Wegstrecken - und hat das Glück auf einen extrem gnädigen Prüfer zu treffen. Bald sitzt sie zum ersten Mal im Wagen und schwitzt Blut und Wasser, weil sie die Straße nicht kennt, nach der ihr erster Fahrgast fragt. Und Alex wird - halb wider Willen - von einer Kollegen-Clique aufgesogen …

Das Buch erzählt die Geschichte des jungen Kerim, von Beruf Koch, der sich aus dem irakischen Grenzland auf die beschwerliche und gefährliche Reise nach Europa macht. Von früh an der Idee verfallen, sich zu verwandeln, hat er noch andere Gründe für seine Flucht, war er doch unter die Gotteskrieger geraten und mit ihnen durch das Land gezogen, bevor er sich von ihrem Weg der Gewalt lossagte. Kerim, bemüht, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen …

Eine Stunde am frühen Abend in und um einen Supermarkt. Lichter, Autos, Menschen. Eine Allegorie des Alltäglichen. In ihrem neuen Roman stellt uns Olga Flor eine Reihe von Personen vor, die auf den ersten Blick nichts miteinander verbindet: die 29-jährige Doris etwa, die hier regelmäßig und fast immer kalorienbewusst einkauft; den Rentner Horst, ehedem im Stadtbauamt tätig und nun für die Pflege seiner krebskranken Frau zuständig; Anton, einen Obdachlosen …

Ein Vater und seine Tochter. Er hat sie nach dem Krieg als Kind in Wien verlassen und ist nach Argentinien gegangen, wo er jeden Sinn für die Realität verloren hat. Sie hat jahrelang Abbitte dafür geleistet, dass er im Krieg auf der falschen Seite stand. Jetzt, fast ein halbes Jahrhundert später, kommen beide in ihre jugoslawische Heimat zurück …

Ort: der Balkan, die Morawa, ein Zufluss der Donau, ein Hausboot auf dem Fluss. Zeit: eine Nacht, vom späten Abend bis zum blauenden Tagesbeginn. Personen: Ein Autor, ein ehemaliger, ruft seine Freunde, sieben an der Zahl, auf das Hotelschiff, seine Enklave, wohin er sich ein Jahrzehnt zuvor zurückgezogen hat …

Man weiß nicht, wann sie es tut, und man weiß nicht, wo es sein wird, aber eines ist gewiss - irgendwann schlägt die Liebe zu: “Was da jetzt geschehen ist, das ist eine Fuge im Leben oder ein Riss durch die Zeit oder ein Bruch in der Welt, was auch immer.” Hier geschieht es zweien, die schon seit geraumer Zeit allein durchs Leben zu gehen gewohnt sind …

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Samuel Leiser ist ein einsamer Vogel. Sein Vater Yehuda entkam den Nazis, indem er vorgab, Autor zu sein und als Künstler nach Amerika einreisen durfte - wo er zum gefeierten Kriminalschriftsteller Jonathan Still wurde. Nun übersetzt Samuel seine Bücher ins Deutsche. Zwischen den Zeilen sucht und findet er versteckte Botschaften. Doch was bedeuten sie? In einem Sommer Anfang der Siebziger zieht Samuels frühreife Tochter Ashley aus England zu ihm nach Paris, damit sich beide einmal in Ruhe kennenlernen. Bald aber wird es eng in der kleinen Wohnung …

Robert ist 39, sieht aus wie George Clooney und arbeitet beim Mord­dezernat. Seine Frau hat er bei einer Verkehrskontrolle kennengelernt, aber die hat ihn gerade verlassen. Da kommt zu ihm aufs Kommissariat eine Frau, an der alles seltsam ist, nicht nur der Kragen ihres Mantels, der ihr wie ein Rhabarberblatt über die Schultern fällt. Marga Burg will eine Vermisstenanzeige aufgeben. Sie war mit ihrem Freund Mathias auf der Kirmes, er stieg allein in die Geisterbahn und kam nicht mehr heraus …

Wilbur, gerade mal 1,50 Meter groß, ist wirklich kein Glückskind: Seine irische Mutter stirbt bei der Geburt, sein schwedischer Vater macht sich aus dem Staub, und sein erstes Zuhause ist der Brutkasten. Erst als seine Großeltern ihn nach Irland holen, erfährt er, was Heimat ist. Doch das Glück währt nicht lang: Sein bester Freund kommt in die Erziehungsanstalt, und seine Großmutter Orla stirbt bei einem Unfall. Auch wenn er gern so stark wäre wie Bruce Willis: Er ist und bleibt ein Verlierer. Erst die charmante Aimee …

Asger Weidenfeldt, ein junger, erfolgreicher Fernsehjournalist in Berlin, spürt, dass er das wirkliche Leben verpasst. Er legt eine Pause ein, fährt zurück in die Heimat, wo seine Mutter Clara, eine gealterte Schauspielerin, vom vergangenen Ruhm zehrt. Als Clara zur Rückkehr des verlorenen Sohns ein großes Fest organisiert, prallen die Generationen, Lebensentwürfe und Träume aufeinander. Es kommt zur Explosion.

Was passiert, wenn man nichts getan hat und dadurch schuldig wird? Wenn man im Gefängnis sitzt und sich durch Schweigen schützt, obwohl man sich unschuldig fühlt? In einem inneren Monolog entfaltet Karl-Heinz Ott das Seelenpanorama einer Figur, die einmal aufgebrochen war, sich selbst und die ganze Welt zu verändern, um schließlich in jeder Hinsicht im Abseits zu landen. Die einzigen Menschen, auf die sich der Erzähler dieser Geschichte stützen konnte, sind auf der Flucht, während er an ihrer Stelle verhaftet wurde …

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Die drei Geschwister Berg - Clarissa, Monika und Ulrich - machen ein vertracktes Erbe. Ihr Onkel Robert bedenkt sie mit gewaltigen und weit verzweigten Vermögenswerten, allem voran mit einer Villa am Starnberger See. All dies könnte sie auf einen Schlag von ihrem ermüdenden, nicht unbedingt aussichtsreichen Existenzkampf befreien. Aber er macht ihnen eine Auflage: Sie müssen dieses Haus als Hort und Zufluchtsort für Lebensmüde betreiben …

Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen Kleider schneidert, die sie schön und begehrenswert machen. Adam liebt schöne Frauen. Wenn sie erst seine Kleider tragen, begehrt er sie alle, und abgesehen davon liebt er Evelyn. Die ertappt ihn eines heißen Augusttages 1989 in flagranti mit einem seiner Geschöpfe. Statt mit Adam fährt Evelyn gemeinsam mit einer Freundin und deren Westcousin nach Ungarn an den Balaton. Adam setzt sich mit seinem alten Wartburg dem roten Passat auf die Spur. Für Evelyn würde er bis ans Ende der Welt fahren …

  • Uwe Tellkamp : Der Turm ( Suhrkamp , September )

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der “süßen Krankheit Gestern” der Dresdner Nostalgie entfliehen … ?

