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||| POPLITERATUR IM LOOP | POESIE ALS MUZAK | SONATE IN URLAUTEN | RHAPSODE RANSMAYR | KLANGAPPARAT

icon listening whiteHerbst ist : Die Ernte einbringen . Herbst ist : Die Äpfel lagern . Herbst ist : Die Triebe stutzen . Herbst ist : Das Samen legen . Fürs neue Jahr . Herbst ist : Das grosse Einkochen . Für jetzt , für später . Nicht , dass wir derart hortikulturell und in arkadischer Subsistenz lebten . Aber wir borgen uns in|ad|ae|qu|at die Metaphorik für die Berge des “Zu Erledigenden’ . Da ist Hirnhitze hochlochend , bedarfs anderseits mannigfaltiger Hand- Arbeit . Zeit also , zu hören . Für Zeitgenossen , deren Chronometer vornehmlich in der Laufzeit einer handelsüblichen Musik- CD besteht , bietet Pitchfork eine ellenlange Liste der diesen Herbst zu vergegenwärtigenden Pop- , Rock- und Electronika- Ernte .

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POPLITERATUR IM LOOP

icon listening blackDass und wie der popliterarische Sektor oft erst spät im Medium “Hörbuch” einlangt - warum gibt’s eigentlich keine Rainald Goetz- Texte in diesem Medium ?! - ist an den um Jahre verzögerten Einspielungen etwa von Wolfgang Herrndorfs Erstling “In Plüschgewittern” ( Buch 2002 @ Zweitausendeins , Audiobook @ Roof Music 2008 ) oder Karen Duves straighten Crah- Text- Dummies ( “Keine Ahnung” , Buch 1989 @ surkamp , CD @ Eichborn 2007 ) etc. zu ersehen . “Alte Hadern” , wird man einwenden und nach der Gattung der von Volker Weidermann in der gestrigen FAS so zerzupften Jungliteraten fragen ( “Das deutsche Wollmausmassaker” ) - Offenbar legitimiert , talking about Major Labels , erst der Bucherfolg das Unterfangen einer auditiven Release des betreffenden Textes .

Bei erwartbaren Blockbustern wie Duves neuem eh- schon- wissen-Taxi” oder dem derzeit unvermeidlichen Sven Regener erfolgt die Veröffentlichung allerdings bereits parallel zur Hardcover- Ausgabe . Kommt Pop somit zu sich selbst oder frisst er sich just an dieser Stelle ( Pop will eat itself ) und gebiert dabei schieres Big Marketing ? - Jedenfalls borgt sich unser ( wie stets maximalanschlagszahl- gebremster ) Essay über das Hörbuch im popliterarischen Zeitalter den Titel vom besten Stück in Diedrich Diederichsens jüngster Aufsatzsammlung : Mit “Leben im Loop” aus “Eigenblutdoping” schlägt DDs theoriesteiler Journalismus jede literarische Abarbeitung am Zeitgeist in puncto Schnelligkeit und Schlagwortbildung um Längen . ( more …)

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POESIE ALS MUZAK

icon listening white Wo in der Pop- Musik noch der geringste Textrest als “lyrics” durchgeht und man im Radio jedes Stück Lyrik zwischen gefällige Klänge setzt , steht es um die Autonomie der Poesie nicht zum Besten . Ein unfreiwilliges Exempel für eine nach aussen popig effektheischende , innerlich aber sterile musikalische Auffassung moderner Dichtung gibt der Zyklus “Recitement, den der niederländische Filmkomponist Stephen Emmer mit beträchtlichem Aufwand ausrichtet.

Die Anthologie mit Autoren wie Charles Baudelaire , Gerard Manley Hopkins , Paul Theroux und Yoko Ono – gesprochen von Grössen wie Lou Reed und Richard Burton – ist dabei mindestens so beeindruckend wie das Originalton-Material von Jorge Luis Borges , Allen Ginsberg , Hugo Claus und einige Samples «Kurt Schwitters» . Hinsichtlich der Texte , Interpreten sowie mit dem Engagement des Studio- Superstars Tony Visconti bietet man auf, was gut oder teuer ist . Das adrett elegische Video «Passengers» (nach Paul Theroux , mit Lou Reed ) rundet die umfassende PR via YouTube ab .

