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donaueschinger musiktage 2008 | track two : angewandt konzertant



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FREITAG , 17. OKTOBER 2008 : ERÖFFNUNGSKONZERT , DONAUHALLE A

zeitung 01 ( click to XL )

PIERRE BOULEZ am Dirigentenpult - SWR Sinfonieorchester Baden- Baden und Freiburg - Thomas Larcher als Klaviersolist : Klangvolles Kalibrieren des apportierten - auf etwa 300 Meter geeichten - Hörapparats auf 600 Meter See- ( und Hör- ) Höhe anlässlich des ersten Orchesterkonzerts der Donaueschinger Musiktage 2008 . Zweieinhalb Jahrzehnte Konzerterfahrung bislang eher in Beckenlagen gesammelt , sei’s beim musikprotokoll des steirischen herbstes , beim Klangforum oder Wien Modern . Dahingegen hier : Hören in solchen Höhen …

In the event of a decompression, an oxygen mask will automatically drop from a compartment above your seat …

( Taktisch wohlüberlegt nähern wir uns dem Veranstaltungsort vom Bühneneingang her , die Wagenburg des omnipräsenten SWR schirmt jedoch - auch mittels vielgestaltigem Kabelstrangs - die Rampe zur Donauhalle B von der Flutwelle des herbeieilenden Kulturpublikums demonstrativ ab . Neben dem Ü- Wagen mit LAWO mc2-66 parkt ein eigens angemieteter Büro- Bus , komfortabel eingerichtet mit 4 Audio- Bearbeitungsplätzen auf Basis der Schnittsoftware Sequoia . Hiermit ist auch jene technisch höchst komplexe Aufgabenstellung lösbar , welche darin besteht , nur kurz zeitversetzte und auf “Punkt” zurechtgetimte Konzertteile vom Live- Event in sendefähige Zuspielungen umzusetzen . Der SWR arbeitet in Donaueschingen durchgehend in 5.1 Mehrkanaltechnik , bei Mischung , Bearbeitung , Sendung bis hin zur Ausstrahlung über Digitalsatellit . )

Der Eingangsbereich zur Halle A zeigt sich dicht bestückt mit Präsentationstischen , Buffett und Garderoben . Neben dem SWR- Stand kämpfen eben Eingetroffene um Würstchen und Leichtbier , der CD- Verkaufsstand von NEOS ragt in die Eintrittskarten- Abreisszone des Parterre . Rechts buntes Sprachengewirr berucksackter Musikstudenten , kompetente BusinessTalks von Krawatten- und Stecktuchträgern , dazwischen bodenständige Alltagsgespräche lokaler Eventer plus das übliche Fachsprachen- Gefecht der Musiker diverser Orchester und kunstkundiger Kapellmeister in spe .

1 de eingang donauhallea

Ein geeigneter Hör | Sitz | Platz in der Saalmitte ist noch zu ergattern . Es bleibt den offensichtlich langjährig akulturierten Donaueschingen- Aficiondaos vorbehalten , mitgebrachte Campingstühle im Randbereich unterhalb des Balkons zu installieren . Die Orchestermusiker beziehen nach und nach den knappen Bereich um ihre jeweiligen Pulte , gestimmt wird hier ( im Unterschied zu Wien ) sehr wohlgeordnet nach Anweisung des Konzertmeisters zunächst in den Bässen , dann den Bläsern , zuletzt in den hohen Streichregistern .

2 de buehne donauhallea

Wellen von Menschen ergiessen sich in die immer limitierter wirkende Halle , das letzte Sesselchen wird gekapert , schliesslich sind dann auch die seitlichen Flanken mit aufrechten Zuhörern dicht bestellt : Sympathisch informelles Improvisieren im Rahmen des an sich bestens organisierten Festivalablaufs . Die SWR- Inspizientin schickt Pierre Boulez punktgenau auf Ansage- Stichwort an sein Dirigentenpult , das erste von drei ( ! ) SWR - Auftrags- ( ! ) Werken kommt zur Uraufführung .

