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Salon Littéraire | Dieter Sperl : DIARY SAMPLES



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Salon Littéraire | Dieter Sperl :

DIARY SAMPLES

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DIARY SAMPLES ist eine Ansammlung von Tagebuchaufzeichnungen; Gedankensplitter aus verschiedenen Begegnungen, Lektüren, werden nebeneinander gestellt, Zitate und Aphorismen mischen sich ein, Impulse, Wünsche, Ideen, Anregungen, Träume, Assoziationen und Intuitionen, sie schwingen miteinander, greifen sich an oder fordern sich wechselseitig heraus, schaukeln sich hoch, um vielleicht im nächsten Moment abzustürzen. Man kann auch bloß einzelne Teile befragen, sich darin vertiefen oder in nachlässigen, von Zufall bestimmten Lesebewegungen nach vorne und zurück switchen, oder mag versuchen, die semantischen Standorte der Einzelstücke, ihre diesbezüglichen Bewegungsmöglichkeiten und Wirkungsgrade in einem selbst auszukundschaften, um möglicherweise damit die Flugbahnen der eigenen Existenz variieren zu können.

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Meine Heimat ist dort, wo ich mich gerade aufhalte, um zu überleben.

Nach dem Aufwachen dachte ich: Auf keinen Fall an die gestrigen Lebensfahrgemeinschaften anschließen - Glockengeläute zu Allerheiligen, es ist sieben Uhr in der Früh, leichter Regen, Wind von Norden her kommend - haben sich alle aus jenem mich am Vortag überzeugend durch den Tag manövriert habenden Bewusstsein zurück gezogen.

Frau Navratil am Bahnhof von Z. an einem klirrend kalten Tag. Jeder Gesichtsausdruck gewinnt immer mehr an Klarheit, die eine um sich greifende Ausgelassenheit und tief entschlossene Ernstheit besitzt, als ob meine Hände von selbst fliegen könnten und mit dem Körper eine Reisegemeinschaft bildeten…

Als ich vor Jahren eine Verhaltenstherapeutin aufsuchte, wollte ich von ihr, dass sie mich zu einem glücklichen Menschen umprogrammiert, was ihr vermutlich auch gelungen wäre, hätte ich nur eine deutlichere Vorstellung davon gehabt. Deshalb musste ich den unter meinem Namen eingeschlagenen Weg weiter gehen.

Mach jede Bewegung zu deinem ganzen Ausdruck.

Jeder Augenblick, der auf mich zutritt, ist noch nie gelebt worden zuvor, solcherart frei von Vorstellungen und zugleich ewig während.

(wenn ich dich verliere, langsam)

Unterschiedliche Aggregatzustände: Flüssige Texte, hölzerne Gedanken, Wörter aus Stein, dichte Gewebe, Sätze, die als Zuschauer applaudieren…

Der in Peru geborene hohe Initiierte und Schamane K’anchaq Uma Juan sagte, dass auch unsere Emotionen Lebewesen sind, auch sie haben ihre Freunde, ihre Familie und es sind dies Kräfte, die in uns auftreten, sich weiter entwickeln oder auch nicht. Emotionen können wachsen und sich dabei verändern, denn es sind Wesenheiten, die zu einem ganz bestimmten Zweck erschaffen werden. Es gibt auch Momente, in denen sich solche Wesenheiten befreien und über die jeweiligen Menschen zu herrschen beginnen. Damit beginnt die eigentliche Katastrophe.

Dieses Sein und dieses Wollen sind eins.

Fantasie ist jener Moment, in welchem man einen fremden Menschen anschaut und plötzlich Teil einer anderen Geschichte wird, sich glücklich, offen und frei fühlt und nicht mehr hineingezwängt in das eigene Lebenskonzept, das sich täglich von neuem aufführen muss.

Den ganzen Schwindel der laufenden Selbsterregungen durchschauen.