Im Wesentlichen belaufen sich Emmers musikalische Adaptierungen der poetischen Texte allerdings auf “Easy Listening”-Arrangements unter reichlichem Einsatz synthetischer Geigen . Die dekorativen Klangbilder planieren den Eigensinn der Dichtung , so dass die Texte seltsam aseptisch anmuten . Zwar steht der Komponist nicht an , sein passables Genre- Repertoire auszuspielen , doch verharren diese Stimmungen durchwegs in polierten Klischees . Wo Baudelaire nach Serge Gainsbourg klingt und Borges wie Latino-Muzak , gibt sich das Sein gegenüber dem Design geschlagen . ( more … )

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SONATE IN URLAUTEN

icon listening blackEchten Schwitters - und zwar best practice - bringt die Werkausgabe des Zweitausendeins- Verlags zu Gehör . Die “Sonate in Urlautenwird hier erstmals in der einzigen erhaltenen Schwitters- Originalaufnahme präsentiert , ergänzt durch die augenfällige Tonspuranalyse einer späteren Fälschung im Begleitbuch .

Aus den Interpretationen ausgesuchter Vokalisten sind drei Gesamtdurchläufe der “Ursonate” zusammengestellt , welche das Auslegungsspektrum der hinsichtlich Tonhöhe , Lautstärke und Länge nicht annotierten Partitur in stupender Virtuosität vorführen : Gerhard Rühms gesangliche , Jaap Blonks dynamische und die theatralische Performance des A- Capella- Trios Exvoco kommunizieren den unzweifelhaften Sinn der Artikulationen jenseits des Lexikons .

Das “Urwerk dieser liebevoll edierten MP3- CD dreht mittels subtil selektierter Tondokumente eine kluge Tour durch Schwitters’ poetisches und oft humoristisches Œuvre . Mit Quellentexten und Kommentaren zu jedem der 71 Tracks komplettiert das Beibuch kompetent die exquisite Edition . ( more … )

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RHAPSODE RANSMAYR

icon listening white Ob nicht der gefeierte Rhapsode Christoph Ransmayr in manchen Stücken als Form des literarischen “Adult Pop” zu lesen wäre , bliebe - genauso wie die Fragen zu “Kitsch & Metaphysik” - zu diskutieren . Die besseren waren jedenfalls die frühesten Stücke , wo der Erzähler einen produktiven Dialog mit historischen Vorlagen aufnimmt : Sei es die (von Julius Payer minuziös überlieferte ) österreichisch- ungarische Nordpolar- Expedition 1872–1874 in “Die Schrecken des Eises und der Finsternis” , seien es Ovids “Metamorphosen” in “Die Letzte Welt.

Aus Zitat und Variation , Rekonstruktion und Imagination fliesst ein unzweifelbares Drittes ( … zu diskutieren … ) , welches besonders hervortritt , wenn Ransmayr selbst liest . Hier raunend , dort rau , stets aber viril und präzise artikulierend , setzt der Autor seine Texte effektvoll in Szene . Im besten Fall – so bei der Neueinspielung der “Letzten Welt – begleitet eine entschiedene Regie (Harald Krewer ) den allzu wirkungssicheren Interpreten und steuert manchem Manierismus entgegen . ( more … )

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KLANGAPPARAT

Einen mittlerweile alten Bekannten haben wir im heutigen KLANGAPPARAT zu Gast ( bisher eins , zwei , drei & vier ) : Und - schau , schau , hört , czz-hoerempfehlunghört - wen bringt der unter Pseudonym ( ? ) und from L.A. ( ? ) agierende Norman Fairbanks heute ins deutschsprachige Poplikum zurück ?! -

Na nett : “I’m the operator with my pocket calculator …” tönt’s aus dem fingierten GPS- System und hat sich KRAFTWERK quasi per Tenori- On in die ( vor ) letzte Generation elektronischer Klangsteuerung gebohrt . Wiedererkennungseffekte in kuscheligen Traumsuppenklangflächen wärmen das Herz doch um eine ganze Umdrehung mehr - “L.A. Machine Part 1” ( 32:18 ) | “Part 2” ( 28:44 ) - CLICK LINKS TO LISTEN .

