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Dokumentation | Alte Schmiede : Wirtschaftspolitik und Kulturvernichtung - Trotzdem : Die “Alte Schmiede” lebt ( Gerald Grassl )



Alte Schmiede wohin ?

Fortsetzung unserer seit der ersten Meldung über den möglichen Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 ( Alte Schmiede ) vor zwei Monaten unternommenen DOKUMENTATION . - Artikellinks verschwinden , Berichte sinken ab ins kostenpflichtige Archiv : in|ad|ae|qu|at hält Meldungen , Meinungen , Äusserungen , Protestnoten und Politikerrepliken in chronologischer Folge fest .

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WIRTSCHAFTSPOLITIK UND KULTURVERNICHTUNG - TROTZDEM : DIE “ALTE SCHMIEDE” LEBT

( Gerald Grassl , Augustin Nr. 231 , Juli 2008 , S. 24f )

Die gute Nachricht: Entgegen anderer Medienberichte bleibt die Tätigkeit des Literarischen Quartiers “Alte Schmiede” in der Schönlaterngasse 9 zunächst aufrecht.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - VORGESCHICHTE

alte-schmiede-was-tunEs bleibt jedoch ein ganz normales Lehrstück in welcher Logik der Kapitalismus “funktioniert”, wenn Gemeindeeigentum privatisiert wird.
Im Barockhaus “Alte Schmiede” in der Schönlaterngasse 9 war noch bis in die 70er-Jahre die alte Schmiede in Betrieb. Als sich der Besitzer des Hauses zur Ruhe setzte, vermachte er das Gebäude der Gemeinde Wien. Unter einer Bedingung: Die Schmiedewerkstätte soll in Betrieb bleiben, und zwar als kleine Kunstschmiede und die anderen Räume sollen im Lauf der Zeit für Kulturinitiativen, Künstlerwerkstätten, Ateliers zur Verfügung gestellt werden.

Die Gemeinde Wien überließ das Haus dem damals noch gemeindeeigenen Jugend & Volk-Verlag in Verwaltung.
Der 1969 gegründete “Kunstverein Wien ” zog im Haus ein. Als “unabhängige Institution, die künstlerische Initiativen fördern will, die Künstlern bei der Verwirklichung von Projekten, bzw. bei der Schaffung der Voraussetzungen dafür helfen will” und der Kunstverein Wien “ist keiner bestimmten Kunstrichtung ( und ) keinem bestimmten Künstlerkreis ausschließlich verpflichtet.”

Die Literaturreihe des “Literarische Quartier begann am 9. Juni 1975 mit einer Lesung von Friedrich Heer, die Folgeveranstaltung bestritt Ilse Aichinger. In den weiteren inzwischen etwa 5.000 Veranstaltungen waren Nobelpreisträger wie Elias Canetti, Günther Grass, Elfriede Jelinek und Gao Xingjian ebenso zu Gast wie neue unbekannte Autoren, Literaturgruppen- und Zeitschriften. Fast parallel entwickelte die “Musikwerkstatt ” ein ähnlich dichtes Programm für neue Formen der zeitgenössischen Musik. Im “Musiklabor” wurden Klassiker der Moderne wie György Ligeti oder Roman Haubenstock-Ramati genauso präsentiert wie junge unbekannte Komponisten ( anlässlich des 30jährigen Bestehens der “Musikwerkstatt” wurde eine Doppel-CD mit Hörproben herausgegeben ).

Eine ungewöhnliche Idee war auch die Einrichtung der “Arthothek“, eine umfangreiche Sammlung von Grafiken österreichischer Gegenwartskünstler. Wie in einer Leibibliothek können sich Kunstfreundinnen gegen eine geringe Leihgebühr Werke aus dieser mehrere Tausend Blätter umfassende Kunstsammlung mit nach Hause nehmen. In den oberen Stockwerken wohnten Mieter, die noch ihre Mietverträge mit dem alten Schmied abgeschlossen hatten. Sollten diese Wohnungen einmal frei werden, gab es Zukunftspläne, sie als Wohnungen für Autoren frei zu halten, die aus ihren Heimatländern flüchten mussten, oder andere Gäste aus dem Ausland.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - DIE WIENER STÄDTISCHE VERSICHERUNG KAUFT ….

alte-schmiede-was-tunDer Verlag Jugend und Volk ging in Konkurs ( ein eigenes Kunststückl, ein Unternehmen, das hoch subventioniert und gefördert wurde, und außerdem sehr gut im Schulbuchgeschäft vertreten war, in die Pleite zu führen ? ). Das Haus wurde 1987 von der damals noch gemeindeeigenen “Wiener Städtischen Versicherung ” übernommen. Als Kaufpreis wurde eine Million Schilling kolportiert. Das nennt man ein wirklich gutes “Schnäppchen”! Auf Anfrage ob dieser Kaufpreis stimme, gab es von Seite der “Wiener Städtische” darauf keine Antwort.

Das Versicherungsunternehmen blieb in den folgenden Jahren dem Auftrag des Stifters treu: Die Räume wurden neu renoviert und adaptiert, im Hof ein zusätzlicher Veranstaltungsraum erbaut. In den Keller zog die “Zukunftswerkstatt” der SPÖ ein, was allerdings dem “Kunstverein” den ( unberechtigten ) Verdacht einbrachte, ebenfalls eine versteckte Vorfeldorganisation der Sozialdemokraten zu sein.

Und dann wurde die “Wiener Städtische Versicherung” privatisiert. Damit wurde alles anders. Aus der Sicherheit einer Versicherung als Eigentümer entstand - in diesem Zusammenhang muss der Werbespruch “Ihre Sorgen möchten wir haben !” wohl als Drohung verstanden werden ! - Unsicherheit, denn die neuen Eigentümer haben sich nach Gewinnzuwächsen zu richten aber nicht an kulturelle Aufträge. Außer sie taugen im Zuge einer “Umwegrentabilität” für Werbezwecke, doch damit erreicht man auf dem Gebiet der Literatur leider nur eine sogenannte “qualifizierte Minderheit”.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - …. UND VERKAUFT

alte-schmiede-was-tunDie Wohnungen in den oberen Geschossen wurden leer. Vor dem letzten Jahresende erhielt die “Zukunftswerkstatt” die Kündigung.