Ein Oratorium auf eine zu allem entschlossene junge Fliegerin und eine ungelebte Liebe. Marga von Etzdorf, eine junge Fliegerin, erschießt sich im Mai 1933 in Aleppo, Syrien, nach einer Bruchlandung. Sie ist 25 Jahre alt. Ihr Grab liegt auf dem Berliner Invalidenfriedhof. Was hat sie hier, zwischen den Toten der preußischen Militärgeschichte, NS-Größen und zivilen Opfern der letzten Kriegstage, zu suchen? Gibt es eine Erklärung für ihren gewaltsamen Tod ?

Der 73-jährige Goethe - Witwer und so berühmt, dass sein Diener Stadelmann heimlich Haare von ihm verkauft - liebt die 19-jährige Ulrike von Levetzow. 1823 in Marienbad werden Blicke getauscht, Worte gewechselt, die beiden küssen einander auf die Goethe’sche Art. Er sagt: Beim Küssen kommt es nicht auf die Münder, die Lippen an, sondern auf die Seelen …

  • Feridun Zaimoglu: Liebesbrand ( Kiepenheuer & Witsch , Februar )

Am Anfang ist es fast zu Ende: Das Leben von Richard, sowieso nicht in bester Verfassung, droht bei einem Busunglück zu verlöschen. Doch er wird gerettet und begegnet einer engelsgleichen Erscheinung. Eine junge schöne Frau übernimmt die Erstversorgung und verschwindet in einem Auto mit deutschem Kennzeichen. Fortan ist der Erzähler in Liebe entflammt und macht sich auf die Suche nach der Frau seines Lebens …

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DIE KOMMENTARE

dbp 08 rlogoIna Hartwig ( FR , 20. 8. ) findet die Longlist des Jahres 2008 “insgesamt grundsolide” , inklusive Jury und Image des Preises . Auf Oldies wie Walser und Handke hätte sie gerne verzichtet , vermisst dagingegen einen Titel aus dem Hause Fischer ( den hat Julia Francks “Mittagsfrau” im Vorjahr mit dem Hauptpreis reichlich bedient ) . Nicht nachzuvollziehen dahingegen ist Hartwigs Suchruf nach der jüngsten Hervorbringung der Marlene Streeruwitz - einem , pardon , auch für die Verhältnisse dieser Autorin extrem kolportagehaften Roman .

Bemerkenswert an der diesjährigen Longlist findet Dirk Knipphals in der taz ( 21. 8. ) die Absenz der ( von in|ad|ae|qu|at anlässlich des Bachmann- Wettbewerbs zart angekrattzten ) “Literaturschulen”- Elaborate :

Was auffällig fehlt, sind nur Vertreter der Literaturlehrgänge, kein Thomas Pletzinger, kein Thomas von Steinaecker, um Leipzig und Hildesheim scheint die Liste einen Bogen zu machen.

NZZ , WELT und FAZ enthalten sich derzeit noch der Meingung , umso origineller versucht die SZ ( 21. 8. , sst ) mit dem lustigen Clou zu punkten , aus der Titelliste den folgenden Kurzroman zu komponieren :

Schon jetzt hat das Alphabet in der ihm eigenen Mischung von Ordnung und Willkür einen Kurzroman - oder ist es eine Novelle ? - zur Longlist halb vorgeschrieben, halb der Einbildungskraft überlassen:

Hundert Tage Kaltenburg vergingen, dann verstand sie die Abschaffung der Arten und rief ein Taxi. Das dunkle Schiff legte ab, der Kollateralschaden blieb zurück, schon nahm sie Kurs auf die Winter im Süden. Langsam brach die morawische Nacht herein, und jemand wisperte: ‘Treffen sich zwei - der Vogel, der spazieren ging, und der Verdächtige.’ Nach Hause schwimmen war von nun an unmöglich. Sie seufzte ‘Willkommen, neue Träume’. Denn Träume sind unausweichlich, ob wir wollen oder nicht. Zwar war ungewiss, ob sie die Ludwigshöhe je erreichen würde. Längst warf auf Adam und Evelyn der Turm seinen Halbschatten. Doch seit Jahrhunderten wartete dort ein liebender Mann. Und sie war bestimmt, den Liebesbrand zu löschen.

Wer jetzt kein Buch hat , schliessen wir unser in|ad|ae|qu|ates Roundabout , findet keines mehr.

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Das Literaturkarussell dreht sich , unkte die taz bereits im Vorfeld , im leeren Kreise . Dass und wie man sich gehaltvoll “In Circles” bewegen kann , czz-hoerempfehlungerweist der klabauternde Klangkünstler Tom Ellis aka Ekkis mit seiner Full Length- release bei Trimsound : Was zunäcsht eher abstrakt tönt , gewinnt im Laufe der Kompositionen zunehmend an Attack und Fahrt , bleibt dabei allerdings stets und sekündlich unberechenbar . So etwas würden wir gerne mal lesen ! - einem harmoischeren Hörverhalten enntgegenkommend , servieren wir das Album praktischerweise als Stream . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( REALPLAYER ) .

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Deutscher Buchpreis 08 : Die Werbe- Traktor rollt an



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WAS WIRD

dbp 08 rlogoDem Bösenverein des Deutschen Buchandels sei’s getrommelt und gepfiffen , auf dass kein Lekürewilliger ( sowie Flachwareverschleisser ) diesseits und jenseits der Lande Deutscher Zunge auf eine zeitgemässe PR- Ausstattung verzichten muss : Im Vierten Jahr des Bestehens der dbp- Lorbeeren mögen - so der Appell des Börsenblatts - Buchhändler bereits drei Wochen vor der Bekanntgabe der famosen “Longlist” entspechendes Deko- Material ordern .

Dazu gibts - wie die dbp- Heimseite informiert - sogar einen Reader , welcher ( selbstredend im corporate desgin )

20 für den Buchpreis nominierten Titel und Autoren. Die mehr als 80 Seiten umfassende und erstmals vom BÖRSENBLATT herausgegebene Publikation wird unmittelbar nach Veröffentlichung der Longlist am 20. August ausgeliefert und soll den Kunden der Buchhandlungen kostenlos zur Verfügung stehen. Die Auflage beträgt voraussichtlich zwischen 40.000 und 50.000 Exemplaren.

Deutscher Buchpreis palakt 08Das Buch “Deutscher Buchpreis 2008. Longlist” umfasst ca. 80 Seiten und beinhaltet:

  • Leseproben der 20 Romane
  • Steckbriefe der 20 Autoren
  • eine Einordnung und Bewertung der Titel von Wolfgang Schneider
  • einen Text von Hubert Winkels über seine Jury-Erfahrung
  • und ein Interview mit Julia Franck

Bislang haben 94 Verlage aus Deutschland , Österreich und der Schweiz bis Einsendeschluss Ende März hoffnungsvolle 145 deutschsprachige Romane eingereicht , deren Siegertitel am 13. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers verkündiget wird .