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Deutscher Buchpreis 08 : Lost in Longlist



||| DER PREIS WIRD HEISS | LONGLIST- LESEBUCH : MARKETING , EINFLUSSFREI | DIE LISTE | DIE VERLAGE | DIE AUTOREN | DIE THEMEN | DIE KOMMENTARE | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

DER PREIS WIRD HEISS

dbp 08 rlogoEs konnte nicht hingehen , dass die Leipziger jährlich einen Buchpreis zu vergeben hatten und nicht etwa auch das Superlativunternehmen der Frankfurter Buchmesse : Entsprechend wurde von der Marketingabteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 2005 der Deutsche Buchpreis ( dbp ) aus der Retorte geschüttelt und - in Analogie zum Booker Prize und zum Prix Goncourt - auf den “besten Roman deutscher Sprache“ ausgesetzt .

Nach Kräften aufsehenerregend erstellt man jährlich eine Longlist ( 2008 : 20. August ) mit 20 Titeln aus deutschen , österreichischen und schweizerischen Editionen , um diese dann im Laufe eines knappen weiteren Monats ( 2008 : 17. September ) auf eine sechs Titel umfassende Shortlist einzudampfen .

Zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse ( 2008 : 13. Oktober ) wird der von der Jury im Alleingang bestimmte Preisträger schliesslich und endlich mit Pomp und Gloria ausgerufen : “Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro.”

Nebenbemerkung für Buchhändler : Am 24. August endet die Bestellfrist für entsprechend themenorientierte Dekopakete

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LONGLIST- LESEBUCH : MARKETING , EINFLUSSFREI

dbp 08 rlogoDarüber hinaus gibt es diesjahr erstmanls ein “Lesebuch zur Longlist Deutscher Buchpreis 2008“ , herausgegeben von der Wirtschaftstochter des Börsenvereins , dem “MVB Marketing und Verlagsservice des Buchhandels GmbH” . Nach der desaströsen Verhaberung und Verhanserung des vorjährigen Auswahlverfahrens , legt man seitens des “Börsenvereins“- Marketings Wert auf die Feststellung:

Der Deutsche Buchpreis ist unabhängig, die Jury arbeitet ohne jede Beeinflussung von außen. Um dies zu verdeutlichen hat der Börsenverein entschieden, dass seine Wirtschaftstochter, die MVB Marketing und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, keine Druckkostenzuschüsse für die von ihr herausgegebene Publikation ‘Lesebuch zur Longlist Deutscher Buchpreis 2008′ erheben wird. ‘Es darf in keinem Fall der unberechtigte Eindruck entstehen, dass die Unabhängigkeit des Deutschen Buchpreises in Frage steht’, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. ( … )

Mit dem ‘Lesebuch’ soll eine breite Öffentlichkeit für die nominierte deutschsprachige Gegenwartsliteratur geschaffen werden. Es wird in Buchhandlungen kostenlos erhältlich sein. Das Lesebuch erscheint zeitnah zur Veröffentlichung der Longlist.

Aber leider , leider , meldet börsenblatt online eben :

Die Auflage ist leider vergriffen.

EDIT : Als Kompensation für den solcherart vergriffenen Lese [ buch ] -genuss hat man Edelfeder Wolf Schneider gebeten , in einem Roundabout für bb online die Stories Sämtlicher Werke flott zu paraphrasieren : Irgendwann stinkt , sit venia verbo , auch die eleganteste Eigenwerbung zum literarischen Himmel -

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DIE LISTE

dbp 08 rlogoNachdem wir die diesjährige Jury bereits zuvor eingehend vorgestellt haben , beschränken wir uns heute knallhart auf die Liste , unterwinden uns allerdings auch der Last einiger unmassgeblicher Kommentare .