Somit war die Immobilie für die Eigentümer wertvoller geworden. Mit Einschränkungen: Zum einen die lästigen Mieter ( “Kunstverein” ) zu ebener Erd’, zum anderen mindern die Auflagen der Denkmalschutzbehörden den Wert eines Hauses. Fachleute schätzen den derzeitigen Verkehrswert des Hauses auf etwa 2 Millionen Euro ( eher weniger ). Die “Wiener Städtische” bot das Haus um 6 Million Euro zum Verkauf an, und verkaufte es im Juni dieses Jahres um 5,6 Million an den Baumeister Martin Vogl und den Kaufmann Stefan Schmerschneider ( “IMMOKRASS ” ) . Beide sind Eigentümer und / oder Geschäftsführer mehrerer Bau- bzw. Handelsunternehmen.

Wenn diese “tüchtigen” Geschäftsleute überteuert ein Objekt erstehen, dann sicher nicht aus Liebe zur Barockarchitektur oder als Literaturmäzene.
- Weshalb also ? - Darüber kann nur spekuliert werden. Die Situation erinnert an die Geschäfte rund um das von Autonomen betriebene “Ernst-Kirchweger-Haus” in Favoriten. Das Haus gehörte ursprünglich der KPÖ. Um aus der Finanzkrise der Partei zu kommen, boten die Kommunisten die Liegenschaft der Gemeinde Wien zum Kauf an. Die Gemeinde Wien hatte zunächst kein Interesse an einem Kauf. Das Haus wurde an eine Immobilienfirma um 600.000,- Euro verkauft. Wie sich später herausstellen sollte, gehörten die Leute dieser Firma früher zum Umfeld der verbotenen ANR ( “Aktion Neue Rechte ” ). Einige Zeit später verkaufte diese Immobilienfirma das EKH an die Gemeinde Wien. Um 2,1 Millionen Euro.
Somit “diente” die Wiener Anarcho-Szene ungewollt als “Verhandlungsmasse”, um rechtslastigen Geschäftemachern zu optimalen Gewinnen zu verhelfen.

  1. Aber die neuen Eigentümer der Schönlaterngasse gehören weder der rechten Szene an, noch sind sie “Feinde der Literatur”.
    Wie würde nun ein “normaler”, nur auf satte Gewinne trachtender Immobilienhändler wahrscheinlich vorgehen ? - Dr. [ Stefan ]Schmerschneider empfahl in einer Kolumne im “Wirtschaftsblatt” am Beispiel des steirischen Immobilienhandels, dass man, um Gewinne machen zu können, den langen Atem benötige - bis 15 Jahre.
    Ein normaler Spekulant würde nun einfach das Haus der Gewalt der Natur, also das Haus verfallen lassen, keine Reparaturen mehr durchführen usw. bis das Gebäude für die letzten Mieter unwohnlich geworden ist. Dagegen wäre auch das Bundesdenkmalamt machtlos.
  2. Als die an Gegenwartsliteratur interessierte Öffentlichkeit vom Verkauf des Hauses erfahren hatte, erfolgte spontan eine Unterschriftenaktion für die Erhaltung der “Alten Schmiede“, die innerhalb von wenigen Tagen mehr als 1.000 Persönlichkeiten unterzeichnet wurde. Nun könnte sich Kulturstadtrat Mailath-Pokorny als Freund der Literatur präsentieren und veranlassen, dass das Haus von der Gemeinde Wien zurückgekauft wird, um es endlich dem ursprünglichen Zweck zu widmen.

Selbstverständlich möchte dann der bisherige Eigentümer eine gewisse Unkostenentschädigung für seine Risikobereitschaft haben…
Fast zur gleichen Zeit verkaufte “Wiener Wohnen ” übrigens die Hausanlage Schottenring 28 um kolportierte 20 Millionen Euro an die “Wiener Städtischen Versicherung“. Auch die Frage, ob diese Summe stimmt, blieb von der PR-Stelle der Versicherung unbeantwortet.
In diesem Gebäude waren bisher außer Dutzenden Mietern, einem Kindergarten auch der “Österreichische Jugendherbergeverband ” oder die jüdische Hilfsorganisation “SOCIETY OF THE FRIENDS OF ELTERNHEIM AND PEOPLE IN NEED ” untergebracht.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - EINE FRAGE DER BUDGETS ?

alte-schmiede-was-tunEs stellt sich die Frage: Wäre es bei diesem Deal nicht möglich gewesen beim Verkauf dieses Objektes ein wenig runterzugehen und im Gegenzug Schönlaterngasse 9 zurück zu bekommen ?
Wie auch immer die Sache weitergehen mag, fragt sich: Aus welchen Budgetmitteln ?

Die Stadt Wien, die sich immerzu mit dem 1905 im bulgarischen Rustuk geborenen und 1938 aus Wien vertriebenen Literaturpreisträger Elias Canetti und der in Mürzzuschlag geborenen Literaturpreisträgerin Elfriede Jelinek brüstet, gab laut Kunstbericht im Jahr 2006 für Literatur 920.457,88 Euro aus, was 0,7% des Kulturbudgets entsprach. Während im Bereich Literatur stets eingespart wird, werden Subventionen im sogenannten “Event”-Bereich laufend ( die Tourismuswirtschaft als fordernde Lobby im Hintergrund ) erhöht: Für Musik, Theater, Großveranstaltungen 117,313.283,60 Euro oder 86,1 % des Kulturbudgets im Jahr 2006. Aber diese Missverhältnisse sind wenigstens öffentlich kontrollierbar.

Bei einem Privatunternehmen wie der “Wiener Städtischen” muss man sich mit netten Werbesprüchen zufriedengeben. Aus einem Mail :

Die ‘Wiener Städtische ‘ ist bereits seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Förderin von Kultur und Kunst. Dies ist integraler Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie und -kultur. Dabei stellen wir den Gedanken an den Nutzen für eine möglichst breite Allgemeinheit in den Mittelpunkt unserer kulturellen Aktivitäten.

Selten so gelacht.

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RELATED

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Kunst , Kultur , Diskurs , Sprache , Klang und Film als niedrigschwellig ereichbare offene Quelle : Was die Open Source im Netz , leisten czz-hoerempfehlungInstitutionen wie “Musikwerkstatt ” und “Literarisches Quartierim ( Wiener ) “Echtleben” ( welches unter Netiziens auch als “Real Life” figuriert ) . Das mannigfaltig subventionierte Ubuweb hat hinsichtlich Musik- , Literatur- und Mediengeschichte ein mittlerweile stupendes Archiv etabliert , wo es auch Dinge zu hören gibt , welche man sonst eher von kommerziellen Datenträgerobjekten bezieht . So kennt man Laurie Andersons Titel “Born , never asked” grundsätzlich von der 1982 herausgekommenen Release “Big Science” . Bei Ubu gibt es diesen und andere ( eher frühere ) Tracks als Gratis MP3 - in diesem Fall als Teil des von John Giorno initiierten “Dial-A-Poem Poets“- Projekts ( LP “You’re the Guy I Want To Share My Money With” , 1981 ) . HÖREN SIE : “Born, never asked” ( MP3 ) in der Fassung von 1981 - und in einer Amateur- Video- Inszenierung @ YouTube , dessen bester visueller Teil wohl im Screentyping der Lyrics besteht . |||

Dokumentation : “Verunsicherung bei allen Beteiligten” - “Alte Schmiede vor ungewisser Zukunft” ?