Du bist bloß hier, weil du derzeit keine anderwertig eindeutig gerichteten Handlungsmuster besitzt, und das ist schön so in diesem Augenblick, auf diese Weise nämlich komme ich ins Spiel und bin froh und glücklich zugleich. Denn jetzt hängt die Entscheidung für das Kommende nicht mehr nur von dir ab, sie ist nun ein vermehrter Lichtstrahl, der mir ins Gesicht fährt, und damit meine vom Himmel aufgezeichneten und in die Gesellschaft hinein veräußerten Gesten mit einem Mal erweitert.

Zum Schluss meiner Meditation war ich temperamentvoll und unerwartet bei einer Bekannten namens Petra und deren Mann im Bett. Den Menschen die Angst vor dem Sterben nehmen, dachte ich, während ich mich im schwitzenden rinnenden Rhythmus ihrer beiden Körper bewegte, denn es ist dies unser Zuhause, in welchem wir unausgesetzt wirken

Jeder hat seine Bedeutung zu spielen, die im Grunde seine ganz überwiegende Lebensauffaltung ist. So stehen wir manchmal auf der besonderen Seite der Lebenskraft und winken ausgelassen den vorbei fliegenden Passagierflugzeugen zu.

Wenn du begreifst, was das Leben ist, ist es für nichts wirklich zu spät.

Dunkelheit / Liebesbriefe / Erinnerungen. Eine Laterne beleuchtet ein paar Meter des zu gehenden Weges. Ein Schamane spricht in meinem Traum in der kalten Winterluft. Dieses Sein und dieses Wollen sind eins .

Viele Schriftsteller haben ein Muster, die Welt zu begreifen, zu erzählen, sie darzustellen, auf sie hinzuweisen, in sie hineinzugehen produziert und dieses auch in unterschiedlichen Dichten veräußert. Durch Koordinieren und Weiterentwickeln verschiedener Diskurse entsteht etwas gänzlich Neues, das, so vermute ich, den Menschen einmal grundsätzlich mit einem Sprung größerer Autonomie anfüllt.

“Die ganze Welt und ich selber kamen mir wunderbar alt und jung vor, Erde und Erdenleben wurden mir plötzlich zum Traum, und es war mir, als sei mir alles ganz leicht verständlich und zugleich wieder völlig unerklärlich.” (Robert Walser)

Alles scheint nur solange seinen gewohnten Gang zu gehen, als niemand im Weg steht, der ebenfalls seinen gewohnten Gang gehen möchte, den beide sodann gemeinsam zu sehen bekommen.

In den Sprachakt Kräfte einpflanzen, die in uns eindringen, etwas vertiefen oder in Frage stellen, Kräfte, die uns herausfordern, beflügeln und uns umarmen. Hypothese: Solche Sprachakte bilden die lebendigsten Momente.

Alle Sätze, die wir miteinander wechseln, sollten nur für diesen Augenblick, jetzt, ihre Gültigkeit haben, und der Grad ihrer Bedeutung sollte sich an der Offenheit, der Beweglichkeit und Leichtigkeit, insgesamt ihrer Freiheit bemessen, die sie erzeugen können.

“Leeres und aufnahmebereites Herz.” (Shunryu Suzuki)

An M.: Ich habe mir in den letzten Jahren, so glaube ich, wesentliche Persönlichkeitsanteile bewusst gemacht und weiter entwickelt, andere wiederum ziemlich vernachlässigt. Indessen denke ich nun, dass ALLES WAS ICH IN GROBEN ZÜGEN ALS INDIVIDUUM BIN die weitere Entwicklungs- und Ausdifferenzierungsreise antreten soll. Beispielsweise gibt es da Muskeln auf meinem Rücken, ich würde dich bitten, sie in eine Bewegung überzuführen, um meine Seele zu kitzeln, schrieb ich, es war November, und dieser Monat gefällt mir fast überall auf der Welt.