Unter dem leicht irreführenden Titel “Offener und eigensinnig” veröffentlichte das Magazin “buchreport” am Vormittag des Stichtages die libidinös hoch besetzte Liste der 20 aus 161 Titeln gekürten Romane ( alphabetisch nach Autoren ) :

  1. Lukas Bärfuss : Hundert Tage ( Wallstein , März )
  2. Marcel Beyer : Kaltenburg ( Suhrkamp , März )
  3. Dietmar Dath : Die Abschaffung der Arten ( Suhrkamp , September )
  4. Karen Duve : Taxi ( Eichborn Berlin , Mai )
  5. Sherko Fatah: Das dunkle Schiff ( Jung und Jung , Februar )
  6. Olga Flor : Kollateralschaden ( Zsolnay , Juli )
  7. Norbert Gstrein : Die Winter im Süden ( Hanser , August )
  8. Peter Handke : Die morawische Nacht ( Suhrkamp , Januar )
  9. Iris Hanika : Treffen sich zwei ( Droschl , Januar )
  10. Martin Kluger : Der Vogel, der spazieren ging ( DuMont, Februar )
  11. Judith Kuckart : Die Verdächtige ( DuMont , August )
  12. Rolf Lappert : Nach Hause schwimmen ( Hanser , Februar )
  13. Norbert Niemann : Willkommen neue Träume ( Hanser , August )
  14. Karl-Heinz Ott : Ob wir wollen oder nicht ( Hoffmann und Campe , August )
  15. Hans Pleschinski : Ludwigshöhe ( C. H. Beck , August )
  16. Ingo Schulze : Adam und Evelyn ( Berlin Verlag , August )
  17. Uwe Tellkamp: Der Turm ( Suhrkamp , September )
  18. Uwe Timm: Halbschatten ( Kiepenheuer & Witsch , August )
  19. Martin Walser : Ein liebender Mann ( Rowohlt , März )
  20. Feridun Zaimoglu : Liebesbrand ( Kiepenheuer & Witsch , Februar )

Und noch ein erratischer Satz in ‘buchreport’- Verkürzung :

Laut Jurysprecher Rainer Moritz hat sich die Gegenwartsliteratur stärker geöffnet und zeige wieder ‘mehr Eigensinnigkeit’.

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DIE VERLAGE

dbp 08 rlogoSchön paritätisch hat man je zehn Titel aus den Frühjahrsprogrammen und Herbstproduktionen der Verlage ausgewählt . Die Streuung über die Verlage scheint breit , reduziert sich indes bei näherem Hinsehen ein wenig :

  • Wallstein - 1 Titel ( Bärfuss zuvor bei Suhrkamp )
  • Eichborn - 1
  • Hoffmann und Campe - 1
  • C. H. Beck - 1
  • Berlin Verlag - 1
  • Rowohlt - 1 ( Walser zuvor bei Suhrkamp )
  • Jung und Jung - 1
  • Droschl - 1 ( Hanika zuvor bei Suhrkamp )
  • DuMont - 2
  • Kiepenheuer & Witsch - 2
  • Suhrkamp - 4 ( Gstrein , jetzt Hanser , zuvor bei Suhrkamp - Tellkamp , zuvor bei Rowohlt , jetzt bei Suhrkamp )
  • Hanser + Zsolnay : 3 Hanser + 1 Zsolnay - 4

Da Zsolnay dem deutschen Hanser- Verlag angehört , ertreckt sich das Spektrum der gekürten Roman- Verlag auf insgesamt 12 Verlage , davon mit Jung und und Jung sowie Droschl zwei österreichische . Schweizer Verlage sind nicht vertreten …. aber die haben ja jetzt ihren eigenen Buchpreis -

In Prozenten :

  • deutsche Verlage : 83,3 %
  • österreichische Verlage : 16,6 %
  • schweizerische Verlage : 0 %

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DIE AUTOREN

dbp 08 rlogo16 männliche Autoren wurden erkoren , vier weibliche , was einem Verhältnis von 4 : 1 entspricht . Nach Nationalitäten ( hinsichtlich Herkunft , nicht Lebensmittelpunkt oder Nationalpass ) : 16 Deutsche , drei österreichische , zwei schweizerische und ein türkischer Autor .