Das “Literarische Quartier Alte Schmiede” - seit 33 Jahren unverzichtbares Kraftwerk und Ideenschmiede im Literarischen Leben Wiens und Österreichs - muss um seinen angestammten Standort im Herzen Wiens bangen . Die Hiobsbotschaft , am 17. Mai von Ronald Pohl im “Standard” angedeutet , wurde gestern mittels einer per Rundbrief versandten Sachverhaltsdarstellung des Trägervereins differenziert .

Eine in|ad|ae|qu|at|e Dokumentation .

Alte Schmiede Was tun

I. DIE ALTE SCHMIEDE VOR UNGEWISSER ZUKUNFT

Die Alte Schmiede vor ungewisser Zukunft : Gesamtinhaberin der Immobilie Schönlaterngasse Nummer 9 erwägt, das Haus zu verkaufen - Der Leidtragende könnte das Literarische Quartier der Schmiede werden ( Ronald Pohl , Der Standard , 17. 5. 2008 )

Wien - Veränderungen der vorerst ungewissen Art stehen der Alten Schmiede in der Wiener Innenstadt ins Haus. Wie Walter Famler, Generalsekretär des Kunstvereins Wien, bestätigte, trägt sich die Wiener Städtische Versicherung als nunmehrige Gesamtinhaberin der Immobilie Schönlaterngasse Nummer 9 mit der Absicht, das Haus zu verkaufen. Der Leidtragende könnte das Literarische Quartier der Schmiede werden. Potenzielle Kaufinteressenten erwägen offenbar eine weitgehende Umwidmung der Wohn- und Nutzflächen, die unweigerlich den Betrieb von Literaturquartier und Musikwerkstatt infrage stellen würde.

Famler, der von einer “Verunsicherung bei allen Beteiligten” spricht, macht auf den “wasserdichten Mietvertrag” aufmerksam, den der Kunstverein vor Ort besitze: “Wir sprechen von einer unverzichtbaren Kultureinrichtung - und davon, dass auch eine Instanz wie die Wiener Städtische schließlich öffentlich-städtische Interessen wahrzunehmen hat.”

Die Alte Schmiede residierte einst im Wohneigentum von Jugend & Volk, ehe die Wohnung und der Veranstaltungsraum nebst Keller in den Besitz der Wiener Städtischen übergingen. Um rein kommerziellen Verwertungsinteressen vorzubeugen, trägt sich Famler mit Umwidmungsideen, die einer Bestandsgarantie gleichkämen. “Es wäre von Vorteil, eine Stiftung zu gründen. Mit der Deklaration einer Kulturimmobilie wäre die Idee, Luxuswohnungen zu schaffen und für sie Garagen zu bauen, vom Tapet.”

Famler glaubt, auf dem Verhandlungswege eine ersprießliche Lösung finden zu können: “Das Haus steht ja immerhin unter Denkmalschutz!” Im Zuge einer Verlagerung von Büro- und Veranstaltungseinheiten könnte auch auf den frei gewordenen Besitz der sanft entschlafenen SPÖ Zukunftswerkstätte zurückgegriffen werden. Tatsache ist: Die Alte Schmiede scheint als eingeführter Veranstaltungsort für literarische Erkundungen, die Autor Kurt Neumann anleitet, nicht ohne weiteres dislozierbar. Oder, wie Famler sagt: “Umzuziehen in eine aufgelassene Bäckerei, um dort womöglich eine Neue Literatur-Bäckerei aufzumachen - das wäre doch absolut witzlos!”

Die Stadt scheint sich der Problematik auf Nachfrage bewusst: “Nach dem bereits erfolgten Ausbau der Alten Schmiede treten wir in eine zweite Phase - und warten auf Vorschläge!”, heißt es im Büro Mailath-Pokorny. Alle anderen Festlegungen seien Bestandteil von noch zu führenden Verhandlungen. Famler hat Planungen angestellt. Bereits um 700.000 Euro könnte man Umbauten vornehmen - und vor Ort einen Veranstaltungsraum für 200 bis 300 Personen “bespielbar” machen.

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Alte Schmiede Was tun

II. ÜBER KURT NEUMANN UND DAS “LITERARISCHE QUARTIER ALTE SCHMIEDE”

Vorbemerkung zu : Öffentlichkeit und Charakter . Essays . Sonderzahl Verlag 2000 ( Auszug )

Von Christiane Zintzen

LESEN + LESEN LASSEN

Lesung , Vorlesung , Vortrag , Rezitation : Ein Text - gelesen , verlesen - verlautet , verlautbart . Person der Autorin , Stimme des Autors , Vollzug in realer Gegenwart . Der Raum : ein Kreis von Anwesenden , von Hörenden , von im Hier und im Jetzt Aufnehmenden . Und entsteht also ein Viertes - ein der Triade von Werk , Person und reflektierendem Publikum Zuwachsendes - ein Echoraum . Bei jeder Lesung neu , bei jeder Vorlesung anders , bei jedem Vortrag unvorhersehbar , bei jeder Rezitation unverwechselbar . Eine je charakteristische “Öffentlichkeit” .

Wenn das Lesungs- und Veranstaltungsprogramm des Wiener Literarischen Quartiers | Alte Schmiede im Herbst 2000 in sein 26. Jahr geht , überschneidet sich die vollbrachte Rundung von 3.500 literarischen Veranstaltungen mit dem runden Geburtstag Desjenigen , als dessen LebensWerk die Alte Schmiede recht eigentlich geltend zu machen ist : Kurt Neumann .

Als Promotor eines dezidiert an der Moderne orientierten Literaturverständnisses , als Schöpfer einer institutionellen ( aber eben auch gesellschaftlichen und sozialen ) Stätte für die komplizierte Literatur , aber auch als Mensch von grosser Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilität ist es KURT NEUMANN gelungen , mit dem Literarischen Quartier eine Alternative zu den üblichen Veröffentlichungsmodalitäten von Presse , Funk und Buchmarkt aufzubauen und einen Raum von Öffentlichkeit zu schaffen , der literarische Professionalität mit “familialer” Soziabilität verbindet . So ist jener Humus entstanden , auf welchem sich die österreichische Literatur zu dem entwickeln konnte , wofür sie die internationale Literaturkritik heute schätzt .