Die rund 20 Titel umfassende Longlist wird am 20. August 2008 bekannt gegeben. Daraus wählen die Juroren sechs Titel für die Shortlist, die am 17. September 2008 veröffentlicht wird. Am 13. Oktober, dem Abend der Preisverleihung, erfahren die sechs Autoren, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht.

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WAS IST

dbp 08 rlogoNachdem es im letzten Jahr ungefragte Unstimmen zur Besetzung der siebenköpfigen Jury gab , wurde selbige diesjahr nach Massgabe des Füglichen wasserdicht kommponiert :

Wie man sieht : ein löblich überprortionaler Frauenanteil .

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WAS WAR

dbp 08 rlogoDie Querelen um Interessenskonflikte einzelner Juroren sind in ebenso lebhafter Erinnerung wie die Enttäuschung über einen - sagen wir’s offen mit einem Klagenfurter Wort - “mittelständische” Roman ( copyright Elmar Krekeler ) . Dafür ist der Hauptpreis mit 25.000 Euro heiss , die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro .

Immerhin befindet sich Julia FrankcksDie Mittagsfrau” ( S. Fischer ) in der 42. Woche auf Platz 43 der SPIEGEL- Beststellerliste , wurde seither im Hardcover mindestens 400.000 Mal verkauft , Übersetzungslizenzen gingen am rund dreisig Länder .

Ob der prospekitven Gewinnerin / dem prospektiven Gewinner des Ersten Schweizer Buchpreises Ähnliches blüht ? - Allerdings sind die Schweizer wohlweislich quicker und kühren ihre Sieger bereits am 16. 11. 2008 im Rahmen der an der buch.08 in Basel -

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Sehr wenig Buch- pder Schallplatten - Be- Preisbares ( trortz hinterlegter Geigen ! ) auf clear cuts : Mikel Mendias‘ ( MySpace ) eigenwillige czz-hoerempfehlungBasslinien integrieren eventuell perkussive Zusatz- Apparate Elemente nahezu unisono : Zwischen Messers Schneide und Glöckchenklang wirdhier stilsicher mit rohem Fisch Klang hantiert , was eingängige Riffs freilich nicht hindert . Go for “IBAI” and clear your ears - bevor die Epoche des universalen Gequatsches wieder alles ruiniert . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. arga | 02. bidasoa | 03. ega | 04. sadar |||

Play it again : FÜR den Bachmannpreis und WIDER die Literaturschulen - Eine Übertragung



||| IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE | IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG | “EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN | DEALS DER JURIEN | FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT | AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM | ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE

TDDL 2008 banner 300pxMusste man über Jahre hinweg lesen die stereotypen Stoss- Seufzer über den Bachmannpreis am ( Vorsicht : Wortspiel ! ) Wörther See und wie man sich abends bei Maria Loretto im berühmten Fischrestaurant unter den gruselig präparierten Fischköpfen an den Wänden ( Vorsicht : Bildwitz ! ) beim Gastmahle traf und wie dort oder auf den literaturjournalistischen Amateur- Fussballfeldern der Ehre es die Outsider den Insidern gaben

Musste man alljährlich lesen dieselben Protokolle von Outfits und Aussagen ( halbprivat ) , dasselbe Raunen über die echten , aus dem Genusse geistiger Getränke ergossenen Literaturbetriebswahrheiten …., so rächt sich das Feuilleton in diesem Jahr unisono mit Groll und Hohn für die Verknappung seiner Sport- und Spielwiese von zwei auf vier Tageslängen .

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IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG

picto TVIn chorisch harmonierenden Einzelstimmen wendet man sich gegen die Layoutierung der Show zu Zwecken und zu Gunsten der 3- sat- TV- Übertragung . Im fernsehgerechten Format , so der beleidigte Tenor ( Die Presse , taz ) , verwandle sich Literatur eben in jenes Ärgernis einer “prime time”- ( Der Standard ) , “Mittelstands-” ( DIE WELT ) , “Vita contemplativa”- ( FAZ ) und “Langweile”- ( NZZ ) Veran- oder -unstaltung , als welche sie sich anno 2008 den vor Ort Wesenden präsentierte .

Keiner mochte da einlenken , dass es eben die Fernsehübertragung sei , welcher die Juroren ihre Prominenz ( und guten Gagen ) danken , die im Besonderen allerdings dafür garantiert , dass Literatur im Feuilleton weiterhin für “der Rede wert” befunden wird . Anderseits gestattet just die Fernseh- Übertragung eine Teilhabe Vieler an einem lokalen “Event” : eine Zeugenschaft , welche die Lesungen selbst - allerdings auch die Leistungen der Jury , nicht zuletzt aber auch die Beurteilungen durch das Feuilleton - ÜBERPRÜFBAR macht .

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“EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN

picto TVSomit gerät die Oberhoheit der Kanzelrede und der exklusive Deutungsmacht des Feuilletons ins Wanken : Prompt reagiert das Feuilleton auf die solcherart “globalisierte” Information , indem es die Stadt Klagenfurt ebenso kleinredet und zur kleingeistig- protofaschistischen Provinz ( DIE WELT ) erklärt wie überhaupt den ganzen Bewerb inklusive der Juroren samt der von ihnen “vorgeschlagenen” und diskutierten Text- und Autoren- Funktionen .

Denn aber , hallo und sorry , möchten wir bescheiden daran erinnern , dass Klagenfurt noch immer ein Erbmöbelstück der “Gruppe 47″ ist und von deren berüchtigten Meetings , deren Lesungen und deren , jedem Widerspruch abgeneigten Ab- Urteilungen derer , die da lasen . Die , die da lasen , waren ( siehe : das Prinzip der “Einladung” bzw. der Juroren- Vorschläge ) selbstverständlich nur ein Teil “sie selber” . Der Löwenanteil war und bleibt allerdings das , womit sich ein Juror zu profilieren gedenkt , WEN er ins Rennen schickt und WAS er der Arena des Sammelkampfes vorwirft … zur Augenweide oder zum Frasse .

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DEALS DER JURIEN

TDDL 2008 banner 300pxWas das Juryprinzip ist in vielen verschwiegenen Versammlungszimmern , an Tagungstafeln und bei Konferenztisch- Kaffee aus Thermoskannen vollzieht , liegt in Klagenfurt vor Aller Augen . Deals , Kontrakte , Freundlichkeiten im Austausch gegen Imagepunkte , oder - bei Schlagseite des eigenen Kandidaten : der schnelle Seitenwechsel und Überlauf , der mit rhetorischer Verve überbrüht werden muss , damit der Sieger als selbstgekochtes Süppchen verkauft und vertreten werden kann .