Erster Eindruck : Der Saal ist akustisch enorm trocken . Natürlich liessen der dichte Vorhang hinter der Bühne , die absorbierenden Deckensegmente und die reflexionsarm vertäfelte Rückfront schon rein optisch eine recht geringe Hallzeit vermuten , doch der wirkliche Klangeindruck mit vollem Orchester übertrifft die Erwartungen bei weitem . Direkt und präzise drängen sich die Blechbläser ans Ohr , jedes kleinste Perkussions Event wird ungeschminkt ausgestellt , dabei geraten die Streicher oftmals ins Hintertreffen , hingebungsvolles Fortissimo aller Pulte dringt als seidiges Gezirpe bis zur Saalmitte . Kurz : Aus tonmeisterlicher Perspektive in vielerlei hinsicht ein Paradies ( “besser gar kein Naturhall als ein schlechter” ) , indes kleben einige der gestossenen Holzbläser- Artikulationen ohne Nachhall doch recht zäh an der Bühnenkante fest . Sicher keine einfache Aufgabe , hier als Musiker ohne tragfähige “Fläche” und ohne verschleifende Reflexionswellen bestehen zu müssen .

Höchst effizient schlängelt sich Pierre Boulez durch die Partitur , der Argentinier Fabián Panisello ( Jahrgang 1963 ) zieht mit “Aksaks” kompositorisch wohl viele Register zeitgenössischer Orchestermusik , insgesamt jedoch bleibt ein relativ beliebiger Gesamteindruck - das Publikum reagiert freundlich , jedoch eher verhalten enthusiastisch .

Fokussierter dann Enno Poppes ( Jahrgang 1969 ) Stück “Altbau” : überraschend konkret , robust , angreifbar , subjektiv auch wesentlich origineller als die von Poppe bislang vom Klangforum uraufgeführten - und stets etwas steif körperarm empfundenen - Stücke im Wiener Konzerthaus . Dynanisch vehalten dagegen die Komposition “Ich und Du [ für Klavier und Orchester ]” der deutschen Komponistin Isabel Mundry ( Jahrgang 1963 ) mit Thomas Larcher im Zentrum : innige , verwobene Läufe , Wechselrufe zwischen Klavier und Orchester , gut auch für den Aufführungsraum geeignet mit der Begrenzung zwischen Pianissimo und Mezzopiano .

Nach der Pause dann ein bereits 1957 komponiertes und über Jahre verfeinertes Werk von Pierre Boulez selbst : “Figures – Doubles – Prismes” . Geradlinig , klar , effektsicher . Hier erweist sich , wie gültig die Vorgaben mancher Pioniere zeitgenössischer Klassik sich gegen Epigonen und diverse Beliebigkeiten behaupten .

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SAMSTAG , 18. OKTOBER 2008 : TAG DER TURNHALLEN - ENSEMBLIADE - NOWJAZZ SESSION

9:30 : Verleihung des Karl- Sczuka- Preises und Förderpreises für Hörspiel als Radiokunst , Realschule Kleine Turnhalle

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11:30 : ENSEMBLIADE , Baar- Sporthalle

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Vom kleinen Turnsaal in die grosse Sporthalle : Beinahe Olympische Dimensionen macht der ausgreifendste Programmpunkt der Musiktage 2008 für sich geltend . Ensemble Intercontemporain ( Leitung : Susanna Mälkki ) - Ensemble Modern ( Franck Ollu ) - Klangforum Wien ( Emilio Pomárico ) : Drei europäische Spitzenensembles in verzahntem Aufführungsablauf , zwölf komplexe Werke , sieben Stunden Gesamtdauer , Doppelaufführungen , und dies alles auf einer riesigen , mit allen bereits voraufgestellten Instrumenten bestückten Bühne .

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Die logistische Meisterleistung VOR den Kulissen dürfte sich HINTER denselben wohl exponentiell multipliziert haben , galt es doch , die vielköpfige Hydra der auf ihre jeweiligen Auftritt wartenden Instrumentalisten mit den üblichen Bedarfswaren künstlerisch inspiriert in Schach zu halten .

Der musikalische Eindruck wird dann wieder von den Eigenschaften des Aufführungsraumes mitbestimmt : nicht mehr die staubtrockene Abbildung von Donauhalle A , sondern spektral diskrete Reflexionen der Sporthalle Baar prägen den Ensembleklängen eine eigenwillige Klanglichkeit auf . Überraschend präzise dringen die Pianissmi noch zu den den hinteren Reihen , ab dem Forte tendieren dann allerdings Stimmen dazu ineinander zu fliessen .