DIALOG + LABOR

Zugleich hat das von Kurt Neumann nun seit fast 25 Jahren gestaltete und getragene Programm die Alte Schmiede als eine konsequent gepflegte und nachhaltig wirksame Plattform für den Austausch verschiedener künstlerischer und wissenschaftlicher Kulturen im geistigen Leben Österreichs verankert . Experimentierfeld für Literatur , verpflichtete sich die Alte Schmiede allerdings stets auch der Pflege diskursiver Reflexion durch und über Texte , weshalb in zahlreichen Veranstaltungsreihen ein Dialog zwischen Texten und Autoren , aber auch zwischen Literatur- und Kulturwissenschaftern kontinuierlich gefördert worden ist .

Umfassend ist mittlerweile die Agenda derjenigen “Labor”- Konstellationen , in welchen Wissenschafter ( aus den Natur- ebenso wie aus den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften ) und Künstler gemeinsam an den Möglichkeiten interdisziplinärer Zeit- und Gesellschaftsreflexion gearbeitet haben . Biologen und Physiker , Historiker und Soziologen , Rechtswissenschafter und Geologen waren und sind Gäste in einer Institution , deren Reichweite und Interessenspektrum mit der Sigle Literarisches Quartier nur unzureichend bezeichnet wäre .

KULTUR + KONJUNKTION

“Kultur” wird hier nicht unter der segmentierenden Linse von Spezialwissenschaften , -künsten und -zuständigkeiten verstanden , sondern als eine im weitesten Sinne “geistige Kultur” , die die ethisch-philosophischen Kompetenzen des Denkens mit den unterschiedlichen Performanzen des Ausdrucks reflektierend vermittelt . Durch die insistierende Konsequenz eines solchen Programms , welches Reflexionsprozesse kontinuierlich weiterentwickelt , haben sich für viele Künstler und Wissenschafter Türen zu neuen und transdisziplinären Kooperationen geöffnet . Tatsache ist , dass Kurt Neumann ( und mit ihm Programm und Veranstaltungsraum der Alten Schmiede ) sich kaum einem durchdachten Projekt - sei es von wissenschaftlicher , sei es von künstlerischer Seite vorgetragen - gegenüber verschliessen wird .

III

Erst im Februar 2008 wurde in den strassenseitigen Räumen der ehemaligen Artothek eine “Galerie der LiteraturZeitschriften” als öffentlicher Leseraum eingerichtet . Dieser steht - wie sämtliche Veranstaltungen der anspruchsvollen und vielseitigen Literatur- und Musikprogramme - allen Interessierten entgeltfrei offen .

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LINKS

RELATED

KLANGAPPARAT

Das von der Poetry Foundation in Kooperation mit dem Musik- , Literatur und Medienkunst- Archiv UbuWeb alle sechs Wochen veröffentlichte Podcast AVANT- GARDE ALL THE TIME stellt unter dem Titel “Best Decade Ever ?” ( 14:00 ) Sound- Poetry aus den 1980er Jahren vor : Zwischen czz hörempfehlungEthnopoesie und Paul Bowles . Den Stream gibt es hier.

Die älteren Folgen sind inzwischen via MP3 abhörbar
( CLICK LINKS TO LISTEN ) :

  • Avant-Garde All the Time , Introduction : An Introduction to the UbuWeb Sound Archives ( MP3 ) - Marie Osmond performing Hugo Ball , Guillaume Apollinaire , Gertrude Stein , Patti Smith , Ogden Nash , Charles Bernstein .
  • # 1 : Giorno Poetry Systems ( MP3 ) - Giorno Poetry Systems aka The Dial-A-Poem Poets , a series of double LPs put out back in the 70s featuring artists such as Patti Smith , Laurie Anderson , Philip Glass , Meredith Monk , John Cage , Richard Hell , Frank O’Hara u. a. and hundreds of others .
  • # 2 : The World of Outsiders ( MP3 ) - Antonin Artaud , Jim Roche , Bern Porter , Francis E. Dec , Benjamin Weismann , Sean Landers u. a.
  • # 3 : The Sound of Aspen Magazine ( MP3 ) - Aspen Magazine , ein “Multimedia Magazine in a Box” , erschien 1965 bis 1971 und präsenterte Künstler wie Samuel Beckett , William S. Burroughs , John Cage , John Cale and The Velvet Underground , Marcel Duchamp , John Lennon , Yoko Ono , Jackson Mac Low , Morton Feldman u. a. |||

Rubens : Between Raging Dogs and Excellent Birds



||| DESERTED MUSEUM | UP TO : P. P. RUBENS | FOCUS ON : “STORMY LANDSCAPE …” | FOCUS ON : “THE HUNT …” | DETAILING - TELLING - MEANING | KLANGAPPARAT

DESERTED MUSEUM

Dream or Nightmare ? - Being shut into one of those huge 19th century- cathedrals harbouring the tremendous treasures of the monarchic collections of Fine Art assembled during centuries of Power and Glory . For once the dream becomes real and I find myself alone - shut in the enourmous , formerly imperial Kunsthistorisches Museum ( “Museum of Art History” ) .

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Allthough it is not nighttime , but early morning , I enjoy the privilege to stroll through the empty halls and staircases on a closing day . Provided with an official licence to take pictures ( no flash allowed - which makes about two to three seconds exposure- time for my beloved OM-2 furnished with a dozen of 400 ASA films and - you bet ! - with a tripod ) I seem to be the sole soul in this whole cosm of the very originals of some major works of art .

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The truth though is that I am being followed by a watch- person from behalf of the museum’s adminstration , who is sent after me to ensure my appropriate behaviour . I wonder whether this person might watch me very much , totally absorbed by the local tabloid she brought along … The better !

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UP TO : P. P. RUBENS

Strictly holding on to my plan I cross the halls dedicated to “The Italians” …

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… shortly glimpsing at all those Tintorettos , Titians and Veroneses .

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My aim is strictly Rubens , assembled within the so called “Rubenssaal” ( XIV ) . Deliberately neglecting the famous Portrait of Hélène Fourment covered with nothing than “The Fur” ( “Das Pelzchen” , c. 1638 ) I tend to focus on two specific paintings referring to ancient Greek mythology :

Gewitterlandschaft mit Philemon und Baucis” ( “Stormy Landscape with Philemon and Baucis” , c, 1630 ) aswell as “Die Jagd des Meleager und der Atalante” ( “The hunt of Meleagros and Atalante” , c. 1617 - 1628 ) .

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FOCUS ON : “STORMY LANDSCAPE …”

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Commencing my experiment with some capture of the entire “Landscape” , I proceed by focussing more and more on the details as well as the texture of the support medium .