Ja mei : All das ist hinlänglich bekannt . Was aber nun , wenn wir zugucken dürfen ( live dabei sein ! ) in der durch die Fernsehkameras und die hitzige Ausleuchtung nachvollziehbar unangenehm schwül- bedrückten Arena ? - Seit zwanzig Jahren weder im Besitze eines TV- Apparates noch des Animo , sich leiblich dem “Betriebsausflug” auszusetzen , hat in|ad|ae|qu|at das sogenannte “Wettlesen” stets via Feuilleton- Rapports und Insider- Witzen rezipiert . Und dabei Hunderte der oben genannten Fischessen , Fussballschweisstreibereien , Beschwipstheiten und Ausflügen ins lokale Puff nachlesen dürfen . Wenn im September dann oder im Oktober der jährliche Band “DIE BESTEN” bei Piper erschien , konnte und wollte sich eh Keiner mehr an das frühsommerliche Klagenfurt erinnern .

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FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT

picto TVNun aber hat das Netz auch für fernsehfrei lebende Zeitgenossen die “Zugänglichkeit” zu diesem eminenten Ereignis der Eliten von Feuilleton und Sozial- Performanz ermöglicht . Und solche “Zugänglichkeit” zu höherer - menschlicher , kultureller , emotionaler - Bildung gilt mittlerweile als Menschenrecht . Na gut , machen wir von solcher “Zugänglichkeit” via “Stream on Demand” Gebrauch und vollziehen “Klagenfurt” im totalen Echtzeit- Selbsttest und unter verschärften Bedingungen von sukzessiver Mitschrift und Fortverlinkung mit : Vierzehn Stunden lang an Bildschirm und Tasten , plus Mittagspausen usf.

Hier das Testergebnis : Auch unter den eingeschränkten Erwartungen , was ein Stream- Bild an Qualität vermitteln kann , ist der visuelle Faktor erbarmungslos kläglich . Im Chiaroscuro eines nur spotmässig ausgeleuchteten Studios verhindern abstruse Kamera- Totalen eine Konzentration auf den logisch zu fokussierenden Sprecher . Tritt selbiger allerdings - egal , ob gebeugter Autor , gestikulierender Juror oder bräselnder Moderator - ins Bild des Nah- Objektivs , erstarren die Talking Heads hinter der dick aufgetragenen und unvorteilhaft angestrahlten Maske . Da man Menschen , welche man schätzt und kennt , nur ungern in solcher Ensor’schen Masken- Übermalung betrachtet , verlegt man sich bald aufs Abblenden . Und siehe : Man beginnt zu HÖREN . ZUZUHÖREN sogar .

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AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM

TDDL 2008 banner 300pxUnd statt des blauen Studios erleben wir das blaue Wunder der Verwandlung eines “Literaturwettbewerbs” in ein HÖRSPIEL in Echtzeit : Mit den klassischen Chargen , Beschleunigungen und Retardierungen , Strophe und Refrain , Solo und Chor sowie viel lokal gefärbter Sprachmusik . Da treten die ausgestellten ( literarischen ) TEXTE als ebenso subjektive STIMMEN und CHARAKTERE auf wie das Geplänkel der Juroren , deren ebenso ausgestellten Bekenntnis- TEXTE und kulturtheoretische ROLLENPROSA . Solcherart sind wir - auch über manche Mühen der Textebenen ( aller Fraktionen ) hinweg - in den Genuss eines selten so unterhaltsam vernommenen HÖRSPIELS gekommen .

Fazit : Wenn schon das Radio sein Selbstbewusstsein als AKUSTISCHES Medium hinter Internetbildchen , LOGO- Optik und visuellen User- Interfaces am Handy verleugnet , wird man fortan das live übertragene , respektiv netz- gestreamte oder ON DEMAND abgespielte TV- BILD als neues Radio gebrauchen . BILD AB , TON AUF : Lass es jazzen , Mann , horch hin und maule nicht .

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ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO

picto TVUnd WENN man sich zu Klagenfurt bzw. in den Redaktionsstuben postum seit Jahren über die ( Vorsicht ! ) “gut gemachten , aber …“-Schreibstücke beklagt , dies Jahr erstmals auch über die ( Vorsicht ! ) “gut vorgelesenen , aber …“-Texte , dann schliesse man doch bitte endlich und einfach die VEBs der Literaturschulen und entlasse deren renommierte Lehrer , welche eben die SERIENTEXTE und -BEFINDLICHKEITEN mitproduzieren , über die sie und ihre Kollegen dann öffentlich mäkeln . Sorry : Bei diesem Betriebsspiel werden Menschen verbraucht … Der Rest der Argumentation ist unter der Kategorie “Germany’s Next Topmodel” bzw. “Deutschland sucht den Superstar” ( DSDS ) nachzulesen . Oder hiesse es doch nicht noch besser : “Dschungel-Camp - Ich bin ein Star – holt mich hier raus” ?!

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LINKS

  • Tilman Rammstedt erhält Bachmann-Preis - Der deutsche Autor Tilman Rammstedt hat den renommierten Ingeborg-Bachmann- Preis gewonnen . Der 33-jährige Schriftsteller wurde im österreichischen Klagenfurt für seinen Roman “Der Kaiser von China” ausgezeichnet . Rammstedt wagte etwas , das in Klagenfurt selten goutiert wird : Humor ( Elmar Krekeler , DIE WELT , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis 2008 : Darauf haben wir gewartet ( Oliver Jungen , FAZ , 29. 6. 2008 )
  • Vom Dienstbotenelend der Literatur - Der 32. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb - Mit einer Grossvater- Geschichte holt sich der Berliner Tilman Rammstedt den Ingeborg- Bachmann- Preis 2008 . Seine Erzählung ist komisch , wo die Qualität der sonst noch vorgetragenen Texte fast tragisch ist . Selten zuvor war die Literatur in Klagenfurt so durchschnittlich wie diesmal ( Paul Jandl , NZZ , 30. 6. 2008 )
  • Neuigkeiten aus Klagenfurt - Öl im Getriebe - Beim diesjährigen Ingeborg- Bachmann- Wettbewerb haben sich die Schriftsteller , die Jury und das Publikum auf die Bedingungen des Fernsehens eingelassen ( Dirk Knipphals , taz , 30. 6. 2008 )
  • Das Jahr der Freundlichkeit - Der 32. Bachmann- Preis ging an den in Berlin lebenden Tilmann Rammstedt - Markus Orths und Patrick Findeis hatten Chancen . Eine Entscheidung , unentschieden ( Cornelia Niedermeier , Der Standard , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis : Ein Tyrann als komischer Held - Tilman Rammstedt gewinnt mit seinem schwarzhumorigen “Der Kaiser von China“ in Klagenfurt . Er setzte sich bei Jury und Publikum durch ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )
  • Literatur , im Wörther See versenkt - Beim Wettlesen zum Bachmann-Preis wird alles den Erfordernissen des TV , der Marke untergeordnet . Ein Text ist aber kein Waschmittel ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Ein Eintauchen in buchstäbliche Liquid Levels gestattet das herrlich verhaltene LOOPZILLA- MIX Numero 60 . Fern von jeder hochsommerlichen czz-hoerempfehlungBeach- Life oder Sonstwie- Fröhlichkeits- Frenesie , bleibt das “Sofa Mix” cool abgedimmt im gangbaren Takt , ohne ins loungig- Beliebige abzudriften : Daniel P. aka “Project Swirl” bedient sich mit seiner exquisiten Mischung aus Releases von Netlabels wie yukiyaki , Thinner , unfoundsound oder clear-cut allerdings nur beim Feinsten . - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN . |||