Sportlich jedenfalls die Stimmung im Publikum , man spürt beinahe die mentalen “Hoppauf”- Rufe , mit welchen die jeweiligen Fankurven ihre favorsierten Ensembles anfeuern - ein friedliches Wettmusizieren zwischen Frankreich , Deutschland und Österreich , EM- Atmosphäre auf höchstem musikalischen Niveau . Klar , auch wir dürfen auch hier Lieblinge wie Georges Aperghis oder Brian Ferneyhough wiederfinden .

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21:30: NOWJAZZ SESSION , Gewerbliche Schulen , Sporthalle

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Erneut ein eher enger Eingangsbereich , erneut GoreTexturiertes Outdoor- Publikum , hier mit flagranter Frequenz grauer Herrenzöpfe . Reinhard Kager , Leiter der SWR- Jazzredaktion , moderiert direkt von der Bühne auch die SWR- Liveübertragung : Klassisches , handwerklich einwandfrei umgesetztes Radioformat . Die Auswahl der beiden Gruppierungen dieses Abends fasst Kager unter folgendem Schlagwort zusammen : “Wiederenteckung des Grooves in der freien Jazzszene” . Repetitive , hypnotisierende Patterns treten an die Stelle inniger Tonlosigkeit , entwickeln langgedehnte Spannungsbögen , sollen aber bei aller Aussenwirkung doch auch ins emotionale Sonnengeflecht des Zuhörers dringen . Als Zeugen dieser Wirkungsabsicht werden “The Necks” ( MySpace ) sowie das Burnt Friedman- Projekt “Secret Rhythms” aufgerufen : Nu ja , der Zuhörer denkt sich sein Teil und schweigt .

Chris Abrahams am Piano startet mit sparsamen dorischen Intervallen , Lloyd Swanton kommentiert geduldig mit ostinaten Basstönen , bis dann Tony Buck mit Mallets an den Becken eine pulsierende Basis für weitere Tonexplorationen für Abrahams und Swanton zur Verfügung stellt . Ungaublich die physische Ausdauer von Buck , beinahe eine Stunde lang wird er in langsam drehenden Sechzehntel- Figuren die eher hohen Register seiner Batterie bearbeiten . Kaum ein Akzent auf der Snare , flächige Beckenresonanz mit Wiederhall seitens der HiHat , insgesamt eine erwartbare , doch spannende Entwicklung von Leise zu Laut zu Leise , feines spektrales Geflecht zwischen Bässen , Mitten und Höhen ( > siehe Tony Bucks “solo collage” @ YouTube ! ) .

9 de jazz buehne

Eine markant andere Strategie legt das Trio mit Bernd Friedmann aka Burnt Friedman ( Electronics ) , Jaki Liebezeit ( Drums ) und Hayden Chisholm ( Klarinette und Melodika ) an den Tag ( > MySpace ) . Die streng synkopierten Beats aus dem Laptop werden von Liebezeit nicht etwa paraphrasiert , sondern Schlag für Schlag aufgedoppelt , eine starre , klamme , mechanistische Plattheit macht sich breit . Mangels Bassdrum muss der Schlagwerker eine Hand für das tiefe Tom aufwenden , die HiHat wird musikalisch unlogisch zunächst als Antrieb eingesetzt , verstummt dann aber auch plötzlich wieder . Keinerlei spielerische Dynamik , kein Charme , kein Witz im Groove , aber auch keine technoide Urkraft .

Bei aller Würdigung der langjährigen Verdienste von Liebezeit kann hier nur ein recht peinliches Herumgetrommle wahrgenommen werden , steif und ohne organische Anbindung an Playback und Werkform ( sagen wir es ehrlich : Computeroperateur und Drummer waren heilfroh , wenn sie ein Stück ungefähr zum gleichen Zeitpunkt beenden konnten ) . Wenig hilfreich auch die Stakkato- Akkorde von der Melodika : dieser Effekt kann genau einmal als interessante Erweiterung dienen , inflationär eingesetzt und dabei doch ohne verschlungene Bezüglichkeit , wirkt Hayden Chisholm nur als aleatorisches Accessoire . Einzigen Halt in der Misere bietet der ausgezeichnete PA- Sound der SWR- Saaltechnik , mittels deren d&b- Anlage , Filtern , Kompressoren und Noisegates der lauen Darbietung wenigstens ein Hauch von “Club Credibility” abgerungen werden konnte .