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Obviously the wood ( ? or other support medium ? ) once was plied for reasons of storage or transport . And the layers of colour broke . You may note the crack lines .

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Even though we see a scenario of restored harmony , the violence lies within the very material and the very fate of this painting . The staggering details only emerge by means of the enlarging features of the objective lens .

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But still : Finally I discover by means of the zoom an absolutely poetic feature overseen by most people meditating in front of the large- scale- painting : The tiny seagull far away in the horizon . Technically speaking : Four seconds of exposure .

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FOCUS ON : “THE HUNT …”

Fascinated by the richness of details in Rubens’ firsthand overwhelming frames , I approach “Die Jagd des Meleager und der Atalante” ( “The hunt of Meleagros and Atalante” ) with an openly selective bias .

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Time is running out , the watchperson clearly gets uneasy , so I arrange the tripod in front of this rendering of a hideous fight . Again , it is the topic of violence and suffering I am looking for : e. g. one of the hunting dogs , thrown upside- down , gasping for breath and survival , run over by the Calydonian Boar ( = kalydonischer Eber ) .

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Considering the richness of the overcrowded painting one stays awestruck by the painstaking rendering of details by Rubens ( or by his workshop’s guys ) .

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DETAILING - TELLING - MEANING

Rubens’ dog , Rubens’ seagull : It seems that hope and tragedy , joy and pain reside not only in the big narrative , but also in the very detail .

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KLANGAPPARAT

Writing about the little seagull within Rubens’ vast horizon , I immediately had to think of “Excellent Birds” , written and composed by Laurie Anderson , featuring Peter Gabriel . Simple , charismatic , irresistible . And - regarding the Vizuals - a little bit kitsch .

LAURIE ANDERSON FEAT. PETER GABRIEL : EXCELLENT BIRDS

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Wien kognitiv : Conference on Cognitive Narratology and Cognitive Poetics , 21. - 24. 5. 2008



||| COGNITVE POETICS - COGNITVE NARRATOLOGY | VIENNA CONFERENCE : IMAGIING MINDS - COGNITIVE APPROACHES | PROGRAM | CONCEPT & CONTACT | KLANGAPPARAT | LINKS | FURTHER READING

COGNITVE POETICS | COGNITVE NARRATOLOGY

hirn puzzle medizin forum deThe fields of cognitive narratology and cognitive poetics aim to ground literary reception processes in general human psychology and everyday knowledge without losing out of sight what is special about literary aesthetics . Innovative empirical methods are used to explore how readers make sense of stories and literary tropes .

Abstract of the Keynote- Speech by David S. Miall ( Univ. of Alberta ) :

Recent thinking among psychologists and neuropsychologists has witnessed a significant shift in understanding of the relationship of cognition and emotion, with the primacy of emotion now being widely accepted. Whereas it used to be considered that a prior cognitive appraisal was required for an emotion to occur, a cognitive process without emotion is now understood to be deficient, lacking direction, as has been demonstrated in cases of patients with frontal lesions that sever cognition from the emotion centres. Moreover, we often deliberately set out to cultivate emotional experience through reading: we use literature to raise our levels of engagement and interest through empathy with a protagonist or through pleasure in the stylistic aspects of a text.

However, the implications of this new perspective on emotions has as yet made little difference to our psychological understanding of literary reading. In this paper I consider evidence for the role of feeling, including some of the salient empirical studies in literary reading, and show how they raise significant implications for our cognitive accounts of the process of reading. The aspects touched on include the early processing of literary features such as foregrounding (i.e., the first 500 msec of processing), the anticipatory power of feelings, their analogical power, and their evocation of action imagery. |||

VIENNA CONFERENCE : IMAGIING MINDS - COGNITIVE APPROACHES

hirn puzzle medizin forum deImagining Minds – Cognitive Approaches to Narrative , Embodied Simulation , Metaphor and Complex Tropes ( pdf )

May 21 st - 24 th 2008, University Campus AAKH - hosted by the Dept. of English and American Studies and the Dept. of German Studies of Vienna University

The conference brings together leading figures in the field with
junior scholars for a cross-fertilizing dialog. |||

PROGRAM

hirn puzzle medizin forum deWednesday , May 21st

18.00 - KEYNOTE SPEECH - David S. Miall - Narrative feelings and their cognitive implications

20.00 - Drinks and food will be served at Universitätsbräu nearby

Thursday , May 22nd

9.30 - 11.00

  • Brigitte Rath ( Ludwig-Maximilians-University , Munich ) - Schema theory and Narratology : Modelling narrative understanding
  • Thomas Eder ( University of Vienna , Dept. of German Studies ) - Self Attribution , Introspection , and Narratology

Cognitive Approaches to Narratology often invoke the psychological activity of inferring what other people are thinking, perceiving or feeling. This process is generally considered in cognitive science to be facilitated by the possession of a Theory of Mind (ToM). ToM may be one of the things that makes literature - the writing and reading of literature, as well as the social relationships among characters in works of literature - possible.
My talk has two general aims: I) The concept of ToM within cognitive literary studies often seems to be used slightly different from the way cognitive scientists and philosophers of mind use it. So I will try to critically review some state-of-the-art literature on ToM (Goldman 2006, Nichols and Stich 2003, Carruthers 2006, Currie and Ravenscroft 2002) and compare it to the use of literary scholars (e.g. Zunshine 2006).

11.45 - 13.15

  • Michael Sinding ( Justus-Liebig University Giessen ) - Conceptual Blending in Genre Transformation : The Evolution of Epistolarity
  • Matthias Springer ( University of Munich ) - Humor and Narratives : Beyond narrative schematizing or a well-defined exception to it ?

My approach characterizes the constructivistic conceptualization of narrated humor and proposes a formalized description of mental models for representing it in events and episodes.

15.15 - 16.45

  • Rebecca M. Gordon ( Reed College, Portland ) - Remakes , Genre , and Affect : The Thriller-Chiller-Comedy as Case Study
  • Michael Kimmel ( Dept. of English and American Studies , ~ of Cultural Anthropology , University of Vienna ) - Embodied simulation in the reader and the cognitive linguistic toolbox

With this contribution I aim to discuss the import of the cognitive linguistic approaches to “embodiment” and “simulation” for narratology. Understanding how readers empathize with protagonist affect or otherwise simulate storyworld actions and events crucially benefits from converging recent approaches that emphasize the imagistic, kinaesthetically grounded and affective nature of representations ( … ) . Cognitive theory here dovetails nicely with the emerging narratological interest in readers’ mental and embodied imagery ( … ) .

hirn puzzle medizin forum deFriday , May 23rd

9.30 - 10.15

  • Yanna Popova ( Dpt. of Cognitive Science , Case Western Reserve University ) - Metaphor and Text Cohesion : What Holds a Narrative Together ?