Die Messe . Der Markt . Der Preis . Das Buch - Leipziger Allerlei



||| “SELBSTFEIER” - GUT ZUM DRUCK | MAXIMALE ZAHLENPARADE : “BUCH TUT GUT” | “WAHNSINN” & “REBELLION” | VERMARKTLICHUNG ? | FOR THE RECORD : DIE JURY | FOR FURTHER READING : DIE JURY FÜR DEN DBP | KLANGAPPARAT | LINKS

Leipzig war . Und kein bisschen leise . Wer hätte das denn auch gedacht . Das Machbare wird dem Markt nach gemacht und , pardon , wo sollte dies besser von statten gehen auf einer Buchmesse . Einer Book Fair mit dem Fair- Trade- Abkommen , per maximalem Aufkommen von Autoren , Debattierclubs und Surround- Berichterstattung für ein optimales Ankommen der Ware “Buch” beim “Publikum” zu sorgen . Auch Verlag brauchen schliesslich ihr Auskommen . |||

“SELBSTFEIER” - GUT ZUM DRUCK

icon sign language blackAusgekommen ist der Angelegenheit keiner , der auch nur irgend lesefähig , ein Feuilleton oder eine Webseite mit Kultur- Charakter streifte . Die Berichterstattung zu Buchmessen- Festreden , Literaturpreis und anderen Feuchtgebieten des literarischen Lebens bot freilich manche Gelegenheit , die Agenden der Berichtenden themselves hervorzuheben . So wird das Rendering der Eröffnungsreden unter der Sigle der FAZ zur “Selbstfeier” … mitnichten etwa der Alphabetisierungsleistung von “Qualitätsmedien” , sondern …. jener raren Perle unter all jenen verderblichen Netzaktivitäten , die seit der Etablierung des FAZ- “Reading Room ” besteht . So berichtet Richard Kämmerlings mit leisem Spotte über die Eröffnungsreden , die Messeeröffnung sei

traditionell immer auch die ergriffene Selbstfeier eines aufgeklärten, liberalen Bildungsbürgertums, dem Sprache, Literatur und Bücher vor allem Mittel der Völkerverständigung sind, Konflikte dagegen immer nur als eine Art von höheren Übersetzungsproblemen gelten.

Wenn es freilich um den Lobpreis der höchsteigenen Angelegenheiten geht , greift der Reporter die golden gesprochenen Worten und stemmt sie , diesmal ironiefrei , ausladend in Blatt .

Um die Bedeutung des Buches auch in Zukunft zu sichern, fällt jedoch neuen Medien wie dem Internet eine entscheidende Rolle zu. Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt zeigte sich fasziniert von der aktuellen Debatte um Jonathan Littells Roman “Die Wohlgesinnten”, die durch den Reading Room dieser Zeitung von einem Gespräch unter Experten zu einer öffentlichen Angelegenheit geworden sei: “Das Buch schlägt ein ganzes Land in seinen Bann, die Befürworter wie die Kritiker. Über nichts wird im Kulturbetrieb leidenschaftlicher gestritten als über Bücher. Ein größeres Kompliment kann man dem Kulturgut Buch gar nicht machen.” Das sei eine “große Chance” für den gesamten Buchmarkt: “Literatur wird durch diesen Reading Room noch lebendiger. Hier diskutieren Bücherleser miteinander, die sich ohne das Internet nie ausgetauscht hätten. Wer würde da noch behaupten wollen, dass die Papierkultur tot ist ?”

“Ergriffene Selbstfeier” : Fi donc ! - “Der Spiegel” warb zunächst für eigene Messeaktivitäten : “Altern , Apo , Alpha- Mädchen” . Das jedenfalls versprach man sich unter ” attraktivem Appeal” . |||

MAXIMALE ZAHLENPARADE : “BUCH TUT GUT”

icon sign language whiteDer “Tagesspiel” liess eine wahre Zahlenschlacht vom Stapel , einen body count der Buchkultur :

Rund 22.000 Besucher, vor allem Kinder, Jugendliche und Senioren, erkundeten die mit Büchern gefüllten Hallen, schmökerten in den Neuerscheinungen des Frühjahrs, lauschten Schriftstellern und sammelten Kataloge und Prospekte. Das “Frühlingsfest der Bücher”, auf dem sich auf rund 63.000 Quadratmetern mehr als 2000 Verlage aus fast 40 Ländern präsentieren, hatte am Mittwochabend mit einem Festakt im Gewandhaus begonnen. Erwartet werden rund 100.000 Besucher.

Ob die genannten “Kinder , Jugendlichen und Senioren” freilich jene Kaufkraft abgeben , nach welcher der Handel strebt , bleibe mal dahingestellt . Aber wozu gibt es die “Multiplikatoren” , die in Form vom “mehr als 2400 Journalisten aus rund 20 Ländern” angereist waren , “um über das größte Frühjahrs- Branchenereignis im deutschsprachigen Raum zu berichten” . - Ein paar Krümel dieser Coverage abzukriegen , gab für die “mehr als 2300 Aussteller” , die - der superlativische Stil kennt keine Gnade - “auf der wichtigsten deutschen Bücherschau des Frühjahrs ihre Neuerscheinungen” präsentierten , den Löwenanteil des “Prinzips Hoffnung” ab . Aber hallo , es gab ja noch einen weiteren Superlativ , geeignet , den Direktverkauf anzukurbeln :

Parallel findet mit “Leipzig liest” das größte europäische Literaturfestival in Leipzig statt: 1500 Autoren lesen bei rund 1900 Veranstaltungen auf dem Messegelände und in der ganzen Stadt.

