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dbp : shortlist | Pst ! Ohrs bild’t



|| DEUTSCHER BUCHPREIS : EINE PROSAISCHE ENTPUPPUNG | PERORATIO PRAECOX | HANDKE , “HOCHMÜTIG” | NATIONALE NACHRICHT | UND NUN GANZ KURZ : DIE LISTE | FAZIT : VERLAGE - GENDER - GENERATION | KOMMENTAR OFFIZIELL | KOMMENTARE DER ANDERERN | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

DEUTSCHER BUCHPREIS : EINE PROSAISCHE ENTPUPPUNG

dbp 08 rlogoDa es sich beim Deutschen Buchpreis ( dbp ) um eine ausschliesslich prosaische und dem traditionellen Erzählen zugewandte Marketingmassnahme des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ( plus etlicher Sponsoren ) handelt , sei die termin- und gefühlsecht punktgenau gestern , am 17. September bekanntgegebene Shortlist fürs’s Erste in paar Varianten durch die poetische Anagramm- Maschine geschickt :

Stroh List | rohst Stil
Roths Stil | Strohs lit
Trost Hils. | rohst’s lit.
Shirts Lot | rohst List

Da klagen sie wortreich über die Unverkäuflichkeit der Poesie ( welche ja auch beim Bachmann. Wettbewerb keinen Stand hat ) , freuen sich anderseits über den grossen Zuspruch diverser Poetenfeste und Literaturevents beim Publikum , enden allerdings regelmässig mit dem Stoss- Seufzer “Aber ach , die holde Poeterey muss ja durch gängige Hardcover querfinanziert werden” .

Don’t shoot at the Jury , sie schwitzt und gebiert schliesslich ein gott- und marktgefälliges Werk , bei welchem - Schritt für Schritt - aus den Einsendungen deutscher , schweizer und österreichischer Verlage eine Longlist entwirft , aus welcher wiederum eine Shortlist ausgewickelt wird - bis dann aus dem Wust von -zig Tausend Seiten Romanliteratur am Vorabend der Buchmesse , das EINE Schmetterlingswerk aus sämtlichen Puppenstadien schlüpft , welches sich fortan mit dem Titel “bester deutscher Roman” schmücken kann . Zumindest bis denn dann Ende Juni 2009 die nächste Einreichfrist für den Deutschen Buchpreis 2009 endet …

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PERORATIO PRAECOX

dbp 08 rlogoQuasi PRACOX hat die seit ihren publizistischen Kampagnen gegen die Netzangebote der Öffentlich- Rechtlichen Sender besonders netzaffin sich gerierende FAZ bereits vor der Offenbarung der sechsstelligen Shortlist einen ihrer “Reading Rooms” eingerichtet , im Zuge der Rückbesinnung auf die Pflege der schönen deutschen Sprache diskret in “Lesesaal” umbenannt und zur Diskussion des originellen Themas “Was taugt die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2008 ?” präpariert . Imklusive MRR- Video- Interview .

Gegenwart und Zukunft des Romans” lassen sich dort freilich interaktiv umso intensiver diskutieren , als mit mit Dietmar Daths ‘Die Abschaffung der Arten‘ einer ihrer quickesten Journalisten .

Desgleichen wurde bereits vor Wochenfrist seitens des “Börsenblatts” bekannt , dass das Bündel der handverlesenen Shortlist- Autoren sogenannte “Blind- Date- Lesungen” ( sic ) in diversen Buchhandlungen zu Köln , Kiel , München sowie im Deutschen Goethe- Institut zu Rom absolvieren wird : “Ort und Zeitpunkt sind benannt - welcher Autor in welcher Buchhandlung liest, bleibt bis zuletzt eine Überraschung.”

Surprise , surprise : Wie aus Kreisen mancher Betroffener zu vernehmen , wird ein solches Zwangslesen ( was denken Sie : die PR- Maschine der Verlage jaget auch noch das scheueste Genie aus ihrer | seiner Enklave ! ) nicht von allen Autoren im Sinne besonderer Glücksgaben genossen .