Narratives, in both oral and written form, constitute a fundamental aspect of human experience. They are an ubiquitous instrument of thought that we use all the time to infer causality, attribute agency and make sense of our own lives and the lives of others. The ability to organize events in meaningful coherent wholes guides our understanding of what is happening (story, narrative) and forms the basis of our later recollection of what took place (memory).

10.30 - 11.15

  • Thomas Gasser ( Vienna ) - “… And handsome is as handsome did it too ! ” - retracing ambiguity or advanced analysis of metaphor patterns based on cognitive linguistic theory

Billy Budd , sailor“, Herman Melville’s last written and posthumously published work, “has generated a body of critical responses so rich and varied that they may be read as a chronicle of modern intellectual life.” The deep ambiguity of this work of art has led to such opposing interpretations reading it as a religious pean or a jaded satire. - This paper undertakes the decent attempt of retracing the way this ambiguity is produced by taking a close look at the conceptual imagery of the novel .

11.30 - 12.15

  • Ronald Kemsies ( University of Vienna, Dept. of English and American Studies ) - From detailed coding of metaphors to authorial metaphorizing strategies

Virtually all studies of metaphor in cognitive poetics still suffer from major deficiencies, notably (a) that the analysis is not done encompassingly for whole texts using recent developments in empirical metaphor identification and (b) that textual trends in how an author uses metaphor are therefore not accessible to closer inspection. This is regrettable because a comparative perspective of a sample of different texts with regard to their stylistic trends can lead to a much improved understanding of both the basic literary functions and the ways of literary enrichment of everyday metaphor (e.g., by elaboration, combination, scenario-building, blending,…) To resolve this issue, a paradigm is needed that combines systematic qualitative coding of text that can be later used for both qualitative and quantitative measures.

14.15 - 15.00

  • Yeshayahu Shen ( Tel Aviv University ) - Heard melodies are sweet : cognitive and linguistic aspects of synaesthetic metaphors

15.15 - 16.00

  • Rachel Giora ( Tel Aviv University ) - Is it really the metaphoric that is pleasing ? On the aesthetic effects of optimal innovation

16.15 - 17.00

  • Jan Auracher ( Ludwig-Maximilians-University , Munich ) - How to measure attention : Bio-psychological approaches to literature

The research focused on possibilities to operationalize the two variables - i.e. linguistic deviation and attention - formally by means of bio-psychological measurements and computational text analysis. An algorithm was developed to compute statistical ‘deviation’ by counting the relative occurrence of bi-grams (two word phrases). Readers listen to text with high or low degree of deviation and while their EEG (electroencephalogram) was recorded. By means of analyzing average Alpha wave power the attention of the subjects while listening was assessed. Results show that texts with high level of deviation bear a higher potential to draw the attention of the recipient.

17.30 - 19.00

  • Discussion

hirn puzzle medizin forum deSaturday , May 24th

10.00 - 10.45

  • Margarete Rubik ( University of Vienna; Dept. of English and American Studies ) - Feeling by proxy : descriptions of pain and love in English literature

The paper will investigate the question in how far literature can make the reader feel pain and love by proxy, as it were, i.e., by what stylistic means empathy can be evoked or prevented in such descriptions.

11.00 - 11.45

  • Makiko Mizuno ( Doctoral candidate , Vienna ) - Analysis of Experimental Poetry using the Methodology of Cognitive Poetics : A Case from Concrete Poetry

The purpose of this study is to investigate and understand the methods of experimental poetry, especially those of concrete poetry, using cognitive linguistic theory. Concrete poetry is a form of experimental poetry prevalent between the 1950s and 1970s, which uses a word not only in terms of its meaning but also of its physical quality, that is its visual gestalt. Analyzing a work of concrete poetry requires a synthetic method that can handle both the semantic and the visual aspect of the poem. One famous work by Gomringer [ wind ] illustrates how this poem realizes the semantic concept and diagrammatic iconicity.

12.00 - 12.45

I will demonstrate the complex nature of crossmodal representation through the analysis of Laurie Anderson’s piece “White Lily” ( 1986 ). In this short performance piece multimedia artist Anderson tells her audience a story about memory and time while her shadow and a computer animated figure, corresponding to this shadow, can be seen on a canvas behind her. I will analyze how Anderson enacts the abstract concept of time through the iconic use of syntax and rhythm in her lyrics as well as through music, gesture and computer animation. Focusing on selected lines of the text I will argue that in “White Lily” icons in different media work as metaphors for each other thereby realizing the crossmodal integration of experience .

14.45 - 18.30

Panel discussion with a focus on the junior contributions |||

CONCEPT & CONTACT

Michael Kimmel , Thomas Eder , Organisation : Ute Huber [ mailto ] ute.huber [ at ] univie [ dot ] ac [ dot ] at |||

KLANGAPPARAT

“Poesie und Musik” klingt grösser als das simple Wort von der “Vertonung” . Anyway , nach vorhergehenden Releases in den Benelux- Staaten sowie in Grossbritannien ist die CD “Recitement” im April 2008 czz hörempfehlungauch im deutschsprachigen Raum lieferbar : Poetische Texte von Yoko Ono , Gerard Manley Hopkins , Charles Baudelaire und Vincent van Gogh gelesen von Grössen wie Lou Reed . Weiters O- Ton- Aufnahmen von Jorge Luis Borges , Allen Ginsberg , Hugo Claus und einige Partikel “Kurt Schwitters ” . - Das Ganze in Eazy Listening- Arrangements und eingebettet in einen überreich mit synthetischen Geigen “veredelten” Hochglanz- Sound .

Zweifellos verfügt der Amsterdamer Produzent Stephen Emmer ( pdf ) über ein passables Register an musikalischen Genres und wurde speziell für seine Zusammenarbeit mit Lou Reed hochgelobt : Zu überzeugen vermag diese Poesie à la Kuschelrock allerdings kaum . Den Stream mag man auf der Webseite des Projekts anhören ( rechts befindet sich der Player ) , sich das aufwändig gemachte YouTube- Video reinziehen und uns gerne heftig widersprechen . |||

LINKS

FURTHER READING

Sicherheitspolizeigesetz Österreich : Parlamentarische Petition | sign petition



||| FREMDTEXT UEBERWACHUNGSSTAAT @ in|ad|ae|qu|at : PARLAMENTARISCHE PETITION ZUR BEHANDLUNG DES SPG IM INNENAUSSCHUSS DES NATIONALRATS | THESE | DER 6. DEZEMBER | “VERMISSTE SUCHEN” | OHNE RICHTER | POLIZEI IM INTERNET | DREI FRAGEN | UNSER ZIEL : ZURÜCK IN DEN INNENAUSSCHUSS | PETITION UNTERSCHREIBEN | ENGLISH TEXT | KLANGAPPARAT | LINKS

metternich_zwo_null_copyright_inadaeaquatAngesichts der massiven Ausweitung der Polizeibefugnisse durch das neue Sicherheitspolizeigesetz rufen die Grünen eine “Initiative für den Schutz vor dem Überwachungsstaat” ins Leben , getragen von prominenten Experten ( pdf ) .