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RELATED

donaueschinger musiktage 2008 | track one : Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst ( in|ad|ae|qu|at , 20. 10. 2008 )

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KLANGAPPARAT

Nach etlichen Fehlschlägen der vergangenen Tage ( angekündigte Releases lediglich als Podcasts zuhanden und nicht als Stream oder MP3- files , fixe czz-hoerempfehlungnight- long- Mixes aus unergründlichen Quellen ) haben wir das angesammelte Repositorium entsorgt und brechen auf zu neuen Ufern .

Freilich wird Keiner jetzt meinen , das Neuland sei an den Donaueschinger Masstäben zu messen : Slow down , keep cool , take it easy … und so floaten wir entspannt auf den sanft gekräuselten Wellen des Berliner Elektronikers Audacious Clay , dessen EP “polyphonic | metabolic” kürzlich bei symbiont herausgekommen ist . Sagen wir mal : Wohlige Funktionsmusik als Wall gegen den Abrieb qua Alltag . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) .

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ABSCHIEDE 1938 : Die Vernichtung des geistigen Wien



||| LES ADIEUX | ABSCHIED 1939 : EGON SCHWARZ | ABSCHIEDE 1938 : DIE BÜHLERS | ABSCHIEDE 1938 : WEITERES PROGRAMM | ABSCHIEDE 1938 : TEXT DER VERANSTALTER | KLANGAPPARAT | LINKS

LES ADIEUX

icon kreis radiation“Abschiede” : Wenn wir heute auf einen bis November durchgeführten Zyklus von sieben Sessionen zur Erinnerung an Österreichs “vertriebene Vernunft” hinweisen , würde uns der Titel der Veranstaltungsreihe zunächst eher die Assoziation an eine Komposition Friedrich Cerhas nahe : “Les Adieux” , uraufgeführt 2005 und im Februar vom Wiener Klangforum unter Johannes Kalitzke als Österreichische Erstaufführung in Wien vorgestellt , mochte wohl auf Beethovens Sonate No. 26 anspielen , offenbarte sich indes als ein in weitklingende Kadenzen gesetztes Hinhorchen in Richtung des Unsäglichen und Unhörbaren : dem Tod . Die Komposition indes sprach ( nicht anders als der anwesende 82jährige Komponist ) eine eminent vitale Sprache . Lösen wir uns von der ästhetischen Schönheit dieses Werks , wäre deren elegisches Innehalten im Wechsel mit aufbegehrenden “bombs” womöglich doch gar nicht so ungeeignet , die im Folgenden aufnotierten Daten zur Ringvorlesung einzuleiten . |||

ABSCHIED 1939 : EGON SCHWARZ

icon kreis radiationGestern , den 13. März hob die insgesamt siebenteilige Veranstaltungsreihe an mit einem Eröffnungsvortrag des 1922 in Wien geborenen und 1939 mt seiner Familie ins lateinamerikanische Exil geflohenen Literaturwissenschafters Egon Schwarz ( nota bene : Über den bekannten Gelehrten und langjährigen Rezensenten für die FAZ besteht bislang kein Wikipedia- Artikel . In keiner Sprache ) . “Unfreiwillige Wanderjahre . Auf der Flucht vor Hitler durch drei Kontinente” titelten die Erinnerungen ( CH Beck , 2005 ) . In einem gestern erschienenen Interview formuliert Schwarz in ebenso knappen wie dezidierten Worten , was in den Wiener Märztagen 1938 geschah :

Es war nicht einfach Jubel, es war frenetischer Jubel. Man hat das in der ganzen Stadt gehört. Bestimmt waren von den Tausenden, die am Heldenplatz lautstark gejubelt haben, nicht alle Nazis. Aber die überwältigende Mehrheit war es. ( … ) Ich würde nicht einen Augenblick glauben, dass Österreich ein unschuldiges Opfer war. Schon im März 1938 wurden die schlimmsten Verbrechen von den österreichischen Kadern der Nationalsozialisten begangen. Die kannten sich hier aus, sie hatten ihren Hausjuden, den sie jetzt umbringen oder bestehlen durften. So ging es dann weiter. Ich habe es als Pogrom erlebt. Die Juden mussten die österreichpatriotischen Parolen von den Strassen waschen, vor den jüdischen Geschäften standen breitbeinig die SA-Leute, die verhindern sollten, dass man dort einkauft. Ich habe gesehen, wie man johlend den Juden die Bärte anzündete. |||