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HANDKE , “HOCHMÜTIG”

dbp 08 rlogoSolches und Ähnliches klug voraussehend , hat Peter Handke sich und seine gelonglistete “Morawische Nacht” bereits vor vierzehn Tagen aus dem Pool des ‘Deutschen Buchpreises’ extrahiert :

Ich freue mich für die ‘Morawische Nacht‘ auf der Buchpreisliste. Aber ich möchte zugunsten der anderen Gelisteten, vor allem der jüngeren, zurücktreten, samt Respekt vor der ehrenwerten Jury.

Grund genug für die Holtzbrinck- | Handelsblatt- Expositur des Tagesspiegels , eine Handvoll Handke- Häme zu streuen :

Es scheint noch wahrlich edle Gemüter unter den Schriftstellern zu geben. So wie Peter Handke. Der hat gestern in einem Brief an den Börsenverein auf seine Nominierung mit dem Roman ‘Die morawische Nacht’ für den Deutschen Buchpreis verzichtet. Handke will also anderen den Vortritt lassen. Soso. Das klingt edler als es in Wirklichkeit ist. Denn gewinnen (ausser Geld) kann Handke nichts – fällt er aus der Longlist, ist das womöglich peinlich. Sollte er den Preis gewinnen, würde er als vielfach ausgezeichneter Dichter (u. a. Büchnerpreis) auch nicht viel mehr an Ruhm einfahren. Tatsächlich wirken ja Namen wie Handke, Martin Walser oder auch Wilhelm Genazino auf der Buchpreisliste merkwürdig. Diese Schriftsteller sind eingeführte Größen, sie müssen nicht am Markt etabliert werden, was ja eines der erklärten Ziele des Deutschen Buchpreises ist. Ihre Bücher aber nicht zu nominieren, hätte ebenfalls etwas Widersinniges, zumal wenn sie eben ihre Qualität haben.

“Hochmütig” geschimpft wird ein solcher Verzicht aufs ( wer kann’s dieser Tage noch hören ? ) olympische Prinzip ‘Dabeisein ist alles ‘ . Und , viel schlimmer noch , die Unterstellung , Handke weiche dem direkten Stechen gegen jüngere Kollegen aus . Da schlagen sich , so der TS , der allzeitbereite Genazino und der ewige Walser schon wesentlich sportlicher :

Handkes Verzicht zeugt eher von Hochmut und einer gewissen Respektlosigkeit gegenüber den jüngeren Kollegen. Wer gewinnt schon gern gegen einen renommierteren Kollegen, ohne dass dieser zum Wettkampf antritt ?

Der Level an Genervtheit reicht und reift also längst vor der tatsächlichen Bekanntgabe der sechsstelligen Shortlist am 17. 9. an die Grenze der Gereiztheit . Gestern , hélas , wurde nun die Kurzliste endlich an die Öffentlichkeit entlassen . Was die Anlässe für Ärgernisse indes in keiner Weise reduziert .

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NATIONALE NACHRICHT

dbp 08 rlogoDass die APA dezidiert den österreichischen Aspekt sämtlicher Meldungen hervorzuheben pflegt , mag man als “Branding” schätzen , erscheint als nationale Perspektive doch immer wieder ärgerlich : Nachdem man bereits um 10:30 Uhr mit “Kein Österreicher auf der Shortlist für Deutschen Buchpreis” titelt , im Untertitel allerdings das Trostpflaster der per shortlisting von Iris Hanika ( Droschl Literaturverlag ) und Sherko Fatah ( Jung und Jung ) immerhin zwei ausgesuchten österreichischen Verlagshäusern verabreicht , folgt die Liste der Leider- Draussen- Gebliebenen Olga Flor ( Kollateralschaden , Zsolnay ) und Norbert Gstrein ( Die Winter im Süden , Hanser) plus dem freiwillig aus dem Verein ausgetretenen Peter Handke ( Die morawische Nacht , Suhrkamp ) . [ APA0140 2008-09-17/10:30 ]