THESE

Immer umfassender wollen uns Polizei und Nachrichtendienste kontrollieren : durch Maßnahmen wie Lauschangriff , Rasterfahndung , Trojaner , Bildungsevidenz , Videoüberwachung , Fingerabdrücke , Genmusterabdrücke , Vorratsdatenspeicherung und IMSI- Catcher . Österreich zeigt hierdurch immer mehr Merkmale eines Überwachungsstaates . Wir sind der Überzeugung , dass nicht alles für den Staat zulässig sein soll , was technisch möglich ist .

Verfassung , Justiz und Polizei haben eine gemeinsame Aufgabe : uns und unsere Freiheit zu schützen . Immer öfter wird aus dem Schutz Bedrohung . Immer öfter zeigt sich , dass eine schrankenlose Überwachung

  • nicht mehr Sicherheit schafft
  • unsere Freiheit und unsere Privatsphäre gefährdet
  • Millionen Euro verschwendet .

Wenn einseitige Sicherheitspolitik die Freiheit gefährdet , ist es Zeit , die Freiheit vor der Sicherheitspolitik zu schützen .

DER 6. DEZEMBER

metternich_zwo_null_copyright_inadaeaquatUm die Mitternachtszeit des 6. Dezember 2007 hat der Nationalrat die Novelle zum Sicherheitspolizeigesetz beschlossen . Damit sind an einem Abend drei Kontrollen ausgeschaltet worden :

  • die Kontrolle der Richter
  • die Kontrolle der Provider
  • die Kontrolle des Parlaments .

Zum ersten Mal darf die Polizei ohne richterlichen Befehl

  • Standortdaten von Mobiltelefonen abfragen
  • IMSI- Catcher einsetzen
  • Netzbetreiber zur Auskunft über dynamische IP- Adressen zwingen .

Seit dem März 2007 hat der Innenausschuss nicht getagt . Während des Nationalratsplenums wurde das Recht zum polizeilichen Zugriff auf die IP-Adressen als Abänderungsantrag eingebracht – ohne Ausschuss , ohne Begutachtung . Weder Justizministerium noch Datenschutzkommission oder Verfassungsdienst konnten dazu Stellung nehmen . Die parlamentarische Kontrolle wurde ausgeschaltet . |||

“VERMISSTE SUCHEN”

Die Rechtfertigung – Aufspüren vermisster oder entführter Personen – hält einer sachlichen Überprüfung nicht stand . Die Peilung von nicht auffindbaren Personen ist bereits nach der bisher geltenden Rechtslage über “stille SMS” möglich . |||

OHNE RICHTER

metternich_zwo_null_copyright_inadaeaquatIMSI- Catcher sind Geräte , mit denen die auf der Mobilfunk-Karte eines Mobiltelefons gespeicherte International Mobile Subscriber Identity ( IMSI ) ausgelesen werden kann. Der Einsatz von IMSI- Catchern setzt eine erfolgreiche Peilung eines Handys voraus, da der IMSI- Catcher in der Nähe des Handys eine Funkzelle vortäuscht und damit Gesprächsdaten “absaugt” . Wer mit IMSI- Catchern abhört , umgeht den Provider . Damit fällt die erste Kontrolle .

Mit dem neuen Gesetz dürfen IMSI- Catcher ohne richterlichen Befehl eingesetzt werden . Damit fällt die zweite Kontrolle .

Die Gesprächsüberwachung ohne richterlichen Befehl ist zwar nach wie vor illegal . Aber sie kann nicht mehr kontrolliert werden . Dem Missbrauch ist Tür und Tor geöffnet .

Der Innenminister ernennt seinen Rechtsschutzbeauftragten , der den Richter als Kontrolle ersetzen soll . Dazu ist der Rechtsschutzbeauftragte im Gegensatz zu den Richtern aber aus drei Gründen nicht in der Lage : Er hat ein bloßes Informationsrecht . Er kann keinen Einspruch gegen Maßnahmen erheben . Und er kann keine Sanktionen bei Verdacht auf Missbrauch der polizeilichen Befugnisse erwirken . Der Minister ersetzt wirksame richterliche Kontrolle durch einen zahnlosen Beauftragten . |||

POLIZEI IM INTERNET

metternich_zwo_null_copyright_inadaeaquatDie Datenschutzkommission hat festgestellt, dass es keine gesetzliche Grundlage für den polizeilichen Zugriff auf die IP- Adressen gibt, weil es sich hier nicht um Stammdaten , sondern um Verkehrsdaten handelt . Statt einer seriösen Klärung stellt das neue Gesetz der Polizei eine Generalermächtigung zur Abfrage der IP- Adressen aus – ohne richterliche Kontrolle und ohne Verpflichtung, die Maßnahme zu begründen . |||

DREI FRAGEN

Wir stellen drei Fragen :

  1. Wozu sollen für die Ortung von Handys ungeeignete IMSI- Catcher ohne richterliche Kontrolle eingesetzt werden ?
  2. Warum soll die Polizei ohne richterliche Kontrolle das Recht auf Zugriff auf Daten von Internet- Usern erhalten ?
  3. Warum wurden diese polizeilichen Vollmachten ohne Behandlung im Innenausschuss – und im Falle der IP- Adressen ohne Begutachtungsverfahren – als Gesetz beschlossen ?

Der Nationalrat hat das Gesetz beschlossen . Der Nationalrat soll die Fragen beantworten . |||

UNSER ZIEL : ZURÜCK IN DEN INNENAUSSCHUSS

metternich_zwo_null_copyright_inadaeaquatDer parlamentarische Beschluss zur Ausweitung der polizeilichen Überwachung auf Handys und Internet wurde ohne Anhörung des Innenausschusses gefasst. Der polizeiliche Zugriff auf die IP- Adressen wurde während der Plenarsitzung von Abgeordneten als Abänderungsantrag eingebracht .

Wir können und wollen die de- facto Ausschaltung der Volksvertretung in dieser wichtigen Sache nicht hinnehmen . Daher richten wir unsere Petition an den Nationalrat :

Wir wollen , dass sich der Innenausschuss des Nationalrats ernsthaft mit der Überwachung von Handys und Internet befasst .