Interessant auch die Generationenverteilung , wobei die 1960er- Jahrgänge eindeutig vorne liegen ( 10 ) , gefolgt von den 1950ern ( 4 ) , ex aequo je zwei 1070er und 1940er Jahrgängen . Einsam grüsst aus den 1920ern und der späten Goetheliebe : Martin Walser .

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DIE THEMEN

dbp 08 rlogoWas aber wird da so preis- und zeitgeistvergächtig erzählt ? - Eine kurzer Rundblick durch die Mördergrube der Klappentexte . Das Buch , welches nach Lektüre dieser Textsorte noch irgend lesenwert erscheint , verdient vielleicht tatsächlich ein genaueres Hinsehen . Los geht’s : Tortur pur !

Die Geschichte eines moralischen Irrtums, der in Ruanda eines der größten Verbrechen des Jahrhunderts ermöglichte. Der Roman zweier Menschen, die im Chaos ihrer Zeit um ihre Unschuld kämpfen. Ruanda, April 1994, in Kigali wütet der Mob. David, Mitarbeiter der Schweizer Entwicklungshilfe, hat das Flugzeug, mit dem die letzten Ausländer evakuiert wurden, abfliegen lassen. Er versteckt sich hundert Tage in seinem Haus, vom Gärtner mit Nahrung versorgt und mit Informationen über Agathe, Tochter eines Ministerialbeamten, die der Grund für sein Bleiben ist. Die vergangenen vier Jahre ihrer Liebe ziehen ihm durch den Kopf …

Ludwig Kaltenburg, geboren 1903, Biologe, arbeitet Ende der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts in Posen. Dort begegnet er zum ersten Mal dem Ich-Erzähler, zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind. Im Gefolge des Zusammenbruchs des “Dritten Reichs” flüchtet der Junge mit seinen Eltern nach Dresden. Dessen Bombardierung im Februar 1945 überlebt er und beginnt ein Studium der Ornithologie, das ihn erneut in engen Kontakt zu Kaltenburg bringt. Der kann in Dresden ein eigenes Institut gründen und sich internationales Renommee erwerben.

Wie erfahren die beiden Wissenschaftler, der angehende und der erfolgreiche, die Gründung und Konsolidierung der DDR in Dresden … ?

Das Zeitalter, das wir kennen, ist längst eingeschlafen. Wo einmal Europa war, gibt es nur noch drei labyrinthische Städte, die eher gewachsen sind, als dass sie erbaut wurden. Die Welt gehört den Tieren. Fische streiten über Sodomie, Theologinnen mit Habichtsköpfen suchen in Archiven nach Zeugnissen der Menschheit, und Cyrus Golden, der Löwe, lenkt den Staat der drei Städte. Als ein übermächtiger Gegner die neue Gesellschaft bedroht, schickt er den Wolf Dimitri als Diplomaten aus …

  • Karen Duve : Taxi ( Eichborn Berlin , Mai )

Eine ziellose Jugend, eine spießige Familie, eine frustrierende Ausbildung - da kommt die Annonce “Taxifahrerin gesucht” schon fast wie die Rettung schlechthin daher. Auch wenn Alex Herwig leider ein Gedächtnis wie ein Sieb hat. Trotzdem büffelt sie Straßennamen und Wegstrecken - und hat das Glück auf einen extrem gnädigen Prüfer zu treffen. Bald sitzt sie zum ersten Mal im Wagen und schwitzt Blut und Wasser, weil sie die Straße nicht kennt, nach der ihr erster Fahrgast fragt. Und Alex wird - halb wider Willen - von einer Kollegen-Clique aufgesogen …