Vier Stunden später ( 15:01 ) hat sich die APA für den ‘Schwerpunkt DDR’ entschieden :

Finalisten für Buchpreis stehen fest : Zwei Romane über die DDR - Keine österreichischen Autoren nominiert - Uwe Tellkamps ‘Der Turm‘ und Ingo Schulzes ‘Adam und Evelyn ” spielen in untergehender DDR [ APA0485 2008-09-17/15:01 ]

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UND NUN GANZ KURZ : DIE LISTE

Die nominierten Romane ( A - Z )

Demnach keine Mehrheiten für Marcel Beyers ‘Kaltenburg‘ ( Suhrkamp ) und für Karin Duves ‘Taxi ‘ ( Eichborn ) ?! - Schade , äusserst schade , finden wir dies unmassgeblich in|ad|ae|qu|at -

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FAZIT : VERLAGE - GENDER - GENERATION

  • Grossverlage : 4 von 6 | KMBs ( bezeichnender Weise aus Österreich ) : 2 | 2mal “Suhrkamp- culture” , 1mal “the Hanser way of life” ( F. v. Lovenberg ) , 1mal Berlin- Verlag
  • Gender Autoren : 5 maskulin , 1 feminin
  • Generation : Jahrgänge 1958 ( Rolf Lappert ) bis 1970 ( Dietmar Dath )

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KOMMENTAR OFFIZIELL

Gottfried Honnefelder , Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Vorsitzender der Akademie Deutscher Buchpreis auf der Heimseite des dbp :

Die Jury hat in diesem Jahr ein umfangreiches Programm hinter sich gebracht und aus einer Fülle sehr guter deutschsprachiger Romane sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2008 ausgewählt. Ihre Werke prägen die Diskussion über die aktuelle deutschsprachige Literatur in diesem Herbst bei Lesern, Kritikern, Verlegern und Buchhändlern – eine Diskussion, die gerade auch in der ausländischen Literatur- und Verlagsszene durch den Deutschen Buchpreis wieder intensiver geworden ist …

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KOMMENTARE DER ANDERERN

dbp 08 rlogo Allgemein wird über ein gewisses Missverhältnis zwischen den munter^fort und fort produzierenden ( sowie bepreisten ) Altmeistern ( Walser , Handke ) , einem mehr gegenwärtigen Mittelfeld ( Uwe Timm , Norbert Gstrein ) sowie den bombastischen ( Tellkamp ) bzw. radikalen ( Dath ) geklagt . Soweit zur Longlist .

Die Kür der Shortlist findet selbstredend höchst diverse Resonanz , wobei ( im FAZ- Lesezimmer ) häufig vom grundsätzlichen Arbiträren jeder Jury die Rede ist sowie vom beleibten Gesellschaftsspiel des Jury- Bashing . Thomas Anz vermisst zu Recht Karen Duve , das Fehlen Marcel Beyers wird von Vielen beklagt , aber der sei - man kennt als Juror solche “Logiken” nur allzu gut - hinreichend gelobt und worden und per Breitbach- Preis bestens versorgt . Denis Scheck macht sich über Tellkamps Monsterroman lustig und vermisst - wie viele andere - Feridun Zaimoglus ‘Liebesbrand‘ . Kurz , so DER SPIEGEL mit reisserischer Überschrift über einer schlichten dpa- Meldung : “Die ganz großen Namen sind allerdings nicht mehr dabei.” -

“Geschenkt” - kann man da nur sagen und “De gustibus non est disputandum” . Die WELT beklagt das Fehlen “von Grazie, Charme und jener Gelehrsamkeit, die sich nicht aufdrängt, sondern schlicht erfreuen will” eines Hans Pleschinski ( Ludwigshöhe , C. H. Beck ) zugunsten der “gestemmten, angestrengten Wissenschafts-Wuchtungen eines Dietmar Dath” .