Es wird Nachbericht des Tagesspiegels vorbehalten sein , das Bisherige sogar noch zu toppen : “129.000 Gäste” bedeuten exakt 29.000 mehr als die zuvor erwarteten 100.000 , auch die Menge der Aussteller ist seit dem vorangegangenen Bericht auf gezählte “2.345″ angewachsen . Rekord also in allen Kategorien : Sogar im beflissenen Abtippen von Agenturmeldungen . |||

“WAHNSINN” & “REBELLION”

icon sign language blackLive von den Saalschlachten mit aggressiven Fotografen gab der lokal situierte Paco @ “Umblätterer” von dem “kompletten herrlichen Lesungswahnsinn” Laut . Leicht wahnsinnige Züge trägt die Berichterstattung der “taz” : Einerseits sieht sie die Realperson des Lokalmatadors und Preisträgers des Leipziger Buchpreises irgendwie und “gefühlt” “überall zugleich” . Anderseits war die “überlebensgrosse” Plakataktion des S. Fischer- Verlags im Stadtbild auch ohne der - schon nachgerade mythischen - Szene des bierschwenkenden Preisträgers dazu angetan , für einen “überall zugleich”- Effekt zu sorgen :

Zum Marlboro-Mann reicht es nicht ganz. Aber zweimal hingucken musste trotzdem, wer ( .. ) die großformatigen Plakate sah, auf denen überlebensgroß Clemens Meyer neben seinem neuen Erzählungsband “Die Nacht, die Lichter” posiert. Eine eher ungewöhnliche Werbeaktion, die der Fischer Verlag seinem jungen Autor angedeihen ließ. Ob sie den letzten Ausschlag dafür gegeben hat, dass Meyer Konkurrenten wie Sherko Fatah oder Ulrich Peltzer im Rennen um den Preis der Leipziger Buchmesse abgehängt hat, darf man bezweifeln. Kaum fraglich indes, dass mit der Leipziger Plakataktion fortgesetzt wird, was Clemens Meyer in seinen Interviews nicht müde wird zu wiederholen: Er ist ganz nah dran an seiner Stadt und seinen Leuten.

“Ganz nah dran” musste zwangsläufig der NZZ- Redakteur an der Szene sein , zählte er doch zu den Juroren des Preises . Meyers triumphierende Bierschwenk- Geste evozierte für den Beobachter die “Siegerpose eines Boxers” unter wurde von diesem “nachsichtig unter Imagepflege und Profilierung der eigenen Marke ( Gefühl und Härte, Prekariat und Poesie )” verbucht . Was dem Gast aus der nüchternen Schweiz auffielt , war das Motiv der gereckten Faust : “Beinahe hatte die Geste etwas Rebellisches” . Und gemahnte damit an das Jahresthema “1968″ , formerly known as “Jugendrevolte” . Die Teach- Ins zum Thema figurieren dieser Tage eher im Format der Talkshow und Debattierzirkel . Titel : “Damals wilde Worte , heute milde Sorte ?”

Fäuste wurden nicht geschwungen; hier und da vielleicht in der Hosentasche geballt.

Kollege und Deutschland- Korrespondent Joachim Güntner wollte die stark von Charlotte Roches “Feuchtgebieten” beatmete Stimmung “für einmal einseitig” betrachten :

Überall Sex. |||

VERMARKTLICHUNG ?

icon sign language whiteDer bestens sellende Sex dient selbstverständlich lediglich zur Querfinanzierung für hochqualitative Literatur . Allerdings gibt es Manche , die Zweifel hegen . Ein paar notierenswerte Gedanken hat sich der Gallimard- Lektor Eric Vigne in seinem Buch “Le livre et l’éditeur” gemacht und mit der FR darüber gesprochen . De facto , so Vigne , sei das Verlagswesen längst in den Besitz grosser Medienkonzerne , die den the way of publishing eminent beeinflussen :

Alle Medienkonzerne werden strukturiert durch die Norm des Gegenwartkultes, des unmittelbaren Umsetzens von Themen und Produkten, des schnellstmöglichen Auszahlens der Investition. Ihre Zeitschriften konzentrieren sich daher auf die Bestseller, die sich sehr schnell verkaufen sollen und der großen Homogenität der Vertriebssysteme angepasst sind, die wiederum eher dazu da sind, die Verkaufszahlen der Bestseller in die Höhe zu treiben, als dazu, die breite und anhaltende Präsenz von anspruchsvollen Büchern zu gewährleisten.

Diesem “Gegenwartskult” steht die Produktionsweise diametral entgegen :

Es wird heute geschrieben, aber auf der Grundlage einer Reflexion oder Perspektivierung der Vergangenheit, die in die Zukunft weist. Das Buch ist also im Futur ebenso wie im Perfekt oder im Konditional geschrieben. Die Kommunikationsbranche gründet dagegen auf dem Bild, der reinen Gegenwart, und kümmert sich weder um die Zukunft noch um das Erbe der Vergangenheit.

Im “Börsenblatt online” erinnert Jochen Jung - bekannt als Verleger und elegant schöngeistiger Kolumnist - trotz allem an die Realität und Notwendigkeit des Marktes . “Leipzig = Marktmaschine” lautet die Gleichung hinter all dem TamTam und ChiChi :

Und wenn die phänomenale Lese- oder richtiger: Zuhörlust der Leipziger auch dieses Jahr wieder zu fast 1.000 Veranstaltungen führen wird, dann nicht nur, um der Eitelkeit der Autoren und dem Wissensdurst der Leipziger Genüge zu tun, sondern um sie zum Kaufen zu animieren ( …) . Tatsächlich sind der Geist und das Geld unversöhnlich. Aber eben das ist ja der Motor, der für die Spannung sorgt, aus der heraus die Buchwelt ihren Antrieb bezieht. Dass da etwas zusammengebracht werden muss, was nicht zusammengebracht werden will, das ist die Herausforderung.

Scheinbar Unversöhnliches Zusammenzwingen muss auch , der die Gretchenfrage nach der Zukunft von literarsichem Content stellt : Dass “Buch oder Netz ?” als Killerfrage funktionert und entsprechende Killerphrasen triggert , ist hinlänglich bekannt.

Eher konsensuell wollte dies freilich der “Börsenverein” mt einem Teach- In Panel gehalten wissen : Die Debatte über “Bücher, die die Welt beweg(t)en” erregte weniger durch ein letztlich zusammengebasteltes Plädoyer für das “Sowohl als auch” von Net und Papierpublikationen , sondern vor allem durch die Aufmischung des Personals für “Tradition” ( Autor Michael Kumpfmüller ) und “Fortschritt” ( Helge Malchow , Kiepenheuer & Witsch ) durch den Werbeblog- Startupper aus der ZIA , Sascha Lobo . Man lese die Kommentare - sowie einen diesmal zu Hochform auflaufenden Hal Faber . |||

FOR THE RECORD : DIE JURY

icon sign language blackInwieweit die Zusammensetzung der Jury aus den Namen der üblichen Verdächtigen besteht , mag “chacun à son goût” ermessen . Wir listen hier ( for the record ) simpel die Namensliste .