Wir wollen , dass in Zukunft keine Gesetze , die persönliche Freiheiten einschränken , ohne

  • Begutachtung
  • vorherige Behandlung im Ausschuss
  • und eine breite öffentliche Diskussion

beschlossen werden .

Weiters wollen wir , dass alle gesetzlichen und behördlichen Ermächtigungen zur Überwachung ohne ausreichende Abwägung der Verhältnismäßigkeit und ohne genügende Kontrolle durch Richter zurückgenommen werden .

Wir erwarten vom österreichischen Nationalrat Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit den Grundrechten der Menschen und der Verfassung der Republik . |||

PETITION UNTERSCHREIBEN

metternich_zwo_null_copyright_inadaeaquatHier . |||

ENGLISH TEXT

Online petition against surveillance in Austria @ BLOGGER FOR FREEDOM : On December 6, 2007 the Austrian national council has given its agreement to an amendment on the “security police law” . The decision is being criticized for its effects as well as for the controversial way it was passed. To get this bill taken back , the newly founded group “sos-überwachung” ( sos surveillance ) has started a petition and an online demonstration .

The novella of the security police bill was brought up on December 6 as an amendment and was passed the same night . It was neither preceded by a conference of the interior committee nor by a hearing of the ministry of justice or the commission for data privacy .

The new law allows the police to

  • interrogate position data of mobile phones
  • use IMSI- catchers
  • force providers to give informations on dynamic IP addresses . |||

Read more … |||

KLANGAPPARAT

Nachrichten aus der alltäglichen amerikanischen Paranoia als O- Ton- Sprach und Sound- Collage . in|ad|ae|qu|at bleibt heute beim Zitieren , weil es auch in des LA- based Musikers und Schriftstellers Norman Fairbanks‘ auratischen Audio- Feature CONSPIRACY TEST RUNS ON PUBLIC BROADBAND COMPUTERS : “Mind- blowing conversations ( … ) are just waiting for you to be exploredczz hörempfehlung in the brand- new 4- part audio concept CONSPIRACY TEST RUNS ON PUBLIC BROADBAND COMPUTERS which is nothing less than a stunning 75 minutes major American aural metaphor , fully loaded with oddities and truths , carefully collected , selected , sampled and presented in an enjoyable radio play / mix format .” ( Read more … )

Darf einen gleichwertigen Rang beanspruchen wie Laurie Andersons United States ( 1983 ) , allerdings eben 25- years after und musikalisch nicht minder intelligent . Zeit nehmen . Einlassen . Zuhören . CLICK TRACKS TO LISTEN : Part 1 - I Know The Sound Of A Car Bomb ( 33:05 ) | Part 2 - She Is Always Careful To Return ( 27:13 ) | Part 3 - The Problem With ‘Schedule I’ Drugs ( 04: 55 ) | Part 4 - American Movement ( 10:00 ) |||

LINKS

Initiative

Presse

Blogs

in|ad|ae|qu|at related

update 30. 12.

update 4. 1. 2008

Helge meldet am 2. 1. :

Die vor zwei Wochen gestartete Online-Demo gegen Metternich 2.0 hat deutlich mehr Resonanz gefunden, als ich das erwartet habe: Bereits 116 Websites zeigen ihre Ablehnung der wachsenden polizeilichen Befugnisse durch das Metternich-Eselsohr ( . . . ) . Das Eselsohr wird laut Webserver-Statistiken knapp 40.000 mal pro Tag irgendwo eingeblendet und hat damit seit Start der Aktion zehntausende Menschen erreicht. Die parlamentarische Petition, auf die das Eselsohr verlinkt, bringt es mittlerweile schon auf 17.000 Unterstützer.

Und wer zählt die Supportseiten ohne Knick- und Klappohr ?! - Wie wir eben erfahren : Der Demokratische Salon ( mit Wiki , Forum , Mailingliste … und Logo- Wettbewerb ) .

Mittlerweile erklingt der Jammer über den Verlust an “privacy” international . Das wird einerseits als Politikum und oft in alarmistischer Tonlage verhandelt . Anderseits freut sich die Wirtschaft über den boomenden e- commerce und die Werbeindustrie über Wachstumsraten per Zielgruppen- Optimierung Differenzierung . Der User - vulgo “Kunde” respektive brave Bürgersmann - will “den Batzen UND das Weggli” : Selbstdarstellung UND Security , Schutz UND Freiheit . Er wird sich - Jeder und Jeder zu seiner Zeit - freilich entscheiden müssen und … danach handeln . In der guten Stube wie an den Urnen seiner Wahl .

  • Datenschutz: Deutschland im Abwärtstrend ( SpOn , Rivva , 2. 1. )
  • US ranks poorly as global privacy situation worsens ( Tim Conneally , BetaNews , 2. 1. 2008 )
  • Privacy International : The 2007 International Privacy RankingState of Privacy Map | pdf | key aspects per country :
  • Austria ( “No explicit right to privacy in constitution but there are special laws for civil rights, including one for data protection; recent Supreme Court decisions are highly problematic ; …. Data Privacy Commission can bring civil and criminal provisions against institutions; but criticised for lack of independence ; … Legal requirement permitting Austrian military to request subscriber data from telecommunications providers ; Centralisation of data on students that is stored for 60 years ;”)
  • China (”Extensive surveillance schemes implemented in anticipation of the 2008 Olympics” ;)
  • France ( “No explicit right to privacy in constitution, though constitutional court has ruled that it is implicit ; Comprehensive privacy law; though the law permits intellectual property rights holders to create records of rights infringers ; …. DNA database is expanding to include nearly all crime investigations, and is known to be a register of ‘civil disobedience’ since the protests in 2005 and 2006; compels DNA collection from immigrants if parentage is questioned ;” )
  • Germany ( “One of the strictest privacy laws in the world ; Despite calls for workplace privacy law, none exists ; Federal Data Privacy Authority and Lander authorities are world leading ; Interception is permitted under the G-10 law which includes warrantless automated wiretaps ; One of the highest rates of interception across Europe ; Despite objections, data retention law approved ; ” )
  • Russia ( “Illegal collection of data is commonplace”)
  • UK ( “World leading surveillance schemes”)
  • US ( “No right to privacy in constitution, though search and seizure protections exist in 4th Amendment; case law on government searches has considered new technology ; No comprehensive privacy law, many sectoral laws; though tort of privacy ; ” )

Siehe dazu auch : The 2007 International Privacy Ranking ( netzpolitik , 4. 1. 2008 )

update 18. 1.