Ina Hartwig macht sich in der FR natürlich für die weibliche Hälfte das weibliche Sechstel der preiswürdigen Frauen stark und hält Marlene Streeruwitz’ ‘Kreuzungen‘ immerhin für “diskutabel” ( wohin ihr Wenige folgen können werden , die diese pseudo- freudianische Kolportage auch tatsächlich gelesen haben ) , die NZZ freut sich über den einzigen Schweizer in der Shortlist , Rolf Lappert , den wiederum manch Anderer unter den Kommentatoren für arg leichtgewichtig hält .

Die beiden bisher wichtigsten - da strukturellen - Statements erklingen aus dem “Lesesaal” . Da wäre

1. Michael Lentz mit seinem Appell , solche unnötigen Wett- Bewerbe von Autorenseite zu boykottieren - “Der Buchpreis gehört abgeschafft ” :

Jedes Jahr stürzt er Autoren in Depressionen: man kommt erst gar nicht auf die Longlist (fast alle), man schafft den Sprung auf die Shortlist nicht (weitere 14), man bleibt im Römer sitzen (noch mal 5). Der bedeutendste deutschsprachige Schriftsteller, Peter Handke, hat vorgemacht, wie die Abschaffung von Autorenseite aus zu bewerkstelligen wäre:

lieber nicht möchten und konzertiert von der Nominierung zurücktreten. Damit dieser Unsinn ein Ende hat. Hier werden künstlich erzeugte Abhängigkeiten geschaffen: die ganze Branche schaut nur noch auf den Buchpreis; Bücher, die nicht mal auf der Longlist stehen, bleiben unsichtbar; es findet kein vielstimmiger Diskurs über Literatur mehr statt, vielmehr entscheidet ein betrieblich orientierter Ausschuss über das Buchgesicht des Jahres.

Missgunst, üble Nachrede und Uninformiertheit bei gleichzeitigem Geschwätz über die gelisteten Bücher (nebst angehängten Autoren) sind die Folgen - mit Literatur hat dieser Preis nichts zu tun.

2. Die Redakteurin der Stuttgarter Zeitung , Julia Schröder trifft den Nagel auf den Kopf :

Ganz egal, welche Titel im einzelnen auf “Longlist” oder “Shortlist” des Deutschen Buchpreises landen, ganz egal, welcher Autor am Ende den Preis bekommt, ein Sieger steht von vornherein fest: der Börsenverein des deutschen Buchhandels.

Die Branchenvereinigung hat mit dem Preis etwas geschafft, was jahrelange Diskussionen um “Buchmarketing” nicht bewirken konnten: die allgemeine (und wo nicht allgemeine: die mediale) Diskussion um neue deutsche Bücher aufzuladen mit einer Spannung, die zur Preisverleihung in knapp vier Wochen das zu erwartende Feuerwerk der guten Laune, des Auflagenerfolgs und des Lizenzverkaufs entzünden wird.

Schon meldet das Börsenblatt freudig, allein aufgrund der Langliste seien Nachauflagen gedruckt worden, Buchhändler geben kund und zu wissen, sie präsentierten die Titel “im Eingangsbereich”. Schön, das. Für Handel und Wandel, für die Buchkäufer. Auch für die Leser ? ( … ) Dem Leser hilft das allerdings wenig. Er täte gut daran, sich von einer Einkaufsliste zu emanzipieren, die auch in diesem Jahr - zwangsläufig - entstanden ist nach der Proporzdynamik jeder Jury, die aus mehr als einer Person besteht.

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Sequenzer straigt und keine Schnörkel : Eine EP als akustische Shortlist einer aus den 80er Jahren herausgewachsenen Gegenwärtigkeit . Wer will ,czz-hoerempfehlung mag auch einige dreckige Disco- Derivate erkennen : “Alles nur geklaut” lautet besverprechend die beim Netlabel Kreislauf erscheinenden EP . Ein Maschinenmeister ohne falsche Attitüde : Johnny Peinlich ( more music @ MySpace ) wirkt und werkt in Berlin . Dreimal REPLAY sollte mindestens drin sein . 01. omg | 02. wtf | 03. was du hast | 04. ist alles nur geklaut - CLICK LINKS AND LISTEN.

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