Die bisherigen Juroren : Ulrich Greiner ( Die Zeit ) , Michael Hametner ( MDR Literatur ) , Uwe Justus Wenzel ( NZZ )

Neu im Team : Ina Hartwig ( FR ) , Elmar Krekeler ( Literarische Welt ) , Kristina Maidt-Zinke ( SZ ) , Volker Weidermann ( FAS )

    Es ist nicht eben schwer , zu erkennen , wer sich hier in belletristischen Belangen ( = Preis an Clemens Meyer ) durchgesetzt hat . Die Bemerkungen der FR zur schiefen “Wiedergutmachung” halten mit Indizien für eigene Präferenzen nicht eben hinter dem Berg :

    Überhaupt ließ sich auch in diesem Jahr wieder herrlich über Mechanismen von Jury-Entscheidungen und Preisvergaben spekulieren - und auch dafür ist der Preis schließlich da. Clemens Meyer, vor zwei Jahren mit seinem gefeierten Roman “Als wir träumten” leer ausgegangen, reüssiert nun mit der kleinen Form. Das leuchtete nicht jedem ein. Muss es auch gar nicht.

    Das Augenfällige in diesem Jahr ist der Umstand, dass die Jury ein Versäumnis nachholte, um ein anderes zu begehen: Sie nominierte Ulrich Peltzers Roman “Teil der Lösung”, einen Herbsttitel, der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises in Frankfurt unverständlicherweise fehlte, um im Gegenzug und ebenso unverständlicherweise in einem qualitativ insgesamt eher schwachen Frühjahr Marcel Beyers Roman “Kaltenburg”, ein so kluges, spannendes und bewegendes Buch, wie es nicht oft geschrieben wird, zu ignorieren. |||

    FOR FURTHER READING : DIE JURY FÜR DEN DBP

    icon sign language whiteÀ propos “Deutscher Buchpreis” : Die dramatis personae der Jury ‘08 wurde bereits Mitte Februar bekannt gegeben . Am 20. 8. soll die Longlist stehen ( 20 Titel ) , ab 17. 9. die notorisch heiss debattierte Shortlist ( 6 Titel ) . Als Vorabendprogramm zum Start der Frankfurter Buchmesse ziehen sie dann am 13. 10. mit der endgültigen Entscheidung blank . Wie man sich unschwer erinnern wird , gingen die 37.500 Euro im Vorjahr an “Die Mittagsfrau ” Julia Franck .

    Christoph Bartmann ( Leiter der Abteilung Kultur und Information des Goethe- Instituts ) , Martin Ebel ( Kulturredakteur beim “Tages- Anzeiger ) , Meike Feßmann ( freie Kritikerin ) , Jens Jessen ( Feuilletonchef der ZEIT ) , Manfred Keiper ( Andere Buchhandlung , Rostock ) , Rainer Moritz ( Leiter des Literaturhauses Hamburg ) , Michael Schmitt ( Redakteur bei “Kulturzeit” , 3sat )

      Ob die Statuten dies Jahr besser erfüllt und das Wahlverhalten weniger ausschliesslich “hansert” , als dies im Vorjahr der Fall war , wird sich weisen . Warten wir’s ab . |||

      KLANGAPPARAT

      Damit dies kein komplettes Montagsmodell bleibt und alles nur “Laus über die Leber” bzw. -Tran : Den besten Sound für sämtliche Tageszeiten czz hörempfehlungsowie eine Tiefenreinigung der Laune zeitigt eines der besten Mixes der besten Mo- na - te . Die vom vm Magazin XLR8R ( sprich : “accelerator” ) verabreichte Mixtur “Dubstep Goes South” beinhaltet heitere Dubanwandlungen , resche- Beat- Sprints , sämtlich dazu angetan , den Tiger wieder in den Tank zu zaubern . DJ und Producer Bruno Belluomini schenkt ein und spart nicht mit Eigenbau aus feinsten Lagen . Und fährt und fährt und fährt . Oder weniger treudeutsch und markig : Dis ’s reel fun , Dudes ! - CLICK LINK TO “DUBSTEP GOES SOUTH” SEE PLAYLIST AND LISTEN . |||

      LINKS

      BOBs | Best of The Blogs : Foto Finale



      ||| FÄLLE UND FALLEN | THE WINNERS | STATISTIK | RÉSUMÉE DER VERANSTALTER | NOCH FRAGEN ? | KLANGAPPARAT | LINKS | KOMMENTARE

      FÄLLE UND FALLEN

      bobs blueTja , der Fortsetzungsroman über Fälle und Fallen der Fragwürdigkeiten hinsichtlich der FAVORITEN- Findungs- Verfahren des BEST OF THE BLOG- Award mag mit der heutigen Siegerehrung als abgeschlossen gelten . Als aparter Schlüsselroman zum Wettbewerbs- , Auspreisungs- und Jury(un)wesen stellen wir ihn ins Regal : Kommt dort alphabetisch ordentlich noch vor dien Kulturbetriebs- Krimis “Deutscher Buchpreis” und “Grimme Online” zu stehen . Zweifellos werden sich im Laufe der Zeit weitere Fallgeschichten hinzu gesellen : Ausgestattet mit einem erstaunlichen Hang zur Selbstentblössung , drängen sich diese Fälle heran und so sind wir um zureichenden Nachschub nicht bang . |||

      THE WINNERS

      bobs blueGewinnerin des “prestigious” BEST WEBLOG Award ist Xenia Awimovas sympathisches Text- Bild- Blog aus Minsk , Foto- Griffoneurei ( aka “Photo- Maniac” ) . Lieb .

      Der BEST PODCAST geht nach Deutschland , und zwar an den in München lebenden Exilpirmasenser Deef und dessen Gefühlskonserve . Wobei der Autor allerdings seinem Erstaunen Ausdruck verleiht , keine Verständigung seitens des Veranstalters erhalten zu haben . Von einer Einladung zur Berliner Preisverleihung war schon gar keine Rede . - Nun ja , dafür war das Zeitfenster zwischen der Deadline für User- Votings ( 15. 11. ) und Preis- Verleihungs- Zeremonie ( 15. 11. ) wohl ein bisschen knapp geraten …

      Dem gleich in mehreren Kategorien nominierten Blog Behindertenparkplatz über die Widrigkeiten einer wenig barrierefreien Welt wurde der BEST WEBLOG GERMAN zuerkannt . Auch hier hat die - in mehrlei Weise betroffene - Journalistin und Preistragende erst via Trackbacks von ihrer Ehre erfahren . Ein Mail seitens der Deutschen Welle war auch hier offenbar nicht mehr drin .

      bobs blueMehrfach nominiert und dem FRANZÖSISCHEN FACH zugeschlagen : Juror Gilles Klein @ Le Phare ( ein Le Monde- Co- Blogger von Olivier ) hat seinen Kandidaten Cédric mit dessen Actualités de la république démocratique du Congo erfolgreich durchgebracht .