Auf einem Hausdach ging ein Schriftsteller zu seiner Lesung, sah den Himmel, der leer hing über ihm, das Publikum klatschte, der Schriftsteller setzte sich an den Tisch, stellte drei Armbanduhren vor sich auf, das Publikum klatschte, der Schriftsteller rückte die Armbanduhren ein wenig von sich weg, starker Wind. Im selben Moment sah er einen weinroten Doppeldeckerbus fieberhaft einen Hang herunterkommen, an dessen Rückseite drei an Stricken angebundene Kühe mitgeschliffen wurden, der Bus kam in eine Ebene, die Kühe schleuderte es nur so in die Wiese, in der sie sich ausbreiteten, sodass sie plötzlich weitaus größer waren, und der Schriftsteller konnte sie spüren, als ob er mit seinen Fingern über ihr Fell gestrichen wäre. Das war der Beginn von Allerseelen.
Eine alte Frau im Vorbeigehen: “Man muss leider die Eitelkeit aufgeben. Sonst wandeln wir umher in unseren für uns selbst auffälligen Abenteuern.”

Sätze kommen und gehen lassen, ihre operationale Effektivität begrüßen.

Keinen Satz wegstreichen, ohne auf ihn je gewartet zu haben.

Der Augenblick anerkennt keine Autorität.

Um halb zwei Uhr in der Früh bin ich durch einen einzigen Trommelschlag geweckt worden.

Es ist lächerlich, wie mich heute eine Lebensangst im Griff hat, die in mich eingedrungen ist und die mich in Berechnungsschritten zu lähmen beginnt.

Hinter der schlichten und anspruchslosen Weite seiner Gedanken verbarg sich eine jähe und zwingende Tiefe.

Schon der leiseste Gedankenflug kann töten, wenn er nur genug Kraftkonzentrat in sicht trägt. Sämtliche Bewusstseinszustände und -kräfte sind sich laufend verändernde Schöpfungen einer kosmischen Ganzheit. Der Schamane ist einer der Meister des Absurden, des Akausalen und Unobjektiven, verkürzt Räume telepathisch und huldigt der Kommunikation mit allem Sein, schreibt Holger Kalweit.
“Allein die Menschenwesen sind an einem Punkt angelangt, wo sie nicht mehr wissen, wozu sie leben. Sie wissen ihr Gehirn nicht mehr zu gebrauchen, und sie haben das geheime Wissen ihres Körpers, ihrer Sinne und ihrer Träume vergessen. Sie machen keinen Gebrauch mehr von dem Geist, der einem jedem von ihnen eingegeben wurde.”

Jeder unserer geistigen Filme muss in präzisen und hoch energetischen Aufträgen operieren…

Es war jemand an der Tür, ich wollte absperren, um sicher zu gehen, aber ich fand keinen Schlüssel, und hätte mich auch nicht wirklich zum Schlüsselloch getraut. Schließlich stürzte ich überfallsartig zur Tür hin, schrie Hööhöö und spuckte mit aller Kraft auf die Glasscheibe, hinter welcher ich eine alte mich anvisierende Frau ausmachen konnte.
Meine Eltern hatte ich auch eingeladen. War es ein Künstler-Heim? Damit sie dort vorübergehend gratis wohnen konnten? Es war mir peinlich, da sie durch das komplette, schon sehr alte und ziemlich abgewirtschaftete Haus schlapfen mussten, um zu den Duschen zu gelangen.

Das Verhalten darf uns keinen Verstiegenheiten überlassen, die man uns später anhängen könnte.

Auch der Regen muss auf Visionssuche gehen.

Und draußen auf den Gehsteigen… ich hätte gerne das Geräusch des Schneeschaufelns gehört und ich war geneigt, zum Fenster hinaus zu sehen, in einen dichten Schneefall hinein, der mich überall hin hätte tragen können. Ein stilles rhombusartiges Sonnenstück erschien an der Wand rechts neben der Tür, das in jenem Moment, als ich es mit einzigartiger Freude bemerkte, sofort verschwand. Es muss wohl sehr scheu gewesen sein. Etwas muss immer dabei sein, das wahrhaftig universell über jeden gerade formulierten Satz hinaus treibt, eine Art von Leere als Botenstoff, unmissverständlich spürbar, sichtbar in jeder Bewegung, jedem Ausdruck, absolut, offen, beweglich, sie erst gibt uns die Freude und die Fremde in die Hand, und sie ist meine Haltung, die immer umfangreicher wird.