ABSCHIEDE 1938 : DIE BÜHLERS

icon kreis radiationDer weitere Abend war dem weithin einflussreichen Intellektuellen- Ehepaar Karl und Charlotte Bühler . Wie nahezu autoritär der Sprachpsychologe im zeitgenössischen Wien ihr Terrain verteidigten , bezeugt eine köstliche Episonde in den absolut lesenswerten “Lebenserinnerungen” von Marie Jahoda : Die Grande Dame der Sozialpsychologie - auch lange nach den “Arbeitslosen von Marienthal” ( siehe unten ) - berichtet , wie “man” selbstverständlich in die top- aktuellen Vorlesungen der anti- freudianischen Bühlers pilgerte , sich dann aber nichtsdestoweniger und klammheimlich in die Berggasse stahl , um den “anderen” grossen Geist der Epoche kennen zu lernen .

ABSCHIEDE 1938 : WEITERES PROGRAMM

  • 24. Juni 2008 , 18 Uhr , Wienbibliothek im Rathaus |
    Gerald Holton ( Harvard University ) , Gerhard Sonnert( Harvard University ) : Was geschah mit den Kindern ? Erfolg und Trauma junger Menschen , die vor den Nationalsozialisten flohen
  • 5. November 2008 , 18 Uhr , Wienbibliothek | Hans Tietze und Erica Tietze-Conrat – Kunstwissenschaft als Kulturwissenschaft
    Arif Caglar ( Universität Istanbul ) : Reisetagebuch 1938 . Der Versuch einer Annäherung | Almut Krapf ( Akademie der bildenden Künste , Wien ) : Löwe und Eule – Das Kunsthistorikerehepaar Hans Tietze und Erica Tietze-Conrat | Alexandra Caruso ( Wien ) : Hans Tietze und die Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst
  • 19. November 2008 , 18 Uhr , Wiener Rathaus | Joseph Vogl ( Humboldt-Universität zu Berlin ) : Der Diskurs über “die Masse” im Wien der Zwischenkriegszeit - Das Soziale ist das Irrationale , Moderation Helmut Lethen ( IFK , Wien ) |||

ABSCHIEDE 1938 : TEXT DER VERANSTALTER

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Im März 1938 kommt ein historischer Prozess zu einem vorläufigen Ende, der über den Justizpalastbrand 1927, die Ausschaltung des Parlaments 1933 und den Bürgerkrieg 1934 die fortschreitende Zerstörung des demokratischen Gemeinwesens der Ersten Republik Österreichs nach sich gezogen hat. Mit dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht und dem willfährigen “Anschluss” an das “Dritte Reich” wird jedoch nicht nur die Unabhängigkeit Österreichs verspielt und seine Bürgerinnen und Bürger einer Diktatur überantwortet, sondern auch das geistige Wien der Zwischenkriegszeit vernichtet. Mit der Verfolgung der Juden und Jüdinnen und der politisch Andersdenkenden wird ein intellektueller, künstlerischerund kultureller Mikrokosmos vernichtet, der sich im Wien des Fin de Siècle herausgebildet hatte und der trotz schwierigster wirtschaftlicher und politischer Umstände nach dem großen Krieg als Labor der geistigen Avantgarden erhalten blieb. 1938 findet diese Werkstätte des europäischen Geistes ihr gewaltsames Ende: Die geistige Elite der Stadt emigriert – sofern sie nicht schon vor dem Ständestaatins Ausland geflüchtet ist –, wird in den Folgejahren ermordet oder in den Untergrund bzw. in das innere Exil gezwungen. Das Wien vonSigmund Freud, Elias Canetti, Hermann Broch, Paul Lazarsfeld, Marie Jahoda und vielen, vielen anderen Botschafterinnen und Botschafterneiner emanzipatorischen Moderne hört auf zu bestehen.

Die Stadt hat diesen gewaltsamen Aderlass bis heute nicht verwunden. Das Ziel der Veranstaltungsreihe “Abschiede 1938″ ist es, 70 Jahre danach, an einzelne Facetten dieser historischen Tragödie zu erinnern.

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KLANGAPPARAT

Mit Audioscope hat DJ In Vitro ( Mexico ! ) eine fliessende Suite aus elegischen Ambient- Klängenczz hörempfehlung für Mixotic komponiert . Siebzig Minuten einleuchtend abschattierter Klangfarben : CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN |||

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