Das Buch erzählt die Geschichte des jungen Kerim, von Beruf Koch, der sich aus dem irakischen Grenzland auf die beschwerliche und gefährliche Reise nach Europa macht. Von früh an der Idee verfallen, sich zu verwandeln, hat er noch andere Gründe für seine Flucht, war er doch unter die Gotteskrieger geraten und mit ihnen durch das Land gezogen, bevor er sich von ihrem Weg der Gewalt lossagte. Kerim, bemüht, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen …

Eine Stunde am frühen Abend in und um einen Supermarkt. Lichter, Autos, Menschen. Eine Allegorie des Alltäglichen. In ihrem neuen Roman stellt uns Olga Flor eine Reihe von Personen vor, die auf den ersten Blick nichts miteinander verbindet: die 29-jährige Doris etwa, die hier regelmäßig und fast immer kalorienbewusst einkauft; den Rentner Horst, ehedem im Stadtbauamt tätig und nun für die Pflege seiner krebskranken Frau zuständig; Anton, einen Obdachlosen …

Ein Vater und seine Tochter. Er hat sie nach dem Krieg als Kind in Wien verlassen und ist nach Argentinien gegangen, wo er jeden Sinn für die Realität verloren hat. Sie hat jahrelang Abbitte dafür geleistet, dass er im Krieg auf der falschen Seite stand. Jetzt, fast ein halbes Jahrhundert später, kommen beide in ihre jugoslawische Heimat zurück …

Ort: der Balkan, die Morawa, ein Zufluss der Donau, ein Hausboot auf dem Fluss. Zeit: eine Nacht, vom späten Abend bis zum blauenden Tagesbeginn. Personen: Ein Autor, ein ehemaliger, ruft seine Freunde, sieben an der Zahl, auf das Hotelschiff, seine Enklave, wohin er sich ein Jahrzehnt zuvor zurückgezogen hat …

Man weiß nicht, wann sie es tut, und man weiß nicht, wo es sein wird, aber eines ist gewiss - irgendwann schlägt die Liebe zu: “Was da jetzt geschehen ist, das ist eine Fuge im Leben oder ein Riss durch die Zeit oder ein Bruch in der Welt, was auch immer.” Hier geschieht es zweien, die schon seit geraumer Zeit allein durchs Leben zu gehen gewohnt sind …

dbp 08 rlogo

Samuel Leiser ist ein einsamer Vogel. Sein Vater Yehuda entkam den Nazis, indem er vorgab, Autor zu sein und als Künstler nach Amerika einreisen durfte - wo er zum gefeierten Kriminalschriftsteller Jonathan Still wurde. Nun übersetzt Samuel seine Bücher ins Deutsche. Zwischen den Zeilen sucht und findet er versteckte Botschaften. Doch was bedeuten sie? In einem Sommer Anfang der Siebziger zieht Samuels frühreife Tochter Ashley aus England zu ihm nach Paris, damit sich beide einmal in Ruhe kennenlernen. Bald aber wird es eng in der kleinen Wohnung …

Robert ist 39, sieht aus wie George Clooney und arbeitet beim Mord­dezernat. Seine Frau hat er bei einer Verkehrskontrolle kennengelernt, aber die hat ihn gerade verlassen. Da kommt zu ihm aufs Kommissariat eine Frau, an der alles seltsam ist, nicht nur der Kragen ihres Mantels, der ihr wie ein Rhabarberblatt über die Schultern fällt. Marga Burg will eine Vermisstenanzeige aufgeben. Sie war mit ihrem Freund Mathias auf der Kirmes, er stieg allein in die Geisterbahn und kam nicht mehr heraus …