“Wenn du jetzt mitgehst, verändert sich dein Leben ausnahmslos.”

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Dieter Sperl

Geboren 1966 in Wolfsberg / Kärnten . Lebt in Wien . Studium Deutsche Philologie und Philosophie in Graz .

  • 1989 bis 1993 Mitorganisator zahlreicher Veranstaltungen und Mitherausgeber der dem Experiment verschriebenen Literaturzeitschrift perspektive
  • 1992 - 2000 Gründer und Mitherausgeber der literarischen Theorie- Reihe edition gegensätze ( i. e. )
  • 1995 Konzeption der Veranstaltung Neue Medien Schreiben in der Kunsthalle in Hall / Tirol im Rahmen von “am Anfang war” von Richard Kriesche
  • 1996 Kurator von Gehdicht , Lyrik im öffentlichen Raum , veranstaltet von KUNST IM ZENTRUM , Wiener Neustadt 1996
  • Gemeinsam mit Paul Pechmann Kurator für Literatur der Landesausstellung comm.gr2000az
  • 2005 Konzeption und Betreuung des wöchentlich erscheinenden LITERARISCHEN FENSTERS @ Wiener Zeitung
  • Seit Ende 2005 Literaturredakteur in der Zeitschrift ST/A/R
  • Konzeption von schriftwechsel , Binnenzeitschrift für diversitäre Erzählformen
  • Literaturtipps für readme.cc

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Buchpublikationen

Interventionen | Installationen

Libretto

Radiophonie

Video

Texte im Netz

Links

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Salon Littéraire | Lisa Spalt : Winterweiss



 

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Salon Littéraire | Lisa Spalt :

WINTERWEISS | nach dem Märchen vom Schneewittchen

 

Lisa Spalt_copyright_Barbie_01

Funktionierts? Das Ding, das nicht hört? Das die zeitgemäße Terminologie der Erziehung nicht versteht? Die aktuelle Bezeichnung seiner Ausbildung nicht kennt? Dieses Kind, das nichts und nichts annimmt? Für eine richtige Frau tätschelt Jungmutter breitbeinig ihren Fortwuchs im sich wölbenden Bauch ist ein Kind ein Gewinn, beweist es doch, dass sie eine - sie ins Futur projizierende - Kurve kriegen kann. Zukunftsexpansion denkt sie in sich drin: klar, reparierst mich ganzheitlich / dein schaum zieht zisch ein und du saugst mein fett auf / mit sacchariden / kontrollierst du / mein krauses haar / machst faltentiefe unsichtbar … Ja, Mutterliebe fühlt sich schwapp fühlen die werdende Mutter, Liebe zu sich, dass sie sich Fruchtbarkeit bedeutende Kirschen Lippen-rot an die Ohren hängt, dass sie mit Gold als dem Grund legenden Prädikat der Frucht tragenden Gerste sich wiegt. Sie misst den Wert ihrer Ich-Aktie im Vorbeigehen an Schaufenster-Spiegeln sowie in wiederholbaren Glücksgefühlen. Ein das Körperprofil deutlich unterbrechendes Protzen gehört ihr zum Zähneputzen wie die Vokabel vom Sauberkeitsritual, mit dem sie sich von der schmutzigen Welt unterscheiden kann. Hasenpfote im Schritt besingt sie ihr Bild, sobald kein Mutterkörper-fremdes Ohr den ihren Stolz verratenden Spruch vernimmt. O, frohe Erwartung wird. Bald strotzt die Mutter säugend mein Mutterkind funktioniert. Und da kann sie den werkenden Organismus als Schönheit auch schon vorweisen, wenn ihn wer sehen will. ( … )