      BEST WEBLOG ENGLISH : Ein Fundraising- Blog “to provide laptops for disabled American soldiers” : VALOUR-IT - Voice-Activated Laptops for our Injured Troops . Das Blog ist Begleitmedium zum umfangreichen Hilfsprogramm der sogenannten Soldiers’ Angels : Einem non- profit und volunteer- Hilfsprojekt , initiiert von der Mutter eines versehrt aus dem Irak heimgekehrten Soldaten . Remember the pictures ? - in|ad|ae|qu|at berichtete . Man fühlt sich an das berüchtigte Scharpie- Zupfen der Mädchen und Frauen während z. b. des preussisch- österreichischen Krieges 1866 erinnert ( Bertha von Suttner lohnenswert wieder zu lesen ! ) , wenn man bei den Angels von einem Sewing Team liest , deren Freiwillige “Blankets of Hope” ( “for the wounded” ) , Handschuhe , Schals nähen . Ein Card Team versendet Ermunterungsbriefe … Europa , du spiegelst dich wieder .

      bobs blueDer Preis von REPORTER OHNE GRENZEN geht - BLOG 4 BURMA- NETWORK bitte herhören ! - an Jotman.com , eine anonym geführte Blog- Chronik über Burma :

      Presently blogging the Burma crisis from a town on the Thai- Burma border , these are my topics :

      • Original, first-hand reports - 2007
      • The “hidden crisis” of October
      • Protest timeline |||

      STATISTIK ( DOKUMENTATION )

      More than 7,000 Blogs were nominated for The BOBs 2007 in ten languages (German, English, Chinese, Spanish, French, Persian, Arabic, Russian, Dutch and Portuguese) and over the past month over 100,000 online votes have been cast for the User Awards. The winner of those awards will be announced shortly. |||

      RÉSUMÉE DER VERANSTALTER ( DOKUMENTATION )

      Another year, another successful competition!

      We here at The BOBs would like to thank all the users, jury members, sponsors and of course all the Bloggers around the globe whose creativity and diligence make the world a more interesting place to live in.

      See you in 2008 ! |||

      NOCH FRAGEN ?

      ?bobs blue Was denn - neben Ehre und Traffic - nun tatsächlich zu gewinnen stand ? - Antwort ( frei ins Österreichische übersetzt ) : “Na no nah , ‘nen Nano !” - Verlost unter den Voters . Die Sachspenden für die Einzelpreise liefen ferner unter Werbung . Xenia Awimova wird sich über einen Laptop freuen . |||

      KLANGAPPARAT

      ||| Zeit , wieder ein wenig längere Wege zu gehen : Mit dem Ersten Schnee kommt auch Sonic Walker , dessen Electromeister 3.0- Mix via Konsumprodukt anhebt , als wäre das Erste Wiener Heimorgel Orchesterczz hörempfehlung zugange . Anders , als der Klang des Nom de Plume und Soundcharakter es nahelegen , verbirgt sich hinter dem deutschen Produktnamen der Spanier Alejandro Remeseiro . Wenn schon nichts wirklich ist , wie es scheint , dann bietet Harald Walkers Grossraummix von der Dauer einer Stunde hinreichend Gelegenheit , sich an allerhand zu gewöhnen . Auch an die merkwürdige Kälte , welche diese Tech- Takt- und Akkord- Rudimente aushauchen : Bekanntlich soll sich just der Fröstelnde mit kaltem Schnee einreiben . Mit magnetic ist aber auch ein früher insectorama- Sampler an Bord , zwei Takes der Electrodrei aus Bonn repräsentieren trefflich das Label auflegware . CLICK ELECTROMEISTER TO LISTEN : 3.0 STREAMIN’ . |||

      LINKS

      KOMMENTARE

      Anton Nossik | Wortfeld |||

      UPDATE 21. 11.

      Das Ergebnis der BOBs ist nun auch glücklich in DIE ZEIT vorgedrungen ( Ausgezeichnete Meinungsfreiheit , Falk Lüke , Die Zeit , 17. 11. ) , wo man sich der selben Verlautbarungs- Journalistik wie die TAZ bedient . Auch hier scheint kein recherchierender Journalist auch nur minimal den Rockzipfel der Medien- Kampagne gelüftet zu haben . Im Zweifelsfall dient die gesamte Kunstübung ja der internationalen Förderung von Emanzipation und Demokratie . Wie wenig aufgeklärt es freilich im Innern der löblichen Veranstaltung gegangen ist , möchte man zeitgemäss lieber nicht wissen . Also schöne Wörter , copy and paste direkt aus dem Pressepapier der Veranstalter :

      In den vier Jahren seines Bestehens hat es der Weblog-Preis der Deutschen Welle zu etwas gebracht, was kaum einer für möglich gehalten hat: in Deutschland nur wenig beachtet, ist er international bereits eine Visitenkarte für die Förderung von Demokratie und Meinungsfreiheit geworden.

      Die Netzzeitung ( “Blogger brauchen keine Preise” , Blogblick : Maik Söhler , Netzzeitung , 20. 11. ) geht zwar als einziges Mainstream- Medium auf ( die von Bloggern aufgezeigten ) Mängel in Abwicklung , Bewertungskriterien und Kommunikations”kultur” ein und verleiht sogar in|ad|ae|qu|at den Strahleglanz einer Zwei- Minuten- Aufmerksamkeit . Allerdings dürfte Letztere nicht hinreichend gewesen sein zur Verfertigung eines korrekten Zitates . “Der Autor” sitzt mitnichten in “Weissrussland” , Siegerin ist ja - siehe oben - Xenia Awimovas | Foto- Griffoneurei . Wer nicht eingeladen wurde und staunte , war Deef | Gefühlskonserve , auch die AutorIN Christiane Link | Behindertenparkplatz hat ja erst durch Pingbacks ( siehe oben ) von ihrer Auszeichnung erfahren . Offenbar sind Relativsätze dem Online- Leser nicht ( mehr ) zuzumuten .

      Auch auf Inadequat hat man allerlei Ärgerliches gefunden. Zu Recht gehe der erste Preis nach Weißrussland, «der Autor allerdings» sei zu «seinem Erstaunen» davon nicht verständigt worden - «von einer Einladung zur Berliner Preisverleihung war schon gar keine Rede». Den anderen Gewinnern sei es ähnlich ergangen. Zuvor waren auf Inadequat schon «Fragwürdigkeiten beim Setup der Jury sowie hinsichtlich der Nominierungspraxis beim Wettbewerb», aber auch Hackerangriffe und Manipulationen benannt worden. |||