Wilbur, gerade mal 1,50 Meter groß, ist wirklich kein Glückskind: Seine irische Mutter stirbt bei der Geburt, sein schwedischer Vater macht sich aus dem Staub, und sein erstes Zuhause ist der Brutkasten. Erst als seine Großeltern ihn nach Irland holen, erfährt er, was Heimat ist. Doch das Glück währt nicht lang: Sein bester Freund kommt in die Erziehungsanstalt, und seine Großmutter Orla stirbt bei einem Unfall. Auch wenn er gern so stark wäre wie Bruce Willis: Er ist und bleibt ein Verlierer. Erst die charmante Aimee …

Asger Weidenfeldt, ein junger, erfolgreicher Fernsehjournalist in Berlin, spürt, dass er das wirkliche Leben verpasst. Er legt eine Pause ein, fährt zurück in die Heimat, wo seine Mutter Clara, eine gealterte Schauspielerin, vom vergangenen Ruhm zehrt. Als Clara zur Rückkehr des verlorenen Sohns ein großes Fest organisiert, prallen die Generationen, Lebensentwürfe und Träume aufeinander. Es kommt zur Explosion.

Was passiert, wenn man nichts getan hat und dadurch schuldig wird? Wenn man im Gefängnis sitzt und sich durch Schweigen schützt, obwohl man sich unschuldig fühlt? In einem inneren Monolog entfaltet Karl-Heinz Ott das Seelenpanorama einer Figur, die einmal aufgebrochen war, sich selbst und die ganze Welt zu verändern, um schließlich in jeder Hinsicht im Abseits zu landen. Die einzigen Menschen, auf die sich der Erzähler dieser Geschichte stützen konnte, sind auf der Flucht, während er an ihrer Stelle verhaftet wurde …

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Die drei Geschwister Berg - Clarissa, Monika und Ulrich - machen ein vertracktes Erbe. Ihr Onkel Robert bedenkt sie mit gewaltigen und weit verzweigten Vermögenswerten, allem voran mit einer Villa am Starnberger See. All dies könnte sie auf einen Schlag von ihrem ermüdenden, nicht unbedingt aussichtsreichen Existenzkampf befreien. Aber er macht ihnen eine Auflage: Sie müssen dieses Haus als Hort und Zufluchtsort für Lebensmüde betreiben …

Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen Kleider schneidert, die sie schön und begehrenswert machen. Adam liebt schöne Frauen. Wenn sie erst seine Kleider tragen, begehrt er sie alle, und abgesehen davon liebt er Evelyn. Die ertappt ihn eines heißen Augusttages 1989 in flagranti mit einem seiner Geschöpfe. Statt mit Adam fährt Evelyn gemeinsam mit einer Freundin und deren Westcousin nach Ungarn an den Balaton. Adam setzt sich mit seinem alten Wartburg dem roten Passat auf die Spur. Für Evelyn würde er bis ans Ende der Welt fahren …

  • Uwe Tellkamp : Der Turm ( Suhrkamp , September )

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der “süßen Krankheit Gestern” der Dresdner Nostalgie entfliehen … ?

Ein Oratorium auf eine zu allem entschlossene junge Fliegerin und eine ungelebte Liebe. Marga von Etzdorf, eine junge Fliegerin, erschießt sich im Mai 1933 in Aleppo, Syrien, nach einer Bruchlandung. Sie ist 25 Jahre alt. Ihr Grab liegt auf dem Berliner Invalidenfriedhof. Was hat sie hier, zwischen den Toten der preußischen Militärgeschichte, NS-Größen und zivilen Opfern der letzten Kriegstage, zu suchen? Gibt es eine Erklärung für ihren gewaltsamen Tod ?