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Nein! Sichtbar imaginiert Stiefmamah die Tochter, fremdwilde Blicke erntend! Diese von mir gepflanzten Früchte seufzt die Mutter des verdienstlosen Stiefkind-Erblühens. Pfui kacka definiert sie den sauberen Kinds-Charakter. Kinderwunsch wünscht sie sich ebenso jung. Blumig gesprochen, aber erdig gedacht neigt die Schönheit die Frau in der Busengegend zum Zeichen verlängerten Knospens. Oder die Dame im Weib wendet zur effektvollen Entfaltung ihr Blüten-gefärbtes Kleid, während Triebstruktur kombiniert, was ihr an Umweltdaten vorliegt. Ja, Stiefmutter ortet - im Geiste sich mit dem Jungspross ident entblätternd - duftende Konkurrenz. Bis jetzt, da es jetzt aber plötzlich heißt und ihre Zeitrechnung damit beginnt, hatte die Mutter noch gar kein Alter, aber dein Alter ist doch noch gar kein Alter hieß es bis zu diesem Moment. Und jetzt? Jetzt gibt es diese Zeit, in welcher selbst für den Mann im Vater nur noch das Pflänzchen zählt. Ja, mit der Identität der Geburt beginnt die Entwicklung des Kindes rauscht Stiefmamah diese Identität wird in den Kindern geboren, aber Zuführung dreht die den Kopf zu der Schulter, welche sie Erzittern im Wind andeutend hebt führt dann doch zu weit vom Ursprung des Schicklichen weg. Und ihre Geste wirkt klar poetisch für alle, die den Zugführer falsch verstehen. Weißes Rauschen scheint Ihnen den Schmutz dieser erzählten Wirklichkeit zu transformieren, sie von ihrem Leben wohltuend zu distanzieren. Mit etwas Fahrtwind jedoch werden wir die Entwicklung hier prosaischer in die Zukunft führen. O weh, lang dient eins zum Schneiden von Eisbein klagt die Mutter Vernaschen der Mutter adé, die vor der Tochter liegende Mannbarkeit macht Mutterliebschaft passé. Stiefmutters Mund im Kopfgebiet zieht sich, Mutters Gefühle lösen sich, heben vom Mutterjetztkörper nun ab, heften sich ans kindliche Ebenbild, diesen Kindheitsauftritt ihres fleischlichen Selbst: Wer wird Muttern noch lieben, wenn sie des kindlichen Spiegelbildes verlustig geht? Welches Liebesobjekt wird ihr schönes Inneres projizieren und welche Oberfläche diese ihre vergangene Perfektion nach außen spiegeln? Wo wird die Formensprache ihrer wahren Natur sein, die sie auf ewig reflektiert? Es entdeckt die Stiefmutter ihr räumliches Vorstellungsvermögen dieses Kind müssen wir wieder klein kriegen. - Du Hure zieht sie die Kindergrenzen in der Zukunft sind wir ein gutes Mädchen, wir sind in einer guten Zukunft für Mädchen. Und es rät die Mutter dem Kind zur Askese welche das Leben in Schönheit verlängert. Lederhautgürtel begrenzt die dem Kind in Zukunft bekannte Welt. Krokodil teilt das Mädchen, leicht hüftig geschnitten wollen das geheim halten, wir, zieht strenge Hüftlinie über dem Haar. Hei-heia, die Tuchent pflegt sich die Mutter des Töchterchens Fragen zu erwehren das reißfeste Gewebe mag schlafen, der Geist aber wacht über die Immunität. Schlüpf rein, werd mein, bring Glück, oder muss ich noch sinnlich erleben, wie deine Schamlosigkeit meine Scham anzieht. Und so wird das Kind von seiner Schattenseite separiert, die sich damit als Attraktion erst definiert. ( …)