Der 73-jährige Goethe - Witwer und so berühmt, dass sein Diener Stadelmann heimlich Haare von ihm verkauft - liebt die 19-jährige Ulrike von Levetzow. 1823 in Marienbad werden Blicke getauscht, Worte gewechselt, die beiden küssen einander auf die Goethe’sche Art. Er sagt: Beim Küssen kommt es nicht auf die Münder, die Lippen an, sondern auf die Seelen …

  • Feridun Zaimoglu: Liebesbrand ( Kiepenheuer & Witsch , Februar )

Am Anfang ist es fast zu Ende: Das Leben von Richard, sowieso nicht in bester Verfassung, droht bei einem Busunglück zu verlöschen. Doch er wird gerettet und begegnet einer engelsgleichen Erscheinung. Eine junge schöne Frau übernimmt die Erstversorgung und verschwindet in einem Auto mit deutschem Kennzeichen. Fortan ist der Erzähler in Liebe entflammt und macht sich auf die Suche nach der Frau seines Lebens …

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DIE KOMMENTARE

dbp 08 rlogoIna Hartwig ( FR , 20. 8. ) findet die Longlist des Jahres 2008 “insgesamt grundsolide” , inklusive Jury und Image des Preises . Auf Oldies wie Walser und Handke hätte sie gerne verzichtet , vermisst dagingegen einen Titel aus dem Hause Fischer ( den hat Julia Francks “Mittagsfrau” im Vorjahr mit dem Hauptpreis reichlich bedient ) . Nicht nachzuvollziehen dahingegen ist Hartwigs Suchruf nach der jüngsten Hervorbringung der Marlene Streeruwitz - einem , pardon , auch für die Verhältnisse dieser Autorin extrem kolportagehaften Roman .

Bemerkenswert an der diesjährigen Longlist findet Dirk Knipphals in der taz ( 21. 8. ) die Absenz der ( von in|ad|ae|qu|at anlässlich des Bachmann- Wettbewerbs zart angekrattzten ) “Literaturschulen”- Elaborate :

Was auffällig fehlt, sind nur Vertreter der Literaturlehrgänge, kein Thomas Pletzinger, kein Thomas von Steinaecker, um Leipzig und Hildesheim scheint die Liste einen Bogen zu machen.

NZZ , WELT und FAZ enthalten sich derzeit noch der Meingung , umso origineller versucht die SZ ( 21. 8. , sst ) mit dem lustigen Clou zu punkten , aus der Titelliste den folgenden Kurzroman zu komponieren :

Schon jetzt hat das Alphabet in der ihm eigenen Mischung von Ordnung und Willkür einen Kurzroman - oder ist es eine Novelle ? - zur Longlist halb vorgeschrieben, halb der Einbildungskraft überlassen:

Hundert Tage Kaltenburg vergingen, dann verstand sie die Abschaffung der Arten und rief ein Taxi. Das dunkle Schiff legte ab, der Kollateralschaden blieb zurück, schon nahm sie Kurs auf die Winter im Süden. Langsam brach die morawische Nacht herein, und jemand wisperte: ‘Treffen sich zwei - der Vogel, der spazieren ging, und der Verdächtige.’ Nach Hause schwimmen war von nun an unmöglich. Sie seufzte ‘Willkommen, neue Träume’. Denn Träume sind unausweichlich, ob wir wollen oder nicht. Zwar war ungewiss, ob sie die Ludwigshöhe je erreichen würde. Längst warf auf Adam und Evelyn der Turm seinen Halbschatten. Doch seit Jahrhunderten wartete dort ein liebender Mann. Und sie war bestimmt, den Liebesbrand zu löschen.

Wer jetzt kein Buch hat , schliessen wir unser in|ad|ae|qu|ates Roundabout , findet keines mehr.

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Das Literaturkarussell dreht sich , unkte die taz bereits im Vorfeld , im leeren Kreise . Dass und wie man sich gehaltvoll “In Circles” bewegen kann , czz-hoerempfehlungerweist der klabauternde Klangkünstler Tom Ellis aka Ekkis mit seiner Full Length- release bei Trimsound : Was zunäcsht eher abstrakt tönt , gewinnt im Laufe der Kompositionen zunehmend an Attack und Fahrt , bleibt dabei allerdings stets und sekündlich unberechenbar . So etwas würden wir gerne mal lesen ! - einem harmoischeren Hörverhalten enntgegenkommend , servieren wir das Album praktischerweise als Stream . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( REALPLAYER ) .

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