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Und da ging die Stiefmutter, indem sie alterte, in eine einsame Kammer, wo sie einen wunderbar künstlichen Apfel produzierte, und das kostete sie wieder ein Lebensjahr, während dessen sie sehr langsam sprach: die schönheit schlägt das alter tot mit der verlaufenden zeit. / die schönheit der puppe wohnt nur vorübergehend in der frau. / die schönheit handelt nicht. / in der schönheit das leben sich suspendiert. / wer die schönheit besitzt, in dem die schönheit vergeht. / schönheit ist, was jemand begehrt. / wer aber die schönheit genießt, dessen begehren verfließt. / schönheit ist, was helenas apfel kriegt. Und so vergings. Und da war der Apfel fertig und äußerlich wunderbar, aber innen war etwas faul daran: Igitt, dieses Gift der Sterblichkeit! Und Schneewittchen, die sich nicht beherrschen kann, welche Eros gerufen und Gott Vater vernascht hat, die Erfahrung hat mit Äpfeln und Würmern, drin im schönsten, weißesten Fleisch, weiß, dass Genuss immer Haken hat, an denen man lang hilflos zappeln kann. Ja, das Leben kostet das Leben, auch wenn wir es mit Gold aufwiegen. Und dennoch genießt Schneewittchen, welche in Personalunion die Schönheit an sich und somit unsterblich ist, den Apfel der Verführung, ein billiges Fleisch, welches ja bekanntlich schon bei der Geburt dem Tod - und in Handform! - seinen kleinen Finger reicht. Und die Materie ist tot, es lebe die Schönheit, als reine lebt sie fort. Und so fragt die Mutter Spieglein an der Wand, Du tote Schönheit blicke mich an!

[ Aus : GRIMMS - Ritter , Klagenfurt 2007 ] |||

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Lisa Spalt

geb . am 16. 10. 1970 in Hohenems ( Vorarlberg ) . 1997 Abschluss des Studiums der Deutschen Philologie und der Romanistik . Diplomarbeit über Konrad Bayers “kasperl am elektrischen stuhl” . Seither Arbeiten zum Handeln in Sprache mit Ausläufern in Richtung Bild und Akustik . Text- Musikalische- Kooperationen mit dem Komponisten Clemens Gadenstätter .
Seit 2006 Verlegerin der Kleinen idiomatischen Reihe ( KiR ) . |||

Publikationen

Literarische Kooperationen

Kooperationen mit Komponisten

  • Spalt / Gadenstätter 1996 : Sprachmaterial zum Quartett “Variationen und alte Themen” von Clemens Gadenstätter , UA 19. 4. 1997 , Sammlung Essl , Klosterneuburg ( A )
  • Spalt / Böhm 1996 / 1997 : Sprachmaterial für die Klanginstallation “telenovela” von Peter Böhm , UA 19. 4. 1997 , Sammlung Essl , Klosterneuburg ( A )
    Spalt / Gadenstätter 1997 : “ballade l” , UA 5. 11. 1997 , Wien Modern : Matteo de Monti ( Bassbariton ) , Florian Müller ( Klavier )
  • Spalt / Gadenstätter : “4 Szenen nach Goya” - Zyklus zu Goyas Caprichos für Jürgen Ruck ( Gitarre und Stimme in einer Person ) , Aufführungen in D , ESP , A
  • Spalt / Gadenstätter 2004 : Songs | Lieder - CD , Spechtart BÖX , Günter Specht
  • Spalt / Gadenstätter 2007 : Zyklus “Madrigale” für die Neuen Vocalsolisten Stuttgart , UA von Madrigal Nr. 1 “HEY” , 30. 6. 2007 , Der Sommer in Stuttgart , Stuttgart ( D ) |||

Radiophonie

Kooperationen mit bildenden Künstlern

  • Spalt / Schweizer 1997 : Sprachmaterial zum Film “telenovela” von Corinne Schweizer, UA Diagonale , Graz 1998
  • Spalt / Brandl 1999 : Sprachebene zu einem Grafikzyklus von Gerhard Brandl , Projekt “Zeichensetzung” , Ausstellung in div. oberösterreichischen Galerien und Museen
  • Spalt / Bernsteiner 2008 : “Hollis & Holly oder: Before and after everything went tits up” , Zeichnungen Georg Bernsteiner , mel edition , Wien 2008 |||

Texte im Netz

Links